Rachenputzer in Wallin.

Ramenach in Glückstadt in Holstein.

Rammeiß, ein Lübecker und Ratzeburger Bier,

das in Danzig stark getrunken wurde.

Ramna, ein Herforder Bier.

Rarkatter in Tolkemit.

Rasemann in Frankfurt a. O.

Rastrum in Leipzig.

Rennerkatter in Pautzke.

Reuterling in Webbingen bei Halle und in Weimar.

Reyssekopff in Frankfurt a. O.

Rockenzagel in Stumm.

Roite in Münster.

Rolah in Thorn.

Rolingsbier in Frankfurt a. O.

Roloch in Thorn.

Rorkatter in Tolkemit.

Rummeldeiß in Ratzeburg.

Rutetop in Frankfurt a. O.

Salat in Frankfurt a. O.

Salvator = Sankt Vaterbier in München.

Salz es bas! in Fischhausen.

Sausewind in Reden.

Saure Magd in Königsberg.

Schackrach in Thüringen.

Schemper, ein Covent.

Scheusel in Altenburg.

Schlacknack in Eisleben.

Schleppenkittel in Fischhausen.

Scheps in Breslau.

Schlichtim in Elbing.

Schlickerei in Passenheim (?).

Schlipschlapp in Frankfurt a. O.

Schlucknach in Eisleben.

Schlunz in Erfurt.

Schweis im Nacken in Güstrow.

Schmier nicht! in Stolp.

Schreckegast in Heilsperg.

Schüttekappe auf Rügen und in Rittershaus.

Schüttelkopf in Rüddagshausen.

Schweinspost in Straßburg.

Schwente in Neuteich.

Singewohl in Frauenburg.

Sohl den Kerl in Hadeln.

Sollewurst in Welau.

Soltmann in Salzwedel.

Sommertrank in Zerbst.

Speie nicht in Riesenburg.

Sperpipe in Frankfurt a. O.

Spülekanne in Stargard.

Spülwasser in Löbe.

Staffeling in Frankfurt a. O.

Stampf in die Aschen in Frankfurt a. O.

Stier in Schweidnitz.

Streckefisel, ein Merseburger.

Streckepertzel in Frankfurt a. O.

Strohheingen in Frankfurt a. O.

Strutzing in Löbe (?).

Stürzen Kerl in Braunsberg.

Taract, ein Culmeser Bier.

Taubenschwanz in Stendal.

Tibi soli, Braunschweiger Klosterbier.

Toller Wrangel in Breslau.

Trawöl in Lübeck.

Trink! eine Covent-Art.

Trumpe in Neumark.

Tunke in Zittau.

Vasemann in Frankfurt a. O.

Wehr dich! in Danzig.

Witte in Kiel.

Wittelaus in Kiel.

Wittenkiel in Schöningen.

Wo ist der Magd Bett? in Dt. Eulau.

Wolgemut in Friedland.

Wohlsack in Brockhausen.

Wuistdas in Liebstadt.

Wullsack in Brockhuß (?).

Wuttu in Hannover.

Würze in Zerbst.

Zals in Eilenburg.

Zitzenille in Nauen.

Zyth in Rostock.

3. Bierhumor und Bierpoesie.

Das Jahr ist gut, braun Bier ist geraten,

Dann wünsch ich mir nichts, als dreitausend Dukaten,

Damit ich kann schütten braun Bier in mein Loch;

Und jemehr ich davon trinke, desto besser schmeckts noch.

Fliegendes Blatt.

Der edle Wein ist dem Deutschen der Sorgenbrecher, das Bier sein

guter Kamerad. Der Rebensaft macht das Blut leicht, lockert die

Gedanken, gebiert den Witz; das behäbige Bier macht Körper und Gedanken

träge, weckt aber den Humor, jenes urdeutsche Etwas, das wie die

Gemütlichkeit, nur das deutsche Volk und der deutsche Sprachschatz

kennt.

