... wird für den König der Biere in Deutschland gehalten. Es ist ein
starkes Hopfenbier, welches zuerst von einem, Nahmens Mumme, davon
es nachgehens auch den Nahmen bekommen, in einem nahe an dem alten
Petersthor in Braunschweig gelegenen Hause gebrauet worden; wie denn,
zum Andenken dessen, an selbigem Hause eine ausgehauene Statur eines
Mannes, der ein Glas in der Hand hält, zu sehen ist. Weil nun dieses
neue Bier gut befunden worden, hat es der Erfinder gewagt, und davon
einen Theil über See gesendet, und endlich wirklich einen Handel damit
nach England und Holland angeleget, daher er auch ein Rückgrat von
einem Walfische, zum Wahrzeichen dieser seiner Reisen, an sein Haus
hängen lassen.«
Man braute die zum Export bestimmte Schiffs-Mumme, die Stadt-Mumme,
»die bald weggetrunken zu werden pflegt«, für den Stadtbedarf, und das
Erntebier, das an die Bauern verkauft wurde.
Im Breslauer Ratskeller, der als Schweidnitzer Keller Weltruf genießt,
wurden im sechzehnten Jahrhundert verabfolgt: Goldberger, Striegauer,
Croßner, Zerbster, Warschauer, Merseburger und Mannheimer, daneben
natürlich auch das altbekannte Breslauer Stadtbier, der _Scheps_, von
dem es hieß:
Breslauer Bier
Ist der Schlesier Malvasier.[60]
Mehr als lokale Berühmtheit genossen die Biersorten: das _Barthische_
aus Pommern, das Danziger _Junkerbier_ und das _Jopenbier_, das
Brandenburger _Altenklaus_, das Lübecker _Israel_, der Marburger
_Junker_, die Bautzener _Klotzmilch_, der Hallische _Cuff_, der
Nymweger _Moll_, den Magdeburger _Filz_, den Johannes Fischart
wiederholt erwähnt; dann das »_Kotzborgense_« der Epistolae virorum
obscurorum, das aus Kötzschenbroda kam, das _Naumburger_, das als
gesund geltende Bier von _Belgern_ -- Belgerana est omnibus sana -- und
das Pasenel aus Pasewalk.[61] Das heute so überaus geschätzte Münchener
hat ein verhältnismäßig geringes Alter. Wohl besaß schon Ludwig der
Strenge (1255--1294) in München ein Brauhaus, den Ahnen des heutigen
Hofbräuhauses, das aber nur ein schweres braunes Gerstenbier erzeugte.
Erst als im sechzehnten Jahrhundert helles Weizenbier aus Böhmen nach
München kam, lernte man ein Mittelding zwischen dem einstigen dunklen
und dem böhmischen hellen Bier, sogenanntes braunes Bier herstellen,
das zu gut war, um dem Volke zu Gute zu kommen, daher ursprünglich
nur für den Hof bestimmt war. Erst vom Jahre 1610 ab trieb man mit
dem Erzeugnis des Hofbräuhauses Handel, der den Hofsäckel füllte und
den Ruf des Münchener Bieres für alle Zeiten sicherte. Das Münchener
Salvator-Bier (Sankt-Vaterbier) datiert aus dem Jahre 1651, die
bayerische Staatsbrauerei »Zum Weihenstephan« schon von dem Jahre 1146.
Doch alle diese Sorten, was waren sie gegen die Krone aller
mittelalterlichen Biere, dem herrlichsten von allen, dem _Bräuhahn_,
auch Broyhahn, Brühan oder Breyhan genannt. Die Vorzüge jedes einzelnen
Bieres vereinigten sich beim Bräuhahn zu einem Bukett:
Grandia si flerent summo convivia caelo
Breihanum Superis Jupiter ipse daret.
d. h. bei einem Himmelsmahle tat Jupiter seine Mitgötter mit Bräuhahn
bewirten. Der Bräuhahn war der Inbegriff alles Vollkommenen, ja
geradezu der Gattungsname für das beste Bier. Wie so viele andere die
Menschheit »beglückende« Erfindungen verdankt auch das Bräuhahn dem
Zufall sein Vorhandensein.
