10. Die Läsionen, welche einige Blastomyceten bei den zum Experiment

benutzten Thieren verursachen, sind verschieden, je nach der Spezies

zu der das Thier gehört, und wenn man allmählich auf der zoologischen

Stufenleiter aufsteigt, findet man, dass die +Säugethiere der höheren

Klasse+ (Hunde) +weniger empfänglich+ für die Infektion mit diesen

Blastomyceten sind, als die der +niederen+ (Meerschweinchen, Mäuse,

Kaninchen, Ratten u. s. w.). Denn während einige Blastomyceten bei

den niederen Klassen Infektionen und zerstreute Heerde hervorbringen,

erzeugen dieselben Blastomyceten bei den höheren Klassen nur an den

Impfstellen isolirte Heerde, und während sie sich bei den niederen

Klassen sehr zahlreich in allen Theilen des Organismus vorfinden, sehen

wir sie bei den höheren in den Tumoren dieselbe Vertheilung vornehmen,

die wir an den eingeschlossenen Körpern in den Tumoren des Menschen

gefunden haben.

11. Einige Blastomyceten bringen bei den Versuchsthieren Läsionen von

wesentlich neoplastischem, nicht von entzündlichem Charakter hervor.

12. Bei höheren Säugethieren (Hunden) können gewisse Blastomyceten,

wenn sie inokulirt werden, an der Impfstelle eine Neubildung

hervorbringen, welche sich dann auf dem Lymphwege in verschiedene

Organe fortpflanzt und das Thier durch Kachexie tödtet.

13. Endlich können gewisse Blastomyceten, wenn sie in Reinkultur in die

Milchdrüse einer Hündin inokulirt werden, die Bildung von Neubildungen

von epithelialer Natur veranlassen[138].

IV. Ordnung: Sarkosporidien[139].

Nach der früher angegebenen Eintheilung bilden die Sarkosporidien eine

Ordnung der +Sporozoen+.

+Balbiani+[140] hat (1884) die bis dahin unter dem Namen

„+Miescher+’sche oder +Rainey+’sche Schläuche“ bekannten Parasiten in

der Muskulatur warmblütiger Wirbelthiere als +Sarkosporidia+ bezeichnet

und sie als besondere Ordnung den Sporozoen zugetheilt.

Die Sarkosporidien sind Schmarotzer der Muskelfasern und besitzen eine

schlauchförmige oder ovale, bisweilen kugelige Gestalt; ihr Protoplasma

zerfällt in zahlreiche nieren- oder sichelförmige, kernhaltige

Körperchen.

Bisher sind die Parasiten ausschliesslich bei Wirbelthieren gefunden

worden und unter diesen vorwiegend bei Säugethieren. Besonders +häufig+

sind sie bei +Schafen+ und +Schweinen+, aber auch bei +Pferden+,

+Rindern+, +Hunden+, +Katzen+, +Hirschen+, +Büffeln+, +Rehen+,

+Kaninchen+, +Mäusen+ und +Ratten+ nicht selten. Ebenso sind sie einige

Male beim +Menschen+ nachgewiesen worden. Ferner bei +Vögeln+ (Hühner,

Enten) und bei einer Eidechsenart.

=Geschichtliches.= Zuerst gesehen und beschrieben sind diese Parasiten

wohl von F. +Miescher+[141] (1843), welcher dieselben bei einer

Maus und besonders in den quergestreiften Muskeln des Rumpfes, der

Extremitäten, des Halses, Kopfes, der Augen und des Zwerchfells

beobachtete, wo milchweisse, parallel der Faserrichtung verlaufende

Fäden zu erkennen waren. Mikroskopisch zeigte sich, dass die Schläuche

von einer strukturlosen Membran umgeben waren und zahllose längliche

oder nierenförmige Körperchen und in geringerer Zahl kleine Kugeln

enthielten. +Miescher+ liess jedoch die Frage unentschieden, ob

pathologische Veränderungen der Muskeln oder ob Parasiten vorlägen.

Später hat dann +v. Hessling+[142] (1854) ähnliche Gebilde, jedoch von

kleinerem Umfange, in der +Herzmuskulatur+ des Rehs, des Schafes und

Rindes gesehen und zwar lagen die Gebilde innerhalb der Muskelfasern.

