1. Ungebleichter Sulfitzellstoff wird tief violettrot.

2. Gebleichter Sulfitzellstoff nimmt eine weniger starke und

weniger ins Violett spielende rote Färbung an.

3. Ungebleichter Natronzellstoff färbt sich durchschnittlich noch

etwas weniger als gebleichter Sulfitstoff.

4. Gebleichter Natronzellstoff erhält nur einen schwach rötlichen

Schimmer oder färbt sich überhaupt nicht.

Die bei alleiniger Anwendung der Rosanilinlösung nicht mögliche

Unterscheidung von gebleichtem Sulfit- und ungebleichtem

Natronzellstoff läßt sich nach +Klemm+ bewerkstelligen, wenn außerdem

noch die Prüfung mit Malachitgrün vorgenommen wird. Färbt sich der

Zellstoff mit Rosanilinsulfat rot, mit Malachitgrün deutlich grün, so

hat man es mit ungebleichtem Natronzellstoff zu thun; färbt er sich mit

Rosanilinsulfat wohl auch rot, mit Malachitgrün dagegen schwach blau

oder gar nicht, so hat man auf gebleichten Sulfitzellstoff zu schließen.

* * * * *

Unter Zugrundelegung der von +Behrens+[37] für die Unterscheidung

von Gewebefasern vorgeschlagenen Doppelfärbung mit Malachitgrün und

Kongorot kann man die verschiedenen Reinheitsgrade der Zellstoffe

vielleicht noch deutlicher unterscheiden.

Das zu prüfende Material wird durch Kochen mit verdünnter Natronlauge

aufgeschlossen.

Der Faserbrei wird hierauf mit der 15-20fachen Menge einer etwa

½prozentigen Lösung von Malachitgrün in Wasser, die mit einigen

Tropfen Essigsäure angesäuert ist, einige Minuten erwärmt, dann,

nachdem er gut durchgeschüttelt worden ist, auf ein Sieb gebracht und

ausgewaschen, bis das Waschwasser fast farblos abläuft. Schon nach

dieser Vorbehandlung kann man sich oft ein Bild von dem Verholzungsgrad

der Fasern machen. Sind sie stark verholzt, so erscheinen sie stark

grün gefärbt; sind sie nicht oder wenig verholzt, so zeigen sie nur

eine schwache grünliche Färbung.

Zur weiteren Beurteilung wird der mit Malachitgrün behandelte Stoff

in ähnlicher Weise mit einer 15-20fachen Menge wässeriger, etwa

½prozentiger Kongorotlösung, zu der man einige Körnchen Soda fügt,

gefärbt und ausgewaschen, bis das Waschwasser fast farblos abläuft.

Aus dem so behandelten Stoff werden geringe Mengen entnommen und in

Wasser oder Wasser und Glycerin präpariert. Stark verholzte Fasern

erscheinen dann im mikroskopischen Bilde stark grün gefärbt, weniger

verholzte bläulichgrün bis hellgrün und unverholzte Fasern rot.

[37] +H. Behrens+, Mikrochemische Analyse. 1896. S. 52.

Gruppe III: Lumpenfasern.

Baumwolle (Tafel X).

Mit dem Namen Baumwolle bezeichnet man die +Samenhaare+ einiger

Gossypium-Arten (G. indicum, G. barbadense, G. herbaceum u. s. w.).

Diese Haare sind bis zu 5 cm lang, kegelförmig sich nach dem Ende zu

verjüngend, einzellig und ohne Querwände. Die Enden sind stumpf bis

rundlich, werden aber im Papier selten angetroffen. Die Zelle ist

einem Schlauche ähnlich, dessen Höhlung etwa ⅔ des ganzen Durchmessers

ausmacht. Trocknen diese Samenschläuche aus, so klappen die Wände, da

sie wegen ihres schwachen Baues dem Luftdruck nicht widerstehen können,

aufeinander, und die gleichzeitig auftretenden Spannungen der Wandung

veranlassen eine spiralförmige Drehung der Zelle, eine Erscheinung,

die zum leichten Erkennen der Baumwolle wesentlich beiträgt. Fig. 53

gibt ein Bild der +rohen+ Baumwollfaser, an welchem diese Drehung sehr

deutlich zu beobachten ist.

[Illustration: Fig. 53.]

[Illustration: Fig. 54.]

Bei den aus dem +Papier+ stammenden Baumwollfasern oder Faserteilchen

tritt diese Erscheinung seltener und weniger deutlich auf, da man es

immer nur mit verhältnismäßig kurzen Enden zu tun hat.