Cord Broyhan, ein Bierbrauergeselle aus Stöcken im Hannoverschen, hatte
auf seiner Wanderschaft auch eine Zeitlang in Hamburg gearbeitet,
wo er sich bemühte das Geheimnis der Zusammenstellung des berühmten
weißbierartigen Stadtrunkes zu ergründen. 1526 in seine Heimat
zurückgekehrt und Meister geworden, suchte er seine Mitbürger durch
eine genaue Nachahmung des Hamburger zu überraschen. Das Gebräu mißriet
-- es wurde kein Hamburger, sondern ein süßlich-säuerlich erfrischendes
Weißbier, das mit Begeisterung aufgenommen, den Namen seines Erfinders
zu einem vergötterten machte, dessen Glanz erst mit dem hinsterbenden
Mittelalter verblaßte. Das Bräuhahn war dem Trinker zu sehr ans Herz
gewachsen, als daß er es nicht mit einem Sagenkranze umgeben hätte; die
bekannteste unter diesen Bräuhahnsagen ist die -- eben mitgeteilte über
seinen Erfinder. Das Bräuhahn war entgegen den heutigen Weißbiersorten
gehaltreich und kräftig. Der »hessische Orden der Mäßigkeit«, ein
Temperenzlerverein von Landgraf Moriz im Jahre 1660 begründet, verbot
in § 7 seiner Statuten die Ordensbecher »mit gebrannten, welschen,
spanischen oder anderen starken gewürzten Weinen -- Hamburger Bier und
Brauhahn mit eingerechnet --« zu füllen. Der Ruf des echten Bräuhahns
rief eine große Anzahl von ähnlichen Bieren ins Leben, die unter
dem gleichen Namen ausgeschenkt wurden. Über Leipziger Gebräu klagt
Christian Weise 1668 in seinen »Überflüssigen Gedanken der grünenden
Jugend«:
»Leipz'ger Breuhahn schmeckt mir nie,
Und das Rastrum ist noch schlimmer.« --
Diesem Leipziger _Rastrum_ oder _Raster_, bei Fischart »leipzisch
Becherrastrum« benannte Gebräu war bekanntlich Luther nicht abgeneigt.
Von anderen Biersorten nennt Weise noch:
»Kuhschwanz,[62] Zerbster, Wurzner Bier,
Klatsche,[63] Duchstein,[64] Garley,[65] Gose!«
Von all diesen edlen Marken hat sich nur die _Gose_, der Nationaltrank
von »Klein-Paris«, erhalten.
Die Gose, eine Spezialität Goslars, wurde dort bereits 1073 zur
Zeit Kaiser Heinrichs IV. von den in der Harzburg eingeschlossenen
kaiserlichen Völkern getrunken. Auch Harzburg, Quedlinburg und andere
Harzstädte sotten Gose, die seit dem achtzehnten Jahrhundert auch in
den Leipziger Vorstädten Döllnitz und Eutritzsch gebraut wird, wo sie
der Sage nach von dem alten Dessauer 1738 eingeführt worden sein soll.
Selbst die kürzeste Geschichte des Bieres wäre lückenhaft, wenn nicht
in ihr der deutschen Biermetropole und ihres dunklen Labetrunkes, des
_Bockbieres_ gedacht würde. Wie dieses Bier zu seinem Namen kam erzählt
Schranka nach dem Münchener Stadtbuch von Joh. Meyer wie folgt, wobei
aber bemerkt sei, daß noch eine Unzahl anderer Versionen existieren:
»Und es saßen einst Herzog Christoph, genannt der Kämpfer und sein
Bruder Albrecht II. im Bankettsaal ihrer Hofburg und zechten. In
ihrer Gesellschaft befand sich auch ein Braunschweiger Ritter, der
als Gesandter am bairischen Hofe weilte. Diesem setzten die Fürsten
einen tüchtigen Humpen guten, echten Braunbieres aus dem herzoglichen
Hofbräuhaus in München zum Frühtrunk vor; der Ritter tat einen guten
Zug; aber bald setzte er den Humpen ab und legte seinen Mund in saure
Falten. Er lästert, es sei gar kein Bier, sondern ein brauner Essig.
