Die Aufnahme der Parasiten scheint vorwiegend mit nassem Grase,

möglicherweise auch mit dem Wasser, im Stalle, wie auf der Weide

stattzufinden. Von Thier zu Thier überträgt sich die Krankheit nicht.

In der Schweiz erkranken besonders die Rinder der Bergweiden, welche

mit Wasser aus fliessenden Gewässern getränkt wurden. In trockenen

Jahrgängen und bei Grünfütterung wird das Leiden nicht beobachtet. Wie

+Zschokke+ meint, sitzen die Parasiten in Schnecken oder Regenwürmern.

Durch diese werden das Gras und durch letzteres die Herbivoren infizirt.

+Guillebeau+ hat in Gemeinschaft mit +Hess+ Versuche angestellt

und eine experimentelle Enteritis erzeugt. Durch Fütterung

mit sporenhaltigem Material trat die Erkrankung +nach einer

dreiwöchentlichen Dauer des Inkubationsstadiums+ ein. Weitere

Untersuchungen lehrten, dass neben der Vermehrung durch Sporen auch

als zweite Fortpflanzungsart eine unter bestimmten Verhältnissen sich

vollziehende und rasch eine grosse Zahl von Individuen ergebende

Theilung nachzuweisen ist. Die letztere Fortpflanzungsart trat im

Laboratorium bei einer Temperatur von 39° C. und der Gegenwart von viel

Eiweiss ein, dessen Fäulniss durch einen Zusatz von Borsäure gehemmt

war. Es entstanden unter diesen Verhältnissen zahlreiche kleine 3–7 µ

breite, homogene Kügelchen. +Da dieselben bei einigen Rindern im Kothe

in erheblicher Menge angetroffen wurden, so ist anzunehmen+, dass

diese Art der Vermehrung auch im Darme sich vollzieht. Die künstlich

erzeugte +Enteritis koccidiosa+ verlief milde, ohne hämorrhagischen

Charakter. Ferner beobachtete +Guillebeau+, dass die Bildung der

sichelförmigen Körperchen beginnt, nachdem die Koccidien den Darm

verlassen haben. Bei 15–18° ist die Viertheilung des Protoplasmas nach

drei Tagen, die Sporenbildung nach zwei Wochen vollendet. Bei niederer

Temperatur wird der Vorgang entsprechend verzögert.

Lässt man die Sporen der Koccidien auf feuchtem Papier sich

entwickeln[74], so zeigt sich, dass das Protoplasma in 4 rundliche

oder elliptische Segmente sich theilt, von denen jedes von einer

Hülle umgeben wird. Einige Tage später entstehen in den Segmenten

zwei sichelförmige Körperchen, neben welchen ein kleines, körniges

Klümpchen von Protoplasma als Restkörper zurückbleibt. Durch frische

Koccidien konnte die Krankheit nicht übertragen werden, wohl aber durch

Koccidien, in denen sich durch Kulturversuche Sporen (Keimstäbchen)

entwickelt hatten.

In Düngerhaufen können die Koccidien ihren Bedarf an Sauerstoff

nicht decken; sie werden vielmehr durch die Fäulniss ziemlich rasch

zerstört. Regengüsse, welche die auf der Weide abgesetzten Kothhaufen

verdünnen und fortschwemmen, bewirken die Ueberführung der Koccidien

in Verhältnisse, welche eine Weiterentwickelung gestatten. Nach

+Guillebeau+ dürfte die Ansteckung des Rindes fast ausschliesslich

durch das Trinkwasser erfolgen. Da die Thiere auf der Thalsohle meist

nur klares, durch den Boden filtrirtes Wasser aufnehmen, so ist hier

die Krankheit seltener, häufiger dagegen auf den Kämmen der Hügel und

auf den Weiden des Gebirgs, wo das Getränk gelegentlich aus Pfützen,

Tümpeln und Cysternen entnommen wird. Die Koccidien gelangen in der

geschilderten Weise in den Dickdarm, wo sie günstige Verhältnisse

finden, sich anzusiedeln, gelangen hier in die Drüsen und Epithelien,

zerstören dieselben und erzeugen die Enteritis (+Zschokke+). Da

das Koccidium oviforme auch bei Kaninchen und Hasen vorkommt, so ist

die grosse Verbreitung der Sporen auf der Oberfläche des Bodens leicht

verständlich.

