Der Beschreibung von G. W. +Samson+ entnehmen wir denselben

schlagenden Beweis. Er berichtet: „Von Jerusalem ausgehend und oben

erwähnte Route einschlagend, laßt uns die Möglichkeit für eine Taufe

durch Untertauchen der Straße entlang betrachten und speziell an der

Stelle, die die Überlieferung als den Platz bezeichnet, wo der Kämmerer

getauft wurde. Zu Pferde reisend mit der Beweglichkeit von 3 Meilen

die Stunde, kommt man nach 2 Stunden und 30 Min. zu den drei großen

Teichen Salomos, von denen das Wasser nach Jerusalem geleitet wurde.

In den Tagen Jesu waren es klare Seen, denn die drei bedecken heute

noch etwa 3 Acker Land, und wenn voll, so liefern sie alle notwendigen

Möglichkeiten für eine Taufe durch Untertauchen, indem sie offen

sind und in einem zurückliegenden Tal liegen. Selbst heute noch ist

eine solche Quantität von Wasser im untern Teich vorhanden, daß ein

passenderer Platz für eine Untertauchung kaum gefunden werden könnte.

Von hier über Berg und Tal weiter ziehend, kommt man durch ein langes

Tal, das wegen seiner vielen Brunnen von den Maultiertreibern „~Wady

el Beer~“, das Tal der Brunnen, genannt wird. Eine Stunde und 50

Min. machen wir an einer Anhöhe Halt, um unsere Pferde zu tränken,

und um bei einem großen überdachten Reservoir, aus dem das Wasser

mit einem Eimer hochgezogen wird, selbst einen Trunk zu tun. Von

diesem Platze sagt ~Dr.~ Robinson: Die Straße, welche die Anhöhe

hinaufführt, ist künstlich; halbwegs oben befindet sich eine Zisterne

mit Regenwasser und ein freier Platz für durchreisende Mohammedaner

zum Beten. An dieser Stelle würde eine Taufe durch Untertauchung

nicht schwierig sein. Wenn man von dort oben in das schöne Tal vor

uns hinabsteigt, dasselbe kreuzt und an der entgegengesetzten Seite

wieder hinaufsteigt, so erreicht man in 35 Minuten die Ruinen einer

alten Stadt, die unsere Treiber „~Howoffner~“ genannt haben,

welches aber ~Dr.~ Robinson mit „~Aber Fid~“ bezeichnete.

Das Regenwasser-Reservoir liegt im offenen Feld mit Gras umsäumt und

Olivenbäumen in der Nähe. Dasselbe ist 50-60 Fuß im Geviert und ist

jetzt Ende April noch voll Wasser und zwar 3-5 Fuß tief. Es scheint

sehr alt zu sein, die Mauern sind von großen gehauenen Steinen

aufgebaut. Einen passenderen Platz für eine Taufe könnte man nicht

finden. Indem wir durch eine offene, wohlangebaute Gegend weiterziehen,

gelangen wir in einer Stunde und fünf Minuten an den Fuß eines langen

und steilen Hügels mit den Ruinen einer Kirche oder Festung zur Linken

der Straße. Vor derselben ist eine feine sprudelnde Süßwasserquelle

und breite Steintröge, an denen wir die Pferde tränkten. Diese Stelle

wurde von ~Dr.~ Robinson als das von Jerome und Eusebius genannte

Bethsur bezeichnet, wo der Kämmerer getauft wurde. Der Boden vor der

Quelle und die Struktur hinter derselben ist so zerrissen und mit

Steinen bedeckt, daß man schwerlich bestimmen kann, was einst hier

war. Es ist jetzt noch eine leichte Senkung mit sandigem kiesigem

Boden dort. Es ist kaum anzunehmen, daß in den Tagen Herodes, des

Brunnenbauers, diese günstig gelegene Quelle nicht dazu benutzt worden

sein sollte, um einen großen Teich zu speisen, da das Terrain sehr

günstig dazu war. Selbst heute noch fließt genug Wasser, um ein solch

Reservoir zu speisen.“[187]

