sowohl bei den einzelnen Thierarten, wie auch bei den einzelnen
Individuen sehr verschieden und sehr veränderlich. Es kommen
langgestreckte und ganz unregelmässige Formen vor; die letzteren
besonders bei den freien Myxosporidien. Ebenso unterliegt die +Grösse+
vielfachen Schwankungen. In inneren Organen (Gallen-, Harn- und
Schwimmblase) kommen mikroskopisch kleine, auf der Haut und in den
Kiemen mit blossem Auge erkennbare Myxosporidien vor.
Ueber die +Vermehrung und Entwickelung der Myxosporidien+ sind die
Ansichten noch getheilt. Die wichtigsten Arbeiten hierüber liegen
von +Lieberkühn+, +Balbiani+ und +Bütschli+ vor, deren Ergebnisse
von +Thélohan+[55] bestätigt und erweitert worden sind. Nach den
Untersuchungen dieser Autoren beginnt die +Sporenbildung+ mit der
Bildung zahlreicher Keime in der Plasmamasse (+Primitivkugeln+). Aus
den Keimen der Primitivkugeln entstehen durch Theilung zahlreiche
Tochterkerne. Dann beginnt durch Theilung der Primitivkugel in zwei
Hälften (+Sporoblast+) die Sporoblastenbildung. Die Ausbildung der
+Sporen+ erfolgt nun in der Weise, dass sich in jedem Sporoblast drei
Kerne entwickeln, von denen sich zwei in die sog. +Polkörperchen+
umwandeln. Später entsteht dann die +Polkapsel+ und aus der Hülle
der Sporoblasten eine sehr widerstandsfähige Sporenwand. Die Zahl
der Sporen ist bei den verschiedenen Arten eine sehr verschiedene.
Werden nun die Sporen mit der Nahrung in den Verdauungskanal
geeigneter Wirthsthiere gebracht, so treten unter der Einwirkung der
Verdauungssäfte die Polfäden aus ihren Kapseln heraus, und dringen
wahrscheinlich in die Verdauungsschleimhaut ein, um so die schnelle
Entfernung der Sporen aus dem Darmkanal zu verhüten. Nach etwa 24
Stunden sollen sich dann die Sporen öffnen, den Amöboidkern austreten
lassen, welcher dann unter langsamen Bewegungen diejenigen Organe und
Gewebe aufsuchen soll, in denen die weitere Entwickelung vor sich gehen
kann.
Hinsichtlich der =pathologischen Bedeutung der Myxosporidien= sei
bemerkt, dass seuchenartig auftretende Muskelerkrankungen durch
Infektion mit Myxosporidien seit langer Zeit bei den +Barben+ in den
Flussgebieten des Rheins, der Mosel, der Saar, der Seine, Marne und
Aisne beobachtet sind. Die ersten genaueren Angaben über solche unter
Beulenbildungen in der Haut aufgetretene Fischseuchen liegen aus dem
Jahre 1870 von M. +Mégnin+ vor. Dann folgen zahlreiche Mittheilungen
u. a. von M. A. +Railliet+ (1890), +Ludwig+ (1888), L. +Pfeiffer+
(1889), T. W. +Müller+ (1890) u. A. L. +Pfeiffer+ zeigte, dass es
sich dabei um eine von den Muskeln ausgehende Infektion handelt. Die
kranken Fische sind schon äusserlich an weissfarbigen Schwellungen
der Haut und tiefen, kraterförmigen Geschwüren erkennbar, welche am
Kopf, am Rumpf und am Schwanz vorhanden sind. In den Geschwüren sind
Myxosporidien und Bacillen, durch deren Ansiedlung wohl die Geschwüre
erzeugt werden, massenhaft nachzuweisen (L. +Pfeiffer+). Die erste
Ansiedlung der Myxosporidien findet im Innern der Muskelzellen statt.
