Diese Empfindung spannte mich an, meinen Vorsatz zum Erklettern der

Spitze nicht aufzugeben, so gefährlich und so schwindel-erregend dieses

Geschäft auch war. Die würfelförmigen Steinblöcke, aus denen die

Pyramiden emporgethürmt sind, waren derselbe mürbe, mit dem Hammer

leicht zertrümmerbare Nummulitenkalk (Pyramide Nr. 1, Reichs-Museum),

dessen ich schon oben gedachte. Die Blöcke waren drei bis vier Fuß hoch

und darüber; sie waren treppenartig an einander gereiht, so daß man

stets von einer Stufe auf die andre klettern mußte. Da aber die

Vorsprünge nur schmal und oft nur zwei Fuß breit waren, die Wand der

nächsten Stufe sich aber oftmals so hoch erhob, als die Größe eines

Menschen beträgt, so würde es unmöglich gewesen sein, sie ohne Leitern

zu erklettern, wenn das Gestein an vielen Stellen nicht wäre zerfressen

gewesen und Lücken geformt hätte, die in den vormals scharfen Rand der

Treppen einschnitten, -- ihn rauh, uneben und dadurch zugänglich

machten. Oft mußte ich 25--50 Fuß weit auf den schmalen Vorsprüngen in

einer horizontalen Richtung hinschreiten, bis ich eine zugängliche

Stelle, Lücke, des Randes antraf, durch welche ich auf die höher

liegende nächste Stufe gelangen konnte. Auch dieses würde nicht möglich

gewesen sein ohne Hülfe der Führer, welche die zugänglichen Stellen

kannten und mich im Zickzack hin und her von der einen Stufe auf die

andre immer höher hinaufbrachten, bis auf die 450 Fuß hohe abgestutzte,

zertrümmerte Spitze der Pyramide, wo ich noch Zeichen vom Besuche des

Herrn ~Lepsius~ fand, wahrscheinlich dem letzten, welcher diesem Denkmal

geworden.

Das Eigenthümliche, zwar weniger Schöne, aber ungemein Großartige der

Aussicht, die sich von diesem[45] Standpunkte aus darbot, will ich nicht

versuchen zu beschreiben; denn ich befürchte, daß mir dies eben so wenig

gelingen würde, als mir die Entzifferung der Hieroglyphen gelang, die

man am Fuße der Pyramide eingegraben sieht. -- Zur Seite sah man nach

Süd-West, West und Nord-West weit in die starre Wüste hinein, nach Süd

reichte der Blick aufwärts im Nilthale bis jenseits der Pyramiden von

Sakara über Memphis hinaus, -- und nach Nord und Nord-Ost blickte man

weit in das überschwemmte Delta hinein, über Cairo hinweg bis zu den

Ruinen von Heliopolis.

Der Gedanke, auf der Spitze eines Monuments zu stehen, das sowohl das

~größte~ und höchste in der Welt ist, als auch das ~älteste~, -- dessen

Gründung und Bestimmung in ein mystisches Dunkel gehüllt bleibt, -- das

aber drei bis vier Jahrtausende an sich vorüberfliegen sah, -- und von

diesem Denkmal herabzublicken auf ein durch Natur sowohl, als

Menschenbildung so merkwürdiges, räthselhaftes Land, das die Wiege war

uralter Wissenschaft und Kunst und das seit den Zeiten der Pharaonen bis

zu dem Helden von der Schlacht an den Pyramiden, der Schauplatz war so

mancher welthistorischen Begebenheit, -- dieser Gedanke gab der

Aussicht, die ich genoß, einen ganz eigenen, träumerischen Reiz, dem ich

mich noch länger würde überlassen haben, wenn nicht der kalte Nordwind,

der über die Spitze der Pyramide unsanft hinwegpfiff, mich an das

Herabsteigen gemahnt hätte.

