Trotzdem man den Verteidigern der dreimaligen Untertauchung von allen

Seiten die Unrichtigkeit ihrer Behauptung beweist, halten sie doch

an dem plumpen Irrtum fest. Anstatt der Wahrheit die Ehre zu geben,

ziehen sie es vor, lieber noch weiter im Nebel umherzutappen, und da

es zur Begründung ihrer Idee an Schriftzeugnissen fehlt, versuchen sie

mit fieberhafter Tätigkeit aus dem Labyrinth menschlicher Traditionen

Beweismaterial für ihre Sache herbeizuschaffen. Doch was ihnen ein

Beweis zu sein scheint, dient nur dazu, noch ein paar der spärlichen

Flämmchen auszulöschen, die hier und dort brennen. So wird zum Beispiel

ein Dokument herangezogen, das man als „die Lehren der zwölf Apostel“

bezeichnet. Daraus will man den „unumstößlichen“ Beweis erbringen,

daß die dreimalige Untertauchung schon apostolische Praxis gewesen

wäre. Natürlich kann dies nur für solche ein Beweis sein, die dieses

Schriftstück wirklich als „ein letztes Vermächtnis der zwölf Apostel

an die Kirche“ anerkennen. Die Historiker sind sich heute aber

vollständig klar und einig darüber, daß diese sogenannten „Lehren der

zwölf Apostel“ auf keinen Fall von den Aposteln selbst herstammen,

sondern ein Produkt der späteren Jahrhunderte sind. Das Schriftstück

ist aber für uns insofern von nicht geringem Nutzen, da wir dadurch

die gleichgültige und oberflächliche Denkungsart jener Zeit kennen

lernen. Dieses fragliche Dokument wurde im Jahre 1883 durch einen

gewissen +Philoteos Bryennios+, damals Rektor einer höheren

griechischen Schule in Konstantinopel, in der Bibliothek des Klosters

zum allerheiligsten Grabe von Jerusalem in Konstantinopel entdeckt.

Die ganze Sammlung wurde ins Deutsche von Prof. A. +Harnack+

übersetzt und in der „Theologischen Literaturzeitung“ vom 9. Februar

1884 veröffentlicht. Zwei Jahre später nahm er vom 12. Juni ab durch

eine Reihe von Artikeln eine skeptische Stellung zu dieser Sammlung

ein. Er legte der ganzen Sache wenig Wert bei, weil man weder über

das Datum der Entstehung noch über den Verfasser derselben etwas

Genaues wissen könne. Wie weit die verschiedenen Festsetzungen der

Abfassungszeit dieser Schrift zeitlich auseinander gehen, geht klar

aus einer interessanten Zusammenstellung von Prof. A. Harnack hervor.

Er schreibt: „Der erste setzt die neuentdeckte Schrift vor die

paulinischen Briefe, ja vor das Apostelkonzil (Sabatier), der zweite

in die Zeit des Paulus, der dritte bald nach der Zerstörung Jerusalems

(Bestmann), der vierte in die letzten Dezennien des 1. Jahrh. (eine

sehr beliebte Datierung), der fünfte unter Trajan (ebenfalls beliebt),

der sechste unter Bar-Kochba, der siebente in die Zeit der Antonine,

der achte etwa unter Commodus (Krawutzky), der neunte in das dritte

Jahrhundert, der zehnte in das vierte, und es gibt auch noch solche,

die das fünfte und noch spätere Jahrhunderte empfehlen. Das wäre die

Abfassungszeit. Es steht an keinem andern Punkte besser..... Dies wäre

eine kleine Musterkarte; sie könnte beliebig vermehrt werden, wenn man

auf die Adresse und Aufschrift des Buches, auf die einzelnen in ihm

enthaltenen Stücke usw. eingehen wollte.“[156]