Indessen ist die Baumwolle, wenn sie gut erhalten ist, auch ohne diese

spiralförmigen Windungen mit keiner der noch folgenden Lumpenfasern

zu verwechseln. Zunächst fehlen der Faser sowohl die dem Leinen und

Hanf eigentümlichen Poren, feine Kanäle, die von der Zellhöhle aus

durch die Wandung nach außen verlaufen, als auch die zahlreichen

knotenartigen Auftreibungen. Ferner zeigt die Zellwand vielfach

eine höchst charakteristische Streifung, die der ganzen Zelle eine

gitterförmige Zeichnung aufprägt (Fig. 54). Allerdings kommen auch

bei dem Nadelholzzellstoff derartig gitterförmig gezeichnete Zellen

vor, indessen ist eine Verwechselung mit diesen schon infolge der

verschiedenen Färbung ausgeschlossen.

[Illustration: Fig. 55.]

Die eigentümliche Streifung in Verbindung mit dem weiten Hohlkanal

der Zelle und das Fehlen von Poren und Knötchen, wie sie den

folgenden beiden Faserarten eigentümlich sind, bilden demnach sichere

Anhaltspunkte zur Erkennung der Baumwolle. Zudem hat sie von den

Lumpenfasern den größten Durchmesser und erscheint durch die Jodlösung

meist etwas dunkeler gefärbt als die Leinen- und Hanffaser.

Es kommt zuweilen vor, daß durch Drehen oder Zusammendrücken der Faser

der Hohlkanal so eng wird, daß er nur als dunkele Linie erscheint

(Fig. 55); man hüte sich davor, in solchen Fällen die Faser mit der

Leinenfaser zu verwechseln.

Leinen (Tafel XI).

Die +Bastzellen+ der Flachspflanze (Linum usitatissimum) sind etwa halb

so dick wie die Haare der Baumwolle, sehr regelmäßig gebaut und spitz

auslaufend. Im Papier allerdings wird man die natürlichen Enden der

Faser sehr selten beobachten, da diese durch den Fabrikationsprozeß

meist stark beschädigt werden (Fig. 56).

[Illustration: Fig. 56.]

[Illustration: Fig. 57.]

Charakteristisch für die Leinenfasern sind die sich oft in sehr kurzen

Entfernungen wiederholenden Verschiebungen der Wand, welche bei der

Verarbeitung der Faser Anlaß zu Knotenbildungen geben. Bei sehr

starker Verdickung werden diese Knoten durch den Fabrikationsprozeß

häufig breitgepreßt, eine Erscheinung, die in manchen Fällen bis zum

vollständigen Bruch der Fasern an der verdickten Stelle führen kann.

Neben diesen Knoten ist der enge Hohlkanal der Zelle für deren

Erkennung von Wichtigkeit. Da die Wände sehr stark sind, so ist das

Lumen meist nur als dunkele Linie zu beobachten. Dabei sind Zellen, bei

denen man diesen Hohlkanal von Anfang bis zu Ende verfolgen könnte,

nicht sehr häufig. Bei vielen, namentlich den schwächeren Fasern, sieht

man mit der früher angegebenen Vergrößerung das Lumen überhaupt nicht;

bei anderen erscheint es auf einer kurzen Strecke, wird dann so eng,

daß es dem Beobachter entschwindet, und kommt eine kurze Strecke weiter

mit großer Deutlichkeit wieder zum Vorschein.

Zugleich ist die Wand der Zelle von zahlreichen Poren durchsetzt, die

von dem Inneren aus nach dem Rande zu verlaufen und als dunkele Linien

erscheinen (Fig. 57).

Die Enden der Fasern sind oft sehr fein und lang ausgefasert (Fig. 56),

eine Eigentümlichkeit, die aber nicht nur, wie oft angegeben wird, dem

Flachs allein eigen ist, sondern auch bei Baumwolle vorkommen kann.

Hanf.

Der anatomische Bau der Hanffaser ist dem des Flachses ungemein

ähnlich, und nur im rohen Zustande oder in groben Garnen kann man

die beiden Fasern, namentlich durch die Quellungserscheinungen in

Kupferoxydammoniak und die Bruchstücke der Oberhaut, mit Sicherheit

voneinander unterscheiden. Im Papier ist die Unterscheidung nicht mehr

möglich; die Quellungserscheinungen lassen im Stich, und Oberhautstücke

sind im Papier nicht mehr vorhanden.

Es treten bei Hanf dieselben knotenartigen Auftreibungen auf wie bei

Flachs, dieselben zerquetschten Knoten und dieselben ausgefaserten

Enden.

Es bleibt daher, wenn man bei einem Papier von Leinenfasern spricht,

die Frage offen, ob es sich nur um Leinen oder Hanf oder um ein Gemenge

beider handelt. Praktisch ist diese Lücke ohne Bedeutung, da die

beiden Fasern an sich als gleichwertig für die Beurteilung des Papiers

anzusehen sind.

