Unsre Reise dauerte von Suez bis Cairo 15-1/2 Stunden; da hiervon aber

3-1/2 Stunden Halt abgezogen werden müssen, so hatten wir zum Durchfahren

der Wüste, das in der Richtung fast genau von Ost nach West und jederzeit

im vollen Galopp geschah, nur 12 Stunden nöthig. Ist nun das ganze Traject

100 engl. Meilen lang, so legten wir 8 solcher Meilen in einer Stunde

zurück. In Abständen von 5--6 engl. Meilen waren durch die ganze

Wüste bis nach Cairo Pferdeställe nebst Wohnungen für die Aufseher

erbaut, -- Stationen, wo die Pferde gewechselt wurden. Diese standen mit

Geschirr und allem angethan jederzeit schon bereit, wenn wir ankamen. Es

läuft nämlich in der Richtung des Weges eine Linie von Telegraphen durch

die Wüste, auf kleinen Thürmen angebracht, die öfters auf Erhöhungen des

Bodens stehen, da, wo sich deren finden und deren äußerste Punkte Suez und

Cairo sind.[38] Der Hauptdienst dieser Telegraphen ist, die Ankunft der

Schiffe zu Suez und der Transporte von Reisenden durch die Wüste, hin und

her, zu melden. Aber nur an drei Stationen, wo sich kleine Gasthäuser,

Absteigequartiere (Pasanggrahan's würde man auf Java sagen), befinden,

wurde für längere Zeit Halt gemacht, nämlich von 8--9, von 12--1-1/2 und

von 5--6 Uhr, und hier hatte ich Gelegenheit, den unersättlich-musterhaften

Appetit der Engländer zu bewundern, die an allen diesen Orten tüchtig aßen

und tranken. Die Tafeln waren bei der Ankunft der Transporte schon gedeckt

und mit dem Auftragen der Speisen wurde nur so lange gewartet, als die

Reisenden in kleinen Nebenzimmern, wo Waschtafeln standen, beschäftigt

waren, sich Gesicht und Hände vom Staube zu reinigen und das Haupt

abzukühlen. Die Speisen bestanden hauptsächlich aus Suppe, Reis, Hühner-

und Schöpsenfleisch, das auf verschiedene Art zubereitet war, auch waren

Kartoffeln, Gemüse, Brot und Zwieback vorhanden und den Bier- und

Weinflaschen wurde fleißig zugesprochen. Nach Tisch wurde Kaffee gereicht,

gewöhnlich in kleinen Nebenzimmern, welche die Überschrift: »Rauchkammer«,

trugen. Andere Nebenzimmer waren mit Betten versehen zur Bequemlichkeit der

kränklichen Reisenden oder der Damen, die etwa wünschen möchten,

auszuruhen. Auch muß ich ~Mehmed Ali~, der es eigentlich war, welcher uns

zufolge seines mit der Compagnie geschlossenen Contractes hier bewirthete,

die Gerechtigkeit widerfahren lassen, und bezeugen, daß wir in seinen

Hotels in der Wüste besser aßen und tranken, wie in dem ersten Gasthofe zu

Cairo, obgleich alle Bedürfnisse, das Wasser nicht ausgenommen, aus weit

entfernten Gegenden hierher geschafft werden müssen. Die Hotels, die nur

ein Stockwerk hatten, waren aus Stein, gewöhnlich auf plattenförmig

erhöhten Räumen erbaut und waren auch an der größern Höhe, die sie selbst

hatten, schon aus der Ferne von den Pferdeställen zu unterscheiden, die

ihnen zur Seite standen. Alle Gebäude waren aber, wie überhaupt in Egypten,

platt von oben und glichen ihrer Form nach viereckigen Kasten. Das größte

unter ihnen war das Hotel, in welchem wir von 12--1-1/2 Uhr unsre

Hauptmahlzeit hielten und das sich auf einem 12 Fuß hohen Plafond erhob.