In dem 7. Kapitel der „Lehren der Apostel“ soll also der Beweis für das

dreimalige Untertauchen liegen. Prof. Drews sagt: „Wir können daraus

auf ein dreimaliges Untertauchen schließen: bei jedem Glied der Formel

findet eine Untertauchung statt.“[157] Zu dieser Hypothese kommt man

nur dadurch, daß die „Lehren der Apostel“ außer der Untertauchung auch

noch bei Mangel an Wasser die dreimalige Begießung zulassen. Damit

aber der werte Leser selbst urteilen kann, wie unberechtigt diese

Schlußfolgerung ist, geben wir den in Frage kommenden Abschnitt hier

vollständig wieder, und zwar in der Übersetzung von Prof. A. Harnack:

„Was aber die Taufe betrifft, so taufet so: Taufet, nachdem ihr obige

Lehren alle (d. h. die moralischen Unterweisungen, Kap. 1-6) vorher

mitgeteilt, auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des hl. Geistes

in fließendem Wasser. Wenn du aber fließendes Wasser nicht hast, so

taufe in anderem Wasser; wenn kein kaltes Wasser da ist, in warmem.

Wenn du aber beides nicht hast, so begieße das Haupt dreimal mit Wasser

auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des hl. Geistes. Vor der

Taufe aber soll der Täufer und der Täufling fasten und wer es sonst

noch vermag. Dem Täufling aber sollst du befehlen, daß er einen oder

zwei Tage vorher faste.“[158]

Wir fragen nun jeden unparteiischen und wahrheitsliebenden Leser: Steht

hier auch nur ein Wort von einer dreimaligen Untertauchung? Jeder

Aufrichtige wird genötigt sein, die Frage zu verneinen. Hier lesen

wir nur, falls nicht genügend Wasser vorhanden sei, solle der Täufer

das Haupt des Täuflings dreimal mit Wasser begießen. Übrigens scheint

der Verfasser dieses merkwürdigen Dokumentes ein, wie man heute sagen

würde, sehr liberaler Mann gewesen zu sein. Sein Rat lautet: „Taufet

in fließendem Wasser, wenn ihr könnt; wenn ihr aber nicht könnt, dann

in anderem. Wenn ihr kein kaltes habt, nehmt warmes, und wenn ihr

überhaupt nicht „taufen“ könnt, dann besprengt ihr eben, es tut’s

auch.“ Also solche Regeln und Grundsätze wagt man als „apostolisch“ zu

stempeln. Wir möchten dann doch gerne wissen, was nicht apostolisch

ist. Hier hat man es vielmehr mit den „Kohlensäcken der Väter“ zu tun,

von denen Luther in seinen „Tischreden“, 2586, spricht, und dafür

danken wir bestens. Auch überlassen wir den Anhängern der dreifachen

Taufe sehr gerne alle Ehre, welche sie sich durch Gebrauch derartiger

„Geschichtsquellen“ aneignen.

In +nachapostolischer Zeit+ wird +Justin der Märtyrer+

(100-166), der älteste christliche Kirchenvater, zitiert, und man will

aus seiner ersten Apologie (Verteidigungsschrift), die er etwa ums

Jahr 147 schrieb, welche an den Kaiser Antoninus Pius gerichtet ist,

in der er eine ausführliche Beschreibung von den gottesdienstlichen

Handlungen der Christen liefert, und darin auch die trinitarische

Taufformel erwähnt, schließen, daß zu seiner Zeit auch die dreimalige

Untertauchung im Gebrauch gewesen wäre. Die Stelle, worin Justin sich

über diesen Punkt äußert, lautet: „Hierauf werden sie (die Täuflinge)

von uns hingeführt, wo Wasser ist, und werden in jener Art und Weise

wiedergeboren (getauft), wie auch wir selbst wiedergeboren (getauft)

worden sind; im Namen Gottes, des Vaters und Herrn aller Dinge, und

unseres Heilandes Jesu Christi und des hl. Geistes empfangen sie

nämlich dann die Abwaschung (das Taufbad) im Wasser.“[159] Justin

sagt hier gar nichts von einer dreifachen Taufe oder von einem

dreimaligen Untertauchen; auch kann diese Idee nicht der Sprache des

Schreibers entnommen werden. Trotzdem ist man schnell dabei und setzt

fest: „Die Taufe selbst bestand in der Regel in vollem dreimaligen

Untertauchen in fließendem Wasser unter Aussprechen der trinitarischen

Taufformel.“[160] Wir geben diese unberechtigte Schlußfolgerung

dem werten Leser als Muster eines Argumentes, wie es zugunsten der

dreimaligen Untertauchung gebraucht wird.

