Für die Untersuchung der Fasern empfiehlt sich eine etwa 150fache
lineare Vergrößerung; man erkennt zwar viele Fasern schon bei einer
geringeren Vergrößerung, aber die Feinheiten des Faserbaues gehen
hierbei verloren. In der Versuchsanstalt wird mit +Zeiß+schen
Mikroskopen, gewöhnlich mit dem Okular Nr. 2 und dem Objektiv D,
gearbeitet. Diese Zusammenstellung entspricht ungefähr einer 150fachen
Vergrößerung, die für die Unterscheidung der Fasern meist ausreicht und
sich sehr gut bewährt hat.
Will man sich einen Überblick über die Menge der verschiedenen
Faserarten verschaffen, so wählt man eine geringere, etwa 50fache
Vergrößerung, damit eine größere Fläche auf einmal übersehen werden
kann.
Unterscheidungsmerkmale der in der Tabelle Seite 66 aufgeführten
Fasern.[33]
Gruppe I: Verholzte Fasern.
Holzschliff[34] (Tafel I).
Zur Herstellung von Holzschliff werden vorzugsweise Nadelhölzer (Pinus
Picea Fichte, P. sylvestris Kiefer, P. Abies Weißtanne und auch wohl P.
Larix Lärche) verwendet.
Der anatomische Bau aller zu den Nadelhölzern gehörigen Arten ist sehr
gleichartig und deshalb die auf geringe Verschiedenheiten in dem Bau
der Markstrahlzellen gestützte Unterscheidung oft recht schwierig.
Bei der Papierprüfung hat diese Unterscheidung im allgemeinen wenig
Wert, und es soll daher, um den Stoff nicht unnütz zu erschweren
und zu erweitern, auf die anatomischen Verschiedenheiten der
einzelnen Koniferenarten nicht eingegangen werden. In +Wiesners+
Technischer Mikroskopie und in ähnlichen Werken kann man die
Unterscheidungsmerkmale finden.
[Illustration: Fig. 32.]
[Illustration: Fig. 33.]
Diejenigen Zellen nun, die dem Beobachter sofort auffallen und die am
zahlreichsten vertreten sind, sind die sogenannten +Holzzellen+,
teils dick- teils dünnwandige Zellen, die durch die Tüpfel oder
behöften Poren sehr charakteristisch gekennzeichnet sind. Die Tüpfel
erscheinen, von der Fläche aus gesehen, meist als zwei konzentrische
Kreise, wie dies aus Fig. 32, die eine schematische Darstellung dieser
Tüpfel, a) von der Fläche gesehen, b) in Seitenansicht, zeigt, deutlich
zu ersehen ist. Ansicht b) wird man indessen bei Untersuchungen selten
wahrnehmen. Die Tüpfel erscheinen mehr oder weniger elliptisch geformt
und zur Längsachse der Zelle schief gestellt.
[Illustration: Fig. 34.]
Wenn auch ein großer Teil der Holzzellen beim Schleifen des Holzes
zertrümmert wird (Fig. 33), so kommen doch auch noch viele gut
erhaltene im Papier vor, an denen man diese Tüpfel deutlich wahrnehmen
kann (Fig. 34).
[Illustration: Fig. 35.]
Neben diesen Holzzellen sind jedoch noch andere vorhanden, die sich
ebenso vorzüglich zur Erkennung des Holzschliffes eignen, nämlich die
+Markstrahlzellen+, welche im Stamme von der Mitte aus sternförmig nach
außen verlaufen und durch ihr gitterförmiges Gefüge auffallen.
Fig. 35 zeigt derartige Markstrahlzellen, wie sie über darunter
liegende Holzzellen fortlaufen.
Außer den Nadelhölzern werden auch in geringem Umfange Laubhölzer,
wie Birke, Pappel u. a., verschliffen. Zur Erkennung dieser
Laubholzschliffe wird auf das S. 73-75 bei Besprechung der Zellstoffe
aus diesen Hölzern Gesagte verwiesen.