Zur Unterscheidung von Leinen und Baumwolle empfiehlt +Wiesner+[38] die

Behandlung der Fasern mit einer Mischung von verdünnter Chromsäure und

Schwefelsäure. Nach kurzer Einwirkungsdauer führt leichter Druck auf

das Deckglas zu einem Zerfall der Fasern. Leinen zerfällt in kurze,

quer abgetrennte Teile („wie wenn man einen Baumstamm durch die Säge in

Klötze zerlegt hätte“), Baumwolle in zahllose kleine Splitter.

Wolle (Tafel XII).

Wollene Lumpen oder Abfälle werden in der Papierfabrikation nur zur

Herstellung einiger Sondererzeugnisse wie Kalanderwalzenpapier,

Schrenzpapier, geringere Sorten Löschpapier, Dachpappe u. a.

verarbeitet. Auch zum Melieren finden geringe Mengen gefärbter

Wollfasern Anwendung.

Die Gegenwart von Wolle in einem Papier verrät sich meist schon durch

das Äußere, insbesondere durch die rauhe Oberfläche. Solche Papiere

dürfen, wie schon Seite 65 erwähnt, nicht mit Natronlauge aufgekocht

werden, weil diese die Wolle löst; man kocht in solchen Fällen nur mit

Wasser.

Das Erkennen der Wolle unter dem Mikroskop bietet keine

Schwierigkeiten; sie weicht in ihrem Bau so sehr von den bisher

besprochenen Fasern ab, daß Verwechselungen ausgeschlossen sind.

Besonders ins Auge fällt die schuppenförmige Zeichnung der Fasern,

hervorgerufen durch die nebeneinander oder dachziegelförmig

übereinander liegenden Hornschuppen; allerdings werden diese Schuppen

bei der Bearbeitung der Lumpen mehr oder weniger entfernt, sie können

streckenweise sogar ganz fehlen.

In der Jod-Jodkaliumlösung erscheint die Wolle leuchtend gelbbraun,

wenn sie ungefärbt in das Papier gelangt ist. War sie ursprünglich

gefärbt, so zeigt sich diese Farbe auch im mikroskopischen Bilde.

Sind, wie meist bei den angeführten Sondererzeugnissen, größere Mengen

Wolle vorhanden, so kann man deren Menge annähernd durch Kochen mit

etwa 5prozentiger Natronlauge bestimmen. Die Wolle geht hierbei in

Lösung. Zu berücksichtigen sind hierbei etwa vorhandene Extraktivstoffe

sowie etwaige Verluste an Füllstoffen beim Auskochen.

Seltener vorkommende Fasern.

Außer den vorgeschilderten Fasern, die in der Papierfabrikation

vorzugsweise zur Verwendung gelangen, sei noch kurz auf einige seltener

vorkommende ausländische Faserstoffe hingewiesen. Teils finden Papiere

aus solchen bei uns vielfach Verwendung (z. B. japanische Papiere),

teils gelangen derartige Fasern bei Verarbeitung von altem Papier,

Abfällen u. s. w. in unsere Papiere. In erster Linie sind hier die

Fasern japanischen Ursprungs zu erwähnen.

Als wichtigstes Rohmaterial zur Herstellung von Papieren dient den

Japanern der Bast der drei Pflanzen

Wickstroemia canescens (Gampi),

Edgeworthia papyrifera (Mitsu-mata oder Dsuiko),

Broussonetia papyrifera (Kodsu).

Wenn man daher von Fasern japanischen Ursprungs spricht, sind in den

meisten Fällen diese drei Arten gemeint, welche in China und Japan in

bedeutender Menge gebaut werden und in ihrem Bast feine, geschmeidige

Fasern von großer Länge und Festigkeit besitzen.

Im mikroskopischen Bilde zeigen die Fasern teils Ähnlichkeit mit

Strohbastfasern und Leinen, teils mit Baumwolle. In Jod-Jodkaliumlösung

färben sie sich schwach gelblich bis braun, in Chlorzinkjodlösung blau

und bläulich-rot.

Eine eingehende Schilderung dieser Fasern unter Beigabe von Abbildungen

ist in den „Mitteilungen aus den technischen Versuchsanstalten“ 1888,

Sonderheft IV, veröffentlicht.

Hier näher darauf einzugehen, erscheint im Hinblick auf das

verhältnismäßig seltene Vorkommen der Fasern und auf den Zweck des

vorliegenden Werkes nicht am Platze.

Als weitere Rohstoffe, die in den Ländern ihrer Erzeugung zur

Anfertigung von Papier dienen, wären vielleicht zu erwähnen das

Bambusrohr, verschiedene Schilfrohrsorten[39], mannigfache Gräser,

Zuckerrohrrückstände u. a. m., deren mikroskopische Merkmale als

Papierfaser zum Teil noch wenig erforscht sind.