+Irenäus+, Bischof zu Lyon (140-202), der noch den Unterricht

des Apostelschülers +Polykarp+ (gest. 167) genoß, der ihm „von

seinem Umgang mit Johannes und mit den andern, die den Herrn gesehen

hatten,“ erzählte, wie Irenäus selbst in seinem Briefe an seinen Freund

und Jugendgenossen Florinus erwähnt,[161] und der, wie ~Dr.~

Schaff schreibt,[162] „der Vorkämpfer kirchlicher Rechtgläubigkeit

im Gegensatz zur gnostischen Häresie und der Vermittler zwischen der

morgen- und abendländischen Kirche“ war, erwähnt ebenfalls nichts

in seinen zahlreichen Schriften, das uns den Anlaß geben könnte, zu

glauben, daß in seinen Tagen die dreimalige Untertauchung in Anwendung

gebracht worden wäre.

Die erste Spur einer dreimaligen Untertauchung

finden wir bei +Tertullian+ (gest. 230), welcher ausdrücklich

in seiner Schrift gegen Praxeas, Kap. 26, sagt: „Wir werden nicht

einmal, sondern +dreimal+ bei Nennung jedes einzelnen Namens

auf die einzelnen Personen untergetaucht.“ Ebenso bestätigt er dies

in seiner Abhandlung „Vom Kranze des Soldaten,“ Kap. 3, welches wir

hier in der Übersetzung von Prof. Kunze geben: „Um mit der Taufe

zu beginnen, so beteuern wir beim Eintritt ins Wasser ebenda, aber

auch schon etwas früher in der Gemeinde (Kirche) unter der Hand des

Priesters, daß wir dem Teufel, seinem Gefolge und seinen Engeln

entsagen; alsdann werden wir dreimal untergetaucht, indem wir ein

etwas Mehreres antworten (oder erfüllen), als der Herr im Evangelium

[nämlich Matth. 28, 19] angeordnet hat.“[163] Man beachte, Tertullian

redet hier von dem Gebrauch der dreimaligen Untertauchung als von etwas

dem Evangeliumsbefehl Hinzugefügtem. Klar zeigt er die Quelle, aus der

dieses Taufverfahren entsprungen ist. Er sagt: „Wenn dieselbe [die

dreimalige Untertauchung] auch durch keine Stelle der Schrift bestätigt

wird, so ist sie doch sicher durch die +Gewohnheit+ befestigt,

und diese ist +ohne Zweifel aus der Tradition+ erflossen.“[164]

Ebenso in Kap. 4 derselben Schrift: „Wenn du für diese und andere

Punkte der Kirchenzucht eine ausdrückliche Vorschrift aus der hl.

Schrift verlangen wolltest, so wirst du +keine+ auftreiben können.

Man wird dir die +Tradition+ entgegenhalten +als die Urheberin

davon+.“ Eine Schriftbestimmung für den Ritus der dreimaligen

Untertauchung gibt es nach Tertullians eigener Aussage nicht, sondern

nur die Macht der Gewohnheit, welche aus der Tradition geflossen war,

ist als die einzige Urheberin zu bezeichnen. Also bleibt er nur eine

rein menschliche Einrichtung.

Auch +Basilius der Große+ (gest. 379) bemerkt in seinem Buche „Vom

hl. Geiste“, Kap. 27, daß die verschiedenen Gebräuche in der Kirche,

unter denen er auch das dreimalige Untertauchen bei der Taufe erwähnt,

nicht in der hl. Schrift, sondern in der Tradition ihren Grund haben.

