Fünftes Kapitel

Die Lehrerin verstummte, und auch der Knabe schwieg, als lausche er noch

der Musik vergangenen heroischen Geschehens, das die Stimme vor ihm

beschworen hatte.

Nur ganz leise drang der Lärm der Straßen durch die dichten Portieren in

den ernsten Raum. Eine breite Schirmlampe beleuchtete das Antlitz des

Knaben. Die Lehrerin war nach ihrer Gewohnheit in das Dunkel gerückt,

sobald sie die Bücher geschlossen hatte. Sie war sehr müde heute und

verwirrt, – traurige, mutlose Gedanken bedrängten sie und zerrten sie

immer wieder in das Erleben der letzten Tage, in die Erinnerung an den

furchtbaren, häßlichen Abend, da Erna Petersen ... Sie mußte an die

Konferenz am nächsten Tage denken, da sie und der Oberlehrer berichten

mußten, – an die Untersuchungen und Zitierungen von Schülerinnen, an das

Herbeirufen der Schuldigen selbst, die plötzlich totenblaß zwischen den

Erwachsenen stand, schmachvoll preisgegeben entsetzlichen Fragen,

mitleidslosen Blicken, die über sie tasteten wie über ein böses fremdes

Tier. Der Schuldspruch endlich, – und dann der Vater ...

Sie schrak aus ihren Träumen, als des Knaben helle Stimme plötzlich

durch den Raum stieß:

„Aber manchmal träume ich, daß den Kanzler Seeräuber verschleppt haben.

Ich gehe waffenlos zu ihnen. Sie sagen: Er soll frei sein, wenn du

stirbst. Sie binden mich nackt und bloß an einen Baum. Sie schlagen

mich. Und einer stößt mir den Degen bis ans Heft ins Herz. Da erwache

ich in einem wahnsinnigen Glück.“

Die Lehrerin saß schweigend im Dunkel und dachte gequält an den Mann,

dem diese Liebe galt, an sein hartes, zügelloses Leben. Leise begann

sie:

„Du hast keinen Freund, Erwin. Es ist doch nicht gut, daß du so allein

bist!“

„Ich mag keinen Freund. Sie – sie sind so anders – so seltsam jetzt. Nur

von _einem_ sprechen sie immer, – es ist schmutzig und gemein. Wie die

Tiere sind sie. Ich will ihnen nicht zuhören.“

„Was treibst du in deiner Einsamkeit?“

„Ich denke an ihn.“

Auf dem Nachhauseweg von dieser Stunde sah die Lehrerin immer noch das

leidenschaftliche Antlitz des Knaben vor sich. Warum geschah ihm dieses

Seltsame? Er liebte den Kanzler. War es, weil er noch so sehr Kind war?

Oder gab es noch andere Hintergründe seiner Schwärmerei? Was war ihre

Pflicht als Erzieherin? Die leidenschaftliche Verehrung Erwins war doch

sehr ungewöhnlich und barg vielleicht Gefahren, die sie beschwören

mußte? Sollte sie mit seinem Vater darüber sprechen? Oder wäre dies

Verrat an der jungen Seele, die sich ihr erschlossen hatte?

Er hätte es ihr nicht erst zu sagen brauchen, daß er litt. Er war nicht

der erste Sechzehnjährige, den sie unterrichtete. Sie kannte seine

Kameraden und ihre schimpflichen Geheimnisse. Sie wußte, wie der Trieb

auch diese Schmalhüftigen packte, ihre Augen trüb und flackernd schuf,

ihre Hände, die noch vor Wochen so sicher mit der Schleuder getroffen

hatten, jäh zittern ließ. Sie kannte aus Lehrerkonferenzen die Berichte

über abendliche Wege in dunkle Gassen und hatte oft schaudernd

vernommen, wie stolze Knabensehnsucht, die gestern noch für das

Unbedingte geglüht hatte, sich heute so erbärmlich begnügte bei roten

Lampen und einer Vettel, mit der wohl keiner der Knaben bei ruhigem

Bewußtsein auch nur die geringste Gemeinschaft ertragen hätte.

