+Bestimmung der Festigkeitseigenschaften+ 1
Absolute Festigkeit und Dehnung 1
Bestimmung der Maschinenrichtung 3
+Schoppers+ Festigkeitsprüfer 13
+Wendlers+ Festigkeitsprüfer 19
Festigkeitsprüfer nach +Hartig-Reusch+ 22
+Leuners+ Festigkeitsprüfer 26
Berechnung der Reißlänge 28
+Rehses+ Papierprüfer 30
Tabelle zur Bestimmung der Feinheitsnummer 31
+Widerstand gegen Zerknittern+ 33
+Kirchners+ Kniffrolle 39
+Pfuhls+ Knitterer 42
+Schoppers+ Falzer 44
+Bestimmung des Quadratmetergewichtes und der Dicke+ 47
+Schoppers+ Dickenmesser 47
+Rehses+ Dickenmesser 48
+Bestimmung des Aschengehaltes+ 50
Aschengehalt verschiedener Rohstoffe 51
Die +Post+sche Aschenwage 54
+Reimanns+ Aschenwage 58
+Mikroskopische Untersuchung+ 62
Vorbereitung des Papiers 62
Herstellung der Präparate 65
Untersuchung des durch Kochen erhaltenen Breies 67
Verholzte Fasern 69
Holzschliff 69
Jute 71
Strohstoff 71
Zellstoffe 72
Nadelholzzellstoff 72
Birkenholzzellstoff 73
Pappelholzzellstoff 74
Strohzellstoff 76
Alfa-(Esparto-)Zellstoff 78
Jutezellstoff 79
Manilazellstoff 80
Adansoniazellstoff 80
Beurteilung des Verholzungsgrades der Zellstoffe 83
Verfahren nach Dr. +Klemm+ 83
Verfahren nach +Behrens+ 84
Lumpenfasern 85
Baumwolle 85
Leinen 86
Hanf 87
Wolle 88
Seltener vorkommende Fasern 88
Verschiedene Mahlungszustände von Papierfasern 91
Feststellung der Mengenverhältnisse der Fasern 93
+Nachweis von Holzschliff und anderen verholzten Fasern+ 97
Die Reaktion mit schwefelsaurem Anilin 97
Die Phloroglucin-Reaktion 98
Dr. +Wursters+ Reaktion mit Dimethyl-paraphenylen-diamin 99
+Bestimmung der Menge des Holzschliffes+ 100
+Bestimmung der Art der Leimung+ 106
Tierische Leimung 106
Kaseinleim 108
Harzleimung 108
Stärke 112
+Leimfestigkeit+ 114
+Nachweis von freiem Chlor und freier Säure+ 120
+Vergilbung+ 124
+Bestimmung der Saugfähigkeit von Löschpapier+ 127
+Prüfung von Filtrierpapier+ 130
+Anhang+ 134
Vorschriften für die Lieferung und Prüfung von Papier zu
amtlichen Zwecken 134
Auszug aus den Vorschriften für die Benutzung der
Versuchsanstalt zu Charlottenburg 141
Auszug aus den Vorschriften für Frachtbriefpapiere 142
„ „ „ „ „ Quittungskarten-Karton 143
„ „ „ „ über die Herstellung von
Beitragsmarken zur
Invaliditätsversicherung 143
Vorschriften für das Papier zu Standesregistern und
Registerauszügen 144
Ausbildung im Papierprüfen 144
Literatur 145
Bestimmung der Festigkeitseigenschaften.
Absolute Festigkeit und Dehnung.
Die absolute Festigkeit eines Papiers wird bei seiner Benutzung als
Schriftstück, Drucksache o. a. nur zum kleinen Teil in Anspruch
genommen. Trotzdem wird man von einem Papier, das lange aufbewahrt
und viel benutzt werden soll, aus zwei Gründen eine nicht zu geringe
Festigkeit verlangen müssen. Einmal zeigt jeder organische Körper im
Laufe der Zeit eine Abnahme seiner Festigkeit, und ferner gewährleisten
gute Festigkeitseigenschaften sorgfältige Herstellung des Papiers und
Verwendung guter Rohstoffe.
Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet wird man die Forderung hoher
Festigkeitswerte für Papiere, die wichtigen Zwecken dienen sollen, als
gerechtfertigt anerkennen müssen.
Die Festigkeit eines Papiers, d. h. der Widerstand, den es dem
Zerreißen entgegensetzt, gibt an sich kein Mittel an die Hand, die Güte
des Papiers ohne weiteres zu beurteilen, da sie beeinflußt wird von der
Dicke und Breite des Probestreifens; wir werden jedoch später sehen,
wie die mit Hilfe von Zerreißmaschinen gewonnenen Festigkeitswerte
unabhängig von diesen beiden Einflüssen zur Beurteilung der Güte von
Papier herangezogen werden können.
Die Festigkeit eines Papiers ist nicht nach allen Richtungen gleich
groß. Maschinenpapier hat in der Richtung des Maschinenlaufes seine
größte, in der Richtung senkrecht hierzu seine geringste Festigkeit.
Dieser Unterschied findet seine Erklärung in der vorzugsweisen Lagerung
der Fasern in der Richtung des Maschinenlaufes und in der Beeinflussung
der Festigkeitswerte durch die Arbeit auf der Papiermaschine. Das
Verhältnis der geringeren Festigkeit zur größeren schwankt zwar, hält
sich aber meist zwischen den Grenzen 60 : 100 bis 75 : 100; jedoch
kommen auch Fälle vor, in denen die Festigkeitswerte in der Längs-
und Querrichtung wesentlich mehr, und andere, in denen sie wesentlich
weniger voneinander abweichen, wie nachfolgende Zusammenstellung an
einigen Beispielen zeigt.
N = Laufende Nr.
Q = Querrichtung
L = Längsrichtung
V = Verhältnis von Querrichtung zu Längsrichtung
====+=================+=============+========+===============+=========
N | Art des Papiers | Reißlänge[1]| V | Bruchdehnung | V
| +------+------+ +-------+-------+
| | Q | L | | Q | L |
| | km | km | | % | % |
====+=================+======+======+========+=======+=======+=========
1 | Schreibpapier | 1,57 | 4,73 | 33:100 | 1,7 | 1,5 | 113:100
2 | „ | 2,21 | 5,46 | 39:100 | 2,4 | 1,9 | 126:100
3 | Packpapier | 3,76 | 9,76 | 39:100 | 4,6 | 2,1 | 219:100
4 | „ | 4,25 | 9,06 | 47:100 | 6,7 | 2,8 | 239:100
5 | Konzeptpapier | 3,57 | 7,01 | 51:100 | 4,1 | 1,4 | 293:100
6 | Schreibpapier | 4,06 | 4,79 | 85:100 | 4,5 | 3,3 | 136:100
7 | „ | 4,22 | 4,80 | 88:100 | 3,2 | 2,0 | 160:100
8 | Urkundenpapier | 6,05 | 6,76 | 90:100 | 6,4 | 4,9 | 131:100
9 | Schreibpapier | 4,22 | 4,69 | 90:100 | 3,0 | 2,0 | 150:100
10 | Kanzleipapier | 4,05 | 4,44 | 91:100 | 4,6 | 3,2 | 156:100
11 | Schreibpapier | 4,37 | 4,60 | 95:100 | 6,3 | 3,3 | 191:100
12 | „ | 4,11 | 4,17 | 99:100 | 4,1 | 2,4 | 171:100
Ebenso wie die Festigkeit ist auch die Dehnung des Papiers in den
beiden Richtungen verschieden groß; das Verhältnis ist aber hier
umgekehrt, indem die Maschinenrichtung die kleinste, die Querrichtung
die größte Dehnung aufweist.
Auch bei geschöpftem Papier treten, wenn auch nicht in dem Maße
wie beim Maschinenpapier, Verschiedenheiten in der Festigkeit und
Dehnung in verschiedenen Richtungen auf.[2] Da die Ansicht, daß beim
Handpapier die Festigkeit und Dehnbarkeit nach allen Richtungen gleich
groß sei, ziemlich verbreitet ist, so mag nachfolgend (Seite 3) eine
kleine Zusammenstellung einiger bei Prüfung von geschöpften Papieren
gewonnenen Ergebnisse folgen.