Ja, er vermaß sich zu behaupten, er wolle den bairischen Herzögen
einen Trunk senden, den man in der Stadt Einbeck braue, den aber kein
bairischer Brauer, selbst der Braumeister des Hofbräuhauses nicht,
nachzumachen im stande sein würde. Darob ergrimmten die beiden Herzöge,
namentlich Christoph der Kämpfer, der Urbayer, höchlichst! Sofort
ließen sie den Hofbraumeister heraufkommen und Herzog Christian fuhr
ihn gar ungnädig an: »Du loser Schalk! Haben wir dich deshalb immer
gnädig gehalten und sind mit dir nie karg verfahren, daß du uns lässest
hier zu Schanden werden, also daß sie sagen, wir setzten ihnen eitel
braunen Essig vor, statt Bier?« --
Da wollte sich der Braumeister verdefendieren, allein der
Braunschweiger lachte und sprach: »Laß es gut sein, du magst in deiner
Kunst sehr erfahren, aber nie wirst du im stande sein, ein Bier zu
brauen, wie es hier zu Lande nicht not, denn wenn ihr mit dem zufrieden
seid, dann verlangt ihr nicht nach besserem.«
Da geriet das leicht entzündliche bairische Blut in jähen Zorn und der
Braumeister rief mit lauter Stimme: »So möge ein Gewett entscheiden! So
ihr, wie man sagt, in Jahresfrist wieder nach München kommt, so bringt
ein Faß eures Bieres anher und ich will ein Faß sieden, so dem von euch
wohl obsiegen soll oder ich will der schlechteste Meister sein und Ihro
Gnaden sollen mich auf einem Esel verkehrt aus der Stadt ausreiten,
auch alle meine Habe zu eurem Gunsten verlustig werden lassen.«
Da lachte der Braunschweiger noch mehr und setzte zweihundert Gulden
als Gewett dagegen. Die Herzöge verbürgten sich für ihren Braumeister;
der Bürgermeister Balthasar Riedler und Herzog Christophs Hofmeister,
Christoph von Carzberg, aber für den Braunschweiger.
Ein Jahr war bald herum und endlich kam auch der Tag der Entscheidung;
es war der 1. Mai.
Der Braunschweiger war schon zwei Tage vorher mit einem mächtigen Faß
Einbecker, das gar lieblich mit Tannenreis geziert war, in München
erschienen und hatte das Bier, damit es ausruhe, im fürstlichen Keller
und eigener Bewachung verwahrt. Am 1. Mai beriefen die Herzöge die
Bürger und Kämpfer zusammen. Viele von der Ritterschaft und auch der
hohe Rat der Stadt München wurden geladen. Im Hof der herzoglichen
Burg waren Galerien aufgeschlagen und schön mit bunten Teppichen,
Tannenbäumen und Kränzen geschmückt. Hier nahmen die edlen Fräulein
Platz, das seltene Gewettspiel mit anzusehen. Da um 9 Uhr früh traten
die Kämpfer in den Kreis und gelobten ihre Wette ehrlich und ohne
Falsch auszufechten. Darauf wurden die Bürger ihres Eides entlastet.
