Die Degeneration beginnt im Protoplasma der Zelle selbst und nicht im

Zellkern (vergleiche Figur 11 S. 65).

* * * * *

Seit längerer Zeit ist eine =Hautkrankheit der Schweine= bekannt,

deren Entstehung nach den neuesten Untersuchungen gleichfalls durch

Koccidien hervorgerufen wird. Dieser mit +multipler Cystenbildung+

verbundene Hautausschlag der Schweine wurde im Jahre 1888 durch

+Zschokke+[89] näher untersucht und für denselben die Bezeichnung

„=Schrotausschlag der Schweine=“ vorgeschlagen. In der That ist diese

Benennung nicht unzweckmässig, da die grösseren und kleineren dunkel

gefärbten und bezirksweise ziemlich zahlreich auftretenden Cysten

durchaus das Bild erzeugen, als wäre der betreffende Hautbezirk durch

einen Schrotschuss getroffen worden[90]. Die Hautveränderung ist bisher

in der thierärztlichen Litteratur nicht besonders beachtet worden,

weil, wie +Olt+[91] mit Recht betont, eine Störung der Gesundheit

durch dieselbe nicht bedingt wird, und die Veränderungen selbst wegen

ihres Sitzes unter der Epidermis auf der mit Borsten besetzten Haut

leicht übersehen werden. Dagegen wird der Schrotausschlag in den

Schlachthöfen sehr häufig beobachtet, weil hier, nach Entfernung der

Borsten, die dunklen Bläschen leicht zu erkennen sind. +Man findet

die Hautaffektion+ vorwiegend auf dem Rücken, an den Hinterbacken,

auf dem Kreuze und am Schwanzansatze, ferner (seltener) am Halse und

gelegentlich an allen anderen mit Borsten besetzten Körperstellen.

Man sieht an den erkrankten Hautabschnitten kleine, mit blossem Auge

kaum erkennbare und grössere, den Umfang eines Pfefferkornes bis

zu einer Erbse erreichende, Cysten. Wo dieselben in grösserer Zahl

nebeneinander vorhanden sind, findet man stets grössere und kleinere,

niemals dagegen alle von gleichem Umfange. Und zwar liegen manchmal im

Centrum eines erkrankten Hautstücks die grösseren, nach der Peripherie

zu die kleineren Bläschen. Die Meinung +Olt+’s, dessen Angaben in

seiner sehr gründlichen Arbeit im Nachstehenden gefolgt wird, ist

danach wohl richtig, dass der Prozess als ein fortschreitender gedeutet

werden muss. Gewöhnlich liegen grössere und kleinere Bläschen in

unregelmässiger Anordnung neben kleineren, bald zu Gruppen vereinigt,

bald vereinzelt. So habe ich die Anordnung oft an den für den Kursus

eingesandten Präparaten gesehen und so entspricht das Bild auch einem

Schrotschuss. Allerdings wechselt die +Farbe+ der kleinen Bläschen

erheblich je nach ihrer Grösse, nach der Beschaffenheit ihres Inhalts

und je nach ihrer oberflächlichen oder tiefen Lage in der Haut.

Die kleinsten stecknadelkopfgrossen sind blassgelb oder grauweiss,

später -- wahrscheinlich bedingt durch Aufnahme und Umwandlung des

Blutfarbstoffs -- werden sie gelbbraun und braun, um dann zuletzt

als violette oder blauschwarze Gebilde hervorzutreten. Die mit einer

mehr oder weniger gespannten Kapsel umgebenen Bläschen sind mit einer

wässerigen, trüben, in der Regel röthlichen Flüssigkeit angefüllt, in

welcher sich zwiebelartig geschichtete rostfarbene Massen vorfinden.

Die meisten Bläschen enthalten eine, die grösseren sogar mehrere

Borsten. Die Wurzel der Borsten liegt in der Wand des Bläschens,

während der Schaft der Borste in dem Bläschen selbst liegt und meist

+spiralig gewunden+ ist.

