findet man vereinzelt oder in grösserer Zahl und in verschiedenen
Wachsthumsstadien aus der kontraktilen Substanz und aus den zerfallenen
Schollen derselben herausgewachsen, wodurch die Annahme gerechtfertigt
erscheint, dass die kontraktile Substanz das materielle Substrat für
die Ernährung der Pilze darstellt, und dass die Form der erwähnten
Schollen auf die runde oder längliche Gestalt der Pilze von Einfluss
ist. Der Verkalkungsprozess geht nicht von einer bestimmten Stelle
aus, sondern beginnt bald im Mittelpunkt, bald in der Peripherie. In
dem ersten Falle zeigen sich, wenn die Verkalkung schon einen grossen
Umfang erreicht hat, unter dem Mikroskop besonders hübsche Bilder
dadurch, dass ein grösseres völlig dunkeles Centrum an den hellen
Endtheilen der Keulen von einer Strahlenfigur umgeben wird.
Aus diesem Befunde ergiebt sich, dass die Pilze eine zerstörende
Einwirkung auf die Muskelfasern -- und dadurch auf die Muskeln selbst
-- ausüben; es lässt sich füglich nicht anders denken, als dass die
vorgefundenen Veränderungen eine Folge der Einwanderung der Pilzkeime
und deren weiteren Entwickelung sind, weil in pilzfreien Muskeln diese
Veränderungen nicht vorkommen. Die Schwellung der Muskelfasern, das
Verschwinden der Querstreifung, der Zerfall der Muskelfasern, die
Verdickung des Sarkolemms und die Bildung von Granulationszellen in
der Umgebung der Pilzrasen, lassen dauernde formative Störungen ohne
Zweifel und vorübergehende funktionelle und nutritive mit Bestimmtheit
voraussetzen.“
+Hertwig+ glaubte demnach, dass die Pilze eine zerstörende Einwirkung
auf die Muskelfasern ausüben und dadurch jene Veränderungen bedingt
werden. +Hertwig+ fand dieselben Gebilde später auch in dem wässerig
erscheinenden +Fleische von Schafen+, ebenso sind sie in ähnlich
verändertem Fleische von +Kälbern+ (+Falk+) gefunden worden. Hat
eine grössere Invasion von Parasiten stattgefunden, so erscheint das
befallene Fleisch rothgelb, lehmfarbig, grauroth und mit grauweissen
Strichen durchsetzt, stark durchfeuchtet und ziemlich weich. Derartiges
Fleisch wird als +verdorben+ und ekelerregend dem Konsum zu entziehen
sein.
Ist die Infektion nur eine geringe, so kann man, wie beim
Sarkosporidienfleisch makroskopisch keine Veränderungen nachweisen.
Wie bei den Sarkosporidieninfektionen, so zeigt sich nach den
Untersuchungen von +Hertwig+ auch bei diesen Gebilden, dass sie am
+häufigsten und am stärksten entwickelt+ in den Zwerchfellpfeilern, in
den Bauchmuskeln und Zwischenrippenmuskeln vorkommen.
In jüngster Zeit hat +Olt+[175] diese sog. Muskelstrahlenpilze des
Schweines einer Untersuchung unterworfen und ist dabei zu wesentlich
anderen Ergebnissen gekommen, als die oben genannten Autoren.
+Olt+ konnte zunächst nachweisen, dass die eigenthümlichen
mikrokokkenartigen Körperchen sich gegen Säuren, Basen und fettlösende
Mittel resistent verhalten, mithin weder aus Kalk noch aus Fett
bestehen können. Ferner nehmen sie Karminfärbung, wodurch die
Plasmatrümmer kräftig roth gefärbt werden, nicht an, dagegen +färben+
sie sich mit Anilinfarben sehr intensiv und halten den Farbstoff
beim Auswaschen mit Wasser, Glycerin oder Alkohol fester als die
Plasmamassen. Methylgrün, Gentianaviolett und besonders Karbolfuchsin
geben schöne Bilder, wenn die Schnitte in schwach alkoholischen
Lösungen theilweise entfärbt und in Glycerin aufgehellt werden. Bei
starken Vergrösserungen findet man, dass alle Körperchen kugelrund,
scharf konturirt und fast gleich gross sind.