+Hess+ hat besonders eingehende Studien über den klinischen Verlauf

der Erkrankung bei Rindern gemacht. Nach ihm erliegen etwa 2–4% der

ergriffenen Thiere der Krankheit. Die Monate Juli bis Oktober,

und unter ihnen ganz besonders August und September weisen die

zahlreichsten Fälle auf.

Die wichtigsten +Krankheitserscheinungen+, welche sich meistens nach

einem Inkubationsstadium von 3 Wochen entwickeln, sind folgende. Im

Beginne der Erkrankung und in leichten Fällen ist das Allgemeinbefinden

wenig gestört. In schwereren Fällen ist schon in den ersten beiden

Tagen der Krankheit hohes, mit Schüttelfrösten verbundenes Fieber

nachweisbar, dem in den nächsten Tagen grosse Schwäche und Abmagerung

folgt. Daneben zeigen sich Schwellung der Augenlider, Zurücktreten der

Augen, Blässe der Schleimhäute und verminderte oder ganz aufgehobene

Fresslust. Im weiteren +Verlaufe+ zeigen sich in den anfangs normalen

Fäces grössere und kleinere Blutgerinnsel, auch wird nicht selten

wässerig-blutige Diarrhöe mit Kroupmembranen beobachtet. Leichte Fällen

gehen nach 8–10 Tagen, andere nach 2–3 Wochen in Heilung über, während

schwere Fälle schon nach zwei Tagen tödtlich enden können. In grösseren

Viehbeständen kann es Monate dauern, bis alle Thiere erkrankt sind;

ebenso erkranken die durchseuchten Thiere im folgenden Jahre nicht

selten von Neuem. +Recidive+ werden bei scheinbar völlig geheilten

Thieren öfters, jedoch ohne ungünstigen Ausgang, beobachtet.

Wie +Hess+ nachweisen konnte, geht die Menge der Koccidien mit der

Abnahme des Blutes im Kothe stetig zurück. 20 Tage nach Beginn des

Leidens waren Koccidien in dem wieder normalen Kothe der Thiere nicht

mehr nachzuweisen. Zur sicheren +Feststellung+ ist, um besonders

bei erwachsenen Thieren Verwechselungen mit anderen Krankheiten zu

vermeiden, der frühzeitige Nachweis der Koccidien in den blutigen

Beimengungen der Darmentleerungen erforderlich.

Der +anatomische Befund+ ist im Wesentlichen folgender: Man findet

besonders den Dickdarm und hier wieder das Rektum der sehr anämischen

und abgemagerten Thiere erkrankt. Die grauröthliche, mit tiefen

Längsfalten versehene, unebene oder granulirte Schleimhaut enthält

zahlreiche grössere und kleinere Hämorrhagien. Der graugrünliche Inhalt

ist mehr oder weniger mit Blut gemischt, manchmal auch eitrig und mit

Kroupmembranen durchsetzt. Bei der mikroskopischen Untersuchung findet

man sowohl im Darminhalt, wie auch im Epithel der Schleimhaut, die

Koccidien in sehr grosser Zahl. So zählte +Zschokke+ in einem 1 mm

langen Stück der Mastdarmschleimhaut 1500 Koccidien. Nach +Zschokke+

findet man kreisrunde und ovale Formen der Koccidien mit einem

Durchmesser von 10–20 µ. Die Kerne der Koccidien in den Zellen sind

zuweilen bis dreimal so gross wie diejenigen der Epithelzellen und

füllen den Leib der Epithelkerne fast vollständig aus.

Zur +Behandlung+ wird die innerliche Verabreichung von Kreolin oder

Lysol in Verbindung mit Schleim und Milch empfohlen; auch Klystire,

den diese Mittel hinzugefügt, sind zweckmässig. +Prophylaktisch+ ist

Trockenfütterung, grosse Reinlichkeit in den Stallungen, und Vermeidung

des verunreinigten Trinkwassers erforderlich.

