Bestimmung der Maschinenrichtung im Papier.]

Die Frage der bequemen Bestimmung der Maschinenrichtung kann außer

in den oben erwähnten Fällen noch verschiedentlich von praktischer

Bedeutung sein. Beim Kniffen von Aktendeckeln, Kartons u. s. w. wird

es nicht gleichgiltig sein, ob der Kniff in der Maschinenrichtung

oder Querrichtung liegt; bei der Herstellung von Büchern, besonders

von großen und dicken Geschäftsbüchern, ist es von Wert zu wissen, ob

alle Lagen in gleicher Weise gefalzt sind, weil sich sonst infolge

verschiedener Dehnung unscharfe Ränder zeigen. Diesen Umständen hat

man, wie es scheint, bisher nicht die nötige Beachtung geschenkt.

Nachdem man so auf die eine oder andere Weise die beiden

Hauptrichtungen im Papier, nach welchen die Entnahme der Probestreifen

zu erfolgen hat, bestimmt hat, fragt es sich, wie lang und wie breit

diese zu wählen sind.

+Martens+ hat sich mit dieser Frage eingehend beschäftigt und

nachgewiesen, daß die Breite des Probestreifens auf das Ergebnis für

Reißlänge und Bruchdehnung keinen Einfluß ausübt; die Bequemlichkeit

und Sicherheit des Arbeitens indessen, sowie der mit zunehmender Breite

wachsende Widerstand beim Zerreißen legt bei der Wahl der Streifen

einige Beschränkung auf. Die Breite von 15 mm hat sich als sehr

praktisch erwiesen, und sie wird in der Versuchsanstalt ausschließlich

angewendet, wenn nicht etwa das zu prüfende Material, wie es

beispielsweise bei den in der Telegraphie benutzten Papierstreifen der

Fall ist, schon an und für sich schmäler ist als 15 mm.

In der Praxis wird man auch in den Fällen schmälere Streifen verwenden

müssen, in denen die gewöhnlichen Festigkeitsprüfer zum Zerreißen eines

15 mm breiten Streifens nicht ausreichen, wie es z. B. beim Prüfen von

Quittungskarten-Kartons, Preßspänen, Aktendeckeln, Pappen u. s. w.

vorkommen kann.

Bei der Länge der Probestreifen liegen die Verhältnisse, soweit es

sich um die Dehnung ausgedrückt in Prozenten der ursprünglichen Länge

handelt, anders; die Dehnungsprozente sind nahezu dieselben bei

Streifenlängen von 180 mm an aufwärts; mit abnehmender Länge aber

wächst die Dehnung. Deshalb ist aus praktischen Gründen die Länge von

180 mm als +Normallänge+ angenommen worden; dies geschah namentlich

auch deshalb, weil diese Länge in beiden Richtungen aus dem einmal

geknifften Bogen des Reichsformates (33 × 42 cm) bequem entnommen

werden kann, und in diesem Zustand dürften wohl die meisten Papiere

zur Untersuchung gelangen. Es kann im Interesse der Einheitlichkeit

und der Vergleichbarkeit der Versuchsergebnisse nur geraten werden,

diese Länge allgemein zu Grunde zu legen. Soweit bekannt geworden ist,

ist dies auch an allen Stellen, welche sich in größerem Maßstabe mit

Papieruntersuchungen befassen, geschehen.

Stehen nun von dem zu prüfenden Material nur kleine Bogen zur

Verfügung, aus denen diese Normalstreifen nicht entnommen werden

können, so darf man nicht außer acht lassen, daß die Dehnungsprozente

etwas höher ausfallen als bei Verwendung eines Streifens von 180 mm

Länge; auf die Festigkeit ist die Länge der Probestreifen ohne Einfluß,

wenn nicht gar zu kurze Streifen angewendet werden, die schwer gerade

einzuspannen sind.

Das Ergebnis der Prüfung wird nun im allgemeinen um so wertvoller

sein, je mehr Streifen beim Versuch Verwendung gefunden haben;

nimmt man fünf Streifen aus jeder Richtung, so kann man sicher sein,

gute Durchschnittswerte zu erhalten, wenn man bei der Probenentnahme

zweckmäßig zu Werke geht.

Bei Prüfung eines größeren Postens Papier tut man gut, aus fünf

verschiedenen Paketen je einen Bogen zu entnehmen und dann aus jedem

Bogen je einen Längs- und Querstreifen.

Steht auch nur wenig Material zur Verfügung, so verfolge man doch immer

den Grundsatz, die Streifen an verschiedenen Stellen zu entnehmen und

unmittelbar nebeneinander nur dann, wenn es anders nicht möglich ist.

Die Entnahme der Streifen geschieht bei den Prüfungen in der

Versuchsanstalt in folgender Weise. Von den zehn meist in einmal

geknifftem Zustand eingeschickten Probebogen werden zunächst fünf für

die Festigkeitsprüfung ausgewählt, welche äußerlich keine fehlerhaften

Stellen zeigen. Aus jedem dieser fünf Bogen wird je ein Streifen aus

der Längs- und Querrichtung entnommen, wie es Fig. 3 veranschaulicht.

[Illustration: Fig. 3.

Papierprüfung: Eine Anleitung zum Untersuchen von Papier · 第 5 / 90 题