Er erklärt: „Wir begnügen uns nicht mit dem, was die Apostel oder das

Evangelium uns mitteilen, sondern wir haben noch eine ungeschriebene

Lehre. Woher ist es genommen,“ fragt er darauf, „daß wir den Täufling

+dreimal untertauchen+? Aus welchem Buche haben wir die übrigen

Taufgebräuche, wie unter anderem, daß dem Teufel und seinen Engeln

entsagt wird? Rühren sie nicht aus jener verborgenen Geheimlehre her,

welche unsre Väter in der Stille aufbewahrten?“[165] Ebenso erwähnt

der Bruder des Basilius, +Gregor von Nyssa+ (gest. 395), die

dreimalige Untertauchung.[166]

Und +Cyrill von Jerusalem+ (gest. 386), der eine ausführliche

Beschreibung der in der Kirche des Altertums gebräuchlichen

Taufzeremonien liefert, führt ebenfalls daß dreimalige Untertauchen

an, in dem er, nicht wie Tertullian,[167] eine Beziehung auf den

dreieinigen Gott sieht, sondern eine besondere Beziehung auf den

dreitägigen Aufenthalt Jesu im Grabe erblicken will. Seine Ausführung

lautet: „Ihr bekanntet das heilbringende Bekenntnis und tauchtet

dreimal ins Wasser unter und wieder auf, und deutetet hiermit

sinnbildlich daß dreitägige Begrabensein Christi an.“[168] Dieser

Deutung traten auch noch andere Kirchenväter bei, so Gregor von Nyssa

in seiner Katechese, Kap. 35, sowie Athanasius u. a. m.

Von Papst +Gregor dem Großen+ (590-604) wird das dreimalige

Untertauchen ausdrücklich vorgeschrieben. Seine Anordnung lautet

wörtlich: „Der Priester soll unter dreimaligem Untertauchen, wobei

er ebenso oft die heilige Dreieinigkeit anruft, taufen mit folgenden

Worten: Ich taufe dich im Namen des Vaters, und tauche ihn einmal

unter, und des Sohnes, und tauche ihn zum andern Male unter, und des

hl. Geistes, und tauche ihn zum dritten Male unter.“[169]

Und aus der Synode zu Worms im Jahre 868 erklärte man: „Sowohl die

einmalige als auch die dreimalige Untertauchung bei der Taufe ist

erlaubt, letztere wegen der Dreiheit der Personen, erstere wegen der

Einheit der Substanz.“[170]

Die +morgenländische Kirche+ blieb bei der dreimaligen

Untertauchung bis auf den heutigen Tag. So heißt es im „Rechtgläubigen

Bekenntnis“ der griechischen Kirche: „Die Taufe ist eine Abwaschung

und Wegnehmung der Erbsünde durch +dreimalige Untertauchung+

ins Wasser.“[171] Im „Ausführlichen Katechismus“ der russischen

Kirche, verfaßt von Erzbischof +Philaret+ wird gelehrt, daß

das Allerwichtigste in der heiligen Taufhandlung „das dreimalige

Untertauchen im Wasser im Namen des Vaters, des Sohnes und des hl.

Geistes“ sei.[172]

Während die morgenländische Kirche ein dreimaliges Untertauchen

übt, bringt „die abendländische Kirche ein dreimaliges Besprengen

oder Überschütten eines Kopfteiles des Täuflings beim Vollziehen

der Taufe in Anwendung. In beiden Kirchen vollzieht sich die eine

Taufe im dreimaligen Untertauchen oder im dreimaligen Besprengen mit

Wasser.“[173]

Aus dem Bisherigen ersehen wir, daß die dreimalige Untertauchung im N.

