der Sarkosporidien in der Muskulatur der Büffel von Ostindien.
Makroskopisch traten dieselben als weisse oder grauweisse Streifen
hervor. Ganz auffallend viel wurden sie in der quergestreiften
Muskulatur des +Schlundes+ beobachtet. Im Herzen fand +van Ecke+ sie
niemals. Das Innere der Schläuche ist durch viele feinste Scheidewände
in Höhlen abgetheilt, deren halbflüssiger, dem Eiweiss gleichender
Inhalt überaus reich ist an sichel- und weiter an halbmond-, zahn- und
nierenförmigen 10–14 Mikra langen und 2–3 Mikra breiten Körperchen,
worunter in viel geringerer Zahl sich auch runde vorfinden. „Diese
Pseudonavicellen haben deutliche, zu jeder Zeit bestehende (?)
+Eigenbewegungen+, welche zum Theil fortschreitende, anderntheils
rotirende sind und ausserdem auch örtliche, an denen die kegelförmigen
Enden hervortraten.“ Bisweilen konnte +van Ecke+ an einem oder an
beiden Enden auch +Cilien+ nachweisen. Bei der +Kultur+ im hängenden
Tropfen zeigten die Pseudonavicellen nach 12 Stunden lebhafte Bewegung.
Nach 24 Stunden waren sie alle verschwunden und an ihrer Stelle
zahlreiche, lebhaft sich bewegende Amöben aufgetreten, welche +van
Ecke+ mehrmals sich in zwei theilen sah und nachher in eingekapseltem
Zustande beobachten konnte.
In einer späteren Mittheilung hebt +van Ecke+ noch hervor, dass die mit
den Parasiten behafteten Thiere im Leben keine Krankheitserscheinungen
erkennen liessen. Vorgenommene Fütterungsversuche fielen vollständig
negativ aus.
[Illustration: Figur 21.
Schnitt durch eine Sarkosporidiencyste und deren Umgebung aus dem
Oesophagus des Rindes. 60fache Vergrösserung. (Nach +van Ecke+). _a_
Cystenwand, _b_ periphere Kammern, _c_ Scheidewände der im Centrum
leeren Kammern, _d_ atrophische Muskelfasern im Längsschnitt, _e_
Muskelfasern im Querschnitt.]
+Sanfelice+[183] beobachtete in der +Zunge von Rindern und Schafen+
fast regelmässig Sarkosporidien. Schon bei 15–20facher Vergrösserung
sind die Sarkosporidienschläuche in den quergestreiften Muskeln als
kleine weissliche Stellen, die in ihrer Mitte dicker als an den Enden
sind, zu erkennen. Reisst man einen der Schläuche entzwei, so sieht
man die isolirten Parasiten, welche eine eiförmige oder sichelförmige
Gestalt besitzen und an dem einen Ende dicker als dem anderen sind.
Der Körper dieser Parasiten erscheint aus zwei das Licht verschieden
brechenden Substanzen zusammengesetzt. Die entwickelteren Schläuche
besitzen eine sehr feine, in ihrer ganzen Ausdehnung strukturlose
Membran und einen Inhalt von sichelförmigen Körpern in verschiedenen
Entwickelungsstadien. Stets werden die Schläuche von den Muskelfasern
umhüllt. Nach +Sanfelice+ ist das früheste Entwickelungsstadium
eine protoplasmatische, schwach gefärbte Masse, die in ihrem Innern
stärker gefärbte, aber nicht genau abgegrenzte Stellen aufweist.
Dieser protoplasmatische Körper unterscheidet sich durch seine Färbung
deutlich von der Muskelfaser. Von den Kernen des Sarkolemmaschlauches
sind diese Körper durch die Grösse, geringeres Färbvermögen und durch
das Vorkommen von mehreren Kernen im Innern unterschieden. Ist die
Entwickelung des Schlauches etwas weiter vorgeschritten, dann erscheint
die protoplasmatische Masse grösser, die Keime vermehren sich bis das
volle Entwickelungsstadium des Schlauches erreicht ist und die Kerne
sich erst in eiförmige und dann in sichelförmige Körper umgewandelt
haben.