Hinsichtlich der +bisherigen Auffassung über die Ursache und über

die Entwickelung+ dieser Hauterkrankung möge Folgendes erwähnt

sein. +Zschokke+ nimmt an, dass ein Kokkus, welcher, von 1 Mikron

Durchmesser, sich in grosser Menge in den äusseren Theilen der

Bläschenwand und in den tieferen Epidermisschichten vorfindet, in

ursächlicher Beziehung zur Entstehung der fraglichen Bildungen steht,

weil er regelmässig und besonders bei den noch in der Entwickelung

begriffenen Bläschen angetroffen wird. +Zschokke+ betrachtet

diese Hautanomalien vorwiegend als abnorme Epidermiswucherung,

wobei die zapfenartig in die Tiefe sich entwickelnden Bildungen

später abgeschnürt werden. +Siedamgrotzky+, welcher einmal 500

solcher Cysten an einem Hautstück fand, hielt sie für Dermoide,

und ebenso charakterisirt +Johne+ das Hautleiden als multiple

Dermoidcystenbildung. +Kitt+[92], welcher die Untersuchungen

von +Zschokke+ seiner Auffassung zu Grunde legt, bezeichnet die

Bildungen als Epidermiscystchen oder Atherome kleinsten Kalibers.

+Lungershausen+[93] rechnet den Schrotausschlag zu den von

+Bonnet+[94] unter dem Namen Hypotrichosis zusammengefassten

Hemmungsbildungen und vindizirt dem Umstande, dass die Haare der

Epidermis beim Schrotausschlag nicht durchbrechen, die wichtigste Rolle

bei der Entstehung dieser Hauterkrankung. Mit Recht hält +Olt+ dieser

Auffassung von +Lungershausen+ die wichtige Thatsache entgegen, welche

ich vollkommen bestätigen kann, dass zahlreiche kleine und grössere,

oft selbst vollkommen entwickelte Bläschen überhaupt keine Haare

besitzen. Ich bin sogar mit +Zschokke+ der Ansicht, dass das Vorkommen

der Haare in den Bläschen kein charakteristischer, sondern nur ein

zufälliger Befund ist, je nach der Entstehung der Bläschen in der Nähe

einer Haarpapille.

[Illustration: Figur 9.

Schnitt durch eine Knäueldrüse mit cystischer Erweiterung. Ein Haar,

dessen Follikel eine Verschiebung in der Weise erfahren hat, dass es in

horizontaler Richtung gewachsen und in das Bläschen eingebrochen ist.

(Nach +Olt+.)]

+Olt+ konnte nun feststellen, dass die Entwickelung der Bläschen an den

Schweissdrüsen beginnt, welche dem blossen Auge als kleine blassgelbe

Knötchen in der normalen Haut erkennbar wird. Mikroskopisch sieht

man dann innerhalb der Epithelien braune, granulirte Plasmaklümpchen

von verschiedener Grösse. Ausserdem findet man dann auch frei im

Drüsenlumen weitere Entwickelungsstadien der Parasiten vor. Man

sieht eiförmige Gebilde mit einer sehr dünnen glatten Kapsel und mit

einem wasserklaren, stark lichtbrechenden Plasmaleib, die in der

Grösse wechseln. Wahrscheinlich werden die zunächst in den Epithelien

schmarotzenden Parasiten später frei und entwickeln sich dann im

Drüsenlumen weiter. Bei den nicht abgekapselten Formen, sagt +Olt+,

liegt der grosse ballenartige Kern in einer formlosen Plasmamasse,

welche nach verschiedenen Richtungen zahlreiche Fortsätze aussendet,

die, besonders bei mässiger Erwärmung des Objektes, amöboide Bewegungen

erkennen lassen. +Olt+ kommt danach zu dem berechtigten Schlusse, dass

eine +Koccidienart Ursache des Schrotausschlages des Schweines ist+.

[Illustration: Figur 10.

Zwei Schleifen der Knäueldrüse auf dem Querschnitte. Man sieht

Parasiten, welche zwischen den zerfallenen Epithelien liegen und von

Schalen umgeben sind. (Nach +Olt+.)]

