Die Lehrerin verstummte, und auch der Knabe schwieg, als lausche er noch
der Musik vergangenen heroischen Geschehens, das die Stimme vor ihm
beschworen hatte.
Nur ganz leise drang der Lärm der Straßen durch die dichten Portieren in
den ernsten Raum. Eine breite Schirmlampe beleuchtete das Antlitz des
Knaben. Die Lehrerin war nach ihrer Gewohnheit in das Dunkel gerückt,
sobald sie die Bücher geschlossen hatte. Sie war sehr müde heute und
verwirrt, – traurige, mutlose Gedanken bedrängten sie und zerrten sie
immer wieder in das Erleben der letzten Tage, in die Erinnerung an den
furchtbaren, häßlichen Abend, da Erna Petersen ... Sie mußte an die
Konferenz am nächsten Tage denken, da sie und der Oberlehrer berichten
mußten, – an die Untersuchungen und Zitierungen von Schülerinnen, an das
Herbeirufen der Schuldigen selbst, die plötzlich totenblaß zwischen den
Erwachsenen stand, schmachvoll preisgegeben entsetzlichen Fragen,
mitleidslosen Blicken, die über sie tasteten wie über ein böses fremdes
Tier. Der Schuldspruch endlich, – und dann der Vater ...
Sie schrak aus ihren Träumen, als des Knaben helle Stimme plötzlich
durch den Raum stieß:
„Aber manchmal träume ich, daß den Kanzler Seeräuber verschleppt haben.
Ich gehe waffenlos zu ihnen. Sie sagen: Er soll frei sein, wenn du
stirbst. Sie binden mich nackt und bloß an einen Baum. Sie schlagen
mich. Und einer stößt mir den Degen bis ans Heft ins Herz. Da erwache
ich in einem wahnsinnigen Glück.“
Die Lehrerin saß schweigend im Dunkel und dachte gequält an den Mann,
dem diese Liebe galt, an sein hartes, zügelloses Leben. Leise begann
sie:
„Du hast keinen Freund, Erwin. Es ist doch nicht gut, daß du so allein
bist!“
„Ich mag keinen Freund. Sie – sie sind so anders – so seltsam jetzt. Nur
von _einem_ sprechen sie immer, – es ist schmutzig und gemein. Wie die
Tiere sind sie. Ich will ihnen nicht zuhören.“
„Was treibst du in deiner Einsamkeit?“
„Ich denke an ihn.“
Auf dem Nachhauseweg von dieser Stunde sah die Lehrerin immer noch das
leidenschaftliche Antlitz des Knaben vor sich. Warum geschah ihm dieses
Seltsame? Er liebte den Kanzler. War es, weil er noch so sehr Kind war?
Oder gab es noch andere Hintergründe seiner Schwärmerei? Was war ihre
Pflicht als Erzieherin? Die leidenschaftliche Verehrung Erwins war doch
sehr ungewöhnlich und barg vielleicht Gefahren, die sie beschwören
mußte? Sollte sie mit seinem Vater darüber sprechen? Oder wäre dies
Verrat an der jungen Seele, die sich ihr erschlossen hatte?
Er hätte es ihr nicht erst zu sagen brauchen, daß er litt. Er war nicht
der erste Sechzehnjährige, den sie unterrichtete. Sie kannte seine
Kameraden und ihre schimpflichen Geheimnisse. Sie wußte, wie der Trieb
auch diese Schmalhüftigen packte, ihre Augen trüb und flackernd schuf,
ihre Hände, die noch vor Wochen so sicher mit der Schleuder getroffen
hatten, jäh zittern ließ. Sie kannte aus Lehrerkonferenzen die Berichte
über abendliche Wege in dunkle Gassen und hatte oft schaudernd
vernommen, wie stolze Knabensehnsucht, die gestern noch für das
Unbedingte geglüht hatte, sich heute so erbärmlich begnügte bei roten
Lampen und einer Vettel, mit der wohl keiner der Knaben bei ruhigem
Bewußtsein auch nur die geringste Gemeinschaft ertragen hätte.