Und es flogen die ehernen Krahnen in die Bäuche der Fässer und das
edle Naß ergoß sich schäumend in die Humpen. Diesmal verzog der
Braunschweiger das Gesicht nicht, aber er meinte geringschätzig: »Das
mag wohl ein guter Trunk sein, aber nur für eure Weibchen, denn Kraft
ist keine mehr darinnen.« -- »So, meint Ihr, gnädiger Herr?« entgegnete
siegesbewußt der Braumeister. Und er befahl einem Brauknecht zwei
Humpen herbeizubringen, von denen jeder 2½ Maß Bairisch hielt. Beide
Riesengefäße wurden aus den Fässern bis zum Rande gefüllt.
»Gesegn' Euch Gott den Trunk« und reichte ihm den Humpen, "ich will den
Euern auf Euer Gnaden Wohl leeren! Und wer nach einer halben Stunde
noch auf einem Beine stehend einen Zwirnsfaden einfädeln kann, der hat
die Wette gewonnen.«
Das war dem Herren von Einbeck recht und der Strauß begann.
Beide Kämpfer setzten an und leerten ihre Humpen bis auf die
Nagelprobe. Nun ging die Bergpflegerin auf ihre Stube, in der sich
ein Gaislein befand, von dessen Milch der Pflegerin krankes Mägdelein
trinken mußte, um Nadel und Zwirnsfaden zu holen.
Als sie heraustrat, entwischte das Gaislein und sprang in den Hof,
gerade als sich die beiden Kämpfer auf ein Bein stellten. Der
Braumeister hatte seine Nadel schon längst eingefädelt, als der Ritter
seine Nadel schon zum dritten Mal hatte fallen lassen. Plötzlich
torkelte er um und kugelte unter vergeblicher Anstrengung, sich wieder
auf die Beine zu stellen, am Boden herum.
»Ei, edler Herr«, lachte der Braumeister, »was ficht Euch an, daß ihr
Euch auf dem Boden herumwalzt?«
Da lallte der Ritter mit schwerer Zunge: »Der Bock da hat mich
umgestoßen!«
»O nein«, lachte Herzog Christoph vergnügt ob des Sieges seines
Braumeisters. Dieser aber meinte: »Der Bock, der Euch umgestoßen hat,
den hab ich Euch gesotten.«
Das war ein Jubel im Burghof; bis in die Pfistenergasse und zum
»Platzl« drang die Kunde vom Braumeister, der einen Bock gesotten, der
den Braunschweiger in den Sand gestreckt ...«[66]
Zum Andenken an jenes große vaterländische Ereignis wurde im Frühjahr
nur ausschließlich im Hofbräuhaus das starke süße Bier gebraut, das
noch bis in die spätesten Jahrhunderte hinein »Bock« genannt wurde.
Überdies kannte man noch, je nach der Gelegenheit, bei der es
aufgetragen wurde: Brommel-Bier, von unverehelichten Meistern als
Strafe gegeben, Ernte- und Wadelbier, letzteres bei der Roggenernte,
Gesellen-, Hochzeit-, Kindel- oder Kindstauf-, Kirms-, Meister-,
Oster-, Pfingst-, Schiffs-Bier usw. Nonenbier (Cerevisia nonalis),
das den Mönchen um die neunte Stunde, nona, verabreicht wurde;
Tröstelbier, das beim Trauerschmaus vertilgt wurde, Schlußbier, bei
Beendigung der Bauten getrunken, »Schlichtbier, in einigen Gegenden,
bei den Wandkleibern, Lehmklechsern, eine Ergötzlichkeit an Bier, die
sie erhalten, wenn sie eine eingekleibte, mit Lehm beworfene Wand,
schlichten, das ist, glatt streichen.«
Ohne sein »Bräu« vermag kein ordentlicher Baier sich seines Lebens zu
freuen. Gerne verzichtet er auf gewisse Annehmlichkeiten des Daseins,
wenn sie mit dem Verlust seines Leib- und Magentrankes verknüpft sind.