In Apg. 10, 47. 48 will man ebenfalls ein Argument für das Begießen

gefunden haben. Prof. +Stuart+ gibt die Worte Petri in folgender

Lesart: „Kann jemand verbieten, daß Wasser hereingebracht werde und

diese Personen getauft werden?“ Dies ist ein sehr kennzeichnendes

Beispiel, wie man Worte der hl. Schrift umzudeuten sucht, damit sie in

die eigene Theorie passen. Die Aussage Petri enthält auf keinen Fall

diesen Sinn. Damit der werte Leser selbst urteilen kann, lassen wir

hier den Text unverändert folgen: „Mag auch jemand das Wasser wehren,

daß diese getauft werden, die den hl. Geist empfangen haben, gleichwie

auch wir? Und befahl, sie zu taufen in dem Namen des Herrn.“

Bei der Taufe Pauli sei auch die Begießung in Anwendung gebracht

worden, da in Damaskus kaum hinreichend Wasser zur Untertauchung

gefunden werden konnte. Wie unrichtig und unberechtigt diese Vermutung

ist, geht aus den Worten des syrischen Feldhauptmanns Naeman hervor,

der auf die Aufforderung des Propheten Elisa, seinen aussätzigen Leib

zu waschen und sich siebenmal in den Fluten des Jordans zu taufen,

antwortete: „Sind nicht Amana und Pharphar, die Flüsse von Damaskus,

besser denn alle Wasser in Israel? Kann ich nicht in ihnen baden, daß

ich rein sei?“[188] Von dem Amanafluß schreibt Oberkonsistorialrat

+Frohnmeyer+: „Amana, ein den südlichen Antilibanus durchströmender,

durch Damaskus fließender und sich in die östlich von Damaskus

gelegenen Seen ergießender Fluß, jetzt Barada. Er hat ein sehr kühles

Wasser. Sein Gewässer, das sich westlich von Damaskus in sieben Arme

teilt, wird vor allem zur Bewässerung der herrlichen Baumgärten von

Damaskus, wie für zahlreiche Wasserleitungen innerhalb der Stadt

benutzt.“[189]

Ferner behauptet man, daß der Kerkermeister zu Philippi, von dem in

Apg. 16, 33 berichtet wird, nur übergossen worden sei, da im Gefängnis,

wo die Taufe vorgenommen wurde, nicht so viel Wasser vorhanden gewesen

sei, daß dieselbe durch Untertauchen hätte vollzogen werden können.

Wir müssen vor allem von vornherein in Abrede stellen, daß die Taufe

überhaupt im Gefängnis vollzogen wurde. Beachten wir die Ereignisse in

ihrer genauen Reihenfolge, so ergibt sich folgendes:

1. Der Kerkermeister führte Paulus und Silas zunächst aus dem Gefängnis

und nahm sie in sein Haus auf. Verse 30-33.

2. Sie verkündeten ihm hier das Wort des Herrn und allen, die in seinem

Hause waren. Vers 32.

3. Er wusch ihnen die Striemen ab, und er ließ sich taufen und alle die

Seinen alsobald. Vers 33.

4. Er führte sie in sein Haus und setzte ihnen Speise vor. Vers 34.

Aus dieser Erzählung geht klar hervor, daß die Taufe nicht im Gefängnis

geschah. Eine Tatsache ist es, daß es in den Häusern oder im Hofe der

Griechen und Römer jener Zeit stets geräumige Badebassins gab, in denen

man eine Taufe durch Untertauchen leicht ausführen konnte. So schreibt

z. B. +Adam+: „Die alten Römer hatten Bäder, kalte und warme, in ihren

eigenen Häusern.“[190] Ebenso ~Dr.~ +Winer+: „Man badete nicht nur in

Flüssen sondern auch zu Hause, indem der Hof bei Vornehmen immer auch

ein Bad umschloß.“[191] „Selbst in Festungstürmen waren zuweilen Bäder

angebracht. Josephus ~bell. jud.~ 5, 4. 3.“[192] Und der Geograph

~Dr.~ +Arendts+ schreibt in seinem Bericht von den Ausgrabungen der

Stadt Pompeji: „Man hat die Absicht, diese in ihrer Art einzige Stadt

durchgängig aufzugraben, um das häusliche Leben der Römer... zu

enthüllen; bis jetzt ist mehr als ein Viertel derselben aufgegraben.

