des weströmischen Reiches 476 bis zum Beginn der Reformation im Jahre
1517, lassen sich die Spuren verfolgen, wo die Taufe, wenn auch nicht
mehr ganz in ihrer biblischen Reinheit, so doch noch vielfach durch
Untertauchen verrichtet wurde. So wird z. B. von Papst Gregor dem
Großen (590-604) das Untertauchen ausdrücklich vorgeschrieben. Diese
Anordnung Gregors zitiert ~Dr.~ +Brenner+ in seiner „Geschichte der
Taufe“, S. 32.
Auch in der spanischen Kirche vollzog man die Taufe durch völliges
Untertauchen; doch wich man von der in der Zeit schon herrschenden
Sitte der dreimaligen Untertauchung, welche übrigens ja auch
vollständig unbiblisch ist, ab und tauchte seit den Tagen Leanders,
Bischof von Sevilla (gest. 597), den Täufling nur einmal unter, „um
dadurch,“ wie ~Dr.~ +Brenner+ bemerkt, „seinen Abscheu gegen die
Arianer an den Tag zu legen, welche die dreimalige Untertauchung dazu
mißbrauchten, um die drei verschiedenen Naturen der drei Personen in
der Gottheit auszudrücken. Dies einmalige Untertauchen wird von Papst
Gregor dem Großen gutgeheißen.“[130]
Die abessinische Kirche vollzieht die Taufe bis auf den heutigen Tag
durch Untertauchen.[131]
Das IV. Konzil von Toledo unter Papst Honorius I. im Jahre 633 erklärt,
sich auf diese Entscheidung Gregors berufend: „Laßt uns an dem
einmaligen +Untertauchen+ bei der Taufe festhalten, damit nicht bei
uns die, welche dreimal untertauchen, die Behauptung der Irrlehrer zu
billigen scheinen, solange sie auch dem Brauche folgen.“[132]
[Illustration: Ein Taufbecken aus neuerer Zeit.]
Auf der englischen Synode zu Celchyt oder Calchut unter dem Vorsitz
des Erzbischofs Wulfred von Canterbury am 27. Juli 816 wurde das
+Begießen in England+ ausdrücklich +verboten+, und man verordnete,
„daß die Priester niemandem die Taufe verweigern, und den Täufling
+untertauchen+, nicht bloß über die Köpfe der Kinder Wasser gießen
sollen.“[133] Vierhundert Jahre später, auf der Synode zu London im
Jahre 1200, Kanon 3, wird das Untertauchen noch erwähnt.[134]
Auch in Deutschland wurde im Mittelalter noch immer die Untertauchung
beim Vollzug einer Taufe in Anwendung gebracht. So erklärte das Konzil
zu Worms im Jahre 868 diesen Ritus als die richtige Art der Taufe.[135]
Der ehrwürdige Bischof +Otto von Bamberg+ (gest. 1139) hat sich
durch seine erfolgreiche Einführung des Christentums in Pommern sehr
verdient gemacht und sich einen bleibenden Namen in der Geschichte
erworben. Mit Recht wird er als der „Apostel der Pommern“ gepriesen,
und er verdient, hier erwähnt zu werden. Auf einen Brief hin, den Otto
vom Herzog Boleslav von Polen erhielt, der ihn auf das dringlichste
bat, zu kommen und den Pommern das Christentum zu bringen, machte sich
Otto am 24. April 1124, von einem zahlreichen Gefolge begleitet, auf,
um dem Rufe Folge zu leisten. Zu seinem Schutze begleitete ihn von
Polen aus der Hauptmann Paulitzky mit einer bewaffneten Schar. Sie
nahmen ihren Weg zunächst nach der Stadt Pyritz, unweit Stargard, wo
sie auch nach einer beschwerlichen Reise zu Pfingsten des Jahres 1124
eintrafen. Gott segnete die Bemühungen dieses treuen Zeugen an diesem
Orte besonders und krönte sie mit großem Erfolge. Er durfte nämlich in
ganz kurzer Zeit nicht weniger als 7000, die den christlichen Glauben
annahmen, taufen.
