MARIE: Ruehr mich an, Franz! Ich haett' lieber ein Messer in den Leib
als deine Hand auf meiner. Mein Vater hat mich nit anzugreifen gewagt,
wie ich zehn Jahre alt war, wenn ich ihn ansah.
WOYZECK: Weib! - Nein, es muesste was an dir sein! Jeder Mensch ist
ein Abgrund; es schwindelt einem, wenn man hinabsieht. - Es waere!
Sie geht wie die Unschuld. Nun, Unschuld, du hast ein Zeichen an dir.
Weiss ich's? Weiss ich's? Wer weiss es? - [Er geht.]
Die Wachstube.
[Woyzeck. Andres.]
ANDRES [singt]:
Frau Wirtin hat ne brave Magd,
sie sitzt im Garten Tag und Nacht,
sie sitzt in ihrem Garten ...
WOYZECK: Andres!
ANDRES: Nu?
WOYZECK: Schoen Wetter.
ANDRES: Sonntagswetter - Musik vor der Stadt. Vorhin - sind die
Weibsbilder hinaus; die Mensche dampfe, das geht!
WOYZECK [unruhig]: Tanz, Andres, sie tanze!
ANDRES: Im Roessel und in Sternen.
WOYZECK: Tanz, Tanz!
ANDRES: Meinetwege.
Sitzt in ihrem Garten,
bis dass das Gloecklein zwoelfe schlaegt,
und passt auf die Solda-aten.
WOYZECK: Andres, ich hab' kei Ruh.
ANDRES: Narr!
WOYZECK: Ich muss hinaus. Es dreht sich mir vor den Augen. Tanz, Tanz!
Wird sie heisse Haend habe! Verdammt, Andres!
ANDRES: Was willst du?
WOYZECK: Ich muss fort, muss sehen.
ANDRES: Du Unfried! Wegen dem Mensch?
WOYZECK: Ich muss hinaus, 's is so heiss dahie.