Nach den Untersuchungen von +Thélohan+ wird durch das Eindringen der
Myxosporidien zunächst eine hyaline Degeneration der Muskelfasern
hervorgerufen, es kommt dann zu einer starken Bindegewebswucherung,
wobei die Muskelfasern zu Grunde gehen. Schliesslich kann man dann
sowohl in den unter Einwirkung von besonderen Bacillen entstehenden
Geschwüren wie auch in den bindegewebigen Cysten die Sporen der
Myxosporidien nachweisen. L. +Pfeiffer+ fand kleine Tumoren sowohl
auf Pleura und Peritoneum, wie auch in der Gallenblase, Schwimmblase,
Milz und selbst in den Gefässwandungen der kranken Fische. Die
Erkrankung hat viel Aehnlichkeit mit den noch zu erwähnenden
Sarkosporidieninfektionen beim Pferd, Schaf und Schwein.
III. Ordnung: Koccidien[56] (+Leuckart+).
Die Koccidien sind Zellschmarotzer von eiförmiger oder kugeliger
Gestalt, welche ihre Entwickelung in einer Zelle beenden.
=Vorkommen und Verbreitung.= Die Koccidien schmarotzen bei allen
Klassen der Wirbelthiere, bei Gliederthieren und bei Weichthieren.
Dagegen sind sie bei anderen Wirbellosen bisher nicht getroffen worden.
Die Koccidien leben in den verschiedensten Organen der Thiere und des
Menschen und zwar zum grossen Theil in den Epithelzellen und deren
Kernen; andere werden auch im Bindegewebe angetroffen. Am zahlreichsten
kommen Koccidien bei Wirbelthieren vor, während bei diesen Thieren
die Gregarinen ganz fehlen. Bei den +Vögeln+ und +Säugethieren+ sind
die Koccidien die häufigsten Sporozoen; unter den letzteren kommen
sie nicht selten beim +Menschen+ vor. Unter den Säugethieren findet
man die Koccidien am meisten bei Pflanzenfressern, wo vorzugsweise
der Darmkanal daneben auch die Anhangsorgane desselben (Leber,
+Lieberkühn+’sche Drüsen) ferner Trachea, Larynx, Lunge und Nieren
befallen werden. Zuweilen sind sie auch im Geschlechtsapparat gefunden
worden.
=Geschichtliches.= Die ersten Beobachtungen sind wohl an den
Koccidienknoten in der Leber der Kaninchen gemacht worden, wo sie
für tuberkelartige, karcinomatöse oder sarkomatöse Gebilde gehalten
wurden. +Remak+ (1845) brachte die Koccidien in Verbindung mit den
Psorospermien von Joh. +Müller+, während sie +Lieberkühn+[57] (1854)
für vollkommen identisch mit denselben erklärte. Im Laufe der nächsten
Jahre beschäftigten sich dann zahlreiche Forscher mit diesen Gebilden,
ohne dass jedoch eine gewisse Klarheit über die Natur derselben erzielt
wurde. Erst +Leukart+[58] (1879) trennte diese bisher auch ei- oder
kugelförmige Psorospermien genannten Parasiten von den Myxosporidien
ab und führte für dieselben den Namen Koccidien ein, indem er sie
als besondere Abtheilung den Sporozoen anreihte. In der neueren Zeit
wurde durch die Arbeiten von R. +Pfeiffer+[59], +Balbiani+[60],
+Thélohan+[61] u. A. neue Anregung zum Studium dieser Sporozoen als
Krankheitserreger gegeben.
=Entwickelung.= Für die Darmkoccidien wird als sicher angenommen,
dass die Infektion vom Darmkanal aus erfolgt, indem die reifen
Sporen mit der Nahrung aufgenommen werden. Unter der Einwirkung der
Verdauungssäfte öffnen sich die Sporen und die Sichelkeime treten
aus, um unter lebhafter Bewegung in die Darmwand und später in die
Epithelzellen einzudringen und sich hier in den Epithelzellen, zwischen
Kern und freiem Zellrand festzusetzen. Innerhalb der Epithelzelle
runden sich dann die Sichelkeime zu einem kugeligen Körper ab, die
Keime wachsen auf Kosten der Wirthszelle zur Koccidie heran und
umgeben sich mit einer oder zwei Cystenhüllen. Die +weitere Reifung
der Cyste+, d. h. die Sporen- und Keimbildung kann nun +innerhalb+
oder +ausserhalb+ der Wirthszellen oder Wirthsthiere erfolgen.