Auch +v. Hessling+ hielt diese Bildungen für Umwandlungen der

Muskelsubstanz, während +v. Siebold+[143], welcher sie bei Mäusen und

Ratten sowie gleichfalls im Herzen der Schlachtthiere beobachtete, sie

für „schimmelartige Entophyten“ hielt. In der Muskulatur des Schweines

beschrieb sie G. +Rainey+[144] (1858), jedoch nicht als protozoenartige

Gebilde, sondern als Jugendzustände von Cysticerken. +Leuckart+ hat

dann (1863) die Unrichtigkeit dieser Auffassung dargethan, jedoch das

Vorkommen des schon von +Rainey+ gesehenen Borstenbesatzes, ebenso,

dass diese Körper in den Muskelfasern liegen, bestätigt.

Es folgten dann im Laufe der nächsten Jahre zahlreiche Arbeiten, welche

das Vorkommen der genannten Gebilde bei verschiedenen Säugethieren

feststellten, und auf die später noch zurückgekommen werden soll. Hier

möge nur erwähnt sein, dass +Manz+[145] (1867), welcher die Schläuche

beim Reh und Kaninchen beobachtete, schon angegeben hat, dass der

Inhalt der Gebilde sich aus grösseren Ballen vereinigter kugeliger

Zellen zusammensetzt, die wiederum von einer zarten Membran umgeben,

sich in bohnen- oder nierenförmige Körper umwandeln. Eine Eigenbewegung

ist an den letzteren niemals gesehen worden, wohl aber Andeutungen

einer Theilung.

=Bau, Gestalt und Entwickelung der Sarkosporidien.= Die Sarkosporidien

treten innerhalb der Muskeln stets in Schlauchform auf, wobei sie sich

der Breite und Länge der Wirthszelle anpassen, stets überwiegt der

Längsdurchmesser. Die Schlauchenden sind stets etwas verschmälert und

mehr oder weniger abgerundet. Bei den im +Bindegewebe+ sitzenden Formen

ist die Gestalt mehr oval, fast kuglig. Die +Grösse+ der Schläuche

schwankt zwischen 0,5–4 mm Länge und 0,4 mm Breite; bei Mäusen und

Ratten können die Schläuche 5–6 cm lang werden, Balbiania gigantea im

Oesophagus der Schafe kann die Grösse einer kleinen Haselnuss erreichen.

Die Sarkosporidien sind weisse oder grauweisse Gebilde und geben,

wenn sie in grösserer Anzahl vorhanden sind, auch den betroffenen

Muskelfasern ein eigenthümliches Aussehen. Während man an den jüngsten

Sarkosporidien eine zarte dünne Hülle nachweisen kann, zeigt sich

bei den älteren Formen, eine dickere, derbere +Membran+, welche zwei

Schichten, +eine äussere+ dickere und eine innere dünnere erkennen

lässt. An der äusseren ist eine radiäre Streifung erkennbar, welche

von +Rainey+ als die Fortbewegung verursachende Borsten gedeutet,

von +Rivolta+[146] für Cilien gehalten, von +Virchow+ für Reste von

Muskelfasern, von +Leuckart+[147] für eine Andeutung von Porenkanälchen

gehalten wurde. Innerhalb der Muskelfasern ist dieser Wimperbesatz

schwer erkennbar, dagegen wieder nach Behandlung des Präparates mit

verdünnter Essigsäure und Alkalien auch innerhalb des Sarkolemms

sichtbar. Die +innere+, dünnere, homogene oder feinfaserige Schicht

sendet in das Innere der Cyste Fortsätze, welche hier die Wandungen

eines Kammersystems bilden helfen, wie dies bei Sarkocystis Miescheri

(Schwein), bei den Sarkosporidien des Schafes (+Bertram+[148]) und

auch beim Rinde und Pferde (+eigene Beobachtung+) zu erkennen ist. Die

Kammern selbst sind, wie man bei starker Vergrösserung besonders an

Präparaten von Balbiana gigantea erkennen kann, von den Keimstäbchen

(+Sporozoïten+) oder von Entwickelungsstadien derselben erfüllt.

