durch Amöben hervorgerufen wurden. In keinem der angegebenen Fälle
waren Symptome eines Leberabscesses nachzuweisen. Stets traten die
Amöben in den Exkrementen auf. In einem tödtlich verlaufenen Falle
ergab die Sektion zahlreiche Geschwüre und nekrotische Herde in der
Schleimhaut. Die Geschwüre enthielten zahlreiche Amöben. In der
Darmwand war auch die Muskularis stark verändert, ebenso war die
Niere erkrankt. +Manner+[34] theilt einen Fall von +Amöbendysenterie
und Leberabscess+ mit. Bei einem seit Jahren unter dysenterischen
Erscheinungen erkrankten Manne wurden in den schleimigen Theilen des
Stuhlgangs stets Amöben gefunden. Dieselben glichen durchaus der Amöba
coli. Der Fall endete unter fortschreitendem Verfall der Kräfte und
unter Auftreten von Oedemen tödtlich. Bei der Sektion fanden sich in
der Leber Abscesse, die theils raschen Zerfall ihrer Wand zeigten,
theils von einer Bindegewebskapsel eingeschlossen waren. Sowohl der
Abscesseiter als auch die innersten Theile der Abscesswand enthielten
zahlreiche Amöben. Die Schleimhaut des ganzen Dickdarmes war geschwellt
und aufgelockert; im Cökum fand sich eine Reihe unregelmässig
gestalteter, mit leicht gezackten, etwas indurirten Rändern versehener
Geschwüre. Noch zu Lebzeiten des Kranken wurde mit dem Stuhl desselben
ein Infektionsversuch an einer Katze gemacht. Das Thier erkrankte bald
nach der Infektion per rektum und ging nach einer Woche zu Grunde. Bei
der Sektion wurden im Dickdarm kleine bis in die Submukosa reichende
Geschwüre und in den tieferen Abschnitten der Schleimhaut die meisten
Amöben gefunden.
Ferner berichtet +Boas+[35] über zwei von ihm behandelte Fälle von
Amöbenenteritis. In dem einen gelang es mittelst ganz schwacher
Argentum nitricum Spülungen (1: 10,000) die Beschwerden zu lindern und
die Amöben vorübergehend zum Schwinden zu bringen; in dem anderen Falle
hatte der innerliche Gebrauch von Wismuthsalicylat einen ähnlichen
Erfolg. +Peyrot+ et +Roger+[36] berichten über einen im Anschluss an
eine leichte Dysenterie entstandenen +Amöbenabscess in der Leber+.
In der allerjüngsten Zeit hat +W. Janowski+[37] den gegenwärtigen
Standpunkt über die Aetiologie der Dysenterie unter Verwerthung eigener
Beobachtungen in einer sehr gründlichen Arbeit erörtert, in welcher
auch die wichtigsten literarischen Angaben gemacht worden sind.
+Janowski+ kommt dabei nach sorgfältiger Durchsicht des bis jetzt
in der Litteratur gesammelten, die Rolle der Amöben bei Dysenterie
betreffenden Materials zu dem bemerkenswerthen Ergebniss, dass bis
heute noch keine sicheren Beweise dafür vorliegen, dass die Parasiten
wirklich die Erreger der Dysenterie in bestimmten Ländern seien. Wenn
uns die Beweise noch fehlen, so ist der Grund hauptsächlich darin zu
suchen, dass in Ermangelung von Kulturen bis jetzt die eigentliche,
streng wissenschaftliche Untersuchungsmethode in dieser Frage
nicht angewandt werden konnte. Jetzt dagegen ist der Plan solcher
Untersuchungen deutlich vorgezeichnet. Es müssen +Kulturen+ der Amöba
coli auf dem von +Celli+ und +Fiocca+ mit so vorzüglichem Resultate
verwandten +Fucus crispus+ oder auf Agar mit Heu (+Schardringer+)
gezüchtet werden, wenn letzteres sich thatsächlich als günstiger
Nährboden für diese Parasiten erweisen sollte. Hat man in diesen
Kulturen uncystirte Amöbenformen erhalten, so müssen Fütterungsversuche
bei Thieren angestellt werden, wobei schon einzelne positive Resultate
von Werth sein können[38]. Andererseits würde sich auch zeigen, dass
aus schweren Dysenteriefällen gezüchtete Amöba coli bei Thieren weit
leichter zu Erkrankungen führen, als dieselbe aus anderen Fällen (z.
