Die Parasiten scheinen mit Vorliebe oder sogar ausschliesslich im

Muskelgewebe ihrer Wirthsthiere zu leben und sind im Beginne der

Infektion stets +Zellschmarotzer+ d. h. sie liegen als längliche

Schläuche in den +Muskelzellen selbst+.

Wenn im weiteren Verlaufe einer Sarkosporidieninvasion die Infektion

fortschreitet, so können die Parasiten als +Gewebsschmarotzer+ wie die

Myxosporidien in zwei Formen auftreten, nämlich:

1. als +Cysten+

2. als +diffuse Infiltration+, welche zur Geschwulstbildung führen kann.

Die +Cysten+ werden, wie noch erörtert werden soll, besonders

häufig im Oesophagus, gelegentlich im Darm, auf der Pleura und dem

Peritoneum beobachtet und entstehen dadurch, dass die Wand des

Sarkosporidienschlauches erhalten bleibt und in demselben Maasse

wächst, als der Inhalt zunimmt.

Die diffuse +Infiltration+ kommt zu Stande, wenn die Hülle des

Sarkosporidienschlauches platzt und der entwickelungsfähige Inhalt das

Nachbargewebe überschwemmt.

Wie schon bemerkt wird durch die Anwesenheit der Sarkosporidien

zunächst die normale Beschaffenheit der Muskelfasern nicht verändert.

Es scheint vielmehr eine Erkrankung der Muskelfasern nur unter ganz

bestimmten Voraussetzungen (massenhafte Anwesenheit der Parasiten,

Erkrankung des Wirthsthieres) zu erfolgen.

Nach dem Vorgange von R. +Blanchard+[153] wird je nach dem Sitze der

erwachsenen Sarkosporidien folgende =Eintheilung der Sarkosporidien=

vorgenommen:

1. Familie +Miescheridae+, in den quergestreiften Muskelfasern.

1. +Gattung+ Miescheria, Hüllmembran dünn und strukturlos.

2. +Gattung+ Sarkocystis. Hüllmembran dick und mit Querstreifen,

bezw. mit Borsten.

2. Familie +Balbianidae+, im Bindegewebe lebend, vielleicht in

der Jugend in Muskeln.

3. +Gattung+ Balbiania.

Als bisher benannte Arten der Säugethiere sind zu erwähnen:

1. Sarkocystis miescheriana (Kühn) = Sarkoc. Miescheri R.

Lantz, in den Muskeln der Hausschweine.

2. Miescheria muris in den Muskeln der Mäuse und Ratten.

3. Miescheria Hueti in den Muskeln von Otaria kalifornika.

4. Balbiania mukosa in der Submukosa des Darmes bei

Makropus penicillatus (Känguruh).

5. Balbiania gigantea, im Bindegewebe des Oesophagus beim

Schaf und bei der Ziege.

a) Sarkosporidien beim Menschen.

Ueber das Vorkommen von Sarkosporidien +beim Menschen+ finden sich

zwar Angaben in der +Litteratur+[154], aber, wie +Braun+ mit Recht

am Schlusse des kurzen Berichts über dieselben hervorhebt, können

fast alle keinem einigermassen mit den Sarkosporidien Vertrauten

genügen, um die Existenz solcher beim Menschen annehmen zu können.

Nur ein von +Baraban+ und +Saint Remy+[155] mitgetheilter Fall,

wo die Sarkosporidien in einer Länge von 0,150 bis 1,6 mm in den

Kehlkopfmuskeln eines Menschen nachgewiesen wurden, kann für das

Vorkommen der Gebilde beim Menschen verwerthet werden. Weniger sicher

für diese Annahme ist ein von +Kartulis+[156] veröffentlichter Fall

zu verwerthen. Ein 36jähriger Sudanese war an multiplem Leber- und

Bauchmuskelabscess gestorben. In der Leber fanden sich Gebilde, welche

an Grösse und Gestalt den Koccidien der Kaninchen ähnlich waren und

in den Abscesswandungen der Bauchmuskeln „ganz junge langgestreckte,

runde oder ovale Psorospermien“. Grosse Cysten von +Miescher+’schen

Schläuchen sollen auch in der Muskularis des Darmes vorhanden gewesen

sein, während man bisher diese Parasiten nur in der quergestreiften

Muskulatur gesehen hat.