Mit Rücksicht auf das angegebene Verhalten zu Farbstoffen und ihre
morphologischen Eigenschaften möchte +Olt+ die Körperchen nur als
Kokken deuten. In frischen Präparaten ist eine Anordnung in Kettenform
ohne Weiteres zu erkennen. Die Kokken dringen mit Vorliebe quer
zwischen die Muskelscheiben, bisweilen auch in der Richtung der
Fibrillen ein. Mit dem fortschreitenden Zerfall der Muskelfaser wird
die Anordnung der Ketten eine unregelmässige. Meist liegen mehrere
Kettenreihen in Form von Bündeln nebeneinander, von denen sich
schmälere Züge abzweigen. Die Bündel liegen in kleinen Abständen bald
in paralleler Richtung, bald divergirend oder unregelmässig angeordnet
in den Plasmamassen der kranken Muskelfasern. Bei nicht allzu starken
Vergrösserungen machen sie den Eindruck, als wenn zwischen den
Plasmatrümmern Mycelfäden lägen. Die Streptokokken treten vorzugsweise
in der kontraktilen Substanz auf und nur in geringerer Menge werden sie
in dem Zwischengewebe gefunden.
Eine Züchtung der Kokken ist bisher noch nicht ausgeführt worden.
Auch scheinen es keine eiterbildenden Kokken zu sein und nach den
bisherigen Beobachtungen ausschlieslich auf das Muskelgewebe beschränkt
zu sein.
Eine Nachuntersuchung der +Olt+’schen Befunde konnte ich bisher nicht
ausführen. Jedenfalls scheint die Möglichkeit gegeben, dass es sich um
pflanzliche Parasiten handelt. Doch ist auch nach den Untersuchungen
von +Olt+ nicht erklärt, wesshalb die eigenthümlichen, kreisförmig
gestalteten Gebilde zur Entstehung kommen, wie ich sie öfters in
Präparaten gesehen habe, welche mit dem sog. Muskelstrahlenpilz der
Schweine durchsetzt waren. Das Auftreten von Mischinfektionen scheint
mir einstweilen noch am besten die bisherigen Beobachtungen zu erklären.
Sarkosporidien beim Pferde.
[Illustration: Figur 19.
Sog. Strahlenpilze aus der Muskulatur des Schweines. Charakteristisch
sind die _a_–_e_ bezeichneten Veränderungen. (50fache Vergrösserung.)]
Beim Pferde kommen Sarkosporidienerkrankungen der Muskeln nicht
selten zur Beobachtung, jedoch lange nicht so häufig, wie beim
Schwein. Besonders häufig ist der Oesophagus, wie +Siedamgrotzky+[176]
fand, Sitz der Erkrankung; daneben wird jedoch auch die gesammte
Skeletmuskulatur betroffen. Bei massenhafter Anwesenheit der
Sarkosporidien in der Skeletmuskulatur werden gewiss nicht selten
auch Erkrankungen eingeleitet, obwohl in der Litteratur darüber
bisher nur vereinzelte Angaben vorliegen. +Siedamgrotzky+ beschreibt
einen solchen Fall, wo bei einem zu Secirübungen verwendeten Pferde
beide dicken inneren Schenkelmuskeln und beide inneren Strecker des
+Vorarms+ erkrankt waren. Die erkrankten Muskeln waren atrophisch,
schlaff und von weissen Streifen durchsetzt. Die tieferen Schichten
waren mehr bräunlich. Daneben fand ein ziemlich schneller Uebergang
von erkrankten zu gesunden Muskelfasern statt. +Mikroskopisch+
zeigte sich, dass nicht nur die genannten Muskeln, sondern die
+ganze Körpermuskulatur+ des betreffenden Pferdes in stärkerem oder
schwächerem Grade von +Miescher+’schen Schläuchen +durchsetzt+ waren.