Ich kam mit zerrissenen Kleidern, doch unzerbrochenen Gliedern, wieder

am Fuße der Pyramide an und stieg von da an einer andern, mehr südlich

gelegenen Stelle des Wüstenrandes in's Nilthal hinab; ich nahm diesen

Umweg, um den großen Sphinx zu besuchen, der eigentlich nur ein stehen

gebliebenes Stück ist von der Felswand selbst. Man hat diese ringsherum

auf die Art ausgebrochen, daß allein der Theil davon stehen geblieben

ist, welcher durch weitere Bearbeitung die Gestalt erhalten hat, die

schon sein Name anzeigt. Ich erkannte deutlich die horizontalen Streifen

der verschiedenen Schichten, woraus die ursprüngliche Felswand

bestand, -- das Gebild aber war so kolossal groß, daß ich anfangs von

der hintern Seite nichts sah, wie einen unförmlichen Felsthurm und mich

auf der Seite des Nilthales, der Ostseite, in eine gewisse Entfernung

begeben mußte, um die Züge der Figur zu erkennen, die dann um so

frappanter hervortraten, je weiter ich mich davon entfernte.

Von da trat ich meine Rückreise nach Cairo an; die Reise nach den

Pyramiden kostete: zwei Esel 4, -- eine Barke 2, -- zwei Araber, die bei

der Ersteigung der Pyramide behülflich waren 4, -- zwei andere, die

Fackeln und Trinkwasser lieferten 2, -- zusammen 12 Schilling.

Nachdem in der Nacht vom 20sten bis 21sten October der Transport der

Passagiere von Bombay angekommen war, mit dem ich beschlossen hatte,

meine Reise fortzusetzen, begab ich mich am 21sten gegen Abend um 5 Uhr

nach Bulak und schiffte mich auf dem kleinen Flußdampfschiffe ein, das

diesmal nur 35 Passagiere nach Alexandrien zu bringen hatte.

Von hier schien sich bis zum Fuße des Wüstenrandes nur ~eine~

Wasserfläche auszudehnen, die voll von Inseln mit Dattelpalmen war. Ich

warf noch einen letzten Blick auf die Pyramiden, die sich auf dem

Wüstenrande erhoben und die im falben Grau der Abenddämmerung, 9--10

engl. Meilen weit, zu uns auf die ~Transitroad~ herüberblickten, -- und

überließ mich dann, nachdem unsre Dampfmaschine um 6-1/4 Uhr in Bewegung

gesetzt war, der Zeit und dem Strome, die beide unaufhaltsam

dahinflutheten. Wir trieben, oder besser, ~flogen~, von inländischen,

arabischen, Lootsen geleitet, pfeilschnell den reißenden Strom hinab,

der nirgends ein Ufer mehr hatte, da die ganze nun immer breiter

werdende überschwemmte Fläche des Delta's nur ~ein~ Wasserspiegel war.

Bald hüllte die fallende Nacht alle Gegenstände in ihren grauen Flor und

wir mußten die Lokalkenntniß des Lootsen bewundern, der, ungeachtet der

weit und breit überschwemmten Ufer und, wie es schien, des Mangels aller

sichtbaren Marken, dennoch das mit unglaublicher Schnelligkeit dahin

fliegende Schiff im Fahrwasser zu halten wußte.

Wir schifften im westlichen Arme des Nils, der bei ~Rosette~ mündet,

hinab und kamen um 4-1/2 Uhr des Nachts oder besser des Morgens am

22sten zu Atféneh, oder Atfieh, an, in der Nähe der großen Stadt Fuah,

wo wir mit unsrer Bagage in noch kleinern Barken übergeschifft wurden.

Denn wir lagen hier am Eingange des schmalen künstlichen Kanales, durch

den wir nun bis Alexandrien weiter gebracht werden mußten. -- Die

Mündung des Kanals liegt nur noch 3-1/2 geogr. Meilen von Rosette

entfernt, und 1° 15' nördlicher, als Bulak, bis zu welchem Orte der

gradlinigte Abstand 19 geographische[46] Meilen, die vielen großen

Krümmungen des Nil aber mit in Anschlag gebracht, gewiß das Doppelte

beträgt. Wir hatten also ganz Unter-Egypten (das ganze Delta) von Cairo

bis in die Nähe des mittelländischen Meeres in weniger als einer Nacht

durchschifft.

Es war 5-1/2 Uhr, als uns ein kleines, seiner Form nach von den übrigen

abweichend gebautes Schiff, das ~nur~ eine Dampfmaschine mit Schrauben

enthielt, an's Schlepptau nahm, um uns durch den engen Kanal zu ziehen,

der für die Bewegungen eines Dampfschiffes von größerm Umfang zu klein

gewesen sein würde. -- Der Kanal macht von hier einen großen Umweg und

geht erst wieder rückwärts in einem halbkreisförmigen Bogen nach Süden,

um die niedrigen, zum Theil unter Wasser stehenden Umgebungen des See's

Etku herum, ehe er sich west-nord-westwärts nach Alexandrien richtet.