Ueber die +Entwickelung der Sarkosporidien+ sagt +Bertram+, dass in

grossen an den Enden und an den Seiten der Schläuche in grösserer

Anzahl vorhandenen Sporoblastenmutterzellen Kerntheilungsphasen zu

beobachten sind, der dann Theilung des Zellleibes und Entstehung der

Sporoblasten folgt. Um diese Sporoblasten, sagt +Bertram+, scheidet

sich die Gerüstsubstanz aus und die von ihnen später gebildeten

Zellen, aus welchen die sichelförmigen Körperchen hervorgehen, bleiben

zu Ballen zusammengelagert. An den Schlauchenden findet, wie dies

schon +Rainey+ vermuthete, besonders bei mittelgrossen Sarkocysten

fortwährend Zelltheilung, Ballenbildung und Wachsthum des Schlauches

in der Längsrichtung der Muskelfasern, d. h. in der Richtung des

geringsten Widerstandes statt. Diese Angaben von +Bertram+ kann ich

im Wesentlichen bestätigen. Zuweilen sah ich in der Umgebung der

Schlauchenden zahlreiche grosse, stark granulirte Zellen angehäuft,

welche den noch innerhalb des Schlauches sitzenden vollkommen ähnlich

waren. Da ich dieses Vorkommniss trotz der oft massenhaft vorhandenen

Sarkocysten nur selten feststellen konnte, möchte ich annehmen, dass es

sich um Kunstprodukte handelt, welche bei der Präparation entstanden

sind. Bemerkenswerth ist auch, dass die Muskelfasern trotz der

Anwesenheit von Sarkosporidienschläuchen in der Regel weder vergrössert

erschienen +noch ihre Querstreifung in der unmittelbaren Nähe der

Schläuche verloren hatten+. Einen Zerfall der Muskelfasern sah ich

meist bei Anwesenheit sehr zahlreicher, vollständig entwickelter, zum

Theil im Verkalkungszustande befindlicher Sarkosporidienschläuche.

Hinsichtlich der +Entwickelung+ der Keime der Sarkosporidien

(Sporozoïten) ist vollständige Klarheit noch nicht erzielt worden. Bei

starker Vergrösserung sieht man besonders in Sarkosporidien aus dem

Oesophagus und Herzen des Schafes kleine halbmondförmige, schiffförmige

oder mehr spindelförmige Körperchen in den kleinen Kammern liegen,

welche wohl als Keime anzusehen sind und sich in dem Augenblick weiter

entwickeln werden, wo sie den Schlauch verlassen haben. Ich sah

dieselben, besonders in den +Purkinje+’schen Fasern des Schafherzen

nicht nur, wie +Bertram+ angiebt, an den peripheren Theilen der

Sarkocyste, sondern gleichmässig über den ganzen Schlauch vertheilt.

An Zupfpräparaten fand ich zuweilen auch Keime mit fadenförmigem

Anhang, wie dies schon +Ecke+, +Dammann+, +Pagenstecher+ beobachteten.

In den Sarkosporidienschläuchen der Schweinemuskeln habe ich jedoch

solche Keime ebenso wie +Bertram+ nicht gefunden. Vielleicht ist die

Ursache, dass diese Thiere meistens schon zu einer Zeit (6–9 Monaten)

geschlachtet werden, wo jener Entwickelungszustand in Sarkosporidien

noch nicht erreicht ist.