Was uns aber an dieser Stelle besonders interessiert, ist, zu wissen,
wie dieser ehrwürdige Bischof die Taufe an seinen neubekehrten Pommern
handhabte. ~Dr.~ +Neander+, der große deutsche Gelehrte,
berichtet darüber: „Sieben Tage gebrauchte der Bischof zum Unterrichte,
dann wurden drei Tage zur geistigen und leiblichen Vorbereitung
für die Taufe angesetzt. Sie hielten ein Fasten und badeten sich,
um gereinigt mit Anstand der heiligen Handlung sich unterziehen zu
können. Große Fässer mit Wasser wurden in der Erde vergraben und mit
einem Vorhange umgeben. Hinter demselben wurde die Taufe nach der
+damals üblichen Weise+, durch +Untertauchung+, verrichtet.
Während ihres zwanzigtägigen Aufenthaltes in dieser Stadt wurden
siebentausend getauft und die Getauften in den Gegenständen des
Glaubenssymbols unterrichtet und über die bedeutendsten Handlungen
des Kultus belehrt.“[136] Vor seiner Abreise von Pyritz hielt er an
die Neugetauften eine ergreifende Abschiedsrede, worauf er die Stadt
verließ, um nach Kammin zu reisen. Nach vierzigtägigem Aufenthalt hier
setzte er seine Missionsreise fort und kam zunächst auf die Insel
Wollin. Von hier aus besuchte er die Städte Stettin, Kolberg, Belgard,
Usedom, Demmin, Wolgast, Gützkow u. a. m. Fast an allen Orten meldeten
sich große Scharen zur Taufe, welche er stets durch Untertauchung
vollzog.[137]
[Illustration: Der Ottobrunnen in Pyritz.]
Etwas außerhalb von Pyritz liegt der wohlbekannte Ottobrunnen, den der
Schreiber dieses gelegentlich selbst in Augenschein nahm. In dieser
Quelle taufte Otto von Bamberg die ersten Christen in Pommern. König
Friedrich Wilhelm III. und seine Söhne ließen im Jahre 1824, als man
das siebenhundertjährige Jubiläum der Einführung des Christentums in
Pommern feierte, an diesem Platze ein würdiges Denkmal errichten.
Der Brunnen ist durch eine Einfassung von Granit umgeben. Ein hohes
Kreuz, das aus der Mitte dieser Einfassung aus poliertem rotem
Marmor emporragt, verkündet jedem Besucher die hohe Bedeutung dieses
Ortes. Auf der erhöhten Hinterwand, welche einen Halbkreis bildet, ist
in eingemeißelter Schrift zu lesen: „Bischof Otto von Bamberg taufte
zuerst die Pommern aus dieser Quelle am 15. Juni 1124. Friedrich
Wilhelm III. und seine Söhne...... errichteten dieses Denkmal zum
Andenken jenes Tages am 15. Juni 1824.“ Vor dem Kreuz befindet sich
ein Wasserbassin, welches durch dieselbe Quelle gespeist wird, die
einst jene großen Fässer mit Wasser füllte, in denen Bischof Otto, wie
schon oben erwähnt, die Taufe vornahm. Das Bassin ist so groß, daß
man gut eine Taufe durch Untertauchung darin vornehmen könnte. An der
Hinterwand des Wasserbassins steht eine lateinische Inschrift, die wir
in der Übersetzung von R. +Pelz+[138] hier angeben. Sie lautet:
„Zum Quell des Lebens eilt, und wascht die Seele rein;
Des sel’gen Lebens Tür wird Jesus Christus sein.“
Gehen wir in der Kirchengeschichte etwa 140 Jahre weiter voran, so
finden wir, daß noch nach der Mitte des 13. Jahrh. +Thomas von Aquin+
(gest. 1274), der von katholischer Seite als „eines der größten Lichter
der Kirche, ein Engel im Fleische und ein Engel im Lehramte“[139]
bezeichnet wird, sagt, „daß das Untertauchen allgemeiner Gebrauch,
daher sicher sei“.[140]