Ich muß hier ausdrücklich bemerken, daß am Bord der kleinen, schmalen

Flußdampfboote von Cairo bis Atféneh und in den noch kleinern Barken von da

bis Alexandrien an kein Schlafen zu denken war, weil 1) der Schiffsraum so

vollgepfropft von Reisenden war, daß man froh sein mußte, einen Sitzplatz

an einem Tische erhalten zu können und 2) auch keine andern Räume, viel

weniger Betten vorhanden waren. Essen und Trinken wurde oft gereicht oder,

besser gesagt, die Tafel war die ganze Nacht hindurch gedeckt, aber auf

egyptische Art; wenigstens ich dachte dabei immer an Pharao's magere Kühe,

deren Fleisch vielleicht noch besser würde gewesen sein, als die

Herrlichkeiten, die hier aufgetischt wurden: dünner Thee, schwacher Kaffee,

Reis mit stinkendem Fett angerührt, harter Schiffszwieback, magere, halb

gargekochte oder gebratene Hühner, -- das war so ziemlich Alles. Die

Engländer aßen von diesen Leckerbissen mit musterhaftem Appetit und hielten

sich auch hier, wie überall, streng abgesondert von andern Nationen, als

wenn sie alle nicht britischen Menschen für Ketzer oder alle andern Völker

-- Franzosen, -- Spanier, -- Holländer ganz unwürdig ihres Umganges

hielten, -- eine, wie mich dünkt, nicht sehr liebenswürdige, aber von

ausgezeichnetem Eigendünkel zeugende Eigenschaft. Die Franzosen betrugen

sich viel mehr als Weltmänner und legten offenbar eine viel feinere,

gewandtere Bildung an den Tag, als jene, auf ihre -- angelsächsische oder

normännische -- Nationalität stolzen Söhne Old-England's. Die Römer, bis

_anno_ 1 nach Christus und noch etwas später, waren eben so hochmüthig und

dachten, das «_civis romanus sum_» aussprechend, nicht an ihren

Fall. -- Was ist aus ihrem Reiche geworden? u. s. w.

* * * * *

Als am 22sten October der Tag graute, waren wir noch im Kanale und

sahen uns von einer erbärmlich-öden Landschaft umgeben, denn wir

erblickten Nichts, wie braune Erdufer und Dämme, die hier und da mit

einer ebenfalls aus ~brauner Erde~ erbauten Hütte bedeckt waren. Manche

dieser Hütten waren viereckig, andere hemisphärisch von Gestalt. Sie

waren nur mit ~einer~ kleinen Öffnung, nämlich der Thüre, versehen und

schwerlich hoch genug, daß die Beduinen, die aus den Löchern

hervorkrochen -- lauter schmutzige, zerlumpte Gestalten, -- aufrecht im

Innern stehen konnten. Man hätte sie aus der Ferne für Bienenkörbe

halten können, denen sie ihrer Form nach glichen, wenn sie nicht ein

wenig größer gewesen wären.

Zu beiden Seiten des Dammes, der nur selten die Spuren von Pflanzenwuchs

trug, sahen wir weite kahle Flächen, die bald trocken und sandig oder

noch mit feuchtem, braunem Schlamm bedeckt, bald, jedoch sehr untief,

oft nur einige Zoll hoch, mit Wasser überschwemmt waren. Es gehörten

diese Gegenden dem fast ganz trocken liegenden See Mariut (Mareotis) in

Süd-West und dem See Etku, so wie später dem See Abukir, beide in

Norden, an, von denen der letztgenannte auch fast ganz ausgetrocknet

war. Die beiden letztern blieben also zur Rechten, der erste zur Linken

liegen, während wir im engen Kanale von unserer kleinen Dampfmaschine

dahingezogen wurden. Etwas Häßlicheres kann man nicht sehen, als diese

ganz horizontalen Schlammflächen oder untiefen Wasserlachen, durch die

der braune Boden überall hindurchschimmert und die, so weit das Auge

reicht, auch nicht die geringste Abwechselung darbieten. Kaum, daß hier

und da ein Vogel darin herumwadet. Die Luftspiegelung allein war es,

welche der Landschaft einigen Reiz verlieh und hier war es in der That

schwer, zu unterscheiden, wo man wirkliches Wasser oder wo nur den

Schein von Wasser sah.