Darum liebt der Deutsche auch sein Bier, und was sich liebt, das

neckt sich. Wer schimpft, der kauft! Der Deutsche schimpft auf den

Gerstensaft, legt ihm allerlei Namen bei, oft recht grobe, aber nichts

destoweniger sehr bezeichnende, und sauft -- pardon, kauft soll es

heißen. Heute, wo wir feiner geworden sind, sprechen wir allerdings

nicht mehr so despektierlich vom Bier, wie es unsere Vorfahren

getan, denen eine Zote und ein Zötchen, wie Luther sagt, als Würze

der Geselligkeit schienen. Wir sind nobler geworden -- wir tun jetzt

im Geheimen, was vordem die breite Öffentlichkeit nicht scheute und

nicht zu scheuen brauchte, denn der Nachbar, sogar die Damen machten es

ebenso. Und was die Ahnen ohne Bedenken ausführten, das benannten sie

auch mit dem richtigen Namen -- es klang freilich nicht immer zart und

»passend«, aber die Prüderie war eben damals noch nicht Allgemeingut

geworden. Man war rücksichtsloser und derber und heuchelte wenigstens

noch nicht in Kleinigkeiten. Man trank sein Bier ganz öffentlich aus

großen Töpfen, nippte nicht in Wirtshäusern aus gläsernen Tulpen, um im

Geheimen Maßkrüge zu leeren. Man sagte nicht: »Gose bekommt mir nicht!«

sondern

Es ist ein wunderschönes Bier,

Die Goslarische Gose:

Man glaubt, man hat sie in dem Leib

Und hat sie in der Hose!

Wie viel gesitteter, aber langweiliger, klingt, was Friedrich Herm

zweihundert Jahre später von derselben Gose singt:

Du Göttertrank, du Leipziger Sekt.

Wie schäumst du im hohen Glas.

O wie bedauern wir jeden doch,

Der schwelgend vor dir nie saß,

Du, süßer wie Mädchengekose,

Gose!

Weniger affektiert aber bei weitem richtiger charakterisiert ihr

Landsmann Edwin Bormann die Gose:

Wennste probst der Gose Saft

Wappne dich mit Heldenkraft,

Denn du weeßt nich, werd dei Magen

Ja un' Amen derzu sagen?

Drum bevor de rechde Hand

Noch um's Stempelglas sich wand,

Leg aus Vorsicht deine Linke

Uf de Stuwendhierenklinke.

So wie die Gose hing der Deutsche fast allen seiner Lieblingsbiere

einen Klaps an, sei es, daß er ihre Wirkung übertrieb oder ihren

ursprünglichen Namen verballhornte. Aus dem Breslauer Stadtbier, dem

Scheps, wurde der -- Schöps, von dem es hieß:

Schöps steigt ins Gehirn,

Braucht keine Leiter nicht.

Er sitzet in der Stirn,

Wirkt Wunder im Gehirn.

oder wie das Original im klassischen Küchenlatein lautet:

Scheps caput ad scandit,

Non scalis indigitet actis;

Sessitat in Stirnis,

Mirabilis intus in Hirnis.[69]

Auf »durchschlagendere« Wirkung lassen die Namen etlicher anderer Biere

schließen, so das Eckernförder, von dem Krünitz in aller Gelassenheit

berichtet: »Von diesem wird erzählt, daß, als im Jahre 1503 der

Kardinal Reymundus dahin gekommen und dieses Bier gekostet, habe es

ihm so wohl geschmeckt, daß er ziemlich sich darinn berauschet;

als er aber hier auch des Nachts etliche Stuhlgänge gehabt, habe er

es _Cacabella_ oder Cacabulle genannt, da es vormahls Quackeldeiß

geheißen.« Und dieser anrüchige Name blieb auf ihm sitzen.

Ebenso bezeichnend hieß das Bier von Dasseln im Braunschweigischen der

_Hund_, weil es im Leibe knurrte und murrte, ehe es sich gewaltsam

einen Ausweg suchte.

Die Lust an Derbheiten bei unseren Altvorderen kommt in vielen

Biernamen zum unverfälschten Ausdruck, so wenn sie das Gebräu

von Dransfeld im Hildesheimschen _Hosenmilch_ nennen -- eine

Zweideutigkeit, die gar nicht zweideutig ist, oder das Nauensche Bier

Zitzenille benamsen, das ein Ungenannter also apostrophiert:

Wer Zitzenille trinken will,

Der muß drei Tage liegen still!

Das Bier aus Eisleben wird »Krabbel an der Wand« und

»Mordundtotschlag«, das Bier aus Stade -- Kater, das aus Boitzenburg

Beißdenkerl und endlich das von Osnabrück -- Buße getauft.

Am reichsten an Bieren mit absonderlichen Namen war Frankfurt a. d.

