2. Ordnung. +Myxosporidia.+ Fast ausschliesslich auf und in

####################################################################

Anmerkungen zur Transkription:

Der vorliegende Text wurde anhand der 1898 erschienenen Buchausgabe

so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Inkonsistente

und altertümliche Schreibweisen wurden beibehalten; Fachbegriffe

sowie fremdsprachige Passagen wurden unverändert übernommen.

Zeichensetzung und offensichtliche typographische Fehler wurden

dagegen stillschweigend korrigiert. Die systematische Einteilung

des Buches, die sich anhand des Inhaltsverzeichnisses ergibt, wurde

im Text nicht konsequent wiedergegeben. Die Originalvorlage wurde

auch dahingehend nicht verändert.

Literaturangaben werden im Original in uneinheitlicher Weise

zitiert, insbesondere was die Abkürzungen der einzelnen

Monographien und Zeitschriften anbelangt. Dies wurde hier

beibehalten, sofern die Verständlichkeit des Zitates dadurch nicht

beeinträchtigt wird.

Personennamen wurden in der Regel gesperrt gedruckt, was jedoch

nicht durchgehend beibehalten wurde. Der vorliegende Text folgt

auch dahingehend der gedruckten Ausgabe. Das Caret-Symbol (^)

wird einem im Original hochgestellten Zeichen vorangestellt.

Zur Kennzeichnung der von der Normalschrift abweichenden

Schriftschnitte werden die folgenden Sonderzeichen vewendet:

kursiv: _Unterstriche_

fett: =Gleichheitszeichen=

gesperrt: +Pluszeichen+

####################################################################

DIE

PROTOZOEN ALS KRANKHEITSERREGER

DES

MENSCHEN UND DER HAUSTHIERE

FÜR

+ÄRZTE, THIERÄRZTE UND ZOOLOGEN+

VON

PROFESSOR DR. GEORG SCHNEIDEMÜHL

PRIVATDOCENT DER THIERMEDIZIN AN DER UNIVERSITÄT KIEL

_MIT 37 ABBILDUNGEN IM TEXT_

LEIPZIG

VERLAG VON WILHELM ENGELMANN

1898.

Von demselben Verfasser sind erschienen:

=Lehrbuch der vergleichenden Pathologie und Therapie des Menschen

und der Hausthiere= für Thierärzte, Aerzte und Studirende. gr. 8.

+Erste Lieferung:+ Die Infektionskrankheiten des Menschen und

der Hausthiere. 1895.

M. 5.--.

+Zweite Lieferung:+ Die Vergiftungen. Die durch thierische

Parasiten hervorgerufenen Krankheiten des Menschen und der Thiere.

Die Konstitutionskrankheiten. Die Hautkrankheiten. 1896.

M. 6.--.

+Dritte Lieferung:+ Die Krankheiten der Verdauungsorgane.

Die Krankheiten der Athmungsorgane. Die Krankheiten der

Cirkulationsorgane. Die Krankheiten des Nervensystems. 1897.

M. 6.--.

+Vierte+ (Schluss-) +Lieferung:+ Die Krankheiten des

Nervensystems. Die Krankheiten der Schilddrüse. Krankheiten

der Harnorgane. Krankheiten der Geschlechtsorgane. Nachträge.

(Erscheint im Mai 1898.)

(Verlag von +Wilhelm Engelmann+ in +Leipzig+.)

=Lage der Eingeweide bei den Haussäugethieren= nebst Anleitung

zur Exenteration für anatomische und pathologisch-anatomische

Zwecke und Angaben zur Ausführung der Präparirübungen für

Studirende und Thierärzte bearbeitet. +Zweite Auflage.+

Hannover. 1894. 196 Seiten.

geb. M. 3.--.

=Repetitorium der Muskellehre bei den Haussäugethieren,=

gleichzeitig ein Leitfaden für die Präparirübungen, für Studirende

und Thierärzte bearbeitet. +Zweite Auflage.+ Hannover. 1894.

80 Seiten.

M. 1.50.

=Das Fleischbeschauwesen im Deutschen Reiche, nebst Vorschlägen

für dessen gesetzliche Regelung.= Leipzig. 1892. 78 Seiten.

M. 1.50.

=Das Thierarzneiwesen Deutschlands und seiner Einzelstaaten.=

Ein Handbuch für Thierärzte, Staats- und Gemeindebehörden,

Schlachthofverwaltungen, Medicinalbeamte, Richter und

Rechtsanwälte. Leipzig. 1893. 506 Seiten.

M. 12.--; geb. M. 13.50.

=Das thierärztliche Unterrichtswesen Deutschlands in seiner

geschichtlichen Entwickelung und Bedeutung für den thierärztlichen

Stand.= Ein Gedenkblatt, aus Anlass der Feier des 100jährigen

Bestehens der thierärztlichen Hochschule zu Berlin bearbeitet.

Mit einem Portrait des Geh. Med.-Rath Gerlach. Leipzig. 1890. 244

Seiten.

M. 2.--.

DIE

PROTOZOEN ALS KRANKHEITSERREGER

DES

MENSCHEN UND DER HAUSTHIERE

FÜR

+ÄRZTE, THIERÄRZTE UND ZOOLOGEN+

VON

PROFESSOR DR. GEORG SCHNEIDEMÜHL

+PRIVATDOCENT DER THIERMEDIZIN AN DER UNIVERSITÄT KIEL+

_MIT 37 ABBILDUNGEN IM TEXT_

LEIPZIG

+VERLAG VON WILHELM ENGELMANN+

1898.

Druck der Kgl. Universitätsdruckerei von H. Stürtz in Würzburg.

Vorrede.

Wer die Fortschritte der allgemeinen und vergleichenden Pathologie in

den letzten 10 Jahren verfolgt hat, wird unschwer erkannt haben, dass

neben den niedrigsten pflanzlichen Organismen auch die niedrigsten

thierischen Lebewesen -- die Protozoen -- eine bedeutende Rolle in der

Pathogenese des Menschen und der Thiere spielen. Ist diese Bedeutung

besonders beim Menschen auch nicht annähernd so gross, wie diejenige

der pflanzlichen Organismen, so lehren doch die Untersuchungen der

letzten Jahre, dass die Protozoen jedenfalls eine viel grössere

Berücksichtigung in der Pathologie verdienen, als ihnen bisher zu Theil

wurde.

Schon bei der Bearbeitung des Abschnittes über Protozoen in meinem

Lehrbuche der vergleichenden Pathologie und Therapie des Menschen

und der Hausthiere (Leipzig 1898) empfand ich das Bedürfniss nach

dem Vorhandensein einer besonderen Schrift über die Protozoen als

Krankheitserreger recht lebhaft. Noch lebhafter trat dieser Wunsch an

mich heran, als ich mich entschloss, eine Vorlesung über die Protozoen

als Krankheitserreger der Thiere und des Menschen anzukündigen. Ein

geeignetes Buch fehlte, da die vorhandenen Schriften theils nur die

Protozoen als Krankheitserreger beim Menschen erörtern, theils vom rein

zoologischen Standpunkte bearbeitet und nicht in erster Linie direkt

für die Bedürfnisse des Arztes und Thierarztes berechnet sind. Bei

einer Durchsicht der Litteratur zeigte sich auch, wie sehr zerstreut

das theilweise recht umfangreiche Material in verschiedenen Schriften

des In- und Auslandes niedergelegt ist.