Und Erwin? Unbekümmert um den schwelenden Brand um sich, um all das
Kleine, Häßliche und Verderbte, in das erwachender Trieb die Kameraden
irren ließ, brannte hell und stolz zu einem Menschen, der zwar ein Mann
und kein Liebesobjekt für einen Knaben war, aber trotz aller Bedenken,
die Fräulein Dr. Südekum gegen ihn auf dem Herzen hatte, doch sicherlich
ein winkelrecht gewachsener Mensch war.
Fräulein Dr. Hanna Südekum wurde ganz heiß und verwirrt von diesem
Gedanken, am meisten aber davon, daß eine klare innere Stimme ja sagte
zu der exaltierten und seltsamen Leidenschaft des jungen Knaben, die ihn
emporzuheben schien über die anderen, die der Trieb so entsetzlich
nivellierte, wie die Mädchen aus der Maturaklasse des alternden
Fräuleins. Am meisten aber erschrak sie darüber, daß irgendein
heimlicher Weg zu einem Empfinden und Erleben der Lehrerin selbst zu
führen schien, zu einem Empfinden, das sie nicht nennen wollte, und das
ihr einsames Herz doch mit so verwirrender, weher Süße belud.
Vielleicht war es darum, daß der Lehrerin Stimme in diesen Tagen so
anders klang, wenn sie in ihrer Klasse vortrug. Immer schon war diese
Stimme weich und voll gewesen, atmend voll begeisterter Überzeugung.
Aber nun wurde sie ein heißer, dunkler Geigenton. Oft sah man das
schmale, zeitlose Gesicht des alternden Fräuleins erblassen, und ihre
Brust zitterte wie die Saiten einer Geige, die man zu straff gespannt
hat.
Dennoch: gegen die weitoffenen Fenster, die hinaus in einen immer
reicher blühenden Garten gingen, gegen das leise, ganz ferne Brausen,
das durch sie hereinströmte, kam ihre Stimme nicht an. O, gewiß in der
Völle und Kraft des Klanges, nicht aber in der Wirkung. Zwar gab es noch
immer einige, die ihr eifrig lauschten, in einer bösen wollüstigen
Verbissenheit, in der Verachtung für die anderen lag. Das waren die
Häßlichen, die für das Leben jenseits des Parkes Enterbten, die sich nun
mit um so wilderer Leidenschaft dem Studium gaben, als sie die anderen
in ihnen verächtlich scheinende und doch so sehr ersehnte, törichte
Interessen gleiten sahen.
Denn diese anderen: da trug Lizzie Ebbinghaus schon wieder ein neues
Band und konnte ihren Blick nicht davon wenden, betrachtete sich Herta
Kobinger verstohlen im Taschenspiegel, wurden glühende Liebesbriefe von
Bank zu Bank geschickt. Noch viel Törichteres gab es, Dinge, die
Fräulein Dr. Südekum wirklich erschreckten. Da erschien Käte Bilwein
plötzlich mit frech herausgereckten Brüsten, die sich dann als aus
Taschentüchern gefertigt erwiesen, färbte eine andere sich unter den
Augen dunkel, weil ihr das Geschlecht noch das erste bittere Geheimnis
der Reife versagt hatte und sie wenigstens scheinen wollte, was sie noch
nicht war. O, so grotesk und doch beängstigend war, was diese Kinder
plötzlich trieben, von denen Fräulein Dr. Südekum durch Jahre jede
leiseste Regung zu kennen geglaubt hatte.