B. Kinderdiarrhoe, Kloakenkot oder Teichschlamm) gezüchtete Amöbe. Es
scheint +Janowski+ mit Recht nicht unwahrscheinlich zu sein, dass die
+Symbiose mit gewissen Bakterienarten die Virulenz der Amöben selbst
steigert+[39]. Es scheint die Bedeutung dieses Parasiten für den
Menschen, je nach den Bedingungen, unter welchen er in den menschlichen
Organismus gelangt, ganz verschiedenartig sein zu können. An manchen
Orten Europas (Italien, Deutschland) gelangt dieser Parasit aus der
Umgebung in den Darm, ohne hier augenscheinlich irgend welche den
Darm zur Entwickelung der Amöben disponirenden Bakterien vorzufinden.
In anderen Gegenden aber (Indien, Aegypten, Vereinigte Staaten)
gelangen die Amöben entweder im Vereine mit Bakterien, die ihnen den
Boden zu ihrer Entwickelung vorbereiten in den Darm, oder finden
im Darme Bakterien vor, die ihnen bei Entfaltung ihrer Thätigkeit
behilflich sind. Von der Art dieser Symbiose, vielleicht auch von der
sekundären Infektion in einer und in der anderen Serie von Fällen,
hängt nach der Ansicht von +Janowski+ der mehr oder weniger schädliche
Einfluss der Amöben auf den Darm und die von den Amöben im Darme
erworbenen Eigenschaften ab, deren Verschiedenheit erst experimentell
festzustellen ist.
In den von +Koch+, +Councilmann+ und +Lafleur+, +Kruse+ und +Pasquale+
u. a. beschriebenen Fällen drängt sich die Ueberzeugung auf, dass die
betreffenden Autoren eine in klinischer und in anatomischer Hinsicht
von der gewöhnlichen Dysenterie abweichende Krankheit beobachtet haben
und dass das konstante Auftreten der Amöben die Beobachter auf den
Gedanken führte, es bestehe ein inniger ursächlicher Zusammenhang
zwischen diesen Amöben und jener besonderen Dysenterieform.
Schliesslich wird von +Janowski+ alles, was bis jetzt über
die Aetiologie der +Dysenterie+ bekannt ist, folgendermassen
zusammengefasst:
„+Die Dysenterie ist eine ätiologisch nicht einheitliche Krankheit
und wird aller Wahrscheinlichkeit nach nie durch die Einwirkung
eines einzelnen Parasiten, sondern durch Zusammenwirkung mehrerer
Varietäten auf den Organismus hervorgebracht.+ Aus den bis heute in
der Litteratur vorhandenen Daten kann man schliessen, dass die Ursache
der gewöhnlichen Dysenterie irgend eine Bakterienassociation ist; eine
ihrer Formen aber, die sich in klinischer und anatomischer Hinsicht
von den übrigen unterscheidet, die sogenannte Tropendysenterie, wird
aller Wahrscheinlichkeit nach durch die Assoziation einer bestimmten
Amöbenspezies mit Bakterien hervorgerufen.“
Im Allgemeinen ist die Amöbendysenterie +anatomisch+ charakterisirt
durch das Auftreten eines hämorrhagischen Katarrhs und durch die
Bildung umschriebener Geschwüre mit unterminirten Rändern. Dabei
vermehren sich die Amöben nicht nur in der Darmschleimhaut, sondern
dringen auch in die Mukosa und Submukosa ein, treten hier zu grösseren
Haufen zusammen, in deren Gebiet das Gewebe allmählich nekrotisirt.
Beim Durchbruch der submukösen Herde durch die Schleimhaut entwickeln
sich die erwähnten Geschwüre, welche einen bedeutenden Umfang annehmen
können. In ein Darmgefäss gelangt, können dann Metastasen in anderen
Organen durch Einwanderung der Amöben hervorgerufen werden.
