übrigen kennen wir das Gespräch Jesu mit ihnen schon aus Matth. 20, 22
ff., nur daß hier das ihnen, wie ihm selbst bestimmte Leidensgeschick
noch unter einem andern Bilde als eine Taufe dargestellt wird, in
welcher die Wasser der Trübsal, in die sie untertauchen müssen, über
ihrem Haupte zusammenschlagen.“[98] Ebenso zu Luk. 12, 50: „Aber
freilich muß dieser Widerspruch gegen sie zunächst ihn selbst treffen,
und er dadurch in die Wasserfluten des Leidens versenkt werden, wie man
in der Taufe in Wasser untergetaucht wird.“[99]
Die Umstände, welche die Taufe des Kämmerers aus Äthiopien begleiten,
geben uns wichtiges Material für unsere Untersuchung. Philippus’
Predigt von Jesu als dem Lamme, das um unsertwillen zur Schlachtbank
geführt wird, von Zukunft, Gericht, Rettung und Taufe macht einen
solchen Eindruck auf den Suchenden, daß er bei der sich bietenden
Gelegenheit die Taufe verlangte (Apg. 8, 36-39), um mit diesem
Sünderheiland begraben und verbunden zu werden. „Siehe, da ist Wasser,“
sagte der Kämmerer, „was hindert’s, daß ich mich taufen lasse?...
Und er hieß den Wagen halten, und +stiegen hinab in das Wasser+
beide, Philippus und der Kämmerer, und er taufte ihn. Da sie aber
+heraufstiegen aus dem Wasser+, rückte der Geist des Herrn
Philippus hinweg, und der Kämmerer sah ihn nicht mehr.“
Nach diesem klaren Bericht unterliegt es wohl keinem Zweifel, daß
auch dieser Kämmerer durch Untertauchen getauft wurde, denn wenn die
Handlung nicht auf diese Art und Weise ausgeführt wurde, wozu wäre
es nötig gewesen, daß beide in das Wasser hinabstiegen? Philippus
war sich ebenfalls, wie auch Johannes der Täufer, über den Sinn und
die Bedeutung des Wortes „Taufe“ vollständig klar; er wußte, daß es
„untertauchen“ oder „begraben“ heißt, niemals aber „besprengen“ oder
„begießen“.
Demgemäß bemerkt +Calvin+ in seinem Kommentar zu Apg. 8, 38: „Hier
sehen wir, wie die Taufe bei den Alten verrichtet wurde, denn sie
+tauchten den ganzen Leib in das Wasser+.“ Ebenso +Starke+:
„Und der Kämmerer hieß den Wagen halten, und stiegen hinab in das
Wasser, beide, Philippus und der Kämmerer, und Philippus taufte ihn im
Namen des dreieinigen Gottes durch Eintauchung.“[100]
Desgleichen auch +Quenstedt+: „Untertauchen ist gleichsam ein
Begräbnis, Auftauchen eine Auferstehung. Es stehet geschrieben, Apg. 8,
38. 39, daß Philippus mit dem Kämmerer hinab in das Wasser stieg und
ihn darauf taufte; und es wird hinzugefügt, daß nachdem die Handlung
vollzogen war, sie beide wieder herauf aus dem Wasser stiegen. Sowohl
die morgen- als abendländische Kirche hielten sich sehr lange an den
Gebrauch des Untertauchens.“[101]
[Illustration: Philippus tauft den Kämmerer.]
