Ich sagte der wüsten Halbinsel Lebewohl und zwar gern; denn neben ihr

stiegen jene herrlichen Gebirge Java's in meiner Phantasie empor, als

wollten sie fragen, wo in der Welt findet man eine so großartige und

doch so wunderschöne, grünende und ewig blühende Natur, als bei

uns? -- Die Antwort war: vielleicht nirgends, ~hier~ aber den Gegensatz.

Wir lichteten am 5ten October des Morgens um 8 Uhr die Anker, richteten

unsern Cours nach West-Süd-West und dampften zwischen der Westspitze von

Aden (Ras Marbut), auf welcher jenes detachirte Fort steht, in Süden und

der gebirgigen Halbinsel (Dschebel Hasan) in Norden, zum Eingange der

Back-Bai hinaus. Wir ließen dieses Halbinsel-Gebirge also zur Rechten

liegen und erblickten bald darauf, weiter westwärts, noch ein ähnliches,

aber kleineres felsiges Vorgebirge (Ras Amran), das sich eben so isolirt

aus flachen, sandigen Umgebungen erhob und sahen dann, indem wir in

einem Abstande von drei bis vier englischen Meilen der Küste Arabien's

entlang fuhren, nichts, wie das ~falbe~ Kolorit eines niedrigen, flachen

Sandgestades, dessen Einförmigkeit wir nur um 1-1/2 Uhr durch einige

isolirte Hügel unterbrochen fanden, die nur an ihren Gipfeln dunkler,

als der Sand gefärbt waren, wahrscheinlich weil nur diese aus den

bedeckenden Sandmassen hervorragten. Dann kam wieder flaches Sandland,

das jedoch etwas höher lag, als die vorige Sandebene und etwa, wie uns

schien, 50 Fuß hoch liegen mochte, -- und erst um 2 Uhr, zur Zeit, als

wir unsern west-süd-westlichen Cours in west-halb-nördlichen

veränderten, stellten sich auf der Küste, die stets auf unsrer (rechten)

Nordseite liegen blieb, wieder Gebirge unsern Blicken dar. Es waren

langgezogene Felsenketten, Dschebel Khoran u. A., von derselben

umbragrauen Farbe und demselben zackig-rauhen Saume, wie alle, die wir

bis jetzt auf Socotora und in Arabien gesehen hatten. Hinter den

vordern, küstennächsten Zügen erhoben sich noch mehre höhere Ketten,

die, immer blässer werdend, tiefer im Innern des Landes lagen, sich

jedoch nicht sehr weit von der Küste zu entfernen schienen, mit welcher

sie alle parallel, von Ost nach West strichen.

Dieser Theil Arabien's ist also keine ~flache~ Wüste, kein einförmiges

Flachland, sondern ein gestaltenreiches Land mit Gebirgszügen und mehr

oder weniger hohen Zwischenthälern und Zwischenflächen, ein Land, das,

hätte es vegetabilisches Leben, zu den schönsten gehören

könnte; -- aber, so wie es daliegt, von aller Dammerde, von allem

Pflanzenwuchse entblößt, in den Gebirgen nur nackter Fels und in den

Ebenen nur nackter Sand, von keinem Grashalm geschmückt, kann man es nur

eine traurige Einöde nennen.