+Auf welchem Wege und in welcher Form die Parasiten in die Wirthsthiere

dringen, ist bisher noch unbekannt.+ Man nimmt an, ohne dass bisher ein

sicherer Beweis erbracht ist, dass die Infektion vom Magendarmkanal

ausgeht. +Kasparek+ glaubt, wie L. +Pfeiffer+, dass die Schmarotzer

durch einen Zwischenwirth übertragen werden. Er fand 4 Stunden

nach der subkutanen Verimpfung des Schlauchinhaltes Sichelkeime im

Blut und bestätigt auch die von L. +Pfeiffer+ geschilderte starke

Toxinwirkung der Sarkosporidien. Nach meinen Studien bin ich zu der

Ansicht gekommen, dass die Keime mit dem Futter oder Trinkwasser in

den Magen +junger Thiere+ gelangen und von hier, mittelst der Blutbahn

nach den verschiedenen Organen verschleppt werden. Da nach +Pfeiffer+

und +Bertram+ die sichelförmigen Keime durch den Magensaft zerstört

werden, so müssen sie, wie andere Parasiten in einem encystirten

Stadium in den Magen gelangen, wodurch sie vor der zerstörenden

Wirkung des Magensaftes geschützt sind. In den Muskeln der Schweine

konnte ich nachweisen, dass in unmittelbarer Umgebung der Gefässe die

Ansiedlung von Sarkocysten am grössten war. Ebenso sah ich oft in der

nächsten Umgebung grosser länglich geformter Sarkosporidienschläuche,

kleinere und mehr rundliche. Ob es sich dabei um eine durch Platzen

der grösseren Schläuche bewirkte Autoinfektion innerhalb der Muskeln

oder nur um verschiedene Entwickelungsstadien zu verschiedenen Zeiten

von aussen aufgenommener Keime handelt, lasse ich unentschieden. Doch

scheint mir die auch von L. +Pfeiffer+ vertretene Anschauung von der

Selbstinfektion nicht ohne jede Stütze zu sein.

Im Uebrigen scheint das Schicksal der Schläuche in der Regel bei den

meisten das gleiche zu sein. Bei erheblicheren Allgemeinkrankheiten,

wobei die Widerstandsfähigkeit der Muskelfasern herabgesetzt wird

oder diese selbst erkranken, werden auch die Sarkosporidienschläuche

in Mitleidenschaft gezogen, es treten Leukocyten in dieselben ein

und rufen eine Entzündung der Schläuche und deren nächster Umgebung

hervor. Später tritt dann eine Verödung und Verkalkung ein. Mir

scheint nach Besichtigung einer sehr grossen Zahl von Präparaten die

Allgemeinkrankheit der Thiere (z. B. Rothlaufseuche, Schweineseuche

oder schwere Darmkatarrhe) die vorwiegende Bedingung zu sein für

obige Veränderung der Schläuche. Ich habe fast regelmässig bei

ausgedehnten Verkalkungen an den Sarkosporidienschläuchen der

Schweine auch eine ausgedehnte Erkrankung der Muskelfasern gefunden.

Andererseits sah ich in vielen Fällen eine massenhafte Anwesenheit von

Sarkosporidienschläuchen, ohne dass eine abnorme Veränderung an den

Muskelfasern zu erkennen war.

L. +Pfeiffer+ hat auch +Uebertragungsversuche+ in kleinem Umfange

ausgeführt, ohne zu einem bestimmten Ergebnisse gekommen zu sein.

Mit Recht weist er darauf hin, dass enzootische Erkrankungen bei

Hausthieren beobachtet werden. Mit vielen Cysten besetzte Oesophagi

des Schafes findet man bei Schlachtthieren aus der gleichen Heerde;

Jahreszeit und Lebensalter haben gleichfalls einen Einfluss. Bei

jungen Schafen und Schweinen finden sich ebenfalls Schläuche; nicht

aber bei saugenden Lämmern und Schweinen. Nach +Beale+ sind 6 Monate

alte Kälber zuweilen schon total mit Sarkosporidienschläuchen besetzt

gewesen.

Fütterungsversuche sind bisher stets resultatlos gewesen.

+Bertram+ fand in den Monaten Mai bis Dezember von 185 untersuchten

Schafen 182 mit Sarkosporidien behaftet. Mit Ausnahme eines Falles, in

welchem bei einem älteren Schafe neben grösseren Schläuchen nur zwei

sehr kleine, ohne sichelförmige Körperchen vorhanden waren, beobachtete

+Bertram+ die übrigen jugendlichen Schläuche, in welchen eine

Ausbildung sichelförmiger Körperchen noch nicht stattgefunden hatte,

in grösserer Menge bei einem acht Monate alten Lamm. Dieses und noch

andere Lämmer aus derselben Heerde waren mit kleinen, sichelförmige

Körperchen enthaltenden Schläuchen infizirt. Grosse Sarkosporidien

waren bei diesen Thieren nicht vorhanden. +Die Infektion ist daher

wahrscheinlich+, meint +Bertram+, +nur bei jüngeren Thieren möglich+,

da sich bei diesen die Jugendstadien des Parasiten finden, während

bei älteren Thieren in der Regel nur ausgebildete Formen beobachtet

werden. Die fraglichen Lämmer wurden im März auf der Weide geboren und

sind von der Geburt an bis zur Untersuchung auf der Weide geblieben.