Jedenfalls kann auch jetzt noch die Behauptung aufrecht erhalten

werden, dass die =Sarkosporidien beim Menschen ganz ausserordentlich

selten= vorkommen.

b) Sarkosporidien bei Thieren.

=Sarkosporidien beim Schwein.=

Wie ganz besonders durch die Untersuchungen des Schweinefleisches auf

Trichinen bis in die neueste Zeit hinein bestätigt wurde, kommen die

sog. +Miescher+’schen Schläuche am +häufigsten beim Schwein+ vor.

+Ripping+[157] giebt an, dass er sie bei jedem untersuchten Schwein

gefunden habe, +Kühn+[158] sah die Parasiten bei 98,5 Proz. der

untersuchten Thiere. +Herbst+[159] konnte sie bei 50 Proz. der Schweine

nachweisen.

Hinsichtlich des +Vorkommens der Sarkosporidien+ in den verschiedenen

Muskelgruppen ist zu bemerken, dass nach den bisherigen Beobachtungen,

welche ich bestätigen kann, die Kehlkopfs-, Zwerchfells- und

Zwischenrippenmuskeln am häufigsten und ausgiebigsten befallen

erscheinen. Daneben sind auch die Lendenmuskeln, sowie die Muskeln

des Auges, das Herzfleisch, die Rumpfmuskulatur recht oft infizirt.

Ich habe in +allen+ von mir untersuchten +Fällen+ von Trichinose

des Schweines -- etwa 70 -- die betreffenden Muskelabschnitte ganz

hochgradig mit Sarkosporidien infizirt gefunden. Allerdings habe ich

auch recht oft hochgradige Fälle von Sarkosporidieninfektion in den

Muskeln des Schweines gefunden, ohne jegliche Trichinenerkrankung der

betreffenden Thiere.

Es ist ja auffällig, dass vorwiegend dieselben Stellen

Prädilektionssitze der Sarkosporidien bei Schweinen (Kehlkopf,

Zwerchfell, Zwischenrippenmuskeln) sind, welche auch für die Trichinen

beobachtet werden und die Annahme, dass gleiche Verbreitungswege bei

beiden Parasiten vorliegen könnten, nicht unberechtigt. Allein es ist

zu berücksichtigen, dass es an ausgedehnten methodischen Untersuchungen

über die Verbreitung der Sarkosporidien in der Muskulatur der

Schweine, welche in Schlachthäusern leicht ausgeführt werden können,

bisher fehlt und die bisherigen Wahrnehmungen sich vorwiegend auf die

bei der Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen gemachten

Beobachtungen beziehen. Auch muss darauf hingewiesen werden, dass

Trichinen im Herzfleisch bisher nicht festgestellt worden sind.

Ebenso fehlt es auch noch an sicheren Angaben über den Wechsel in der

Häufigkeit und in der Grösse der Schläuche, je nach der Jahreszeit,

dem Alter und der Rasse der Thiere. L. +Pfeiffer+ giebt an, dass

im August und im September die kleinsten Schläuche vorkommen. Ich

selbst beobachtete, dass die sog. Treiberschweine, die gewöhnliche

Landrasse, viel häufiger und ausgedehnter infizirt sind, als die in

guten Stallungen gehaltenen und der englischen Rasse angehörigen

Thiere. Zuweilen kann ein vollständig enzootisches Auftreten in

einzelnen Stallungen beobachtet werden, insofern als ziemlich alle

Thiere eines Stalles besonders stark mit Sarkosporidien behaftet sind.