Man mußte auf Treppen hinaufschreiten und genoß aus der Vorgallerie eine

freie Aussicht über die angränzenden Räume der Wüste. Außer diesen kleinen

Poststationen, an denen ohngefähr alle drei Viertelstunden zum Wechseln der

Pferde Halt gemacht wurde, bot uns die Wüste auch noch einige andere

Abwechselung dar. Ein eigentlicher Weg, eine Spur von Rädern oder

Kameeltritten war freilich nirgends zu sehen und selbst die Steinhaufen

oder Pyramiden, welche in manchen sehr gleichförmigen Gegenden der Wüste in

gewissen Abständen angehäuft worden waren, um die Richtung des Weges zu

bezeichnen, waren zum Theil wieder vom Sande verweht und überschüttet.

Dasselbe war der Fall mit den gefallenen Kameelen, die wir häufig sahen und

die bald noch frische Kadaver waren, bald abgenagte Gerippe, die nur halb

aus dem Sande hervorragten. Aber die vielen Karavanen und beladenen

Kameelheerden, an denen wir öfters vorbeiflogen, gaben der Wüste, zu dieser

Zeit der Land-Transporte, doch ein gewisses belebtes Ansehen. -- Auch unsre

Kutscher verschafften sich selbst und uns durch den Wettstreit, den sie mit

einander im Schnellfahren hielten, einige Belustigung, -- bald hielten

unsre Wagen lange Zeit mit einander gleichen Schritt und flogen alle vier

in stätigem Tempo neben einander dahin durch den weiten Raum, bald rannte

uns der eine voraus und war einige Minuten später am fernen Saume der Wüste

nur noch an den Staubwolken erkennbar, die ihn begleiteten, -- bald

verschwand ein anderer hinter uns, der im Sande stecken blieb und uns

erst später wieder einholte; -- ~zwei~ Erscheinungen aber waren es

hauptsächlich, die mehr, als die eben genannten, meine Aufmerksamkeit auf

sich zogen, und mehr, als alles Andre, dazu beitrugen, das Bild der Wüste

in meiner Phantasie unauslöschbar zu machen.

Auf der so einförmigen, gestaltlosen Oberfläche der Wüste fielen alle

Gegenstände, welche die Gleichförmigkeit in Etwas unterbrachen, -- ein

Stein, der ein wenig größer war, als die andern, -- ein Gerippe, auf die

man an andern Localitäten kaum geachtet haben würde, -- sogleich in die

Augen; der Mangel aller andern Gegenstände aber, die zu Anhaltpunkten,

zur Vergleichung bei der Beurtheilung hätten dienen können, war die

Ursache, daß man hinsichtlich der Schätzung der Größe so wohl, als der

Entfernung solcher Körper, die man sah, in die größten Irrthümer

verfiel. Schon mehrmals waren wir an Sandabhängen vorbeigekommen, und

hatten auf dem Rande dieser abschüssigen Stellen ziemlich große Körper

gesehn, die fast in gleichen Abständen von einander dastanden, ohne daß

wir die Natur derselben kannten. -- Auch um 12 Uhr, als wir in der

Hauptstation auf der Hälfte des Weges, also in der Mitte der Wüste,

angekommen waren, sahen wir auf dem Rande eines erhöhten Sandwulstes

nicht weit vom Hause eben solche Körper wieder hingepflanzt. Sie standen

da, wie in einer Reihe neben einander und ihre Zahl betrug meistens 50.

Wir vermochten nicht zu erkennen, ob es Menschen waren (Beduinen), die

da standen, oder Schafe oder Sträucher oder Felsblöcke; -- das Letztere

war noch das Wahrscheinlichste, denn sie waren ganz unbeweglich und

graubraun von Farbe, wie Alles umher. Sie standen aber in so

regelmäßigen Abständen, wie man Felsen selten sieht und waren alle von

vollkommen gleicher Größe. Es war ganz unmöglich, diese Größe zu

beurtheilen, und zu sagen, ob sie drei oder zehn Fuß groß waren oder

noch mehr und eben so unmöglich war es uns, mit dem bloßen Auge zu

ermessen, ob sie sich in der Entfernung von nur 100 oder von 1000 Fuß

oder mehr von uns befanden.