* * * * *

Es ist gewiß der berechtigte Wunsch eines jeden Mikroskopikers, bei der

Untersuchung gute Vergleichsproben reinen Materials zur Hand zu haben,

um diese zum Vergleich benutzen zu können. Namentlich für denjenigen

sind solche von Wert, der nicht dauernd mit dem Mikroskop arbeitet, dem

infolgedessen einmal gewonnene Bilder bald wieder aus dem Gedächtnis

entschwinden und der so geradezu gezwungen ist, aus dem Vergleich mit

bekannten Objekten seine Schlüsse zu ziehen.

Leider sind bis jetzt für die mikroskopische Papierprüfung derartige

Präparate, die für eine Vergleichung wirklich wertvoll wären,

nicht geschaffen worden, und es ist fraglich, ob sie überhaupt in

zufriedenstellender Weise geschaffen werden können. Die Gelatine oder

andere ähnliche Einbettmassen, welche zum Präparieren der Fasern

dienen, nehmen den durch die Jodlösung gefärbten Fasern diese Färbung

und damit dem Beobachter einen Anhalt für ihre Unterscheidung, so

daß es ratsam sein dürfte, solche Präparate, die leicht zu Irrtümern

Anlaß geben können, zu vermeiden. Dauerpräparate dieser Art, die für

die Papierprüfung mit Unrecht warm empfohlen werden, haben außerdem

noch oft den Nachteil, daß die Fasern nicht aus Papier, sondern aus

dem unverarbeiteten Rohmaterial entnommen sind. Daß aber die Fasern

vor der Einwirkung der mechanischen Zerstörungsprozesse ein anderes

Bild abgeben als nachher, braucht nach dem Vorgesagten wohl nicht erst

erwähnt zu werden.

Um nun die besprochene Lücke einigermaßen auszufüllen, verfahre man in

folgender Weise: Man koche eine geringe Menge verbürgt reinen Leinen-,

Baumwoll- u. s. w. Papiers in der oben näher angegebenen Weise mit

Natronlauge zu einem Brei. Diesen bringe man in eine gut verschließbare

Flasche und übergieße ihn mit Alkohol; er ist dann gegen Fäulnis

geschützt und unbegrenzt haltbar. Eine Sammlung derartig vorbereiteter

Papierfasern ist ein für den weniger Geübten nicht zu entbehrendes

Hilfsmittel für die Untersuchung, und selbst der mit dem Bau der Fasern

hinlänglich Vertraute wird in schwierigen Fällen gern seine Zuflucht

zu ihnen nehmen. Sie sollten daher auch stets den für Papierprüfung

zusammengestellten Mikroskopen beigegeben werden.[40]

Allerdings ist nicht zu verkennen, daß es sehr große Schwierigkeiten

macht, Papiere zu erhalten, die wirklich nur aus einem einzigen

Rohstoff bestehen; meist finden sich auch bei der sorgfältigsten

Auswahl der Rohstoffe und der saubersten Verarbeitung geringe

Beimengungen anderer Stoffe, die den Beobachter leicht irreführen

können. Besonders aber hüte man sich, aus der handelsüblichen

Bezeichnung eines Papiers einen Schluß auf die zur Herstellung

verwendeten Fasern zu ziehen und etwa zu glauben, daß Hanfpapier aus

Hanf, Leinenpost aus Leinen, Manilapapier aus Manilahanf u. s. w.

bestehen müsse. Derartige Bezeichnungen stehen zu dem Papierrohstoff in

gar keiner Beziehung und verdanken lediglich dem geschäftlichen Verkehr

ihre Entstehung.

[38] +Wiesner+, Die mikroskopische Untersuchung des Papiers. Wien

1887.

[39] Vergl. Ein neuer Rohstoff für die Papierindustrie (Arundo Donax,

Italienisches Pfahlrohr). Mitt. 1895. S. 24.

[40] Die Firma +Schopper-Leipzig+ bringt derartige Proben in Breiform

in den Handel. Die Proben sind in der Versuchsanstalt geprüft

und die Flaschen mit dem Siegel der Anstalt verschlossen.

Verschiedene Mahlungszustände von Papierfasern.

Es ist bekannt, daß eine Reihe von Fasern, unter den Lumpen besonders

die Leinenfasern, je länger sie im Holländer gemahlen werden, um so

mehr in feine Fibrillen zerfallen, so daß es unter Umständen nicht

mehr möglich ist, mit Sicherheit festzustellen, welchen Rohstoffen

die feinsten Teilchen entstammen. Diese weitgehende Mahlung wird

vorzugsweise bei festen Schreibpapieren, bei Zigarettenpapieren u. s.

w. ausgeübt. Man bezeichnet den so erhaltenen Stoff als „schmierig“.