~Dr.~ +Towerson+ fragt mit Recht: „Wozu wäre es nötig
gewesen, daß die Täufer sich immer dahin begeben hätten, wo viel Wasser
war, oder daß Philippus mit dem Kämmerer in dasselbe hineinstieg, wenn
nicht die Taufe durch Untertauchen vollzogen worden wäre? Da ja, wie
wir bei uns sehen, sehr wenig Wasser zur Begießung oder Besprengung
hinreicht?“[102]
Paulus, der einen besonders tiefen Einblick in Gottes Erlösungsplan
hatte, spricht zweimal von der Taufe als von einem Begräbnis. Diese
Ausdrucksweise gibt uns vollständig den richtigen Sinn des Wortes
„untertauchen“. Der Ausdruck wäre aber keinesfalls gut gewählt, wenn
beabsichtigt würde, „besprengen“ oder „begießen“ darzustellen. „So
sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf daß,
gleichwie Christus ist auferweckt von den Toten durch die Herrlichkeit
des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln.“[103]
Ebenso auch in Kol. 2, 12: „Daß ihr mit ihm begraben seid durch die
Taufe; in welchem ihr auch seid auferstanden durch den Glauben, den
Gott wirket, welcher ihn auferweckt hat von den Toten.“ Der Sinn dieser
Stelle ist einfach der, daß, wie Christus gestorben ist, so sollen
auch wir unserem bisherigen sündhaften Leben absterben (Kol. 3, 1-3),
unser Fleisch samt den Lüsten und Begierden kreuzigen und durch die
Taufe begraben.[104] Und wie Jesus, durch die Allmacht seines Vaters
auferweckt, nicht mehr das vorige Leben im Staube der Niedrigkeit
sondern ein höheres begann, so soll auch das Kind Gottes aus der Taufe
heraufsteigen, nicht mehr ein Leben im Dienste der Sünde fortzusetzen,
sondern um ein neues vollkommenes Leben im Dienste seines gekreuzigten
Heilandes, der Pflicht und der Menschheit zu beginnen.[105]
Diese Darstellung Pauli von der Taufe liefert uns den Beweis, daß auch
der große Heidenapostel die Anordnung Jesu im Sinne von Untertauchen
verstanden hat und sie in dieser Art auch an seinen Täuflingen vollzog,
denn nur das Untertauchen ist einem Begrabenwerden ähnlich. Wir betten
ja unsere Toten nicht auf die Erde und streuen ein wenig Erde auf sie,
sondern wir senken sie in ein Grab, wo sie begraben, d. h. vollständig
mit Erde bedeckt werden.
Paulus selbst muß durch Untertauchung die Taufe empfangen haben, denn
er zählt sich mit zu denen, die mit Christo durch die Taufe begraben
sind. „Alle,“ schreibt er, „die +wir+ in Jesum Christ getauft
sind, die sind in seinen Tod getauft. So sind +wir+ ja mit ihm
begraben durch die Taufe in den Tod.“[106]
Die meisten Theologen unter denen, welche die Besprengung ausüben und
eifrige Verteidiger derselben sind, waren gezwungen zuzugeben, daß
Pauli Darstellung unzweifelhaft auf die Form des Untertauchens Bezug
hat. In diesem Sinne erklärt Prof. +Lietzmann+ die Stelle (Röm.
6, 3. 4): „~Baptizein~ bedeutet für griechische Ohren nicht
„taufen“, sondern „eintauchen“ (s. zu Mark. 1, 4), also wir sind in
seinen Tod hineingetaucht worden, ja mit ihm begraben; d. h. als wir
mit unserm ganzen Leibe (wie noch lange altkirchliche Sitte) im Wasser
verschwanden, sind wir symbolisch (durch Ertränken) getötet und (im
Wasser) begraben.“[107]
~Dr.~ +Bernhard Weiß+: „Paulus beruft sich darauf, daß die
Leser wissen, wie die Taufe auf Christum doch vor allem eine Taufe auf
den Tod Christi ist; denn, wenn wir ihn als unsern Heilsvermittler
bekennen, so bekennen wir damit doch, daß er zu unserm Heil gestorben
ist. Nun ist doch aber das Untertauchen im Taufbade keine leere Form,
sondern es stellt dar, wie wir durch die Geistesvermittelung in der
Taufe mit Christo vereinigt, in dieser Gemeinschaft mit ihm gleichsam
in seinen Tod untergetaucht werden, denselben mit durchmachen müssen.
Wie das Begräbnis die Bestätigung davon ist, daß einer gestorben,
so ist das Untertauchen im Taufbade die Versiegelung davon, daß wir
in den Tod Christi untergetaucht sind, ein Sterben wie er erfahren
haben. Wie aber der Tod Christi dazu führte, daß er durch die
Herrlichkeit des Vaters, der seinen Sohn nicht im Tode lassen konnte,
auferweckt ist, so hat auch unser Sterben mit Christo in der Taufe
nur die Absicht, daß wir fortan wandeln sollen in einer völlig neuen
Lebensbeschaffenheit.“[108]
„Es siehet aber der heilige Apostel darauf, daß in der ersten
apostolischen Kirche bräuchlich war, daß diejenigen, so getauft wurden,
+ganz unter Wasser gesteckt+, und also gleichsam begraben wurden,
nachmals aber wieder aus dem Wasser gezogen und also wieder gleichsam
auferweckt wurden, anzudeuten, daß sie durch die Taufe der Kraft des
Todes und der Auferstehung Christi teilhaftig wurden und daß sie
den Sünden absterben, hingegen aber im neuen heiligen Leben wandeln
sollten.“[109]
Auch die Schullehrer-Bibel (Neustadt an der Orla) von 1826 gibt eine
treffende Auslegung dieses Textes, die wir hier folgen lassen: „Die
Taufe, nach den Sitten jener Zeit, wird hier als ein Sterben für
das bisherige Heiden- und Judenleben und als Eintritt in ein neues,
vollkommenes Christenleben betrachtet. Dies Bild war damals, da man bei
der Taufe nicht wie jetzt nur das Haupt ein wenig benetzte, sondern
den ganzen Menschen in einem Flusse im Wasser untertauchte (gleichsam
begrub), ungemein treffend und ausdrucksvoll. Der bisherige Jude oder
Heide ist nun gestorben, begraben. An seiner Stelle geht nun ein Christ
hervor, ein ganz anderer Mensch. Ebenso natürlich und treffend ist nun
die zweite Vergleichung. Die Taufe, der Eintritt ins Christentum, hat
Ähnlichkeit mit dem Sterben und Auferstehen Jesu: Jesus starb -- und
stand wieder auf. Er ging aus einem unvollkommenen (nicht moralisch
sondern physisch unvollkommenen) Zustande und Leben in einen weit
höheren, vollkommeneren Zustand über. So geht der Getaufte aus einer
mangelhaften Religion, aus einem moralisch mangelhaften Leben in ein
vollkommenes, ganz Gott, der Pflicht, der Menschheit, der Ewigkeit
geweihtes Leben über.“
Ebenso auch +Starke+: „Der Apostel siehet auf den damaligen
Gebrauch, da der Täufling ins Wasser ganz untergetaucht, und nachdem er
eine kleine Weile darunter gelassen, wieder herausgezogen wurde. -- Es
hat dann die Taufe das Bild und die Kraft nicht nur des Todes sondern
auch des Begräbnisses Christi: daß, wie der Herr mit dem Begräbnis den
Fluch, welcher auf ihm lag, abgetan hat, auch wir seines Begräbnisses
teilhaftig würden, wenn wir unter das Wasser als in ein Grab gestoßen
und damit bedecket werden.“[110]
+Tholuck+ bemerkt in seiner „Auslegung des Briefes Pauli an die
Römer“: „Der Apostel hatte gesagt, schon gleich der bei der Annahme des
Christentums stattfindende Ritus der Taufe zeuge davon, daß der Christ
geistig den Tod Christi in sich nachbilden wolle. Es stellt sich nun
seinem Blicke die leicht auffallende Bemerkung dar, daß das Taufsymbol
selbst als eine Abbildung des Todes Christi angesehen werden könne, und
so stellt er in diesem Verse den der Taufe übergebenen Christen als
einen gleichsam mit seinem Erlöser Begrabenen dar. Hatte nun Paulus
die sinnbildliche Bedeutung der Taufe und des Todes Christi so weit
durchgeführt, so lag es nahe, daß er auch dem Wiederaussteigen aus
der Taufe und der Auferstehung Christi eine sinnbildliche Bedeutung
beilegte, wie er hier tut. Auch an einer andern Stelle finden wir
dieselbe symbolische Deutung. Kol. 2, 12. Zum Verständnis der
sinnbildlichen Behandlung der Taufe ist übrigens auf den bekannten
Umstand aufmerksam zu machen, daß +die Täuflinge der ersten Kirche
unter- und wieder aufgetaucht wurden+, welchem Gebrauche auch die
ersten Christen nach Anleitung des Apostels symbolische Beziehung
gaben.“
Und ~Dr.~ +Adolf Jülicher+ schreibt: „Den Brauch, die
Christus-Gläubigen durch eine feierliche Handlung, die Taufe,
in die christliche Gemeinde aufzunehmen, hat Paulus von der
Urgemeinde übernommen; die Betreffenden wurden in fließendem Wasser
untergetaucht.... Der äußerlich in Wasser eingetauchte, in den Namen
Christi oder in Christum selber hineingetaucht erschien, in ihn
versank, zum Glied an seinem reinen Leibe gemacht wurde.... Paulus
sieht also in der Taufhandlung, bei der der Täufling für eine Weile
ganz unter dem Wasser verschwindet, eine Nachbildung des Sterbens,
wie in dem Wiederemportauchen aus der Flut eine Nachbildung der
Auferstehung.“[111]
Äußerst belehrend sind noch die Ausführungen von ~Dr.~
+Whitby+, einem der hervorragendsten Gelehrten der anglikanischen
Kirche: „Da es hier in Röm. 6, 4 und Kol. 2, 12 so ausdrücklich erklärt
ist, daß wir mit Christo begraben werden durch die Taufe, wenn man uns
in das Wasser versenkt, da der Grund, warum wir seinem Tode ähnlich
werden sollen, indem wir der Sünde sterben, daher genommen ist, da
ferner dieses Untertauchen von allen Christen dreizehn Jahrhunderte
lang treu beobachtet und von unserer Kirche (der bischöflichen
von England) angenommen worden ist, und da die Umwandlung dieses
Gebrauches in Besprengen ohne irgend eine Erlaubnis des Urhebers dieser
Verordnung oder Gestattung eines Konziliums der Kirche stattgefunden
hat und von der römischen Kirche noch hervorgehoben wird, um die
Verweigerung des Kelches für die Laien zu rechtfertigen, so wäre es
sehr wünschenswert, daß der ursprüngliche Gebrauch wieder in allgemeine
Aufnahme käme und die Besprengung, wie vormals, nur bei Kranken oder in
Todesgefahr gestattet würde.“[112]
Wir sind nun mit unserer Untersuchung der in Frage kommenden
Bibelstellen, welche ein Zeugnis von der richtigen Art und Weise der
Ausführung der Taufe oder der Bedeutung derselben abwerfen, zu Ende
gekommen. Jeder wahrheitsliebende Leser muß zu der Überzeugung gekommen
sein, daß in den Tagen Christi und der apostolischen Zeit, also bis
in die Mitte der zweiten Hälfte des 1. Jahrh., von einer Besprengung
oder Begießung der Täuflinge auch nicht die leiseste Spur zu finden
ist, sondern daß die Taufe stets durch völliges Untertauchen ins Wasser
vollzogen wurde.
[Illustration]
Ununterbrochene Spuren der Taufpraxis durch Untertauchung.
Die Schriften des N. Testaments erbrachten uns den Beweis, daß im Laufe
des 1. Jahrh. der Christengemeinde die Taufe nur durch Untertauchung
vollzogen wurde, und daß dies die einzige richtige Art und Weise
der Taufe ist; so darf es wohl für uns von größtem Interesse sein,
zu sehen, wie lange man bei der von Christo befohlenen und von den
Aposteln befolgten Form der Taufe blieb.
Im Altertum.
In diesem Zeitalter, das von der Geburt Christi datiert und fast
einstimmig bis zum Untergang des weströmischen Reiches im Jahre
476 herabgeführt wird, lassen sich ohne große Mühe Spuren von der
Taufpraxis durch Untertauchung finden. +Tertullian+ (gest. 230), der
große Apologet von Karthago (in Nordafrika), der erste bedeutende
Kirchenlehrer des Abendlandes, ein Mann, der die ganze Kraft seines
feurigen Geistes auf die Verfechtung der christlichen Lehre wandte,
schreibt in seiner Schrift, die den Titel „~De Baptismo~“ (Über die
Taufe) führt, welche er etwa im Jahre 206 n. Chr. verfaßte: „So wird
denn auch die Erlangung des ewigen Lebens schon des Umstandes halber um
so unglaublicher gehalten, weil der Mensch in so großer Einfachheit,
ohne Pomp, ohne irgendwelche ungewöhnlichen Vorkehrungen, ohne Aufwand
+in das Wasser hinabsteigt+, und unter dem Aussprechen von ein paar
Worten +untergetaucht+ wird.“[113] Und in Kap. 7 derselben Schrift
sagt er: „In derselben Weise ist auch der körperliche Akt der Taufe
selbst, der darin besteht, daß wir +im Wasser eingetaucht+ werden.“
Ebenso erwähnt er die Untertauchung bei der Taufe in seiner Schrift
„Vom Kranze des Soldaten“, Kap. 3, welche er fünf Jahre später schrieb,
doch mit dem Unterschiede, daß er hier die dreimalige Untertauchung
ausdrücklich in Erwähnung bringt. Wir werden im Laufe unserer
Untersuchung dieser Sitte (der dreimaligen Untertauchung) noch des
öfteren begegnen; wir wollen aber mit der Entstehung und Geschichte
derselben uns an dieser Stelle nicht beschäftigen, da wir es weiter
unten in einem besonderen Abschnitte tun werden.
Der sogenannte +Barnabas+-+Brief+, der nach dem Urteil der besten
Autoren erst am Ende des 2. Jahrh. geschrieben wurde, enthält ebenfalls
ein Zeugnis für die Untertauchung. Es heißt in demselben: „Wir steigen
hinab ins Wasser, beladen mit Sünden und Verderben, und steigen herauf,
fruchtbar geworden, im Herzen die Furcht (gegen Gott) hegend und im
Geiste die Hoffnung auf Jesum.“[114] Der Verfasser vom „+Hirt des
Hermas+“ spricht des öfteren vom „Hinabsteigen in das Wasser“ und vom
„Heraufsteigen“ aus demselben.
Gegen Ende des 4. Jahrh. berichtet uns +Cyrill von Jerusalem+
(gest. 386), daß nach Ablegung des Glaubensbekenntnisses die
Katechumenen +im Wasser untergetaucht+ wurden. Cyrill erwähnt
diesen Taufmodus noch im 4. Kapitel seiner zweiten mystagogischen
Katechese: „Dann wurdet ihr,“ sagt er, „zum Schwemmteich der heiligen
Taufe geführt, wie Christus vom Kreuze zu dem nächst gelegenen Grabe.
Und jeder wurde gefragt, ob er an den Namen des Vaters, des Sohnes und
des hl. Geistes glaube? Und ihr bekanntet das heilsame Bekenntnis, und
wurdet dreimal in das Wasser +getaucht+.“
Auch +Basilius der Große+, Erzbischof von Cäsarea in Kappadozien
(gest. 379), führt in seinem Buch „Vom hl. Geist“, Kap. 27,
hinsichtlich des Taufritus das Untertauchen an.[115] Dies geht auch
klar aus seiner Ermahnung an seine Täuflinge hervor, indem er da
ausführt: „Betest du den an, der für dich gestorben ist, nun wohlan,
dann laß dich auch mit ihm in der Taufe +begraben+.“[116]
Desselben Ausdrucks bedient er sich auch in Kap. 1 derselben
Schrift. Der Bruder des Basilius, +Gregor von Nyssa+ (gest.
395), schreibt an seine Schwester Makrina: „Das +Hinabsteigen+
aber ins Wasser und +Hineintauchen+ des Menschen enthält ein
anderes Geheimnis.“[117] +Ambrosius+ (gest. 397) sagt, indem
er von den vielen Geheimnissen der Taufe spricht: „Das Wasser ist
es, worin das Fleisch +versenkt+ wird. Aller Frevel wird dort
+begraben+.... So bist du gleichsam in diesem irdischen Elemente
+begraben+, jetzt tot der Sünde, aber auch wieder +erstanden+
zum ewigen Leben.“[118] Und +Chrysostomus+ (gest. 407) spricht
von dem Täufling als von einem, der „aus dem Wasser steigt“[119] und
als von einem „Begraben unseres Leibes in dem Taufwasser“.[120] Das
aus dem Wasser Steigen besagt aber vor allem ein Hineinsteigen in
dasselbe, welches, um die Taufe in ihrer richtigen Art, d. h. durch
Untertauchung, auszuführen, auch unbedingt nötig ist.
Die Schriften, die man als „+apostolische Konstitutionen+“ bezeichnet,
deren Sammlung und Entstehung von den meisten Gelehrten ins 4.
Jahrh. gesetzt wird,[121] bringen in Kap. 17 ebenfalls Beweise für
das Untertauchen. ~Dr.~ +Augusti+ übersetzt diese Stelle in seinen
„Denkwürdigkeiten aus der christl. Archäologie“ VII, S. 88. 89, welche
wir hier wörtlich wiedergeben: „Die Taufe“, heißt es da, „wird auf
den Tod Jesu erteilet. Das Wasser ist statt des Grabes; das Öl statt
des hl. Geistes; das Siegel statt des Kreuzes. Die Salbung ist die
Bestätigung des Bekenntnisses. Die Erwähnung des Vaters erinnert an den
Urheber und an den Aussender. Die Zuziehung des Geistes erinnert an den
Zeugen; das +Untertauchen+ an das +Mitsterben+; das +Auftauchen+ an die
Auferstehung.“
Ehe wir das Altertum verlassen, gedenken wir noch an die +Baptisterien+
(Taufkapellen), die ebenfalls für die in diesem Zeitalter noch
herrschende Sitte der Untertauchung zeugen. Während man in der
apostolischen Zeit und bis in die zweite Hälfte des 3. Jahrh. keinen
bestimmten Taufort hatte sondern in jedem beliebigen Wasser taufte,
kamen am Ende des 3. Jahrh. besonders aber seit Konstantins Übertritt
zum Christentum eigene Taufhäuser, Baptisterien, in Gebrauch, die
in der Nähe der bischöflichen Kirche errichtet waren, da in älterer
Zeit nur die Bischöfe das Recht hatten, die Taufe zu vollziehen. Im
Mittelpunkt dieser Baptisterien befand sich ein großer Wasserbehälter,
in welchem der Täufling untergetaucht wurde. Eine nähere Beschreibung
darüber finden wir von ~Dr.~ +H. Holzmann+ und ~Dr.~ +R. Zöpffel+:
„Die Baptisterien waren rund, sechs- oder achteckig oder in Kreuzform
gebaut und meist groß und geräumig. Das Innere oder Heilige derselben,
wo die Taufe selbst erfolgte, enthielt ein +großes Bassin+. Da
die Taufe ursprünglich nur in der Hauptkirche vollzogen wurde, hatte
nur diese ein Bassin; später wurden diese Anbauten auch bei andern
Kirchen eingeführt. Noch später wurde nach gänzlichem Aufhören
des Untertauchens der Taufakt in die Kirche selbst verlegt und
am Taufstein, der an die Stelle jenes Bassins trat, vorgenommen.
Dagegen haben die griechische und russische Kirche mit der Sitte des
Untertauchens das Bassin beibehalten. Berühmte Baptisterien sind in
Parma, Ravenna, Florenz erhalten.“[122]
[Illustration: Inneres des Baptisteriums von San Giovanni im Lateran.]
Dazu berichtet ~Dr.~ +Augusti+: „Die noch vorhandenen
Baptisterien sind alle aus der alten Zeit, und die meisten derselben
haben ein weit höheres Alter als die Kirchen. Je größer der Umfang
derselben ist und je mehr Raum, Wölbung und Tiefe das Taufbecken oder
der Taufbrunnen hat, desto höher kann das Alter angenommen werden.
Die kleineren Becken und Brunnen rühren aus den Zeitaltern her, wo
die Kindertaufe und der Aspersionsritus [das Besprengen] eingeführt
war.“[123]
Ein berühmtes Baptisterium ist das von San Giovanni im Lateran. Es
war ursprünglich das einzige für die ganze Stadt Rom. Anton de Waal
schreibt darüber: „Dieses Baptisterium geht in seiner Gründung auf
Konstantin zurück; die jetzige Form ist im wesentlichen diejenige,
welche ihm Sixtus III. (432-440) gegeben hat. Die im Achteck um den
Taufbrunnen gestellten Säulen aus Porphyr tragen ein Gesims von
weißem Marmor, über welchem acht kleinere Säulen den Blick in die
Kuppel emporleiten. Das Taufbassin selber war noch um mehrere Stufen
tiefer, als es heute der Fall ist, da in alter Zeit die Taufe durch
Untertauchen gespendet wurde.“[124]
In Salona, Dalmatien, hat vor nicht so langer Zeit eine
Ausgrabungs-Expedition eine solche Taufkapelle bloßgelegt, welche noch
aus der Zeit Diokletians (284-305), des grausamen Christenverfolgers,
stammt, der in einem Edikt vom 24. Februar 303 die Niederreißung der
Kirchen befahl.
+Cyrill von Jerusalem+ (gest. 386) vollzieht die Taufe an seinen
Neubekehrten in einer solchen Taufkapelle. Er erwähnt dies in seiner
ersten mystagogischen Katechese, Kap. 2: „Zuerst ginget ihr in die
Vorhalle des +Taufhauses+; dort standet ihr gegen Sonnenuntergang
gewendet und horchtet auf; und es ward euch befohlen, die Hände
auszustrecken und dem Satan, als wäre er gegenwärtig, zu widersagen.“
„Und ihr bekanntet,“ lesen wir in seiner zweiten Unterweisung, Kap.
4, „das heilsame Bekenntnis und wurdet +in das Wasser getaucht+.“ Das
Baptisterium erwähnen noch Chrysostomus, Ambrosius, Augustin u. a.
m.[125]
Einige dieser Taufkirchen waren so groß und geräumig, daß Synoden
und Kirchenversammlungen in denselben gehalten werden konnten. „Man
kann sich auch von ihrer Größe schon daraus eine Vorstellung machen,“
schreibt ~Dr.~ +Augusti+, „wenn man weiß, daß an manchen Orten, wie z.
B. in Antiochien, zuweilen in einer Vigilien 3000 Personen beiderlei
Geschlechts die Taufe empfingen.“[126] ~Dr.~ +Brenner+ führt aus:
„Das Wasserbassin oder das eigentliche Baptisterium ist zuweilen von
+beträchtlichem Umfange und ansehnlicher Tiefe+, in dem ein Knäbchen,
welches jemand bei andringender Volksmenge in das von Papst Damasus
(gest. 384) erbaute Baptisterium hatte fallen lassen, erst +nach einer
Stunde+ aufgefunden werden konnte.“[127] Der christliche Dichter
+Dante+ (1265-1321) erzählt in seiner „Hölle“ von einem ähnlichen
Vorfall. Er rettete nämlich ein Kind, welches in das Baptisterium zu
St. Johannes in Florenz gefallen war, vom Ertrinken.[128]
[Illustration: Ruine einer Taufkapelle zu Salona.]
Falls heutzutage ein Kind das Unglück haben sollte, in einen modernen
Taufbehälter zu fallen, welche, wie schon oben angeführt, nach
gänzlichem Aufheben des Untertauchens an die Stelle jener tiefen und
umfangreichen Baptisterien kamen, so würde es sicherlich nicht in
Gefahr sein, sein Leben durch Ertrinken zu verlieren, und man würde
auch wohl keine „ganze Stunde“ dazu nötig haben, um das „verunglückte“
Kindlein darin aufzufinden. Die Taufbecken, die man heute in den
Kirchen vorfindet, sind eng und flach, und bei der Ausführung der
Besprengung ist nur eine geringe Quantität Wasser darin vorhanden.
Dies bestätigt auch ~Dr.~ +Brenner+, indem er schreibt: „Jetzt sind
die Taufbrunnen so flach und eng, daß man in denselben auch einem
neugebornen Kinde die Taufe durch Untertauchen nicht mehr erteilen
könnte. Nun haben die Taufbrunnen keine andere Umgebung als die
Kirchenmauern; hölzerne oder metallene Deckel verschließen sie; niedere
Geländer fassen sie ein, und in ihrer geringen Höhlung steht ein totes
Wasser. Jetzt fordert und erhält jedermann die Erlaubnis, ohne alle
Not, seine Stube als Kirche oder Oratorium und seine Schüssel als
Baptisterium zu gebrauchen.“[129]
Im Mittelalter.