Testament nicht zu finden ist, somit an eine Ausführung derselben durch

die Apostel durchaus nicht zu denken ist. Auch die der apostolischen

Zeit am nächsten lebenden Kirchenväter wissen nichts von einem

derartigen Brauch. Erst am Ende des 2. und anfangs des 3. Jahrh.,

und zwar in den Tagen Tertullians, brachte man diese Neuerung auf

und gründete sie, da es an Schriftzeugnissen fehlte, einfach auf die

Tradition. Noch später wurde es durch die strengen Erlasse der Synoden

jedem Täufer zur unerläßlichen Pflicht gemacht, die Taufe nach diesem

Modus zu vollziehen, bis sie schließlich im Laufe der Zeit in ein

dreimaliges Begießen oder Besprengen verwandelt wurde. Wir gelangen zu

dem Schluß, daß die dreimalige Untertauchung wohl von den verschiedenen

Kirchen in Anwendung gebracht wurde, unter keinen Umständen darf sie

aber auf einen Befehl Christi und der Apostel zurückgeführt werden.

[Illustration]

Die Begießung und Besprengung.

Wie bei der dreimaligen Untertauchung, so versucht man auch den Ritus

der Begießung und Besprengung als schon von den Aposteln in Anwendung

gebrachte Sitte zu erklären. Man zitiert sogar Bibeltexte, aus denen

„klar“ hervorgehen soll, daß zur Zeit der Apostel außer der Regel der

Untertauchung auch durch Übergießen oder Besprengen getauft worden

wäre. Um nachzuweisen, wie haltlos diese Behauptung ist, unterziehen

wir die in Frage kommenden Bibelstellen einer genauen Untersuchung.

Die erste Stelle wäre Apg. 1, 5 in Verbindung mit Apg. 2, 17. 33.

Man glaubt, in der Taufe des hl. Geistes ein Argument zugunsten

der „Übergießung“ gefunden zu haben, denn der hl. Geist wurde

„ausgegossen“.[174] Diese Schlußfolgerung wird aber vollständig durch

die Tatsache entkräftet, daß, trotzdem der hl. Geist am Pfingsttage

ausgegossen wurde, „erfüllte er das ganze Haus,“ worin die Apostel

versammelt waren.[175] Wenn nun Wasser in einen Raum ausgegossen werden

würde, bis der Raum ganz „+gefüllt+“ wäre, so würden alle Personen

in demselben von Wasser umgeben oder in demselben „untergetaucht,“

„begraben“ sein. Dies war auch der Fall bei der Ausgießung des hl.

Geistes am Tage der Pfingsten. Zu beachten ist noch, daß das Wort

„ausgießen“ (~ekchèo~) in der vorliegenden Stelle (Apg. 2, 17)

nur da gebraucht wird, wo es vom hl. Geist spricht; wenn aber die

Schrift von den Personen spricht, die mit dem hl. Geist getauft

werden sollen, so gebraucht sie das Wort „baptizein“,[176] welches,

wie schon oben aufs klarste bewiesen wurde, stets „untertauchen“,

„begraben“ und „versenken“ bedeutet. Dies wurde auch in Wahrheit

dadurch bewerkstelligt, daß der Geist Gottes den ganzen Raum „füllte“,

in dem die Jünger versammelt waren. Nehmen wir den Grundtext zur Hand,

so sind wir allen Schwierigkeiten enthoben, denn wir lesen da in Apg.

1, 5; Matth. 3, 11 und Mark. 1, 8 nicht „mit“ sondern „im“ hl. Geist

getauft werden, d. h. in den hl. Geist +hineingetaucht+ werden.

So erklärt auch Bischof +Jakobson+ von der englischen Hochkirche

diese Stelle: „Erfüllte das ganze Haus, d. h. wie ein Bad mit Wasser

gefüllt wird, so daß sie untergetaucht werden konnten in dem hl. Geist

zur Erfüllung von Apg. 1, 5.“[177] Somit haben wir in diesem Text einen

starken Beweis für die Praxis der „Untertauchung“, nie aber für das

„Aufgießen“.