Da ich selbst seit einer Reihe von Jahren fortgesetzt Studien über

einzelne pathogene Protozoen angestellt habe, so entschloss ich mich

endlich, den vorliegenden Gegenstand zu bearbeiten. Um den weiteren

Forschern auf diesem Gebiete die Arbeit etwas zu erleichtern, habe

ich am Schlusse des Buches auch die Litteratur übersichtlich und nach

Jahrgängen zusammengestellt.

Es ist mir schliesslich noch eine angenehme Pflicht, Herrn Maler

+Fürst+, welcher den grössten Theil der Abbildungen nach meinen

Vorlagen gezeichnet hat, sowie ganz besonders der Verlagsbuchhandlung

meinen wärmsten Dank auszusprechen für das fortgesetzte Entgegenkommen,

welches mir dieselbe auch bei der Verlagsübernahme dieser Schrift

gezeigt hat.

Ich würde mich freuen, wenn die Arbeit Anregung zu weiteren Forschungen

geben und zur Verbreitung der Kenntnisse über die Bedeutung der

Protozoen als Krankheitserreger beitragen möchte.

+Kiel+, Ostern 1898.

=Georg Schneidemühl.=

Inhalt.

Seite

+Einleitung und Geschichtliches+ 1

Allgemeine Bemerkungen über die Technik der Untersuchung 3

+Allgemeines über Protozoen+ 5

=I. Klasse: Rhizopoden= 9

Amöben als Krankheitserreger 9

Züchtung der Amöben 10

1. Amoeba koli 16

2. Amöben der Mundhöhle 22

3. Amöben des Urogenitalapparates des Menschen 22

4. Amöbenähnliche Rhizopoden in der Ascitesflüssigkeit

des lebenden Menschen 23

=II. Klasse: Sporozoen= 24

1. +Ordnung+: +Gregarinen+ 26

2. +Ordnung+: +Myxosporidien+ 28

3. +Ordnung+: +Koccidien+ 31

Koccidien als Krankheitserreger 35

1. Koccidium oviforme 35

Koccidium oviforme beim Menschen 36

Koccidienkrankheit der Kaninchen 36

Die rothe Ruhr des Rindes 39

2. Koccidium perforans 43

Koccidium perforans beim Menschen 44

Koccidium perforans bei Thieren 44

3. Koccidium bigeminum 45

4. Anderweitiges Vorkommen von Koccidien in inneren

Organen 46

Durch Koccidien hervorgerufene Erkrankungen des

Geflügels 47

Epithelioma gregarinosum avium 48

Molluskum kontagiosum des Menschen 49

Schrotausschlag der Schweine 51

Koccidien in der Niere beim Menschen und bei Thieren 59

Koccidien bei Fischen 60

Koccidien als Ursache der Geschwülste 60

4. +Ordnung+: +Sarkosporidien+ 73

Geschichtliches 73

Bau, Gestalt und Entwickelung der Sarkosporidien 74

Toxische Wirkung der Sarkosporidien 80

a) Sarkosporidien beim Menschen 83

b) Sarkosporidien bei Thieren 84

Sarkosporidien beim Schwein 84

sog. Muskelstrahlenpilze beim Schwein 91

Sarkosporidien beim Pferde 95

Eisballenkrankheit der jungen Pferde 99

Sarkosporidien bei den Rindern 101

Sarkosporidien bei Schafen und Ziegen 104

5. +Ordnung: Hämosporidien+ 113

Geschichtliches 114

Verbreitung und Sitz der Hämosporidien 115

Vermehrung und Entwickelung 116

Eintheilung 117

6. +Ordnung: Acystosporidien (Gymnosporidien)+ 118

Verbreitung, Sitz, Gestalt, Bau und Entwickelung 119

a) Hämamöbiden 121

Haemamoeba Laverani. Malaria des Menschen 123

Malariaerkrankungen bei Thieren 130

Texasseuche 132

Hämoglobinurie der Rinder und Schafe 137

Schwarzwasserfieber beim Menschen 144

sog. biliöse Typhoid des Menschen 147

+Anhang+:

Hämamöben bei Syphilis 148

Hämamöben bei Masern 148

Hämamöben bei den Pocken 150

Mikrosporidien 153

Pebrinekrankheit der Seidenspinnerraupen 153

=III. Klasse: Infusorien (Aufgussthierchen)= 154

1. +Ordnung: Flagellaten (Geisselthierchen)+ 154

Parasitische Flagellaten beim Menschen und bei

Thieren 155

Trichomonas 155

1. Cerkomonas hominis 155

2. Trichomonas vaginalis 156

Flagellaten bei Lungenerkrankungen 156

Lamblia 158

Lamblia intestinalis. Cerkomonas intestinalis 158

2. +Ordnung: Ciliaten (Wimperinfusorien)+ 161

Balantidium koli 162

+Nachtrag+:

1. Ueber die systematische Stellung der Miescher’schen

Schläuche und deren Züchtung 165

2. Die Organismen der Tollwuth 167

+Litteraturübersicht+ 171

+Sachregister+ 194

Einleitung und Geschichtliches.

Wie die Bakterien im Pflanzenreich so nehmen bekanntlich die Protozoen

im Thierreich die niedrigste Stufe ein und stellen die einfachsten

Formen dar. Auch ist es diesen thierischen Lebewesen ergangen wie den

pflanzlichen. Ihre Stellung war lange Zeit eine ganz unsichere, und es

ist ausserordentlich interessant, dass während die schon gegen Ende

des 17. Jahrhunderts von +Leeuwenhoek+ gesehenen Bakterien wegen ihrer

Eigenbewegung noch bis um die Mitte dieses Jahrhunderts für kleinste

Thierchen gehalten wurden, bis +Perty+ und +Cohn+ ihre pflanzliche

Natur mit Sicherheit erkannten, die thierische Natur der Protozoen,

und ganz besonders der wichtigen Gruppe der Sporozoen noch bis in

die neueste Zeit von manchen Autoren bezweifelt wurde. Die Thatsache

jedoch, dass Protozoen bei verschiedenen Krankheiten vorkommen und

auch theilweise in ursächlicher Beziehung zu den Krankheiten stehen

ist schon seit längerer Zeit bekannt. Von den Krankheiten des Menschen

sei erwähnt, dass +R. Wagner+[1] (1836) über das Vorkommen von Monaden

beim Lippenkrebs berichtet, +Donné+[2] (1837) Trichomonas vaginalis im

Scheidensekret luetischer Frauen fand und die Thiere anfänglich für die

Ursache der Syphilis hielt. Von späteren Autoren führe ich an, dass

+Wedl+[3] (1854) Monaden bei Geschwüren beschrieben hat, +Hassel+[4],

+Junker+[5], +Davaine+[6] und Andere Protozoen in den Stuhlgängen

von Cholera- und Typhuskranken gefunden haben. +Malmsten+[7] fand

(1857) Paramaecium coli in grosser Menge bei Lienterie und +Lambl+[8]

konstatirte (1859) zahlreiche Amöben im Darminhalte eines an Enteritis

verstorbenen Kindes.

Von weiteren Arbeiten und Untersuchungen über Protozoen als

Krankheitserreger sind dann besonders die Mittheilungen von

+Pasteur+[9] über die Pébrine der Seidenraupen (1870) zu nennen.