Bei der Bestimmung der Festigkeitswerte einer Papiersorte wird
Maschinenrichtung und Querrichtung gesondert geprüft und aus den
erhaltenen Werten das Mittel gebildet. Dieses ist für die Einreihung in
eine der sechs Festigkeitsklassen[3] maßgebend.
L = Laufende Nr.
W = Schwache Richtung
S = Starke Richtung
B = Bruchdehnung
====+=============+=============+=============+===========+============
L | Art | Reißlänge | Verhältnis | B | Verhältnis
| des Papiers +------+------+ der +-----+-----+ der
| | W | S | schwachen | W | S | schwachen
| | | | Richtung | | | Richtung
| | km | km | zur starken | % | % | zur starken
====+=============+======+======+=============+=====+=====+============
1 |} | 3,68 | 4,93 | 74 : 100 | 4,6 | 3,8 | 121 : 100
2 |} Urkunden- | 3,81 | 4,97 | 77 : 100 | 4,2 | 3,5 | 120 : 100
3 |} papier | 4,20 | 5,30 | 79 : 100 | 4,4 | 3,9 | 113 : 100
4 |} (hand- | 4,28 | 5,45 | 79 : 100 | 5,9 | 4,7 | 125 : 100
5 |} geschöpft)| 3,89 | 4,64 | 84 : 100 | 4,4 | 4,2 |(105 : 100)
6 |} | 3,26 | 3,63 |(90 : 100)[4]| 4,3 | 3,4 | 126 : 100
7 | } | 2,82 | 4,12 | 68 : 100 | 4,6 | 4,2 |(110 : 100)
8 | }Aktendeckel| 2,62 | 3,84 | 70 : 100 | 4,0 | 3,7 |(108 : 100)
9 | } | 2,16 | 2,98 | 72 : 100 | 4,8 | 4,1 | 117 : 100
10 | }(hand- | 2,61 | 3,53 | 74 : 100 | 3,9 | 3,4 | 114 : 100
11 | } geschöpft)| 2,74 | 3,04 |(90 : 100) | 3,7 | 3,6 |(101 : 100)
12 | } | 2,56 | 2,84 |(90 : 100) | 4,0 | 3,0 | 133 : 100
Da die Maschinenpapiere im allgemeinen parallel und senkrecht zur
Maschinenrichtung geschnitten werden, so entnimmt man die Probestreifen
in der später zu besprechenden Anzahl und Art zunächst parallel zu
einer beliebigen Kante des Bogens und darauf parallel zu der hierauf
senkrecht stehenden.
Beim Handpapier verfährt man in derselben Weise.
Hat man Veranlassung, die Maschinenrichtung vorher zu bestimmen,
entweder weil man nur diese prüfen will, oder weil die beiden
Richtungen nicht mit Sicherheit zu erkennen sind, so verfährt man in
folgender Weise:
Man schneidet aus dem in Frage kommenden Material ein kreisförmiges
Stück von ungefähr 10 cm Durchmesser heraus und läßt dies wenige
Sekunden auf Wasser schwimmen; nimmt man es dann heraus und legt
es vorsichtig auf die flache Hand, wobei man zu verhindern hat,
daß es sich fest an die Handfläche schmiegt, so krümmen sich die
Ränder nach oben (Fig. 1a) und zwar schließlich so stark, daß sie
übereinandergreifen, wie es Fig. 1b darstellt.
Der nicht gekrümmte Durchmesser _ab_ liegt in der Maschinenrichtung.
Hat man denselben Versuch mit ungeleimtem oder schwach geleimtem Papier
vorzunehmen, so ist dies zunächst gegen das Durchdringen von Wasser
zu schützen; man löst zu diesem Zweck entweder Harz in Alkohol oder
tierischen Leim in Wasser, zieht das zu prüfende Papier durch eine
dieser Lösungen und läßt es trocknen. Das Papier hat nunmehr seine
Saugfähigkeit verloren und kann ohne Schwierigkeit dem angeführten
Versuch unterworfen werden. Zur Erklärung des Krümmens diene folgendes.
[Illustration:
Fig. 1a. Fig. 1b.