Diese Gebilde fanden sich in allen untersuchten Muskeln. Die +Länge+
derselben war verschieden und erreichte +im Schlunde+ 12 mm, während
sie in der Skeletmuskulatur meist 3–4 mm betrug. Nicht nur in dem
affizirten Muskelfaden, sondern auch in den benachbarten fand sich
stets eine (wahrscheinlich reaktive) Vermehrung der Muskelkerne, so
dass sie oft lange, dem Sarkolemma anliegende Kernreihen, bis zu
14 hintereinander bildeten. Wo die +Schläuche gehäufter auftraten+
gesellte sich zu dieser intramuskulären Kernwucherung stets eine
Vermehrung des intramuskulären Bindegewebes, welche am stärksten in den
schon makroskopisch als krankhaft verändert erkennbaren Muskelgruppen
nachzuweisen war. +Siedamgrotzky+ meinte, dass es sich zunächst um eine
durch +Miescher+’sche Schläuche angeregte Hyperplasie des Perimysium
internum gehandelt habe, die zur einfachen Atrophie der Muskelfasern
führte.
Durch diese Beobachtung angeregt untersuchte +Siedamgrotzky+ dann
13 hintereinander geschlachtete Anatomiepferde und fand sowohl bei
diesen, wie auch bei zwei secirten Pferdekadavern und mehreren vom
Pferdeschlächter stammenden Köpfen konstant die +Miescher+’schen
Schläuche in den Muskeln. +Am konstantesten, zahlreichsten und grössten
fanden sich die Schläuche in der Muskulatur des Schlundes+, wo sie
als gerade in der Richtung der Muskelfasern verlaufende weissliche
Stränge leicht zu erkennen sind. Neben dem Schlunde waren die
Schlundkopfmuskeln, die unteren Halsmuskeln und der Zwerchfellmuskel
am meisten bevorzugt. Weniger zahlreich fanden sie sich in den
übrigen Körpermuskeln, in denen sie meist nur bei mikroskopischer
Untersuchung aufgefunden wurden. Dagegen wurden sie im Herzen, in
der glatten Muskulatur des Schlundes, überhaupt an anderen Stellen,
als in quergestreiften willkürlichen Muskelfasern +bei Pferden+ von
+Siedamgrotzky+ niemals gefunden.
Einen weiteren Fall von +Sarkosporidien in den Muskeln mit
gleichzeitiger Erkrankung+ des Pferdes hat +Pütz+[177] beschrieben. Es
handelt sich um einen Fall aus der Thierklinik der Universität Halle,
welchen ich, damals Assistent der Klinik, gleichfalls zu beobachten
Gelegenheit hatte.
Ein 5 Jahre alter brauner Wallach war mit dem Vorbericht eingeliefert
worden, dass das Thier seit etwa 6 Monaten lahm sei; und zwar hätte
sich die Lahmheit zunächst auf dem rechten, dann auch auf dem linken
Vorderbeine geäussert. Die klinische Diagnose lautete auf eine
unvollkommene Lähmung mehrerer Muskelgruppen der Vordergliedmassen,
deren primärer Grund entweder in den Muskeln selbst, oder in deren
Nerven bezw. im Rückenmarke zu suchen sei. Da eine erfolgreiche
Behandlung nicht zu erwarten war, wurde das Pferd geschlachtet.