Bei anderen Arten von Papier, z. B. bei Löschpapieren, will man

schmierigen Stoff soviel wie möglich vermeiden, und man mahlt daher so,

daß die Fasern möglichst nur verkürzt, nicht aber ausgefasert werden,

d. h. mit scharfen Messern und bei dünn eingetragenem Stoff; den so

erhaltenen Stoff bezeichnet man als „rösch“.

Diese verschiedenen Mahlungsarten geben naturgemäß den Fasern im

mikroskopischen Bilde ein ganz verschiedenartiges Aussehen. Einige

Beispiele hierfür sind in Tafel XV wiedergegeben, nämlich:

1 Zigarettenpapier,

1 holländisches Banknotenpapier,

2 Photographiepapiere,

3 Normalpapiere der Verwendungsklasse 1,

1 Dokumentenpapier aus ungebleichten Lumpen,

1 Löschpapier,

1 Packpapier.

Die Aufnahmen erfolgten bei einer 25fachen Vergrößerung.

Wenn man den Zustand der Fasern von dem Papier Nr. 1 bis zu dem Nr. 10

verfolgt, so wird man die großen Unterschiede, welche sich darbieten,

nicht verkennen können. Beim Papier Nr. 1 sind die Fasern derartig

vermahlen, daß man kaum noch einzelne gut erhaltene Faserbruchstücke

auffinden kann. Von Papier Nr. 2 gilt fast dasselbe, jedoch finden sich

hier schon mehrere noch bis zu einem gewissen Grade unversehrte Fasern.

Verfolgt man die Papiere weiter, so wird man im großen und ganzen eine

Abnahme feinster Fibrillen und eine Zunahme besser erhaltener Fasern

beobachten können, bis zu dem Papier Nr. 9 und Nr. 10, welche nur noch

in äußerst geringem Grade Zerstörungserscheinungen der Fasern zeigen.

Den Zustand der Fasern in jedem einzelnen Fall zu beschreiben, ist

außerordentlich schwer; das Bild wirkt in diesem Falle besser und ist

genügend aufklärend. Wenn daher von dem Untersuchenden verlangt wird,

er soll den Mahlungszustand der im Papier enthaltenen Fasern angeben,

so dürfte sein Urteil erheblich an Wert gewinnen, wenn der Erklärung

eine mikrophotographische Aufnahme der Fasern beigegeben würde.

Vielleicht könnte man auch durch zahlreiche Aufnahmen Gruppen von

Mahlungszuständen schaffen, gewissermaßen Normalzustände, welche in

geeigneter Weise den Interessenten zugänglich zu machen wären. Man

könnte dann bei Untersuchung von Papier hinsichtlich des Faserzustandes

auf diese Normalien hinweisen und brauchte so nicht jedesmal dem

Untersuchungsbefund eine photographische Abbildung beizufügen. Aus

den hier vorliegenden Beispielen könnte man vielleicht folgende

Zusammenstellung schaffen (S. 93).

Papier| Art des | Stoffzusammen- | Mittlere | Widerstand

Nr. | Papiers | setzung |Reiß-| Deh-| gegen

| | |länge| nung| Zerknittern

| | | m | % |

======+================+===================+=====+=====+===============

2 | Holländisches | Wegen starker | 7275|11,1 |außerordentlich

|Banknotenpapier | Zermahlung nicht | | | groß

| | mit Sicherheit zu | | |

| | ermitteln; | | |

| | wahrscheinlich | | |

| | Leinen | | |

| | | | |

3 | Normal 1[41] | Leinen, Zusatz | 6215| 4,7 | sehr groß

| | Baumwolle; ein | | |

| | Teil der Fasern | | |

| | stark zermahlen | | |

| | | | |

4 |Dokumentenpapier| Leinen, geringe | 8425| 5,6 |außerordentlich

| aus | Mengen Baumwolle | | | groß

| ungebleichten | | | |

| Lumpen | | | |

| | | | |

5 | Normal 1[41] | Leinen, Baumwolle | 6050| 4,2 | sehr groß

| | | | |

6 | Normal 1[41] | Baumwolle, geringe| 6825| 7,2 |außerordentlich

| | Mengen Leinen | | | groß

| | | | |

7 |Photographie- | Leinen, sehr | 2600| 3,8 | gering

| papier | geringe Mengen | | |

| | Baumwolle | | |

| | | | |

8 |Photographie- | Leinen, sehr | 4350| 4,5 | gering

| papier | geringe Mengen | | |

| | Baumwolle | | |

| | | | |

10 | Packpapier | Manilahanf | 6750| 4,5 |außerordentlich

| | | | | groß

Gruppe I. Nr. 1-3;

„ II. „ 4, 5 und 6;

„ III. „ 7 und 8;

„ IV. „ 9 und 10.