Wenn auch sicher ist, dass in der grossen Mehrzahl der Fälle selbst

eine reichliche Anwesenheit von Sarkosporidien ohne +krankmachenden

Einfluss auf die Schweine+ ist, so kann nach mehrfachen Beobachtungen

jedoch nicht in Abrede gestellt werden, dass eine Erkrankung der

Schweine unter gewissen Voraussetzungen eintreten kann. L. +Pfeiffer+

glaubt, dass die Schweine in einem frühen Stadium der Entwickelung

der Sarkosporidien, d. h. zu der Zeit, wo die Infektionskeime in

die Muskelzellen einwandern, erkranken. +Siedamgrotzky+[160],

+Laulanié+[161] und +Brouwier+[162] glauben, dass, wie die bei Pferden

und Rindern, so auch die bei Schweinen gelegentlich auftretenden

chronischen, interstitiellen Muskelentzündungen durch die in solchen

Fällen in besonders grosser Anzahl vorhandenen Sarkosporidien

verursacht werden. +Virchow+[163] sah bei solchen Schweinen eine

Paralyse der hinteren Extremitäten eintreten, +Brschosnionski+[164]

beobachtete bei zwei Schweinen Appetitlosigkeit, beständiges Liegen,

gekrümmten Rücken, ungeordnete Bewegung mit dem Hintertheil,

Schmerzhaftigkeit der Muskeln bei Druck, heisere Stimme und Fieber.

Nach der Schlachtung zeigte sich die Muskulatur wässerig, mürbe und

von zahlreichen Sarkosporidien durchsetzt. +Roell+[165] sagt, dass

die Gegenwart der +Miescher+’schen Schläuche in den meisten Fällen

die Gesundheit der Schweine nicht zu beeinträchtigen scheint; es

sind jedoch Fälle bekannt, wo sie in enormer Menge vorhanden, die

willkürlichen Bewegungen gehemmt und zur Paralyse der hinteren

Extremitäten Anlass gegeben haben. +Pütz+[166] glaubt jedoch,

dass es sich hier nur um ein mehr zufälliges Zusammentreffen der

Anwesenheit der Sarkosporidien und der aus anderen Gründen entstandenen

Muskelerkrankung handele.

[Illustration: Figur 13.

Mit verkalkten Sarkosporidien (+Miescher+’schen Schläuchen) stark

durchsetzte Muskulatur des Schweins. (Natürliche Grösse.)]

Nach meinen, schon oben erwähnten jahrelangen Beobachtungen in

Gegenden, wo sehr viele Schweine mit massenhafter Invasion von

Sarkosporidien und mit Lähmungen der hinteren Gliedmassen, allgemeiner

Muskelschwäche u. dgl. vorkamen, bin ich zu der Auffassung gekommen,

dass die Sarkosporidien einmal nachtheilig werden können, wenn sie

in kleinen Muskelgruppen mit grosser Massenhaftigkeit auftreten

und ferner wenn Allgemeinerkrankungen (schwere fieberhafte Magen-,

Darmkrankheiten, Rothlauf) vorangegangen sind. Vielleicht wird

durch die Allgemeinkrankheit die normale Widerstandsfähigkeit der

Muskelzellen in einzelnen Muskelgruppen so stark beeinträchtigt,

dass nach L. +Pfeiffer+’s Ansicht dann die Schläuche platzen und

eine erhebliche Infektion der Nachbarschaft mit obigen klinischen

Erscheinungen bewirken können. Starke Fettumwandlung der Muskelfasern

scheint in gleicher Weise zu wirken, so dass dann aus Fettfüllung

später scholliger Zerfall der Muskelfasern sich entwickelt.

[Illustration: Figur 14.

Sarkosporidien in der Muskulatur des Schweins. (Natürliche Grösse.)]

+Anatomisch+ ist an dem mit Sarkosporidien durchsetztem Fleische der

Schweine +makroskopisch+ in den allermeisten Fällen nichts Abnormes

nachzuweisen. Nur bei sehr starker Durchsetzung erscheint das

Fleisch missfarbig, gelbröthlich oder grauröthlich, mit zahlreichen

grauweissen Strichen durchsetzt (von Verkalkungen der Schläuche

herrührend). Vielfach ist das Fleisch in solchen Fällen auch stärker

durchfeuchtet und wird wegen dieser Beschaffenheit als verdorben (und

ekelerregend) -- jedoch nicht als schädliches Nahrungsmittel, vom

Konsum ausgeschlossen.

