dritte, weil wir den großen Nutzen und Kraft der Taufe haben, so laß
nun weiter sehen, wer die Person sei, die solches empfange, was die
Taufe gibt und nützet. Das ist abermals aufs feinste und klarste
ausgedrückt eben mit den Worten: „Wer da glaubet und getauft wird, der
wird selig,“ das ist, der +Glaube macht die Person allein würdig+,
das heilsame göttliche Wasser +nützlich+ zu empfangen. Denn weil
solches allhier in den Worten bei und mit dem Wasser vorgetragen
und verheißen wird, kann es nicht anders empfangen werden, denn daß
wir solches von Herzen glauben; ohne Glauben ist es nichts nütze,
ob es gleich in ihm selbst ein göttlicher, überschwenglicher Schatz
ist. Darum vermag das alleinige Wort „wer da glaubt“ so viel, daß es
ausschließet und zurücktreibt alle Werke, die wir tun können, der
Meinung, als dadurch Seligkeit zu erlangen und verdienen. Denn es ist
beschlossen, was nicht Glaube ist, das tut nichts dazu, empfängt auch
nichts.“[64]
Nach Ablauf des apostolischen Zeitalters
finden wir noch bis in das 4. Jahrh. hinein Spuren davon, daß Buße und
Glaube als subjektive Bedingung der Taufe gefordert wurden. +Justin
der Märtyrer+ (gest. 166), der berühmteste unter den griechischen
Apologeten, berichtet: „Nur die, welche +wiedergeboren+ werden
wollen und +Buße+ tun, empfangen die Taufe.“[65]
In +Tertullian+ (gest. 230) besitzen wir einen weiteren Zeugen
dafür, daß ein Unterricht der Taufe voranging und der Glaube an den
Gekreuzigten zum Empfang derselben erforderlich war. Er bezeugt dies
in klaren Worten in seinem Protest gegen die Idee der Kindertaufe,
bei welcher Gelegenheit er auch gleichzeitig den Grund dafür angibt:
„Sie sollen demnach auch kommen, wenn sie herangewachsen sind, wenn
sie gelernt haben, wenn sie darüber +belehrt+ sind, wohin sie
gehen sollen; sie mögen Christen werden, sobald sie imstande sind,
Christum zu kennen. Sie mögen lernen, um ihr Seelenheil bitten, damit
es den Anschein gewinne, daß man nur einem Bittenden gegeben habe.“[66]
Ferner schreibt er: „Sobald der Glaube an Umfang gewonnen hatte durch
den Glauben an Christi Geburt, sein Leiden und seine Auferstehung, so
kam auch eine Erweiterung durch das Sakrament hinzu, die Besiegelung
durch die Taufe als äußere Hülle für den Glauben... Das Predigen ist
das frühere, das Taufen das spätere.“[67] Ebenso in seiner Schrift
„Vom Kranze des Soldaten“, wo er sagt, daß sie erst dann die Taufe
erhalten, wenn sie „+vorher+ in der Kirche unter der Hand des
Bischofs die Erklärung abgegeben, daß sie dem Teufel, seiner Pracht und
seinen Engeln widersagen“.[68] Tertullian sah also in der Taufe gar
keinen Wert, wenn sie an solchen Personen vollzogen wurde, denen das
Selbstbewußtsein und der persönliche Glaube fehlte.
Prof. ~Dr.~ +Probst+ führt zu diesem Punkt aus: „Jeder Ungläubige, der
um Aufnahme in die Kirche bat, wurde mit Freuden aufgenommen, jedoch
nicht sogleich zur Taufe, sondern vorerst zum Katechumenate zugelassen.
In ihm fand die Vorbereitung auf den Empfang der Taufe, sowohl nach
der intellektuellen als moralischen Seite statt. Wenn die Katechumenen
das, was gelehrt wurde, +glaubten und darnach zu leben+ versprachen,
erhielten sie das Sakrament, während man schlecht vorbereitete
Katechumenen zurückstellte oder ganz abwies.“[69] +Walfried Strabo+,
ein bedeutender theologischer Schriftsteller der ersten Hälfte des
9. Jahrh., schreibt in seinem Buch ~De exordiis et incrementis rerum
ecclesiasticarum~: „Es ist bemerkt, daß in primitivem Alter die Gnade
der Taufe nur denjenigen gegeben wurde, die in Körper und Verstand zu
solcher Reife herangewachsen waren, daß sie die Wohltat, die durch die
Taufe erlangt wird, verstehen und würdigen.“ +Salmasius+ (gest. 1653)
und +Suicerus+ (gest. 1684) erklären: „Die ersten zwei Jahrhunderte
empfing keiner die Taufe, der nicht zuerst in dem Glauben und der Lehre
Christi unterrichtet worden war.“[70]
Auch in der alexandrinischen Kirche, welche sich mit allen ihren
theologischen und dogmatischen Begriffen von der nordafrikanischen
wesentlich unterschied und wo die Lehre von der Notwendigkeit der
Kindertaufe schon ziemlich vorherrschend war, finden wir noch die
apostolische Einrichtung, der zufolge vom Täufling vor dem Empfang
der Taufe rechtschaffene Früchte der Buße verlangt wurden, sowie ein
offenes Bekenntnis seines Glaubens. Den Beweis dafür entnehmen wir
den Schriften des +Origenes+: „Ich flehe euch an,“ sagt er, „nur
mit großer Behutsamkeit zur Taufe zu kommen. Zeiget +vorher+
Früchte der rechtschaffenen Buße. Bringet einige Zeit mit göttlichem
Gespräch zu, indem ihr euch vor allen Unreinigungen und allem Übel
bewahrt, dann werdet ihr die Verzeihung der Sünde empfangen.“[71] „Laß
ein jeder sich ins Gedächtnis zurückrufen, wie er zuerst zu dem Wasser
der Taufe kam, als er die ersten Symbole des Glaubens empfing, und er
sich dann dem Brunnen des Heils näherte, welche Worte er zu jener Zeit
brauchte, wie er dem Teufel lossagte, daß er seine Gepränge nicht mehr
brauchen würde, noch seine Worte, und daß er keinem seiner Dienste
oder Vergnügungen nachkommen würde.“[72] Und in seiner Schrift gegen
Celsus schreibt Origenes: „Wenn aber diejenigen unter den Ermahnten,
die im Guten Fortschritte machen, zeigen, daß sie durch das Wort
gereinigt worden sind und soviel als möglich ein besseres Leben geführt
haben, +dann+ laden wir sie ein, sich in unsere Gemeinschaft
aufnehmen zu lassen.“[73] „Wenn wir aber zur Gnade der Taufe kommen,
+widersagen+ wir allen andern Göttern und Herrn und bekennen
allein Gott den Vater und Sohn und hl. Geist.“ Hierzu bemerkt noch
Prof. ~Dr.~ +Probst+: „Das Symbolum wurde aber vom Täufling
nicht etwa auf gemachte Aufforderung vollständig hergesagt, sondern das
Bekenntnis derselben geschah in der Form von Frage und Antwort.“[74]
Die Briefe Cyprians aus dem Ketzertaufstreite legen ebenfalls ein
unzweideutiges Zeugnis dafür ab, daß das Glaubensbekenntnis vor der
Taufe in Form von Frage und Antwort abgelegt wurde. Cyprian schreibt:
„Es macht nun vielleicht jemand den Einwurf und sagt, Novatian halte
sich mit der katholischen Kirche an dasselbe Gesetz, er taufe auf die
gleiche Art wie wir, er anerkenne denselben Gott Vater, denselben
Christus den Sohn, denselben hl. Geist und dürfe deshalb die Gewalt
zu taufen in Anspruch nehmen, weil er in der Fragestellung bei der
Taufe von uns nicht abzuweichen scheint. Wer immer nun diesen Einwand
vorbringen zu müssen glaubt, der möge zuerst wissen, daß wir und die
Schismatiker nicht dasselbe Glaubensbekenntnis bei der Taufe noch auch
die nämliche Fragestellung haben. Denn wenn sie sagen: Glaubst du an
den Sündennachlaß und an das ewige Leben durch die heilige Kirche?
-- so lügen sie mit dieser Frage, da sie keine Kirche haben.“[75]
Ebenso schreibt Cyprian im Namen zahlreicher auf einem Konzil
versammelter Bischöfe: „Aber auch die bei der Taufe gebräuchliche
+Fragestellung+ gibt der Wahrheit Zeugnis. Denn wenn wir sagen:
Glaubst du an das ewige Leben und an die Vergebung der Sünden durch
die heilige Kirche? so verstehen wir damit, daß nur in der Kirche
Sündenvergebung erteilt werden könne.“[76]
Ein gleiches klares Zeugnis findet sich auch in den katechetischen
Schriften des +Cyrill von Jerusalem+ (gest. 386). Nachdem der
Täufling sich von Satan lossagte, wandte er sich gegen Sonnenaufgang
und bekannte: „Ich glaube an den Vater und an den Sohn und an den hl.
Geist und an eine Taufe der Buße.“[77] Dies bestätigt Cyrill in seiner
zweiten mystagogischen Katechese, Kap. 4, indem er sagt: „Es wurde ein
jedes gefragt, ob es glaube an den Namen des Vaters und des Sohnes und
des hl. Geistes. Und er bekannte das heilbringende Bekenntnis.“
Es muß hier aber bemerkt werden, daß schon seit dem Anfang des 3.
Jahrh. die Ablegung des Glaubensbekenntnisses vielfach nur noch etwas
bloß Oberflächliches und Äußerliches war. Man gestaltete den Weg des
Heils immer breiter und machte es den Heiden, die zur christlichen
Kirche übertraten, leicht und bequem. Und da man es für verdienstlich
hielt, die Herde Christi schnell zu vermehren, so suchten sich die
sogenannten Heidenapostel durch Massenbekehrungen Ruhm zu erwerben.
Gründlichen Unterricht im Evangelium und wahre Herzensbekehrung sah man
bald als hinderliche Dinge an. Man ließ sich von dem falschen Grundsatz
leiten, daß, wenn der Heide nur einmal der christlichen Kirche
angehöre, der Geist des Evangeliums und die Wirksamkeit ihrer Lehrer
ihn stufenweise weiterführen könne.
Nach diesem Grundsatz suchte +Gregorius Thaumaturgos+ (gest.
270), Glieder für die Kirche Jesu Christi zu gewinnen. +Neander+
schreibt in seiner Kirchengeschichte von ihm: „Da er wahrnahm, daß
viele aus dem Volke durch die Liebe zu ihren alten mit dem Heidentume
verbundenen Lustbarkeiten an die väterliche Religion gefesselt blieben,
so wollte er den Neubekehrten einen +Ersatz+ dafür geben. Nach
der decianischen Verfolgung (250), welche viele in dieser Gegend dem
Märtyrertode zugeführt hatte, stiftete er ein allgemeines Märtyrerfest
und erlaubte der rohen Menge, dies mit ähnlichen Gastmählern wie
bei den heidnischen Totenfeiern (~Parentalia~) und bei andern
heidnischen Festen zu feiern. Er meinte, so werde ein Hindernis der
Bekehrung hinwegfallen, und wenn sie einmal Mitglieder der christlichen
Kirche wären, würden sie nach und nach von selbst, nachdem ihr Sinn
durch das Christentum vergeistigt worden, die sinnlichen Vergnügungen
fahren lassen. Aber er bedachte nicht, welche Vermischung heidnischer
und christlicher Vorstellungen und Gebräuche aus dieser Anbequemung
hervorgehen konnte, -- was nachher wirklich geschah -- wie schwer das
Christentum im Leben recht durchdringen konnte, wenn es von Anfang an
durch diese Vermischung getrübt wurde.“[78]
Wie weit aber damals schon der sittliche Verfall der Christenheit
vorgeschritten war, ersehen wir aus folgendem Zeugnis +Cyprians+:
„Alle ließen sich nur die Vermehrung ihres Vermögens angelegen sein und
waren, vergessend, was die Gläubigen früher zu den Zeiten der Apostel
getan hatten und immer tun sollten, voll unersättlicher Habgier nur
darauf bedacht, ihre Schätze zu vermehren. Bei den Priestern fehlte es
an frommer Gottesfurcht, bei den Kirchendienern an wahrem Glauben, in
den Werken an Barmherzigkeit, in den Sitten an Zucht.“ „Durch schlauen
Betrug hinterging man die Herzen der Einfältigen, durch listige
Kunstgriffe suchte man die Brüder zu berücken. Mit Ungläubigen knüpfte
man das Band der Ehe, gab Heiden die Glieder Christi preis. Man schwur
nicht bloß leichtsinnig sondern auch falsch, die Vorsteher verachtete
man in hochmütigem Dünkel, verleumdete einander mit giftigem Munde, war
gegenseitig mit andauerndem Hasse entzweit. Viele Bischöfe, welche die
andern ermahnen und ihnen zum Beispiele dienen sollten, ließen sich
mit Vernachlässigung ihres göttlichen Amtes zur Verwaltung weltlicher
Geschäfte herab, entfernten sich von ihrem Stuhle, ließen das Volk
im Stich, schweiften in fremden Provinzen umher und besuchten die
Jahrmärkte, um einträgliche Geschäfte zu machen.“[79]
Überschreiten wir das 4. Jahrh., so werden wir finden, daß die
biblischen Vorbedingungen der Taufe immer seltener und schließlich
gänzlich außer acht gelassen werden. Durch die in der Mitte des 3.
Jahrh. aufgekommene Kindertaufe finden wir die stärksten Verschiebungen
der einzelnen Akte. Der bußfertige Glaube, der, wie wir sahen, in
den Tagen der Apostel und auch noch bis in die Zeit des Cyrill von
Jerusalem als subjektive Bedingung der Taufe gefordert wurde, mußte
wegfallen, und das Ablegen des Glaubensbekenntnisses und Gelübdes kann
heute nicht mehr vor der Taufe sondern viele Jahre nachher, nämlich
erst bei der Konfirmation, stattfinden.
Die Art und Weise der Taufe.
Um uns über die Art und Weise der Taufe klar zu werden, d. h. wie
die Taufe ausgeführt werden sollte, müssen wir zuerst den Sinn oder
die Bedeutung der Wörter „Taufe“ oder „taufen“ verstehen. Diese zwei
Wörter sind die Übersetzung der griechischen Wörter „~baptismos~“,
„~baptizein~“ und „~bapto~“ und bedeuten eintauchen, versenken,
untertauchen oder begraben. Alle guten griechischen Wörterbücher und
Sprachlexika legen dem Wort diese Bedeutung bei.
Bei allen griechischen Schriftstellern und Historikern, wo die Wörter
„~baptismos~“, „~baptizein~“ und „~bapto~“ von ihnen angewandt werden,
bedeuten sie allemal ein Eintauchen ins Wasser. +Plutarch+ braucht
sie vom Untertauchen ins Meer, und das Stammwort „~bapto~“ heißt beim
+Aratus+ und +Sophokles+ ebenfalls untertauchen.[80] Auch +Polybius+,
der Verfasser einer Universalgeschichte, sowie +Strabo+ und +Dio
Cassius+ gebrauchten die Wörter in diesem Sinne. Wenn nun diese Männer
diesen Wörtern die oben genannte Bedeutung beilegen, so können wir
ihnen volles Vertrauen entgegenbringen, denn sie mußten doch ihre
eigene Sprache besser kennen als Fremde.
Auch die größten Autoren und Sprachkundigen der neuen Zeit stimmen
mit der hier gegebenen Erklärung der Wörter überein. So erklären
~Dr.~ +Holzmann+ und ~Dr.~ +Zöpffel+ das Wort „~baptismos~“ mit
„Eintauchen ins Wasser“.[81] +Eisenlohr+, der von der Bedeutung
dieses Wortes spricht, sagt: „Dieses heißt nach dem Urteil aller
der griechischen Sprache Kundigen untertauchen.“[82] Und +Liebmann+
legt dem Worte „Taufe“ die Bedeutung von „vertiefen, in die Tiefe
tun“, d. h. gleichfalls „untertauchen“, bei.[83] Ebenso ~Dr.~
+Heyne+: „Taufen, untertauchen, das Sakrament der Taufe vollziehen;
ursprünglich Bewirkungswort zu tief mit der Bedeutung in die Tiefe,
unter die Oberfläche (des Wassers) bringen.“[84] Dieselbe Erklärung
geben auch +Bauch+ und +Bury+ in Luthers Kleinem Katechismus, S. 134.
Sie schreiben: „Zu der ersten Zeit wurde die Taufe durch völliges
Untertauchen im Wasser vollzogen, daher der Name „Taufe“, d. i.
„Tauchen“.“ Ebenso +Weigand+ in seinem „Deutschen Wörterbuch“, sowie
Prof. +Friedrich Kluge+ in seinem „Etymologischen Wörterbuch der
deutschen Sprache“, 5. Aufl., S. 373. Und +Luther+ sagt in seinem
„Sermon von der Taufe“ vom Jahre 1519: „Die Taufe heißt auf griechisch
~baptismos~, zu Latein ~merso~, das ist, wenn man etwas ganz ins
Wasser taucht, das über ihm zusammengeht. Und wiewohl an vielen Orten
der Brauch nimmer ist, die Kinder in die Taufe ganz zu stoßen und zu
tauchen, sondern sie allein mit der Hand aus der Taufe begießt: so
sollte es doch so sein und wäre recht, daß man nach Laut des Wörtleins
Taufe das Kind oder jeglichen, der getauft wird, ganz hinein ins
Wasser senkte und taufte und wieder herauszöge. Denn auch ohne Zweifel
in deutscher Zunge das Wörtlein „+Taufe+“ herkommt von dem Wort
„+tief+“, daß man tief ins Wasser senkt, was man tauft. Das fordert
auch die Bedeutung der Taufe; denn sie bedeutet, daß der alte Mensch
und sündliche Geburt von Fleisch und Blut soll ganz ersäuft werden
durch die Gnade Gottes. Darum sollte man der Bedeutung genugtun und
ein recht vollkommenes Zeichen geben.“[85] ~Dr.~ +Augusti+ bestätigt
dies, indem er schreibt: „Was zuvörderst die allgemein angenommene
Benennung anbetrifft, so bezeichnen die beiden Formen: „~baptismus~“
und „~baptisma~“, sie mögen nun synonym [sinnverwandt] sein oder nicht,
nach Etymologie und Sprachgebrauch ein +Untertauchen+, +Eintauchen+
usw.; und die Wahl des Ausdruckes verrät ein Zeitalter, wo die
später üblich gewordene Besprengung (~ritus aspersionis~) noch nicht
eingeführt war.... Die Griechen blieben auch stets bei dieser Bedeutung
stehen.“[86]
Dies liefert uns den Beweis, daß, wo diese Wörter im N. Testament
vorkommen, sie ebenfalls dieselbe Bedeutung haben. Doch versuchte
man schon oft zu behaupten, und das besonders in neuerer Zeit, daß
gewisse Wörter, wenn sie in der Bibel vorkommen, eine andere Bedeutung
hätten, als wenn sie sonstwo gebraucht werden. Dies wird insbesondere
von den griechischen Wörtern „~baptizein~“, „~bapto~“ und
„~baptismos~“ behauptet. Diese Behauptung ist aber gänzlich
unberechtigt. Man kommt zu dieser Behauptung nur dadurch, weil man den
Sinn dieser Wörter von falschem Gebrauch oder Ausführung der Taufe
abhängig macht, oder besser gesagt, man will durch die Handlung, wie
sie heutzutage ausgeführt wird, den Sinn der Wörter bestimmen und
erklären. Wenn wir aber nach dem Sinn eines Wortes suchen, sollten wir
vor allem dasselbe von allen solchen fremden Elementen zu befreien
suchen. In dem vorliegenden Falle hatte das Wort „Taufe“ einen
festgelegten Sinn, bevor es gebraucht wurde, um eine christliche
Handlung zu bezeichnen. Wenn aber die Handlung nicht so geschieht, daß
sie dem Sinn des Wortes entspricht, dann kann uns das dafür gebrauchte
Wort keinen korrekten Begriff von derselben übermitteln; und solch
eine Anwendung würde nur dazu angetan sein, um große Verwirrung zu
stiften.
Wir können durchaus nicht annehmen, daß der erhabene Stifter dieser
Einrichtung in seiner Anweisung beabsichtigte, betreffs der Art und
Weise der Ausführung der Taufe seine Nachfolger im Unklaren zu lassen.
Er wählte vielmehr ein Wort, das eine +bestimmte+ Handlung in der
Ausübung der Taufe und eine festbegründete und unverkennbare definitive
Bedeutung hatte, nämlich die des Untertauchens. Aus dem bisher Gesagten
ersehen wir klar, daß Untertauchen die einzig richtige Art und Weise
der Vollziehung der christlichen Taufe ist.
Das Zeugnis des Neuen Testaments.
Das N. Testament wird uns in unserer Untersuchung eine gute Hilfsquelle
sein. Es ist das zuverlässigste Geschichtswerk, das uns von den
Taten Jesu und der Apostel berichtet. In ihm werden uns auch die
vielen Taufen mitgeteilt, die in jenen Tagen durch die Apostel an den
Neubekehrten vollzogen wurden, wobei wir die ursprüngliche Praxis der
Taufe und mit ihr auch die bestimmte Form und Anwendung derselben
finden. Wir unterwerfen deshalb die in Frage kommenden Stellen einer
genauen Prüfung.
Die erste Stelle wäre Matth. 3, 5. 6. Hier wird uns erzählt, wie
Johannes der Täufer auf Gottes Geheiß in die Wüste des jüdischen Landes
ging, um zu predigen und dem kommenden Messias den Weg zu bereiten,
ihm „zuzurichten ein bereit Volk“. Durch seine Predigt stellte er die
Anforderung an seine Zuhörer, daß sie sollten „Buße“ tun und „glauben
an den, der nach ihm kommen sollte, das ist an Jesum, daß der Christus
sei“.[87] Wer nun dieser Aufforderung nachkam, wurde von Johannes
getauft. Wir wollen aber bei dieser Gelegenheit eine für unsere
Untersuchung sehr wichtige Frage nicht unbeachtet lassen, und das wäre
die: Welche Art und Weise brachte Johannes bei der Ausführung dieser
göttlichen Verordnung an diesen bußfertigen Sündern in Anwendung?
Vollstreckte er diese wichtige Handlung durch Untertauchen, Übergießen
oder Besprengen? Wir sind bei der Beantwortung dieser Frage durchaus
nicht an menschliche Auslegungen, Meinungen und Ideen gebunden. Der
göttliche Bericht ist so einfach und klar, daß er nicht mißverstanden
werden kann. Er lautet: „Da ging zu ihm hinaus die Stadt Jerusalem
und das ganze jüdische Land und alle Länder an dem Jordan und ließen
sich taufen von ihm im Jordan und bekannten ihre Sünden.“[88] Man
beachte, daß es hier ausdrücklich heißt und ließen sich taufen von ihm
nicht „am“ sondern „im“ Jordan. Außerdem wird uns noch berichtet, daß
Johannes der Täufer sich eine Stelle im Jordan aussuchte, da „viel
Wasser“ war. Siehe Joh. 3, 23. „Viel Wasser“ ist sicherlich nicht zur
modernen Ausübung der Besprengung (~aspersio~) oder Begießung
(~infusio~) nötig. Er wählte vielmehr Enon zur Taufe, weil er
daselbst genügend tiefes Wasser zum Untertauchen (~immersio~)
hatte, damit er in richtiger Art seines göttlichen Meisters Verordnung
ausführen konnte. Dies wird ein jeder vorurteilsfreie und unbefangene
Leser zugeben müssen.
Der Kirchenpropst A. +Caspers+ führt hierzu aus: „Johannes sagt
‚Ich taufe euch im Wasser‘, Matth. 3, 11 (vergl. Mark. 1, 8), womit
aufs deutlichste ausgesprochen ist, daß die Taufe nicht im Hinabsteigen
und Heraufsteigen aus dem Wasser besteht, sondern daß Johannes den
Täufling, der in dem Wasser steht, in das Wasser, in welchem er
steht, untertaucht, so daß das Wasser über des Täuflings Kopf
zusammenschlägt, wodurch der Täufling im Wasser sich befindet wie ein
Begrabener im Grabe.[89] Es zerfiel also die Taufe in drei Akte: in das
Hinabsteigen des Täuflings in das Wasser, in das Untertauchen desselben
von seiten des Täufers und das Heraussteigen aus dem Wasser.“[90]
[Illustration: Johannes tauft Jesum im Jordan.]
Und +Calvin+ bemerkt zu der Stelle: „Von diesen Worten, Joh. 3,
23, können wir entnehmen, daß die Taufe von Johannes und Christo durch
+Eintauchen+ des ganzen Leibes unter Wasser vollzogen wurde.“[91]
Auch +Olshausens+ Aussage ist bemerkenswert. Er sagt: „Als Jesus
die Stadt verließ, begab er sich gegen den Jordan hin, wo er taufte,
aber doch so, daß er im jüdischen Lande blieb. -- In der Nähe taufte
auch Johannes, weil tiefes, zum Untertauchen bequemes Wasser da
war.“[92]
~Dr.~ +Paulus Tassani+ in seiner Bibelausgabe Minden, 1716,
zu Joh. 3, 23: „Wasser, d. h. Flüsse oder Bäche; weil diejenigen, so
von Johannes getauft wurden, mit ihren ganzen Leibern in das Wasser
gingen.“
Eine weitere Stelle wäre Matth. 3, 16. Hier heißt es „Da Jesus getauft
war, +stieg er alsbald herauf aus dem Wasser+.“ Noch genauer gibt
es uns der Evangelist Markus in Kap. 1, 9. 10 „Und es geschah in jenen
Tagen, da kam Jesus von Nazareth in Galiläa und wurde von Johannes
+in+ den Jordan getauft.“[93] Das „in den Jordan getauft“ und „er
stieg alsbald aus dem Wasser“ gibt uns wieder vollständig den Sinn des
Hineintauchens. Wir können hier nicht annehmen, daß Johannes bei der
Taufe Jesu, was die Form derselben anbetrifft, etwas Besonderes getan
habe. Er hat also unter „taufen“ nichts anderes als „untertauchen“
verstanden.
Dementsprechend schreibt auch ~Dr.~ +A. Caspers+: „Daß
Taufen Untertauchen heißt, das tritt deutlich hervor in Mark. 1, 9,
wo ausdrücklich gesagt wird: „Jesus wurde von Johannes in den Jordan
getauft.“ Es bedarf also das Wort: „in den Jordan“ keiner Auflösung
in zwei Sätze: er stieg in den Jordan hinab und ließ sich dann in dem
Jordan taufen.“[94] Und +Vossius+ bezeugt: „Daß Johannes der
Täufer und die Apostel diejenigen, welche sie tauften, untertauchten,
leidet keinen Zweifel. Denn also lesen wir: Und sie ließen sich alle
von ihm taufen im Jordan. -- Und da Jesus getauft war, stieg er bald
herauf aus dem Wasser.“[95]
Ferner ~Dr.~ +Olshausen+ in seinem Kommentar zu Matth. 3,
16: „Die Form der Taufe des Johannes wird nicht weiter geschildert;
ob der Täufer Worte, und welche Worte er über Jesum sprach, bleibt
unberührt. Was mitgeteilt wird, fällt alles nach vollzogener Taufe,
nämlich bei dem Auftauchen aus dem Wasser. Daß die Ausgießung des
Geistes nicht vor dem Untertauchen erfolgte, stimmt ganz mit dem
symbolischen Charakter der Handlung überein. Vergl. Röm. 6, 1. ff. Die
eine Hälfte der Handlung (das Untertauchen) repräsentiert das Negative,
das Hinwegnehmen des Alten (Röm. 6, 4); in der andern Hälfte (dem
Auftauchen) war das Positive, das Hervortreten des Neuen, angedeutet;
an diese mußte sich daher die Mitteilung des Geistes anschließen.“
Jesus gebrauchte das Wort „Taufe“, indem er die Größe seiner Leiden
schildert. „Ich muß mich taufen lassen“, sagt er, „mit einer Taufe,
und wie ist mir so bange, bis sie vollendet werde!“[96] Wer kann wohl
beim Lesen dieser Worte an ein zartes Besprengen oder Beträufeln mit
Leiden denken? Das „wie ist mir so bange, bis sie [die Leidenstaufe]
vollendet werde“ zeigt an, daß Jesus in das überwältigende Meer der
Leiden versenkt und gleichsam eine Zeitlang darin begraben werde.
~Dr.~ +O. v. Gerlach+ bemerkt zu dieser Stelle (Matth. 20,
22) folgendes: „Der Kelch bedeutet ein großes zugemessenes Maß von
Leiden (Ps. 75, 9; Jer. 25, 15; 49, 12; Joh. 18, 11), geht vielleicht
besonders auf Jesu schwere Leiden vor der Kreuzigung; die Taufe ist
noch mehr: völliges Untertauchen darin, sein blutiger Tod. Ps. 42, 8;
69, 2; 124, 4. 5; Luk. 12, 50.“[97]