Manches Spiel tauchte fast in entsetzensvollen Ernst. Eifersüchteleien
führten bis zu Selbstmorddrohungen und Schwermut. Manche litten wild und
verzweifelt an dem jäh erschlossenen Geheimnis, krankten am Ekel, wurden
wirklich krank, blutleer, wurden wegen ihrer Kopfschmerzen und
Schwindelanfälle von Arzt zu Arzt geschickt. Sie, die litten, verstand
Fräulein Dr. Südekum. Irgend etwas in ihnen war ihrer eigenen Angst,
ihrem eigenen Entsetzen verwandt. Diesen Kindern gegenüber fand die
Lehrerin tief in ihre mütterliche Sicherheit zurück, fand Worte, die
stillten. Und wenn ihr die Verzweifelten ihre wilden Sätze
entgegenwarfen:
„Ich kann nicht mehr an Gott glauben, wenn auch der Vater – die Mutter
...“
„Ich bin ja so gemein, Frau Doktor – ich will nicht mehr leben, – so
besudelt – warum, warum ist das alles?“ dann hatte Fräulein Dr. Südekum
ihre eigene Not und Wirrnis vergessen und war nur wieder die wissende,
gütige Hand, die über erhitzte Kinderstirnen strich, Weinen und Schreie
an ihr Herz nahm, alles für Stunden und Tage glättete und Stille schuf.
Aber in dieser Zeit war es auch, daß Fräulein Dr. Südekum die Welt der
Erwachsenen, wie sie sie nannte, das Daheim der ihr anvertrauten jungen
Menschen noch weniger verstehen konnte als sonst. Mit entschlossener
Zähigkeit hielten die Erwachsenen an ihrem Traum von den unwissenden
Kindern fest, diesem Traum, der ihnen offenbar wohltat, ihnen gönnte,
sentimental über eine Zeit zu lügen, „da auch sie in diesem Alter
gewesen waren“. Sie hielten diesen Traum schützend zwischen sich und
ihre Kinder, sahen nicht die ratlose Wirrnis in deren Augen, sahen nicht
die junge Not, wollten nichts wissen von jähen Abgründen. Schrie die
Wirrnis aber zu wild aus den jungen Blicken, brach sich verzweifelte
Einsamkeit Bahn in Anklagen gegen sich selbst, die Eltern und die
Schule, dann war man nur zu rasch mit dem Allheilwort des modernen
Materialismus zur Hand, man murmelte etwas von Hysterie und ließ den
alten braven Hausarzt kommen, der das kleine Mädchen lüstern abklopfte
und „mein Kind“ nannte, und dann etwas Brom und Baldrian verschrieb.
Damit glaubte man, allem genug getan zu haben, genug der jungen Not, die
sich nicht zurechtfand in der plötzlich entgötterten Welt, genug der
jungen Seele, deren Existenz man nur mit einem Achselzucken zugab.
Fräulein Dr. Südekum wußte und litt. Sie war nie Mutter gewesen und
hatte nichts von dem wehen Geheimnis erlebt, dem diese Kinder nun so
brennend entgegenblühten. Sie haßte dieses Geheimnis und die Macht, die
von ihm ausging, aber sie schloß nicht den anderen Erwachsenen gleich
die Augen. Sie wußte, daß diese Kinder oft irrten und litten. Und sie
hatte Angst um sie. Und erbittert dachte sie: Dies war nun einmal Diktat
seit Jahrhunderten: weibliche Kinder hatten, unberührt von allen Dingen
des Geschlechtes, behütet vor jedem Wissen „darüber“ zu bleiben, bis die
ersten Bewerber sich zeigten und man ihnen das Mädchen nach einer
barbarischen Hochzeitsfeier in das Bett legte.
Und weiter sann Fräulein Dr. Südekum, betroffen und gequält: sie alle,
die hatten Mütter werden dürfen, sie versäumten das schönste Recht, die
schönste Pflicht, dem werdenden Seelchen Führer zu sein in das Land der
großen Geheimnisse.
Wenn Fräulein Dr. Südekums Blick während des Unterrichtes über die
Klasse schweifte, blieb er immer wieder an Gertrud haften. Gegen ihren
Willen. Denn fast etwas wie Widerwille und Haß stieg in dem alternden
Fräulein auf gegen dieses junge Wesen, dem sie so viel von ihrer Liebe
gegeben hatte, das ihrem Herzen so nahe gestanden hatte wie keine der
anderen Schülerinnen und die ihr nun so selbstverständlich und kühl
entglitt, wie es ihr noch mit keiner Schülerin geschehen war.