Da Stallfütterung ausgeschlossen ist, so muss die Infektion beim

Weidegange stattgefunden haben. Die behüteten Wiesen sind trocken, mit

Klee und Süssgräsern bestanden. Die Wasserlöcher, welche zum Tränken

benutzt wurden, hatten morastigen Grund.

In +Embryonen+ vom Schaf, Schwein und Rind fanden sich keine

Sarkosporidien, ebenso lieferten +Blutuntersuchungen negative

Resultate+.

Auch +Bertram+ glaubt, dass die Infektion auf der Weide bezw. bei

Grünfütterung stattfindet. Ob ein Zwischenwirth vorhanden ist oder ob

die Infektion direkt stattfindet, muss noch dahingestellt bleiben. Erst

wenn es nicht gelingen sollte, sehr junge Individuen zu infiziren,

dürfte die direkte Uebertragung ausgeschlossen sein.

Neuerdings hat auch +Lindner+[149] einige Angaben über die Biologie

der Sarkosporidien des Schweines gemacht, welche hier erwähnt sein

mögen, soweit sie besonderes Interesse beanspruchen. Zweifellos

sind aber +Lindner+ bei seinen Untersuchungen manche Irrthümer

passirt. Gelegentlich einer in Kassel im Sommer 1884 herrschenden

Typhus-Epidemie fand +Lindner+ bei seinen in verschiedener Richtung

ausgeführten Versuchen u. A. auch, dass die in einem verunreinigten

Brunnenwasser gefundenen stiellosen Vorticellen sehr gut in thierisches

Eiweiss enthaltenden Nährflüssigkeiten, in Fleischbrühe, Milch,

Blutserum, Schleimhautsekreten u. s. w. gediehen. In der freien

Natur fanden sich die entwickelten Vorticellen häufig in anderen

Schmutzwässern, die mit organischen Zersetzungsstoffen gesättigt

waren, in Abfallwässern von Schlachthäusern, Exkremente führenden

Sielen u. s. w. Die Vorticellen besassen in ausgedehntem Masse die

Fähigkeit, bei irgend welchen ihre Existenz bedrohenden Einflüssen

Dauercysten zu bilden, und wurden in dieser encystirten Form im Freien

nicht nur auf den verschiedensten Pflanzen und in den verschiedensten

Wässern, sondern +auch auf und+ in dem Körper verschiedener Thiere

und Menschen angetroffen. So wurden sie von +Lindner+ bei Nasen- und

Luftröhren-Katarrhen, in Schleimhautsekreten, in den Dejektionen von

Typhuskranken, in den Schorfen von Kopfhautekzemen, in dem Fäkalinhalt

von Schwänen u. s. w. gefunden.

Es ergaben dann weitere Kulturen mit dem Venenblute verschiedener

Hausthiere, u. A. von einem frisch geschlachteten Schweine und einem

an schwerer Unterleibsentzündung erkrankten Hunde nach 3–6 Tagen

das Vorhandensein zahlreicher lebender Vorticellen. Im weiteren

Verlaufe dieser Versuche wurde in einen am Kopf eines Muskels von

einem frisch geschlachteten Schweine gemachten tiefen Einschnitt ein

Tropfen vorticellenhaltigen Wassers eingeträufelt und die Wundränder

verklebt. Nach einigen Tagen zeigte sich, dass die Vorticellen nicht

mehr an der Stelle der Incision, sondern in geringerer oder grösserer

Entfernung davon theils vereinzelt, theils gruppenweise in und zwischen

den Muskelfasern anzutreffen waren. Die Vorticellen waren dicht

aneinandergelagert oder zwischen einander geschoben, sodass sie +grosse

Aehnlichkeit mit Schläuchen+ hatten. Hiedurch wurde nun +Lindner+

veranlasst den besonders im Muskelfleische der Schweine häufig

vorkommenden +Miescher+’schen Schläuchen seine besondere Aufmerksamkeit

zuzuwenden.