Und ~Dr.~ +Brenner+ bezeugt: „+Dreizehnhundert Jahre war das Taufen
allgemein und ordentlich ein Untertauchen des Menschen unter das
Wasser+, und nur in außerordentlichen Fällen ein Besprengen oder
Begießen mit Wasser; letzteres ward außerdem als Taufweise bezweifelt,
ja sogar verboten.“[141]
„Das Konzil zu Utrecht im Jahre 1293 gestattet das Aufgießen nur dann,
wenn bei dem Untertauchen der Tod zu befürchten ist.“[142]
Am Ende dieses, des 13. Jahrh., ist die Zeit, wo die allgemeine Sitte
der Besprengung in der christlichen Kirche ihre Aufnahme fand. Es ist
aber eine unrichtige Vorstellung, wenn man glaubt, daß von diesem
Zeitpunkt ab der sonst gebräuchliche Ritus des Untertauchens gänzlich
abgeschafft worden sei. Die Geschichte beweist vielmehr, daß das
Untertauchen nie ganz aufgehoben wurde. In noch am Ende des 15. Jahrh.
gedruckten liturgischen Büchern wird das Untertauchen anbefohlen.
~Dr.~ +Brenner+ führt dies in seiner „Geschichte der Firmung“, S.
252, an, welches noch ein Nachtrag zu seiner zwei Jahre vorher
erschienenen „Geschichte der Taufe“ sein soll. Er sagt: „Ein im Jahre
1487 durch Nikolaus De Franckorda zu Venedig gedrucktes Missale mit der
Überschrift: „~Incipit ordo missalis secundum consuetudinem romanae
curiae~“ stellt die Erteilung der Taufe noch ganz mit den Worten Papst
Gregors des Großen dar.“
In neuerer Zeit.
Auch in neuerer Zeit, d. h. von der Reformation des 16. Jahrh. bis auf
die Gegenwart, finden wir bezeichnende Beweise für die Ausübung der
Untertauchung.
~Dr.~ +M. Luther+ schreibt: „Ich wünschte, daß solche, die
getauft werden sollen, vollständig in Wasser getaucht würden, gemäß der
Bedeutung des Wortes und dem Grundgedanken der heiligen Handlung; nicht
weil ich es für nötig halte, sondern weil es schön wäre, wenn wir ein
ganzes und vollkommenes Zeichen für eine so große Sache hätten; wie es
auch ohne Zweifel von Christo eingesetzt wurde.“ Demgemäß gibt er auch
in seinem „Taufbüchlein“ von 1523 sowie auch in der neuen Umarbeitung
desselben vom Jahre 1524 dem Geistlichen die Anweisung: „Da nehme er
das Kind und +tauche+ es in die Taufe.“[143]
An Heinrich Genesius, Pfarrer zu Ichtershausen, schrieb Luther 1530,
wie eine Jüdin soll getauft werden, folgendes: „In Betreff der Taufe
des jüdischen Mädchens bin ich mit euch derselben Meinung, daß es
ganz mit Leintüchern bedeckt getauft werde, und zwar in der Weise, in
welcher man sich in unsern Bädern der Leintücher bedienet, die man
„Badetuch“ heißt. Darum wäre dies mein Rat, daß sie in einer großen,
weiten Wanne voll Wasser stehend und mit einem Leintuch verhüllt,
ehrbarlich mit Wasser übergossen würde, oder auch, wenn sie bis an den
Hals im Wasser sitzend, mit demselben Tuch bekleidet, mit dem Haupte
durch dreimalige Eintauchung +untergetaucht+ würde.“[144]
Einen weiteren bezeichnenden Beweis finden wir in der mailändischen
Kirche, trotzdem sie sich in Roms Nachbarschaft befand. ~Dr.~
+Brenner+ führt darüber aus: „Es verdient daher als eine höchst
merkwürdige Erscheinung in der liturgischen Welt erwähnt zu werden,
daß noch am Ende dieser Periode (des 16. Jahrh.) der hl. Karl Borromeo
(Erzbischof von Mailand, gest. 1584) das Untertauchen für die
mailändische Kirche auf immer festsetzt.“[145]
In einer Schrift von dem berühmten Arzt +John Floyer+, betitelt:
„~On cold bathing~“ (vom kalten Bad) ist auf Seite 50 zu
lesen: „Die englische Kirche hat das Untertauchen bis zum Anfang
des 17. Jahrh. beibehalten, von der Zeit aber in die Besprengung
(~adspersion~) verwandelt, weil man befürchtete,“ -- man achte
bitte hier auf den Grund der Abänderung der alten Taufweise -- „das
kalte Wasser sei der Gesundheit schädlich“.[146] Floyer tritt
dieser Annahme entschieden entgegen, indem er auf Seite 11 und 51 in
seiner erwähnten Schrift bemerkt: „Wir müssen es für eine törichte
Verweichlichung in unserem Zeitalter halten, daß man das Untertauchen
und kalte Baden für einen gefährlichen Gebrauch hält. Wir müssen doch
zugeben, daß der, der unsern Leib bereitet hat, niemals uns irgend
etwas befehlen wird, was unserer Gesundheit schädlich wäre; sondern im
Gegenteil am besten weiß, was der Erhaltung derselben am dienlichsten
ist, und oft in einem Gebote für das Wohl unserer Seele sorgt.“
~Dr.~ +Wall+ setzt sogar fest, daß die englische Kirche
den Gebrauch des Besprengens „erst nach dem Verfall des Papsttums
annahm“.[147]
Die +morgenländische Kirche+ hat die alte ursprüngliche Sitte des
Untertauchens unverändert bis auf den heutigen Tag beibehalten und
erklärt sie für so wesentlich, „daß sie die nach abendländischer Weise
(durch Besprengung) erteilte Taufe für keine gültige anerkennt und
daher häufig den Taufakt wiederholen will. Man nennt die Abendländer
spottweise +besprengte Christen+, und verlangt die Wiedertaufe
derselben, wenn sie zur orthodoxen Kirche übertreten wollen.“[148]
[Illustration: Ein Taufbassin aus dem Anfang des 17. Jahrh. in Rynsburg
bei Leyden.]
Hier mögen noch ~Dr.~ +Walls+ wichtige Ausführungen bezüglich
dieses Punktes Platz finden: „Die griechische Kirche in allen ihren
Zweigen tauft durch Untertauchen, und so tun alle andern Christen in
der Welt außer den lateinischen. Alle christlichen Völker, welche
vormals der Autorität des Bischofs von Rom sich unterworfen haben,
taufen gewöhnlich ihre Kinder durch Begießen oder Besprengen... Alle
andern Christen aber in der Welt, welche nie des Papstes angemaßte
Herrschaft anerkannt haben, tauchen nach der ursprünglichen Weise
unter. Und wenn wir die Erde nach ihren Hauptteilen betrachten, so
gehören alle Christen in Asien, alle in Afrika und der dritte Teil
derselben in Europa zu der letzteren Gattung, unter welchem dritten
Teile die Christenheit in Griechenland, Bosnien, Serbien, Bulgarien,
in der Walachei und Moldau, in Rußland usw. verstanden werden. Die
Christen im letztgenannten Reiche möchten besonders, mehr als in irgend
einem andern, wenn die Kälte eine Entschuldigung darböte, die Erlassung
von diesem Gebrauche in Anspruch nehmen. Außerdem gibt es in Amerika
allein 7000 christliche Gemeinden, die die Taufe nach dem Worte Gottes
durch Untertauchen vollziehen.“[149]
Gleich im Anfang des 17. und den darauffolgenden Jahrhunderten traten
in Deutschland, Holland, England, Nordamerika, Schweden, Norwegen,
Dänemark, Frankreich, Rußland, Österreich-Ungarn, Italien und der
Schweiz Männer auf, die durch Antrieb und Erleuchtung des Geistes
Gottes die Bibel durchforschten und dadurch zu der Erkenntnis kamen,
daß sich im Worte Gottes für die von der Kirche ausgeübte Sitte des