Es handelte sich im letzteren Falle um eine unter den Seidenraupen

verheerend auftretende Krankheit, welche damals die gesammte

Seidenindustrie Frankreichs zu vernichten drohte. +Pasteur+ konnte nun

nachweisen, dass diese Krankheit durch kleinste Organismen, welche

+Leydig+ und +Cornalia+ bereits entdeckt und für Psorospermien[10]

erkannt hatten, hervorgerufen werde. +Pasteur+ fand dann die

Sporen dieser Parasiten, die schon früher als +Cornalia+’sche

Körper bezeichnet wurden, sowohl in den Raupen, wie auch in den

Schmetterlingen und selbst in den Eiern der kranken Thiere und konnte

so auch auf die +erbliche+ Uebertragung dieser Krankheit hinweisen.

+Pasteur+ machte dann den sehr zweckmässigen Vorschlag, nur Eier von

solchen Schmetterlingen zur Aufzüchtung von Seidenraupen zu benutzen,

in deren Körper bei nachträglich vorgenommener Untersuchung jene

Körperchen (Sporen) nicht gefunden worden waren. In der That wurde

durch diesen sachgemässen Vorschlag erreicht, dass weiterer Schaden von

der französischen Seidenindustrie ferngehalten wurde.

Während nun allerdings +Pasteur+ nicht zur Entscheidung brachte, ob die

von ihm gefundenen Gebilde pflanzlicher oder thierischer Natur sind,

zeigte dann später +Balbiani+[11], dass es sich bei jenen Organismen

in der That um Protozoen handelte, wie dies schon +Leydig+ vorher

ausgesprochen hatte.

Als dann die bahnbrechenden Arbeiten +Robert Koch+’s gelehrt hatten,

dass bei vielen Infektionskrankheiten pflanzliche Organismen die

Ursache sind, und als derselbe geniale Forscher auch gezeigt hatte,

wie man auf exaktem Wege diese Organismen erkennt und als spezifische

Krankheitserreger nachweisen kann, da musste es mit Recht befremden,

wie +Hauser+[12] zutreffend sagt, dass gerade für die typischsten

Infektionskrankheiten, welche schon seit alter Zeit als eminent

ansteckende Seuchen erkannt worden waren, wie die Syphilis, die

schwarzen Blattern und insbesondere die akuten Exantheme, wie

Scharlach, Masern, und andere ansteckende Krankheiten, auch mittels der

+Koch+’schen Untersuchungsmethoden bis heute noch keine pflanzlichen

Mikroorganismen als die sicheren Erreger dieser Krankheiten

nachgewiesen werden konnten.

Es trat deshalb in der neueren Zeit immer mehr die Meinung in

den Vordergrund, dass es sich bei diesen und einigen anderen

Krankheitsprozessen überhaupt nicht um die Wirkung pflanzlicher

Organismen, sondern um Protozoen handeln könnte. Dazu kam, dass

+Laveran+, +Marchiafava+ und +Celli+ in dem Blute von +Malaria+kranken

in der That Protozoen gefunden hatten, welche mit Sicherheit als die

Erreger der Krankheit erkannt wurden. Für die menschliche Pathologie

war eigentlich erst durch diesen Befund zuerst der Beweis erbracht

worden, dass Protozoen überhaupt eine typische Infektionskrankheit

hervorrufen könnten. Vielleicht haben diese Befunde bei Malaria die

Anregung dazu gegeben, dass man um diese Zeit begann den Protozoen

als Krankheitserregern wieder erhöhtes Interesse entgegenzubringen.

Besonders ist es das Verdienst +L. Pfeiffer+’s in Weimar durch seine

Arbeiten[13] die Protozoen-Forschung in hervorragender Weise wieder

angeregt zu haben. So ist in den letzten Jahren eine ganz umfangreiche

Litteratur über die Protozoen als Krankheitserreger beim Menschen und

bei Thieren entstanden, welche, soweit von besonderem Interesse, auch

im Nachfolgenden citirt werden soll[14].

Allgemeine Bemerkungen über die Technik der Untersuchung.

Im Allgemeinen muss man bei der Untersuchung frischer Objekte

daran festhalten, die Parasiten möglichst in demselben Medium zur

Untersuchung zu bringen, in welchem der Parasit lebt. So habe ich

Muskelpräparate meist noch lebenswarm untersucht und später nur

physiologische Kochsalzlösung hinzugefügt, wenn die mikroskopischen

Präparate in der warmen Zimmerluft auszutrocknen begannen. Um Protozoen

im Darm aufzufinden genügt es in Fällen, wo man frisches Material

untersuchen will, kleine Stückchen der Darmwand zu zerzupfen und in

physiologischer Kochsalzlösung zu untersuchen. Auch eine Eiweisslösung

(20 ccm Hühnereiweiss + 1 g Kochsalz + 200 ccm Wasser) wird für

eine solche Untersuchung benutzt. Cysten erhält man am besten bei

Untersuchung des Kothes der Thiere, was bei kleinen Hausthieren

(Kaninchen, Hunden) im Ganzen leicht ausführbar ist. In einer mittels

einer Glasschale mit Wasser aufgefangenen kleineren Kothmenge kann man

die Cysten schon bei schwacher Vergrösserung und bei einiger Uebung mit

blossem Auge als mattweisse oder grauweisse runde Gebilde erkennen.

Bei anderen Thieren (Schafen) kann man das Rektum in 10–20 cm langen

Stückchen abbinden und dann jedes herausgeschnittene Stück in der

genannten Weise untersuchen.

Für +Dauerpräparate+, +Fixirung+ und +Färbung+ sind verschiedene

Verfahren in Gebrauch. Zur +Fixirung+ wird Osmiumsäurelösung, Sublimat

und Pikrinessigsäure (100 Theile konzentrirte Pikrinsäurelösung,

200 Theile destillirtes Wasser und 3 Theile Eisessig) benutzt. Zur

+Färbung+ wird Essigkarmin, Pikrokarmin oder Safraninlösung verwendet.

Ich habe vorwiegend Pikrokarmin benutzt und muss aussprechen, dass die

in dieser Färbung aufbewahrten Gewebsschnitte (Muskel, Darm) noch nach

Jahren die Parasiten sehr gut gefärbt erkennen lassen. Allerdings muss

das Pikrokarmin sehr lange einwirken. Ausserdem wird +Goldchlorür+ und

+Silbernitratlösung+ benutzt; die letztere macht die fadenförmigen

Anhänge der Sporen deutlich. (+Wasielewski+).

Um +Haemosporidien+ lebend zu färben wird Methylenblau (1 Theil

Methylenblau in 100 Theilen physiologischer Kochsalzlösung) benutzt und

die Lösung mit etwas Fliesspapier durch das Präparat gesaugt. Für die

Fixirung und Färbung dieser Protozoen wird das lufttrockne Deckglas

durch die Flamme gezogen und dann gefärbt. Zur Färbung benutzt man

Methylenblau-Eosin. Wie +Czenzinski+ angiebt mischt man zu diesem Zweck

2 Theile konzentrirter wässriger Methylenblaulösung und 4 Theile Wasser

für sich, sowie 1 Theil Eosin mit 100 Theilen 60 proz. Alkohols. Darauf

nimmt man von der ersten Lösung einen Theil und von der zweiten zwei

Theile und färbt mit diesen etwa 24 Stunden.