O. Eine Durchsicht meiner Tabelle der Bierspitznamen ergibt für diese

Mittelstadt an zwanzig verschiedene Biere, von denen ein großer Teil

ihre Bezeichnungen bereits seit dem fünfzehnten Jahrhundert tragen.[70]

Unseres heiligen römischen Reiches deutscher Nation gesegnete

Streusandbüchse war in der Vorzeit das Dorado des Bieres -- ein

Abklatsch des bierseeligen Bayerns unserer Zeit. Jedes Nestchen hatte

sein eigenes Bier, dazu kam noch eine Hochflut fremder Gebräue --

und doch schwärmte der Brandenburger für kein Bier mehr als für sein

heißgeliebtes _Bernauer_.

Mit behaglichem Schmunzeln, nach einem Kuhschluck des schäumenden

Trankes, tischt der behäbige Märker dem Fremden die Geschichte auf, wie

ein Schusterjunge in Berlin, dem der Meister das bißchen Grips aus dem

Kopfe gebeutelt, von der nicht minder handfesten Meisterin nach einem

Krug Bernauer geschickt wird und statt nach dem Ratskeller zu gehen,

sich gen Bernau trollte, der Residenz Wippchens und der Geburtsstadt

des »Froschmäuselers« Georg Rollenhagen. Als ihm dann plötzlich auf dem

Rückweg nach Berlin seine Torheit klar wurde und er sich die zahllosen

Kopfnüsse ausmalte, die ihm winkten, vergrub er den Deckelkrug voll

Bier am Wegrand und ging in die Fremde. Viele Jahre vergingen ehe

der zu einem Kriegsobersten gewordene Lehrling nach dem Spreestrand

heimkehrte und nach dem Krug Bernauer grub, den er unversehrt fand,

ebenso das Bier in ihm, das zu einem wahren Göttertrank geworden war.

Dieses Bernauer begeisterte einen Poeten um 1720 herum zu einem endlos

langen Gedicht, dessen letzte zwei Strophen lauten:

Schönster Preis von allen Säften

Wertestes Bernauer Bier,

Welcher Trank kann dir an Kräften

Und an Tugend gehen für?

Keiner, keiner kann dir gleichen,

Aller Nektar muß dir weichen;

Ja, es ist ja nichts auf Erden,

Das dir kann verglichen werden.

* * * * *

Tee, Kaffee und Chokolade, --

Trinke Wasser, wer da will!

Ros solis und Limonade,

Diese acht' ich auch nicht viel.

Wein ist teuer und zu hitzig,

Branntewein macht aber witzig; --

Alle diese müssen passen

Und Bernau die Ehre lassen.

Eine ähnliche Dichtung findet sich, sogar in drei Sprachen: lateinisch,

hoch- und plattdeutsch, zu Ehren des Gardelegener Gartei. Ihr

Verfasser ist der hochgelahrte Helmstädter Professor der Medizin und

spätere Oberarzt in Lübeck, Heinrich Meibomius, der sich auch viel

mit dem Geißeln beschäftigte und uns eine diesbezügliche, in gewissen

Kreisen noch unvergessene Abhandlung »de flagrorum usu in re veneria«

hinterlassen hat. Die Entstehungsgeschichte dieses Gedichtes ist

folgende: Herzog Heinrich Julius von Braunschweig hatte verboten, in

Helmstädt das Gartei an die Studenten zu verschänken. Das beklagte

Meibomius im Namen seiner Studenten und des Gartei selbst mit den

Worten:

Ik himmelseute Kind, dat man nach seiner Meumen,

Der wiet berühmten Stadt »Gartie« plegt tau neumen,

Maut leider van de Eim mit Sack und Packe thein

Un mine ohle Borch an mit'n Rüggn anseihn. --

Das Gedicht verrät dann, daß auch die Damenwelt dem Gartei nicht

abgeneigt gewesen sei, denn, sagt das Bier von sich selbst:

De Mann, de van mick hefft gaut dichte Töge dahn

De kann mit Pries und Ehr tau siener Frau gahn;

Dat merckt de Mämnncke's wohl, de looft mick utermahn.

Un will mick ut de Stadt Kortzumme nit verlaten.

Ebenso wie das Gartei, fand der Tangermündner Kuhschwanz und das

Karthäuser aus Frankfurt a. d. Oder seine Sänger.