Bei Entfernung der Vordergliedmassen zeigte sich eine auffallende
Degeneration der Muskelgruppen, welche an der oberen Hälfte der Skapula
sich ansetzen und diese mit dem Rumpfe und Halse verbinden. Die
degenerirten Muskeln zeigten makroskopisch ein in verschiedenem Grade
vorhandenes speckähnliches Aussehen und zwar waren die betroffenen
Muskeln meist von mehreren in verschiedenem Maasse fortgeschrittenen
Krankheitsherden durchsetzt, so dass sie weder gleichzeitig in
grösserer Ausdehnung, noch auch in der Reihenfolge, wie sie
nebeneinander liegen, sondern mehr einzeln bezw. stückweise erkrankt zu
sein schienen, während die unmittelbar angrenzenden Muskelstücke oder
ganze Muskeln keine makroskopisch erkennbaren Veränderungen zeigten.
In den degenerirten Muskeln fanden sich in grosser Zahl längliche,
weissliche Konkretionen und zwar auf Längsschnitten in mehr oder
weniger deutlicher reihenförmiger Anordnung.
+Mikroskopisch+ zeigte sich, dass die Muskelfasern stellenweise in sehr
verschiedenem Maasse geschwunden waren, während dementsprechend das
Perimysium internum unter massenhafter Kern- und Zellenproliferation
hypertrophirt erschien. +Miescher+’sche Schläuche sind bald in
grösserer, bald in geringerer Anzahl vorhanden.
Über den näheren mikroskopischen Befund giebt +Pütz+ Folgendes an:
„Schnitte, welche aus den makroskopisch am wenigsten veränderten
Muskelpartien stammen, zeigen zunächst nur das Bild einer chronischen
interstitiellen Myositis. Die intermuskulären Bindegewebszüge sind
mehr oder weniger verbreitert und mit mehr oder weniger Rundzellen,
sowie zahlreichen Kernen durchsetzt. Von den stärkeren Strängen aus
greift das Bindegewebe, sich baumartig verästelnd, zwischen die
Muskelbündel hinein, sich immer mehr verjüngend. Die zwischen dem
gewucherten Bindegewebe liegenden Muskelfäden sind zum grossen Theil
in ihrem Durchmesser verkleinert. Die Verkleinerung desselben nimmt
im Allgemeinen proportional der Verbreiterung der intermuskulären
Bindegewebszüge zu. Hie und da in den einzelnen Schnitten, in
wechselnder Anzahl, aber in keinem gänzlich fehlend, kommen Fibrillen
vor, deren Dickendurchmesser sich um ein Bedeutendes vergrössert
hat. Sie enthalten einen eigenartigen runden, durch Hämatoxylin
blaugefärbten Körper, der von einer scharf konturirten Kapsel oder Haut
umschlossen ist und im Innern deutlich eine grosse Anzahl plumper,
kurzer, stäbchenartiger Gebilde erkennen lässt, die aber ebenfalls
die Farbe nur in unvollkommener Weise angenommen haben. Diese Gebilde
sind Sarkosporidien (früher als Gregarinen, +Miescher+’sche oder
Psorospermienschläuche oder +Rainey+’sche Körperchen bezeichnet).