Die vollständig entwickelten und mit Schalen umgebenen Formen fand

+Olt+ meistens nur in alten Bläschen; sie sind eiförmig, bis 0,034 mm

lang und 0,0275 mm dick, also etwas grösser als Koccidium oviforme,

welches als 0,032 bis 0,037 mm lang und 0,015–0,02 mm breit angegeben

wird. Die Koccidien des Schrotausschlages zeichnen sich ferner sowohl

in ihren Jugendstadien, als auch nach vollendeter Entwickelung dadurch

aus, dass sie +braun gefärbt+ sind, und mit Rücksicht auf diese Farbe

schlägt +Olt+ für die Parasiten die Bezeichnung +Koccidium fuscum+ vor.

Die Schale ist aussergewöhnlich dick, (0,0015–0,003) vollständig glatt

und sehr widerstandsfähig gegen Chemikalien; an einzelnen Schalen ist

eine mikropylenartige Oeffnung erkennbar. Der Schaleninhalt besteht aus

einer homogenen Plasmamasse, in welcher zahlreiche, scharf konturirte

kugelige Sporen liegen, wenn diese nicht nach aussen entleert sind.

Ausser diesen Formen zeigen sich auch Koccidien mit dünnen Schalen,

ohne nachweisbare Mikropyle und ohne Sporen, nur mit einem homogenen

Inhalt versehen. Schliesslich fanden sich nach +Olt+ in dem flüssigen

Inhalte junger Bläschen noch kegelige, bohnen- oder eiförmige Protozoen

in wechselnder Grösse (0,022–0,030 mm Länge). Dieselben färben sich mit

Safranin roth, doch wandelt sich die Farbe nach einiger Zeit in Violett

um.

+Olt+ kommt auf Grund seiner Untersuchungen zu dem Ergebniss, dass die

+als Schrotausschlag des Schweines bezeichnete Hautkrankheit durch

eine bisher unbekannte Koccidienart veranlasst wird, welche in die

Schweissdrüsen eindringt und letztere reizt+. Die Krankheit sei demnach

als eine +Koccidiose der Knäueldrüsen+, als +Spiradenitis coccidiosa

suis+ zu bezeichnen. Mit diesem Namen will +Olt+ Ursache und Sitz des

Krankheitsprozesses bezeichnen, während die Benennung „Schrotausschlag“

nur eine deskriptive Bedeutung hat.

Die Thatsache, dass beim Schrotausschlage an der unteren Seite des

Bauches und an der Innenfläche der Schenkel eine Bildung von Bläschen

seltener beobachtet wird, möchte +Olt+ nur aus gewissen Nebenumständen

erklären. Zunächst sind die anatomischen Verhältnisse von Bedeutung.