Vielleicht war es deshalb, daß Fräulein Dr. Südekum dies Geschehen nicht
so ruhig hinnehmen konnte wie sonst, daß etwas in ihr sich aufbäumte
gegen das Unabänderliche, das sie bisher immer mit so viel Güte und
wachem Verstehen ertragen hatte. Bitter sann sie: ich habe zu viel
gegeben! Und erschrak doch wieder über diesen Gedanken, den sie in der
unerschöpflichen Liebesbereitschaft aller vergangenen Jahre nie gedacht
hatte. Erschrak und dachte jäh: ich werde alt!
Ja, fast mit Widerwillen und Haß sah die Lehrerin zu Gertrud hinüber,
die, wie immer in letzter Zeit, in sich selbst versunken dasaß und wohl
nicht ahnte, was in dem Fräulein vorging.
Wer hätte es für möglich gehalten, daß sich in wenigen Wochen aus dem
unschönen Kinde mit seinen plumpen Bewegungen ein schmaler federnder
Körper emporrecken würde, daß dieses pausbäckige, etwas derbe Gesicht
sich in ein schmales und sehnsüchtiges wandeln könnte?
Auch aus dieser Puppe schält sich weiß, schmal und lockend das Weib, so
dachte Fräulein Dr. Südekum, und fast zornig sah sie, wie ein dunkler
Schatten über dem Kleiderausschnitt die zarten Brüste ahnen ließ. Dieser
Schatten führte zwischen den Brüsten hinab zu den tiefsten Geheimnissen
des Frauenleibes.
Fräulein Dr. Südekum erschrak über ihre Gedanken und erblaßte. So sehr
haßte sie also schon, daß sie dieses Kind entkleidete, den zarten
Schleier von diesem werdenden Körper riß, der, sein Recht verlangend,
Sein und Tun ihrer Schülerin ihr entfremdet hatte? So sehr haßte sie
also? Ja, sie haßte diesen Körper und alle Merkmale seines Werdens und
Aufblühens.
Und doch blieb die Lehrerin beim Verlassen der Schule einen Augenblick
zögernd stehen, sah sie, die eben durch das große Tor trat, das Gesicht
hob, als wolle sie die zärtliche Luft des Frühlingstages noch tiefer
einatmen. Fräulein Dr. Südekum ging mit kleinen, trippelnden Schritten
auf das junge Mädchen zu und fragte plötzlich mit einer durch Angst und
Scham rauhen Stimme:
„Warum kommst du nicht mehr zu mir?“
„Ich,“ – Verlegenheit und Ablehnung zeigten sich in den Zügen des jungen
Mädchens, „ich habe so viel zu tun, – Mama, sie will – ich lerne viel
Klavier.“
„Du hast dich doch sonst nicht so viel um die Wünsche deiner Mutter
gekümmert!“ Die Lehrerin erblaßte, als sie dies gesagt hatte. Um Gottes
willen, wie hatte sie nur das sagen können!
Ein verwunderter Blick traf Fräulein Dr. Südekum: „Es ist jetzt viel
besser daheim,“ erklärte sie ruhig.
„Das ist schön, – ja, ich meinte mit meinen Worten ja auch, – es freut
mich, daß du nicht mehr Widerstand leistest – ich –“
Gertrud betrachtete mit wachsendem Erstaunen die Verwirrung der
Lehrerin. „Nein, ich leiste in kleinen Dingen keinen Widerstand mehr,“
sagte sie. „Es steht auch nicht dafür. Schließlich meint sie es in ihrer
Art ja gut. Wenn man sehr jung ist, muß man sich eben mit den
Erwachsenen herumschlagen, die Ansichten aus einer anderen Zeit haben.
Das geht allen so und ist nichts Besonderes –“ Hochmütige Ablehnung
jeden fremden Eindringens stand in dem jungen Gesicht geschrieben.