Allerdings treibt es kaum ein Baier so weit, wie jener Liebhaber des
_Steinauer Bieres_, von dem Schickfuß in seiner Schlesischen Chronik
erzählt:
»Der buckelichte Herzog Köberlein oder Conrad IV., Herzog zu Steinau,
und Propst zu Breßlau im Thum, welcher im Jahre 1303 zum Erzbischoff
zu Salzburg erwählet wurde, liebte es vorzüglich. Als er nun dahin
reisete, und unterwegs das mitgenommene Steinauer Bier verzehrt
hatte, er aber hörete, daß zu Salzburg wohl herrliche Weine, aber
kein Steinauer Bier zu haben wäre, resolvirte er sich, lieber die
Erzbischöfliche Inful, als das Steinauer Bier zu verlieren, und zog
also wieder nach Steinau.«
Durch die zahllosen Biersorten, die Deutschland überschwemmten, und die
alle verschieden gebraut und auf andere Art behandelt werden mußten,
gewann die Bierbrauerei einen Umfang, der sich nun nicht mehr durch
die Praxis allein bewältigen ließ, sondern auch theoretische Studien
verlangte. Darum erschien bereits 1575 zu Erfurt das erste Buch über
die Braukunst unter dem Titel: »Fünff Bücher von der Göttlichen und
Edlen Gabe der philosophischen, hochthewren und wunderbaren Kunst, Bier
zu brauen. Durch Henrikum Knaustium, beyder Rechten Doktoren«, dem sich
im Laufe der Zeit eine schier endlose Reihe ähnlicher Werke anschlossen.
Die Bevölkerung der Weingegenden war häufig auf die Konkurrenz durch
das Bier gewaltig erbost, was sich in mehr oder weniger grotesken
Ausfällen gegen das Bier äußerte. So galt im Jahre 1355 in Krems, 1430
in Wien das Verbot, innerhalb der Ringmauern dieser beiden Städte weder
Bier zu brauen noch zu schenken, »wail daz unsern purgern daselbs
schedlich«. Der Rat von Reutlingen verstieg sich 1697 sogar zu dem
Befehl: »Die Sudelei des Bierbrauens in allweg abzutun!« was aber dem
lieben Gerstensaft nichts weiter geschadet hat, denn er war und blieb
der treue Freund seiner Deutschen, die ihn verehren, auch wenn er aus
Tschechien kommt.
Aber leider hatte das gute Bier sehr häufig Grund zu dem Stoßseufzer:
Gott behüte mich vor meinen Freunden! Nicht genug, daß sie es mit
allerlei Teufelszeug versetzten und ihm dadurch Eigenschaften anzuhexen
suchte, die das harmlose Zeugs nun einmal nicht besaß, zwickten und
zwackten sie es auch durch Zölle, Accisen, Verzehrungs- und andere
Steuern, bis es fast seinen edleren Stiefbruder an Kostspieligkeit
erreichte. Besonders auf die hohen Herrn hatte es allen Grund, recht
böse zu sein. Denn wenn so ein Gewaltiger Geld nötig hatte, die
Steuerschraube beim besten Willen nicht mehr anzuziehen ging und
sogar aus den Juden nichts mehr herauszupressen war, dann mußte das
arme Bier daran glauben, und die Accise verteuerte zu Gunsten des
landesväterlichen Säckels den unentbehrlich gewordenen Trunk. In
Bayern blieb das Nationalgetränk bis zum sechzehnten Jahrhundert ohne
Staatsabgabe und erst das Jahr 1541 halste dem Bier die erste Steuer
auf. »Im Jahre 1541 brach nämlich unter Kaiser Karl V. ein Krieg mit
den Türken aus, der den Kaiser einen Zug nach Algier unternehmen ließ.