Jute (Tafel II).
Was man unter dem Namen Jute namentlich zur Herstellung von Packpapier,
Zuckerpapier, Briefumschlagpapier, sogenanntem Manilapapier u. s. w.
verwendet, sind die Bastzellen mehrerer ostindischer Pflanzenarten
(Corchorus olitorius, C. capsularis, C. fuscus, C. decemangulatus u.
a.). Sie lassen sich schwer bleichen und finden deswegen für feine
Papiere keine Verwendung.
Die charakteristische Eigentümlichkeit der +Bastfasern+ dieser
Pflanzen besteht darin, daß die Wandstärke der Zellen an verschiedenen
Stellen verschieden ist und oft schon im Bereich des mikroskopischen
Bildes stark wechselt. Zuweilen ist die Wand sehr dünn, dann wird sie
mehr oder minder plötzlich dicker und verdickt sich oft so sehr, daß
die Höhlung der Zelle nur noch als eine dünne Linie erscheint oder auf
kurze Strecken vollständig verschwindet, um eine kurze Strecke weiter
dieselben Wandlungen von neuem durchzumachen (Fig. 36).
[Illustration: Fig. 36.]
Man darf indessen nicht erwarten, daß jede Zelle diese Merkmale so
auffallend zeigt wie eben geschildert; an manchen sind sie schwer
aufzufinden, und man muß die Zelle erst unter dem Mikroskop verfolgen,
um Verschiedenheiten in der Wandstärke zu entdecken.
Stellenweise zeigen die Fasern Poren und ganz ähnliche Verdickungen
(Knoten), wie wir sie später bei der Leinenfaser regelmäßig antreffen
werden; diese Knoten heben sich in Jod-Jodkaliumlösung durch ihre in
ein mehr oder weniger gelbes Braun übergehende Färbung deutlich gegen
die anderen Teile der Zelle ab.
Häufig kommt es vor, daß man die Jutefasern noch zu ganzen Bündeln
vereinigt in dem mikroskopischen Bilde erblickt (Tafel II). Zur
Erkennung des anatomischen Baues sind solche Bündel wenig geeignet,
weil meist eine Zelle die andere verdeckt.
Hinsichtlich der charakteristischen Merkmale von Strohstoff und
schlecht aufgeschlossenem Holzzellstoff wird auf S. 76 u. 99 verwiesen.
[33] Die Angaben über die Färbung in Jod-Jodkalium- und
Chlorzinkjodlösung sollen bei Besprechung der einzelnen Fasern
nicht wiederholt werden; es wird hierzu auf die Tabelle S. 66
verwiesen.
[34] Den Namen „Holzstoff“ für Holzschliff sollte man vermeiden, da
er als solcher angewendet ungenau und mit dem Vermerk
„+mechanisch zubereitet+“ versehen etwas umständlich ist.
Gruppe II: Zellstoffe.
Nadelholzzellstoff (Tafel III).
Für das Erkennen des Nadelholzzellstoffes unter dem Mikroskop gilt
natürlich im allgemeinen das vorher beim Holzschliff Gesagte; man
erkennt ihn an den behöften Poren oder Tüpfeln der Holzzellen. Jedoch
ist zu bemerken, daß das Gefüge der Zellen infolge des voraufgegangenen
Kochprozesses weniger deutlich hervortritt als beim Holzschliff. Häufig
ist man nicht im stande, die beiden konzentrischen Kreise der Poren
genau wahrzunehmen; die Tüpfel erscheinen dann mehr wie kreisförmige
oder elliptisch geformte helle Stellen auf den Zellwänden. Ferner
fehlen meist die charakteristischen Markstrahlzellen, die nur in
seltenen Fällen und auch dann nur höchst undeutlich zu erkennen sind.
Neben den behöften Poren zeigen die Fasern große einfache Poren (Fig.
37), die im Gegensatz zu den ersteren durch den Kochprozeß weit klarer
sichtbar werden.
[Illustration: Fig. 37.]