Kommt nun ein Papier auf den Zustand der Faser zur Untersuchung, so

könnte man einfach auf Grund des mikroskopischen Bildes unter Hinweis

auf die geschaffenen Normalgruppen erklären, daß das Papier sich im

Mahlungszustand beispielsweise der Gruppe II nähert. Solche Angaben

würden für den Fabrikanten in vielen Fällen von Wert sein.

Mit acht der abgebildeten zehn Papiere sind Festigkeitsversuche

ausgeführt worden, und es wird interessant sein, die hierbei

ermittelten Werte kennen zu lernen (vergl. S. 92).

[41] Die drei Normalpapiere 1 rühren aus drei verschiedenen Fabriken

her.

Feststellung der Mengenverhältnisse der Fasern.

Man ist hierbei, abgesehen von den verholzten Fasern (vergl. S.

100), z. Z. ausschließlich auf das mikroskopische Bild angewiesen;

irgendwelche analytische Verfahren zur Trennung der Fasern sind

nicht bekannt. Deshalb sind die Angaben über die prozentische

Faserzusammensetzung eines Papiers immer nur als +annähernd+ zutreffend

anzusehen. Die Ermittelung kann aber doch so weit sicher gestaltet

werden, daß sie einen praktischen Wert erhält.

Ein Bruchteil der Fasern ist bei den meisten Papieren infolge

mechanischer Einwirkungen während des Fabrikationsprozesses und

infolge von Ähnlichkeiten im anatomischen Bau überhaupt unbestimmbar,

wenigstens soweit es sich um Lumpen handelt. Diese werden auf dem Wege

durch die Papierfabrik von den Messern der Holländer, den Walzen u. s.

w. oft bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Der Bruchteil der auf diese

Weise unkenntlich gemachten Fasern wird demnach abhängen von der Art

der Bearbeitung des Rohmaterials; er wird größer sein bei Papieren,

welche sehr lange gemahlen sind, und geringer bei Papieren, bei denen

dies nicht der Fall war.

Wesentlich günstiger liegen die Verhältnisse bei den Zellstoffen. Die

Art ihrer Herstellung bringt es mit sich, daß bei diesen die einzelnen

Zellen weniger verändert werden als bei den Lumpen, und da sie auch

bei der Verarbeitung zu Papier meist nur einer kurzen mechanischen

Behandlung unterliegen, so finden sie sich im allgemeinen weniger

verletzt im Papier vor. Da sie außerdem selten Neigung zeigen, sich

wie die Lumpen, insbesondere die Leinenfasern, der Länge nach in dünne

Lamellen zu zerfasern, sondern bei einer etwaigen Zertrümmerung meist

in Querstücke zerfallen, so kann man auch den Ursprung der Bruchstücke

besser feststellen als bei Lumpen.

Die Verhältnisse für die Mengenbestimmung von Fasern im Papier an

der Hand des mikroskopischen Bildes liegen also bei Lumpenfasern

ungünstiger als bei den Zellstoffen. Es wird erheblich schwerer

sein, bei einem Lumpenpapier den annähernden Gehalt an Leinen-

und Baumwollfasern festzustellen, als bei einem anderen Papier zu

entscheiden, wie viel Lumpen- und Zellstofffasern es enthält.

Die Verwertung des mikroskopischen Bildes zur Ermittelung der

ungefähren Mengenverhältnisse der einzelnen Fasersorten kann nun auf

zweierlei Weise geschehen; entweder zählt man die Fasern jeder Gattung

unter Beobachtung gewisser noch zu besprechender Punkte zusammen und

vergleicht die so gewonnenen Zahlen oder man vergleicht das Präparat

mit anderen von bekannter Stoffmischung lediglich nach dem Augenschein.

Mit dem Auszählen eines einzigen Bildes ist natürlich nichts getan; es

ist nötig, daß eine große Anzahl von Gesichtsfeldern abgesucht wird,

da man nur dann ein annähernd richtiges Durchschnittsergebnis erwarten

darf. Wenn auch die Stoffmischung infolge der Vorbereitung als sehr

vollkommen angesehen werden kann, so kommt es doch vielfach vor, daß

beispielsweise bei einem aus gleichen Teilen Leinen und Zellstoff

bestehenden Papier in einem Bilde vorwiegend Leinen-, in einem anderen

vorwiegend Zellstofffasern gefunden werden. Diese Schwankungen werden

dann bei Benutzung einer großen Anzahl von Bildern wieder ausgeglichen.

Beim Auszählen der Gesichtsfelder ist es zweckmäßig, den Halbmesser

beziehungsweise Durchmesser des Gesichtsfeldes als Längeneinheit

zu Grunde zu legen, denn einer solchen bedarf es bei der großen

Verschiedenheit in den Längen der einzelnen Faserstücke. Die in einem

Bilde vorhandenen Bruchstücke von Fasern, welche kürzer als die

gewählte Einheit sind, müssen als Bruchteile derselben geschätzt und

dann verrechnet werden.

Die durch das Auszählen gewonnenen Zahlen -- nehmen wir an, es seien

Durchschnittswerte aus 50 Zählungen -- können zur prozentualen

Berechnung der Fasern ohne weiteres nur dann verwendet werden, wenn die

Annahme gerechtfertigt ist, daß gleiche Faserlängen der in Betracht

kommenden Stoffe auch gleich schwer sind. Wenn diese Voraussetzung

beispielsweise bei Leinen und Baumwolle zuträfe, so bestände ein

aus diesen Stoffen gefertigtes Papier, wenn in dem Gesichtsfelde im

Durchschnitt gefunden worden sind

Leinenfasern 7,

Baumwollfasern 5,

ohne Berücksichtigung der unbestimmbaren Fasern und der Füllstoffe

ungefähr aus

58% Leinenfasern und

42% Baumwollfasern.

Daß diese Voraussetzung aber nicht für alle Fasern zutreffen wird,

zeigt sich an dem anatomischen Bau der Fasern. Ein Beispiel soll dies

noch näher erläutern.

Ein Ganzstoff wurde aus genau 50% leinenen Fasern und 50% Holzzellstoff

erzeugt, und es wurden in 100 verschiedenen Gesichtsfeldern die

einzelnen Fasern gezählt; im Mittel wurden gefunden 43,7% Längen

Leinenfasern und 56,3% Längen Holzzellstoff.

Um auf die wahren Verhältnisse zu kommen, müßte man daher die

gefundenen Werte noch mit Koeffizienten multiplizieren, deren Größe

für die einzelnen Faserarten durch Auszählen einer großen Reihe von

Stoffmischungen zwar bestimmt werden könnte, die aber immerhin von

geringem praktischem Wert bleiben würden, weil die Methode allzu

umständlich werden würde und trotzdem noch erhebliche Unsicherheiten

bestehen blieben. Insbesondere ist für das Auszählen der Präparate ein

außerordentlich großer Zeitaufwand erforderlich.

Bei einem Gehalt des Papiers an Strohzellstoff kommt ferner hinzu, daß

es noch schwerer als im angeführten Beispiel, wenn nicht gar unmöglich

ist, die mannigfachen, so verschieden gestalteten Fasern des Strohes

(Oberhautzellen, Parenchymzellen, Gefäße, Sklerenchymzellen u. s. w.)

auf eine Längeneinheit zu bringen.

Diese Erwägungen lassen es zweckmäßig erscheinen, auf eine

Auszählung der Fasern des Bildes zu verzichten und den Versuch der

Mengenbestimmung der einzelnen Fasersorten auf dem zweiten der oben

angegebenen Wege, nämlich dem der Schätzung, zu unternehmen.

Man muß sich hierbei zunächst klar darüber sein, worauf man die zu

machenden prozentischen Angaben beziehen will, ob auf das Papier als

solches, d. h. unter Berücksichtigung der etwa vorhandenen Füllstoffe,

oder nur auf das vorhandene Fasermaterial. Die nachfolgenden Angaben

beziehen sich nur auf den letzteren Fall.

Um dem Auge in der Abschätzung des mikroskopischen Bildes Übung zu

verschaffen, ist es erforderlich, zunächst mit Stoffen bekannter

Zusammensetzung zu arbeiten; da man auch später Vergleichsmischungen

stets zur Hand haben muß, um in Zweifelsfällen einen sicheren Anhalt

zu haben, so ist es zweckmäßig, diese Mischungen ein für allemal

anzufertigen und dauernd aufzubewahren; es handelt sich hierbei nicht

um fertige Dauerpräparate gewöhnlicher Art, sondern um Stoffmischungen,

welche, wie schon Seite 90 erwähnt, in Flaschen unter Alkohol

aufbewahrt und von welchen in jedem einzelnen Bedarfsfalle frische

Präparate angefertigt werden.

Man schätzt zunächst bei schwacher Vergrößerung die Gruppen ab und dann

bei stärkerer die einzelnen Faserarten.

Dadurch, daß infolge der Färbung mit den Jodlösungen die Fasern

gruppenweise auseinander gehalten werden, wird dem Auge das Schätzen

wesentlich erleichtert, und die Erfahrung hat gezeigt, daß bei

gehöriger Übung seitens des Untersuchenden die auf diese Weise

gefundenen Werte den wirklichen Verhältnissen +annähernd+ entsprechen.

Von großem Wert ist es natürlich, wenn die Schätzungen von mehreren

Beobachtern vorgenommen und aus den geschätzten Prozentsätzen die

Mittel gebildet werden.

Nachweis von Holzschliff und anderen verholzten Fasern.

Bei der Besprechung der mikroskopischen Prüfung wurde darauf

hingewiesen, mit Hilfe welcher Merkmale man den Holzschliff durch das

Mikroskop nachweisen kann. Einfacher als dort angegeben gestaltet sich

der Nachweis, wenn es sich nur darum handelt, das Vorhandensein von

verholzten Fasern überhaupt festzustellen. Wir besitzen eine große

Anzahl chemischer Verbindungen, die mit denjenigen Bestandteilen des

Holzes, die man kurzweg als +Holzsubstanz+ bezeichnet, mehr oder minder

starke, leicht und schnell zu erzeugende Färbungen geben.

Da die verholzten Fasern und insbesondere der Holzschliff als Feinde

jedes für lange Aufbewahrung bestimmten Papiers betrachtet werden

müssen, so ist es von besonderer Wichtigkeit, Mittel zu besitzen, die

schnell und leicht Aufschluß über das Vorhandensein dieser Fasern geben.

Von den Reagentien, die zum Nachweis verholzter Fasern empfohlen

werden, sollen hier nur einige besprochen werden, mit Hilfe deren der

Nachweis am schärfsten gelingt und welche daher auch am häufigsten

angewendet werden, nämlich:

+Schwefelsaures Anilin+ (+Anilinsulfat+),

+Phloroglucin-Salzsäure+ und

+Dimethyl-paraphenylen-diamin+.[42]

Die Reaktion mit schwefelsaurem Anilin (Anilinsulfat).

Man löst etwa 5 g schwefelsaures Anilin in 50 g destilliertem Wasser;

das Salz löst sich bei einigem Umschütteln ziemlich leicht und

man erhält eine klare, farblose Flüssigkeit, welche jedoch nicht

lichtbeständig ist, sondern sich ziemlich leicht zersetzt, wobei sie

eine violette Färbung annimmt; trotzdem reagiert sie auch während der

Zersetzung noch auf Holzschliff. Die Färbung, welche die Lösung von

Anilinsulfat auf holzschliffhaltigem Papier hervorbringt, ist eine sehr

schön hellgelbe.

Die Phloroglucin-Reaktion.

Diese von +Wiesner+[43] entdeckte Reaktion für verholzte Zellen ist

wohl die empfindlichste von allen und zugleich die farbenprächtigste.

Zur Herstellung der Lösung verfährt man in folgender Weise: Man löst

1 g Phloroglucin in 50 ccm Alkohol und fügt etwa 25 ccm konzentrierte

Salzsäure hinzu; es entsteht eine schwach gelb gefärbte Flüssigkeit,

welche sich allmählich durch den Einfluß der Luft und des Lichtes

zersetzt; man tut daher gut, sich nie größere Mengen herzustellen, da

eine frisch bereitete Lösung schneller und schärfer wirkt als eine

schon in Zersetzung übergegangene.

Die Färbung, welche diese Lösung auf holzhaltigem Papier hervorbringt,

ist sehr schön rot, und aus diesem Grunde ist die Phloroglucinlösung

der oben besprochenen vorzuziehen, weil diese beispielsweise bei gelben

Papieren keine so deutliche Reaktion veranlaßt als jene.

Man lasse bei der Untersuchung auf verholzte Fasern mittels

Phloroglucin nicht außer acht, daß es gewisse Farbstoffe gibt,

welche sich, wie das in der Papierfabrikation vielfach verwendete

Metanilgelb, unter dem Einfluß freier Säuren ebenfalls rot färben und

daher möglicherweise zu der Annahme führen könnten, man hätte es mit

verholzten Fasern zu tun.

Die Art und Weise des Auftretens der Reaktion ist aber anders als beim

Holzschliff. Bringt man Phloroglucin auf holzschliffhaltiges Papier,

so entsteht ganz allmählich eine an Tiefe zunehmende Rotfärbung,

wobei einzelne dickere Fasern besonders hervortreten und durch ihre

dunklere Färbung auffallen. Ist indessen kein Holzschliff, sondern

nur Metanilgelb vorhanden, so entsteht der Fleck ziemlich plötzlich;

das Papier erscheint ganz gleichmäßig gefärbt und es sind keine

einzelnen Fasern durch besonders hervortretende Färbung sichtbar; der

Fleck verblaßt in wenigen Minuten und umgibt sich mit einem violetten

Hof, während Holzschliffflecken erst nach längerer Zeit und ganz

allmählich verblassen und sich hierbei nicht mit einem Hof umgeben.

Sollten trotzdem noch Zweifel auftauchen, so befeuchte man das zu

untersuchende Papier mit verdünnter Salzsäure allein; entsteht auch

jetzt die Rotfärbung, so ist ein Farbstoff vorhanden, entsteht sie

nicht, so handelt es sich um Holzschliff.

Papierprüfung: Eine Anleitung zum Untersuchen von Papier · 第 46 / 90 题