Hinsichtlich der +Verwerthung des Fleisches+ von Rindern, welche

wegen der Koccidienruhr geschlachtet worden sind, ist bisher über

nachtheilige Folgen für die menschliche Gesundheit noch nichts bekannt

geworden. Immerhin wird man das Fleisch als verdorben -- weil von

fieberhaft erkrankten Thieren herrührend -- bezeichnen und von der

Verwerthung für die menschliche Nahrung ausschliessen müssen.

2. Koccidium perforans. (+Leuckart+ 1879.)

Koccidium perforans ist, wenn auch selten, beim Menschen, häufiger bei

Thieren beobachtet worden.

[Illustration: Figur 7.

Koccidium perforans (+Leuckart+) in Sporulation (nach +Rieck+).]

Bis heute fehlt es nicht an Autoren, welche das Leberkoccidium und

Darmkoccidium des Kaninchens zur gleichen Art gehörig ansehen.

+Leuckart+, und unabhängig von ihm +Rivolta+, und später +Rieck+[75]

haben jedoch Verschiedenheiten nachgewiesen, auf Grund deren sie

eine Verschiedenheit von Koccidium oviforme und Koccidium perforans

festhalten.

Zunächst ist Koccidium perforans kleiner (0,017–0,024 lang und

0,012–0,014 breit) als Koccidium oviforme, die Gestalt ist mehr

kugelig und der vorwiegende Sitz ist der Darm der Thiere. Dazu

kommt, dass Koccidium oviforme 3–4 Wochen braucht, bis die Theilung

beginnt, während Koccidium perforans sich schon nach 3–4 Tagen theilt.

Die „Inkubationszeit“, wie +Leuckart+ sagt, ist bei Koccidium

perforans bedeutend kürzer (3–4 Tage) als bei Koccidium oviforme.

Ferner unterscheidet sich nach +Rieck+ Koccidium perforans auch

dadurch von Koccidium oviforme, dass bei Koccidium perforans nach

dem Zerfall des Protoplasmas zu den 4 Sporen ein Theil desselben

als „Theilungsrestkörperchen“ übrig bleibt und auch während der

Entwickelung der weiteren Sporen unverbraucht bleibt. Im Uebrigen ist

allerdings eine Uebereinstimmung beider Arten vorhanden, nur sind

vielleicht die Sporen bei Koccidium perforans etwas mehr oval, während

sie bei Koccidium oviforme mehr spindelförmig sind.

a) Koccidium perforans beim Menschen.

Beim Menschen ist Koccidium perforans zwar öfters beobachtet worden,

doch fehlt es an sicheren Angaben und Untersuchungen darüber, dass es

sich um Koccidium perforans gehandelt hat. Man hat solche Koccidien in

der Leber und im Darm des Menschen beobachtet.

b) Koccidium perforans bei Thieren.

+Bei Thieren+ sind zwar Koccidien im Darme, wie auch an einzelnen

Stellen des Respirationsapparates verschiedener Thiere gefunden

worden, doch ist bisher nur im Darm +der Kaninchen+ mit Sicherheit

nachgewiesen worden, dass es sich um Koccidium perforans handelt.

Hinsichtlich der +Art der Infektion+ ist bisher mit Sicherheit nichts

festgestellt worden. Wahrscheinlich erfolgt die Aufnahme auf den schon

bei Besprechung von Coccidium oviforme angegebenen Wegen. +Leuckart+

glaubt auch, dass man bei den Darmkoccidien an eine Selbstinfektion

denken könne, da die kurze, zur Entwickelung der Sporen nöthige Zeit

hinreiche, eine solche mittelst der durch Zerfall der Epithelien frei

gewordenen Darmkoccidien noch innerhalb des Darmes zu ermöglichen.

Demgegenüber macht +Rieck+ nicht mit Unrecht darauf aufmerksam, dass

es fraglich sei, ob der Darmsaft die Fähigkeit besitzt, die Schale der

Sporen, die sich erst trotz der Einwirkung des Darmsaftes gebildet

hat, auch wieder aufzulösen. +Railliet+ und +Lucet+[76] haben mit

ausgereiften Sporen der Darmkoccidien zwei junge, bis dahin gesunde

Kaninchen infizirt; die Thiere starben nach 8 bezw. 10 Tagen und

zeigten in den Epithelien des Dünndarms verschiedene Altersstadien der

Koccidien. Die +Krankheitserscheinungen+ bei den Kaninchen bestehen

vorwiegend in starker, profuser Diarrhoe, welche besonders bei jungen

Thieren auftritt und dieselben zu Grunde richtet.