Aber trotz dieser guten Biere ergoß sich ein Strom fremden Stoffes über

die Mark. Was man z. B. in Berlin um das Jahr 1711 alles hinter die

Binde goß, ist aus dem nachstehenden »Bier-Carmine« zu ersehen.

Krossener, Kottbuser, Ruppiner,

Zerbster, Breihahn und Demminer

Landbier und Bernauer Bier,

Gartei aller Tränke Zier,

Duckstein wie auch Fürstenwalder,

Spandauer und Mittenwalder,

Der Karthäuser edles Bräu,

Der zu Frankfurt schäumt auf's Neu',

Tuchebander, Brandenburger,

Stolper und Oranienburger,

Köpenicker, Moll, Magdeburger,

Brietzer, sowie Quedlinburger,

Machen Wirt und Gäste rund. --

Tuts der Trunk auch von Sarmund?

Darvon ward uns nie was kund!

Grüß' dich Gott, berühmte Gose,

Bier von Rudow und Mülrose!

Neuendorfer, Kniesenacker,

Spannagel macht's Herze wacker.

Lange möge Potsdam blüh'n

Und der Trank von Lübejün!

Malchower und Krossendorfer,

Forster, sowie Fredersdorfer,

Dessauer und Nauener,

Teupitzer und Cremmener,

Falkenhagner, Liebenwalder,

Alte Lebuser, Königswalder,

Bartscher, Wusterhausener,

Machen froh selbst Klausener,

Machen Grillenfänger heiter:

Trink' sie in Gesundheit weiter.

Frankfurt, Rathenow und Straußberg,

Schwedt und Storkow, Wrietzen, Landsberg,

Zehdenick, ja auch Morin

Manchmal gute Biere ziehn.

Freienwalder, Eberswalder,

Stendaler und Luckenwalder,

Englisches, sowie Trebbiner,

Liebenberger und Küstriner,

Mühlenbecker, Dahlewitzer,

Kufenbier und dich, Kyritzer,

Brandenburger Domherrnbier,

_Böhmisches_ und Pommersch' Bier

Schlürft man hier mit frohem Brummen,

Doch noch höher gilt die _Mummen_,

Mag's auch arg im Kopf d'rauf summen.

Was ich noch zu nennen habe,

Ist ein Bier nur zweiten Rang's,

Dennoch manches Mannes Labe,

Denn manch' Fürste selber trank's.

Dahin rechn' ich Biesentaler

Und _Stockholmer_; -- eitle Prahler

Trinken gern den fremden Trank,

Würd' auch Börs' und Magen krank.

Güstrower und sächsisch Bier

Sind zwar nicht des Tisches Zier;

Wehe aber jedem Gaste,

Den Granseer je erfaßte.

Oder Trank von Buchholz, Birkholz.

Weh' im Auge und im Kopfe rollt's

Und noch tagelang im Leibe grollt's.

Doch du fragst: »Und welches Tränklein,

Kundiger empfiehlst du mir?« --

So vernimm's: »Ein arges Schwänklein

Ist's oft mit dem fremden Bier.

Ich gesteh's: Manch guter Tropfen

Kommt von fremden Malz und Hopfen;

_Aber was der fremde kann,_

_Kann auch wohl der heim'sche Mann._

Sieh', dies Bier so goldig leuchtend,

So erquickend, witzanfeuchtend.

Wurde eingebraut allhier

Und bekommt vortrefflich dir!

Ein Berliner Brauer schuf's

Und's ist würdig besten Ruf's.

S'ist der Sorg ein starker Knebel,

S'ist des Mannesmutes Hebel:

Dieses sagt Andreas Rebel.[71]

Die umfassenden bierologischen Kenntnisse Rebels lassen darauf

schließen, daß er entweder Student oder Gastwirt oder Bierbrauer

gewesen. Das Selbstlob des Berliner Bieres am Schlusse seines Poems

lassen beinahe auf letzteres schließen.

Eine verifizierte Biergeographie findet sich in der Falckensteiner

Chronik von Schwabach. Sie ist interessant genug, um ihren Abdruck zu

rechtfertigen.

_Leipzig_ sonst die Lindenstadt

Rastrum in den Keller hat,

_Hall_ kann mit dem Puff stolzieren

Und dahin die Säuffers führen;

_Wittenberg_ den Kuckuk zeigt,

_Breslau_ ist zum Scheps geneigt,

_Halberstadt_ den Breihan braut,

_Gardelegen_ Gartey schaut,

Mord und Todtschlag droht _Eisleben_,

_Goslar_ kann uns Gose geben,

_Kyritz_ Fried und Einigkeiten.