Ich beschloß, mir Sicherheit zu verschaffen und ging darauf los. Als ich

näher gekommen war, so unterschied ich zu meinem nicht geringen

Erstaunen die regelmäßige Form von ungeheuer großen Raubvögeln, die,

wie es schien, ausgestopft und vom Besitzer des Hotels zum Trocknen

dahingestellt waren, -- denn auch kein einziger davon ließ auch nur die

geringste Bewegung spüren; sie standen alle da in gleichen Abständen von

einander, sie hatten alle eine vollkommen gleiche Stellung und waren mit

ihrem Vordertheile dem Abhange zugekehrt; ich kam ihnen bis auf 25 Fuß

nahe, aber -- wie erschrak ich! -- als nun plötzlich diese ungeheuren

Vögel, alle auf Einmal, wie auf Einen Schlag, aufflogen und -- dahin

sausten durch die Wüste, in der sie sich auf einen andern Sandhügel, in

derselben Stellung, wie vorher, und eben so unbeweglich wieder

niederließen. -- Es war der gemeine große Wüstengeier, _Vultur fulvus_,

der sich besonders vom Fleische der gefallenen Kameele nährt, sich daher

gern in der Nähe der Karavanenstraßen aufhält und diese von seinem

Standpunkte, nämlich den Sandhügeln herab, überblickt, in einer der

Straße stets zugekehrten Stellung.