Es gibt keine Ruinen, welche ein höheres Interesse einflößten, als

die von Pompeji; alles findet sich hier so, wie es am Tage vor der

schrecklichen Katastrophe bestand, welche im Jahre 79 nach Chr. diese

Stadt unter eine Decke vulkanischer Asche begrub, die jedoch kaum

einige Fuß hoch die Giebel der verschütteten Gebäude überragt. Noch

sind im Straßenpflaster die Wagengeleise zu sehen. Schon schreitet man

in ihren zu beiden Seiten mit Trottoirs eingesäumten Straßen einher und

über die mit schönen Gebäuden gezierten Plätze hinweg; schon besucht

man ihre Tempel und die Paläste der Großen; man tritt in ihre Theater

und untersucht die Verkaufsgewölbe, die Schenken und die Häuser von

Privatpersonen jeder Klasse. Diese letzteren gleichen alle einander;

die +größten+, sowie die +kleinsten haben im Innern einen Hof, in

dessen Mitte sich ein Bassin befindet+.“[193] Apg. 16, 13 zeigt, daß

sich in der Nähe des Gefängnisses auch ein Fluß befand. Würde der

Apostel die Taufe durch Besprengung vollzogen haben, so hätte er auf

keinen Fall dem Gesetze der Verordnung gemäß gehandelt, denn Jesus

sagt: „taufet“ (tauchet), nie aber „sprenget“.

[Illustration: Ein römisches Privathaus mit einem Badebassin im Hof.]

Überschauen wir nun noch einmal das ganze Beweismaterial, welches

zugunsten der Besprengung angeführt wird, so gelangen wir zu der

Überzeugung, daß keines der angeführten Beispiele als Beweis für die

Form der Taufe durch Besprengung oder Begießung dienen kann, sondern

daß es nur schwache Rohrstäbchen sind, auf die man baut, um ja nicht

seine „Lieblingsdogmen“ und eigenen Ideen opfern zu müssen.

Als letzten biblischen Beweis für die Besprengung zieht man 1. Kor.

10, 2 an -- als letztes schwaches Rohrstäbchen, an das man sich

verzweifelnd als den Hoffnungsanker zu klammern sucht. Hier wird die

Idee verteidigt, daß die Israeliten durch die Wolke über ihnen und

durch das Meer „besprengt“ wurden und daß dies beweise, daß besprengen

gleichbedeutend sei mit taufen. Die Sprache sowie die Tatsache

lassen eine solche Zusammenstellung gar nicht zu, denn wir lesen

nicht: besprengt mit der Wolke und mit dem Meer, sondern: „getauft

in der Wolke und in dem Meere“.[194] Auch war die Wolke, mit der die

Israeliten bedeckt waren, keine Regenwolke, noch finden wir irgend

einen Anhaltspunkt dafür, daß die Kinder Israel durch die Wasser des

Meeres besprengt wurden, denn es heißt, daß sie mitten im Meer auf

dem „Trockenen“ gingen.[195] Die Tatsache ist einfach die: Als Mose

seinen Stab ausstreckte, teilte sich das Wasser und türmte sich auf

beiden Seiten wie eine Mauer auf und bildete auf diese Weise ein tiefes

Grab, über ihnen die Wolke, mit der sie bedeckt wurden. Der Psalmist

sagt: „Er breitete eine Wolke aus zur Decke und ein Feuer, des Nachts

zu leuchten.“[196] Auf diese Weise waren die Israeliten im Meer und

in der Wolke gänzlich begraben, welches den vollen Sinn von Taufen,

d. h. Untertauchen gibt. Wie man nun ein solches Bild zugunsten der

Besprengung verwendet, ist unverständlich und vor allem unberechtigt.