_Braunschweig_ brauet Mumm bei Zeiten,

_Gustrau_ schenkt uns Kniesenack,

_Colberg_ trinkt uns zu das Black,

_Keuterling_ Wettin uns schenket,

Rummeldeiß an _Ratzburg_ denket.

_Delitzsch_ hält den Kuhschwanz her,

_Herford_ hat an Komma Ehr,

_Osnabrück_ kann Buße zeigen,

Witte will in _Kiel_ nicht schweigen,

_Jena_ hat Dorffteufels genug,

Israel macht _Lübeck_ klug.

_Helmstädt_ muß Clapit ausschenken,

Junker muß an _Marburg_ denken,

_Münster_ schenket Koite ein,

_Königslutter_ Duckestein,

_Eckenförder_ Cacabulle

Ist nicht feil für eine Nulle.

_Brandenburg_ gibt alten Klaus,

_Wartenberg_ schenkt Bockshaut aus.

_Zerbster_ Würze läßt sich trinken,

_Gera_ will in Angst versinken,

_Wernigerode_ hat Lumpenbier,

_Boitzburg_ biet den Kerl zur Zier.

_Dransfeld_ Hasenmilch verkaufet,

_Brockhuß_ nach dem Wallsack laufet,

_Königsberg_ hat Preussing feil,

_Pattensen_ braut Pohk mit Weil,

_Hadelen_ Sähl den Kerl schließet,

Wenn man in die Kehlen gießet.

Der »arme Mann im Tockenberg«[72] trank in Berlin zu des alten Fritz'

Zeiten seinen »Krug Rußiner- oder Gottwitzerbier«.

Wie man das Bier zu trinken hatte, sagt der unbekannt gebliebene

Verfasser des Büchleins »de generibus ebriosorum et ebrietate

vitanda«:[73]

Sauffs aus mir zu

Als einer Khu.

Ich warte sein

Als ein schwein:

Halb

Als ein Kalb.

Ist gut bier:

Es gilt dir,

Liebes thier,

Ein stübgen oder vier.

Dasselbe Werkchen gibt die etwas grobkörnige Unterweisung für den

Trinker, die auch Fischart in seinem »trunken Gespräch« in der

»Geschichtsklitterung« aufführt:

Sauff dich voll und leg dich nider

Stee fru auff und fuell dich wider,

So vertreibt ein Fuell die ander:

Das schreibt der gut frum priester Ars lex ander.

Ja, getrunken mußte werden, und wenn das letzte Kleidungsstück ins

Leihhaus wandern sollte. Und so sangen denn die Altvorderen im

kräftigsten Bierbaß:

Gott gebe, Gott grüße,

Bier und Wein schmeckt süße,

Vertrink ich die Schuhe, so behalt ich die Füße;

Noch hat mir niemals kein Geld gebrochen,

Denn nur sieben Tage in der Wochen! --

Amate, da ihr noch jung seid,

Cantate, da ihr traget Leid,

Doch ob ihr habet Lust oder Weh,

Ob jung, ob alt seid -- bibite! --

Etwas Galgenhumor klingt aus dem Sprüchlein:

Wenn ich das Bier könnt meiden

Ging ich in Sammt und Seiden,

Da ich's aber nicht meiden kann,

Hab ich zerrissene Kleider an. --

Unsere Vorfahren waren gar kluge Leute. Um niemals den Genuß des Bieres

zu entbehren, den heutzutage hier und da ein übereifriger Doktor der

Medizin seinem durstigen Patienten verbieten zu müssen glaubt, fanden

sie darin ein unfehlbares Gegenmittel, daß sie dem edlen Gerstensaft

allerlei Heilwirkungen zuschrieben und gegen jede Krankheit ein Bier

als Heilmittel wußten.

»Obschon das Bier mit dem Wein sich in keine Kompetenz einlasset und

demselben gern den Vorsitz vergönnet, dennoch wird es mehrmals von den

verständigen Medicis manchen Patienten zugelassen und darf der sonst

so redliche Wein nicht unter die Augen kommen, welches desto mehr die

Ehre des Bieres und folglich des Bierbrauers vergrößert.«[74]

Schon der alte Plinius rechnet den Schaum des Bieres zu den

Schönheitsmitteln, weshalb die Römerinnen auch gerne vom Schaum nippten

-- tout comme chez nous.