Hierzu hatte als Reichsfürst auch Herzog Wilhelm von Bayern nicht nur
mit einem Heer von Rittern und Reisigen Lehnsfolge zu leisten, sondern
zu den Kriegskosten auch noch 60000 Gulden bares Geld beizusteuern. Um
diese für jene Zeit außerordentlich hohe Summe aufzubringen, ließ der
Herzog einen Aufschlag auf das Bier ausschreiben, der diesem denn auch
später niemals wieder abgenommen worden ist. So hat die biertrinkende
Welt also eigentlich die Schuld an der Steuer, die den edlen Trank
dem Trinker um so und so viel verteuert, den Muselmännern zur Last zu
schreiben.«
Diese Steuerungen gingen oftmals den Bürgern über den Spaß; sie
kannegießerten, murrten, schimpften und skandalierten -- natürlich
mit aller Vorsicht. Denn solange die Bürger nur die Faust im Sack
ballten, übersah dies die hohe Obrigkeit großmütig; wehe aber, wenn
die Unzufriedenen einmal zu laut wurden, dann gab es blutige Köpfe und
hatte Meister Hämmerleins Schwert Arbeit. So war es damals, als Johann
Cicero von Brandenburg in seinem Staatsschatz Ebbe verspürte. Schlugen
ihm auch 1484 die Stände zuerst die Einführung der Bierzinse ab, so
zeigten sie sich, von den Verhältnissen gedrängt, vier Jahre später um
so willfähriger, als der kluge Fürst sie an deren Erträgnissen Anteil
nehmen ließ. »Sie -- die Bierzinse --, wurde auf sieben Jahre von
geistlichen und weltlichen kurfürstlichen Räten bewilligt, nämlich von
jeder Tonne Bier zwölf Pfennige, so daß hiervon der Kurfürst acht und
die Städte vier Pfennige zur Aufbesserung ihrer Lage nehmen sollten.«
Selbstverständlich traf diese Steuer nur die Bürger, auf denen ohnehin
die ganze Last des Staatshaushaltes ruhte, denn die hohe Geistlichkeit,
Prälaten, Grafen, Herren und die Ritterschaft waren von der Bierumlage
befreit -- natürlich, denn sie konnten sich ja Wein leisten und
tranken ohnehin wenig Bier. Als sich die altmärkischen Städte, allen
voran Stendal, weigerten die Steuer zu zahlen, fiel der Kurfürst mit
einem starken Heer in der Altmark ein und züchtigte die renitenten
Untertanen. In Stendal fielen die Häupter vieler »Aufrührer« auf dem
Schaffott, in Salzwedel und Gardelegen wurden die Rädelsführer ins
Gefängnis geworfen,[67] wodurch der blutigste deutsche Bierkrieg des
Mittelalters sein Ende fand.
Auch Kurfürst Joachim I. Nestor erließ 1513 eine Bierzinse, die von da
ab, namentlich im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert, wo sie ihren
Höhepunkt erreichte, auf der Tagesordnung blieb.