Und Erwin? Unbekümmert um den schwelenden Brand um sich, um all das

Kleine, Häßliche und Verderbte, in das erwachender Trieb die Kameraden

irren ließ, brannte hell und stolz zu einem Menschen, der zwar ein Mann

und kein Liebesobjekt für einen Knaben war, aber trotz aller Bedenken,

die Fräulein Dr. Südekum gegen ihn auf dem Herzen hatte, doch sicherlich

ein winkelrecht gewachsener Mensch war.

Fräulein Dr. Hanna Südekum wurde ganz heiß und verwirrt von diesem

Gedanken, am meisten aber davon, daß eine klare innere Stimme ja sagte

zu der exaltierten und seltsamen Leidenschaft des jungen Knaben, die ihn

emporzuheben schien über die anderen, die der Trieb so entsetzlich

nivellierte, wie die Mädchen aus der Maturaklasse des alternden

Fräuleins. Am meisten aber erschrak sie darüber, daß irgendein

heimlicher Weg zu einem Empfinden und Erleben der Lehrerin selbst zu

führen schien, zu einem Empfinden, das sie nicht nennen wollte, und das

ihr einsames Herz doch mit so verwirrender, weher Süße belud.

Vielleicht war es darum, daß der Lehrerin Stimme in diesen Tagen so

anders klang, wenn sie in ihrer Klasse vortrug. Immer schon war diese

Stimme weich und voll gewesen, atmend voll begeisterter Überzeugung.

Aber nun wurde sie ein heißer, dunkler Geigenton. Oft sah man das

schmale, zeitlose Gesicht des alternden Fräuleins erblassen, und ihre

Brust zitterte wie die Saiten einer Geige, die man zu straff gespannt

hat.

Dennoch: gegen die weitoffenen Fenster, die hinaus in einen immer

reicher blühenden Garten gingen, gegen das leise, ganz ferne Brausen,

das durch sie hereinströmte, kam ihre Stimme nicht an. O, gewiß in der

Völle und Kraft des Klanges, nicht aber in der Wirkung. Zwar gab es noch

immer einige, die ihr eifrig lauschten, in einer bösen wollüstigen

Verbissenheit, in der Verachtung für die anderen lag. Das waren die

Häßlichen, die für das Leben jenseits des Parkes Enterbten, die sich nun

mit um so wilderer Leidenschaft dem Studium gaben, als sie die anderen

in ihnen verächtlich scheinende und doch so sehr ersehnte, törichte

Interessen gleiten sahen.

Denn diese anderen: da trug Lizzie Ebbinghaus schon wieder ein neues

Band und konnte ihren Blick nicht davon wenden, betrachtete sich Herta

Kobinger verstohlen im Taschenspiegel, wurden glühende Liebesbriefe von

Bank zu Bank geschickt. Noch viel Törichteres gab es, Dinge, die

Fräulein Dr. Südekum wirklich erschreckten. Da erschien Käte Bilwein

plötzlich mit frech herausgereckten Brüsten, die sich dann als aus

Taschentüchern gefertigt erwiesen, färbte eine andere sich unter den

Augen dunkel, weil ihr das Geschlecht noch das erste bittere Geheimnis

der Reife versagt hatte und sie wenigstens scheinen wollte, was sie noch

nicht war. O, so grotesk und doch beängstigend war, was diese Kinder

plötzlich trieben, von denen Fräulein Dr. Südekum durch Jahre jede

leiseste Regung zu kennen geglaubt hatte.