Neuerdings wollen +Leyden+ und +Schaudinn+[15] Protozoen in der

Ascitesflüssigkeit eines lebenden Menschen gefunden haben. Um die

zelligen Elemente in der Ascitesflüssigkeit schnell zu sedimentiren

wurden sie meistens zentrifugirt, doch wurden zur Kontrolle auch

Präparate von nichtzentrifugirtem, durchgeschütteltem Ascites

angefertigt. Für die Beobachtung der +lebenden+ Amöben wurde ein

Tropfen der Flüssigkeit auf den Objektträger gebracht, mit einem

Deckglase bedeckt, das durch Umschmelzen der Ecken in der Gasflamme

verhindert wurde, einen Druck auf die darunter befindlichen Objekte

auszuüben und schnell mit Wachs umrandet. Die Amöben blieben in diesen

Präparaten, bei einer Zimmertemperatur von 24–25° C., meistens 4–5

Stunden, auch ohne Anwendung des heizbaren Objekttisches, lebendig.

+Dauerpräparate+ wurden von den genannten Autoren in der Weise

angefertigt, dass Deckgläser mit Ascitesflüssigkeit bestrichen und

schnell in eine heisse Mischung von 2 Theilen konzentrirter wässeriger

Sublimatlösung mit 1 Theil absoluten Alkohols gelegt wurden. Wegen

des Eiweissgehaltes blieben meistens eine ganze Anzahl Amöben auf dem

Deckglase haften und wurde letzteres mit 63% Jodalkohol ausgewaschen,

gefärbt und in Kanadabalsam eingeschlossen.

Allgemeines über Protozoen[16].

Als Protozoen bezeichnet man thierische Organismen, welche sich

während ihres ganzen Lebens nicht über das einzellige Stadium erheben

oder einfache Kolonien gleichartiger, einzelliger Thiere sind. Das

zähflüssige, schwachkörnig getrübte Protoplasma der lebenden Zellen

kann verschieden gestaltete Fortsätze (Pseudopodien) entsenden und

besitzt in der äusseren hüllenbildenden Schicht theils Wimpern

(Cilien), theils Geisseln (Flagellen), theils Saugröhrchen. Bei

einzelnen sind auch ösophagus-ähnliche Spalten und lichtempfindende

Organe Pigmentflecke (Augen) nachweisbar. Oft findet auch eine

Ablagerung verschiedener Substanzen (Pigmentkörnchen, Oeltropfen,

Krystalle) statt oder es werden Gerüstsubstanzen abgeschieden.

Die +Nahrung+ besteht gewöhnlich aus kleinen thierischen oder

pflanzlichen Organismen; die parasitischen Arten ernähren sich ausser

durch aufgenommene feste Nahrung auch auf endosmotischem Wege. Die

+Vermehrung+ der Protozoen erfolgt auf dem Wege der Theilung oder

der von dieser abzuleitenden Knospung. Bei der Theilung, welcher die

Kerntheilung auf direkte, seltener mitotische Weise vorangeht, zerfällt

der Leib in zwei oder auch mehrere, selbst sehr viele Theilstücke;

dabei geht die ganze Leibessubstanz in den Nachkommen auf oder es

bleibt ein kleiner Restkörper übrig, der sich nicht weiter theilt

und schliesslich zu Grunde geht. Bei der zur Knospung modifizirten

Theilung tritt gewöhnlich eine grössere Zahl von Knospen, sei es auf

der äusseren Oberfläche oder im Innern des Thieres, auf. Wo Theilungen

und Knospungen rasch aufeinander folgen, ohne dass die Theilstücke

sich gleich nach ihrem Auftreten trennen, kommt es zur Ausbildung sehr

zahlreicher den Mutterthieren unähnlicher Produkte, die man Schwärmer

resp. Sporen nennt. Unvollständig ausgeführte Theilungen führen zur

Ausbildung von Kolonien, Protozoenstöcken. (+Braun.+)

Die Theilungen werden meist nur im encystirten Zustande vollzogen.

Vorher werden oft zwei (selten mehr) Individuen ein oder mehrere Male

mit einander vereinigt (Konjugation). Diese Konjugation kann dauernd

sein und führt dann zu einer völligen Verschmelzung der Leibessubstanz

beider Paarlinge -- seien es nun Jugendstadien oder erwachsene Formen

-- oder die Konjugation ist (wie z. B. bei den Infusorien) eine

vorübergehende, die Paarlinge trennen sich wieder und theilen sich

später jedes für sich. (+Braun.+)

+Braun theilt die Protozoen nach folgendem System ein+:

I. Klasse: =Rhizopoden= oder Sarkodina. Protozoen, deren

Leibessubstanz Pseudopodien bildet, meist mit chitinösen, kalkigen

oder kieseligen Gehäusen.

1. Ordnung. +Amoebina+ s. Lobosa. Rhizopoden mit pulsirender

Vakuole, nackt oder mit einfacher Schale; im süssen oder salzigen

Wasser, zum Theil auch in der Erde und parasitisch lebend.

2. Ordnung. +Reticularia+ s. Foraminifera, Rhizopoden mit kalkiger,

gewöhnlich vielkammeriger Schale, welche meist zahlreiche

Oeffnungen zum Durchtritt der Pseudopoden trägt; ohne kontraktile

+Vakuole+; meist mit mehreren Kernen.

3. Ordnung. +Heliozoa+, Rhizopoden mit radiär stehenden

Pseudopodien und kontraktiler Vakuole, nackt oder mit radiärem

Kieselskelet; ohne Centralkapsel; Ektosark oft schaumig,

Süsswasserthiere.

4. Ordnung. +Radiolaria+, marine, gewöhnlich pelagisch lebende

Rhizopoden mit Centralkapsel und radiärem Kieselskelet; ohne

kontraktile Vakuole; extrakapsuläre Sarkode schaumig.

II. Klasse: =Sporozoa=, +nur parasitisch lebende Protozoen+, ohne

Pseudopodien, ohne Wimpern und Geisseln, ohne Mund und Afterstelle

und ohne kontraktile Vakuole, meist von einer Kutikula umgeben,

mit einem oder sehr zahlreichen Kernen, sich durch nicht beschalte

Fortpflanzungskörper, +Sporen+, vermehrend.

1. Ordnung. +Gregarinida.+ Im Darm, Leibeshöhle, Geschlechtsorganen

u. s. w. von wirbellosen Thieren, besonders Arthropoden lebend,

in früheren Jugendstadien amöboid beweglich, später von einer

die Kontraktionen der Leibessubstanz meist ganz einschränkenden

Kutikula umgeben, langgestreckt, oft mit Haftapparaten versehen,

einkernig, nicht selten in zwei Abschnitte gesondert. Vermehrung

stets nach vorhergegangener Konjugation und Encystirung.

2. Ordnung. +Myxosporidia.+ Fast ausschliesslich auf und in Fischen

schmarotzend, selten nackt, gewöhnlich von einer derben Kutikula

umgeben und mit zahlreichen Kernen; ausgezeichnet durch die Bildung

meist geschwänzter, stets mit Polkörperchen versehener Sporen.

(Psorospermien.)

3. Ordnung. +Koccidia.+ Einkernige Parasiten in Epithelzellen

verschiedener Organe, deren Leib nach einer Encystirung, ohne

vorhergehende Konjugation in ungeschwänzte Sporen, denen

Polkörperchen durchweg fehlen, zerfällt; neben Sporen, welche zur

Uebertragung auf andere Wirthe dienen, sollen auch solche zur

Ausbreitung der Parasiten in demselben Wirth gebildet werden.