Aber auch den Städten selbst war das Bier ein willkommenes
Steuerobjekt. Lag schon die Preisbestimmung des städtischen Bieres
in ihrer Hand, die sie, je nach dem augenblicklichen Geldbedarf auf
oder zu taten, so war ihnen, und nicht nur den Breslauern, schon der
leidigen Konkurrenz wegen, das fremde Bier ein Dorn im Auge, dessen
Vertrieb sie wohl nicht verbieten konnten, um nicht Repressalien
hervorzurufen, den sie aber durch mitunter recht drückende Zölle
erschwerten. So mußten in den Jahren 1442, 1448 und 1451 in Freiberg
das von Mittweida, in Dresden das von Freiberg, in Chemnitz das von
Zschopau, Freiberg und Mittweida hoch versteuert werden. Man trank aber
dennoch fremde Biere trotz all dieser Schwierigkeiten lieber wie die
einheimischen, denn abgesehen von dem Nemo propheta in patria huldigte
man einem eigenartigen Aberglauben. »Es ist merkwürdig, daß, wenn die
Biere verführt werden, sie an dem Orte, wohin sie gebracht werden,
insgemein viel besser schmecken, als da, wo sie gebrauet werden. Von
den preußischen Bieren z. B. schmeckt in Pillau das altstädtische Bier
viel besser und angenehmer, als in Königsberg. Bei manchem Biere mus,
bei dem Wegführen noch unterwegs ein Guß Springwasser darzu kommen,
wodurch es an dem Orte, wohin es gebracht wird, weit mehr Belieben
findet, als wenn diese Verdünnung nicht mit ihm vorgegangen wäre«.[68]
Wenn aber auch Gewaltmaßregeln den Bierkonsum beeinträchtigt haben
mögen, auf die Dauer vermochten sie doch nicht dem Deutschen die Freude
an seinem Bier zu vergällen; denn ehemals wie heute gilt der fromme
Wunsch aller Deutschen und aller jener Undankbaren, die durch deutsche
Sitte, deutschen Geist und deutsche Tatkraft zu dem geworden sind, was
sie sind, die, wie so viel anderes, auch das Bierbrauen und Biertrinken
von den Deutschen gelernt haben, das Stoßgebet:
Hopfen und Malz,
Gott erhalt's!
Spitznamen früherer Biere.
Adam in Dortmund.
Aliklaus in Brandenburg a. H.
Alter Claus in Frankfurt a. O.
Angst in Gera.
Assenhäuser in Naumburg a. S.
Augustin in München.
Auweh in Lützenrode.
Bastard in Frankfurt a. O.
Batzmann in Frankfurt a. O.
Bauch in Würzburg.
Bauchweh in Grimma.
Beinecken in Lüneburg.
Benichen in Lüneburg.
Bessre dich! in Dassel.
Beyderwan in Frankfurt a. O.
Biet den Kerl in Boitzenburg.
Berrkatze in Marienwerder.
Bock in Bayern.
Bockhänger auch Bockhinger in Wollin.
Bockshart in Wartenberg.
Böcking in Allenstein.
Borge nicht in Allenstein.
Brausegut in Benickenstein a. Harz.
Brauseloch in Brandenburg a. H.
Breypot in Frankfurt a. O.
Broyhan.
Bruse, auch Buse und Puse in Osnabrück.
Bruynen Barendl = Brauner Bernhard in Friesland.
Bubarsch in Magdeburg.
Buff in Halle a. S.
Büffel in Frankfurt a. O.
Bürste in Osnabrück.
Cacabella oder Cacabulla in Eckernförde.
Casernenbrühe in Zweibrücken.
Chapit in Helmstädt.
Clune in Mecklenburg.
Cofent = Mönchsbier.
Covent in Prag.
Dasslich in Dasseln.
Dewsel in Altenburg S.-A.
Dicker Brei in Possenheim.
Dickkopf in Eulenburg.
Domherrnbier in Brandenburg a. H.
Doppe in Danzig.
Dorfteufel in Jena.
Duckstein in Königslutter.
Dünnebacken in Osterode.
Egelei in Egeln.
Ehestandsbier, Beinamen der Gose und anderer stärkender Biere.
Einbeck in Grubenhagen.
Es wird nicht besser in Lauenburg.
Fensterschwitz in Wien.
Ferrenbacher Vivat, eine Weißbierart.
Fertzer in Frankfurt a. O.
Fidelia in Frankfurt a. O.
Filz in Magdeburg und Rostock.
Fitscherling in Frankfurt a. O.
Flickebier in Passenheim.
Freudenreich in Dirschau.
Fried und Einigkeit in Kyritz.
Füllewurst in Welau.
Garley, Gartey in Gardelegen.
Gesalzen Merter in Heiligenspiel.
Glatze in Culm.
Glückeshan in Frankfurt a. O.
Gose in Leipzig, Goslar usw.
Gräsich in Westfalen.
Gutkerl in Wettin bei Halle a. S.
Guckuck siehe »Kuckuck«.