Besprengens weder ein Gebot noch ein Beispiel vorfindet. Sie verwarfen
deshalb die Taufe durch Begießung und Besprengung als schriftwidrig
und erkannten, daß die Untertauchung die allein schriftgemäße Taufe
sei. Der Ruhm, zu dieser Zeit diese alte von Christo befohlene Form der
Taufe erkannt und zuerst eingeführt und verbreitet zu haben, gebührt
unseres Wissens nach den Rynsburgern, einer im Jahre 1620 in Holland
entstandenen christlichen Richtung, die man spottweise auf holländisch
„~Dompelaers~“ (Eintaucher) nannte. In Rynsburg bei Leyden hatten
sie ein großes Taufbassin, in dem sie tauften. Jahrhunderte hindurch
stand es als Denkmal da und legte Zeugnis davon ab, was an dem Orte
einst geschah. Erst vor nicht so langer Zeit wurde dieses wichtige
historische Taufbassin abgebrochen.
Ebenso gab es unter der reformierenden Partei der englischen Kirche,
den Puritanern, ernste und nach der reinen Lehre des Evangeliums
suchende Christen. Viele unter ihnen erkannten die Taufe der
Erwachsenen und machten sich durch die Verbreitung derselben, die
trotz viel Widerstand und Verfolgung geschah, verdient. Darunter
ist besonders +Richard Blount+ und +Samuel Blacklock+ zu
nennen. Sie waren es nämlich, die zuerst in London wirkten, und wie
von baptistischer Seite aus berichtet wird, bestanden bereits im Jahre
1643 daselbst sieben „Gemeinden getaufter Gläubigen“[150]; so nannten
sie sich zu der Zeit. Heute ist diese Gemeinschaft unter dem Namen
„Baptisten“ bekannt, und man findet sie schon in aller Herren Länder.
Auch wir, die wir uns nicht schämen, „Siebenten-Tags-Adventisten“ zu
heißen, üben die Taufpraxis durch Untertauchung aus. Zu Hunderten
senden wir unsere Missionare in alle Länder aus, um das Evangelium
vom Reich, den vollen Ratschluß unseres Gottes, zu allen Sprachen,
Zungen und Völkern bis zu den Enden der Erde zu tragen. Nicht nur
in Deutschland allein, sondern in Nord-, Süd- und Mittelamerika, im
fernen Australien, auf den Inseln des Stillen Ozeans, in Persien, in
Syrien, im kalten Sibirien und Kleinasien, ebenso im Innern von China,
in Korea, in Japan und Indien, ja selbst im Herzen von Afrika stehen
unsere Missionare und verkünden die Heilsbotschaft von dem rettenden
Sünderheiland, ihnen zu sagen, daß auch sie „alle Gerechtigkeit zu
erfüllen“ haben, um gerettet zu werden. Tausende und Abertausende
werden zu Gott, ihrem Heilande, bekehrt und lassen sich darauf willig
in den Wasserfluten durch die Taufe begraben, als Zeichen, daß sie von
nun an dieser Welt abgestorben sind und allein für Gott in einem
neuen, ihm völlig geweihten und geheiligten Leben wandeln wollen.
[Illustration: Eine Taufszene in Afrika.]
Wir sind nun das Altertum, Mittelalter sowie die neuere Zeit bis auf
die Gegenwart durchgegangen. Durch die Verhandlungen der Konzilien
und Rituale waren wir imstande, unumstößliche Beweise zu erbringen,
daß dreizehnhundert Jahre lang die Taufe fast durchweg auf die
ursprüngliche Weise, d. h. durch Untertauchung verrichtet worden
ist; ja selbst nach dem 13. Jahrh. lassen sich trotz der allgemeinen
Einführung der Besprengung bis auf den heutigen Tag ununterbrochene
Spuren nachweisen, daß es ganze Kirchen und verschiedene Gemeinschaften
gab, die die Taufe nach Christi Gebot zur Ausführung brachten.