[Illustration: Fig. 38.]
Bei nicht völlig aufgeschlossenem Zellstoff kommt es vielfach vor,
daß die Fasern eine schwach gelbliche Färbung aufweisen. Dies beruht
darauf, daß man es nicht mit vollkommen reinem Zellstoff, sondern mit
Zellen zu thun hat, die noch, wenn auch in ganz geringem Maße, verholzt
sind. Es kann bei einem solchen Material, wenn man es makroskopisch mit
Phloroglucin behandelt, vorkommen, daß man infolge der auftretenden
Rotfärbung glaubt, es mit Holzschliff zu tun zu haben.
Auf die Verschiedenheiten der von verschiedenen Nadelhölzern
herrührenden Zellstoffe soll hier nicht näher eingegangen werden; es
sei um so mehr auf das hierüber beim Holzschliff Gesagte verwiesen, als
die Unterscheidungsmerkmale hier noch weniger deutlich hervortreten als
beim geschliffenen Holz.
Die meisten Zellstoffe dürften wohl von der Fichte herrühren, die sich
wegen ihres geringen Harzgehaltes am besten zur Fabrikation eignet.
Auf eine Eigentümlichkeit sei noch besonders hingewiesen; es treten bei
manchen Holzzellstofffasern Erscheinungen auf, wie sie der Baumwolle
eigen sind, nämlich spiralförmige Windungen der Zelle und gitterförmige
Streifung der Zellwände (Fig. 38). Verwechselung mit Baumwolle ist
indessen bei einiger Übung ausgeschlossen.
Laubholzzellstoff.
Die Fasern der Laubhölzer bieten nicht so charakteristische und leicht
auffindbare Merkmale dar wie die der Nadelhölzer. Die +Holzzellen+
sind meist dünnwandig, die breiteren sparsam mit Poren versehen, die
eine scharf begrenzte mandelförmige, seltener rundliche Gestalt haben
und zur Längsachse der Zelle schief gestellt sind.
Bemerkenswert sind bei den Laubhölzern die zahlreichen röhrenartigen
+Gefäße+, die einen größeren Porenreichtum aufweisen und zur
Unterscheidung der einzelnen Holzarten einen Anhalt geben.
Birkenholzzellstoff (Tafel IV).
Die +Holzzellen+ der Birke sind oft sehr dünnwandig; die dickwandigen
sind den Bastzellen des Strohes nicht unähnlich.
[Illustration: Fig. 39.]
Die dünnwandigen Zellen tragen vielfach einfache mandelförmige
Poren, deren Längsachsen teilweise parallel, teilweise schief zur
Zellrichtung verlaufen (Fig. 39); zuweilen nehmen die Poren auch eine
mehr oder weniger rundliche Gestalt an. Die Enden der Zellen sind sehr
mannigfaltig, teilweise sehr spitz, teilweise abgestumpft bis rund.
Die +Gefäße+, die oft noch vollständig und sehr schön erhalten
im Papier vorkommen, sind mit einer großen Anzahl einfacher
schlitzförmiger Poren versehen, die senkrecht zur Längsachse des
Gefäßes gestellt sind. Diese Poren sind zuweilen über das Gefäß
gleichmäßig verteilt (Fig. 40).
[Illustration: Fig. 40.]
An den Enden sieht man die gitterförmig durchbrochenen Querwände der
Gefäße sehr schön. Der Gefäßreichtum ist bei der Birke sehr groß.
Der Birkenzellstoff gibt zwar ein sehr schön weißes, aber wenig festes
und dehnbares Papier und wird wohl nur in Ländern hergestellt, wo es an
anderen Holzarten, namentlich an Nadelhölzern, fehlt.
Pappelholzzellstoff (Tafel V).
Zur Herstellung dürfte vorzugsweise das Holz der Zitterpappel (Populus
tremula) und der Weißpappel (P. alba) Verwendung finden. Unter den
Laubhölzern liefern diese beiden Hölzer den zur Bereitung von Papier
geeignetsten Zellstoff.