Schweigend sah die Lehrerin auf das Mädchen, das ein wenig befangen vor
ihr stand. So hatte sich also auch dies gewandelt! Der Konflikt mit dem
Daheim war nicht mehr die Einsamkeit des jungen Menschen, der nach
Verstehen, Bejahung und Liebe dürstete. – Gert kämpfte offenbar wie alle
anderen, um mit List oder offenem Widerstand von den Eltern mehr
Freiheit für erste Torheiten zu erreichen.
Sie streckte Gertrud die Hand entgegen. „Leb wohl, Gertrud.“ Die Stimme
der Lehrerin klang seltsam gepreßt.
„Leben Sie wohl, Frau Doktor!“ sagte die Schülerin, „und wenn ich darf –
werde ich Sie gerne wieder einmal besuchen.“
Sie ist eine Gans geworden wie alle anderen, sann Fräulein Dr. Südekum
erbittert, und sie dachte rasch noch einige böse und erbitterte
Gedanken, damit dieser Druck in der Kehle verginge, der so brannte und
preßte, und damit sie nicht zu wach den einen Gedanken denken mußte, der
in ihr aufstieg: so gab sie mir den Abschied, so einfach und gnadenlos.
Sie braucht mich nicht mehr ...
Erstaunt sah ein Passant dem hastig trippelnden Fräulein nach, das es
gar nicht zu merken schien, daß ihm große Tränen über das Gesicht
liefen.
Als an diesem Abend Fräulein Dr. Südekum allein in ihrem Zimmer saß und
die öde Leere ihres verarmten Lebens um sich her fühlte, da stieg es
plötzlich durch Scham, Zorn und Demütigung tief aus den Dämmernissen
ihres Unterbewußtseins und zwang sie in einer wilden Erregung Dinge zu
denken, die sie nie gedacht hatte. So, als wäre bisher alles Irrtum
gewesen und Schuld schien es ihr nun, ja Schuld gegen eine Sehnsucht,
die sie jetzt überall in ihrem Leben erkannte. Aber noch wußte das
alternde Fräulein nicht den Namen dieses Irrtums, nicht den Namen ihrer
Sehnsucht.
Dies geschah erst in der Nacht, als sie tränenüberströmt auf feuchten
Kissen erwachte und jäh ein harter, brutaler Gedanke in sie schlug.
Das kleine, schmalbrüstige Fräulein saß keuchend in ihrer gestreiften
wollenen Bettjacke zwischen den Kissen mit angstvoll offenen Augen, mit
fliegendem Atem. Eine Macht, eine unerbittliche Macht, die aus Urtiefen
in ihr Blut und Empfinden stieß, zwang sie zu denken:
Und wäre ich gewesen, wie sie alle sind, so ganz an das _eine_
verschenkt, das ich verachte, – und hätte ich mich vergessen, wie man
sagt, – an irgendeinen, an wen immer – dann wüßte ich vielleicht
irgendwo ein kleines, warmes zappelndes Wesen. – O, ich hätte es
niemanden wissen lassen, es wüchse geheim, entfernt, irgendwo auf dem
Lande auf.
Sonntags führe ich hinüber, brächte Blumen, Spielzeug, – Kindersachen
nähte ich heimlich in den Nächten. Aber nie, – niemals würde ich mir
etwas merken lassen tagsüber – o nein, vor allen Menschen würde ich ein
strenges Gesicht über mein süßes Geheimnis hängen.
Mit fünfundvierzig Jahren ginge ich dann in Pension, – hinaus aufs Land
– zu guten Leuten, in ein kleines Häuschen. Mein Kind würde schon groß
sein, sprechen, – zu mir sprechen – zu seiner Mutter.
Ein Leben würde sein, das mir, nur mir gehörte, – nicht eines, das mir
fremde Eltern für die Schule leihen, nicht ein Leben, das mich später
verrät und nicht mehr kennt, wie Gertrud – wie sie alle ...
Ein Leben, das nur mir gehörte ...
Und Fräulein Dr. Südekum warf sich schluchzend über die feuchten Kissen:
ich werde alt und allein sein.