Nach weiteren Beobachtungen kommen die Sarkosporidienschläuche in
der Zunge, besonders in den hinteren, der Rachenhöhle anliegenden
Abschnitten und ferner am häufigsten bei Weidethieren vor. Sehr oft
war an den betreffenden Zungen gleichzeitig beginnende Aktinomykose
vorhanden.
Sarkosporidien bei Schafen und Ziegen.
[Illustration: Figur 22.
Balbiania gigantea in der Schlundwand des Schafes.]
Ausserordentlich häufig kommen Sarkosporidien bei Schafen vor. Ganz
besonders sieht man dieselben in der Muskulatur des +Schlundes+ oft
in einer Anzahl von mehreren Hundert in der Grösse eines Hirsekorns
bis zu derjenigen einer Erbse. +Morot+[184], welcher von Anfang Mai
bis Anfang Juni im Schlachthause zu Troyes 900 Schafe untersuchte,
fand bei 272 Thieren Sarkosporidien in der Schlundmuskulatur; und
zwar waren bei einzelnen Schafen bis 227 Cysten in der Schlundwand
vorhanden. Bei +demselben+ Thiere fanden sich 128 dieser Gebilde in
der Zunge und eine sehr grosse Zahl in verschiedenen Körpertheilen
des Thieres. Es waren die Muskulatur des Schlundkopfes, Kehlkopfes
und der Wange mit Cysten von der Grösse eines Getreidekornes bis zu
der einer Erbse dicht besetzt. In den Monaten Mai bis Dezember fand
+Bertram+ von 185 untersuchten Schafen 182 mit Sarkosporidien behaftet.
Da die Sarkosporidien im Schlunde meist eine beträchtliche Grösse
(bis Haselnussgrösse) erreichen, werden sie unter Berücksichtigung
der von +Balbiani+ vorgenommenen Eintheilung als +Balbiania gigantea+
bezeichnet. Man findet die Cysten, welche ausser bei Schafen,
Pferden und Rindern, auch im Schlunde der Ziegen vorkommen, sowohl
in dem die Schlundmuskulatur umgebenden Bindegewebe wie auch in der
Schlundmuskulatur selbst. In der Regel fehlen in der Umgebung der
fertigen Schläuche bei den grösseren Hausthieren jegliche Zeichen
akuter Entzündung; nur sehr selten finden sich kleinere Hämorrhagien
vor. Wie +Pfeiffer+ u. A. angeben, und wie ich bestätigen kann,
finden sich bei starker Sarkosporidieninfektion, wobei die Cysten
ziemlich dicht aneinanderliegen, interstitielle Wucherungen,
Erkrankung und Untergang der Muskelzellen. Die grossen Cysten in der
Schlundmuskulatur zeigen auf Schnitten nur eine schmale Randzone von
mit Sichelkeimen erfüllten Sporocysten. Das Centrum dagegen ist ein
leeres Maschengerüst, in welchem noch an einzelnen Stellen einige
sichelförmige Körperchen vorhanden sind. L. +Pfeiffer+ meint, dass
der Inhalt der central gelegenen Sporocysten wahrscheinlich durch
Kompression von der Oberfläche aus zu Grunde geht, indem von den
luxuriös vorhandenen Keimen die bevorzugten Exemplare zur Peripherie
gelangen und hier sich vermehren. Naturgemäss müsse ein gleichmässig
von der Oberfläche wirkender Druck die central gelegenen Sporocysten am
frühesten treffen und ev. auch zur Evasion veranlassen. Demgegenüber
hebt +Bertram+ mit Recht hervor, dass die sichelförmigen Keime in
abgeschlossenen Kammern liegen und bei längerer Anwesenheit in
demselben Organismus ein Untergang der sichelförmigen Körperchen häufig
beobachtet wird, so im Centrum der Sarkosporidien des Geckos, des
Schafes und ein totaler Zerfall der Schläuche beim Schwein.
[Illustration: Figur 23.
Sarkocyste in den Muskelzellen des Schafes. (Nach +Bertram+.)]