Wenn man nach den Ursachen der Kahlheit des Landes und der Trockenheit

der ewig heitern Luft forscht, -- nach zwei Erscheinungen, die ohne

Zweifel einen gegenseitigen Einfluß auf einander ausüben, so entsteht

die Frage, welche von beiden ist die Ursache der andern, welche war die

~erst~ vorhandene Erscheinung und welche ist die Folge, die Wirkung von

dieser? -- eine Frage, die nur auf den ersten Blick schwer zu

beantworten scheint, übrigens der Lösung fähig ist. Denn, ~wenn~ der

Boden mit fruchtbaren Erdschichten und Wäldern, die auf diesem ruhn,

bedeckt wäre, so könnte die Luft so trocken nicht sein, es würden sich

Wolken bilden, Regen würde fallen, und Bäche würden das Land

durchströmen; -- und ~wenn~ jeden Tag erquickende Regen in die

Sandwüsten von Arabien und Afrika herabfielen, so würde der nackte Sand

und Fels bald verwittern und sich allmählig mit Wäldern

schmücken. -- Also muß die Nacktheit des Bodens die zuerst vorhandene

Erscheinung gewesen sein, obgleich es nicht zu verkennen ist, daß die

~dadurch einmal bedingte~ Trockenheit der Luft den Boden, vielleicht

noch für Tausende von Jahren, -- verurtheilt, in dem Zustande, worin er

ist, zu verbleiben.

Da man selbst in den Wüsten Egypten's fossile Baumstämme von großer

Dicke, also den Beweis des ehemaligen Vorhandenseins von Wäldern findet,

so ist es offenbar, daß diese Gegenden von Arabien und Afrika erst durch

irgend eine Naturrevolution ihrer Pflanzendecke beraubt und in

Sandwüsten verwandelt wurden, deren Erhitzung nun, durch aufsteigende

vertikale Luftströme, alles vorüberziehende Gewölk verscheucht.

Um 3 Uhr traten in weiterer Entfernung von diesen Küstenketten innere,

tiefer im Lande gelegene Ketten hervor, -- die Küstenkette aber

~endigte~ sich und das zunächst an's Meer gränzende Land wurde nun

wieder eine flache Sandwüste, die mehre englische Meilen breit zu sein

schien und die in manchen Gegenden mit einzelnen dunkeln Tüpfelchen

besetzt war. Ob dies Sträucher waren? -- Um 4 Uhr aber, -- während wir

fortwährend an der Küste hin nach West dampften, -- erhob sich wieder

ein niedriger, auf seinem Kamme, wie gewöhnlich, ausgezackter Bergzug,

der der Küste näher lag und etwa nur eine englische Meile von ihr

entfernt sein mochte, und hinter dem vordern blieben, wie seit 2 Uhr der

Fall gewesen war, die innern Züge sichtbar in doppelten, ja drei- und

vierfachen Reihen, die alle von Ost nach West strichen. Erst der

fallende Abend entzog uns den wechselnden Anblick dieser abgebrochenen,

am Gestade bald verschwindenden, bald wieder auftretenden, doch im

Innern stets sichtbar bleibenden, uns also bald näher, bald ferner

liegenden, gleichsam alternirenden Parallelketten.

Wir sahen Nichts vom letzten, westlichsten Kap und Gebirge der Südküste

Arabien's, eben so wenig, als von der Insel Perim, die in der Straße

liegt, -- denn wir dampften ~im Dunkeln~ durch den so berüchtigten

Eingang in's rothe Meer, den unser Schiffsführer übrigens doch nicht für

so sehr gefährlich halten mochte, da er es wagte, mitten in der Nacht

durch »das Thor der Trauer«, durch »die Pforte der Gefahr« ~Bab el

Mandeb~[29] zu schiffen! -- Kaum die näher liegenden Küstenberge und

Inseln vermochten wir als schwarze Schattenrisse zu erkennen. -- Auch

von der Stadt Mochha, an der wir vorbeikamen, sahen wir Nichts. --

Als am folgenden Morgen (6ten October) der Tag zu grauen anfing, lag die

gebirgige Küste Arabien's zu unsrer Rechten, ostwärts von uns, in

undeutlicher Ferne, -- links aber, in Westen, lagen in großer Nähe eine

Menge großer, kleiner und sehr kleiner, meist kegelförmiger Inseln, die

»Harnish Islands«,[30] deren meisten wir schon vorbeigesegelt waren, da

wir sie hinter uns erblickten. Wir dampften nach Norden.