* * * * *

Die zweite Erscheinung, die eben so eigenthümlich, wie die Geier und die

Kameele, zur Wüste gehört, war die sogenannte Luftspiegelung, _mirage_,

Sehrab der Araber. -- Ihr Sichtbarwerden ist abhängig vom Grade der

Erhitzung der Wüste durch die Sonne, sie ist daher zur Zeit der größten

Hitze von 12 bis 2 Uhr am lebhaftesten, wird nicht vor 8 Uhr des Morgens

sichtbar und verschwindet allmählig wieder gegen 5 Uhr des Abends. Wir

hatten daher Gelegenheit, uns fast einen ganzen Tag lang an diesem

optischen Phänomen zu belustigen, das der Wüste einen merkwürdigen,

zauberhaften Reiz verlieh. Wir sahen es zuweilen nur an einer, meistens

aber an zwei bis drei, ja fünf und mehr Stellen auf verschiedenen Seiten

zugleich, -- wenn es an der einen von diesen Stellen verschwand, so

erschien es an einer andern Stelle wieder, wie hingezaubert, und so

dauerte das Spiel den ganzen Tag lang, -- des Mittags aber am schönsten

und häufigsten -- fort, indem es die öde Sandwüste in eine Steppe voll

von Seen, Wassertümpeln und schlängelnden Flüssen verwandelte. Manche

Stellen der Wüste nämlich, die vorher, wie alles Andre rundum, in ihrer

bräunlich-gelben, matten Farbe dagelegen hatten, fingen, wenn wir uns

ihnen bis zu einer ~gewissen~ Entfernung genähert hatten, an, zu

glänzen -- sie wurden gleichsam, so ~schien~ es, in einen Spiegel

verwandelt, der die Farbe und das Licht des Himmels bläulich-weiß

zurückstrahlte und dadurch das Bild einer Wasserfläche hervorrief; er

war aber so blinkend, wie diese, -- am Saum zitternd und dadurch den

Wellenschlag so täuschend nachahmend, daß wir oft anfingen, zu zweifeln,

ob wir nicht das wirkliche Wasser kleiner Seen vor uns erblickten. Weil

nämlich der Saum der erhitzten Wüste im aufsteigenden Luftstrome

wellenförmig zitterte und die Gränzlinie, die er mit dem scheinbaren See

bildete, dadurch zerrissen wurde, so veranlaßte er durch seine

Spiegelung im Pseudo-Wasser das Sichtbarwerden von länglichen Gestalten,

wie von Palmenstämmen, die man am Ufer zu sehen glaubte -- oder das

spiegelnde, umgekehrte Bild wirklicher in der Nähe liegender Felsblöcke

oder andrer Unebenheiten in der Wüste wurde verlängert. -- Diese

spiegelnden Wasserflächen hatten meistens eine längliche, streifenartige

Form, zuweilen waren sie auch rundlich, manchmal wie Flußarme

geschlängelt und eben so verschieden, wie in ihrer Form, waren sie auch

ihrer Größe nach und wuchsen von kleinen Tümpeln bis zu ansehnlichen

Seen an. Oft sah man sie mitten in der Wüste, dann waren sie an allen

Seiten von dunkler gefärbten, matten Ufern umgeben und sie schienen in

sanften Vertiefungen der Wüste zu liegen; am häufigsten aber zeigten sie

sich in der Nähe des Randes oder im Rande selbst der Wüste und dann floß

ihr jenseitiger Rand ununterscheidbar mit der Helle des Himmels, dessen

Farbe sie hatten, zusammen.

Meine Begleiter und ich, wir wurden denn auch den ganzen Tag lang nicht

müde, diese Erscheinung, die der starren Fläche ein gewisses Leben, eine

gewisse Bewegung verlieh, zu betrachten und zu bewundern. Schon oft

hatten wir geglaubt, wirkliches Wasser zu sehn und waren getäuscht

worden. Dennoch geschah es zuweilen bei unsrer Ankunft an einer Station,

wenn wir einen neuen See vor uns erblickten, daß verschiedene Engländer

mit andern ihrer Landsleute um mehre Pf. Sterling wetteten: ~Diesmal~

wirkliches Wasser vor sich zu haben. Da lag, wie es schien, in einer

sanften und muldenförmigen Vertiefung der Wüste -- ein schöner

blinkender See, sein Wasser bewegte sich zitternd in sanften Wellen und

von seinem Ufer zogen sich ebenfalls lange Gegenstände -- zitternd und

sich spiegelnd -- herab in's wogende Wasser, gerade so, wie man es an

wirklichen Seen bemerkt, über deren Spiegel ein sanfter Wind

hinwegstreicht. Die Täuschung war so vollkommen, daß ich wohl hätte

mitwetten mögen, wenn ich von der Unmöglichkeit von vorhandenem Wasser

in dieser Erdgegend nicht so sehr überzeugt gewesen wäre. Viele der

Passagiere glaubten es aber steif und fest und schritten, um die Wette

zu gewinnen und dabei zugleich ein erfrischendes Bad im Wasser zu

nehmen, muthig darauf los. Aber als wir uns dem Phänomen bis auf einen

~gewissen~ Abstand genähert hatten, so wurde es zuerst schmäler,

streifenförmiger und dann ~verschwand~ es, und zwar ziemlich schnell,

vor unsern Blicken. Seespiegel, Wellenschlag, Ufer, Alles verschwand,

wie auf einen Zauberschlag und von der muldenförmigen Vertiefung, die

wir zu erblicken geglaubt hatten, blieb nichts zurück, wie die matte

Sandwüste, die an der Stelle eben so flach und gleichförmig war, wie

überall. -- Was uns am meisten ärgerte, war, daß wir nicht einmal die

Entfernung zu bestimmen vermochten, in welcher von unsrem Standpunkte

aus gerechnet, die Erscheinung sichtbar wurde und wieder verschwand, daß

wir also auch nicht die Stelle bestimmen konnten, wo die scheinbare

Spiegelung Statt gefunden hatte, aus dem einfachen Grunde, weil diese

keine Spur hinterließ und weil es den luftigen Seen nicht beliebte, mit

ihrem Vorhandensein so lange zu warten, bis wir an ihren Ufern

angekommen waren. Unsre Schätzung der Abstände, in welchen wir diese

scheinbaren Wasserspiegel vor uns liegen sahen, auf ein bis zwei, ja

drei und mehr englische Meilen war daher gewiß auch sehr betrügerisch.