Die nächste Stelle, die einen Beweis für die Besprengung enthalten

soll, ist Apg. 2, 41. Hier berichtet Lukas von der Bekehrung und Taufe

der Dreitausend. Man behauptet, 1. sei es nicht möglich gewesen, daß

so viele an einem Tage untergetaucht worden seien[178], und 2. konnte

es nicht geschehen, weil Jerusalem sehr arm an Wasser und Privatbädern

war.[179] Mit welcher Berechtigung man die Taufe der Dreitausend an

einem Tage einfach als unmöglich erklärt, ist uns unverständlich. Die

Erfahrung und Geschichte lehrt vielmehr die Möglichkeit einer solchen

zahlreichen Taufe an einem Tage. So schreibt ~Dr.~ +Brenner+

in seiner „Geschichte der Taufe,“ S. 236, daß +Remigius+,

Erzbischof von Rheims (gest. 533), 3000 an einem Tage getauft habe.

Und Pfarrer +Kranz+ (seit 1892 Missionar in China) berichtet in

seiner Schrift „Einundzwanzig Gründe“, S. 30: „Zwei Beispiele aus der

neueren Missionsgeschichte beweisen die Möglichkeit der Taufe von

mehreren Tausend Personen an einem Tage. Am 3. Juli 1878 wurden bei

Vilumpilly zwischen Ongole und Hyderabad (Südindien) 2222 Personen im

Gundalacumaflusse getauft. Nur je zwei Prediger, welche jede Stunde

von zwei anderen abgelöst wurden, vollzogen die Taufe, und die dazu

gebrauchte Zeit war von 6 bis 10 Uhr vormittags und von 2 bis gegen

6 Uhr nachmittags. -- Am 28. Dezember 1890 wurden 1671 Personen im

Baptisterium des ~Dr.~ Clough in Ongole getauft, die dazu nötige

Zeit war 4 Stunden und 25 Minuten.“

Was nun die zweite Einwendung anbetrifft, wo behauptet wird, daß

Jerusalem sehr arm an Wasser sei, und deshalb die Taufe der 3000 nicht

durch Untertauchung, sondern durch Übergießen oder Besprengen vollzogen

worden sei, so tut es uns leid, sagen zu müssen, daß diese Behauptung

den geschichtlichen Tatsachen nicht entspricht. Wer das Vorrecht hatte,

Jerusalem selbst in Augenschein zu nehmen, wird zugeben müssen, daß in

Jerusalem und in seiner nächsten Umgebung so viele Teiche sind, daß

man ohne jegliche Schwierigkeit Tausende durch Untertauchen taufen

könnte. Pfarrer Kranz gibt nach ~Dr.~ Hiscox folgende Teiche an:

„1. Teich Bethesda, 360 Fuß (engl.) lang, 130 Fuß weit, 75 Fuß tief.

2. Teich Siloah, 53 Fuß lang, 18 weit, 19 tief. 3. Der „Obere Teich“,

316 Fuß lang, 218 weit, 18 tief. 4. Der „Teich des Hiskia“, 240 Fuß

lang, 144 weit. 5. Der „Untere Teich“, 592 Fuß lang, 260 Fuß weit, 40

Fuß tief (während der Kreuzzüge noch voll Wasser). 6. Außerdem gab es

mehrere kleine Teiche.“[180] ~Dr.~ +Winer+ erwähnt ebenfalls

alle diese Teiche.[181] Und Kirchenpropst +Caspers+ führt aus:

„Weder die Unmöglichkeit noch die Unwahrscheinlichkeit einer Taufe

mit dem Untertauchen des ganzen Leibes ist objektiv darzutun, denn es

befanden sich in Jerusalem viele Teiche, welche das Untertauchen leicht

ermöglichten.“[182]

[Illustration: Der Teich Bethesda.]

Auch Apg. 8, 36-39, wo die Taufe des Kämmerers der Königin Kandaze

aus Mohrenland berichtet wird, wird angeführt, wobei das Bedenken

laut wird, ob in diesem Fall genügend Wasser vorhanden war, um das

Untertauchen vornehmen zu können, denn Vers 26 sagt von der Gegend, daß

sie, „wüste“ war. Das Wort „Wüste“ bezeichnet in der Bibel fast immer

eine unbewohnte Gegend, die aber nicht notwendigerweise trocken oder

eine nackte Sand- und Steinfläche ohne Wasser und Vegetation zu sein

braucht.[183] Als Beweis sei hier auf Matth. 14, 13-19 hingewiesen.