+Lindner+ übertrug hierauf die die Schläuche enthaltenden

Fleischpartikel in mit verdünnter Fleischbrühe gefüllte reine Gläser

und sah nach 30–48 Stunden auf der Oberfläche der Gläser eine Rahmhaut

sich bilden, in welcher zwischen lebhaft sich bewegenden Bacillen

Myriaden kleiner, runder, hellglänzender, ruhender Körperchen

nachzuweisen waren, welche die ersten Entwickelungsstufen der

stiellosen Vorticellen darstellen. 3–4 Tage später wurden mit zwei

Geisseln versehene Cercomonaden theils vereinzelt, theils zu 4–8 oder

mehr Gliedern vereinigt beobachtet. Nach 6 Tagen zeigten sich einzelne

grosse ruhende Vorticellen in Cystenform ohne deutlichen körnigen

Inhalt, und nach 8–9 Tagen kräftig entwickelte, lebende Vorticellen,

welche sich alsbald massenhaft durch Kopulation und Theilung vermehrten.

Die mit normalem Schweinefleisch in frischem sowohl wie in faulendem

Zustande vorgenommenen Kontrollversuche ergaben bezüglich des Gehaltes

an Protozoen ein durchaus negatives Resultat. +Lindner+ scheint es

nach den mehrfach vorgenommenen Versuchen mit dem von +Miescher+’schen

Schläuchen durchsetzten Schweinefleisch zweifellos zu sein, +dass der

Inhalt dieser räthselhaften Mikroorganismen aus in und zwischen den

Muskelfasern eingewanderten stiellosen Vorticellen in verschiedenen

Entwickelungsstadien besteht+. Dieser Annahme wird man jedoch

einstweilen starke Zweifel entgegensetzen müssen. Jedenfalls würden

weitere Züchtungsversuche in der genannten Richtung ganz zweckmässig

sein.

Nicht weniger Zweifel wird man der Ansicht von +Behla+[150]

entgegenbringen, welcher die Sarkosporidien den +Blastomyceten+

anreiht, weil es ihm angeblich gelang, zerzupfte Schläuche auf

neutraler Bouillongelatine, Malzextraktgelatine zum Wachsthum zu

bringen und dabei Kulturen von weisser Hefe sich bilden sah. Die

Möglichkeit ist doch nicht ausgeschlossen, dass bei +Lindner+ und

+Behla+ zufällige Verunreinigungen mit anderen thierischen oder

pflanzlichen Parasiten die Resultate der Versuche bewirkt haben.

* * * * *

An dieser Stelle mögen auch noch einige Angaben über die =toxische

Wirkung der Sarkosporidienschläuche= gemacht werden.

L. +Pfeiffer+[151] hatte Impfversuche mit dem Inhalte der

Sarkosporidienschläuche vom Oesophagus des Schafes gemacht, wobei

er ein wässeriges und ein Glycerinextrakt Kaninchen injizirte

und nach kleinen Dosen nur Fieber, nach grösseren Gaben auch

Collapserscheinungen eintreten sah. Für die nur mit Kaninchen und

einigen Mäusen angestellten Versuche wurden bei einer Versuchsreihe

der Inhalt der aseptisch gemachten Cysten des Oesophagus des Schafes

mit Humor aqueus des Schafauges zu einer Emulsion verrieben und

eingespritzt. Alle Thiere bekamen Diarrhöe, Schnupfen und Fieber

und +starben innerhalb 4–6 Stunden+. In einer zweiten kleineren

Versuchsreihe wurde das +Glycerinextrakt+ der Sarkosporidienkeime

(ebenfalls von der Speiseröhre des Schafes) benutzt. Es wurde der

Inhalt von 36 Cysten mit Glycerin 48 Stunden in dem Brutschrank bei

38° eingestellt, mehrmals in dieser Zeit gründlich umgeschüttelt

und schliesslich der klare Inhalt von den zu Boden gesunkenen

Sarkosporidiencysten abgesogen. Die zur Herstellung der Extrakte

verwendeten Cysten waren nahezu gleich gross und hatten auch den

gleichen Inhalt; ältere und verkalkte Cysten wurden nicht verwendet.

Bei den Versuchsthieren trat in allen Fällen Fieber ein, ausserdem

Diarrhöe, Speichelfluss, Krämpfe und Kollapserscheinungen. Nach 5 Tagen

waren die Kaninchen wieder wohl.