* * * * *

Der Erdwall des Kanals ging endlich in Mauerwerk über und es erschienen

wieder Dattelpalmen in Gärten, die mit Mauern umgeben waren. Diese

lehnten sich einem niedrigen Hügelrücken an, der sich von Süd-West nach

Nord-Ost in weite Ferne hinzog. Wir sahen nämlich den schmalen, erhöhten

Landstreifen vor uns, der zwischen den überschwemmten Flächen Egypten's

und dem mittelländischen Meere als Bollwerk daliegt, -- wir erblickten

immer mehr und mehr Spuren menschlicher Kunst, -- Gebäude, Pflanzungen,

-- und kamen um 11-3/4 Uhr zu ~Alexandrien~ an, das auf einem in's Meer

hinausragenden Felskap dieses Bergstreifens erbaut ist.

Wir konnten von dem Ende des Kanals, wo unsre Barke anlegte, die

Wanderung in die Stadt nach Belieben auf Eseln machen oder auch eine Art

von Omnibus besteigen, die sich zu dem Behufe eingefunden hatten. Auch

unser Gepäck wurde auf Eseln oder Kameelen in die Stadt gebracht, die

viel größere palastähnliche Gebäude, zahlreichere Gasthöfe enthält, und

als viel besuchter Hafenort, als der Sitz der fremden Gesandten, -- als

Wohnplatz vieler europäischer Kaufleute, auch ein ungleich mehr

europäisches Ansehn hat, wie Cairo. Die Umgebungen der Stadt sind aber

viel weniger schön, viel öder und einförmiger und bieten, außer einigen

Obelisken und andern Ruinen, dem Reisenden weniger Sehenswerthes an, als

die erstgenannte Stadt.

Fußnoten:

[21] In Beziehung auf Aden selbst kann sie richtiger die ~nördliche~

genannt werden, da der größte Theil der Halbinsel im Süden derselben

liegt, in Beziehung auf die Aden-Bai aber (auf der Ostseite der

Halbinsel) die westliche; s. Fig. 16.

[22] Oder Sumali, Somauli, deren einige Hundert zu Aden wohnen.

[23] Hier endigt sich nämlich die westliche oder Back-Bai an dem

Isthmus, der die Halbinsel mit Arabien verbindet.

[24] Dem steilen Ufergehänge, in das er sich hier zum westlichen Gestade

der Aden-Bai herabsenkt, liegt ganz nahe (in Osten) die kleine, hohe

Insel Sira vor.

[25] Beim Einsteigen in die Wagen zu Suez war ich gezwungen, den größten

Theil der gesammelten Steine wegzuwerfen, weil (aus Mangel an Platz)

sich meine Reisegenossen über das viele Gepäck beschwerten.

[26] Es wurden diese Körper zu Leyden einer genauen chemischen Prüfung

unterworfen, so daß über die Richtigkeit der Bestimmung kein Zweifel

bestehen kann.

[27] _Liquidambar Altinghiana._

[28] Man sehe _»Java, deszelfs gedaante, bekleeding en inwendige

structuur.« Amsterdam, 1851. D. 2, p. 812 en 908_. (Von diesem Werke

kommt in demselben Verlage, wie diese Rückreise, eine deutsche Ausgabe

nach der eben begonnenen zweiten holländ. Auflage heraus, in welcher

jedoch bis jetzt die Beschreibung der erwähnten Krater noch nicht

erschienen ist.) J. K. H.

[29] Das Vorstehende ist die Bedeutung dieses arabischen Wortes.

[30] Groß Harnish- (¿[h.]-r-n-b-n¿), klein Harnish-Insel und andre auf

der Karte des rothen Meeres von R. ~Moresby~ (_Chart of the Red Sea etc.

Surveyed in the years 1830--1833 by Capt. T. Elwon et Lieut. H. N.

Pinching, and completed in 1833 and 1834 by Commander R. Moresby and

Lieut. G. Carless, Indian Navy_).