Halbander in Creussen.
Hanske in Bamberg.
Harlemay in Liebemühl.
Hartenacke in Lübeck und Frankfurt a. O.
Hausmuff in Magdeburg.
Heidecker in Merseburg.
Helschessoff in Frankfurt a. O.
Hengst, ein Covent.
Herrentrank in Güstrow.
Hock, ein weinähnliches, klares Bier.
Hölsing, Hösing in Wolgast.
Horlemotsch in Frankfurt a. O.
Hosenmilch in Dransfeld.
Hotenbach in Frankfurt a. O.
Hund in Corwey und Dasseln.
Ich halt's in Hohenstein.
Ich weiß nicht wie in Buxtehude.
Israel in Lübeck und Dortrecht.
Itax in Frankfurt a. O.
Jammer in Ostpreußen.
Joopenbier in Danzig.
Jucksherz in Nimwegen.
Jumber in Marburg a. L.
Junker in Danzig.
Kache in Münster i. W.
Kamma in Herpord.
Kater in Stade.
Keut in Westfalen.
Keuterling in Wettin bei Halle.
Kelberzagel in Marienburg.
Keuteljucken, ein Dünnbier.
Kinast in Wormdit.
Kirbel in Straßburg i. E.
Klapitt oder Klepitt in Helmstädt.
Klatsch in Jena.
Klawenich in Neydenburg.
Klotzmilch in Bautzen.
Knisenack in Güstrow.
Korvinck in Frankfurt a. O.
Kolleber in Königsberg i. Pr.
Komma in Herford.
Kopfbrecher in Torgau.
Koyte in Münster i. W.
Krabbel an der Wand in Eisleben.
Kranker Heinrich in Graudenz.
Krausemünze in Rosenburg.
Krebsjauche in Mühlhausen.
Kressen in Frankfurt a. O.
Krewsel in Rastenburg.
Kuhschwanz in Tangermünde und Delitzsch.
Kühle Blonde = Berliner Weißbier.
Kühmaul in Bartenstein.
Kuckuck in Wittenberg.
Kupenbier in Berlin und Cölln a. Spree.
Kynast in Wormdit.
Kyrmes in Neuburg.
Lachemund in Wartenberg.
Langfahn in Meißen.
Langweile in Schlesien.
Laucke in Mölln in Lauenburg.
Leertz in Melsack.
Lieber Herr Lorenz! in Guttstadt.
Lorch in Frankfurt a. O.
Loröl in Thorn.
Lohenase in Frankfurt a. O.
Lumpenbier in Wernigerode.
Lurley, ein Zieter Bier.
Lustiger Pater in Corvey.
Masnotz in Teschen.
Maulesel in Jena.
Märzen in Rostock.
Meng es wol! in Kreuzburg.
Menschenfett in Jena.
Mill in Nimwegen.
Moll in Nimwegen und Köpenick.
Mortpotner in Frankfurt a. O.
Mord und Totschlag in Kyritz, Merseburg und Eisleben.
Muff in Halle und Halberstadt.
Mückensenff in Frankfurt a. O.
Münster in Wien.
Nasewisch in Schippenheil.
Nicolaus in Brandenburg a. H.
Nöster in Hamburg.
Oehl in Rostock.
Ohne Dank in Moringen.
O Jammer in Weve (?).
O Stockfisch in Heldt (?).
O wie! in Limbach.
O Zutter! in Schöneck.
Pasenelle in Pasewalk.
Petermann in Ratzeburg.
Pharao, ein Dortweiler Dünnbier.
Pipenstael in Mecklenburg.
Plunder in Jürgenrück (?).
Pohk in Pattensen.
Preussing in Danzig.
Puff in Halle.
Puffel in Frankfurt a. M.
Pumpernickel in Nerchau bei Grimma.
Puse in Osnabrück.
Quackeldeiß in Eckernförde.
Quitschart in Frankfurt a. O.