Kurz vor 7 Uhr befanden wir uns dem südlichen Ende einer größern Insel,

Dschebel Zoogur (¿dsh-b-l l-gh-w-r¿), unter 14° n. Br. gegenüber, die zu

unsrer Linken liegen blieb (s. Fig. 7). -- Wir brauchten mehr als eine

halbe Stunde Zeit, um an der östlichen Seite der Insel vorbei zu

dampfen. Ihre Länge konnte mehr als eine Stunde betragen. Sie war mäßig

hoch und unterschied sich von allen Gebirgen, die wir auf dem Festlande

von Arabien, so wie auf Socotora gesehen hatten, durch ihren zwar

ungleich hohen, aber nicht ausgezackten Saum und durch die auffallend

glatte Oberfläche ihrer Böschung, die sich auch ungleich sanfter, als

die der Bergketten auf Aden herabsenkte. Übrigens war ihre umbragraue

Farbe dieselbe, wie die der früher gesehenen Berge und war nur an

einzelnen Stellen mit etwas Bräunlich-roth oder mit einem hellern Grau

nüancirt. Nur vereinzelt in einigen Gegenden des Strandes bemerkt man

gelbliche, falbe Sandstreifen. -- Sie mußte offenbar ein ~Vulkan~ sein

und die Gleichmäßigkeit ihrer Seitengehänge durch Überschütten mit Sand

oder Überströmen mit Lava erhalten haben. Ein kleiner Kegel erhob sich

auf ihrem linken Saume; er war glatt und dunkler gefärbt, als der

Abhang, der sich vor ihm hinzog; außerdem aber sahen wir noch einen

andern stumpf-abgestutzten, konischen Hügel, der mitten auf dem Gehänge

der Berginsel auftauchte und der nebst dem vorigen nichts Andres, als

ein seitlich aufgeworfener ~Eruptionskegel~ sein kann. Man sah, wie

die Lava- oder Trümmerströme vom höher gelegenen Rande der Insel herab-

und so recht um diesen Kegel herumgeflossen waren (vergleiche Fig. 7).

Vegetation konnten wir nirgends entdecken.

[Illustration: _¡Fig. 7.¡_]

[Illustration: _¡Fig. 8.¡_]

[Illustration: _¡Fig. 9.¡_]

[Illustration: _¡Fig. 10.¡_]

[Illustration: _¡Fig. 11.¡_]

[Illustration: _¡Fig. 12.¡_]

[Illustration: _¡Fig. 13.¡_]

[Illustration: _¡Fig. 14.¡_]

[Illustration: _¡Fig. 15.¡_]

[Illustration: _¡Fig. 16.¡_]

* * * * *

Am Nordende dieser größern lagen vier kleinere Inseln. Eine »High

Island« direkt in Norden und drei neben einander »Aboo Eyle Islands«

(auf der oben genannten Karte) in Nord-Ost derselben. -- Diesen letztern

kamen wir um 7-1/2 Uhr so nahe vorbei, daß wir einen Stein darauf hätten

werfen können. Es waren kolossale Felsen, die ohne eine Spur von Strand,

mit mauerartigen Wänden, ~senkrecht~ aus dem Meere emporstiegen und sich

oben in eine quer-abgestutzte Plattform endigten. Sie waren vollkommen

kahl. Ihre Farbe war, abweichend von allen zeither gesehenen Bergen und

Inseln, ein gelbliches ~Weiß~, das besonders auf ihrem Scheitel

vorherrschte und sich von da an den Wänden herabzog, wo es mit einem

hellen, gelblich-röthlichen ~Braun~ melirt war. Hier und da ging das

Weiß in eine dunkle Schattirung über, etwa so, als wenn es angeraucht

und von Kohlendampf geschwärzt worden wäre. -- So gewährten diese

Felsen, die wie Thürme, wie alte Schlösser da im Wasser standen, mit der

weißen Farbe ihrer obern Gegenden, besonders ihrer Scheitelflächen,

einen sonderbaren Anblick, boten uns aber auch zu gleicher Zeit die

Erklärung ihrer bleichen Schminke an. Denn, auf dem Weiß der Felsen

malten sich die Gestalten von einer großen Menge schwarzer Seevögel ab,

die nur auf der untern Fläche der Flügel, dem Bauche und dem Schnabel

weiß gefärbt waren und die das Gestein, worauf sie nisteten, ohne

Zweifel durch ihren Koth so weiß übertüncht hatten. Hunderttausende

dieser Vögel saßen auf den Inseln oder flogen um sie herum und ungeheure

Schwärme derselben umflatterten auch unser Schiff, das, schnell dahin

brausend, seine Rauchsäule an den Felswänden streifen ließ. --

Seit dieser Zeit, 7-1/2 Uhr, sahen wir bis in den Nachmittag kein Land

und fuhren durch einen Theil des rothen Meeres, wo im Bereiche unsres

Gesichtskreises keine Inseln lagen.