[31] ~Tar~ bei ~Ritter~ und »_Jibbel Tir_, _Teer_ oder _Teir_«, 900 Fuß

hoher stets thätiger Vulkan bei ~Moresby~ a. a. O., -- unter 15° 32 bis

33' nördlicher Breite, der arabischen Küste viel näher, als der

egyptischen.

[32] Ich bedaure, beim Niederschreiben Dieses, das Werk von T. E.

~Gumprecht~, »Die vulkanische Thätigkeit auf dem Festlande von Afrika,

in Arabien und auf den Inseln des rothen Meeres (Berlin, 1849),« und

über die Bergsysteme dieser Länder überhaupt, die Schriften von

~Russegger~ nicht haben vergleichen zu können.

[33] So nennen die Araber die große Seekuh (Dugong) _Halicore

tabernaculi ¡Rueppell¡_, die dem rothen Meere eigenthümlich ist. Sie

soll in den nördlichen Theilen des rothen Meeres nicht selten sein und

unter andern oft an den Ufern der Insel (Giziret) el Tirahn gesehen

werden, die vor dem Eingange des Golfes von Akaba liegt.

[34] Siehe ~Poggendorf's~ Annalen der Physik und Chemie, _XVIII_, _p_.

504.

[35] Siehe dessen »_Mémoire sur le phénomène de la coloration des eaux

de la mer rouge_,« in den _Annales des sc. nat. 3. ser., botanique.

Paris, 1844. T. I, p. 332_, u. s. w.

[36] Das baktrische oder zweibucklige Kameel Ost-Asiens wird in Egypten

nicht gesehen.

[37] ~A. von Humboldt~, Ansichten der Natur.

[38] Auch auf der andern Seite von Cairo ist die Telegraphenlinie durch

das Delta bis nach Alexandrien fortgesetzt.

[39]_Recherches sur les Réfractions extraordinaires, qui ont lieu près

de l'horizont. Paris, 1810. 4._

[40] Dies ist einer von den Namen, welche der Küstenstrich zwischen Suez

und Cairo bei den Arabern führt.

[41] Ein Schilling gilt 4-1/2 egyptische Piaster oder 36 Para (ein

Piaster 8 Para).

[42] So viel beträgt ohngefähr die Entfernung von der Citadelle bis zu

den Pyramiden von Gizeh.

[43] Man vergleiche hiermit Fig. 20. -- Dies Bildchen stellt die kleine

Insel (_Pulu_) Pontjang kitjil in der Tapanuli-Bai auf der Westküste von

Sumatra vor, welche lange Zeit der Hauptplatz der Gouvernementsbesitzungen

in den Batta-Ländern war. Ich habe diese Ansicht noch hinzugefügt, um den

ungeheuren Contrast zwischen der unfruchtbaren Dürre der egyptischen

Landschaft und dem üppigsten Pflanzenwuchse der Sunda-Inseln recht

augenfällig zu machen; denn hier findet man kein einziges Fleckchen des

Bodens, welches nicht mit Bäumen oder Sträuchern bedeckt ist. Die Gebäude

dieser Insel liegen unter dem Schatten hoch aufgeschossener Kokospalmen und

anderer Fruchtbäume verborgen, während die Bergketten von Sumatra im

Hintergrunde mit dem dunklen Grün der Urwälder bekleidet sind, die sich wie

ein einziger Wald weit und breit dahinziehen. -- Hier sieht man den

feuchten Boden fast eben so mit grünen Blättern bedeckt, wie dort mit

trocknen Sandkörnern.

[44] Pyramide Nr. 2 = Dolerit von schwärzlicher Farbe und Nr. 3 =

feinkörniger Syenit, sind von behauenen Blöcken, die am Fuße der kleinen

Pyramiden, neben der größern, herumliegen.

[45] Über dem Nilthale war dieser Punkt wahrscheinlich 650 Fuß hoch.

[46] Wovon 15 auf einen Äquatorgrad gehen.

_III._

Von Egypten bis nach Holland.