Über die +Holzzellen+ der Pappel läßt sich kaum etwas anderes sagen
als über die der Birke; sie sind einander zum Verwechseln ähnlich; die
breiteren weisen hier nicht so viele und in der Regel kleinere Poren
auf als die der Birke. Schmale Zellen mit knotenförmigen Verdickungen
(Fig. 41) kommen ziemlich häufig vor.
An +Gefäßen+ ist die Pappel ärmer als die Birke. Die Poren sind größer
als bei der Birke und von einem fünf- bis sechseckig-rundlichen Hof
umgeben (Fig. 42); auch große einfache Poren sind in den Gefäßwänden
vorhanden (Fig. 43). Charakteristisch für die Gefäße sind die
schwanzartigen Enden, die oft eine beträchtliche Länge erreichen (Fig.
43). Die gitterförmig durchbrochenen Querwände, die bei der Birke
so charakteristisch hervortreten, fehlen hier. Andere Laubhölzer,
wie Linde, Erle, Ahorn u. s. w., dürften wohl auch gelegentlich zu
Zellstoff verarbeitet werden, ein weiteres Eingehen hierauf erscheint
indessen nicht am Platze.
[Illustration: Fig. 41.]
[Illustration: Fig. 42.]
[Illustration: Fig. 43.]
Strohzellstoff (Tafel VI).
Zur Herstellung von Strohzellstoff wird das Stroh aller Getreidearten
verarbeitet, und es wird hauptsächlich von der Lage einer
Strohstofffabrik abhängen, ob sie mehr Roggenstroh, Weizenstroh
oder andere Strohsorten verwendet. Am meisten dürfte bei uns wohl
Roggenstroh zur Verarbeitung kommen.
[Illustration: Fig. 44.]
[Illustration: Fig. 45.]
[Illustration: Fig. 46.]
Es soll hier auf die Beschreibung der geringen anatomischen
Unterschiede, welche die einzelnen Stroharten im Bau der Oberhautzellen
aufweisen, aus demselben Grunde wie bei dem Holzzellstoff nicht
eingegangen werden; unser Urteil über ein Papier, das Strohzellstoff
enthält, wird nicht wesentlich vollkommener, wenn wir erfahren, daß
letzterer z. B. dem Weizenstroh entstammt.
Aus einem mikroskopischen Bilde von Strohfasern heben sich sofort die
sehr charakteristisch geformten +Oberhautzellen+, dickwandige, mehr
oder weniger verkieselte Zellen, deren Ränder wellenförmig gebogen
sind, deutlich ab. Mit diesen wellenförmigen Ausrandungen schließen
die Zellen dicht aneinander, und in dem Strohstoff findet man noch
kleine Kolonien solcher innig miteinander verbundenen Zellen; im
Strohzellstoff und aus diesem hergestellten Papier sind sie selten.
Diese Oberhautzellen kommen in den mannigfachsten Größen vor; das
Verhältnis von Länge zu Breite wechselt von 1/1 bis auf mehr als 10/1.
Auch die Ausrandungen haben verschiedene Gestalt; bald hat man tiefe
Einbuchtungen, bald nur schwache Wellenlinien. Wenn nun auch diese
Oberhautzellen ein leichtes Erkennen des Strohzellstoffes ermöglichen,
so bilden sie doch nur einen geringen Teil aller aus dem Stroh
stammenden Zellen; unter diesen herrschen die +Bastzellen+ bei weitem
vor. Diese dünnen langgestreckten Fasern, welche von sehr regelmäßigem
Bau sind, werden von einem nach dem Ende zu sich verjüngenden schmalen
Hohlkanal durchzogen (Fig. 44). In ziemlich regelmäßigen Abständen
zeigt die Wandung knotige Verdickungen. Diese Verstärkungen erstrecken
sich oft auch nach dem Innern der Zelle, so daß das Lumen an diesen
Stellen eng zusammengeschnürt erscheint.
[Illustration: Fig. 47a, b, c.]