Erst um 3 Uhr erschienen vorn, vor unserm Schiff, in der Ferne wieder

Gestalten von Land, die aus dem Meere auftauchten und diese Gestalten

waren von der Art, daß sie meine Aufmerksamkeit in hohem Maße erweckten.

Es waren inselförmige Vulkane, deren Anblick mir um so willkommner war,

je sehnlicher ich wünschte, auch einige Vulkane in andern Weltgegenden

kennen zu lernen, nachdem ich deren auf der Insel Java so viele

untersucht hatte.

Ich legte daher Bleistift und Papier zurecht, um beim Näherkommen sie

alle abzeichnen zu können. Die Profilzeichnungen, die ich davon

entwarf, theile ich dem Leser mit und glaube dies mit der Versicherung

thun zu können, daß ungeachtet des beweglichen Standpunktes, auf dem

Schiffe, von wo aus sie genommen werden mußten, diese Profile, mit

einiger Übung, ~schnell~, -- ehe die Berge dem vorbeieilenden Schiffe

wieder eine andre Seite zukehren und dadurch ihre Form verändern

konnten, -- gemacht, in ihren Umrissen getreu und genau sind. Wir

fuhren mit nord-nord-westlichem Cours an ihrer Ostseite vorbei, die

Inseln also blieben zu unsrer Linken liegen. Das erste Profil, Fig. 8,

wurde um 3-1/2 Uhr gezeichnet, als der Kegel Nr. 1 west-süd-westwärts

von uns lag und die übrigen Kegel und Felsinseln Nr. 2 bis Nr. 10,

West bis Nord-West von unserm Schiffe, die Lage und den Abstand von

einander hatten, welche ich auf der Figur dargestellt habe. Man sieht

daher von Nr. 1 die Ost-Nord-Ost- und von den folgenden die Ost-,

Ost-Süd-Ost- und Süd-Ostseiten. -- Wahrscheinlich ist Nr. 1 eine

kleine, abgesonderte Insel auf der Süd-Westseite der größern

Sebair-Inseln, -- Zebayer Islands, (¿z-b-r¿) auf ~Moresby's~

Karte, -- welcher letztern die Kegel 2, 3 u. 4 angehören. Den Namen

von 5 konnte ich nicht erfahren. Nr. 6, 7, 8 und 9 aber sind ohne

Zweifel die Gruppe von Inseln, welche auf der genannten Karte unter

den Namen Low-, Saddle-, Table- und Rugged-Insel verzeichnet stehn,

und der Table-peak ist wahrscheinlich unser 8, -- Rugged-Island unser

9 -- Haycock-Island unser 10. -- Sie liegen unter 15° 1' bis 15° 10'

nördl. Breite, der arabischen Küste viel näher, als der

egyptischen. -- Diejenigen Leser, welche in vulkanischen Ländern nicht

unbekannt sind, werden hier auf den ersten Blick erkennen, daß die

kleinen Kegel, welche man auf Fig. 8 erblickt und wovon einige

isolirte Inseln für sich selbst bilden, während andre sich zu zwei

oder drei in eine gemeinschaftliche Insel zusammenschaaren, daß diese

Kegel ~echte Vulkane~, wenn auch zum Theil nur die aus dem Meere

hervorragenden obersten Spitzen oder Kraterränder von größern, unter

dem Wasser verborgenen, vulkanischen Kegeln sind.