L. +Pfeiffer+ hat im Herbst 1889 eine ähnliche akut tödtliche

Einwirkung nach einer Einspritzung der möglichst aseptisch

hergestellten Emulsion von Kochsalzwasser (0,6%) mit dem Innern eines

melanotischen Karcinoms beobachtet.

Weitere Versuche dieser Art hat dann +Kasparek+[152] im

bakteriologischen Laboratorium des Prof. E. +Nocard+ in Alfort-Paris

angestellt. Die Versuche von L. +Pfeiffer+, +Bertram+, +Manz+ und

+Siedamgrotzky+ bei verschiedenen Thieren hatten zunächst gelehrt, dass

durch +Verfütterung+ von Sarkosporidien an Ratten, Meerschweinchen

und weisse Mäuse eine Infektion oder irgend eine Ansiedlung von

Keimen nicht herbeigeführt wird. Es stehen diese Versuchsergebnisse

auch im Einklange mit der bisherigen Erfahrung, dass der Genuss des

sarkosporidienhaltigen Fleisches beim Menschen bisher ohne jeden

Nachtheil gewesen ist. Ueberdies ist auch durch einen Versuch, welchen

L. +Moulé+ und +Canal+ anstellten, indem sie rohes mit Sarkosporidien

stark durchsetztes Fleisch ohne jeden Nachtheil verzehrten, ein

direkter Beweis für die Unschädlichkeit des fraglichen Fleisches

erbracht worden. +Pfeiffer+ und +Bertram+ zeigten auch, dass die

Sarkosporidien aus dem Oesophagus des Schafes durch den Magensaft

zerstört werden.

+Kasparek+ untersuchte nun die Wirkung der Infektion, wenn die

Sarkosporidien nicht verfüttert, sondern subkutan einverleibt wurden.

Zu diesem Zwecke wurden +Miescher+’sche Schläuche zuerst mit Sublimat,

Alkohol und Aether gereinigt, darauf mit einer sterilisirten Schere

durchschnitten und ihr Inhalt (ungefähr ½ ccm) dem Versuchsthiere am

Rücken subkutan eingeimpft. Hiebei konnten in dem 4 Stunden nach der

Impfung aus der Ohrvene entnommenen Blute +zwischen den Blutkörperchen

frei liegende+ den +Sarkosporidiensicheln sehr ähnliche Körper+

nachgewiesen werden. Zur Färbung wurde eine Mischung von gleichen

Theilen der +Loeffler+’schen alkoholischen Methylenblaulösung und des

Blutserums mit einem Zusatze von geringer Menge von Thymol benutzt. Bei

der Sektion wurden jedoch Sarkosporidien weder in den Muskeln noch in

der Milz gefunden. „Wenn auch diese Versuche, sagt +Kasparek+, keinen

Aufschluss über die Infektion mit Sarkosporidien liefern können, so

führen sie doch zu der interessanten Beobachtung, dass +die Sporozoiten

von der Impfstelle aus gleich anderen thierischen Parasiten in die

Blutbahn gelangen können, in derselben jedoch in sehr kurzer Zeit ihre

Form verändern+.“ Diese zu weiteren Schlüssen über die Biologie der

Sarkosporidien führende Beobachtung stimmt auch mit den Angaben von

L. +Pfeiffer+ überein. Nach +Pfeiffer+ „werden ebenfalls die Sicheln

sofort zu Zellen, die den Leukocyten zum Verwechseln ähnlich sind, wenn

ein geschlossener +Miescher+’scher Schlauch (ein „Dauerschlauch“) im

Wirthsthier selbst platzt“. Ob diese Formveränderungen der im Blute

gefundenen Sichelkeime normale oder die Einleitung zum Absterben

sind, muss dahingestellt werden; wäre das letztere der Fall, so

müsste man mit +Pfeiffer+ annehmen, dass die +Infektion durch einen

Zwischenträger+ zu Stande kommt.

Hinsichtlich des =Sitzes der Sarkosporidien= möge noch folgendes

erwähnt sein.

Die Protozoen als Krankheitserreger des Menschen und der Hausthiere Für Ärzte, Thierärzte und Zoologen · 第 7 / 20 段