Die Bastzellen weisen zahlreiche Poren auf, die als dunkele Linien von
der Höhlung aus nach außen zu verlaufen.
Neben diesen beiden Arten von Zellen, den Oberhaut- und Bastzellen,
findet sich beim Stroh eine große Anzahl sehr dünnwandiger
+Parenchymzellen+ (Fig. 45); diese sind an beiden Enden abgerundet;
teilweise erscheinen sie fast kreisförmig, teilweise sehr
langgestreckt, mehr oder weniger mit einfachen Poren versehen. Sie sind
von Wichtigkeit für die Untersuchung, weil sie, wie wir später sehen
werden, ein Mittel an die Hand geben, Strohzellstoff von Alfazellstoff
zu unterscheiden.
In untergeordnetem Maße treten +Gefäße+ auf.
Vielfach unverletzt trifft man +Tüpfelgefäße+ an, dünnwandige,
röhrenförmige Zellen, deren Wände von sehr zahlreichen rundlichen oder
schlitzförmigen Poren durchsetzt sind (Fig. 46).
+Spiralgefäße+ in unversehrtem Zustande (Fig. 47a) sind sehr selten;
meist sind die Spiralen durch die Bearbeitung auseinandergezogen und
finden sich als wurmartige Gebilde im Präparate (Fig. 47b). Dasselbe
gilt von den +Ringgefäßen+; die Ringe sind meist aus den Gefäßen
herausgetreten und zeigen sich dem Beobachter als solche (Fig. 47c).
Zu erwähnen sind ferner noch die +Sklerenchymelemente+, sehr stark
verdickte und verkieselte Zellen (Fig. 48).
[Illustration: Fig. 48.]
Alfa-(Esparto-)Zellstoff (Tafel VII).
Die zu den Gramineen gehörigen Ligaeum Spartum und Stipa tenacissima,
zwei in Spanien und namentlich Nordafrika in großen Mengen vorkommende
Pflanzen, liefern das Rohmaterial für den Alfa- oder Espartozellstoff,
der dem Strohzellstoff sehr nahe steht, bei uns indessen nur in
beschränktem Maße Verwendung findet. Der Bau der Zellen ist dem der
Strohzellen sehr ähnlich, und es dürfte nicht immer möglich sein, zu
entscheiden, ob z. B. eine im Papier vorgefundene Oberhautzelle von
Stroh oder Esparto herrührt.
Im allgemeinen ist der Bau der Alfazellen zierlicher und Länge und
Breite der Zellen sind kleiner als beim Stroh; jedoch ist es nicht
immer möglich, hierauf eine sichere Unterscheidung zu gründen.
Die +Bastzellen+ sind im Gegensatz zu denen des Strohes kurz und häufig
in ihrer ganzen Länge im mikroskopischen Gesichtsfelde zu beobachten.
Sie sind sehr regelmäßig gebaut und haben stark verdickte Zellwände, so
daß der Hohlkanal oft nur als Linie erscheint. Unregelmäßigkeiten im
Verlauf der Höhlung, wie wir sie beim Stroh kennen gelernt haben, sind
beim Alfa nicht zu bemerken.
Von den +Oberhautzellen+ läßt sich im wesentlichen nichts anderes
sagen als von denen des Strohes. Von verschiedenen Seiten ist auf
die angeblich verschiedenartig scharfe Ausrandung der Oberhautzellen
eine Unterscheidung gegründet worden, die indessen kaum stichhaltig
sein dürfte; hiernach sollen diese Zellen bei Alfa tiefer ausgerandet
sein als beim Stroh. Die zahlreichen Untersuchungen, die in der
Versuchsanstalt ausgeführt sind, haben jedoch gezeigt, daß auch Stroh
sehr tief ausgerandete Oberhautzellen aufweist.
Die Zähnchen beim Alfastoff hingegen (Fig. 49) geben ein recht
gutes Unterscheidungsmerkmal ab. Diese finden sich in Alfapapieren
in ziemlicher Menge und in mannigfachster Form vor, bald kurz und
gedrungen, bald lang und spitzig, oder hakenförmig umgebogen.