[Illustration: Figur 15.

Sarkosporidien in der Muskulatur des Schweins. (Schwache Vergrösserung

30/1.)]

[Illustration: Figur 16.

Ende eines Sarkosporidienschlauches; daneben Sporozoiten nach

+Leuckart+ (stark vergrössert).]

[Illustration: Figur 17.

Sarkosporidienschlauch in der quergestreiften Muskulatur des Schweins.

(50fache Vergrösserung.)]

Bei +mikroskopischer Besichtigung+ sieht man die Schläuche in der

Länge der befallenen häufig etwas vergrösserten Muskelzellen. An der

inneren Hülle der Wandung ist eine radiäre Streifung, besonders an den

Enden der Cyste, erkennbar. In dem Inhalte der jungen Cysten sind,

wie L. +Pfeiffer+ angiebt, Rundzellen vorhanden, aus welchen sich

später Sichelkeime entwickeln. „Die Sichelkeime können +einfache+

sein oder solche mit +differenzirtem Inhalt+. Die einfachen führen

Bewegungen aus, dehnen sich, biegen die Spitzen einander zu, strecken

sich schnellend wieder aus oder drehen sich auch in einem Kreis mit

kurzem Radius herum. Bei Wasserzusatz fällt der Kern leicht aus und

bildet eine hernienartige Vorwölbung; die Sichel hat also eine eigene

Membran. Mit filtrirtem menschlichen Speichel erwärmt, zerfliesst die

Sichel zu amöboiden Formen, die langsame Konturverschiebungen zeigen.“

„Die Sichelkeime mit differenzirtem Inhalt werden in kleinsten und

in grossen Schläuchen gefunden; sie sind bewegungslos. Ausser den

Sichelkeimen und den diese Sichelkeime beherbergenden Rundzellen kommen

am Rande der Schläuche noch grössere Gebilde vor, mit einem Inhalt von

2, 4, 6 und mehr färbbaren Kernen.“ Wenn man auch in den verschieden

grossen Schläuchen Rundzellen und Sichelkeime nachweisen kann, so ist

es mir jedoch nicht gelungen eine Bewegung an den letzteren erkennen

zu können. L. +Pfeiffer+ ist nun der Ansicht, dass die Hülle der

Muskelschläuche bei einer gewissen Grösse platzen und dann ein Erguss

von Sichelkeimen in die Umgebung mit nachfolgender weiterer Zerstörung

neuer Muskelzellen stattfinden kann. Ich kann nur erklären, dass ich

öfters in der Nähe von grossen Sarkosporidienschläuchen kleinere und

mehr rundliche beobachtet habe. Dabei schien die Muskelzelle selbst

ganz intakt. Ob die Ansicht von L. +Pfeiffer+ richtig ist wird erst

durch methodisch ausgeführte weitere Untersuchungen festzustellen sein.