Ich hatte zu Alexandrien die Wahl, meine Reise nach Europa mit einem

englischen, französischen oder deutschen Dampfschiffe nach Southampton,

Marseille oder Triest fortzusetzen; ich wählte den letztern Weg und

schiffte mich den folgenden Tag (23sten October) um 2 Uhr am Bord der

~Germania~ ein. Es war nämlich das Schiff Nr. _XXV._ von der

~österreichischen~ Dampfschifffahrts-Gesellschaft: Lloyd. Das Schiff war

vortrefflich eingerichtet, selbst prachtvoll und übertraf sowohl an

Glanz, als an Bequemlichkeit die englischen, auf denen ich von Singapur

bis Suez gefahren war. Die Tafel war ausgezeichnet, die Offiziere und

übrigen Schiffsleute waren höflich, zuvorkommend, -- leider aber fehlte

es an Gesellschaft; denn außer einem jungen Italiener war ich der

einzige Passagier, der sich nach ~Germania~ hatte wagen wollen! -- Ein

Dutzend Engländer hatten allerdings wohl Lust gehabt, die Reise durch

Deutschland zu machen, sich aber durch die Furcht, zwischen

Windischgrätz und der deutschen Nation in die Klemme zu gerathen, davon

abschrecken lassen. -- Eine solche Aussicht war für mich freilich auch

nicht sehr einladend, aber ~heiligere~ Pflichten und Gefühle zogen mich

dorthin und stählten meinen Vorsatz, ungeachtet der Gefahr, durch

politische Wirren aufgehalten zu werden.

Den 24sten durch das mittelländische Meer nach Nord-West dampfend, sahen

wir kein Land; -- den 25sten früh aber waren wir der Insel Candia (dem

alten Kreta) gegenüber, deren hohe Gebirgszüge fast den ganzen Tag

sichtbar blieben. Ihr eingerissenes durchschluchtetes Gehänge stieg

steil aus dem Meere empor und erhob sich zu einem schroffen Kamm, der

weißlich in die Ferne schimmerte, während das Ganze ein mehr

grau-falbes, kahles, sehr steriles Ansehn hatte. Wir blieben stets zu

weit vom Lande entfernt, um den Küstensaum erblicken zu können, sahen

daher nichts, wie diese schroff durchfurchte, bleiche Gebirgskette, die

sich Tagereisen weit auszudehnen schien. -- Theils auf dem höchsten

Kamme der Kette selbst, theils mehr unter diesem, sahen wir einen

streifenförmigen Zug von geballten Wolken hängen, der so lang wie die

Kette selbst war und unbeweglich starr am Gehänge gelagert blieb,

während sich der ganze übrige Himmel durch eine vollkommene Heiterkeit

auszeichnete. Dies waren die ersten Wolken, die ich seit meiner Abreise

von Ceylon wiedersah.

Am Morgen des folgenden Tages (den 26sten October) war es der südliche

Theil von Morea (der Pelopones), dessen mäßig hohe, in vielen Reihen

hinter einander liegende Gebirgszüge wir zu unserer Rechten erblickten

und am fernen Horizont zur Linken zeigten geballte Wolkenlagen, bei

übrigens heitrem Himmel, das Vorhandensein von Land an der Stelle an,

nämlich von Calabrien, über dessen Gebirge sie sich verdichtet hatten.

Wir fuhren zwischen 10 und 11 Uhr vor dem Meerbusen von Arkadien hin,

dessen mäßig hohe Bergzüge zur Rechten sichtbar waren und näherten uns der

Straße zwischen dem nördlichen Theile von Morea und der ionischen Insel

Zante, deren Südküste als steile Mauer von bleicher Farbe aus dem Meere

emporstieg. Wir schifften nun durch ~klassische~ Gewässer und sahen den

klassischen Boden von Griechenland, von dessen alter Größe aber leider nur

Ruinen zurückgeblieben sind und hier und da ein Name, der wie ein

verlorener Schall aus dem romantisch-schönen Alterthume heraufklingt.

Zwischen 1--2 Uhr hatten wir die Hauptstadt der Insel Zante zur Linken. Wir

sahen ein Chaos weißlicher, viereckiger Häuser am steilen Südfuße eines

Berges liegen, an dessen Gehänge -- amphitheatralisch über einander

erbaut -- sich noch viele Gebäude hinanzogen, während vom Scheitel des

Berges selbst die Mauern der Festung niederschauten, welche die Stadt

beherrscht. Nach Norden verlängert sich dieser Festungsberg in einen

Rücken, der sich allmählig tiefer senkt und noch mit vielen weißen Gebäuden

bedeckt ist, die aus dem Gebüsche der Oliven und anderer pyramidaler

(cypressenartiger) Bäumchen hervorschimmern. Dazwischen sieht man auf

geebneten Terrassen auch gelbe Streifen, die wahrscheinlich reifes Getreide

sind und hinter den vordern Bergen ragt noch eine fernere, höhere Bergkette

empor.