Große dünnwandige Parenchymzellen fehlen beim Alfastoff vollständig,
und so liefern diese beiden Elemente ein Mittel, Stroh und Alfa zu
unterscheiden.
[Illustration: Fig. 49.]
Die auch beim Alfastoff vorkommenden Sklerenchymelemente sind ähnlich
wie beim Stroh.
Zellstoff aus Jute, Manila und Adansonia.
Die +Bastfasern+ dieser drei Pflanzenarten sind zum Teil einander so
ähnlich, daß sie, namentlich in Gemischen, nicht immer mit Sicherheit
voneinander unterschieden werden können.[35] Ein Umstand, der das
Bestimmen der Faserart erschwert, ist die oft sehr verschiedenartige
Färbung bei Behandlung mit mikrochemischen Reagentien. Diese
Verschiedenartigkeit wird dadurch veranlaßt, daß die Fasern, welche
im Rohzustande alle mehr oder weniger verholzt sind, im Hinblick auf
ihre vorzugsweise Verwendung zu Pack- und Briefumschlagpapier, selten
vollständig und gleichmäßig entholzt werden. Man findet daher oft alle
Übergänge von verholzten bis zu völlig aufgeschlossenen Fasern vor.
Dies erschwert die Unterscheidung, und daher erscheint bei Abgabe
eines Urteils über die Stoffzusammensetzung eines Papiers, welches die
genannten Fasern enthält, besondere Vorsicht am Platze.
Jutezellstoff.
Für den anatomischen Bau der Jutefaser gilt natürlich im allgemeinen
das Seite 71 Gesagte. Hinzuzufügen ist nur, inwieweit das
mikroskopische Bild sich durch den Aufschließungsprozeß geändert hat.
In Bezug auf die Färbung der Fasern in den Jodlösungen wird auf Seite
66 verwiesen.
Die Bündel von Fasern treten bei aufgeschlossener Jute seltener auf;
sie sind dann geschmeidiger als bei Fasern im Rohzustand und lösen sich
an den Enden meist in Einzelfasern auf.
Die Einzelfaser ähnelt in ihrem Aussehen der Strohbastfaser, mit der
sie auch in ihren Abmessungen sehr übereinstimmt.
Nach den Enden zu verjüngt sich die Faser meist ganz allmählich; die
Enden selbst sind gewöhnlich abgerundet.
Außer den Zellen mit wechselndem Hohlkanal findet man, wenn auch
seltener, solche mit gleichmäßig verlaufendem Lumen und gleichmäßiger
Wandstärke; letztere ist oft so gering, daß die Zellwände
zusammenklappen und die Faser ein baumwollähnliches Aussehen erhält.
In den Jodlösungen zeigen die Fasern Querstreifungen, die zum Teil von
Porengängen herrühren.
Manila (Tafel VIII).
Hierher gehören die Bastfasern verschiedener Musaceen, namentlich
Musa textilis, M. sapientium, M. paradisiaca. Das über das Aussehen
der Jutefaser im Papier Gesagte gilt zum großen Teil auch für die
Manilafaser. Auch hier kommen Faserbündel vor, wenn auch nicht so
zahlreich als bei der Jute. Zuweilen fehlen die Bündel auch völlig.
Man beobachtet auch hier zweierlei +Bastfasern+, dickwandige mit
unregelmäßigem und dünnwandige, baumwollartige mit gleichmäßig
verlaufendem Hohlkanal. Indessen ist der Wechsel weniger ausgeprägt als
bei der Jute.