+Gataker+ gibt folgende der Tatsache entsprechende Erklärung zu 1.

Kor. 10, 2: „Wie in dem christlichen Ritus die zu taufenden Personen

von dem Wasser überflutet und gleichsam darin begraben werden, -- und

wiederum, wenn sie herauskommen, wie aus einem Grabe heraufsteigen,

so konnte es scheinen, daß die Israeliten, als sie durch das Wasser

des Meeres gingen, welches höher denn ihre Häupter war, von demselben

überflutet und gleichsam darin begraben waren; und wiederum, daß sie

auftauchten und erstanden als sie das andere Ufer erstiegen.“[197]

Ebenso J. G. P. +Schmid+: „Die Israeliten wurden bei ihrem

wundervollen Durchgang durchs Rote Meer von der sie begleitenden Wolke

und dem auf beiden Seiten aufgelaufenen Meer bedeckt wie der Täufling

beim Untertauchen. So wurden sie durch jene auffallenden Zeichen auf

Mose getauft oder zur Folgsamkeit gegen ihn, als einen göttlichen

Gesandten, verpflichtet.“[198]

[Illustration: Israels Durchgang durchs Rote Meer.]

Wenn Besprengung oder Begießung vorzuziehen wäre, wie man immer

behauptet, warum haben dann Jesus und die Apostel, wenn sie von

dieser bedeutsamen Handlung sprachen, nicht ein Wort gebraucht,

welches den Sinn von Besprengen oder Begießen hatte? Oder, wenn

Jesus und die Jünger der Art der Handlung einen so großen Spielraum

geben wollten, d. h. daß es ganz gleichgültig wäre, in welcher Art

und Weise man die Taufe vollziehe, so fragen wir wiederum, warum

gebrauchten sie dann nicht die verschiedenen Wörter, welche in

Wahrheit „Sprengen“, „Tauchen“ und „Schütten“ bedeuten? Die Schreiber

des N. Testaments erwähnen den Ritus der Taufe fünfundsiebenzigmal,

und jedesmal gebrauchen sie das Wort „~baptizein~“, welches

nur die spezielle Bedeutung von Untertauchen hat.[199] Fünfzehnmal

wird Johannes als der „Baptistés“ (Täufer) bezeichnet, weil er diese

Handlung an den bußfertigen Seelen ausführte.[200] Trotzdem sie so oft

auf die Taufhandlung hinweisen, gebrauchen sie nie eine Bezeichnung

für dieselbe, die uns den Sinn von Besprengen (~rhantizein~)

oder Übergießen gibt. Die Wahrheit ist also die, daß die Lehrer

der Urkirche in keiner andern Weise die Taufe vollzogen als durch

Untertauchen, und wer es ihnen doch andichten will, der wisse, daß

die Apostel solche Weise nicht hatten und die Gemeinde Gottes auch

nicht.[201]

Ursprung der Begießung und Besprengung.