An den Bauchdecken ist der Kutiskörper viel schwächer entwickelt

als an den übrigen Körpertheilen. Daher legt sich die Haut an der

unteren Seite des Bauches leicht in Falten, ist weich und wird bei

jeder Bewegung des Körpers nach den verschiedensten Richtungen

auf der Unterlage verschoben. Ferner sitzen in diesem Hautbezirke

die Drüsenknäuelchen viel freier in der lockeren Unterhaut als an

anderen Körperstellen, und eine Vergrösserung der ganzen Drüse durch

Stauung ihres Inhaltes stösst mithin auf geringere Widerstände

als am Rücken, wo der grössere Theil des Drüsenknäuels von derben

Gewebszügen der Kutis umgeben ist. Hier erfährt die Haut auch geringere

Verschiebungen und es fällt also jener natürliche Druck weg, welcher

an der Innenfläche der Schenkel und an den Bauchdecken den Abfluss

des Hautsekretes wesentlich fördern dürfte. Vor allen Dingen liegt

aber die Drüse an den zuletzt erwähnten Stellen in einer dünnen und

sehr lockeren Kutis, welche den Schweissabfluss begünstigt. Mit

der Zeit hört aber auch in diesen Hautbezirken der Abfluss aus den

Knäueldrüsen auf, ohne dass damit die Funktion des Epithels gänzlich

erloschen wäre. Der Inhalt des Drüsenkanals erfährt, abgesehen von

der Beimengung der Parasiten, gewisse Veränderungen. Es bildet sich

die kolloidartige Masse in einer grösseren Menge, sodass zuletzt fast

das ganze Drüsenlumen damit gefüllt ist. Hierdurch wird der Ausfluss

des Sekretes so sehr erschwert, dass die Muskelelemente der Membrana

propria nicht mehr im Stande sind, den Druck der angestauten Massen zu

überwinden. Mithin sind alle Bedingungen für das Zustandekommen einer

Retentionscyste bei fortgesetzter sekretorischer Funktion der Drüse

gegeben.

Bezüglich der in den Cysten gefundenen Haare sagt +Olt+, erschien es

fraglich, ob die Parasiten in die Epithelien der Haarwurzelscheide

eingedrungen sind und eine cystische Erweiterung derselben veranlasst

haben, welche alsdann eine abnorme Wachsthumsrichtung der Borste

im Gefolge hatte, oder ob letztere bei ihrer Entwickelung in ein

bereits präformirtes Bläschen hineingewachsen ist. Da die mit Haaren

ausgestatteten Bläschen stets geschichtetes Plattenepithel enthalten,

welches den Charakter der äusseren Haarwurzelscheide trägt, so glaubte

+Olt+ zunächst, dass die Parasiten in dieses Epithel eingedrungen

waren und denselben Prozess wie in den Schweissdrüsen angeregt hätten.

Ein Beweis für die Richtigkeit dieser Ansicht war jedoch nicht zu

erbringen. Auch ist es nicht zu erklären, wie die Parasiten in das

Innere der Haarwurzelscheide gelangen sollten, so lange sich die

Borste noch keinen Weg durch die Epidermis gebahnt hat. Es lässt

sich demnach nur annehmen, sagt +Olt+, dass die von den Knäueldrüsen

ausgegangenen Veränderungen die nächst gelegenen Haarfollikel in

Mitleidenschaft gezogen haben. Eine Borste, welche bereits ihren

Weg durch einen normal angelegten Haartrichter nach aussen gefunden

hat, kann nachträglich nicht mehr von dieser Richtung abgelenkt

werden, +dagegen läuft jede nun entstehende Borste Gefahr, sich in

den benachbarten cystischen Raum zu verirren, wenn der angrenzende

Drüsenkanal erkrankt ist+. Mit dieser Ansicht über den Befund von

Borsten in den Cysten kann ich mich auf Grund meiner Wahrnehmungen

nur einverstanden erklären. Der gegebene Weg für das Eindringen der

Parasiten ist der Ausführungsgang der Schweissdrüse, von hier aus

geht nach Verstopfung des Ausführungsganges, Erkrankung der Drüse mit

nachfolgender Cystenbildung, der Prozess aus und wenn +zufällig+ in

der Nähe ein Haarfollikel sitzt, so kann das sich entwickelnde Haar

in die Cyste hineingelangen und hier eingerollt werden. Demnach ist

der Borstenbefund in den Cysten kein charakteristischer, sondern ein

zufälliger und wird deshalb erst bei den grossen Bläschen, nicht bei

den kleinen erst in der Entwickelung begriffenen Bläschen gemacht.

Der +Prädilektionssitz+ der Erkrankung auf Rücken, Hinterbacken, Kreuz

und Schwanzansatz weist darauf hin, dass den auf dem Stallboden, im

Futter, oder in der Streu vorhandenen Parasiten durch das Scheuern

gerade dieser Hautstellen erst das Eindringen in die sonst meist

durch Schmutz verlegten Poren der Schweissdrüsen ermöglicht wird. Der

Befund in den Cysten und die Art der Entstehung neuer Bläschen spricht

dafür, wie +Olt+ richtig hervorhebt, dass sich die Koccidien nach dem

Eindringen in die Schweissdrüsen schnell vermehren und nicht sämmtlich

von aussen eingedrungen sind.