Schlitzförmige Poren durchsetzen die Wand der Bastzellen häufig
in schräger Stellung. Die Manilafasern zeigen im Gegensatz zu
den Jutefasern meist protoplasmatischen Inhalt, der sich in den
Jodlösungen gelb bis gelbbraun färbt. Die Enden der Fasern zeigen
häufig bleistiftartige Zuspitzungen; die Spitze ist teils scharf,
teils abgestumpft. Die Querstreifung der Faser ist bei Manila noch
ausgeprägter, die Streifen sind hier zahlreicher und kräftiger. Sehr
charakteristisch für Manila sind dickwandige +Parenchymzellen+ mit
meist schrägen Wänden, die häufig die Form eines Rhombus besitzen und
in einem Papier, das größere Mengen Manila enthält, selten fehlen.
Die übrigen Elemente, welche noch ab und zu in Manilapapieren
vorkommen, sind verhältnismäßig selten und kommen für das Erkennen
wenig in Betracht. Es gehören hierher Spiralgefäße, sowie die von
+Höhnel+ erwähnten Stegmata.
Adansonia (Tafel IX).
[Illustration: Fig. 50.]
Die Adansoniafaser stammt aus dem Bast des in Afrika heimischen
Affenbrodbaumes (Adansonia digitata). Der Bast kommt in etwa 80 cm
langen, 8-10 mm dicken und 40-50 mm breiten Stücken zu uns, ist von
brauner Farbe und zeigt große Festigkeit. Die Faser ist kräftig
gebaut, walzenförmig und wie schon erwähnt der Manila- und Jutefaser
teilweise sehr ähnlich. Charakteristisch ist die häufig vorkommende
Erscheinung, daß die Fasern in der Dicke Unregelmäßigkeiten zeigen
und sich nach dem Ende zu plötzlich verjüngen. Bei der Verarbeitung
lösen sich die äußersten Gewebeschichten vielfach ab, und die sehr
fein zerfaserten Strähnchen umgeben die Zellen an manchen Stellen wie
mit einem Schleier (Fig. 50). Diese Erscheinung tritt zwar auch bei
anderen Fasern auf, aber nie in solchem Umfange wie bei Adansonia.
Die Höhlung verläuft sehr verschieden; sie ist oft nur als dunkele
Linie erkennbar, erweitert sich dann plötzlich und nimmt mehr als die
Hälfte der Zellbreite ein. Die Enden sind meist abgerundet, seltener
zugespitzt. Bündel von zusammenhängenden Fasern kommen kaum vor. Sehr
häufig begegnet man Gruppen stark verkalkter +parenchymatischer+
Zellen (Fig. 51) sowie dünnwandigen Parenchymzellen und Bruchstücken
von +netzartigen Gefäßen+ (Fig. 52).
[Illustration: Fig. 51.]
[Illustration: Fig. 52.]
Hauptunterscheidungsmerkmale für Jute-, Manila- und Adansoniafasern.
=============+=====================+==================+===============+
| Färbung in | |
Faserart | Jod-Jodkalium- | Chlorzinkjod- | Hohlkanal |
| lösung | lösung | |
=============+=====================+==================+===============+
{verholzt| leuchtend gelbbraun | gelb oder | in der Weite |
{ver- | oder braun | grüngelb | oft wechselnd |
{holzt | | | |
{ | | | |
Jute{--------+---------------------+------------------+---------------+
{ | grau, bisweilen | blau, bisweilen | in der Weite |
{ent- | braun | rotviolett | oft wechselnd |
{holzt | | | |
{ | | | |
-------------+---------------------+------------------+---------------+
| | | bei den |
| | | dickwandigen |
| grau, | blau, rotviolett | Fasern von |
Manila | braun, | und gelb, sowie | wechselnder |
| gelblich | Zwischenfarben | Breite, bei |
| | | den |
| | | dünnwandigen |
| | | gleichmäßig |
-------------+---------------------+------------------+---------------+
| | | die Weite |
Adansonia | schmutzig | | ändert sich |
| grau und | blau bis | mit der |
| braun | rotviolett | Breite |
| | | der Faser |