* * * * *

[Illustration: Figur 8.

Koccidium perforans aus dem Dünndarm des Kaninchens. Die Parasiten

sitzen im submukösen Bindegewebe und haben die Schleimhaut abgehoben.]

+Koccidium perforans+ ist ein reiner Epithelschmarotzer, und so findet

man bei der Sektion und mikroskopischen Untersuchung der erkrankten

Darmschleimhaut die Parasiten in den Darmepithelien sitzen, welche

in Folge dessen nekrotisiren und, jedenfalls durch gleichzeitige

Einwirkung von Darmbakterien, zu oberflächlichen, diphtheritischen

Parzellen auf der Darmschleimhaut führen. Zuweilen findet man die

Parasiten auch zwischen Schleimhaut und Muskeln sitzend, wie ich mich

an Schnitten aus der Dünndarmschleimhaut eines Kaninchens überzeugen

konnte (vergl. Figur 8). Makroskopisch findet man eine über den ganzen

Darm verbreitete akute, katarrhalische Entzündung und im Dickdarm

auch Geschwüre, in welchen man dann mikroskopisch zahllose encystirte

Koccidien erkennen kann. Wie +Rieck+ u. A. noch beobachteten, kommen

ausser diesen Darmaffektionen hin und wieder kleine eiterartige,

nekrotische Zerfallsherde in den Mesenterialdrüsen vor, welche ausser

Gewebsdetritus zahlreiche Exemplare von Koccidium perforans enthalten,

die durch die Lymphbahnen verschleppt sein mögen. Ueber diese Drüsen

hinaus sind Metastasen bisher nicht beobachtet worden.

3. Koccidium bigeminum. (+Stiles+ 1891.)

Es sind dies ovale oder rundliche Koccidien, 8–16 µ lang und 7–9 µ

breit, welche sich in vier spindelförmige Sporen theilen und meist

zu zwei (wie Zwillinge) nebeneinander gefunden werden, was zu ihrer

Bezeichnung bigeminum Veranlassung gegeben hat. Man hat dieselben

bei verschiedenen Säugethieren (+Hunden+, +Katzen+ und +Schafen+),

gelegentlich auch beim +Menschen+[77] und bei +Vögeln+ gefunden.

Die fraglichen Parasiten sind wohl schon von +Finck+ (1854) bei

der Katze gesehen worden und unter der Bezeichnung „+Corpuscules

gemines+“ beschrieben, ohne die wahre Natur derselben erkannt zu haben.

+Rivolta+[78] sah sie (1861) bei Hunden und nannte sie +Cytospermium

villorum intestinalium canis+, während +Railliet+ und +Lucet+ (1891)

die Bezeichnung „+coccidie géminée+“ einführten[79]. +Stiles+[80],

welcher sie im Darm des Hundes und des Schafes fand, nannte sie nach

der Bezeichnung von +Railliet+, weil auch er sie jedesmal paarweise

fand, „+Koccidium bigeminum+“.

Man findet dieselben +nicht in den Epithelien+, sondern unter

denselben, in dem Gewebe der Zotten angesiedelt.

Näheres über ihre Bedeutung als Krankheitserreger ist bisher nicht

bekannt geworden.

4. Anderweitiges Vorkommen von Koccidien in inneren Organen.

Es sei zunächst +Koccidium tenellum+ erwähnt, das nach +Railliet+

und +Lucet+[81] in dem +Darmepithel der Hühner+ vorkommt und

blutige Durchfälle verursacht. Nach Reifung der Sporen in Wasser

konnten die Parasiten mit Erfolg an Rinder und Kaninchen verfüttert

werden. +M’Fadyean+[82] beobachtete eine durch Koccidium tenellum

hervorgerufene Seuche unter +Fasanen+. Es fanden sich selbst im

+Venenblute+ der erkrankten Thiere die Koccidien und +M’Fadyean+

glaubt, dass die Parasiten auf dem Wege der Blutbahnen im Körper der

Vögel verbreitet würden.