Nachdem ich diese sogenannte Luftspiegelung gesehen und ~so oft~ sie

sich zeigte, mit immer erneuerter Bewunderung betrachtet hatte, so mußte

ich gestehen, daß doch auch die ~Wüste~ ihre Schönheiten besaß.

Auch der Abend, nachdem er gefallen war, nachdem sich schon ein

zweifelhaftes Dämmerlicht über den Sandocean verbreitet hatte,

bestätigte dies. -- Wir befanden uns in der vorletzten Post-Station, als

uns einige Passagiere, die draußen standen, zuriefen, daß wir hinaus

in's Freie kommen möchten, weil ein wundervolles Schauspiel sichtbar

werde. -- Draußen angekommen und auf einem Sandhügel postirt, -- da

sahen wir eine ungeheuer große Kugel -- sie war oben halb fleischroth,

halb isabellfarben, -- wir glaubten, daß es ein Luftballon sei, den man

in ein bis zwei engl. Meilen Entfernung von uns in der Sandfläche

aufsteigen ließ, -- und wir hatten einige Zeit nöthig, um uns zu

überzeugen, daß das, was wir sahen, -- der ~volle Mond~ war, der sich

langsam -- wie ein ungeheures Gespenst über den Saum der

bräunlich-falben Wüste erhob. -- Er schien so ungeheuer groß, daß wir

hätten glauben mögen, sein Durchmesser betrage mehr, wie gewöhnlich,

was natürlich nicht der Fall war und so erhielten wir einen neuen,

schlagenden Beweis, wie trügerisch alle Schätzungen über die

Verhältnisse von Größe und Entfernung der Gegenstände in einer

Wüstenfläche sind, die sich einförmig und kahl nach allen Seiten

ausstreckt. --

Ich habe jene Erscheinung, wie gewöhnlich zu geschehen pflegt,

Luftspiegelung genannt; sie gehört aber in der That der Lehre von der

irdischen Strahlenbrechung an und ist am gründlichsten von Biot

erklärt.[39] -- Da, wie bekannt, Flüssigkeiten von verschiedener

Dichtigkeit ein verschiedenes Brechungsvermögen besitzen, so hat Biot

alle Erscheinungen auf mathematische Art erklärt durch die Abweichung

der Lichtstrahlen, welche vom Gegenstande zum Auge gelangen, von der

geraden Bahn, wodurch nach optischen Gesetzen eine Verrückung des

gesehenen Bildes herbeigeführt werden muß. Über dem Wüstenboden aber,

den die Sonne bescheint, sind die über einander gelagerten Luftschichten

in verschiedenen Graden erhitzt, haben also auch eine ungleiche

Dichtigkeit und ein ungleiches Brechungsvermögen der Lichtstrahlen.

Diese letztern werden krumme Bahnen (Trajectorien nach Biot) in ihrem

Laufe durch diese Luftschichten beschreiben, und da die Dichtigkeit der

Luft ~unten~, wo sie am stärksten erhitzt ist, am schwächsten ist, nach

~oben~ aber zunimmt, so entsteht von dem Gegenstande, -- nämlich dem

untern Theile des Himmels, der ~auf~ dem Wüstenrande zu ruhen

scheint, -- bis zum Auge eine nach unten gekrümmte Trajection und das

Auge sieht ein doppeltes Bild: 1) das Bild, das durch dieselbe

Luftschicht von gleicher Dichtheit in gerader Richtung vom Gegenstande

zum Auge geht, also den wirklichen untern Theil des Himmels und 2) das

Bild von diesem Theile des Himmels, das, in verkehrter Stellung, durch

die gekrümmte Linie zum Auge gelangt und ~unter~ dem Wüstenrande oder in

der Wüste selbst zu liegen scheint, wo es die Gestalt einer Wasserfläche

hervorbringt, in welchem Wasser sich dann auf gleiche Weise das vom

Wüstenrande entstandene, verkehrte Bild zu spiegeln scheint.