Wie man heute dem Magenkranken Pilsener Bier erlaubt, verordnete man

ihm in der Vorzeit Einbecker, das überdies in Gelbsucht und Fieber gute

Dienste leistete, so behauptete wenigstens Plakotomus in einem Buche

»de natura cerevisiarum«, wie das Danziger Preußing bei Bluthusten

und Brüchen, das Kniesenack und das Ducksteiner gegen den Stein, das

letztere auch noch gegen Podagra von exzellenter Wirkung war.

Mit diesem bierologisch-medizinischen Blödsinn, »Braunbier, braunisch

kuriert«,[75] ließen sich Bände füllen, da ebenso wie dem Bier im

allgemeinen nachgesagt wurde:

Das Bier giebt grober feuchte viel,

Streckts geblüt und mehrets Fleysch ohn Ziel.

Es lährt die blasen und weycht den Bauch,

Es kühlt ein wenig und blaht auf auch,

(1568)

fast jeder Biersorte eine andere Wundergabe zugesprochen wurde, --

sollten doch gewisse Gerstensäfte Marienbad bei der Damenwelt und

Aachen usw. bei den Herren ersetzen können.

Balthasar Schnurrens Regel:

Bad nicht, laß dich nicht kurir

Meid' Würtz und Wein, trink gut alt Bier,

Salat von Zoltig, Spargeln, Kressig

Drauff Eier, Wurst, Oel, Rosenessig

erschöpft noch lange nicht die im Biere schlummernden Kräfte, denn

Edles Bier was soll ich sagen?

Weil dein Lob zu überhäufft,

Du erkühlest unsern Magen,

Wann ihm Hitz' und Durst angreifft.

Du bringest fast gäntzlich verdorrete Glieder,

Zu vorigen Kräfften in kurtzer Zeit wieder.

lobpreist ein anderer Bierkenner.

Über die medizinischen Eigenschaften des Bieres ergeht sich ein

unbekannt gebliebener Gelehrter in folgenden Worten:

_Von des Bieres Eigenschaft, Schaden und Nutzbarkeit._

Bier wird gekocht mit Weizen, Gersten, Haber und Hopfen. Es ist

zweierlei: das dicke wird Doppelbier genannt, das andere ist

lieblicher, subtiler und besser. Dickes Bier macht Feuchtigkeit, das

andere, das lieblicher ist, nicht so viel. Bier mehret die Kräfte,

Fleisch und Blut, ist von großer Nahrung, bewegt den Harn, bringt

Linderung des Bauchs, zumal wenn es mit Hopfen gekocht ist. Mit zu viel

Hopfen schadet es denen, die ein schwaches Hirn haben, dieselben macht

es trunken, und diese Trunkenheit währet länger denn die des Weins. --

Bier, das nicht wohl gekocht wird, da kühlet ein wenig und blähet den

Bauch. Aber das saure beschädigt den Magen, das trübe verstopft und

schadet denen, die den Stein haben, verursacht Blähungen oder Kürze des

Athems. Bier, das übel gekocht wird, machet Wind im Magen und Bauch und

bewegt die Bärmutter. Und solches, das nicht wohl alt und von seiner

Hefen gereinigt ist, das wird nicht wohl verdauet, bringet Harnwind

und eben die Schäden wie das übel gekochte Bier. Bier aus Gersten und

Hopfen wohl gekochet, welches das temperirteste ist und gesundeste,

öffnet die Verstopfung.«[76]

War nun das Bier gegen alle möglichen und unmöglichen Gebrechen gut,

gegen eines half es niemals, im Gegenteil es beförderte dieses ebenso

wie der Wein -- den _Rausch_.

Um dieses Erbübel des Trinkers aus der Welt zu schaffen, ohne

jedoch den gewohnten Trunk einzuschränken, griff man zu allerhand

abenteuerlichen Mitteln.