Sie unterscheiden sich von den Vulkanen Java's durch die

~schnurgeraden~, wie mit einem Lineale hingezogenen Linien ihrer Umrisse

(die Linien, welche das Profil ihrer körperlichen Gestalt

ausdrücken), -- durch die ~scharfen~ Ecken, worin diese Linien, z. B.

die Linie des abgestutzten Gipfels und die Seitenlinien zusammenlaufen

und durch die ~glatte~ Beschaffenheit ihrer Gehänge, an denen sich von

der Hälfte ihrer Höhe an nur ganz kleine, feine Furchen herabziehn,

während die Gipfel vollkommen glatt sind. -- Eigenthümlich ist die

schiefe Gipfellinie von Nr. 1 und Nr. 10 auf Fig. 8 und von Nr. 9 auf

Fig. 10, die man dennoch durch den geringen Grad ihrer Neigung deutlich

vom eigentlichen ~Gehänge~, das unter einem größern Winkel fällt,

unterscheiden kann, -- und eigenthümlich geformt ist auch der ~Fuß~

dieser Kegel. Denn nachdem sich das Gehänge derselben anfangs mäßig

steil und ~gleichmäßig~ bis nahe an's Meer herabzog, so endigt es sich

in einer gewissen, doch nicht bedeutenden Höhe über dem Meeresspiegel

plötzlich und stürzt sich von diesem Punkte an, indem es glatte Mauern

bildet, ~völlig senkrecht~ hinab. Nirgends sieht man an den

Seitengehängen der Kegel hervortretende Rippen, noch Zwischenklüfte

(sogenannte Baranko's) zwischen solchen Rippen. In dieser

Regelmäßigkeit, ich möchte sagen, geometrischen Schärfe oder

Bestimmtheit ihrer Form, die das Resultat ist von ~allein~ herrschenden

und hier nicht, wie auf Java, durch die Wirkung von Regenwasser

gestörten vulkanischen Kräften, bieten sie einen höchst

merkwürdigen -- scharfeckigen -- Anblick dar, der durch die gänzliche

Abwesenheit von Pflanzenwuchs noch bizarrer wird. Sie machen uns mit der

reinen, ~nackten~ Form vulkanischer Ausbruchskegel bekannt, so wie sich

diese durch Überströmen von Lava oder Überschütten mit Sand, von einem

Mittelpunkt aus, gestalten müssen, da, wo die ausspülende, furchende und

mannichfach umgestaltende Kraft des Regenwassers fehlt. -- Im Kolorit

unterscheiden sie sich nicht von den früher gesehenen Bergen Arabien's,

sie sind, wie diese, umbragrau, öde und kahl. -- Es ist offenbar, daß

die queren oder schiefen Gipfellinien der Kegel Nr. 1, 2 und 3 die

Ränder von eben so vielen Kratern sind, welche dahinter liegen und noch

augenscheinlicher ist dies bei Nr. 5 der Fall.

Um 3-3/4 Uhr kamen wir bei einer ganz kleinen und platten Felsinsel

vorbei, deren Oberfläche kaum zwei Fuß über dem Wasser lag, so daß ich

sie anfangs für ein schwimmendes Floß hielt. Des Nachts hätten wir sie

unmöglich sehen können.

Um 4-1/4 Uhr waren wir, indem wir nord-nord-westwärts dahin dampften,

den Inseln Nr. 6, 7 und 8 näher gekommen, die in Fig. 8 um 3-1/2 Uhr

abgebildet wurden, welche wir nun aber in einer veränderten Richtung,

nämlich so erblickten, wie ich sie in Fig. 9 dargestellt habe; -- und

noch etwas später, um 4-1/2 Uhr, erblickten wir die Insel Nr. 9, die

viel weiter entfernt lag, als 7 und 8, so wie sie in Fig. 10 abgebildet

ist. Die Sonne stand hinter den Inseln, deren von uns gesehene Ostseite

also sehr dunkel war und sich scharf am Himmel abzeichnete.