Je mehr die Kirche sich ihres weltgeschichtlichen Berufs und ihrer

weltbeherrschenden Macht bewußt wurde, desto mehr wich sie von

den klaren Verordnungen der Schrift ab und änderte dieselben in

anbequemender Weise um, da viele der Meinung waren, daß sie dem

begonnenen Siegeslauf der Kirche hinderlich wären. Diese Meinung

hegte man besonders in Afrika. Afrika war schon zu Tertullians Zeit,

besonders aber später, ein wahres Treibhaus für allerlei abergläubische

und unbiblische Neuerungen. Wie die dreifache Untertauchung, so

hat auch die Besprengung und Begießung Nordafrika als Heimat. Das

göttliche Original wurde in frevelnder Weise beiseite geschoben, um

den eigenen menschlichen Erfindungen Platz zu verschaffen. Wir haben

aus Tertullians Schriften bereits nachgewiesen, daß Tertullian selbst

die Taufe durch Untertauchung vollzog und daß diese Weise in seinen

Tagen als allgemeine Regel galt. Doch erwähnt +Tertullian+ bei

der Gelegenheit einer Disputation über die Frage, ob die Jünger mit

der Taufe des Johannes getauft waren oder mit einer anderen, die

Besprengung und Begießung. Er sagt: „+Andere+ hingegen machen,

allerdings gezwungen genug, geltend, als die Apostel im Schifflein

von den Wellen +bespritzt+ und +überschüttet+ wurden, so

habe dies bei ihnen die Stelle der Taufe vollständig vertreten, und

Petrus namentlich sei, als er über dem Meer einherwandelte, genügsam

eingetaucht worden.“[202] Durch diese Äußerung will man behaupten,

daß die Besprengung schon zur Zeit Tertullians im Gebrauch war. Dies

kann aber der Bemerkung Tertullians auf keinen Fall entnommen werden,

sondern nur soviel, daß die „Besprengung“ als genügend erachtet wurde,

um die Taufe zu ersetzen. Tertullian ist aber dieser Ansicht entgegen,

indem er erklärt: „Aber ich meine, etwas anderes ist es, durch die

Heftigkeit und Gewalt des Meeres durchnäßt oder hinweggerissen zu

werden, und etwas anderes ist eine in Untertauchung bestehende

Religionshandlung.“[203] Es verhält sich mit der Frage der Besprengung

in den Tagen Tertullians ebenso wie mit der Kindertaufe. Man hat beides

in Erwähnung gebracht, aber nie in der Praxis ausgeübt. Für diese

unsere Behauptung haben wir genügenden geschichtlichen Beweisgrund, auf

den wir uns stützen können.

Interessant ist es, zu sehen, auf welche Weise die Besprengung und

Begießung entstanden sind und ihre Aufnahme in die Kirche gefunden

haben. Das erste, was wir von einer Besprengung oder Übergießung

finden, ist zur Zeit, als Cyprian in Karthago das Episkopat inne hatte.

Cyprian -- nebenbei gesagt -- hatte für solche Neuerungen ein weites

Herz. Dies geht klar aus einem Briefe eines gewissen +Magnus+

hervor, der sich an Cyprian mit der Frage wandte, was er von „jenen

halte, welche auf dem +Krankenbette+ die Taufgnade empfangen

haben, ob sie nämlich, da sie vom Heilswasser nicht gewaschen sondern

nur +übergossen+ worden sind, als rechte Christen angesehen

werden könnten“.[204] Auf diese Frage antwortete Cyprian: „+Die

Wasserbesprengung+ ersetzt das heilsame Bad; denn wahrlich, der hl.

Geist wird nicht nach Maß (des Taufwassers) gegeben, sondern völlig

ausgegossen.“[205] Er war der Meinung, daß, wo der Glaube vorhanden

wäre, könne die Taufe ohne weiteres anstatt durch Untertauchung auch

durch Besprengung vollzogen werden. Die Besprengung ist also nach

diesen beiden Briefen dadurch entstanden, daß man die Kranken und

Sterbenden nicht nach der biblischen Regel untertauchte, sondern auf

dem Bette, wo sie lagen, einfach besprengte oder übergoß. Dies nannte

man klinische Taufe. Auf diese Weise wurde +Novatus+ getauft,

den der römische Bischof +Cornelius+ (gest. 252) in seinem

Synodalbrief an den Bischof +Fabius+ von Antiochien in Erwähnung

bringt, indem er sagt: „Novatus wurde +im Bette besprengt+

und erhielt so die Taufe, wenn ein solcher Empfang diesen Namen

verdient.“[206]

Den Anlaß, die Taufe bis auf das Krankenlager hinauszuschieben, gab

offenbar die Lehre, daß die Taufe die Wirkung habe, alle Sünden

wegzunehmen und die Gnade und Seligkeit erteile; ferner -- und das war

das Schlimmste, -- daß die nach Empfang der Taufe begangenen Sünden

nicht vergeben werden können.[207]

[Illustration: Die Krankenbegießung.]