Die Steine, die in den verschiedenen Gegenden der Wüste, bald mehr, bald

weniger zahlreich mit dem Sande vermengt waren oder auf dem Sande

zerstreut lagen, waren meistens abgeplattet-kuglige, zwei bis vier Zoll

dicke Geschiebe von Quarz, Feuerstein, Hornstein, Achat. Unter ihnen

herrschte besonders ein gelblich-bräunlicher in Achat und Onyx

übergehender Hornstein vor (s. ~Suez Nr.~ 1 im Museum zu Leyden), der

sich durch concentrisch-rund um den Mittelpunkt laufende, abwechselnd

hellere und dunklere bandförmige Streifen auszeichnet.

Der letzte, westlichste Theil des »Thales der Verirrungen«,[40] den wir

durchschnitten, war viel unebner, wellenförmig-hügliger, als alle

frühern, doch senkte er sich im Allgemeinen zum tiefer liegenden

Nilthale herab. Er blieb in seiner Beschaffenheit den vorigen gleich,

nämlich eben so kahl wie diese -- und erst als wir diese nord-östliche

Vorstadt von Cairo hindurch gefahren waren und aus dem Wirrwarr von

elenden aus Erde gebauten Hütten (eigentlicher Höhlen), woraus diese

besteht, in's Frankenquartier der Stadt, wo größere Wohnungen standen,

gekommen waren, da sahen wir, zum ersten Male seit 22 Tagen, seitdem wir

Ceylon verlassen hatten, wieder süßes Wasser, -- ~wirkliches~

Wasser! -- und erblickten zur Seite des gegrabenen Kanals, den dieses

Wasser erfüllte, zum ersten Male wieder Bäume, -- grüne Bäume! -- Wir

befanden uns im fruchtbaren Thale des Nil und hielten um 7-1/2 Uhr des

Abends (am 12ten October) vor dem Oriental-Hotel in Cairo still (siehe

Fig. 18).

Ich hielt mich vom 12ten October an bis in den Abend des 21sten, also

neun Tage lang in der Hauptstadt von Egypten, der Residenz des

Pascha-Vicekönig's, auf, unterlasse es aber, mich in eine vollständige

Beschreibung von Cairo einzulassen, da es, so ziemlich in allen

Sprachen, schon genug beschrieben ist.

Jedem Passagier mit der Landpost ist die Freiheit gelassen, die Reise

entweder sogleich nach Alexandrien fortzusetzen oder eine Zeit lang hier

zu bleiben und einen der folgenden Transporte, die von Bombay aller 14

Tage anzukommen pflegen, abzuwarten und dann mit den Passagieren dieser

spätern Transporte seine Weiterreise, auf kleinen Dampfschiffen den Nil

herab, nach Alexandrien zu verfolgen. Die Passagescheine bleiben so

lange gültig. Das Gepäck der Reisenden, das ohne deren Bemühung von Suez

nach Cairo auf Kameelen angebracht wird, bleibt dann so lange in den

Packhäusern zu Bulak deponirt. In diesem Dorfe, welches eine Stunde von

Cairo entfernt, am östlichen, rechten Nilufer liegt, fand ich schon am

Abend des folgenden Tages meine Kisten, zu denen mir der Zugang auf das

Bereitwilligste gestattet wurde, um Bedürfnisse, die ich nöthig hatte,

herauszunehmen.