Diese füllen in diesem Stadium niemals den ganzen Muskelschlauch aus,
sondern sind stets noch in einer breiten Zone wohlerhaltener und in
der charakteristischen Weise tingirbarer Muskelsubstanz vorhanden. Auf
Längsschnitten zeigt das die Sarkosporidien umgebende Muskelprotoplasma
deutliche Querstreifung.“
„An anderen Stellen gaben die Schnitte ein von dem Geschilderten etwas
abweichendes Bild. Das interstitielle Bindegewebe tritt in ihnen
zwar in derselben Form und Ausdehnung auf, doch machen sich mitten
zwischen den Muskelbündeln dichte kleinzellige Herde bemerkbar, die
ihre Ausläufer bis weit zwischen die Fibrillen senden. Ausserdem
treten jetzt aber neben sich ganz normal verhaltenden +Miescher+’schen
Schläuchen solche auf, die anscheinend in Folge von Zunahme ihres
Dickendurchmessers den sie umgebenden Mantel von Muskelprotoplasma
auseinandertreiben, zersprengen und, wie man annehmen muss, in seiner
chemisch-physikalischen Konstitution so abändern, dass von ihm am Ende
nur noch bröckelige, auseinandergesprengte Trümmer ohne jede Spur von
Querstreifung übrig bleiben. Zwischen normalen, aber Sarkosporidien
enthaltenden Muskelfasern und derartig hochgradig zerstörten lassen
sich in grösseren Schnittserien alle möglichen Uebergangsbilder
auffinden. Mit diesen Schritt für Schritt ablaufenden Veränderungen in
den Sarkosporidien enthaltenden Muskelfasern entwickeln sich allmählich
in ihrer Umgebung die Erscheinungen einer akuten interstitiellen
Myositis, die sich in scharf ausgeprägter Weise durch eine immer mehr
und mehr zunehmende kleinzellige Infiltration charakterisirt.“
„Mit zunehmendem Zerfall der kontraktilen Muskelsubstanz und
fortgesetzter Entwickelung der in ihrer Umgebung auftretenden
Entzündung tritt aber, soweit sich erkennen lässt, eine weitere
Entwickelung der Sarkosporidien nicht ein. Im Gegentheil verschwindet
mit ersterem die Kontur ihrer Kapsel nach und nach vollständig; in
den von ihr umschlossenen Raum drängen sich von aussen einzelne
Rundzellen ein; zugleich kommt es aber auch allmählich zur Einlagerung
feinkörniger, selbst mehr oder weniger grobkörniger, unregelmässig
krystallinischer Kalksalze, welche den Einblick in den beschriebenen
Zerfallsherd schliesslich vollständig unmöglich machen. Es entstehen
auf diese Weise langgestreckte Konkretionen, die sich schon
makroskopisch als grauweisse, langgestreckte, breite Einlagerungen
zu erkennen geben. Erst die Behandlung mit verdünnter Salpetersäure
gestattet nach Auflösung der eingelagerten Kalksalze wiederum einen
vollen Einblick in die Natur dieser Konkretionen.“
+Pütz+ kam auf Grund dieses mikroskopischen Befundes zu der Ansicht,
dass nicht erwiesen ist, dass die +Miescher+’schen Schläuche, bezw. die
Gregariniden die Ursache der Erkrankung sind. +Johne+, dem Präparate
zur Untersuchung übersandt waren, erklärte die Muskelerkrankung
für eine chronische, interstitielle Myositis, hervorgerufen durch
+Miescher+’sche Schläuche. Ebenso meinte +Rabe+, dass es sich um eine
verbreitete Gregarinose der Muskeln handle, da manche Muskelbündel
sehr grosse Psorospermienschläuche enthalten. Auch ich[178] kam zu der
Auffassung, dass die Sarkosporidien die Ursache der Erkrankung gewesen
sind. Ebenso +Rieck+[179]. +Pütz+, +Eberth+ und +Schmidt+-Mülheim waren
jedoch gegentheiliger Ansicht.
+Pütz+ erwähnt dann auch gelegentlich der Mittheilung dieses Falles,
dass er in der +Schlundmuskulatur gesunder Pferde+ in acht nach
einander untersuchten Fällen konstant solche Schläuche angetroffen
habe, welche meist stark entwickelt waren, so dass sie das Sarkolemma
des Muskelfadens bedeutend ausdehnten.
Die vorstehend angeführten Fälle von Muskelerkrankungen beim Pferde
durch Anwesenheit von Sarkosporidien stehen auch in Beziehung zu der
seit Jahrzehnten bekannten, jedoch von +Günther+[180] (1859) zuerst
beschriebenen sog.
„Eisballenkrankheit der jungen Pferde“.
Es handelt sich dabei um eine Muskelerkrankung, welche bei edlen
Pferden besonders im Alter von 1–3 Jahren in den Gegenden von Hannover
und Mecklenburg in einzelnen Jahrgängen nicht selten beobachtet wird.