Johannes Rasch zu Wien, der im Jahre 1582 das »Weinbuch von Baw, Pfleg

und Bruch des Weins« herausgab, empfiehlt: -- »ehe du ein wein trinkst,

iß Wethamerwurtz oder Petulanakraut oder thue ein guten trunck Milch,

so wirstu nit so leichtlich vol gemacht werden. Epheu hat diese Tugend

und Kraft, daß es den Kopf vor des vergangenen tagsrausch und wehthumb

behütet« -- also Katzenjammer unmöglich macht. O du herrlicher

Johannes Rasch, dein Andenken sei gesegnet. Von nun ab werden

Epheupflanzungen wie Pilze aus der Erde schießen.

Christoph von Hellwig, der unter dem Pseudonym Valentin Kräutermann

eine ganze Anzahl »kompendiöse« hirnverbrannte naturwissenschaftliche

und medizinische Bücher in die Welt sandte, verbrach auch ein Werkchen

»Der curieuse und vernünftige Zauber-Arzt«,[77] auf dessen Seite 61 er

folgende »curieuse und vernünftige« Wundermittel gegen die Trunkenheit

verzapft.

»Daß einer nicht truncken werde.

Ingemein pfleget man fünff oder sieben bittere Mandeln vor dem Trinken

zu essen, weil man noch nüchtern ist.

Die Trunckenheit zu bewältigen, daß man nicht berauschet werde, so

ist das beste Mittel der rothe Kohl, wenn man aus desselben Stengeln

den Safft mit den Zähnen heraus presset, und ihn einschlucket: oder

denselben gekocht unter die erste Gerichte zum Essen aufsetzet: Dieses

thut die Portulacus Levius Lemnius. Oder man nähe Epheu oder Jelänger

Jelieber in eine Mütze, und trage solche beym Trincken auf dem Kopffe.

D. Sebizius in seinem Buche vom Feld-Bau rühmet folgenden lateinischen

Hexametrum, welchen man man noch, bey auffhabender Mütze von Epheu und

Jelänger Jelieber, öffters bey sich heimlich recitiren solle, so würde

die Verhütung der Trunckenheit desto eher geschehen; nemlich:

Jupiter his acta sonuit clementius Ida.

Das Sal volatile oleosum ist auch nich zu verwerffen, wenn man es offt

gebrauchet.

Wer einen sauren Apffel früh nüchtern isset, und trinckt Wasser drauff,

der wird denselben Tag nicht voll.«

So. Nun weiß man's.

Radikal aber wird die Trunkenheit nur dann ausgemerzt, wenn man ihrer

Grundursache, dem Durst, zu Leibe geht, -- so meinten die alten Herren,

als ob man nicht auch ohne Durst trinken könnte!

Diesen bösen Durst vertreibt man gründlich nach einem Rezept des

sechzehnten Jahrhunderts auf diese Weise:

»In dem Hahne findet sich ein Stein einer Bohne groß, durchsichtig

wie ein Crystall. Er wird in den Kapphähnen erst in vier Jahren in

der Leber des Hahns gefunden; wenn er bei dem Hahne gefunden wird, so

trinkt er nicht mehr. Diesen im Munde gehalten, bekommt keiner keinen

Durst und machet unüberwindlich vor seinem Feinde.«[78]

Kräutermann faßt die Sache ganz anders an. Entweder nehme man Saft

von Hauswurz oder »die Tinctur von gefüllten Maßlieben oder blauen

Mertzen-Violen, oder Rosen, mit Spiritu Vitrioli ausgezogen, ins

tägliche Trincken davon getröpffelt, ist auch gut«.

Schließlich bekommt Kräutermann-Hellwig noch eine Vernunftsanwandlung

und empfiehlt -- horribile dictu -- »frisch Brunnenwasser, thut dazu

Candelzucker und eine zerschnittene Citrone, lasset es mit einander

kochen, _zuweilen_ getrunken. Es kühlet die Leber und löschet den

Durst.«

Wer's nicht glaubt, probier's!

Ja, man konnte auch in der Vorzeit mitunter recht vernünftig sein,

-- wenn auch nur ausnahmsweise. Zuweilen dämmerte in einzelnen und

vereinzelten Köpfen etwas auf, was sogar heute noch Geltung hat, --

trotzdem es in der Gegenwart ebenso wenig befolgt wird, wie ehemals,

weil es eben vernünftig ist.

Ein Beispiel hiervon ist die altehrwürdige »Ordnung des Trinkens«,

die neben manchem veralteten Bombast auch manch beherzigenswerten

hygienischen Fingerzeig enthält.

Der deutsche Durst: Methyologische Skizzen der deutschen Kulturgeschichte · 第 4 / 21 段