[Illustration]
Die dreimalige Untertauchung.
Der Taufritus war im Zeitalter der Apostel höchst einfach, jedoch
eine feierliche und bedeutsame Handlung. Der Täufling wurde zum
Wasser geführt und dort auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des
hl. Geistes getauft, und zwar durch +einmaliges+ Untertauchen.
Man findet dabei kein starres System von unzähligen gedankenlosen
Zeremonien. Man liest nichts von Mysterien, da ist keine Spur von einer
sogenannten unmittelbaren „magischen Wirkung“ bei der Taufhandlung. Bei
den Aposteln ging alles schlicht und natürlich vor sich. Daß in der
ersten Christengemeinde nur eine einmalige Untertauchung stattfand,
geht schon daraus hervor, daß die jüdische Proselytentaufe sowie die
Johannestaufe nur diesen Ritus kennen. Paulus kennt durchaus keine
dreimalige Untertauchung. Wäre ihm jene schon bekannt gewesen, so hätte
er nie die Taufe mit Christi Tod und Auferstehung verglichen; denn
Christus wurde nur +einmal+ begraben und ist nur +einmal+
auferstanden. Auf diese Tatsache sich stützend, schreibt Paulus: „So
wir aber samt ihm [Christo] gepflanzet werden zu gleichem Tode, so
werden wir auch seiner Auferstehung gleich sein.“[151] Daß „gepflanzt
werden“ mit Christo bezieht sich auf die Art und Weise der Taufe und
ist so zu vollziehen, daß sie mit dem Begräbnis und der Auferstehung
Jesu identisch ist. Dies kann aber nur durch ein einmaliges
Untertauchen geschehen, vollzieht man sie aber auf eine andere Weise,
so ist es eine Handlung, für die man im N. Testament auch nicht die
geringste Andeutung vorfindet. Dies zeigt uns auch aufs klarste Eph.
4, 5, wo der Apostel behauptet, daß es nur „einen Herrn, einen Glauben
und +eine+ Taufe“ (Untertauchung) gebe. Prof. +Drews+ kann
es ebenfalls nicht einsehen, wie man dazu kommen kann, die dreifache
Untertauchung als schon in der Urkirche bestandenen Gebrauch zu
erklären. „Aus welchem Grunde“, schreibt er, „man von dem dreimaligen
Untertauchen, wenn es allgemein christlich von Anfang an gewesen wäre,
hätte abgehen sollen, ist nicht einzusehen.“[152]
Trotzdem sich die Bibel in diesem Punkt so klar ausdrückt, gibt es
doch kirchliche Gemeinschaften, die die dreimalige Untertauchung
angenommen haben und die behaupten, daß drei Untertauchungen nötig
seien, um das Gebot, im Namen des Vaters, des Sohnes und des hl.