4. Ordnung. +Sarkosporidia.+ Schlauchförmige, vielkernige Parasiten

in den Muskelfasern der Wirbelthiere, besonders der Säuger, die von

einer zahlreiche Septa in das Körperinnere entsendenden Kutikula

umgeben sind; sie beginnen wie die Myxosporidien die Produktion

von Fortpflanzungskörpern lange vor Erreichung der definitiven

Körpergrösse.

5. Ordnung. +Mikrosporidia.+ Sehr ungenügend bekannte Parasiten

in den Zellen niederer Thiere, besonders der Insekten, welche

ausserordentlich kleine Sporen bilden; ihre Stellung bei den

Sporozoen ist durchaus noch fraglich.

6. Ordnung. +Haemosporidia.+ Einzellige Parasiten der rothen

Blutkörperchen der Wirbelthiere, bei Vögeln und Menschen Malaria

erregend; systematische Stellung ebenfalls noch fraglich.

III. Klasse: =Infusoria=, meist frei im Wasser lebende Protozoen,

die von einer dünnen Membran, selten von einem Panzer umgeben sind

und auf ihrer Körperoberfläche zahlreiche kleinere Wimpern oder

wenige lange Geisseln tragen, an deren Stelle bei einer Gruppe

Saugröhrchen traten; mit kontraktiler Vakuole, meist auch mit Mund-

und Afterstelle.

1. Unterklasse. +Flagellata+ s. Mastigophora: meist kleine

Infusorien mit einer oder mehreren Geisseln, mit kontraktiler

Vakuole und einem Kern.

2. Unterklasse. +Ciliata.+ Mit Wimpern versehene Infusorien,

meist mit kontraktiler Vakuole, Mund und Afterstelle, Haupt- und

Ersatzkern.

3. Unterklasse. +Suktoria.+ Infusorien, die nur in der Jugend

bewimpert sind, und nach Verlust der Wimpern Saugröhrchen bilden,

mit kontraktiler Vakuole und einem Kern; ohne Mund; gewöhnlich

als Ektoparasiten lebend; in der Jugend oft endoparasitisch in

Infusorien.

Aus allen drei Klassen sind Schmarotzer beim Menschen und bei Thieren

bekannt.

Um unnöthige Wiederholungen zu vermeiden, soll die Besprechung im

Wesentlichen unter Berücksichtigung des vorstehenden Systems erfolgen.

+Delage+ und +Hérouard+ haben ihrer Arbeit[17] folgende Eintheilung

zu Grunde gelegt:

I. Klasse: +=Rhizopoden=+.

1. =Unterklasse=: Protomyxiae. +Ordnungen+: Acystosporida,

Azoosporida,

Zoosporida.

2. „ Mycetozoariae. +Ordnungen+: Pseudoplasmodida,

Filoplasmodida,

Labyrinthulida,

Euplasmodida

(Myxomyceten).

3. „ Amoebiae. +Ordnungen+: Gymnamoebida,

Thecamoebida.

4. „ Foraminiferiae. +Ordnungen+: Imperforida,

Perforida.

5. „ Heliozoariae.

6. „ Radiolariae.

II. Klasse: =+Sporozoaria+=.

1. =Unterklasse=: Rhabdogeniae. +Ordnung+: a) Brachycystida

Unterordnung: Gregarinidae

Coccididae

Haemosporidae

Gymnosporidae.

b) Dolychocystida

Unterordnung: Sarcosporidae.

2. „ Amoebogenia. +Ordnungen+: Nematocystida.

Unterordnung: Myxosporidae.

III. Klasse: =+Flagella+=.

1. =Unterklasse=: Euflagelliae. +Ordnungen+: Monadida,

Euglenida,

Phytoflagellida.

2. „ Silicoflagelliae.

3. „ Dinoflagelliae.

4. „ Cystoflagelliae.

IV. Klasse: =+Infusoria+=.

1. =Unterklasse=: Ciliae.

2. „ Tentaculiferiae vel Suctoriae.

I. Klasse: Rhizopoden.

Die +Rhizopoden+ oder auch +Sarkodinen+ sind Protozoen einfachster

Art, deren Leibessubstanz Fortsätze (Pseudopodien) bildet, welche

vorgetrieben und eingezogen werden können und unter Anderem zur

Fortbewegung der Thiere verwerthet werden. Die Rhizopoden besitzen

meistens ein chitinöses, kalkiges oder kieseliges Gehäuse.

Die Rhizopoden werden gegenwärtig in folgende vier +Ordnungen+

eingetheilt: +Amöben+, +Retikularien+, +Heliozoen+ und +Radiolarien+.

Von diesen haben nach den bisherigen Beobachtungen nur die +Amöben+ ein

besonderes medizinisches Interesse.

Die zur Ordnung =Amoebina= gehörigen Protozoen lassen entweder

gar keine besondere Pseudopodienbildung erkennen oder es sind

stumpflappige, fingerförmige Fortsätze nachweisbar. Die Fortpflanzung

erfolgt durch Zweitheilung oder nach Encystirung. Sie bewohnen das

süsse und salzige Wasser.

Hinsichtlich der +Züchtung der Amöben+ oder anderer Protozoen, welche

bei Versuchen über ihre pathogene Wirkung in Betracht kommen kann,

mögen die folgenden Methoden aus der neueren Zeit hier Erwähnung finden.

+Ogata+[18] verimpfte das protozoentragende Material auf eine 2,5

prozentige Traubenzuckerlösung in schmutzigem sterilisirtem Wasser. Als

sich nach 5–6 Tagen auf diesem Nährboden Infusorien nebst Bakterien

entwickelten versuchte er in folgender Weise die einen von den anderen

zu trennen. Er füllte ein 10–20 cm langes Kapillarröhrchen, von 0,3–0,5

mm im Durchmesser, mit jenem genannten Substrat in der Weise, dass

etwa 2 cm des Röhrchens leer blieben. Dann hielt er das obere Ende

des Röhrchens fest mit dem Finger zu, so dass keine Luft eindringen

konnte und tauchte es in das betreffende, Infusorien nebst Bakterien

enthaltende Substrat. War das Röhrchen gefüllt, so lötete +Ogata+ es an

beiden Seiten zu. Schon mit unbewaffnetem Auge und noch besser unter

dem Mikroskop sieht man, wo der sterile und der beschickte Nährboden

einander berühren. Dieser Punkt wird am Glase bezeichnet. Nach 5–30

Minuten wird der Röhrcheninhalt aufs Neue mikroskopisch untersucht.

Es erweist sich alsdann, dass ein oder mehrere Infusorien dem reinen

Nährboden um 1 cm oder mehr näher gerückt sind, wobei die Bakterien

ihnen nicht folgen. +Ogata+ feilte nun den Theil des Röhrchens ab, der

nur Infusorien enthielt und verlötete ihn. Nach einem Monat wurde der

Inhalt des Röhrchenabschnittes untersucht, und es wurden nur Infusorien

darin gefunden. Ihre Bewegungen liessen sich am Besten beobachten, wenn

das Röhrchen in der Hand erwärmt wurde. In derselben Weise vorgehend,

erhielt +Ogata+ noch bessere Infusorienkulturen, wenn er eine 2,5

prozentige Fleischbrühelösung von Traubenzucker (ohne Pepton), mit

Hinzufügung eines 5 prozentigen sterilisirten und nach allgemeinen

Regeln neutralisirten Aufgusses von +Porphyra vulgaris+ verwandte.