Auch die von +Smith+[83] im +Blinddarm+ und in +der Leber von

Truthühnern+ gefundenen Protozoen dürften Koccidien sein, obwohl

+Smith+ dieselben für Amoeben (+Amoeba meleagridis nov. spec.+)

angesprochen und für analog den die Dysenterie des Menschen

hervorrufenden Parasiten angesehen hat. Die wichtigsten +klinischen

Erscheinungen+ bestehen in Schwäche, Abmagerung und Durchfall. Die

Krankheit, welche vorwiegend in Rhode Island beobachtet und dort

„black head“ genannt wird, tritt besonders bei den jungen, noch

wenig widerstandsfähigen Truthühnern auf, welche jedenfalls durch

ältere Hühner infizirt werden. Bei der +Sektion+ findet man eine mit

starker Hautverdickung einhergehende Entzündung der beiden Blinddärme,

welche theilweise oder ganz ausgefüllt sind mit festen, gelblichen

Fibrinmassen, die zuweilen excentrisch geschichtet sind. Manchmal ist

auch die Serosa erkrankt, die fast stets miterkrankte +Leber+ ist

vergrössert und aussen, meist auch innen, mit kreisrunden, gelblichen

oder dunkelrothbraunen Flecken besetzt, welche einen Durchmesser

von 10–15 mm erreichen. Als Ursache fand +Smith+ rundliche oder

ovale Gebilde von 8–14 µ Durchmesser mit homogenem oder stärker

granulirtem Plasma ohne Andeutung eines Kerns. Dieser ist erst nach

Färbung der Präparate zu erkennen. Man findet diese Gebilde, deren

Durchmesser im gehärteten Gewebe meist 6 µ nicht übersteigt, einzeln

oder in grösseren Haufen im adenoiden Gewebe der Blinddarmwand

und in den Hauterkrankungen der Leber. Darmepithelien werden von

ihnen nicht aufgesucht. Hierbei mag erwähnt sein, dass +Heller+

bei den Darmerkrankungen, welche im Verlaufe der durch Gregarinen

hervorgerufenen sog. „=Geflügeldiphtherie=“ eintreten, sehr derbe,

weisse oder gelbliche Pfröpfe, bisweilen von geschichtetem Bau

feststellen konnte, welche fest an der Schleimhaut sassen und von

zahlreichen „+Psorospermien+“ durchsetzt waren. Nach Ablösung dieser

Pfröpfe zeigte der Darm geschwürige Defekte.

Ferner sind koccidienähnliche Gebilde als Ursache von

+Darmerkrankungen+ beim Geflügel schon seit langer Zeit von +Rivolta+

und +Zürn+[84] beobachtet worden. Leider fehlt es bisher an genauen

Untersuchungen über die Art der gefundenen Protozoen.

Bei diesen =diphtherieähnlichen, durch koccidienartige Gebilde

hervorgerufenen Schleimhauterkrankungen des Geflügels= ist die

Erkrankung der Kopfschleimhaut ähnlich derjenigen bei der durch

Spaltpilze erzeugten Diphtherie. Es erkrankt die +Schleimhaut der Maul-

und Rachenhöhle, der Nasenhöhle, des Kehlkopfes und der Konjunktiva mit

sekundären Darmaffektionen+. +Charakterisirt+ jedoch ist diese sogen.

+Koccidien-Diphtherie+ durch das meist gleichzeitige Vorhandensein

von Epitheliomen der Haut, welche namentlich an der Schnabelwurzel,

dem Kehllappen und Kamm, in der Umgebung der Ohren und Nase sich

lokalisiren und hier als hirsekorn- bis erbsengrosse, röthlichgraue

oder gelbgraue, trockene, derbe Knötchen oder warzige, maulbeerartige

Wucherungen erscheinen; dieselben zeigen fettigen Glanz und zuweilen

einen käsig-bröckeligen Inhalt. Oft sind dieselben in grosser Zahl

und dicht gedrängt an den genannten Stellen zu finden. Sitzen diese

Epitheliome an den Lidrändern, so zeigt sich auch gleichzeitig eine

katarrhalische, eiterige und +kroupöse Erkrankung der Lidschleimhaut+.