+Bertram+ giebt ferner an, dass durch die starke Entwickelung der
Cysten in der Schlundmuskulatur das dieselben umgebende Sarkolemma
allmählich derartig ausgedehnt wird, dass die Sarkosporidie scheinbar
nicht mehr ihren Sitz in der Muskelfaser hat. Es lässt sich die
sehr dünne Schicht Muskelsubstanz und das Sarkolemma nur durch
die Untersuchung von Querschnitten und bei Anwendung geeigneter
Färbemittel nachweisen. Ich konnte in vielen Fällen beobachten, dass
je nach der Grösse der Cysten dieselben noch von einer schwach roth
schimmernden, mit blossem Auge erkennbaren Hülle umgeben waren. Sobald
der Widerstand, sagt +Bertram+, welcher von dem Sarkolemma auf das
Wachsthum des Schlauches ausgeübt wurde, aufgehoben ist, findet nicht
nur an den Enden des Schlauches, sondern an der gesammten Peripherie
Zelltheilung, Ballenbildung und Wachsthum statt. Die sichelförmigen
Körperchen zerfallen dann im Centrum grosser Sarkosporidien.
Ueber die +Entwickelung der Balbiania gigantea+ macht +Bertram+ noch
folgende nähere Angaben, welche ich im Wesentlichen bestätigen kann.
[Illustration: Figur 24.
Junge Sarkocyste in der Muskelfaser eines Schafes.]
Zunächst ist nachzuweisen, dass auch die Cuticula grosser
Sarkosporidien von dem Sarkolemma und einer Schicht Muskelsubstanz
umgeben ist und kann man in der Regel in dem Sarkolemma gut erhaltene
Muskelkerne erkennen. Nach aussen von dieser Muskelsubstanz folgt noch
eine Bindegewebsmembran, so dass von aussen nach innen nachzuweisen
sind: Bindegewebsmembran, Sarkolemma und Muskelsubstanz und Cuticula.
An der inneren Fläche der Cuticula ist, wie schon bei Pferden
angegeben, eine Bekleidung mit rundlichen Zellen nachzuweisen. Bei
+ganz jungen+ Schläuchen besteht der Inhalt aus runden Zellen, während
eine Ballenbildung und Gerüstsubstanz nicht nachzuweisen ist. Nur
bei weiter entwickelten Schläuchen, die dabei keineswegs immer sehr
gross sind, tritt die Gerüstsubstanz deutlich hervor und in der Mitte
derselben die zu Ballen vereinigten sichelförmigen Körperchen. Die
Menge der sichelförmigen Körperchen nimmt nach dem Centrum in den
einzelnen Kammern ab. Die in der Umgebung des Centrums liegenden
Kammern enthalten in Zerfall begriffene sichelförmige Körperchen und
körnige Zerfallsmassen. In der Mitte sehr grosser Sarkosporidien
findet sich ein Hohlraum, in welchem körnige Massen eingelagert sind.
Die Gerüstsubstanz ist im Centrum zerrissen und hat sich kontrahirt,
wodurch die Kammern an den Rändern des Hohlraums kleiner erscheinen und
langgestreckt sind. Die der Cuticula unmittelbar anliegenden Kammern
sind klein und ihr Inhalt besteht aus Zellen mit hellem Protoplasma und
grossen Kernen.
Aus diesen Beobachtungen glaubt +Bertram+ folgende Schlüsse ziehen zu
können:
Die in den jüngsten Stadien befindlichen, stellenweise nicht scharf
abgegrenzten Zellen, welche +Bertram+ als Sporoblastenmutterzellen
bezeichnen möchte, bringen durch Kerntheilung und simultanen Zerfall
des Plasmas Zellen mit homogenem Protoplasma und grossem Kern, die
Sporoblasten, hervor. Um diese scheidet sich Gerüstsubstanz aus, und
die von ihnen später gebildeten Zellen, aus welchen die sichelförmigen
Körperchen hervorgehen, bleiben zu Ballen zusammengelagert. An
den Schlauchenden findet bei mittelgrossen Schläuchen fortwährend
Zelltheilung, Ballenbildung und Wachsthum des Schlauches in der
Längsrichtung der Muskelfasern, d. h. in der Richtung des geringsten
Widerstandes statt. Durch Vermehrung der Ballen nimmt die Dicke des
Schlauches zu, und das Sarkolemma wird derartig ausgedehnt, dass die
Sarkosporidie scheinbar nicht mehr ihren Sitz in der Muskelfaser
hat. Es lässt sich jedoch wie schon bemerkt, die sehr dünne Schicht
Muskelsubstanz und das Sarkolemma nur durch die Untersuchung von
Querschnitten und bei Anwendung geeigneter Färbemittel nachweisen.