Manches Spiel tauchte fast in entsetzensvollen Ernst. Eifersüchteleien

führten bis zu Selbstmorddrohungen und Schwermut. Manche litten wild und

verzweifelt an dem jäh erschlossenen Geheimnis, krankten am Ekel, wurden

wirklich krank, blutleer, wurden wegen ihrer Kopfschmerzen und

Schwindelanfälle von Arzt zu Arzt geschickt. Sie, die litten, verstand

Fräulein Dr. Südekum. Irgend etwas in ihnen war ihrer eigenen Angst,

ihrem eigenen Entsetzen verwandt. Diesen Kindern gegenüber fand die

Lehrerin tief in ihre mütterliche Sicherheit zurück, fand Worte, die

stillten. Und wenn ihr die Verzweifelten ihre wilden Sätze

entgegenwarfen:

„Ich kann nicht mehr an Gott glauben, wenn auch der Vater – die Mutter

...“

„Ich bin ja so gemein, Frau Doktor – ich will nicht mehr leben, – so

besudelt – warum, warum ist das alles?“ dann hatte Fräulein Dr. Südekum

ihre eigene Not und Wirrnis vergessen und war nur wieder die wissende,

gütige Hand, die über erhitzte Kinderstirnen strich, Weinen und Schreie

an ihr Herz nahm, alles für Stunden und Tage glättete und Stille schuf.

Aber in dieser Zeit war es auch, daß Fräulein Dr. Südekum die Welt der

Erwachsenen, wie sie sie nannte, das Daheim der ihr anvertrauten jungen

Menschen noch weniger verstehen konnte als sonst. Mit entschlossener

Zähigkeit hielten die Erwachsenen an ihrem Traum von den unwissenden

Kindern fest, diesem Traum, der ihnen offenbar wohltat, ihnen gönnte,

sentimental über eine Zeit zu lügen, „da auch sie in diesem Alter

gewesen waren“. Sie hielten diesen Traum schützend zwischen sich und

ihre Kinder, sahen nicht die ratlose Wirrnis in deren Augen, sahen nicht

die junge Not, wollten nichts wissen von jähen Abgründen. Schrie die

Wirrnis aber zu wild aus den jungen Blicken, brach sich verzweifelte

Einsamkeit Bahn in Anklagen gegen sich selbst, die Eltern und die

Schule, dann war man nur zu rasch mit dem Allheilwort des modernen

Materialismus zur Hand, man murmelte etwas von Hysterie und ließ den

alten braven Hausarzt kommen, der das kleine Mädchen lüstern abklopfte

und „mein Kind“ nannte, und dann etwas Brom und Baldrian verschrieb.

Damit glaubte man, allem genug getan zu haben, genug der jungen Not, die

sich nicht zurechtfand in der plötzlich entgötterten Welt, genug der

jungen Seele, deren Existenz man nur mit einem Achselzucken zugab.

Fräulein Dr. Südekum wußte und litt. Sie war nie Mutter gewesen und

hatte nichts von dem wehen Geheimnis erlebt, dem diese Kinder nun so

brennend entgegenblühten. Sie haßte dieses Geheimnis und die Macht, die

von ihm ausging, aber sie schloß nicht den anderen Erwachsenen gleich

die Augen. Sie wußte, daß diese Kinder oft irrten und litten. Und sie

hatte Angst um sie. Und erbittert dachte sie: Dies war nun einmal Diktat

seit Jahrhunderten: weibliche Kinder hatten, unberührt von allen Dingen

des Geschlechtes, behütet vor jedem Wissen „darüber“ zu bleiben, bis die

ersten Bewerber sich zeigten und man ihnen das Mädchen nach einer

barbarischen Hochzeitsfeier in das Bett legte.

Und weiter sann Fräulein Dr. Südekum, betroffen und gequält: sie alle,

die hatten Mütter werden dürfen, sie versäumten das schönste Recht, die

schönste Pflicht, dem werdenden Seelchen Führer zu sein in das Land der

großen Geheimnisse.

Wenn Fräulein Dr. Südekums Blick während des Unterrichtes über die

Klasse schweifte, blieb er immer wieder an Gertrud haften. Gegen ihren

Willen. Denn fast etwas wie Widerwille und Haß stieg in dem alternden

Fräulein auf gegen dieses junge Wesen, dem sie so viel von ihrer Liebe

gegeben hatte, das ihrem Herzen so nahe gestanden hatte wie keine der

anderen Schülerinnen und die ihr nun so selbstverständlich und kühl

entglitt, wie es ihr noch mit keiner Schülerin geschehen war.