Die erkrankten Lider werden buckelig vorgewölbt und verkleben zuweilen;

die Schleimhaut ist gelbroth bis dunkelroth, die Kornea gefärbt, und im

weiteren Verlaufe tritt auch eiterige Perforation der Kornea ein.

+Bollinger+ hält diese Epitheliome der Haut für +identisch mit

dem Molluskum kontagiosum des Menschen+. Die +Erkrankung+ ist als

eine +gutartige+ zu bezeichnen; oft heilt das Epitheliom der Haut

spontan ab, wobei die Knötchen allmählich vertrocknen und abfallen.

Ebenso kommt nicht selten eine spontane Heilung der Entzündung der

Maul-Rachenhöhle und des Kehlkopfes vor. In anderen Fällen tritt jedoch

tödtlicher Ausgang durch Erstickung oder in Folge entartender Kachexie

ein.

Bei der +mikroskopischen Untersuchung der Epitheliome+, welche

früher fälschlich als „+Geflügelpocken+“ bezeichnet wurden, findet

man, wie +Friedberger-Fröhner+[85] angeben, an frischen Schnitt- und

Zupfpräparaten in den massenhaft vorhandenen, stark vergrösserten

Epidermiszellen ähnliche +rundliche Körperchen+, wie in den gewucherten

Epithelien der erkrankten Maulschleimhaut. -- An den Schnitten

gehärteter Epitheliomknötchen sieht man, dass die +massenhaft

gewucherten und stark vergrösserten Epithelzellen sämmtlich+, mit

Ausnahme der allerjüngsten, in den obersten Zelllagen jene rundlichen

oder länglichrunden einem enorm geschwollenen Kern ähnlichen Körper

enthalten, dessen eigenthümlich fettiger Glanz und verquollenes Ansehen

um so mehr hervortritt, je älter die Zellen sind. Als geeignetes

Färbmittel ist das Pikrokarmin zu nennen, wobei die eigenthümlichen

Körperchen gelb und Hämatoxilin-Eosin, wobei die Fremdkörper roth

gefärbt werden. In Osmiumsäure erscheinen die Gebilde in den Zellen als

schwarzbraune oder tiefbraune Körper.

Manchmal kommt die +Hautaffektion+ auch ohne Miterkrankung der

Schleimhäute vor und man hat dann von +Epithelioma gregarinosum avium+

gesprochen. L. +Pfeiffer+ und +Csokor+[86] ist einige Male eine

Ueberimpfung der Knötchen auf gesunde Hühner nach einer Inkubation von

acht Tagen geglückt. +Csokor+ gelang es auch durch Impfversuche die

+Identität des menschlichen Molluskum kontagiosum mit dem der Thiere

festzustellen+.

Zur +Behandlung+ ist Bepinselung der erkrankten Schleimhautstellen mit

1–2 prozentiger Lösung von Kreolin oder Karbolsäure in gleichen Theilen

Glycerin und Wasser empfohlen worden. Auch +reines Glycerin+ ist (von

+Zürn+) bei nachfolgender oder gleichzeitiger Enteritis mit Erfolg bei

Gänsen gegeben worden.