===============+================+==============+==================
| | |
Faserart | Enden | Poren | Nebenbestandteile
===============+================+==============+==================
{ | im allgemeinen | parallel zur |
{ | abgerundet | Achse | keine
{verholzt | | gestellte |
{ | | Schlitze |
Jute {---------+----------------+--------------+------------------
{ | im allgemeinen | parallel zur |
{entholzt | abgerundet | Achse | keine
{ | | gestellte |
{ | | Schlitze |
---------------+----------------+--------------+------------------
| | |
| | | Gruppen oder
| | schräg oder | einzelne
Manila | oft | parallel zur | Parenchymzellen
| bleistiftartig | Achse | mit ziemlich
| zugespitzt | gestellte | dicken schrägen
| | Schlitze | Wänden
| | |
---------------+----------------+--------------+------------------
| | schräg oder | verkalkte
Adansonia | | parallel zur | Parenchymzellen
| meistens | Achse | und
| abgerundet | gestellte | Gefäßbruchstücke
| | Schlitze |
Für die Erkennung und das Auseinanderhalten der drei zuletzt
beschriebenen Faserarten bietet der Gesamteindruck, welchen das
mikroskopische Bild, als Ganzes betrachtet, auf den Beobachter macht,
oft einen Anhalt. Dieser durch die Gesamtwirkung von Streifung,
Abmessung, Krümmung, Starrheit u. s. w. der Fasern auf das Auge
hervorgerufene Eindruck läßt sich schwer beschreiben, dagegen geben
ihn die photographischen Aufnahmen (Tafel II, VIII, IX) wieder. Der
Beobachter muß sich durch eingehende Betrachtung mikroskopischer Bilder
der genannten drei Fasern mit dem Gesamteindruck vertraut machen.
In vorstehender Tabelle[36] sind die ausgeprägtesten Merkmale der drei
Faserarten zur besseren Übersicht nochmals gegenübergestellt.
[35] Vergl. Jute, Manila, Adansonia. Von +G. Dalén+ und Dr. +Wisbar+.
Mitt. aus den techn. Vers.-Anst. 1902.
[36] Entnommen aus der erwähnten +Dalén-Wisbar+schen Arbeit.
Beurteilung des Verholzungsgrades der Zellstoffe.
Die in der Papierfabrikation verwendeten Zellstoffe sind teils völlig
entholzt, teils enthalten sie noch geringe Mengen der Holzsubstanz;
es hängt dies ab von dem Aufschließungs- und Bleichprozeß, den
sie durchgemacht haben. Gebleichte Stoffe sind meist frei von
Holzsubstanz, ungebleichte oder halbgebleichte zeigen noch mehr oder
weniger starke Verholzung. Die Färbung der Fasern in Jodlösung läßt
oft schon erkennen, mit welchem Grade der Verholzung man es zu tun
hat. Deutlicher noch läßt sich dies durch Behandlung mit gewissen
Farbstoffen ermitteln.
Verfahren nach Dr. Klemm.
Dr. +Klemm+ beurteilt den Grad, bis zu welchem die Holzzellen in
reine Zellstofffasern übergeführt worden sind, nach dem Farbton und
der Stärke der Färbung mit Malachitgrün in essigsaurer Lösung. (Der
Farbstoff wird in Wasser mit 2% Essigsäure bis zur Sättigung gelöst.)
Das Reagens ist für mikroskopische Präparate und, wenn Zellstoffe als
solche vorliegen, auch makroskopisch anwendbar.
Je reiner ein Zellstoff ist, um so weniger färbt er sich. Die besten
gebleichten Stoffe färben sich fast gar nicht, halbgebleichte
himmelblau, ungebleichte stark grün.
In Verbindung mit Malachitgrün läßt sich nach +Klemm+ durch einen
zweiten Farbstoff herausfinden, ob Natron- oder Sulfitzellstoff
vorliegt.
Dies geschieht durch eine gesättigte, mit 2% Alkohol versetzte Lösung
von Rosanilinsulfat in Wasser, die mit Schwefelsäure versetzt wird, bis
sie einen violetten Schimmer angenommen hat.
Die Zellstoffe färben sich wie folgt: