Wursters Reaktion mit Dimethyl-paraphenylen-diamin.[44]

Das Reagens gelangt entweder in Lösung oder in Form von Filtrierpapier,

das mit der Lösung getränkt ist, zur Anwendung; der Kürze wegen

bezeichnet der Entdecker die Mittel mit Di-Lösung und Di-Papier.

Bei Anwendung der Lösung bringt man diese durch Auftropfen oder mit

Hilfe eines Pinsels auf das zu untersuchende Papier. Bei Gegenwart von

verholzten Fasern entsteht nach einiger Zeit ein orangeroter Fleck.

Dieser Fleck wird mit Wasser befeuchtet und erscheint dann karmoisinrot.

Verwendet man statt der Lösung das Papier, so benetzt man es vor

dem Versuch mit einigen Tropfen Wasser, faltet es einmal zusammen

und bringt es unter Druck zwischen das zusammengelegte zu prüfende

Papier. Ist letzteres unter dem Reagenspapier durchfeuchtet, so wird

diese Stelle mit Wasser benetzt, und es entsteht dann ebenfalls eine

karmoisinrote Färbung.

Lösung und Papier sind von der chemischen Fabrik von Dr. Theodor

+Schuchardt+ in Görlitz zu beziehen.

Hat man mit Hilfe einer der geschilderten Reaktionen verholzte Fasern

nachgewiesen, so kann die weitere Frage, welcher Art die Fasern

sind, ob es sich insbesondere um Holzschliff handelt, nur durch eine

mikroskopische Untersuchung beantwortet werden.

In Frage kommen von anderen verholzten Fasern hauptsächlich nicht

völlig aufgeschlossener Zellstoff, ungebleichte Jute und Adansonia,

deren Erkennen auf Grund der Angaben Seite 71 u. 80 ermöglicht wird.

Über die Unterscheidung von Holzschliff und nicht völlig

aufgeschlossenem Holzzellstoff sei noch folgendes bemerkt.

+Holzschliff+ zeigt infolge des Schleifprozesses nur Bruchstücke von

Zellen oder Zellgruppen. Besonders ins Auge fallen die Holzzellen mit

Tüpfeln und die gitterförmigen Markstrahlzellen. Natürliche Enden sind

nicht oder nur selten zu beobachten.

+Holzzellstoff+ zeigt infolge des Aufschließens auf chemischem Wege

einzelne Zellen und Bruchstücke solcher; natürliche Enden der Faser

sind in großer Anzahl vorhanden. Die gitterförmigen Markstrahlzellen

fehlen in den meisten Fällen.

Hiermit sind genug Anhaltspunkte gegeben, um Holzschliff und nicht

völlig aufgeschlossenen Holzzellstoff voneinander zu unterscheiden.

[42] In +Müllers+ Abhandlung „+Die Bestimmung des Holzschliffes im

Papier+“ findet sich Seite 10 eine ausführlichere

Zusammenstellung von Holzschliffreagentien, die aufzuzählen hier

zu weit führen würde.

[43] +Dingler+, Polytechnisches Journal 1878, S. 397.

[44] Dr. +C. Wurster+, Die neuen Reagentien auf Holzschliff und

verholzte Pflanzenteile. 1900.

Die Bestimmung der Menge des Holzschliffes.

Bekanntlich fehlt es zur Zeit noch an Verfahren, den Holzschliff eines

Papiers in wägbarer Form abzuscheiden und so seine genaue quantitative

Feststellung zu ermöglichen; ob dies jemals gelingen wird, erscheint

zweifelhaft und dürfte auch im allgemeinen nicht von großer Bedeutung

sein. Wenn für eine Papiersorte überhaupt Holzschliff zugelassen ist,

wird es sicher in den meisten Fällen ohne ernste Bedeutung sein, ob 5%

mehr oder weniger vorhanden sind. Nur in Streitfällen wäre ein genaues

Bestimmungsverfahren von Wert.

Die bis jetzt zur Bestimmung der Holzschliffmenge eines Papiers

gemachten Vorschläge sind zweierlei Art; einmal soll der Gehalt auf

kolorimetrischem Wege und im zweiten Falle durch ein analytisches

Verfahren ermittelt werden.

+Gädicke+[45] stellt sich durch Vermischen von Holzschliff und

schwedischem Filtrierpapier in verschiedenen Verhältnissen Papiere

von 10, 20, 30, 40, 50 u. s. w. % Holzschliffgehalt her, die er durch

schwefelsaures Anilin gelb färbt. Die verschiedenen Farbtöne, welche

je einen Holzschliffgehalt darstellen, werden als Deckfarbe aus

geeigneten Farbstoffen gemischt und auf Papier aufgetragen; auf diese

Weise entsteht eine Tabelle, aus welcher man die Menge des im Papier

enthaltenen Holzschliffes annähernd entnehmen kann, sobald man es mit

Anilinsulfat gefärbt hat; vorausgesetzt wird hierbei natürlich, daß

stets mit Lösungen von gleicher Konzentration gearbeitet wird.

Dr. +Wurster+[46] verwendet das bereits erwähnte Di-Papier. Dieses

Di-Papier wird mit 1-2 Tropfen Wasser befeuchtet und, in der Mitte

zusammengelegt, zwischen das zu prüfende Papier gebracht. Ist letzteres

unter dem Reagenspapier durchfeuchtet, so wird diese Stelle mit viel

Wasser benetzt. Enthält das Papier Holzschliff, so tritt Rotfärbung

ein, und an dem Grad der Färbung des mit Filtrierpapier abgedrückten

aber noch feuchten Fleckes kann der Gehalt an geschliffenem Holz

annäherungsweise bestimmt werden. Dem Di-Papier wird nämlich eine

Farbentafel beigegeben, auf welche zehn verschiedene rote Farbtöne

aufgetragen sind, deren jeder einem bestimmten Holzschliffgehalt

entspricht. Hat man also das holzschliffhaltige Papier mit Hilfe des

Di-Papiers gefärbt, so sucht man auf der Tafel den Farbton aus, welcher

der erhaltenen Färbung am meisten entspricht. Die Zahl, welche sich auf

der Tafel befindet, gestattet die Bestimmung des Prozentgehaltes an

Holzschliff mit Hilfe der Gebrauchsanweisung, welche beigegeben ist.

Die Verfahren von Dr. A. +Müller+[47] (Behandlung des Papiers mit

Kupferoxydammoniak) und von +Godeffroy und Coulon+[48] (Behandlung des

Papiers mit Goldchloridlösung) haben sich bei genauer Prüfung nicht als

brauchbar erwiesen.

+Prof. Rudolf Benedikt und Max Bamberger+[49] wiesen an der Hand der

S. +Zeisel+schen Methoxylbestimmungsmethode nach, daß dem Lignin

(Holzsubstanz) eine ziemlich hohe Methylzahl zukommt; man versteht

unter Methylzahl diejenige Methylmenge in Zehntelprozenten, welche

sich beim Kochen der Substanz mit Jodwasserstoffsäure in Form von

Jodmethyl abspaltet. Die verschiedenen Holzarten verhalten sich hierbei

verschieden; es wurde im Mittel gefunden für Fichte die Methylzahl

22,6, Tanne 24,5, Aspe 22,6. Da man mit Hilfe des Mikroskopes

feststellen kann, welcher Art das in einem Papier vorhandene Holz ist,

so kann man dadurch ermitteln, welche Methylzahl man den Bestimmungen

zu Grunde legen muß.

Bei der Untersuchung auf diejenigen Bestandteile des Holzes, welche

Methoxylgruppen enthalten und demgemäß die Abspaltung des Jodmethyls

veranlassen, ergab sich, daß hierbei nur jene Teile des Holzes in Frage

kommen, die man mit dem Namen Lignin bezeichnet.

Reine Cellulose, gereinigte Baumwolle, Filtrierpapier liefern kein

Jodmethyl; die mit Wasser, Alkohol und Äther extrahierten Hölzer

liefern nach der Extraktion dieselbe Methylzahl wie vorher.

Die Ausführung der Bestimmung der Methylzahl muß mit großer Sorgfalt

geschehen, da ein Fehler von nur einer Einheit in der Methylzahl den

Holzschliffgehalt schon um 5% falsch finden läßt. Nicht ausführbar

ist die Bestimmung der Methylzahl für Holz in einem Papier, welches

Gips oder Baryumsulfat enthält, da ein größerer Schwefelgehalt die

Methylzahl durch Bildung von Merkaptan herabdrückt.

In der Versuchsanstalt wird die +annähernde+ Bestimmung der Menge des

vorhandenen Holzschliffes u. a. auch in folgender Weise ausgeführt.

Das Verfahren ist wie das von +Gaedicke+ und Dr. +Wurster+ ein

kolorimetrisches, unterscheidet sich jedoch von den beiden genannten

dadurch, daß zum Vergleich nicht ein künstlicher Farbton, sondern die

Färbung, welche irgend ein Holzschliffreagens mit Holzschliff erzeugt,

direkt benützt wird.

Erforderlich zur Ausführung der Prüfung sind die nachfolgenden

Gegenstände.

Papierprüfung: Eine Anleitung zum Untersuchen von Papier · 第 47 / 90 题