Wird der Inhalt jenes Kapillarröhrchens in einen der oben genannten

Nährböden geblasen, so entwickelt sich jenes Infusorium darin in

Reinkultur, wozu Polytoma uvella und Paramecium aurelia verwendet

wurden. Eine Reinkultur von Infusorien, die keine Bakterien enthält,

darf sich nicht vor 7–8 Tagen trüben. Erst nach 4–6 Tagen zeigt sich an

der Oberfläche des Substrates ein Ring, der, mikroskopisch untersucht,

aus Infusorien in Reinkultur bestand. Nach 7–8 Tagen greift die Trübung

des Substrates immer mehr um sich. Alsdann können die Infusorien auf

Gelatine übertragen werden. Man erhält weisse Kulturen, die nach 2–3

Wochen 1 mm gross werden. Gelatinestichkulturen zeigen stärkere

Entwickelung der Infusorien an der Oberfläche, als in der Tiefe.

+C. Miller+[19] ist es nach seinen Angaben gelungen bei 37° C.

Amöbenkulturen in 2–4 proz. wässeriger Bouillonlösung, in ½ proz.

Glycerinlösung mit Hinzufügung eines Stückchens Sehne (etwa 1 ccm

auf ein Glas), in ⅕ prozentiger wässeriger Milchlösung oder in ½

prozentiger Auflösung von Traubenzucker in verdünntem Heuaufguss zu

erhalten. +Miller+ giebt an, einige seiner Kulturen mit gutem Erfolge

25mal übertragen zu haben.

Kurze Zeit vor den Mittheilungen +Miller’s+ hatten +Celli+ und

+Fiocca+[20] berichtet, dass sie schon seit zwei Jahren auf einem

Substrat Amöben züchteten. Jede Amöbe hatte nach ihren Beobachtungen

ein amöboides und ein encystirtes Lebensstadium. Nach den weiteren

Angaben von +Celli+ und +Fiocca+[21] entwickeln sich die Amöben

spärlich auf alkalischer Kartoffel, auf ascitischer Flüssigkeit und auf

Eiweiss; ganz gut und reichlich wachsen sie nur +auf einem Nährboden+,

nämlich auf +Fucus crispus+. Fucus crispus ist eine Seealge. Eine 5

proz. genau alkalisirte Lösung davon in Wasser oder Bouillon ist der

beste Nährboden für Amöben. Bei einiger Uebung kann man dieses Substrat

ohne zu filtriren direkt aus den Kolben auf Platten ausgiessen. Wenn

es sich um Kulturen im hängenden Tropfen handelt, ist es am besten

Fucus crispus ohne Bouillon zu benutzen; der betreffende Nährboden

muss aber durch Hinzufügung von 1 ccm einer 1/10 Normallösung von

Kalilauge oder 1–5 ccm konzentrirter Sodalösung auf jede 10 ccm des

Substrates alkalisirt werden. Auf diese Weise ist es nicht schwer,

gute Amöbenkulturen mit nur geringer Beimischung von Bakterien zu

erhalten. Dagegen ist es nicht leicht, Kulturen der einen oder der

anderen Amöbenspezies allein zu züchten, hauptsächlich, weil gewisse

Arten derselben ausschliesslich in diesem oder jenem Wasser wachsen.

Handelt es sich darum, +verschiedene aus der Erde gezüchtete Amöben von

einander zu isoliren+, so verfuhren die Autoren in folgender Weise:

Mit dem vorhandenen Material werden +Petri+’sche Schälchen aus Fucus

crispus beschickt; man wartet alsdann bis es zur Bildung encystirter

Formen kommt. Diese benutzt man zur Kultur im hängenden Tropfen und

daraus erhält man die einzelnen Amöbenarten, indem man entweder

sich den Umstand zu Nutze macht, dass die eine Spezies die andere

überwuchert, oder die Zeit, die zur Entwickelung der verschiedenen

Formen erforderlich ist, oder indem man die einzelnen Spezies mittels

einer Platinnadel isolirt. Den aus der Erde oder aus Koth gewonnenen

Kulturen gesellen sich gewöhnlich einzelne Infusorien bei, allein diese

gehen nach 1–3maliger Verimpfung zu Grunde und die Amöben sind auf

diese Weise ganz isolirt. +Celli+ und +Fiocca+ empfehlen die Amöben

+ungefärbt+ zu untersuchen, da alle Farbstoffe sowohl bei den amöboiden

als auch bei den encystirten Formen Schrumpfung hervorrufen, wodurch

beide wesentliche Veränderungen erfahren.

Unter Benutzung des erwähnten Züchtungsverfahrens haben +Celli+ und

+Fiocca+ dann Erde aus verschiedenen Gegenden Italiens und Aegyptens,

von Ebenen, Bergen und Niederungen, Lachen und Teichen in malarischen

und in gesunden Gegenden, Brunnen-, Fluss-, See- und Meerwasser,

Kloaken-, Strassen- und Stubenstaub, Heu, Gras, Schleim aus Mund,

Hals, Bronchien, Ohr, Blase, Scheide wie auch den Darminhalt Gesunder

und Kranker, darunter auch Dysenterischer +auf Amöben untersucht+.

Die beiden Autoren haben dann die gefundenen Amöben gezüchtet und,

soweit dieselben bereits in der Wissenschaft bekannt waren, auch mit

den zugehörigen Namen belegt. Andere wurden, je nach der Gestalt,

der Grösse und der Verzweigung der im amöboiden Stadium von ihnen

ausgesandten Pseudopodien bezeichnet. So unterscheiden sie Amoeba

lobosa (Varietas gattula, oblonga, undulans, Amoeba koli Loeschi),

Amoeba spinosa, diaphana, vermikularis et retikularis.

Ueber +Amoeba koli+ machen +Celli+ und +Fiocca+ folgende Angaben:

Sie +fanden+ dieselben in der Erde aus der Nachbarschaft dysenterischer

Fäces, im Wasser aus dem Nilkanal (und seiner Einfassung, von welchem

aus das Wasser nach Alexandrien geleitet wird), im Darm Gesunder und an

Dysenterie und an anderen Krankheiten Leidender.

Im +amöboiden+ Stadium haben sie eine lobuläre Gestalt, d. h. schicken

lobuläre, hyaline, verhältnissmässig zahlreiche Pseudopodien aus; ihre

Bewegungen sind nicht sehr lebhaft, ihre Grösse wechselt zwischen

4-, 8-, 15 µ (nach Loesch -- 35 µ). Sie besitzen ein gleichmässig

feinkörniges Protoplasma, das einen bläschenartigen Kern, und oft auch

eine Vakuole enthält. +Sie pflanzen sich+ durch Theilung +fort+. Im

+Ruhestadium+ hat +Amoeba koli+ einfache Konturen und ein gleichmässig

feinkörniges Protoplasma, im +encystirten Zustande+ jedoch doppelte

Konturen, wobei die innere derselben dicker als die äussere und der

Inhalt des Cystchens feinkörnig ist. Hinsichtlich der +Entwickelung+

konnte festgestellt werden, dass die Amöben nach 12–15 Stunden aus den

Cysten austreten und amöboide Gestalt annehmen; nach 40–48 Stunden

werden einzelne Amöben schon abgerundet und nach 60–65 Stunden sind

bereits alle encystirt oder degenerirt. Bezüglich der +biologischen

Eigenthümlichkeiten+ wurde festgestellt, dass eine Temperatur von 0–15°

die Amöben weder im encystirten noch im amöboiden Zustande tödtet,

weder nach mehreren Stunden noch nach mehreren Tagen; bei 45° C. gehen

sie nach 5 Stunden, bei 50° C. nach einer Stunde zu Grunde, wenn sie

im amöboiden Stadium sind. Die +encystirten+ Formen erhalten sich

sogar bei + 55° C. 4 Tage lang, bei + 60° C. eine Stunde und sogar

bei einstündiger Einwirkung von + 67° C. mehrere Tage nacheinander.