Unter welchen Umständen nach meiner Ansicht eine Autoinfektion möglich

sein kann, habe ich schon oben erörtert. L. +Pfeiffer+[167] glaubt,

dass die Autoinfektion bei ungewöhnlich starken Muskelanstrengungen

durch Platzen eines oder des anderen Schlauches und Verbreitung der

Keime mittelst des Kreislaufs erfolgen kann. „Die +Miescher+’schen

Schläuche selbst sind aufzufassen als Colnobien oder Kolonien

von Parasiten, mit einander verklebt und innig verschmolzen in

gemeinschaftlichem Hyaloplasma[167].“ „Der +Miescher+’sche Schlauch

kann entstehen aus einem einzigen Keim, der sich zur runden Sporocyste

ausbildet und dessen Sichelkeime wiederum zu vielen Sporocysten

sich umwandeln, so lange die Raumverhältnisse der Muskelzelle die

Vermehrung gestatten. Ebenso können aber auch in dieselbe Muskelzelle

gleichzeitig mehrere oder viele Sichelkeime an derselben Stelle

einwandern (Mehrlingsinfektion des Autors), und in gleicher Weise, wie

eben geschildert, aber gemeinschaftlich, an der Schlauchbildung sich

betheiligen. Trifft die Einwanderung räumlich verschiedene Stellen der

Muskelzelle gleichzeitig, so können selbst zwei und drei räumlich von

einander getrennte Schläuche zur Entwickelung kommen.“

[Illustration: Figur 18.

Erwachsener Sarkosporidienschlauch aus den quergestreiften Muskeln

des Schweins; an der rechten Seite ist die radiär gestreifte Hülle

eingerissen. (Nach +Manz+.)]

Sicher ist nach allen Beobachtungen und Erfahrungen, dass die

+Lebensdauer+ der Parasiten eine mehrjährige sein kann.

+Bertram+[168] macht über das Ergebniss seiner Untersuchungen folgende

Angaben, die hier theilweise wörtlich citirt werden sollen, weil das

Original den Lesern nicht leicht zugänglich sein dürfte. Die Länge der

vollständig entwickelten Sarkosporidien des Schweins schwankt zwischen

½ und 3 mm; die grösste von +Bertram+ beobachtete Breite beträgt 0,4

mm. Auch an den kleinsten Schläuchen ist eine aus zwei Schichten

bestehende Membran nachzuweisen, welche an den Enden des Schlauches

bedeutend dicker ist als in der mittleren Region. In der Regel tritt

nach +Bertram+ ein +Zerfall+ der äusseren Schicht in Stäbchen ein;

ich habe die Stäbcheneinrichtung an der äusseren Schicht bei allen

grösseren Schläuchen regelmässig gesehen.

Nach +Virchow+[169] sollen die sogenannten Cilien und Borsten an der

Oberfläche bei einigen Schläuchen erst nach dem Zerreissen der Faser

auftreten, zum Muskelprimitivbündel gehören und Querstreifen der

Muskelfaser darstellen.

In mit Hämatoxylin gefärbten Schnitten zeigte sich nun dieser

Zerfall der äusseren Schicht in Stäbchen ebenfalls deutlich. Die

Stäbchen weisen dann, wie +Bertram+ angiebt, eine dunklere Färbung

als die umgebende, häufig noch sehr gut erhaltene, quergestreifte

Substanz auf. Befreit man einen Schlauch aus der ihn umgebenden

Muskelfaser, so bleibt der Stäbchenbesatz stets mit dem Schlauche in

Verbindung. Demnach dürfte es sich nicht um ein zum Primitivbündel

gehöriges Produkt handeln. +Leuckart+[170] erklärt die Entstehung der

Stäbchenschicht dadurch, dass zwischen den benachbarten Porenkanälchen,

welche die Schlauchhaut durchbohren sollen, Rissbildungen auftreten.

+Manz+[171] und +Bütschli+[172] haben sich dieser Auffassung

angeschlossen. +Bütschli+ spricht noch die Vermuthung aus, dass sich

unterhalb der porösen und gewöhnlich in den Borstenbesatz zerfallenden

Haut noch eine kontinuirliche zusammenhängende Membran oder doch eine

nicht zerfallende Hautschicht finde. Dies ist, wie schon oben erwähnt,

durchaus der Fall; dagegen lassen sich, wie ich +Bertram+ bestätigen

kann, an den Stäbchen keine Strukturunterschiede nachweisen und eben

desshalb glaube ich, dass sie ein Bestandtheil in der Organisation

dieser äusseren Schicht darstellen.