Diese drei so sonderbar gestalteten, fast rhombischen Felsinseln 7, 8

und 9, die unzugänglich-steil, wie Mauern aus dem Meere emportauchen,

haben eine solche gegenseitige Stellung, daß, wenn man sie durch Linien

verbindet, ein Dreieck entsteht und Nr. 8, der Table-peak, am weitesten

nach Osten, in der Ostecke des Dreiecks, liegt. -- Nr. 9,

»Rugged-Island« nebst den übrigen, liegen westlicher. Diejenigen ihrer

Seiten, welche von der Mitte dieses Dreiecks abgewendet sind, ihre

Außengehänge, fallen etwas sanfter, ihre innern, der Mitte des Dreiecks

zugekehrten Seiten aber stürzen sich mauerartig steil, fast ganz

senkrecht in's Meer hinab und bilden mehr oder weniger halbkreisförmige

(concave) Wände, die einander entgegenblicken (vergl. die innere Wand ×

von Nr. 7 auf Fig. 9). Sie scheinen also die höchsten, aus dem Meere

hervorragenden Zacken der Kratermauer eines großen Vulkan's zu sein. Der

innere Meeresraum, der zwischen ihnen bleibt, mag vier oder fünf

englische Meilen im Durchmesser haben, während der Abstand der drei

Bruchstücke (Inseln) von einander von ungleicher Länge ist, doch von Nr.

7 und von Nr. 8 bis zu Nr. 9 nicht weniger, als zwei bis drei englische

Meilen betragen kann.

Ich glaubte in diesen drei Felsinseln einen sehr ausgebreiteten, noch

halb unter dem Meere verborgen liegenden, zur Zeit nicht thätigen

Ausbruchskrater zu erkennen, eine ähnliche Erscheinung, wie die Insel

Santorin im griechischen Archipel, obgleich diese als »Erhebungskrater«

beschrieben wird. Nachher kamen wir noch mehren Felsen vorbei, -- ganz

kleinen Bergspitzen, die aus dem Meere ragten, -- bis die fallende Nacht

ihren Vorhang vor der Schaubühne des heutigen Tages fallen ließ.

Nur ~ein~ Gegenstand machte sich auch im Dunkel der Nacht bemerkbar und

malte sich schwarz auf dem heitern Sternenhimmel ab, nämlich die

Rauchsäule eines ~dampfenden~ Vulkans! -- der zu unsrer Rechten liegen

blieb. Es war der schon den Alten bekannte Dschebel ~Tair~[31] (die

_insula exusta_ des Periplus vom rothen Meere), aus dessen Krater der

Pascha von Egypten seinen Bedarf von Schwefel holen läßt. Alle die

vorigen vulkanischen Kegel, die wir im rothen Meere gesehen hatten,

schienen erloschen zu sein, wenigstens ~zur Zeit~ nicht zu dampfen,

obgleich die Schiffsoffiziere behaupteten, auf frühern Reisen aus einem

von ~ihnen~ hervorwirbelnde Dampfsäulen bemerkt zu haben. Auf jeden Fall

beweist das Vorkommen dieser Kegel, welche in Gruppen, mehr oder weniger

reihenförmig dem Busen des rothen Meeres, d. i. der tiefen Erdspalte,

welche von diesem ausgefüllt wird, entsteigen, den großen Antheil, den

in einer neuern geologischen Zeit vulkanische Kräfte an der Bildung und

Umbildung der angränzenden Länder, von Aden an über den Sinai hinaus bis

zum todten Meere, genommen haben.[32]

Der Vulkan Tair, in der Nacht vom 6ten zum 7ten October, war die letzte

Insel, die wir im rothen Meere sahen.