Bei +Sonnenlicht+ leben sie bei + 12–15° C. gegen 270 Stunden. Es

dauert 11–15 Monate ehe sie vertrocknen. Ohne Luftzutritt können

die Amöben nicht fortkommen, werden sie aber nach Ablauf von 4–6

Monaten auf gewöhnlichen Nährboden übertragen, so kommen sie wieder

darauf fort. Erst wenn der Luftzutritt 10 Monate lang abgehalten

wird, gehen sie zu Grunde. Sie sind weit empfindlicher gegen die

Wirkung antiseptischer Mittel, als die Bakterien. Sauren Nährboden

vertragen sie nicht, dafür schadet auch ein Uebermass an Basen ihrer

Entwickelung nicht. Hinsichtlich des +Vorkommens+ der Amöben fanden

sie +Celli+ und +Fiocca+ im Darm bei Fröschen, Hühnern, Lämmern,

Meerschweinchen, Kaninchen und Katzen, darunter bei experimentell an

Katzen hervorgerufener Dysenterie 3mal Amoeba koli. +Beim Menschen+

gelang es diesen Autoren nicht, Amöben bei verschiedenen akuten und

chronischen Leiden der Nase, des Larynx, der Bronchien, der Ohren

und des männlichen urogenitalen Apparates nachzuweisen. Bei Frauen

hingegen wurden in 3 Fällen unter 16 angestellten Untersuchungen im

Urogenitalapparat Amöben gefunden. In der Mundhöhle wurden bei 13

Untersuchungen niemals Amöben gefunden. Im Magen bei 4 Untersuchungen

nur einmal. Im +Kinderdarme+ wurden bei 78 untersuchten Fällen

(darunter 14 gesunde Kinder, 50 Fälle von Darmkatarrh, 5 Fälle von

grüner Diarrhoe, 6 Fälle von blutiger Diarrhoe und 3 von follikulärem

Katarrh) 26mal Amöben gefunden. Bei +Erwachsenen+ wurden unter 111

Untersuchungen 12mal Amöben gefunden, darunter unter 65 Fällen 11mal

bei Dysenteriekranken. +Demnach kommen die Amöben bei Erwachsenen

seltener vor, als bei Kindern.+

Hinsichtlich der +Rolle, welche die Amöben bei der Dysenterie

spielen+, bemerken +Celli+ und +Fiocca+ zunächst am Schlusse ihrer

sehr fleissigen Arbeit, dass sie allerdings bei 54 Dysenteriefällen

23mal Amoeba koli gefunden haben. Davon kommen 14 Fälle auf Aegypten.

Da jedoch bei 8 Dysenteriefällen ausser Amoeba koli auch noch andere

Amöben (Amoeba diaphana, spinosa, lobosa et vermikularis) gezüchtet

werden konnten, so meinen die genannten Autoren, ist erforderlich, ehe

man der Amoeba koli dysenterieerregende Eigenschaften zuerkenne, die

Wirkung anderer Amöben, die bei Stuhluntersuchungen ohne Kulturen ganz

unbemerkt bleiben würden, in dieser Richtung ausschliessen zu können.

Deshalb fehlt es auch nach der Ansicht von +Celli+ und +Fiocca+ bis

jetzt an sicheren experimentellen Beweisen dafür, dass Amoeba koli

allein Dysenterie hervorrufen könne; sie sagen, dass sogar Versuche,

wie Injektionen mit Amoeba koli enthaltenden Fäces in das Rektum und

mit amöbenhaltigem, aber bakterienfreiem Eiter, diese Frage nicht lösen

werden, denn diese Experimente sind vom bakteriologischen Standpunkte

aus nicht rein. +Celli+ und +Fiocca+ haben bei Katzen sogar durch

Injektion dysenterischer Stühle, die vorher bis zu 45–70° C. erhitzt

waren, Dysenterie hervorgerufen. Nach der Meinung dieser Autoren wird

die Dysenterie durch eine virulente Varietät des Bakterium koli, durch

das sog. Bakterium koli dissenterico hervorgerufen. Diesem virulenten

Bakterium beigesellt, werden auch die anderen Bakterien virulent,

wenn auch in geringerem Grade, gehen dieser Eigenschaft aber bei

Ueberimpfungen wieder verlustig, während jene Varietät des Bakterium

koli ihre Virulenz selbst nach zahlreichen Ueberimpfungen nicht

einbüsst.

=Eine andere Art der Züchtung von Amöben als muthmassliche Erreger

der Dysenterie= hat +Schardringer+[22] vorgenommen. +Schardringer+

bereitete sich zunächst einen wässerigen Heuaufguss (30–40 g auf 1

l Wasser) und fügte demselben 1–1½ Proz. Agar hinzu. Um Kulturen zu

erhalten beschickte er zuerst den Heuaufguss mit dem zu untersuchenden

(z. B. mit schmutzigem Wasser) und liess den Aufguss 24 Stunden lang

bei 37° C. stehen. Erst nach Ablauf dieser Zeit injizirte er diesen

befruchteten Heuaufguss in das Kondensationswasser des oben erwähnten

Agars mit Heu und bespülte mit diesem Wasser die Oberfläche des Agars.

Nach einigen Tagen wuchsen darauf, abgesehen von Bakterien, Gebilde,

die den Kolonien grosser Kokken ähnlich waren. Hiermit beschickte er

neue Agarplatten und erhielt bei entsprechender Verdünnung Protozoen

in Reinkultur. Sollen die Kulturen rein sein, so müssen sie zu

wiederholten Malen auf die Oberfläche des Agars mit Heuaufguss gegossen

und erst hierauf auf den flüssigen Nährboden übertragen werden.

Sollten die Amöben aus Stuhlentleerungen gezüchtet werden, wo die

mikroskopische Untersuchung keine Amöben erkennen liess, so verimpfte

+Schardringer+ dieselben auf einen Heuaufguss und übertrug sie erst

nach 3 Tagen, wenn das Mikroskop zahlreiche Amöben darin zeigte,

auf gewöhnliche Gelatineplatten; auf diesen wählte er wiederum die

Stellen, welche nur Amöben enthielten und verimpfte sie wiederholt

auf das Kondensationswasser des obenerwähnten Agars mit Heu. Er

wiederholte diese Ueberimpfung 6mal und erhielt beim letzten Male fast

Reinkulturen der Amöben. Solche Kulturen enthalten stets eine gewisse

Anzahl Bakterien, denn diese befinden sich in den Amöben selbst.