Bisher hat man, wie erwähnt, dem ganzen Hautleiden für

die thierärztliche Praxis wenig Bedeutung beigelegt, weil

Gesundheitsstörungen der Thiere dadurch nicht hervorgerufen werden.

Dennoch möchte ich auf die bemerkenswerthe Thatsache hinweisen, dass

in sehr ausgedehnter Weise bei Schweinen Protozoen in den Muskeln, die

sog. Sarkosporidien, vorkommen, ohne dass bisher klargestellt ist, wie

diese sehr verbreitete Infektion zur Entwickelung kommt. Vielleicht

geben einmal spätere Untersuchungen darüber Aufschluss, +ob zwischen

den Koccidienerkrankungen der Haut und den Sarkosporidieninfektionen

der Muskeln irgend welche Beziehungen bestehen+; ob z. B. die

Sarkosporidien sich in den Muskeln derjenigen Gegenden vorwiegend

vorfinden, wo die Haut Sitz der Koccidienerkrankungen ist oder ob bei

Koccidienerkrankungen der Haut auch regelmässig die Muskelerkrankungen

beobachtet werden. Jedenfalls bieten diese Affektionen der Forschung

noch ein dankbares Feld. Durch wissenschaftliche Assistenten in

grösseren Schlachthäusern könnte auch nach dieser Richtung viel

gefördert werden.

Was die +Technik der Untersuchung betrifft+, wie sie von +Olt+

eingeschlagen ist, so mögen folgende Angaben desselben hier

wiedergegeben werden. Die erkrankten frischen Hautstücke wurden drei

Tage lang in absoluten Alkohol gelegt, der mehrmals gewechselt wurde.

Die gehärteten Theile wurden in 3–4 mm dicke und 1 cm lange Stückchen

geschnitten, allmählich in Wasser übergeführt und 5–7 Tage lang in

Borax-Karminlösung gelegt. Hierauf wurden die Schnitte in salzsaurem

Alkohol (50% Alkohol -- 100:5 Tropfen Salzsäure --) etwa 2 Tage lang

ausgewaschen, dann wieder entwässert und schliesslich mittelst einer

Toluol-Nelkenölmischung (1:3 in Paraffin gebettet. In reinem Toluol

nehmen die Hautstücke eine zu grosse Härte an; auch konnte reines

Nelkenöl nicht angewandt werden, weil die Präparate ohne Toluolzusatz

zu lange in dem geschmolzenen Paraffin bleiben mussten, bis das

Nelkenöl entfernt worden war. Ein zu langes Erwärmen im Thermostaten

machte die Hautstücke wegen der eintretenden Härte für das Schneiden

auf dem Mikrotom gleichfalls ungeeignet. Das flüssige Paraffin wurde

recht oft gewechselt, und sobald sich Probestückchen für das Schneiden

geeignet erwiesen, kamen die Präparate aus dem Thermostaten. Auf

diese Weise konnten ganz vorzügliche Schnittserien aus den dicksten

Hauttheilen des Schweines angefertigt werden. Mit Eiweiss-Glycerin

wurden die Schnitte aufgeklebt, nach dem Erhitzen alsdann mittels

Toluol vom Paraffin befreit und in Kanadabalsam eingeschlossen. Bei

Hautschnitten bietet die Stückfärbung grosse Vorzüge, weil sich beim

Nachfärben die Kutis in Falten legt, und dadurch das ganze Bild

verunstaltet.

Die aus den erkrankten Knäueldrüsen hervorgegangenen Knötchen, welche

noch nicht in Bläschen umgewandelt waren, wurden frei präparirt und

in Stückfärbung weiter behandelt. Nach mehrstündiger Einwirkung einer

alkoholischen Sublimatlösung (5 g Sublimat auf 100 g 50 % Alkohol)

und nachträglicher Entfernung des Sublimates durch Jodalkohol wurden

die Präparate in Paraffin gebracht und dann geschnitten. Die Schnitte

färbten sich sehr schön mit Hämatoxylin-Eosin, wobei die Jugendformen

der Koccidien ihre braune Eigenfarbe behielten und daher leicht

von den blauen Zellkernen der Epithelien zu unterscheiden waren.