Aber viel höher als diese und in ihren Umrissen noch mehr an die Form

von Kegelbergen erinnernd, sind die Gebirge der Insel Cephalonia, die

uns, vorn zur Linken, allmählig näher rückte, je weiter wir zwischen den

ionischen Inseln und dem Eingange zu dem Meerbusen von Corinth (dem Golf

von Lepanto) dahin dampfend nach Norden kamen. Es war von 3-1/2--5 Uhr,

als wir dieser Insel auf der Ost- (Nord-Ost-) Seite vorbeifuhren. Ihre

doppelten Bergzüge stiegen zu einer imposanten Höhe empor und die

weißlichen Häuser und dunklen Bäume erschienen ihren bräunlichen

Böschungen wie angeklebt. Sie lagen schon im Schatten der hinter ihnen

stehenden Sonne und blickten düster und steil auf uns herab. -- Wir

hätten zwischen 5--6 Uhr glauben können, uns in einem Gebirgssee zu

befinden, denn wir waren ringsherum auf allen Seiten von hohen

gebirgigen Ländern eingeschlossen, -- hinten und zur Linken lag

Cephalonia, links und vorn Ithaka, rechts die kleine Insel Atako, hinter

ihr die viel höheren Gebirge von Griechenland (Akarnanien) und vorn, die

Aussicht schließend, die Insel Leucadia (Sta Maura). Es war ein

malerischer, schöner Anblick. Auf unserer linken Seite, wo die Gebirge

im Schatten lagen, war alles bräunlich dunkel und an den Gehängen von

Ithaka wechselten viereckige, bräunliche (kahle) und dunkle (begrünte)

Felder mit einander ab, -- aber auf unserer rechten Seite, in Ost,

lächelte auf dem Berggehänge noch der helle Schein der immer tiefer

sinkenden Sonne und hier konnten wir die Olivenwälder deutlich erkennen,

die dem hellern (hellfalben oder bräunlich-grauen) Grunde ein grün

beflecktes und betüpfeltes Ansehn gaben. Und es schien uns, daß Alles

Waldige, Dunkle, das wir, selten in zusammenhängenden, größern Flecken,

sondern meistens nur in mehr oder weniger gedrängten, runden Tüpfelchen

(Punkten) auf den ionischen Inseln sahen, stets Olivenbäume waren. Der

Boden dazwischen schien eine helle Farbe zu haben und gelblich,

bräunlich-grau oder hellbraun zu sein; da, wo sich Wege befanden,

erkannte man diese als weiße, gerade oder geschlängelte Linien, die sich

an den Wänden hinzogen.

Die kleine Insel Atako, die uns um 5-1/2 Uhr gerade rechts gegenüber

lag, erhob sich steil als eine hellfarbige Felsmauer aus dem Meere und

bildete dann einen gerundeten Bergwulst, der waldbetüpfelt war, und noch

mehr so betüpfelt zeigte sich Ithaka zu unserer Linken. Wir sahen um 6

Uhr noch die weißlichen Häuser eines Dorfes, das dem Berggehänge der

letztgenannten Insel angebaut war und kamen ihm so nahe vorbei, daß eine

Anzahl von gelblich gefärbten Windmühlen, die theils am Abhange, theils

oben auf der Firste des Bergrückens ihre großen Flügel herumdrehten,

einen recht sonderbaren, bizarren Effect auf uns hervorbrachten, die wir

in schneller Fahrt dahinschifften.

Das nördliche Ende von Ithaka, hinter dem sich Cephalonia eben so weit

nach Norden fortsetzt, lag uns um 7 Uhr zur Linken, während wir zwischen

den Inseln hinaus nach Westen steuerten; zur Rechten hatten wir das

Südende von Leucadia; das Meer wurde nun wieder weiter, die Ufer traten

zurück und entzogen sich bald in der Dämmerung der fallenden Nacht

gänzlich unsern Blicken. Das Wetter war fortwährend heiter, die Luft

still.

Rückreise von Java nach Europa mit der sogenannten englischen Überlandpost im September und October 1848 · 第 12 / 14 段