[Illustration: _Fig. 18._ _Lith. Anst. v. J. G. Bach, Leipzig._]

Wenn man das platte Dach des Hotels betritt oder den Berg der Citadelle,

den höchsten Punkt in ganz Cairo, -- oder das Minaret einer Moskee

ersteigt und sich auf die Gallerie, die rund um diese Thürmchen läuft,

begiebt, so kann man einen großen Theil der Stadt und von der Citadelle

aus sogar ~ganz~ Cairo mit seinen Umgebungen, -- dem angränzenden

Nilthale in Westen bis Norden, und der Wüste in Osten und Nord-Osten, --

überschauen. Man sieht dann über ein Chaos von niedrigen, doch meist

zweistöckigen, oben platten Häusern hin, die viereckigen Kasten mit

dunklen Löchern, den Fensteröffnungen, gleichen und die eine eben so

schmutzig-braune Farbe haben, wie die angränzende Wüste. Viele davon

sind nur aus Erde (Nilschlamm) erbaut und als einst vor 20 Jahren ein

Regenschauer fiel, was hier eine große Seltenheit ist, so lief die halbe

Stadt große Gefahr, in Schutt zu versinken, nämlich in Wasser aufgelöst

zu werden und die Bewohner flüchteten aus ihren Häusern. Nur hier und da

schimmert ein besseres, weiß angestrichenes Haus aus dem Wirrwarr der

übrigen hervor oder erhebt eine aus Stein erbaute Moskee ihre Minaret's.

Das größte Privathaus in der ganzen Stadt ist das Hotel (Fig. 18), in

dem wir abgestiegen sind. Es liegt im nord-östlichen Theile der Stadt

und hat die Aussicht über die Gartenanlagen des Platzes Esbekieh, an die

es gränzt. Dies ist der öffentliche Spaziergang der Bewohner von Cairo,

wo sich die Türken des Abends unter den Bäumen mit Lautenspiel und

Kaffeetrinken belustigen. Man erblickt daher hier das Grün von Bäumen

und Sträuchern, fühlt aber auch den Nachtheil, den die Nähe des Wassers,

der gegrabenen Kanäle, welche Esbekieh umzingeln, hat, nämlich Schwärme

von Mosquiten, die auch im Innern des Gasthofes nicht fehlen. In allen

übrigen Theilen der Stadt ist nirgends einiges Grün zu entdecken, außer

den mehr grauen als grünen Wedeln der Dattelpalmen, die hier und da sehr

vereinzelt über die Mauern hervorragen. Der Anblick über das Ganze, so

wie es daliegt im blendend hellen Scheine der Sonne, wenn man es von

einer Anhöhe herab beschaut, ist denn auch mehr eigenthümlich als

schön. -- Und wenn man sich in das Innere der Stadt begiebt und die

engen Gassen durchwandert, die gewissermaßen nur Spalten zwischen den

Häusermassen sind und deren Bewohner ihren Nachbarn gegenüber die Hand

zureichen können, so stößt man auf den buntesten Wirrwarr, den man

irgendwo erblicken kann. Man sieht die engen Kanäle (Gassen)

vollgepfropft von Arabern, Türken, Griechen, Kopten, Juden,

Malthesern, Franzosen, alle in ihrer Nationaltracht durch einander

fluthend. -- Kaufleute mit Datteln und andern Herrlichkeiten und

Dutzende berittener Esel drängen sich durch's Gewühl hindurch, das an

den schmalsten Stellen oft ganz in's Stocken geräth, so daß man weder

vorwärts, noch rückwärts kann, -- und wenn dann noch ein Kameel mit

seiner Last ankommt, das ~auch~ hindurch will, ob es gleich den ganzen

Raum der Gasse beinahe allein einnimmt, über deren Gewimmel es mit

seinem riesenmäßigen Halse hoch hinwegschaut, so läuft man große Gefahr,

zerquetscht oder zertreten zu werden. -- Dessenungeachtet, als ob die

Gassen nicht schon an und für sich selbst eng genug wären, erblickt man

überall die Kaufwaaren in Ballen, Körben, Kisten, auf Tafeln und

Gestellen vor den Thüren zur Schau ausgestellt.