Wirksame Gegensätze in der Färbung traten ein, wenn die mit Karmin

gefärbten Stücke nachträglich mit wässriger Methylvioletlösung gefärbt

wurden. Die Parasiten nehmen dann eine dunkelgrüne Farbe, die übrigen

Hautbestandtheile eine karminrothe Farbe an.

Zur Untersuchung der Parasiten selbst wurde die Flüssigkeit aus den

Bläschen der frisch erkrankten Hautstücke unter dem Deckgläschen mit

starken Vergrösserungen untersucht. Ohne weitere Hülfsmittel konnte

der hellere Kern von dem dunklen, braunen und granulirten Plasmaleibe

unterschieden werden. Nach Zusatz einer geringen Menge wässriger

Safraninlösung liessen sich noch weitere Details erkennen. Die

Anfertigung guter Dauerpräparate bietet bei der zarten Beschaffenheit

dieser Parasiten einige Schwierigkeiten. Ungefärbt behielten

sie in Glycerin ihre Form gut bei. Andere Parasiten wurden mit

Chrom-Osmiumsäure (+Flemming+) fixirt, ausgewaschen, mit Hämatoxylin

gefärbt, entwässert und in Kanadabalsam eingeschlossen. Bei diesem

Verfahren durfte das Präparat niemals trocken werden, sonst verloren

die Parasiten ihre natürlichen Formen bis zur Unkenntlichkeit. Aus

Hautstücken, welche in Alkohol aufbewahrt worden sind, kann man die

Jugendstadien der Parasiten überhaupt nicht mehr in unveränderter

Gestalt beobachten, da sie ihre Plasmaausläufer eingezogen haben und

leicht mit anderen zelligen Elementen verwechselt werden können.

Zur Zeit ist, wie +Olt+ am Schlusse seiner sehr gründlichen Arbeit

ausführt +die Knäueldrüsen-Koccidiose des Schweines+ das einzig

bekannte Hautleiden dieser Art und, abgesehen von den Erregern, die

einzige spezifische Krankheit, welche von den Knäueldrüsen der Thiere

bekannt ist. Dagegen sind in der Menschenmedizin einige Fälle einer

genetisch noch nicht erforschten eiterigen Knäueldrüsenentzündung

beobachtet, welche als +Aknitis Barthélemy+[95], +Hydradenitis

destruens suppurativa Pollitzer+[96], +Hydrosadenitis disseminata

suppurativa Dubreuilh+[97], +Spiradenitis disseminata suppurativa

Unna+[98] bezeichnet wird. Bei dieser Krankheit bilden sich in der Haut

schrotkorn- bis erbsengrosse Knötchen, welche sich röthen, mit einer

Kruste bedecken und eintrocknen oder erweitern. Nach den histologischen

Untersuchungen liegt eine Schwellung des Knäueldrüsenepithels mit

nachfolgender Nekrobiose und Eiterung vor (+Unna+). Der Prozess weicht

mithin von der Spiradenitis koccidiosa suis wesentlich ab, weil bei

letzterer Eiterungsprozesse niemals beobachtet worden sind.

* * * * *

Sowohl beim +Menschen wie auch bei Thieren+ sind nun noch =Koccidien

in der Niere= beobachtet worden. Beim +Menschen+ sind sowohl in den

Nieren selbst wie auch in den Ureteren gelegentlich Koccidien gefunden

worden. +Railliet+[99] und +Lucet+[100] nennen mehrere französische

Aerzte, welche solche Beobachtungen gemacht haben. Nach +Railliet+

sind Koccidien in den Harnwegen von Kaninchen (von +Brown-Séquard+)

ferner von +Railliet+ und +Lucet+ in den Nierenkanälchen der Hausgänse

gefunden worden. +Arnold+ hat beim sog. +Blutharnen der Rinder+ im

Blasenepithel Koccidien gefunden.