+Klinisch+ ist die von verschiedenen Autoren beobachtete Thatsache von
Bedeutung, dass die durch die Amöben hervorgerufenen Darmbeschwerden
meist sehr gering sind und die Patienten nicht veranlassen, ärztliche
Hülfe in Anspruch zu nehmen. Dies tritt meist erst ein, wenn schon
Komplikationen eingetreten sind.
=Bei Thieren= sind parasitische Amöben gelegentlich im Darm von Mäusen
(Amöba muris +Grassi+), von Blatta orientalis (Schaben) (Amöba blattae,
+Bütschli+), bei Kaninchen, Fröschen, Schnecken (+L. Pfeiffer+) und
auf der Haut der Schafe lebend (+v. Lendenfeld+) gefunden worden. Nur
hinsichtlich der auf der Haut der Schafe beobachteten Amöben weiss man,
dass sie zuweilen eine tödtliche Hauterkrankung hervorrufen können.
2. Amöben der Mundhöhle.
Man hat in der Mundhöhle, in einem Abscess unter dem Zahnfleische
und gelegentlich auch an einem sequestrirten Knochenstückchen des
Unterkiefers Amöben und amöbenartige Gebilde beim Menschen gefunden,
doch scheint es sich nur im letzteren Falle (von +Kartulis+[42]
veröffentlicht) um wirkliche Amöben gehandelt zu haben.
3. Amöben des Urogenitalapparates des Menschen.
Unter dem Namen +Amöba urogenitalis+ hat zunächst +E. Baelz+[40]
eine bei einer 23jährigen Patientin gefundene Amöbe beschrieben,
welche der Amöba coli sehr ähnlich war. Die Parasiten wurden im Urin
und auch in der Vagina einer Patientin gefunden, welche kurz vor
ihrem durch Lungentuberkulose bedingten Tode Hämaturie mit starkem
Tenesmus der Blase gezeigt hatte. Aehnliche Fälle sind dann später von
+Jürgens+[41], wo die Amöben in Schleimcysten der Harnblase sassen, von
+Kartulis+[42], wo die Amöben in einem Blasentumor sassen, und von +C.
Posner+[43], wo die Amöben im Urin gefunden wurden, noch beschrieben
worden.
Ferner hat +Tullio Rossi Doria+[44] in Rom bei der +Endometritis
chronica glandularis+ im Lumen der Drüsen Protozoen gefunden,
die er der Gruppe der Amöben zurechnete. +Doria+ schliesst aus
seinen Untersuchungen auf eine Form der Endometritis, die er auf
die gemeinsame Wirkung von Amöben und Bakterien zurückführte, bei
vielleicht praevalirender Bedeutung der Amöben. +Pick+[45] hält
jedoch die Befunde +Doria+’s für hydropische Degenerationsprodukte
abgestossener epithelialer Elemente. Dem gegenüber zieht +Doria+[46]
die von +Pick+ aus ungehärtetem und gefärbtem Material gewonnenen
Beobachtungen in Zweifel. +Pick+ meint schliesslich, dass es sich nur
um die Bewegung von Leukocyten handelt.
4. Amöbenähnliche Rhizopoden in der Ascitesflüssigkeit des lebenden
Menschen.
Unter dieser Bezeichnung haben neuerdings +Leyden+ und +Schaudinn+[47]
zwei Fälle beschrieben, wo bei einer 22jährigen, an Ascites leidenden
Patientin und bei einem 63jährigen, ebenfalls an Ascites leidenden
Manne amöbenähnliche Gebilde in der durch Punktion entnommenen
Bauchflüssigkeit nachzuweisen waren. Der zweite Patient ist später
gestorben und ergab die Autopsie die Bestätigung der auch im Leben
gestellten Diagnose -- +Carcinom des Magens, mehrere bis apfelgrosse
Knoten in der Leber, kleinere in der Milz;+ =auf dem Peritoneum=
+zahlreiche hirsekorn- bis erbsengrosse und auch grössere Knötchen+.