[Illustration: Figur 25.
Aeltere Sarkocyste in den Muskeln eines Schafes. (Nach +Bertram+.)]
Mit Rücksicht auf die besonders bei Schafen vorkommenden kleineren und
grösseren Sarkosporidien hat +Railliet+ für die kleineren, welche er
als besondere Art ansah, den Namen =Sarcocystis tenella= vorgeschlagen.
Es besteht jedoch kein Artunterschied, vielmehr sind die grossen
Sarkosporidien aus den kleineren hervorgegangen. Warum jedoch z.
B. die Sarkosporidien in der Kehlkopf- und Schlundmuskulatur eine
bedeutendere Grösse als in anderen Muskeln, z. B. im Herzen erlangen,
ist noch nicht entschieden. Es ist möglich, dass der von der Umgebung
ausgeübte Druck hindernd auf das Wachsthum einwirkt. Diejenigen Organe,
deren Muskeln die grössten Sarkosporidien am häufigsten beherbergen,
sind entweder von grossen Körperhöhlen, wie der Schlund, oder von
lockerem Bindegewebe, wie der Kehlkopf, eingeschlossen. Da sich bei
Schafen neben grossen Sarkosporidien im Schlunde häufig auch kleine
Schläuche finden, in denen, wie +Bertram+ angiebt, nur sichelförmige
Körperchen enthalten sind und darum weiteres Wachsthum in Folge dessen
ausgeschlossen ist, so ist es möglich, dass neben den genannten
Ursachen auch noch die Wachsthumsenergie in Frage kommt, welche bei
einigen Sarkosporidien grösser ist als bei andern.
Ausser in der Muskulatur des Schlundes werden die Sarkosporidien
bei Schafen auch an zahlreichen anderen Stellen gefunden. +Bertram+
konnte dieselben in Bestätigung der Erfahrungen früherer Untersucher
in den +Zungen-+, +Kau-+, +Schlundkopf-+, +Kehlkopf-+, +Schlund-+,
+Nacken-+, +Zwischenrippen-+, +Zwerchfell-+, +Herz-+, +Bauch-+ und
+Lendenmuskeln+ nachweisen. Die +grösseren+ Formen finden sich nach
+Bertram+ nur in der +Kehlkopf-+, +Pharynx-+, +Schlund-+, +Zungen-+
und +Gaumensegelmuskulatur+. Von einzelnen Beobachtern wird auch
angegeben, dass die Haut- und Bauchmuskeln des Schafes von den
Sarkosporidien bevorzugt werden. Diese unrichtige Angabe entspricht
wohl nur makroskopischen Untersuchungen, bei welchen obige Organe nicht
berücksichtigt sind. +Pfeiffer+ beobachtete kleine Schläuche in den
Augenmuskeln des Schafes. +Zürn+ will sogar zwei grössere Schläuche an
der harten Hirnhaut eines Schafes gesehen haben. +Laulanié+[185] hat
unter 272 mit Sarkosporidien behafteten Schafen 6 unter dem Brustfell,
10 unter dem Bauchfell und 27 unter Brust und Bauchfell gefunden. Doch
wird es sich auch in diesen Fällen, wie im Schlunde, um ursprünglich in
Muskelfasern gelegene Sarkosporidien gehandelt haben, welche nach dem
Zerreissen der oberflächlich gelegenen Fasern unter die serösen Häute
getreten sind.
[Illustration: Figur 26.
Sarkosporidien in den +Purkinje+’schen Fäden des Herzmuskels vom Schaf.
100fache Vergrösserung.]
Besonders interessant ist das Vorkommen der +Sarkosporidien unter
dem Endokard+. Schon +v. Hessling+[186] fand (1854) diese Gebilde in
der Herzmuskulatur der Wiederkäuer und zwar sowohl +innerhalb der
Purkinje’schen Fäden+, als auch innerhalb des Herzmuskels selbst;
ebenso will +v. Hessling+ dieselben in Schichten des Endokardiums, von
dessen Fasern eingehüllt, gefunden haben. Ferner beschreibt dieselben
+Roloff+[187] an der innern Oberfläche der Herzkammern des Schafes,
sowie +Kühn+, +v. Siebold+ u. A. Wenn demnach +Sticker+[188] in seiner
Mittheilung vom Jahre 1886 einen gleichen Befund veröffentlicht und,
ohne ihn richtig deuten zu können, als einen besonderen auffasst, so
lehrt diese Angabe, dass +Sticker+ sich weder mit seinem Gegenstande
überhaupt, geschweige denn mit der Litteratur über denselben vertraut
gemacht hat. Ich habe schon gelegentlich anderweitiger Untersuchungen
(über die Lupinose der Schafe) vor 15 Jahren sehr häufig diese
Gebilde unter dem Endokardium des Schafes gefunden, sowohl in den sog.
+Purkinje+’schen Fasern wie auch in den darunter gelegenen Muskelfasern
des Herzens. Bekanntlich sind die +Purkinje+’schen Fäden (1845)
eigenthümlich netzartig geformte graue Muskelfäden, welche eine nur
theilweise ausgeprägte Querstreifung zeigen und desshalb auf einem
gewissen embryonalen Standpunkt der Entwickelung stehen geblieben zu
sein scheinen. Man findet dieselben besonders dicht unter dem Endokard
der Ventrikel, jedoch auch in dem Myokardium. Sehr selten sind diese
Fäden beim Menschen zu finden, dagegen regelmässig beim Schafe, meist
auch beim Pferde, ferner beim Kalb, Rind, Schwein, Ziege, Marder, Igel,
Hund, Huhn, Taube und Gans vorhanden.
[Illustration: Figur 27.
Sarkosporidien in den +Purkinje+’schen Fäden des Herzmuskels vom Schaf.
500fache Vergrösserung.]
Man findet die Sarkosporidien in und unter den +Purkinje+’schen Fäden
als meist gleich grosse ovale Gebilde, in welchen man bei starker
Vergrösserung sowohl die sichelförmigen Körperchen, wie auch die
gestreifte Umhüllungsmembran erkennen kann. Ebenso findet man die
Sarkosporidien in dem Myokardium, wo ich dieselben als kurze Schläuche
vorwiegend in den peripheren Abschnitten des Herzmuskels beobachtete.
Hinsichtlich der +pathologischen Bedeutung der Sarkosporidien+ bei
Schafen liegen in der Litteratur nur wenige Angaben vor, welche die
Annahme einer schädlichen Wirkung rechtfertigen könnten. +Pütz+ sagt,
dass er in Halle reichlich bei der Hälfte der geschlachteten Schafe
Sarkosporidien in mässiger Zahl gefunden habe; niemals sei jedoch
festgestellt worden, dass die Parasiten in den betreffenden Fällen
die Gesundheit ihres Wirthes irgendwie gestört hätten. +Winkler+ hat
im Jahre 1864 bei einer grösseren Zahl von Schafen, welche gewöhnlich
plötzlich gestorben waren, im Verlaufe des Schlundes Sarkosporidien
gefunden. Ob dieselben jedoch die Ursache des Todes waren, ist nicht
festgestellt worden. +Dammann+[189] sah ein neunjähriges edles
Mutterschaf an Erstickung zu Grunde gehen, welches eine grosse Anzahl
von Psorospermienschläuchen im Schlunde und Schlundkopfe, eine
geringere Menge in der Muskulatur des Kehlkopfes und des Zungengrundes
beherbergte. Die zur Seite der Epiglottis gelegenen und an die
Giesskannen tretenden Schleimhautfalten waren durch die Anwesenheit
der Parasiten derart infiltrirt, dass sie starke Wülste bildeten,
welche den Eintritt der Luft verhinderten. Bei der Sektion fielen
zuerst nach Eröffnung der Bauchhöhle 5–6 weissliche, theils rundliche,
theils ovale Herde von der Grösse starker Erbsen oder kleiner Bohnen
auf. Im Brust- und Halstheile des Schlundes fanden sich etwa 50
derartige Herde in der Muskularis, theils oberflächlich, theils tiefer
gelegen. Dieselben hatten meist die Form und Grösse kleiner Bohnen
und lagen mit ihrer Längsseite den Muskelfasern parallel. Noch weit
massenhafter fanden sich die Cysten in der ganzen Muskulatur des
Pharynx, dessen Schleimhaut, wie die des Larynx und des Velum stark
infiltrirt und aufgewulstet war; weitaus am stärksten zeigte sich diese
Infiltration im Bereiche des Kehldeckels und der Giesskannenknorpel,
wo die Schleimhautfalten als grosse, schlotternde Wülste gegeneinander
gelehnt, den Eingang in die Glottis vollständig versperrten.
Ueber einen ähnlichen Fall berichtet +v. Niederhäusern+[190] von
einer Ziege, welche verschiedene Male an schnell vorübergehenden
Respirationsstörungen gelitten hatte und schliesslich geschlachtet
worden war. Auch hier fanden sich zahlreiche Sarkosporidien in dem die
Muskulatur des Schlundes umgebenden trockenen Bindegewebe und tiefer
im Muskelgewebe, sogar im submucösen Bindegewebe, sowie eine starke
Infiltration und Röthung des Schlundkopfes.
Sehr interessant sind auch noch zwei von +Roloff+[191] mitgetheilte
Fälle. In dem ersten Falle handelt es sich um ein altes Schaf, das
etwa 6 Wochen lang gekränkelt hatte und dann gestorben war. Es fanden
sich zahlreiche „Psorospermienknoten“ am Schlunde und in den Muskeln,
auf den Rippen und den Bauchdecken, sowie in den tiefer gelegenen
Muskeln an den Schenkeln. In dem zweiten Falle fanden sich bei einer
Haidschnucke, welche 6 Wochen lang ohne nachweisbare Veranlassung
bei ziemlich gutem Appetit immer magerer geworden war, zahlreiche
Psorospermienknoten am Schlunde und namentlich im weichen Gaumen;
ausserdem +eine so grosse Menge von Miescher’schen Schläuchen in der
Muskelhaut des Schlundes und in der Substanz des Herzens+, dass der
Schlund und noch mehr die innere Oberfläche der Herzkammern, wo die
Schläuche unmittelbar unter dem Endokardium lagen, ganz dicht punktirt
erschienen. Die in der Substanz des Herzens liegenden Schläuche hatten
die verschiedenartigsten Formen, rund, oval, birnförmig u. s. w.; die
zahlreichen Schläuche in den Muskeln am Rumpfe, sowie an den Schenkeln
waren meist gestreckt.
In allen den genannten Fällen scheint mir eine ursächliche Beziehung
der Sarkosporidien zu den beobachteten Krankheitserscheinungen ausser
allem Zweifel. Besonders Fälle wie der letzte von +Roloff+ beobachtete,
wo die Sarkosporidien massenhaft im Herzen vorkamen, kann ich vollauf
bestätigen. Während meiner praktischen Thätigkeit im Kreise Hoyerswerda
und noch später in Halberstadt habe ich wiederholt Schafe obducirt, die
unter den Erscheinungen fortschreitender Kachexie, zuweilen verbunden
mit wassersüchtigen Zuständen gestorben waren und wo sich nichts
weiter nachweisen liess, als jene Sarkosporidien im Schlunde, in der
Muskulatur und +ganz besonders im Herzen+. Das Herzfleisch hatte dabei
eine graubraune oder lehmfarbige, weiche Beschaffenheit. Bei diesen
Befunden hatte ich seiner Zeit in meinem Krankenjournal vermerkt:
Todesursache wahrscheinlich die +Miescher+’schen Schläuche. Jetzt
bin ich der Meinung, dass diese Gebilde sicher die Krankheitsursache
waren; auch glaube ich, dass man in Fällen, wie die genannten die
Sarkosporidien noch öfters als die Krankheitserreger feststellen würde,
wenn man entsprechende Untersuchungen, besonders der Herzmuskulatur
ausführen würde.
Ob die massenhafte Anwesenheit der Sarkosporidien in der Muskulatur
+der Schafe und besonders auch der Schweine+ gelegentlich auch zu
Blutungen und Zerreissungen Anlass geben kann, werden erst weitere
Untersuchungen lehren müssen. Wie ich in Uebereinstimmung mit +Rieck+
aussprechen kann, kommen Blutungen in der Muskulatur sowohl bei fetten,
wie auch bei mageren Schweinen und Schafen vor, auch häufig gerade
an denjenigen Stellen, wo erfahrungsgemäss die Lieblingssitze der
Sarkosporidien sind.