Die +innere Schicht+ der Membran stellt eine homogene dünne Haut

dar, welche mit grosskernigen Zellen ausgekleidet ist. Von der

inneren Schicht der Membran gehen Fortsätze in den Schlauch und

bilden ein feines Maschenwerk, wodurch ein vollständiges Kammersystem

hervorgerufen wird. An den ausgebildeten Schläuchen findet man in

diesen Kammern zu Ballen zusammengelagerte sichelförmige Körperchen

liegen. Neben den sichelförmigen Körperchen finden sich in den

einzelnen Kammern noch stark lichtbrechende Körnchen von rundlicher

Gestalt. Bei der Zerreissung eines Schlauches treten die sichelförmigen

Körperchen nur aus den von dem Risse getroffenen Kammern hervor,

wodurch sichergestellt ist, dass die +Maschenräume abgeschlossen sind+.

Hinsichtlich der +Entstehung der sichelförmigen Körperchen in den

Sarkosporidien des Schweines+ konnte +Bertram+ Folgendes ermitteln.

In kleinen Schläuchen finden sich an den Enden rundliche grosse

Zellen. Das Protoplasma derselben ist homogen, der Kern gross und

unregelmässig. Zuweilen findet man die Zellen in Theilung begriffen.

Jede Zelle ist von Gerüstsubstanz umgeben, deren Verbindung mit der

Kutikula deutlich wahrnehmbar ist. Die Zellen liegen also in einer

abgeschlossenen, von Gerüstsubstanz umgebenen Kammer, und es bleiben

auch die von ihnen gebildeten Zellen in derselben. +Letztere wandeln

sich dann in die sichelförmigen Körperchen um+. An den Sarkosporidien

des Schafes sind die einzelnen Stadien des Vorganges besser zu

verfolgen, als an den Gebilden des Schweines. Weder eine Theilung noch

eine Bewegung der sichelförmigen Keime ist nachzuweisen.

Im weiteren Verlaufe kann nun ein Zerfall der Sarkosporidien eintreten.

Denn die sichelförmigen Körperchen zerfallen dann innerhalb der Kammern

in eine feinkörnige Masse, wie man dies in der Muskulatur des Schweines

überaus häufig nachweisen kann. Sehr oft bleibt dann auch die Umhüllung

des Schlauches nicht intakt, sie zerreisst und es dringen Leukocyten in

das Innere ein. Ist erst einmal ein solcher Zerfall der Sarkosporidien

eingetreten, dann findet auch sehr leicht eine Aufnahme und Ablagerung

von Kalksalzen in denselben statt. Ob, wie +Pfeiffer+ glaubt, die

sichelförmigen Körperchen in das umgebende Gewebe eindringen und neue

Infektionen bewirken können, wenn bei völlig gesunden Schläuchen die

Umhüllung platzt, ist noch nicht genügend festgestellt. Die Möglichkeit

kann jedenfalls nicht bestritten werden.

Es mag an dieser Stelle erwähnt sein, dass beim Schwein noch eine

+andere Muskelerkrankung+ vorkommt, welche grosse Aehnlichkeit

mit Sarkosporidieninfektion hat. +Duncker+[173], welcher von

einem Trichinenschauer auf eigenthümlich dunkle Muskelfasern im

Schweinefleisch aufmerksam gemacht war, fand bei genauerer Untersuchung

zwischen normalen Muskelfasern andere schmutzig braun gefärbte. Der

Sarkolemmaschlauch enthielt in unregelmässigen Entfernungen von

einander scharf umschriebene, dunkle, in der Mitte hellere Körper mit

wulstigem Rande. +Duncker+ hielt diese Gebilde irrthümlich für echte

Strahlenpilze, während nähere Untersuchungen, welche bald darauf von

+Johne+, +Hertwig+ u. A. vorgenommen wurden, lehrten, dass dieselben

mit den echten Strahlenpilzen nichts zu thun haben. Es sind, wie auch

ich mich bei zahlreichen Untersuchungen überzeugen konnte scharf

abgegrenzte Gebilde von rundlicher oder ovaler Gestalt, in welchen

man bei stärkerer Vergrösserung eine eigenthümlich körnige Streifung

erkennen kann. Ich bin zu der Ansicht gekommen, dass es sich um

frühzeitig zu Grunde gegangene Sarkosporidienschläuche handelt, bei

welchen eine grössere Aufnahme von Kalksalzen noch nicht stattgefunden

hat. +Hertwig+[174], welcher für diese Gebilde die Bezeichnung

„Muskelstrahlenpilze“ wünschte, macht über seinen Befund folgende

Angaben:

„Bei 40–50facher Vergrösserung bemerkt man an Quetschpräparaten

zwischen den normalen Muskelfasern andere, welche in ihrem Verlaufe

ungleichmässig unterbrochen, mehr oder weniger dunkel, grau oder braun

gefärbte Stellen enthalten, in welchen, ebenfalls in unregelmässigen

Zwischenräumen dunkele, runde oder rundliche, meistentheils scharf

abgegrenzte Körperchen liegen, deren Durchmesser gewöhnlich denjenigen

einer Muskelfaser oder darüber besitzt.

Diese Muskelfasern haben ihre gestreckte Form verloren, sie sind

zusammengezogen und haben dadurch eine unregelmässige wellige

Gestalt erhalten; bisweilen sind sie in ihrem ganzen Verlaufe,

bisweilen nur an einzelnen Stellen breiter als die gewöhnlichen

Muskelfasern. Bei stärkerer, etwa 300facher Vergrösserung, sieht

man, dass die dunkelgefärbten Stellen in den Muskelfasern aus einem

stark lichtbrechenden Inhalt von feinen Fetttröpfchen zerfallener

Muskelsubstanz und vorzugsweise aus kleinen mikrokokkenartigen

Körperchen (Sporen?) bestehen, zwischen welchen häufig keulenförmige

Pilzfäden liegen. Die Querstreifung ist gewöhnlich nur noch undeutlich

zu erkennen, oft vollständig verschwunden. Die Muskelfasern enthalten

häufig bis in die Mitte gehende Querrisse, auch vollständige

Zerreissungen. In einem jedenfalls weiter vorgeschrittenen Stadium ist

die kontraktile Substanz in unregelmässige, rundliche oder viereckige

Schollen von verschiedener Grösse zerfallen. Zwischen diesen Partien

liegen die vorerwähnten rundlichen, scharf abgegrenzten Körper, die

Strahlenpilze.

In der Umgebung der Rasen ist das Sarkolemm verdickt und reichliche

Lagerung von Granulationszellen vorhanden. An Präparaten, welche mit

+Cochenille gefärbt+ sind, hebt sich diese Umgebung etwas heller

von den dunkel gefärbten Pilzen ab. Von dem Mittelpunkt des Rasens

erstrecken sich nach allen Seiten gleichsam in Strahlen, neben und

übereinander liegend, und sich dadurch zum Theil deckend, zarte stark

lichtbrechende Keulen, welche in der Regel eine längliche, birnförmige

Gestalt besitzen, doch fehlen auch solche nicht mit kolbenartigen

Anschwellungen oder mit dichotomischen Theilungen an den Endpunkten.

Wiederholt ist auch beobachtet worden, dass zwei Keulen aus einem

Mycelfaden entstehen, und dass eine Septirung zwischen Faden und Keule

besteht.

An der Basis der Keulen befindet sich das Mycelium als ein dichtes

Flechtwerk von äusserst feinen Fäden, mit kleinen mikrokokkenartigen

Körperchen durchsetzt. Dasselbe ist bei durchfallendem Lichte

durchscheinend und hebt sich heller gegen die Umgebung ab. In dieser

Weise sieht man den Rasen nur bei einer bestimmten Lage, bei einer

anderen Lage sieht man die Keulen gegen sich gekehrt, wodurch ein Bild

entsteht, welches +Ponfick+ mit dem Fruchtboden gewisser Kompositen

vergleicht und +Plaut+ mit dem Anblick verglichen hat, den man erhält,

wenn man viele dicht zusammengebundene Nadeln von oben betrachtet.

Die Protozoen als Krankheitserreger des Menschen und der Hausthiere Für Ärzte, Thierärzte und Zoologen · 第 8 / 20 段