* * * * *

Beim =Molluskum kontagiosum des Menschen= handelt es sich gleichfalls

um die Entwickelung kleinster, glänzender und durchscheinender

Knötchen, welche bei dem weiteren Wachsthum in bis erbsengrosse, selten

grössere, warzenartige Gebilde übergehen, die halbkugelig die normale

Haut überragen und von normaler Farbe sind. In der Mitte zeigen diese

Bildungen eine gewöhnlich etwas vertieft liegende Oeffnung, die, was

besonders bei Loupenbetrachtung gut sichtbar ist, mit transparenten

drüsigen Massen ausgefüllt ist. Bei seitlichem Druck lässt sich aus der

Geschwulst eine derbe, gelappte, weissliche Masse hervordrängen, welche

durch einen Stiel mit der Geschwulst in Zusammenhang bleibt und eine

gewisse Aehnlichkeit mit einem spitzen Kondylom hat, woher die frühere

Bezeichnung der Geschwulst, +Kondyloma subkutaneum+, stammt. Nach der

sehr oberflächlichen Aehnlichkeit mit einer gedellten Pockenpustel

haben die Franzosen (+Bazin+) die Affektion als Akne varioliformis

bezeichnet (+Lesser+). Die kleinen Geschwülste sitzen besonders im

+Gesicht+ und am +Halse+, an den +Händen+, +Vorderarmen+, +Genitalien+

und deren Umgebung. Gelegentlich treten die kleinen Geschwülste in

grosser Zahl auch an anderen Körperstellen auf. Vorwiegend sind es

jedoch solche, wo am häufigsten körperliche Berührungen mit Anderen

stattfinden. Wie auch klinische Beobachtungen bestätigen, handelt es

sich um eine +übertragbare Krankheit+. Ebenso ist auch die +künstliche

Uebertragung+ gelungen und hat gezeigt (+Pick+), dass die Inkubation

mehr als zwei Monate beträgt.

Die kleinen Geschwülste bleiben meist längere Zeit, oft mehrere Monate

bestehen, ohne sich zu verändern; häufig tritt dann, oder nachdem

dieselben abgekratzt sind, eine spontane Heilung ein; allerdings oft

mit Hinterlassung einer Narbe.

Die +Diagnose+ ist nicht schwer, da man bei mikroskopischer

Untersuchung in dem ausgedrückten Inhalte der kleinen Geschwülste

ausser Epithelzellen grosse Mengen der sog. Molluskumkörperchen findet,

welche von ovaler Form, etwas kleiner als eine Epithelzelle, intensiv

glänzend und durchsichtig sind. Man kann dieselben schon bei einfacher

Präparation mit einem Tropfen Aether oder Glycerin, besser aber nach

Färbung mit einer Anilinfarbe erkennen, welche von den Körperchen

begierig aufgenommen wird (+Lesser+). Zur +Therapie+ genügt das

Ausdrücken bezw. Auskratzen der Geschwülste mit dem scharfen Löffel und

das nachfolgende Einreiben mit Karbolöl.

Demnach erscheint die von +Bollinger+ zuerst betonte +grosse

Aehnlichkeit+ des Molluskum kontagiosum des Menschen mit dem sog.

Epithelioma gregarinosum +der Hühner+ durchaus berechtigt. Neuerdings

hat auch +Salzer+[87] einen Fall aus +Molluskum kontagiosum an

den Augenlidern des Menschen+ mitgetheilt, welcher den zuerst von

+Bollinger+ vermutheten ätiologischen Zusammenhang beider Erkrankungen

noch besonders wahrscheinlich macht. Die betreffende Patientin hatte

am unteren Lidrand ein wachsweiches, sich derb anfühlendes Knötchen,

dessen Inhalt zahlreiche Molluskumkörperchen aufwies. +In dem von der

Patientin bewohnten Hause wurden Tauben gehalten+, mit denen sie häufig

beim Füttern in direkte Berührung kam. Unter diesen Tauben war eine

verheerende Seuche ausgebrochen, an welcher die meisten der Thiere

gestorben waren. Die Tauben hatten Abmagerung, stellenweise Verlust der

Federn, sowie kammartige Bildungen an den Schnabelrändern gezeigt. Wenn

nun auch der direkte Nachweis, dass es sich bei den Tauben wirklich um

Epithelioma kontagiosum handelte, nicht zu erbringen war, so hält doch

der Verfasser dies nach den Angaben der intelligenten Patientin als

ziemlich sicher. Ebenso hat neuerdings +Muetze+[88] über das Vorkommen

des Molluskum kontagiosum der Lider berichtet. Nach Voraussendung einer

Litteraturübersicht und Beschreibung der betreffenden Fälle, kommt er

zu folgenden Ergebnissen:

Das Molluskum kontagiosum des Lides bezw. Lidrandes ist nicht selten

die Ursache von Konjunktivalkatarrh.

Das Molluskum kontagiosum ist ohne Zweifel übertragbar, jedoch ist es

bis jetzt noch nicht gelungen, die Natur des Kontagiums mit Sicherheit

festzustellen.

Die Molluskumkörperchen sind als Zerfallsprodukte der durch das

Kontagium verursachten eigentümlichen Degeneration der Epithelzellen zu

betrachten.

Die Protozoen als Krankheitserreger des Menschen und der Hausthiere Für Ärzte, Thierärzte und Zoologen · 第 4 / 20 段