Wenn auch einzelne Kirchenväter, wie zum Beispiel Cyprian, die

klinische Taufe als vollkommenen Ersatz für die Taufe durch

Untertauchung erklärten, „so hielten sie dagegen andere für eine

unvollständige Taufe und wollten den Kliniker, wenn er gesund wurde,

mit Ausnahme dringender Notfälle vom Klerikate ausgeschlossen

wissen“.[208] So wird z. B. auf dem Konzil zu Neu-Cäsarea im Jahre 314,

Kanon 12, beschlossen: „Wer die Krankentaufe erhielt, könne nicht

zum Priester befördert werden; -- denn nicht aus freiem Entschluß,

sondern aus Not (Furcht vor dem Tode) legte er das Glaubensbekenntnis

ab.“[209] Dasselbe beschließt die Reformsynode zu Paris im Jahre

822.[210] Papst +Stephan+ II. (752-757) wurde von den Mönchen zu

Cressy betreffs der Gesetzlichkeit, ein Kind in der Not, die durch

Krankheit veranlaßt wäre, zu taufen, indem man ihm Wasser mittels eines

Bechers auf den Kopf gießt, befragt. Der Papst erwiderte: „Eine solche

Taufe, in einer solchen Not und im Namen der hl. Trinität vollführt,

soll als bündig gelten.“[211]

Dieser Taufmodus wird durch mehrere Grabmäler aus dem 3. und späteren

Jahrhunderten, auf denen, wie auch auf Gemälden, Abbildungen mit dieser

Art der Taufhandlung vorkommen, bestätigt. ~Dr.~ +Brenner+

schreibt z. B.: „Auf einem sehr alten bei Neapel vorgefundenen

Sarkophage sind zwei gekrönte nackende Personen verschiedenen

Geschlechts in einem Kessel stehend abgebildet, und an ihrer Seite eine

männliche Figur aus einem Becken Wasser über den Kopf der ersteren

schüttend, wodurch nach einigen Kritikern die Taufe der bayrischen

Prinzessin Theodolinde und ihres königlichen Gemahls Authar vorgestellt

sein soll. Dies wäre somit noch am Ende dieser Periode (des 6. Jahrh.)

ein merkwürdiges Beispiel von einer Taufe durch Aufgießung.“[212]

Auf dem englischen Konzil am 27. Juli 816 zu Celchyt wurde das

Begießen ausdrücklich verboten.[213] Und das Konzil von Nemours 1284

beschränkt es auf Notfälle. Erst das Konzil zu Ravenna vom Jahre

1311 läßt zwischen Untertauchung und Begießung die freie Wahl. Seit

dem Ende des 13. Jahrh. ist die Besprengung die allgemeine Regel in

der abendländischen Kirche geworden. Prof. +Drews+ schreibt: „Bis

zu Cyprians Zeit war die Untertauchung herrschende Sitte, außer in

besonderen Fällen. Seit dem 4. Jahrh. wird es in einigen Kirchen

üblich, die Untertauchung durch eine reichliche Begießung des Hauptes

zu ersetzen; +dabei steht aber der Täufling im Wasser+.“ „Die

Besprengung des Kopfes, wie wir sie üben, wird erst im 13. Jahrh.

der allgemeine Brauch, aber nur im Westen. Die östliche Kirche hält

noch heute an der vollen Untertauchung fest.“[214] Bald darauf (nach

dem 13. Jahrh.) finden wir Synodalbeschlüsse, welche die Besprengung

streng vorschreiben. So wird dieser Ritus nach ~Dr.~ +Höflings+ Angabe

auch ausdrücklich vorgeschrieben in der Pommerischen Kirchenordnung

vom Jahre 1563, sowie auch in der Österreichischen vom Jahre 1571,

der Hohenlohischen von 1578, der Straßburger von 1601 und 1605, der

Hanauischen, Ulmischen und Badischen.[215]