Es zeigen sich dabei mehr oder weniger ausgedehnte Anschwellungen in
den Muskeln der Hinterschenkel, welche bei +ruhigem Verhalten+ des
Thieres +weich+ erscheinen, aber sofort +hart+ werden und +markirt+
hervortreten beim Schnellen mit dem Finger gegen die Haut der kranken
Partie, oder sobald die Patienten in die geringste Aufregung versetzt
werden. In höheren Graden verbreitet sich das Leiden auch auf die
Muskeln des Beckens und des Rückens. Meist, wenn auch nicht immer
in gleichem Grade, entwickelt sich das Leiden in den betreffenden
Muskeln beider Schenkel und Beckenhälften. Die Erkrankung verschwindet
selten vollständig und ist in höheren Graden nicht nur unheilbar,
sondern beeinträchtigt auch die Brauchbarkeit der betreffenden Füllen
derart, dass dieselben werthlos werden. Die Entwickelung der Muskeln
wird gehindert, die Thiere werden säbelbeinig, das Becken senkt sich
und die Pferde können erhebliche Arbeit nicht mehr verrichten. Bei
der +Sektion+ der nach längerem Bestehen des Leidens geschlachteten
oder gestorbenen Pferde findet man (nach +Günther+) die erkrankten
Muskelabschnitte derb und zäh, von blass rosarother bis blass
graurother, selbst grauer Farbe, stellenweise durchschimmernd, wie
frisches Fischfleisch, mit welchem Querschnitte durch die Muskulatur
viel Aehnlichkeit haben[181]. An anderen Stellen erscheint der
Querschnitt körnig. Im Uebrigen erscheinen die Muskelfasern degenerirt,
durch dichtes, sehr wenig verdicktes Zellgewebe eingeschlossen. Die
erkrankten Muskeln glänzen nicht auf Längsschnitten und retrahiren
sich nicht nach Querschnitten, so dass selbst bei getödteten noch
lebenswarmen Thieren die durchschnittenen kranken Muskeln nicht
zurückspringen, aber sogleich soweit anschwellen, wie die Erkrankung
reicht. Im Nervensystem fand +Günther+ keine pathologischen Zustände.
+Gerlach+ fand bei seinen Untersuchungen die Muskelfasern mit
unzähligen „Psorospermien“ durchsetzt und die Muskelfasern oft so
vollständig zerstört, dass nur noch das Sarkolemm übrig geblieben
war. +Gerlach+ hielt die eingewanderten Psorospermien für die Ursache
der Erkrankung. Wahrscheinlich beruht auch die sog. „Füllenlähme“ in
manchen Fällen auf der Einwanderung dieser Parasiten. Zur +Therapie+
wurde in geringgradigen Fällen Jodeinreibungen, intraparenchymatöse
Einspritzung von Kochsalz, auch Anwendung des Glüheisens empfohlen.
Man kann demnach auch hinsichtlich der Bedeutung der +Sarkosporidien
als Krankheitserreger bei Pferden+ zu dem Ergebniss kommen, dass diese
Parasiten gewöhnlich keine klinisch erkennbaren Störungen hervorrufen,
jedoch unter bestimmten Umständen, welche noch nicht genügend erforscht
sind, eine Anfangs akute, später chronisch werdende interstitielle
Myositis mit nachfolgender Degeneration der Muskelfasern bewirken
können.
Sarkosporidien bei den Rindern.
Wie bei Pferden, so kommen auch bei Rindern Sarkosporidieninfektionen
der Muskeln nicht selten vor und manchmal ebenfalls mit
Muskelerkrankungen verbunden. +Roell+ führt an, dass die
+Miescher+’schen Schläuche bei den in Wien zur Schlachtung kommenden
Büffeln nahezu konstant in der quergestreiften Muskulatur des
Oesophagus angetroffen und hier bis 1 cm lang und 10–15 mm breit
gefunden werden. +Rieck+ beschreibt näher einen von ihm untersuchten
Fall von ausgedehnter Muskelerkrankung bei einem Bullen, wozu ihm
von +Prietsch+, der den Fall im Leben beobachtete, das Material
geliefert war. Es handelte sich um einen etwa 1½ Jahre alten Bullen,
bei welchem nach den Aufzeichnungen von +Prietsch+ fast alle Muskeln,
namentlich die Bauchmuskeln, Rückenmuskeln, Schulter- und Gesässmuskeln
beulenartige, verhärtete Stellen von Faust- bis Kindskopfgrösse
enthielten. Krankheitserscheinungen sollen an dem Thiere vorher nicht
wahrgenommen sein. In den hochgradig veränderten Muskelabschnitten
fanden sich zahlreiche Sarkosporidien in den Muskelfasern.