Ihrem Verlaufe nach bilden die Gassen das größte Labyrinth, das man sich

denken kann, sie drehen sich zu hundert Malen, -- rechteckig -- in den

verschiedensten Richtungen hin und her, -- bald werden sie breiter, bald

wieder schmäler, -- bald machen sie endlose winklige Gänge und kommen

dann wieder auf denselben Punkt zurück -- oder sie theilen sich in zwei

bis drei Gassen und diese endigen sich, nachdem sie die wunderbarsten

Biegungen, jederzeit in rechten Winkeln, gemacht haben, blind, so daß

der Reisende, nach viertelstündigem Wandern keinen Ausweg findend,

wieder zurückkehren muß, -- und daß ein Wegweiser durch die Stadt einem

jeden Fremden, der nicht in der Irre herumlaufen will, unentbehrlich

ist. Das schmutzigste Quartier mit den allerschmälsten, oft ganz

überbauten Gassen, mit den wunderlichsten Schlupfwinkeln und schiefen

Häusern, die den Einsturz drohen, ist das der Juden und aus diesen

Gründen wohl besehenswerth. -- Manche Theile der Stadt, wo die Häuser

theils eingefallen, theils, zum Breitermachen der Straßen, eingerissen

sind, liegen ganz in Schutt. -- Etwas besser schon ist das Quartier der

Kopten, noch besser das der Franken (europäischer Christen), deren

größte Zahl hier in Cairo Franzosen sind. Unter diesen findet man

besonders Krämer, Schenkwirthe, Halter von Billard- und Kaffeehäusern,

Kleiderkünstler, Professoren der Haarschneidekunst und Buchhändler.

Viele Franzosen befinden sich im Dienste des Pascha als Offiziere oder

Beamte und tragen alsdann das gewöhnliche egyptisch-griechische Kostüm,

dessen Kopfbedeckung eine rothe Kappe mit einer großen Troddel von

blauer Seide ist.

Das Hotel d'Orient, in dem Theile des Frankenquartiers gelegen, der an

den schon oben genannten Spaziergarten gränzt, ist ein geräumiges,

vierflügeliges, rund um einen innern, viereckigen Hofraum laufendes

Gebäude von drei Etagen, das luftige und reinliche Zimmer enthält. Auch

findet man daselbst eine Anstalt, um warme und kalte Bäder zu

gebrauchen, für deren jedes man drei Franken bezahlt, -- ein

Lesekabinet -- einen großen Speisesaal, aber eine schlecht besetzte

Tafel, auf welcher die Hauptspeisen Hühner- und Hammelfleisch, nebst in

stinkendem Fett gedämpftem Reis waren. Die Kost war überhaupt sehr

schmal und stand, nach meinem Geschmacke, ~unter~ der inländischen Kost

der Javaner. Der Gastwirth war ein Franzose (_Coulomb, frères_). Der

tägliche Preis für Kost und Wohnung betrug 10 Francs (8 Schilling oder 4

indische Rupien), für eine Fahrt mit dem Wagen, wenn diese auch noch so

kurze Zeit dauerte, bezahlte man 15 Francs (12 Schilling oder 6 Rupien)

und für einen Dragoman, einen Türken oder Griechen, der Französisch

versteht und als Dolmetscher oder Wegweiser dient, 5 Francs (4

Schilling oder 2 Rupien) täglich. Ein Dutzend Stück Wäsche kostet 2-1/2

Francs.[41] Spottwohlfeil aber waren die ~Esel~, die denn auch zu dem

gewöhnlichsten Transportmittel in der Stadt und deren Umgebung dienen

und die mit eben solchen dicken, unbehülflichen Sätteln, wie zu Aden,

angethan, gewöhnlich zu Dutzenden auf dem Platze vor dem Hotel bereit

standen.

Rückreise von Java nach Europa mit der sogenannten englischen Überlandpost im September und October 1848 · 第 10 / 14 段