Vielleicht war es deshalb, daß Fräulein Dr. Südekum dies Geschehen nicht

so ruhig hinnehmen konnte wie sonst, daß etwas in ihr sich aufbäumte

gegen das Unabänderliche, das sie bisher immer mit so viel Güte und

wachem Verstehen ertragen hatte. Bitter sann sie: ich habe zu viel

gegeben! Und erschrak doch wieder über diesen Gedanken, den sie in der

unerschöpflichen Liebesbereitschaft aller vergangenen Jahre nie gedacht

hatte. Erschrak und dachte jäh: ich werde alt!

Ja, fast mit Widerwillen und Haß sah die Lehrerin zu Gertrud hinüber,

die, wie immer in letzter Zeit, in sich selbst versunken dasaß und wohl

nicht ahnte, was in dem Fräulein vorging.

Wer hätte es für möglich gehalten, daß sich in wenigen Wochen aus dem

unschönen Kinde mit seinen plumpen Bewegungen ein schmaler federnder

Körper emporrecken würde, daß dieses pausbäckige, etwas derbe Gesicht

sich in ein schmales und sehnsüchtiges wandeln könnte?

Auch aus dieser Puppe schält sich weiß, schmal und lockend das Weib, so

dachte Fräulein Dr. Südekum, und fast zornig sah sie, wie ein dunkler

Schatten über dem Kleiderausschnitt die zarten Brüste ahnen ließ. Dieser

Schatten führte zwischen den Brüsten hinab zu den tiefsten Geheimnissen

des Frauenleibes.

Fräulein Dr. Südekum erschrak über ihre Gedanken und erblaßte. So sehr

haßte sie also schon, daß sie dieses Kind entkleidete, den zarten

Schleier von diesem werdenden Körper riß, der, sein Recht verlangend,

Sein und Tun ihrer Schülerin ihr entfremdet hatte? So sehr haßte sie

also? Ja, sie haßte diesen Körper und alle Merkmale seines Werdens und

Aufblühens.

Und doch blieb die Lehrerin beim Verlassen der Schule einen Augenblick

zögernd stehen, sah sie, die eben durch das große Tor trat, das Gesicht

hob, als wolle sie die zärtliche Luft des Frühlingstages noch tiefer

einatmen. Fräulein Dr. Südekum ging mit kleinen, trippelnden Schritten

auf das junge Mädchen zu und fragte plötzlich mit einer durch Angst und

Scham rauhen Stimme:

„Warum kommst du nicht mehr zu mir?“

„Ich,“ – Verlegenheit und Ablehnung zeigten sich in den Zügen des jungen

Mädchens, „ich habe so viel zu tun, – Mama, sie will – ich lerne viel

Klavier.“

„Du hast dich doch sonst nicht so viel um die Wünsche deiner Mutter

gekümmert!“ Die Lehrerin erblaßte, als sie dies gesagt hatte. Um Gottes

willen, wie hatte sie nur das sagen können!

Ein verwunderter Blick traf Fräulein Dr. Südekum: „Es ist jetzt viel

besser daheim,“ erklärte sie ruhig.

„Das ist schön, – ja, ich meinte mit meinen Worten ja auch, – es freut

mich, daß du nicht mehr Widerstand leistest – ich –“

Gertrud betrachtete mit wachsendem Erstaunen die Verwirrung der

Lehrerin. „Nein, ich leiste in kleinen Dingen keinen Widerstand mehr,“

sagte sie. „Es steht auch nicht dafür. Schließlich meint sie es in ihrer

Art ja gut. Wenn man sehr jung ist, muß man sich eben mit den

Erwachsenen herumschlagen, die Ansichten aus einer anderen Zeit haben.

Das geht allen so und ist nichts Besonderes –“ Hochmütige Ablehnung

jeden fremden Eindringens stand in dem jungen Gesicht geschrieben.