Geistes zu taufen, im vollen Sinne zu erfüllen, d. h. für jede Person
der Gottheit eine Taufe oder Untertauchung vorzunehmen. In neuerer Zeit
hat dies besonders der vor einem Jahrzehnt verstorbene John Alexander
+Dowie+ in Amerika zu behaupten gesucht und an seinen Anhängern
auf diese Weise in Anwendung gebracht.[153] Er ist, wie bekannt sein
dürfte, der Begründer der Sekte, die heute in Deutschland unter dem
Namen „Zionisten“ bekannt ist. Auch die sogenannten +Tunker+
(ihr Name wird von tunken, tauchen abgeleitet), eine christliche
Gemeinschaft in Nordamerika, die aber auf deutschem Boden entstanden,
und nach Pastor H. Mallet eine Abzweigung des deutsch-niederländischen
oder mennonitischen Baptismus ist, welche im Jahre 1720 nach
Pennsylvanien auswanderten, üben die Taufe „durch dreimalige
Untertauchung des knienden Täuflings aus“.[154] Die Tunker selbst
erklären in ihrer „~Platform~“ von 1881, auch daran festhalten zu
wollen, daß „das Taufen von bußfertigen Gläubigen durch dreimaliges
Untertauchen, indem beide, der Verwaltende und der Taufkandidat, in
den Fluß gehen, mit Handauflegen und Gebet im Wasser“ zu vollziehen
sei.[155]
Um die Richtigkeit ihrer Ansicht zu beweisen, weisen uns die
Verteidiger der dreimaligen Untertauchung auf die griechische Kirche
hin, die das dreimalige Untertauchen ausübt. Die Griechen müssen
im Recht sein, sagt man, da sie doch ihre eigene Sprache am besten
verstehen. Wir fragen aber, wo findet sich im griechischen N. Testament
eine Erwähnung einer dreifachen Untertauchung vor? Nirgends lesen wir
davon. Da ist nur ein Gebot, sich nach vorausgegangener Sinnesänderung
taufen zu lassen, und die Griechen lassen sich in Befolgung dieses
Gebotes taufen durch Untertauchen. Soweit können wir der Kenntnis ihrer
Sprache völliges Vertrauen entgegenbringen. Aber das Griechische sagt
auch in Eph. 4, 5: „Ein Herr, ein Glaube, +eine+ Taufe“ (~hen
baptisma~), d. h. eine Untertauchung. Wenn nun die griechische
Kirche von dieser klaren Vorschrift abgeht und dafür das dreifache
Taufen ausübt, dann geht sie vom Text ihrer eigenen Sprache ab, und
hier brauchen wir ihr durchaus nicht zu folgen. Es ist sicherlich ein
großer Unterschied zwischen dem „Gebrauch“ und dem „Mißbrauch“ einer
Sprache. Wir legen keinen Wert auf die Gewohnheit einer Gemeinschaft
oder Kirche, und mag sie noch so alt sein, ausgenommen sie ist in
Übereinstimmung mit den bestimmten Vorschriften der hl. Schrift.
Sehr unvernünftig scheint uns die Schlußfolgerung zu sein: Da die
Taufe auf die drei Namen der Gottheit vollzogen werden müsse, sei eine
dreifache Untertauchung erforderlich. Wie unrichtig diese Ansicht
ist, mag uns ein Beispiel an dieser Stelle klar machen. Ein Agent
reist für eine aus drei Personen bestehende Firma. Wenn nun dieser
Agent auf seiner Geschäftsreise ein Geschäft abschließt, so tut er
es +einmal+ im Namen aller. Auch kann er eine Schuld von 1000
Mark, die er im Auftrage der Firma einzukassieren hat, nicht dreimal
einfordern, d. h. einmal für jede Person der Firma, sondern ebenfalls
nur einmal im Namen der drei Personen. Wenn Jesus seine Vertreter in
alle Welt sendet mit dem Auftrage zu predigen und die Bußfertigen im
Namen des Vaters, des Sohnes und des hl. Geistes zu taufen, so bedeutet
dies dasselbe, was uns das Beispiel zeigt, nämlich die Taufe einmal im
Namen der drei Personen zu vollziehen.
Doch die Vertreter und Praktiker der dreimaligen Untertauchung machen
sich gar nichts daraus, wenn auch ihr System im krassesten Gegensatz
zu den klaren Verordnungen Jesu und dem Brauch der Apostel steht. Ihre
eigene Theorie ist nicht in Übereinstimmung mit ihrer Praxis, denn sie
lehren, daß „Taufe“ mit „Untertauchen“ gleichbedeutend sei. Wenn nun
Taufen wirklich Untertauchen meint, dann ist der Ausdruck: eine Taufe
mit drei Untertauchungen ebenso inkorrekt, als wenn sie behaupten
würden: eine Taufe mit drei Taufen oder eine Untertauchung mit drei
Untertauchungen.