Ueber das Vorkommen von +Bindegewebscysten mit Sarkosporidieninhalt+
bei einem +Känguruh+ berichtet +Blanchard+[192]. Bei einem im Jardin
des plantes zu Paris im Jahre 1884 verstorbenen Känguruh fanden
sich 50 Cysten in dem submucösen Gewebe des Cöcums; dagegen waren
die sämmtlichen Muskeln des Körpers frei. Die Cysten bestanden
aus im Centrum kleineren, am Rande grösseren Maschen, welche mit
Sichelkörperchen gefüllt waren. +Blanchard+ stellte in seiner
Mittheilung die Sichelkeime den Keimen der Koccidien gleich; sie
sollen, wie die Sichelkeime der Eimeria falciformis in der Hausmaus
direkt durch ein amoeboides Zwischenstadium eine Neuinfektion bewirken
können.
Ueber das Vorkommen der =Sarkosporidien in der Muskulatur der Vögel=
hat neuerdings +Stiles+[193] Beobachtungen gemacht und beschreibt
seine Befunde unter folgendem System. 1. Balbiania Rileyi nov. spec.
Im intramuskulären Bindegewebe nordamerikanischer Enten vorkommend;
spindelförmig, 1,6 mm lang, 0,48 mm breit; Cuticula ungestreift; Sporen
mit Kern 0,012–0,014 mm lang, an einem Ende verdickt und rund, am
andern zugespitzt.
2. Balbiania falcatula nov. spec., der B. Rileyi ähnlich, doch viel
kleinere Sporen (0,005–0,006 mm) haltend. Spindelförmig 1,3–3,2
mm lang, 0,9 mm breit; Cuticula ohne Strichelung. Wohnt in Habia
ludoviciana Nordamerikas.
3. Sarkocystis falcatula nov. spec. In Muskelfasern des Wirthes von 2.
Spindelförmig mit gestrichelter Cuticula 2,4 mm lang, 0,152 mm breit;
sichelförmige, 0,006 mm lange Sporen.
Befunde über das Vorkommen von Sarkosporidien bei Vögeln sind auch
schon von anderen Autoren veröffentlicht, u. a. von +Kühn+ und
+Rivolta+.[194]
Will man die bisherigen Beobachtungen über +die Bedeutung der
Sarkosporidien als Krankheitserreger bei Thieren+ zusammenfassen,
so wird man zu dem Ergebniss gelangen, dass sie unter gewöhnlichen
Verhältnissen keine auffällige klinische Erscheinungen oder erhebliche
pathologische Veränderungen hervorrufen. Nur bei massenhafter
Einwanderung in einzelne Organe oder bestimmte Muskelbezirke oder wenn
bei Erkrankung der Wohnthiere die physiologische Widerstandsfähigkeit
der Umgebung der Sarkosporidien aufgehoben wird, dieselben platzen
und ausgedehnte allgemeine Infektionen bewirken, werden klinisch
und anatomisch nachweisbare Störungen in geringerem oder höherem
Grade eintreten. Es wird dann zunächst eine akute, später chronische
interstitielle Myositis mit nachfolgender Degeneration der Muskelfasern
eintreten können. In leichteren Fällen wird die interstitielle
Erkrankung sehr gering sein und nur vorübergehend auftreten,
während die Muskelfasern körnigen Zerfall erkennen lassen. Weitere
Forschungen werden jedoch erst Klarheit bringen müssen, unter welchen
bestimmten Bedingungen die so häufig in den ganz intakten Muskelfasern
beobachteten Sarkosporidien als Krankheitserreger zu wirken beginnen.
=V. Ordnung: Hämosporidien= (+Labbé+ 1894).
=Vorbemerkung.= Während man bisher die im Blute beobachteten Protozoen
nur in eine Ordnung der Sporozoen: +Hämosporidien+ unterbrachte, ist
nach dem Vorgange von +Labbé+[195] eine zweite Ordnung geschaffen
worden, die +Gymnosporidien+ oder +Acystosporidien+[196], innerhalb
welcher dann wegen der Verschiedenheit der Keimformen eine besondere
Familie die +Hämamöbiden+ abgegrenzt ist, die vorzugsweise die
Blutzellen und die hämopoetischen Organe infiziren.
Zunächst sollen hier die +Hämosporidien+ besprochen werden.