+Schardringer+ hält die von ihm gezüchteten Amöben für identisch mit

Amoeba koli. Ihre Grösse beträgt 15–20 µ. Die encystirten Formen

entwickeln sich am raschesten auf der schrägen Agarfläche. Auch im

kondensirten Agarwasser sieht man fast nur encystirte Amöben. Sie sind

rund oder eckig, haben einen farblosen Saum und enthalten in ihrem

hellbräunlichen Inneren 1–2 Kerne. Sind die Amöben auf kondensirtes

Agarwasser verimpft, so sieht man sie bereits nach zweitägigem Stehen

der Eprouvetten im Thermostaten auf die schräge Agarfläche kriechen

und ⅔ ihrer Höhe bezw. Länge wie mit feinem Sande bedecken. Wird

einer kleiner Theil dieser sandartigen Masse in den hängenden Tropfen

gebracht, so erhält man daraus lebendige sich rasch bewegende Amöben in

Menge. Wird ein solcher hängender Tropfen 3–4mal über der Flamme hin-

und herbewegt, so erhält man in jeder Amöbe einen hellröthlichen Kern

in einer schmalen grünlichen Hülle. +Schardringer+ meint, dass Amoeba

koli nicht so allgemein verbreitet ist, wie Manche glauben. Jedenfalls

hat er bei vielen zu diesem Behufe angestellten Untersuchungen von

Typhusfällen keine Amöben erhalten.

+Weitere Züchtungsversuche+ sind dann noch von +Beijerink+[23] in Delft

und von +Gorini+[24] angestellt worden, jedoch handelt es sich dabei

nicht um Amoeba koli oder um grössere Versuchsreihen. +Beijerink+

benutzte eine wiederholt mit destillirtem Wasser ausgelaugte

Agarschicht und +Gorini+ alkalische Kartoffeln[25].

Als pathogen sind bisher folgende Amöben bekannt:

1. Amoeba koli (Lösch 1875).

Eine genaue Beschreibung dieses bereits im Jahre 1860 von +Lambl beim

Menschen+ beobachteten Parasiten ist zuerst von +Loesch+[26] (1875)

gegeben worden. Es handelt sich dabei um einen 0,008–0,040 mm grossen

mit 1–2 Pseudopodien und ein oder mehreren Vakuolen ausgestatteten

Parasiten. Bisher hat man Amoeba koli beim Menschen vorwiegend bei

Dysenterie und den dabei entstehenden Leberabscessen gefunden und

sie auf Grund von Infektionsversuchen, die besonders _Kartulis_[27]

angestellt hat als =Erzeuger der Dysenterie= hingestellt. Vor

+Kartulis+ hatte +R. Koch+ gelegentlich seiner Cholera-Untersuchungen

in Darmabschnitten von 4 zur Sektion gekommenen Fällen von ägyptischer

Dysenterie Amöben gefunden. Ebenso in Leberabscessen derselben Fälle.

Von anderen Autoren werden jedoch in diesen Fällen Mischinfektionen

mit pathogenen Bakterien angenommen, weil es auch Amöben giebt, die

nicht infektiös sind. Neuerdings haben dann +Quincke+ und +Roos+[28]

zwei Fälle von +Amöben-Enteritis+ beobachtet, welche sie zu weiteren

Versuchen benutzten und auf Grund ihrer Beobachtungen drei beim

Menschen parasitirende Amöbenarten aufgestellt:

[Illustration: Figur 1.

Amoeba koli +Lösch+ im Darmschleim mit Blut- und Eiterkörperchen. (Nach

+Lösch+.)]

1. Amoeba intestini vulgaris, 0,040 mm gross, grob granulirt, weder

für Menschen noch für Katzen pathogen.

2. Amoeba koli mitis, ebenso, aber für den Menschen, nicht jedoch

für Katzen pathogen.

3. Amoeba koli +Lösch+ s. Amoeba koli felis, bis 0,025 mm gross,

fein granulirt, für Mensch und Katze pathogen, bei beiden

Dysenterie hervorrufend.

Da jedoch auch schon +Blanchard+[29] neben Amoeba koli noch Amoeba

intestinalis unterschied, welche von +Sonsino+ und +Kartulis+

gelegentlich ihrer Untersuchungen als Ursache der ägyptischen

Dysenterie gefunden waren, so ist einstweilen die Frage über die

Dickdarmamöben des Menschen als Krankheitserreger noch nicht gelöst.

Durch die Untersuchungsergebnisse von +Grassi+, +Calandruccio+,

+Quincke+ und +Roos+ ist hinsichtlich der Dickdarmamöben des Menschen

bekannt, dass sie sich encystiren und im encystirten Zustande sehr

widerstandsfähig sind. +Calandruccio+[30] zeigte durch einen Versuch an

sich selbst und +Quincke+ und +Roos+ durch Versuche mit Katzen, dass

durch encystirte Amöben Infektionen per os gelingen, während gleiche

Versuche mit beweglichen Amöben negativ ausfielen. Es ist anzunehmen,

wenn auch bisher noch nicht erwiesen, dass die aufgenommenen Amöben

sich im Darm durch Theilung vermehren.

Von weiteren bemerkenswerthen Fällen, in denen Amöben als Ursache der

Dysenterie bezeichnet werden, seien noch erwähnt[31] diejenigen von

+Hlava+, welcher bei 60 Dysenteriefällen in Prag regelmässig Amöben in

den Ausleerungen fand, ferner die Fälle von +Pfeiffer+ in Weimar (bei

einem Kinde) von +Cahn+ bei einem vierjährigen Knaben, von +Manner+

bei einem gleichzeitig mit Leberabscessen komplizirten Falle u. s.

w. In Kiel hat jüngst +Röhrig+[32] einen Fall von Amöben-Enteritis

beschrieben. Es handelt sich um eine 40jährige Arbeiterfrau, welche

unter Erscheinungen einer schweren Pneumonie in die Klinik aufgenommen

wurde und zehn Tage nach der Aufnahme starb. Die Obduktion ergab ausser

einer fibrinös-serösen Pleuritis und Abscessen in der linken Lunge auch

zahlreiche, eigenthümliche Geschwüre im Dickdarm, bei deren näherer

Untersuchung Amöben gefunden wurden. Auch in einer Darmvene wurden die

Amöben gefunden. Zur Erklärung des Befundes nimmt +Röhrig+ an, dass

die Amöben mit der Blutbahn in die Leber, von hier, ohne makroskopisch

hervortretende Erscheinungen zu machen, in die Lunge gelangt sind,

wo sie zur Entstehung der Abscesse Veranlassung gaben. Das schnelle

Umsichgreifen der Lungenaffektion wäre dann auf Bakterienwirkung

und auf Aspiration bereits jauchiger Massen zurückzuführen. „Mit

dem Sputum in die Mundhöhle gelangt, könnten die Parasiten in die

Drüsen eingewandert sein, und von hier aus in derselben Weise wie

im Darm ihre Zerstörung begonnen haben.“ Die Sektion hatte auch

ein gangränescirendes Geschwür am linken Zungenrande und an den

Stimmbändern, sowie starke Schwellung des weichen Gaumens und der

Tonsillen ergeben.

Von anderen Fällen aus neuerer Zeit mögen noch folgende erwähnt sein.

Die Protozoen als Krankheitserreger des Menschen und der Hausthiere Für Ärzte, Thierärzte und Zoologen · 第 1 / 20 段