Die geschichtliche Tatsache ist also die, daß der Ritus der Besprengung

und Begießung nicht apostolische Praxis war, sondern erst in der ersten

Hälfte des 3. Jahrh. in den Tagen Cyprians entstanden ist, und man sie

anfänglich nur an schwerkranken und sterbenden Personen in Anwendung

brachte. Später, nach Cyprians Zeit, finden sich Spuren davon, daß

man auch gesunde Personen, wenn auch sehr selten, durch reichliches

Übergießen taufte oder, wie ~Dr.~ +Augusti+ in seiner christlichen

Archäologie VII, S. 231, berichtet, auch dadurch, daß man den Kopf

des Täuflings ins Wasser tauchte, wobei er aber im Wasser stand, und

da man die Sache eben noch bequemer haben wollte, so wandelte man

die Taufhandlung schließlich in ein bloßes Besprengen der Stirn des

Täuflings um.[216]

Man kann sich aus dem Lauf der Dinge ein klares Bild machen, wie nach

und nach aus dem Seltenen und Ausnahmsweisen eine strenge, allgemein

kirchliche Regel geworden ist, an der auch nicht ein Jota verändert

werden darf. Wie konnte nur die westliche Kirche von der uralten Sitte

des Untertauchens, offenbar und unbestritten apostolischer Praxis,

abgehen, und wie ist diese Abweichung zu verstehen und zu rechtfertigen?

[Illustration]

Eine Menge unbiblischer Gebräuche bei der Taufe.

Es läßt sich ohne große Mühe nachweisen, daß sehr viele abergläubische

Zeremonien angenommen worden sind, welche der apostolischen Kirche und

bis zum Ende des 2. Jahrh. völlig fremd waren. Im N. Testament ist

die Taufe als eine öffentliche Handlung beschrieben. Dies blieb sie

auch bis gegen Ende des 2. Jahrh., und es findet sich kein Beispiel

von einer Geheimhaltung dieser Zeremonie, oder daß diese Handlung als

eine mysteriöse galt. Seit dem 3. Jahrh. hingegen verschwindet die

öffentliche Taufe, und man vollzog sie von da ab nur in Gegenwart

solcher, die bereits getauft waren und dazu oft hinter verschlossenen

Türen. Man findet also die Taufe mit einem Male als Mysterium

behandelt. Aber die „Torheit“ Gottes ist weiser als die Menschen

sind. Die Taufe, wie sie von Jesu eingesetzt ist, ist eine sichtbare

Offenbarung seiner göttlichen Weisheit und Größe, wie man sie aber

im 3. Jahrh. mit all den vielen menschlichen und abergläubischen

Zeremonien kannte, hatte sie viel Ähnlichkeit mit den sogenannten

heidnischen Mysterien. Man war der Meinung, durch diese Anhängsel den

Glauben zu befestigen, aber sie trugen nur dazu bei, den Aberglauben

großzuziehen. Durch sie wurde die ursprüngliche feierliche Einfachheit

der Taufe, wie sie uns noch bei Justin dem Märtyrer (gest. 166)

entgegentritt, gänzlich verdunkelt.[217] Einige der wichtigsten dieser

Gebräuche seien nachfolgend in Erwähnung gebracht:

1. Die Teufelsbeschwörung oder der sogenannte Exorcismus.

Weder in dem Bericht von der Johannestaufe, noch in dem Taufbefehl

Jesu, noch in einer der vielen Taufhandlungen, die uns im N. Testament

berichtet werden -- auch selbst nicht bei der Taufe der Heiden

--, findet man eine Spur von Teufelsbeschwörung oder auch nur die

Vorstellung von einem besonderen Einfluß Satans und der Dämonen.[218]

Auch die ältesten Kirchenlehrer, wie +Justin der Märtyrer+ und

+Irenäus+ (gest. 202), wissen noch nichts davon. ~Dr.~ +Neander+

schreibt darüber: „Wir finden im 2. Jahrh. noch keine Spur einer

solchen Bannungsformel gegen den bösen Geist.“[219] In Tertullians

Schriften hingegen findet sich schon eine Art von Exorcismus vor,

wenn auch noch nicht in so abergläubischer Entartung, wie man ihm im

3. und 4. Jahrh. begegnet. +Tertullian+ führt aus: „Wir geben auch

eine Zeitlang vorher in der Kirche unter der Hand des Bischofs die

Erklärung ab, daß wir dem Teufel, seiner Pracht und seinen Engeln

widersagen.“[220] Nach +Cyrill von Jerusalem+ (gest. 386) wandte sich

der Täufling bei dieser Absagung nach Sonnenuntergang mit den Worten:

„Ich entsage dir, Satan, und allen deinen Werken und allem deinem

Gepränge und allem deinem Dienste.“[221] Hierauf wurde dem Katechumenen

befohlen, den Teufel auszublasen und auszuspeien. Später, als das

Christentum zu den germanischen Völkern kam, wurde dem Täufling die

Frage gestellt, ob er den Göttern Donar, Wodan, Saxnot und allen bösen

Geistern und Unholden entsage. Die Antwort lautete: „Ich widersage

(ek forsage).“[222] Diese Teufelsentsagung führte zu der +gänzlich

unbiblischen Teufelsbeschwörung+. Sehr richtig bemerkt +Henke+ hierzu:

„Die Absagung war ursprünglich weiter nichts als ein Versprechen,

daß er Götzen, Götzendienst, heidnische Feste und Schauspiele

verabscheuen und meiden wolle. Sie leitete aber auch weiter zu anderen

Vorstellungen, und sie enthielt die Anlage zum Exorcismus.“[223]

Der wesentliche Unterschied zwischen der Teufelsentsagung und

-beschwörung ist der, daß bei ersterer die +Absagung+ der Täufling

selbst verrichtete, die +Beschwörung+ oder der Exorcismus hingegen von

dem Taufenden vorgenommen wurde. Daß sich aber solche Gebräuche nicht

auf die hl. Schrift sondern nur auf die Tradition gründeten, dessen

war man sich in der alten Kirche voll und ganz bewußt. Dies bezeugt

+Tertullian+ ausdrücklich, indem er sagt: „Wenn du für diese und andere

Punkte der Kirchenzucht eine ausdrückliche Vorschrift aus der hl.

Schrift verlangen wolltest, so wirst du keine auftreiben können. Man

wird dir die Tradition entgegenhalten als die Urheberin davon.“[224]

Die erste Spur des Exorcismus bei der Taufe zeigt sich in den

Verhandlungen jenes Konzils zu Karthago im Jahre 256, auf dem nicht

weniger als 87 Bischöfe anwesend waren. Hier wurde verordnet, daß

jeder, der zur Taufe zugelassen werde, zuvor (durch den Exorcismus)

gereinigt werden müßte.[225]

Auf welche Art diese Teufelsbeschwörung vor sich ging, läßt sich klar

aus einer Verordnung des Konzils zu Konstantinopel im Jahre 381, Kanon

7, ersehen. Da heißt es: „Wir behandeln sie (die Häretiker) so, wie

man es mit den Heiden zu machen pfleget. Den ersten Tag machen wir sie

zu Christen (d. h. wir erklären, daß sie in die christlich-katholische

Kirche aufgenommen werden sollen); den zweiten Tag nehmen wir den

+Exorcismus+ mit ihnen vor, wobei ihnen dreimal in das Angesicht

und in die Ohren geblasen (oder gehaucht) wird. Hernach unterrichten

wir sie, lassen sie die gehörige Zeit über in der Kirche erscheinen

und die Schrift hören. Sodann werden sie getauft.“[226] Andere

Schriftsteller erwähnen dabei noch das Bestreichen mit Speichel.[227]

Im 4. Jahrh. erklärten angesehene Kirchenväter den Exorcismus zwar

für heilsam, weil selbst die Kinder von dem Einfluß der bösen Geister

nicht frei wären, aber nicht für notwendig und in der hl. Schrift

geboten.[228]

Die Christliche Taufe im Lichte der hl. Schrift und der Geschichte von der Zeit ihrer Entstehung bis auf die Gegenwart · 第 6 / 13 段