Bei näherer Untersuchung, welche +Schaudinn+ vorgenommen hat, zeigte
sich in beiden Fällen, dass die Amöben Angehörige derselben Spezies
sind und sich durch Theilung und Knospung fortpflanzen. +Schaudinn+
nannte sie deshalb +Leydenia gemmipara+ (+Schaudinn+). Die Parasiten
zeigten in kontrahirtem Zustande eine kugelige oder unregelmässige
polygonale Gestalt. Ihre Oberfläche erschien selten glatt, sondern mit
Buckeln und Höckern besetzt. Sie können einen Durchmesser von 36 µ
erreichen. Die kleinsten Formen waren 3 µ gross. Die Pseudopodien waren
in zwei Sorten nachweisbar: als hyaline, lamellöse und als körnige,
fadenförmige Bildungen.
Am Schlusse der Arbeit sagt +Schaudinn+: „In eine Diskussion über
die Frage, ob unser Rhizopode etwas mit dem gleichzeitig vorhandenen
Karcinom zu thun hat, kann ich erst nach einer Untersuchung der
krebsigen Geschwülste treten, mit der ich jetzt beschäftigt bin. Es
sei mir nur gestattet, +auf die grosse Aehnlichkeit hinzuweisen, die
zwischen den kleinen hier geschilderten Amöbenknospen und den angeblich
parasitären Einschlüssen in den Krebszellen, welche Sawtschenko[48]
abbildet, besteht. Der Zusammenhang der Amöben mit dem Karcinom+ ist
wohl möglich. Doch ist meines Erachtens die Frage, ob die Amöben oder
ihre Jugendzustände die Erreger des Karcinoms und anderer maligner
Geschwülste sind, nur durch Züchtung zu entscheiden und vorläufig
besitzen wir keine Methoden der Kultivirung für parasitäre Rhizopoden
und Sporozoen“.
II. Klasse: Sporozoen[49].
Die Sporozoen sind einzellige thierische Organismen, deren Leib einen
oder mehrere Kerne, jedoch keine Wimpern und Geisseln, Pseudopodien,
oder Mund und Afterstelle besitzt. Alle Sporozoen sind Schmarotzer und
vermehren sich durch beschalte Fortpflanzungszellen (Sporen), welche
sich im Innern der Zellen bilden. Durch diese Eigenschaft treten sie in
eine gewisse Verwandtschaft zu niederen pflanzlichen Organismen.
In Bezug auf die +Verbreitung+ lehren die bisherigen
Untersuchungsergebnisse, dass die Sporozoen sehr weit verbreitete
Parasiten sind und, mit Ausnahme der Protozoen und Cölenteraten, in
allen Thierklassen gefunden sind. Dagegen hat man sie noch nie bei
Pflanzen festgestellt. Interessant ist auch die Wahrnehmung bei diesen
Parasiten, wie bei den höher organisirten, dass eine Sporozoenart
meist nur bei wenigen, in naher Verwandtschaft stehenden Wirthen
schmarotzt und sich dabei dem Entwickelungsgange der Wirthe anpasst.
Wahrscheinlich sind dieselben auf der ganzen Erde und überall, wo
Thiere sind, vorhanden. Am meisten sind sie bisher in Europa und
Amerika gefunden worden.
Wie die +Uebertragung+ auf die Wirthe erfolgt, ist erst bei einigen
Ordnungen bekannt. Meist erfolgt die Einverleibung durch die Nahrung,
wobei dann die Sporozoen aus den Exkrementen oder verwesten Thierresten
in den Boden und ins Wasser gelangen und gelegentlich die Nahrung
verunreinigen. So sind die an einzelnen Orten und in einzelnen Gegenden
gelegentlich beobachteten Sporozoenepidemien (z. B. bei Kaninchen) zu
erklären. In anderen Fällen mögen auch Zwischenwirthe, wie dies bei
der Texasseuche nachgewiesen ist, vorhanden sein. Schliesslich kann
nicht geleugnet werden, dass viele Sporozoen für ihre Wirthe ohne jede
pathologische Bedeutung sind.
Die +Ansiedelung+ der Sporozoen kann in allen Organen und Geweben
des thierischen Körpers erfolgen. Wichtig ist jedoch, dass sie --
besonders in den jüngsten Entwickelungsstadien -- in die Zellen der
Wirthsthiere, in erster Linie in die Epithel-, Muskel-, Nerven-
und Blutzellen einzudringen vermögen, um hier theils die ganze
Entwickelung durchzumachen, theils nach einiger Zeit eine andere Zelle
aufzusuchen, und die Entwickelung zu vollenden. Nach Abschluss ihres
Entwickelungsganges schmarotzen sie gewöhnlich in den Geweben oder
Organen ihrer Wirthe weiter, wobei sie in die verschiedenen Organe
gerathen und je nach der histologischen Einrichtung und funktionellen
Bedeutung krankheitserregend werden können. Oft hängt die pathogene
Bedeutung wesentlich von der Menge der zur Entwickelung gekommenen
Sporozoen und der durch sie zerstörten Zellen (z. B. im Darmkanal) ab.
Die +Gestalt+ der Sporozoen ist sehr verschieden, meist oval und
wechselt hinsichtlich der Grösse ebenfalls erheblich. Die +Ernährung+
erfolgt durch Aufnahme flüssiger Nahrung aus den umgebenden Medien
entweder auf dem Wege der Diffusion oder durch feinste Poren in der
Kutikula. Die +Vermehrung+ der Sporozoen, welche meist ungeschlechtlich
zu erfolgen scheint, geschieht durch Keim- und Sporenbildung;
vielleicht auch durch Theilung der Keime. Der Abschluss der
Entwickelung erfolgt meist durch die Bildung der Fortpflanzungskörper,
wobei die mit einer festen Kapsel umgebene Protoplasmamasse des
Mutterthieres zerfällt. Die entstandenen kleinen kernhaltigen
Protoplasmakörper können sich dann direkt in Keime umwandeln oder zu
Sporoblasten und Sporen werden, indem sie eine feste Hülle um sich
ausscheiden. Die Sporenhülle ist sehr widerstandsfähig und dient zum
Schutz der zarten Protoplasmakeime. Kurz vor der Vermehrung nehmen die
Parasiten allmählich eine rundliche Form an.
Die Eintheilung der Sporozoen
ist insofern noch keine vollkommen abgeschlossene, als einzelne Gruppen
noch zu wenig gekannt und ihre Zugehörigkeit zu den Sporozoen noch
zweifelhaft ist.
Wir möchten einstweilen folgende +Ordnungen+ wählen:
I. Gregarinen; II. Myxosporidien; III. Koccidien; IV. Sarkosporidien;
V. Hämosporidien; VI. Acystosporidien; VII. Serosporidien; VIII.
Amöbosporidien.
I. Ordnung: Gregarinen[50], +Gregariniden+.
[Illustration: Figur 2.
Jugendform einer Gregarine (Oocephalus hispanus) nach +Al. Schneider+.
Die typische Gestalt zeigt die drei hintereinander liegenden Abschnitte
und die sich scharf abhebende helle Cutikula.]
=Allgemeines.= Die Gregarinen sind einzellige Parasiten von
kugeliger, ovaler oder langgestreckter Gestalt, zuweilen aus 2-3
hintereinanderliegenden Abschnitten bestehend, und erwachsen von einer
festen Cutikula umgeben. Sie sind während ihrer Jugend ausschliessliche
Zellschmarotzer und werden vorwiegend in den Epithelien der
Magenschleimhaut gefunden, von wo sie erst später in das Darmlumen
entleert werden. Ausser im Magen- und Darmkanal sind sie auch in der
Leibeshöhle und in den Geschlechtsorganen von +wirbellosen+ Thieren,
besonders bei +Arthropoden+ und +Würmern+, seltener bei Echinodermen
gefunden worden. +Bei Vertebraten sind sie bisher nicht gefunden
worden.+
Die Parasiten wurden schon 1787 von +Cavolini+ im Darm eines Krebses
gesehen und später von +Dufour+, welcher ihnen den noch heute
gebräuchlichen Namen gegeben hat, bei zahlreichen Insekten.
Die +erwachsenen+ Gregariniden sind einzellige Organismen, deren
länglicher Leib entweder einheitlich bleibt und niemals encystirt
(+Monocystidae+) oder in zwei oder drei Abtheilungen zerfällt
(+Polycystidae+); erstere leben frei in der Leibeshöhle niederer
Thiere, nur ausnahmsweise in einem Organ (in den sog. Hoden der
Regenwürmer), letztere im Darm, besonders der Arthropoden. Die +Länge+
des Körpers schwankt zwischen 0,01–0,02–16 mm. Manchmal grenzt sich
vom grösseren Hinterabschnitt ein kleiner vorderer ab, dann geht die
Cutikula, senkrecht zur Längsachse eine Querscheidewand bildend, durch
die ganze Breite des Körpers. Die +Vermehrung+ der Gregariniden erfolgt
durch Vereinigung von zwei oder drei Thieren (Konjugation) meist mit
nachfolgender Encystirung, wobei eine sehr feste, widerstandsfähige
Membran abgesondert wird. Eine Verschmelzung der encystirten Individuen
tritt meist nicht ein.
[Illustration: Figur 3.
_a_) Monocystis agilis aus den Samenblasen vom Regenwurm. _b_)
Gregarina cuncata aus dem Darm vom Mehlkäfer. _c_) Stylorhynchus
obligacanthus aus dem Darm einer Libelle. (Nach +Leuckart+.)]
Sind 2 oder 3 Individuen in einer Cyste vereinigt, so sporuliren
sie gesondert. Die Cysten der mehrkammerigen Gregarinen werden vor
Beginn aller Theilungserscheinungen mit dem Koth der Wirthsthiere
ausgestossen. Diese Cysten reifen, sobald sie im Freien unter günstige
Bedingungen gelangen. Dann folgt die +eigentliche Vermehrung+ durch
Theilung des Gregarinenkerns. Die kleinen Kerne vertheilen sich
gleichmässig auf der Oberfläche des Cysteninhaltes. Schliesslich
zerfällt der Cysteninhalt in kleine Plasmakugeln, deren jede einen
Kern einschliesst -- die sog. +Sporoblasten+. Ausserdem bleibt noch
etwas unverbrauchtes Protoplasma der sog. +Restkörper+ zurück. Die
entstandenen Sporoblasten scheiden um sich eine feste Hülle ab und
werden so zu +Sporen+. In den Sporen geht von Neuem eine mehrfache
Kerntheilung vor sich. Die dadurch entstandenen 6–8 Kerne vertheilen
sich wieder auf das vorhandene Protoplasma. Durch Trennung der
kernhaltigen Protoplasmatheile von einander entstehen die eigentlichen
+Keime+ (Keimstäbchen oder Sporozoiten, +die jungen Gregarinen+).
Die +Form der Sporen+ ist für die einzelnen Arten charakteristisch;
einzelne Sporen besitzen keine Hülle (Gymnosporen), andere sind
beschalt (Angiosporen), oder haben zwei verschieden dicke Hüllen. Die
+Gestalt+ der Sporozoiten ist meist +sichelförmig+. Selten sind mehr
als 8 Sichelkeime in einer Spore eingeschlossen.
Hinsichtlich der weiteren +Entwickelung der Gregarinen+ sei noch
bemerkt, dass sich die Sporen in der Regel in den Cysten ausserhalb
des Trägers der Gregarinen entwickeln. Die Sporulation kann in zwei
Wochen beendet sein. Nach erfolgter Reife entleeren die Cysten ihren
Sporeninhalt entweder durch einfache Ruptur der Cystenhülle oder
durch Mitwirkung des aufquellenden Restkörpers oder endlich durch
besondere +Sporodukte+. +Es ist ausreichender Grund zu der Annahme,
sagt Braun, dass der Genuss reifer Sporen, vielleicht auch reifer
Cysten, die betreffenden Thiere mit Gregarinen infizirt.+ Die Sporen
werden durch den Darmsaft zum Aufspringen gebracht, (von A. +Schneider+
beobachtet) und lassen ihren Inhalt austreten. Die sichelförmigen
Keimstäbchen (Sporozoiten) machen kreisbogenartige Bewegungen, jedoch
keine amöboiden oder Schwimmbewegungen. So dringen sie wahrscheinlich
in die Darmepithelien ein (intracellulärer Parasitismus der jungen
Gregarinen), wachsen dann über die infizirte Epithelzelle in das Lumen
des Darmes hinein, es tritt Abschnürung der beiden Theile ein; später
fällt die Gregarine vom Darmepithel ab, um sich zu konjugiren und ihre
Weiterentwickelung durchzumachen (+Braun+). Die in der Leibeshöhle
schmarotzenden Monocystideen durchsetzen jedoch, als Sporen in den Darm
eingeführt, sogleich die ganze Darmwand, um sich in der Leibeshöhle
anzusiedeln.
+Eintheilung der Gregariniden+. +L. Léger+ giebt folgende
Unterabtheilungen an:
1. Unterordnung: Gymnosporen, Sporen nackt, ohne Hülle; a) Familie
Gymnosporiden (Porospora, im Darm des Hummers). 2. Unterordnung:
Angiosporea, Sporen mit einfacher oder doppelter Hülle; a) Polycystidea
und b) Monocystidea, welche vielfach in der Leibeshöhle von Würmern und
Echinodermen vorkommen.
Da, wie schon erwähnt, die Gregarinen bisher mit Sicherheit bei
Wirbeltieren noch nicht beobachtet worden sind, so mögen diese Angaben
genügen.
II. Ordnung: Myxosporidien.
Die Myxosporidien kommen vorzugsweise an und in den verschiedensten
Organen der +Fische+ vor, wo sie sowohl frei in natürlichen
Körperhöhlen (Leibeshöhle, Schwimmblase, Gallen- und Harnblase) wie
auch im Bindegewebe liegend angetroffen werden. Ausserdem schmarotzen
sie auch bei +Würmern+, +Arthropoden+, bei +Amphibien+ und +Reptilien+.
Hinsichtlich der +Fische+ führt +Gurley+[51] 66 verschiedene
Fischarten an, bei welchen Myxosporidien schmarotzen. Daneben giebt
es noch manche andere Fischarten, bei denen man bisher noch niemals
Myxosporidien beobachtete. Unter den +Amphibien+ beobachtet man sie
bei Fröschen, Kröten und Wassersalamandern; unter den +Reptilien+ sind
Schildkröten, Krokodile, Schlangen und Eidechsen zu nennen.
Am meisten sind die Myxosporidien bisher in Europa und Amerika gefunden
worden. Einzelne Arten werden an bestimmten Orten regelmässig gefunden,
andere treten gelegentlich z. B. bei Fischen so massenhaft auf, dass
sie schwere Seuchen unter den befallenen Thieren hervorrufen.
+Geschichtlich+ möge erwähnt sein, dass die Parasiten +auf und in dem
Körper der Fische+ zuerst von +Gluge+[52] (1838) und unabhängig von
diesem von Joh. +Müller+[53] (1841) beschrieben worden sind. +Müller+
sah kleine beschalte Körperchen besonders in gelb-weissen Pusteln
der äusseren Haut kranker Fische, ausserdem auch an den Kiemen und
in inneren Organen und glaubte es handele sich um eine durch belebte
Spermatozoen erzeugte Ausschlagskrankheit, weshalb er die in den
Knötchen gefundenen Körperchen, +Psorospermien+[54] nannte. Nach
+Gluge+ und +Müller+ sind dann die Myxosporidien von zahlreichen
anderen Forschern (+Leydig+, +Lieberkühn+, +Bütschli+ (1881), welcher
die Bezeichnung Myxosporidien vorschlug, +Balbiani+, +Railliet+,
L. +Pfeiffer+, +Thélohan+ u. a.) in und auf dem Körper zahlreicher
Fischarten und anderer Thiere gefunden worden.
Bezüglich +Bau und Entwickelungsgang+ der Thiere möge nur das
Nachfolgende hier erwähnt sein.