Schweigend sah die Lehrerin auf das Mädchen, das ein wenig befangen vor

ihr stand. So hatte sich also auch dies gewandelt! Der Konflikt mit dem

Daheim war nicht mehr die Einsamkeit des jungen Menschen, der nach

Verstehen, Bejahung und Liebe dürstete. – Gert kämpfte offenbar wie alle

anderen, um mit List oder offenem Widerstand von den Eltern mehr

Freiheit für erste Torheiten zu erreichen.

Sie streckte Gertrud die Hand entgegen. „Leb wohl, Gertrud.“ Die Stimme

der Lehrerin klang seltsam gepreßt.

„Leben Sie wohl, Frau Doktor!“ sagte die Schülerin, „und wenn ich darf –

werde ich Sie gerne wieder einmal besuchen.“

Sie ist eine Gans geworden wie alle anderen, sann Fräulein Dr. Südekum

erbittert, und sie dachte rasch noch einige böse und erbitterte

Gedanken, damit dieser Druck in der Kehle verginge, der so brannte und

preßte, und damit sie nicht zu wach den einen Gedanken denken mußte, der

in ihr aufstieg: so gab sie mir den Abschied, so einfach und gnadenlos.

Sie braucht mich nicht mehr ...

Erstaunt sah ein Passant dem hastig trippelnden Fräulein nach, das es

gar nicht zu merken schien, daß ihm große Tränen über das Gesicht

liefen.

Als an diesem Abend Fräulein Dr. Südekum allein in ihrem Zimmer saß und

die öde Leere ihres verarmten Lebens um sich her fühlte, da stieg es

plötzlich durch Scham, Zorn und Demütigung tief aus den Dämmernissen

ihres Unterbewußtseins und zwang sie in einer wilden Erregung Dinge zu

denken, die sie nie gedacht hatte. So, als wäre bisher alles Irrtum

gewesen und Schuld schien es ihr nun, ja Schuld gegen eine Sehnsucht,

die sie jetzt überall in ihrem Leben erkannte. Aber noch wußte das

alternde Fräulein nicht den Namen dieses Irrtums, nicht den Namen ihrer

Sehnsucht.

Dies geschah erst in der Nacht, als sie tränenüberströmt auf feuchten

Kissen erwachte und jäh ein harter, brutaler Gedanke in sie schlug.

Das kleine, schmalbrüstige Fräulein saß keuchend in ihrer gestreiften

wollenen Bettjacke zwischen den Kissen mit angstvoll offenen Augen, mit

fliegendem Atem. Eine Macht, eine unerbittliche Macht, die aus Urtiefen

in ihr Blut und Empfinden stieß, zwang sie zu denken:

Und wäre ich gewesen, wie sie alle sind, so ganz an das _eine_

verschenkt, das ich verachte, – und hätte ich mich vergessen, wie man

sagt, – an irgendeinen, an wen immer – dann wüßte ich vielleicht

irgendwo ein kleines, warmes zappelndes Wesen. – O, ich hätte es

niemanden wissen lassen, es wüchse geheim, entfernt, irgendwo auf dem

Lande auf.

Sonntags führe ich hinüber, brächte Blumen, Spielzeug, – Kindersachen

nähte ich heimlich in den Nächten. Aber nie, – niemals würde ich mir

etwas merken lassen tagsüber – o nein, vor allen Menschen würde ich ein

strenges Gesicht über mein süßes Geheimnis hängen.

Mit fünfundvierzig Jahren ginge ich dann in Pension, – hinaus aufs Land

– zu guten Leuten, in ein kleines Häuschen. Mein Kind würde schon groß

sein, sprechen, – zu mir sprechen – zu seiner Mutter.

Ein Leben würde sein, das mir, nur mir gehörte, – nicht eines, das mir

fremde Eltern für die Schule leihen, nicht ein Leben, das mich später

verrät und nicht mehr kennt, wie Gertrud – wie sie alle ...

Ein Leben, das nur mir gehörte ...

Und Fräulein Dr. Südekum warf sich schluchzend über die feuchten Kissen:

ich werde alt und allein sein.

Der wilde Garten · 第 10 / 34 题