Hier wird erzählt, daß Jesus sich in eine „Wüste“ zurückzog, wohin ihm

viel Volks nachfolgte. Als nun die Nacht hereinbrach, verlangten die

Jünger von Jesu, daß er die Menge wegschicken sollte, damit sie in

die Märkte gehen und sich Nahrung verschaffen möchten. Aber anstatt

der Jünger Verlangen zu willfahren, befahl er, daß sich das Volk ins

„+Gras+“ setze, woselbst er sie mit fünf Broten und zwei Fischen

speiste. Man beachte ferner, daß in Apg. 8, 36 es ausdrücklich heißt:

„Und als sie zogen der Straße nach, kamen sie an ein Wasser.“ Diese

Tatsache wird auch noch durch die Erklärung des Kämmerers bestätigt,

indem er sagt: „Siehe, da ist Wasser; was hindert’s, daß ich mich

taufen lasse?“ In Vers 38 lesen wir, daß beide, der Kämmerer sowie

Philippus, in das Wasser stiegen, und er taufte ihn -- ~katébesan

amphòteroi eis to hùdor~ -- und gleich der nächste Satz lautet, daß

sie nach Vollzug der Taufe aus dem Wasser stiegen -- ~ote dé anébesan

ek tou hùdatos~. Wenn, wie man hier gerne behaupten will, die Taufe

durch Aufgießen oder Besprengen vollzogen worden sei, so möchten wir

doch gerne fragen, wozu wäre dann ein Hineinsteigen in das Wasser nötig

gewesen? All die Umstände, welche die Taufe des Kämmerers begleiten,

passen auf keine andere Art der Ausführung derselben als nur auf die

des Untertauchens. Der Bericht ist so klar und unzweideutig, daß er

weder mißverstanden noch umgedeutet werden kann. Und wer noch ein wenig

Achtung vor der hl. Schrift besitzt, wird auch nie versuchen, solch

klare Zeugnisse durch seine Ideen und Meinungen zu verdunkeln.

~Dr.~ +Doddridge+ faßt sein Urteil, dem auch wir nur

beipflichten können, in folgenden Worten zusammen: „Es würde ganz

unnatürlich sein, wenn man annehmen wollte, daß sie bloß deshalb in das

Wasser hinabgestiegen wären, damit Philippus davon ein wenig in seine

Hand nehmen und es über den Kämmerer ausgießen könnte. Ein Mann von

solchem Stande hatte auf der Reise durch ein wüstes Land ohne Zweifel

mancherlei Gefäße bei seinem Geräte, in welchem Wasser hätte nach

dem Wagen gebracht werden können; eine solche Vorsicht ist in jenen

Ländern durchaus notwendig für Reisende und wird niemals von ihnen

unterlassen.“[184] Und +Calvin+ bemerkt in seinem Kommentar zu

Apg. 8, 38: „Hier sehen wir, wie die Taufe bei den Alten verrichtet

wurde, denn sie tauchten den ganzen Leib in das Wasser.“ Dasselbe

bezeugt auch +Starke+ zu dieser Stelle.[185]

Reisende und Forscher, die den Weg von Jerusalem nach Gaza

zurücklegten, berichten, daß genügend Quellen und Teiche auf der

Strecke vorhanden seien, um eine Taufe durch Untertauchen vornehmen zu

können. Der Pilger Pourdeaux beschreibt nach kaum 300 Jahren, 333 n.

Chr., die Sachlage wie folgt: „Von hier (Bethlehem) bis Bethazsora sind

14 Meilen, wo sich der Teich befindet, in dem Philippus den Kämmerer

taufte.“[186]

Die Christliche Taufe im Lichte der hl. Schrift und der Geschichte von der Zeit ihrer Entstehung bis auf die Gegenwart · 第 5 / 13 段