Es sind auch im +Darm und in der Niere der Mäuse+ Koccidien gefunden

(von +Smith+-Washington, in der Niere; von +Schuberg+ im Darm), und mit

dem Namen +Koccidium falciforme+ belegt worden.

Schliesslich sind von +Thélohan+[101] echte =Koccidien= auch bei

=Fischen= gefunden worden. In der Leber des Stichlings Koccidium

gasterostei, in den Hoden der Sardine Koccidium sardinae, Koccidium

cruciatum in der Leber einer Makrelenart, Koccidium minutum in der

Leber, Milz und Niere der Schleie u. s. w. Man findet Koccidienarten

ausserdem noch bei zahlreichen anderen Fischen, Gliederthieren und

Batrachiern.

* * * * *

Die Beobachtung, dass das Koccidium oviforme beim Kaninchen und in

seltenen Fällen offenbar auch beim Menschen +geschwulstähnliche

Gewebswucherungen+ verursachen kann, war neben anderen Momenten

Veranlassung sich mehr als bisher dem Studium der =Aetiologie

der Geschwülste= hinsichtlich des Vorkommens von Protozoen in

denselben zuzuwenden. „Denn gerade die Aetiologie der Geschwülste

im engeren Sinne“, sagt +Hauser+[102], „ist bis auf den heutigen

Tag noch eines der dunkelsten Kapitel der allgemeinen Pathologie.

Trotz der verschiedenen, zum Theil ja sehr geistreichen Hypothesen

über die Entstehung der Geschwülste fehlt es uns doch an einer

sicheren Erklärung für das Zustandekommen eines Krebses, einer

Fettgeschwulst oder irgend einer anderen der so mannigfaltigen

Geschwulstformen. Während bei so vielen Krankheiten, namentlich den

Infektionskrankheiten, unsere Anschauungen über deren Aetiologie

auf der Erkenntniss von Thatsachen begründet sind, sind wir in

der Erkenntniss der Geschwülste trotz aller Bemühungen über eine

hypothetische Grundlage nicht hinausgekommen. Dieser Mangel an

wirklichem Wissen muss aber gerade hier um so schmerzlicher empfunden

werden, als den Geschwülsten nicht allein ein ungewöhnliches

theoretisches Interesse zukommt, sondern dieselben bei ihrem häufigen

Vorkommen und bei der sie oft auszeichnenden Bösartigkeit auch eine

ausserordentliche pathologische Bedeutung besitzen, welche um so

grösser ist, als der Arzt der sich entwickelnden Geschwulst nur allzu

oft mit absoluter Ohnmacht gegenübersteht.“

Von dem Befunde +Scheuerlen+’s[103] abgesehen, welcher den

Krebsbacillus entdeckt haben wollte, während es sich nur um einen

gewöhnlichen und harmlosen Kartoffelbacillus handelte, der zuweilen

auch auf der Haut als bedeutungsloser Parasit vorkommt, sind alle

weiteren Bemühungen für die Geschwülste, insbesondere für die

bösartigen Karcinome und Sarkome, Bakterien oder überhaupt pflanzliche

Mikroorganismen als Infektionserreger aufzufinden, fruchtlos geblieben,

so dass die Hoffnung, durch bakteriologische Forschung zum Ziele zu

kommen jetzt wohl allgemein als aussichtslos angesehen wird. Um so

energischer wandte sich die Forschung der Feststellung von Protozoen

in jenen Gebilden zu, nachdem erwiesen war, wie nicht zu leugnen, dass

krebsähnliche Bildungen durch das Koccidium oviforme hervorgerufen

werden können.

Von der grossen Zahl hierher gehöriger Untersuchungen mögen nur die

folgenden kurz erwähnt sein.

Die Protozoen als Krankheitserreger des Menschen und der Hausthiere Für Ärzte, Thierärzte und Zoologen · 第 5 / 20 段