Bei der +makroskopischen Untersuchung+ der übersendeten Muskeln war der
Befund im Wesentlichen so, wie bei dem von +Pütz+ geschilderten Falle
des Pferdes.
Bei der +mikroskopischen Untersuchung+ in Alkohol gehärteter Stücke
konnten nach Anwendung gleicher Färbungsmethoden zwei deutlich von
einander zu trennende Stadien des pathologischen Prozesses nachgewiesen
werden.
Das +jüngere+ desselben fand sich wesentlich nur in Präparaten, welche
aus der Grenzschicht zwischen der normalen und der makroskopisch schon
am auffälligsten veränderten Muskulatur stammten. Dieselben boten das
Bild einer sehr hochgradigen akuten Entzündung des Perimysium internum
mit einer ganz erheblichen kleinzelligen Infiltration desselben.
In +Präparaten dieses Stadiums+ liessen sich weder innerhalb der
Muskelfasern, noch in dem zwischen denselben befindlichen Bindegewebe
Sarkosporidien auffinden.
Ganz anders gestaltet sich das mikroskopische Bild in denjenigen
Schnitten des zweiten Stadiums, welche den hochgradig veränderten
Muskelpartien entnommen waren. Hier ist an Stelle der akuten
Entzündung und kleinzelligen Infiltration eine chronische Entzündung
und kernreiche Wucherung des intramuskulären Bindegewebes getreten,
in Folge dessen die Züge desselben sich in baumartiger, allmählich
immer schwächer werdender Verästelung zwischen den mehr oder weniger
auseinandergedrängten Muskelbündeln und Muskelfasern hinein fortsetzen.
In den Querschnitten der Muskelbündel fallen ferner einzelne
Fasern durch ihren grossen, den der übrigen oft um mehr als die
Hälfte übertreffenden Durchmesser auf. Das Innere derselben wird
auf Querschnitten eingenommen von einem rundlichen, granulirten
Gebilde, welches die Hämatoxylinfärbung intensiv angenommen hat.
Dasselbe besteht aus einer scharf und doppelt konturirten, sehr
dünnen, homogenen Kapsel, innerhalb deren sich eine grosse Menge
kleiner, blaugefärbter, unregelmässig gestalteter Körnchen befindet.
Es entspricht dies Gebilde vollständig einer quer durchschnittenen
Sarkosporidie.
[Illustration: Figur 20.
Theil eines Längsschnittes einer Sarkosporidiencyste aus dem Oesophagus
eines Rindes. 400fache Vergrösserung. (Nach +van Ecke+.)]
+Brouwier+ fand bei einem geschlachteten Stier einzelne Partien des
Fleisches beinahe wie Kalbfleisch aussehen; besonders ergriffen zeigte
sich die Muskulatur der Hinterschenkel. Die betreffenden Muskeln
enthielten starke Faserzüge, in denen eine Menge kleiner Pünktchen
sichtbar waren. Das betreffende Thier hatte etwa drei Monate vor seinem
Tode einen beschwerlichen Gang gezeigt und schlecht aufstehen können.
Bei der mikroskopischen Untersuchung fand sich eine chronische Myositis
mit Atrophie der Muskelsubstanz und Hypertrophie des intramuskulären
Bindegewebes. +Die Pünktchen erwiesen sich als Miescher’sche Schläuche.+