Zunächst ist als Vorbereitung zur Sporulation eine Verdichtung des
Protoplasmas nachzuweisen, worauf dann nach den Untersuchungen von
A. +Schneider+[62] die Ausbildung der Sporen auf zwei Arten erfolgen
kann. Entweder bildet der ganze Inhalt der Cyste sogleich eine grosse
Anzahl von Sporozoiten, wobei ein Restkörper zurückbleibt, oder --
wie es die Regel ist, es bilden sich zunächst zwei, vier oder mehrere
zunächst einkernige Sporoblasten, welche sich dann abschnüren, und mit
einer einfachen oder doppelten Hülle umgeben. Aus diesen Sporoblasten
entwickeln sich dann später durch Theilung zwei oder mehrere
Sporozoiten (die sog. Keimstäbchen oder sichelförmigen Körperchen).
Man kann demnach unterscheiden: Sporozoiten, die nicht in einer Schale
(Sporenschale) eingeschlossen sind, sondern in grosser Zahl, mit oder
ohne Restkörper in der Cystenmembran des Mutterthieres liegen, und
Sporozoiten, welche zu einem, zwei oder mehreren von einer Sporenschale
umschlossen sind; dabei ist die Zahl solcher Sporen für einzelne
Gattungen bezeichnend: 2 bei Cyklospora, 4 bei Koccidien, viele bei
Adelea, Barrousia und Klossia (+Braun+).
Für die weitere Entwickelung bestand nun die Annahme, dass die
aus ihrer Schale befreiten Sporozoiten kreisbogenartige oder auch
wurmförmig kriechende Bewegungen machen, und -- mit der Nahrung in den
Magendarmkanal geeigneter Thiere eingeführt -- in die Darmepithelien
einwandern und hier zu jungen Koccidien sich entwickeln. Vor
einigen Jahren haben jedoch R. und L. +Pfeiffer+ bei den Darm- und
Leberkoccidien des Kaninchens beobachten können, dass im Innern
des Darms eine Sporulation auftritt, wobei dann die Koccidien in
zahlreiche, sichelförmige Keimstäbchen zerfallen. Diese Sporozoiten
sollen dann, +ohne nach aussen zu kommen+, in den befallenen Organen
(Darm, Leber) fortgesetzt in neue Epithelien dringen und hiedurch eine
oft tödtlich werdende Darm- und Lebererkrankung veranlassen. R. und L.
+Pfeiffer+ bezeichnen diese Sporulation als „+endogene+“. Die Annahme
einer „+endogenen Schwärmersporenbildung+“ (nach R. und L. +Pfeiffer+)
gegenüber der „exogenen Dauersporenbildung“ hat jedoch bisher seitens
einzelner Protozoenforscher Widerspruch erfahren, während andere
Autoren (+Schuberg+) auf Grund eigener Beobachtungen und theoretischer
Erwägungen für die +Pfeiffer+’sche Auffassung eintraten. Jedenfalls ist
durch dieselbe Entstehung und Verlauf der Koccidiose bei Kaninchen,
die schnelle Ueberschwemmung des infizirten Darmes mit Keimen, die
Ausbreitung der Krankheit in der Leber, ohne Schwierigkeit erklärt.
Die =Grösse= der Koccidien schwankt innerhalb weiter Grenzen, die
kleinsten sind etwa 10–12 µ, die grössten 1 mm im Durchmesser lang.
Während sie durch Carmin und Hämatoxilin meist +nicht gefärbt+ werden,
gelingt die Färbung durch basische Anilinfarben schnell; doch erfolgt
bei Anwendung von Alkohol und Nelkenöl auch sehr bald eine starke
Entfärbung. Neuerdings hat +Abel+ zur Färbung des +Coccidium oviforme+
noch folgende Angaben gemacht[63].
Das Koccidium oviforme in seinen encystirten Formen nimmt Farbstoffe
schwer auf, hält sie aber, einmal gefärbt, auch hartnäckig fest.
Die Koccidien lassen sich daher genau wie die Tuberkelbacillen
darstellen. Am besten zeigte sich für Deckglaspräparate eine Färbung
mit Karbolfuchsin unter Aufkochen mit nachfolgender Entfärbung des
Grundes und der Körpergewebe mit 5 proz. Schwefelsäure und 70 proz.
Alkohol. In +Schnitten+ färben sich bei mehrstündigem Liegen in
Karbolfuchsin die Koccidien intensiv roth und bleiben bei der Säure-
und Alkoholbehandlung leuchtend roth, während das dabei entfärbte
Gewebe sich in beliebiger Kontrastfärbung tingiren lässt.
Niemals werden bei diesem Verfahren alle, im ungefärbten Präparate
scheinbar ganz gleich aussehenden Koccidiencysten gefärbt. Während ein
Theil derselben roth erscheint, ist ein anderer ungefärbt geblieben,
ein dritter, gewöhnlich an Zahl sehr geringer, dagegen gefärbt. Oft
zeigen sich die Cystenhüllen von Exemplaren, in denen die ersten
Zeichen der beginnenden Sporenbildung, d. h. Zusammenziehung des
Protoplasmas um den central gelegenen Kern, wahrnehmbar sind, für
Karbolfuchsin durchlässig; die betreffenden Cysten widerstehen der
Entfärbung. Oft bleiben aber auch Exemplare ohne jede Andeutung. Bei
gelungener Färbung sind die roth gefärbten Kerne der Parasiten deutlich
in dem granulirten Protoplasma erkennbar.
Für die =Eintheilung der Koccidien= wird bisher noch das von A.
+Schneider+ angegebene provisorische System zu Grunde gelegt, welches
sich auf die Zahl der gebildeten Sporen stützt.
I. Der ganze Inhalt zerfällt, ohne Sporen zu bilden,
in Sporozoiten; Restkörper vorhanden oder
fehlend.
a) Cyste nur vier Sporozoiten bildend +Orthospora+.
b) Cyste sehr zahlreiche Sporozoiten bildend +Eimeria+.
II. Der Inhalt der Cyste bildet Sporen; Restkörper
vorhanden oder fehlend.
a) Die Zahl der Sporen beträgt eine:
1. in jeder Spore zwei Sporozoiten +Cyclospora+.
2. in jeder Spore zahlreiche Sporozoiten +Isospora+.
b) Die Zahl der Sporen beträgt zwei:
in jeder Spore zwei Sporozoiten +Coccidium+.
c) Die Zahl der Sporen ist sehr gross:
1. die linsenförmigen Sporen enthalten je
2 Sporozoiten +Adelea+.
2. die ellipsoiden Sporen enthalten je einen
Sporozoiten +Barrousia+.
3. die kugeligen Sporen enthalten je einen
oder mehrere Sporozoiten +Klossia+.
Koccidien als Krankheitserreger beim Menschen und bei Thieren.
=1. Koccidium oviforme= (+Leuckart.+ 1879) (Psorospermium cuniculi.
+Rivolta.+ 1878).
=Zoologisches.= Da Koccidium oviforme vorwiegend bei Thieren und
besonders in den Epithelzellen der Gallengänge der Kaninchen, seltener
beim Menschen vorkommt, so sind die biologischen Studien auch nur bei
Thieren und speziell bei Kaninchen ausgeführt worden.
[Illustration: Figur 4.
Koccidium oviforme aus der Leber des Kaninchens (nach +Balbiani+). _a_,
_b_) Zusammenziehung des Protoplasmas zur Kugel. _c_) Sporenbildung.
_d_, _e_) Sporozoiten und Restkörper. _f_) freies Sporozoit.]
Koccidium oviforme hat im encystirten Zustande, wie man ihn in den
sog. „Koccidienknoten der Kaninchenleber“ sehr häufig antrifft, eine
länglich ovale Form und ist von einer doppelten, aussen dünnen, innen
stärkeren Hülle umgeben. Der weitere Entwickelungsgang der encystirten
Koccidien findet nun in der Weise statt, dass die Koccidien zunächst
mit dem Darminhalt, in welchem sie bei Kaninchen wiederholt gesehen
worden sind, nach aussen gelangen. Ausserhalb des Wirths zerfällt
dann der auf eine Kugel zusammengezogene Koccidienkörper nach
einiger Zeit in zwei Kugeln und später jede derselben wiederum in
zwei. Diese kugeligen Körper -- die sog. +Sporoblasten+ -- wachsen
etwas in die Länge, umgeben sich mit einer Hülle und verwandeln
sich dann in hantelförmig gestaltete Gebilde -- die +Sporozoiten+
-- um (+Braun+). Die Infektion der Kaninchen findet nun nach der
gegenwärtigen Anschauung in der Weise statt, dass die Koccidiensporen
mit der Nahrung in den Körper der Thiere gelangen und hier durch
die Einwirkung des Magensaftes die Sporenhülle zerstört und die
Keimstäbchen (Sporozoiten) frei werden. +Rieck+[64] konnte bei Hunden
feststellen, dass die Sporenhülle durch den Magensaft zerstört und die
Keimstäbchen frei werden: auch sah er die letzteren sich krümmend hin-
und herbewegen. Die Sporozoiten gelangen demnach wohl von dem Magen
der Kaninchen durch den Ductus choledochus nach der Leber. Ueber die
weitere Vermehrung der in die Epithelien der Gallengänge eingedrungenen
jungen Koccidien fehlt es noch an einwandsfreien Untersuchungen. Es ist
möglich, dass sie sich in den Gallengängen durch Theilung oder auf eine
andere Art vermehren.
a) Koccidium oviforme beim Menschen.
=Beim Menschen= ist Koccidium oviforme schon öfters, jedoch im
Verhältniss zu dem Vorkommen bei Thieren selten beobachtet worden.
Einer der interessantesten Fälle ist der von +Gubler+[65] beschriebene.
Bei einem 45jähr. Steinbrecher, bei welchem vergrösserte Leber und
stark ausgesprochene Anämie nachgewiesen wurde, ergab die Sektion
das Vorhandensein von etwa 20 kastanien- bis eigrossen Geschwülsten
in der stark vergrösserten Leber, welche ein durchaus krebsartiges
Aussehen hatten. Die Geschwülste enthielten im Innern eine eiterartige,
graubraune Flüssigkeit, in welcher mikroskopisch eirunde Körperchen
nachgewiesen werden konnten, die nach den guten Abbildungen +Gubler+’s
von +Leuckart+ später als Koccidium oviforme erkannt wurden. Weitere
ähnliche Fälle sind dann von +Dressler+[66] in Prag, von +Sattler+[67],
+Perls+[68] u. A. mitgetheilt worden.
b) Koccidium oviforme bei Thieren.
=Bei Thieren= soll Koccidium oviforme ausser in den Gallengängen
der zahmen und wilden +Kaninchen+, gelegentlich auch bei anderen
Säugethieren (Schwein, Pferd, Rind, Hund und Meerschweinchen)
beobachtet worden sein; nur ist nicht sicher, dass es sich auch bei den
betreffenden Befunden stets um Koccidium oviforme gehandelt hat.
Was zunächst die +Krankheit der Kaninchen+ betrifft, so ist bekannt,
dass besonders junge Kaninchen erkranken und im Sommer öfters ein
enzootisches Auftreten der Koccidiosis bei Kaninchen beobachtet
wird. Eingeschleppt werden die Keime in den Stall jedenfalls mit dem
Futter, während die Weiterverbreitung und besonders die Uebertragung
auf ältere Thiere auch durch den Koth der einmal infizirten jüngeren
Thiere erfolgen dürfte, da nach L. +Pfeiffer+[69] in dem Mist der
verseuchten Ställe massenhaft sporenreife Dauercysten nachzuweisen
sind. Gesunde Kaninchenzüchtereien können durch ein einziges
zugekauftes krankes Thier infiziert und vernichtet werden. Unter
den +Krankheitserscheinungen+ sind bei jungen Kaninchen zu nennen:
verminderter Appetit, Fieber und Diarrhöe. Im weiteren Verlaufe tritt
stärkere Gelbfärbung der Schleimhäute auf, die Durchfälle nehmen zu,
und die Thiere gehen unter fortschreitender Abmagerung in 1–2 Wochen
zu Grunde. Dieser +akute Verlauf+ der Erkrankung kommt besonders bei
jungen Thieren vor, während ältere Thiere im Ganzen leichter erkranken,
wenig abmagern und schliesslich noch gemästet werden können.
Bei der +Sektion+ der gestorbenen Thiere findet man zunächst die
+Leber+ stark vergrössert und meist auch mit unebenen, höckerigen
Geschwülsten bedeckt. Auf dem Durchschnitt findet man zahlreiche,
dicht nebeneinandergelegene, hirse- bis haselnussgrosse, grauweisse
oder weissgelbe Knoten oder Cysten, welche von einer ziemlich festen
Kapsel umgeben und von dem übrigen Lebergewebe abgeschlossen sind und
zum Theil schmierige, käsige oder auch krümelige Massen enthalten,
in denen man mikroskopisch fettig degenerirte Gallengangsepithelien,
Leukocyten und eine grosse Zahl der eiförmigen Koccidien erkennen kann.
Ausserdem ist, besonders bei jungen Kaninchen, auch der +Darmkanal+ in
Mitleidenschaft gezogen. Man findet inselförmig infizierte Stellen im
Verlaufe des ganzen, mehr oder weniger erheblich entzündeten Darms,
besonders im Blinddarm. In und unter den Epithelien sind die Parasiten
eingelagert und an den kleinen, erhabenen, bald vereinzelt, bald
gruppenweise auftretenden weissen oder grauröthlichen Flecken in der
Schleimhaut erkennbar. Das Auftreten der Koccidien erzeugt auch in den
+Lieberkühn+’schen Drüsen und deren Umgebung zuweilen eine entzündliche
Infiltration.
Untersucht man den Darminhalt erst kürzlich erkrankter Thiere, so
findet man +neben den ovalen Protoplasmakörpern+ auch etwas grössere,
meist +rundlich+ geformte, deren Inhalt direkt in zahlreiche
Sichelkeime zerfällt. R. und L. +Pfeiffer+ deuten, wie schon an
anderer Stelle angegeben, diesen Befund als +zweite Vermehrungsart+
des Koccidium oviforme, während +Labbé+ glaubt, dass es sich um eine
besondere Gattung der Koccidien, Pfeifferia, handelt.
L. +Pfeiffer+ sagt[70]: „bei +erwachsenen+ Kaninchen findet sich
nur eine Art von Koccidiencysten, von ihm +Dauercysten+ genannt,
deren Inhalt erst im Mist des Kaninchenstalles zur Sporenreife sich
entwickelt und eine Autoinfektion des erwachsenen Kaninchens nicht
herbeiführt. Bei +jungen+, 4–6 Wochen alten Kaninchen dagegen kommt die
bisher noch nicht beschriebene zweite Vermehrungsart des Koccidiums
vor in Cysten ohne derbe Hülle, aus denen eine grössere Anzahl als von
zwei Sichelkeimen in beweglicher und sofort infektionsfähiger Form
ausschlüpft. Im Darmrohr, in den Gallengängen und in der Gallenblase
der jungen, akut erkrankten Kaninchen finden sich Millionen von solchen
Cysten +mit direkter Sichelkeimbildung+.“
Die mit der Diarrhöeausbildung ins Freie gelangten +Sichelkeime aus
jungen Thieren+ gehen sehr rasch ausserhalb des Thierkörpers zu Grunde;
von ihnen aus kann eine Neuinfektion anderer Thiere kaum zu Stande
kommen. Die +Ansteckung+ bei der Koccidienkrankheit erfolgt demnach
durch Dauercysten, die Erkrankung und der übermässige Parasitismus wird
dagegen durch „Schwärmercysten“ vermittelt. Wenn die Dauercysten nach
der Reifung im Stallmist zufällig mit der Nahrung aufgenommen sind, so
geht aus dem Sporeninhalt zunächst eine Reihe von Parasitengenerationen
hervor, deren Sichelkeime ohne Sporocystenzwischenstadium sofort in
junge, neugebildete Epithelien der Leber, der Gallenblase, des Darmes
eindringen und Zoosporencysten bilden[71].
Die Kaninchen, welche die Krankheit überstehen, haben nur noch
+Dauersporencysten+ zum Theil noch innerhalb der +Epithelien+. Diese
Dauersporencysten werden nach und nach mit dem Koth ausgestossen; sie
halten sich im Darm am längsten im Blinddarm und in der Gallenblase.
Lässt man Stücke von der mit Koccidienknoten durchsetzten Leber in
einer verdeckten Glasschale einige Wochen faulen, oder bringt man
solche Stücke in einen Brutofen, so entwickeln sich in einigen Tagen
Sporoblasten (L. +Pfeiffer+).
Hinsichtlich der +Koccidientumoren+ in der Kaninchenleber sagt
L. +Pfeiffer+, dass in den jüngsten derselben Schwärmercysten
und Dauercysten gemischt vorhanden sind. In den infizirten
Leberabschnitten wird die Lebersubstanz durch das Wachsthum und
die Vermehrung der Parasiten, wie auch durch die Wucherung des
interacinösen Bindegewebes allmählich atrophisch. Die Gallengänge
erscheinen dann von einem dichten und breiten Bindegewebe umgeben. Ist
das Wachsthum der von der akuten Infektion herstammenden Parasiten
vollendet, so findet kein weiterer Druck auf die Gallengänge statt
und die Tumorenbildung ist zum Stillstand gekommen. Mit Entwickelung
einer die Geschwülste von dem gesunden Lebergewebe abgrenzenden
bindegewebigen Kapsel kommt der Prozess der Geschwulstbildung zum
Stillstand. Die Bindegewebswucherung ist, wie L. +Pfeiffer+ nicht
unrichtig bemerkt, als ein frühzeitig einsetzender Heilungsversuch
von Seiten des Wirthes anzusehen. Es kann schliesslich der Inhalt des
Retentionstumors zum Theil nach aussen entleert werden unter Bildung
einer narbigen Einziehung des Lebergewebes -- wie solche häufig beim
Schlachten der Kaninchen gefunden werden -- oder er bleibt hier Monate,
event. bis zum Lebensende des Thieres als nach und nach verkalkender
Tumor zurück (L. +Pfeiffer+).
[Illustration: Figur 5.
Schnitt durch eine Kaninchenleber mit Koccidium oviforme. Die
Gallengänge sind durch die zahlreichen Parasiten erweitert. (Nach
+Balbiani+.)]
Erhöhtes Interesse beansprucht Koccidium oviforme nach neueren
Untersuchungen noch bei der sog.
=rothen Ruhr des Rindes= (+Dysenteria haemorrhagica koccidiosa+).
Die Krankheit tritt besonders in der Schweiz sehr häufig und meistens
enzootisch auf. Die meisten Erkrankungen werden im Sommer und im
Herbst, zur Zeit der Grasfütterung und des Weideganges beobachtet,
wobei dann besonders das Jungvieh ergriffen wird, während ältere Thiere
nur sporadisch erkranken. +Pröger+ und +Zürn+ fanden schon 1877 in der
erkrankten Darmschleimhaut von Kälbern, welche an Diarrhöe zu Grunde
gegangen waren, Koccidien in sehr grosser Menge. Von +Zschokke+[72],
+Hess+[72] und +Guillebeau+[72] ist dies Leiden dann eingehend studirt
und die Aufnahme von Koccidien als +Ursache+ festgestellt worden.
+Guillebeau+[73] ist dann auf Grund der Vorgänge bei der Sporenbildung
zu der Ansicht gekommen, dass Koccidium oviforme, +Leuckart+ auch hier
den Erreger der Krankheit bildet.
[Illustration: Figur 6.
Koccidien in der Dickdarmschleimhaut bei der rothen Ruhr des Rindes.
(Nach +Zschokke+.)]