Vom Morgen des 7ten October an bis zum Abend des 10ten, also vier volle

Tage lang, erblickten wir auf unsrer Fahrt durch den Golf in seiner

Längenausdehnung nach Nord-Nord-West zu kein Land, keine Küste, keine

Insel mehr. Wir sahen Nichts, wie einen heitern Himmel, eine

spiegelglatte See und standen eine drückende Hitze aus, die nur selten

durch ein schwaches Windchen etwas gemäßigt wurde. Kein Fisch, viel

weniger ein Seekameel (Naqua el Bahr[33]), ließ sich sehen, um uns

einige Abwechselung zu verschaffen und vergebens blickten wir während

dieser langen Fahrt von der Verschanzung unsres Schiffes herab wohl zu

hundert Malen nach allen Seiten hin auf's Meer, in der Hoffnung,

irgendwo eine Spur von der rothen Alge zu entdecken, welcher der

arabische Meerbusen wahrscheinlich seinen Namen, »~rothes Meer~«, zu

verdanken hat. Doch wir sahen nur immer ~bläuliches~ Wasser.

Während dieser Golf in der Bibel nur unter dem Namen Bahr Suph

(algenreiches Meer) vorkommt, so hieß er bei den Griechen und Römern

bekanntlich schon seit ~Herodot's~ Zeiten _mare erythraeum_, unter

welchem Namen gewöhnlich auch die Theile des indischen Meeres mit

inbegriffen wurden, welche die Südküste von Arabien bespülen, ohne daß

man den eigentlichen Ursprung dieser Benennung kannte. Denn erst

Ehrenberg[34] beobachtete im December 1823, als er sich am Süd-West-Fuße

des Sinai in der kleinen Bai von Tor befand, eine Erscheinung, die im

Stande war, über jenen Namen und die Berechtigung des Meeres zum Tragen

dieses Namens, ein helles Licht zu verbreiten. Er sah nämlich den

Meerbusen auf beträchtliche Strecken weit ~roth~ oder röthlich gefärbt

und fand durch angestellte Untersuchung, daß diese Färbung des Wassers

verursacht wurde durch eine mit dem bloßen Auge kaum unterscheidbare und

auf der weißen Leinwand, durch welche das Wasser geseihet wurde, nur in

Gestalt des feinsten Pulvers oder der dünnsten Härchen hängenbleibenden

~Alge~, die in Millionen und abermal Millionenzahl anwesend sein mußte,

da sie als ein so kleiner Körper so ausgedehnte Stellen des Meeres roth

zu färben vermochte. Es war eine Oscillatorie (gegliederte Fäden, zu

einzelnen Bündeln zusammengruppirt), die er deßhalb _Trichodesmium

erythraeum_ nannte (a. a. O.). -- Zum zweiten Male wurde, nach der

Mittheilung von M. C. ~Montagne~[35], die Erscheinung, und zwar in einem

noch viel ausgezeichnetern Grade, beobachtet von M. ~Evenor Dupont~, als

dieser im Juli 1843 auf einem _Landmail-steamer_ von Bab el Mandeb nach

Suez reiste. Er brachte den färbenden Gegenstand, die Oscillatorie, mit,

so wie sie auf einem weißen Taschentuche kleben geblieben war, nachdem

er das Meerwasser hindurchgeseihet hatte, so daß sich ~Montagne~ durch

Untersuchung von der Identität derselben mit _Trichodesmium erythraeum

¡Ehrenb.¡_ überzeugen konnte. Es war ebenfalls im nördlichen Theile des

arabischen Meerbusens, dem Golf von Suez, wo ~Dupont~ die Erscheinung

beobachtete, und hier sah er das Meer in einer räumlichen Ausdehnung,

die nach seiner Berechnung 85-1/4 Lieues oder 256 engl. Meilen betrug,

nämlich 32 Stunden, also mehr als einen ganzen Tag lang, während der

schnell fortgesetzten Fahrt des Dampfschiffes, ~ununterbrochen

rothgefärbt~. -- Wir, auf unsrer Fahrt, sahen uns vergebens nach einer

ähnlichen Erscheinung um; es ist aber wahrscheinlich, daß sie seit den

ältesten Zeiten ~zuweilen~ beobachtet worden ist und die Veranlassung zu

dem Namen «_mare erythraeum_» (rothes Meer) gegeben hat.

* * * * *

Erst am 10ten October, um 6 Uhr des Abends, als wir bereits dem immer

schmäler zulaufenden nord-westlichen Ende des rothen Meeres, der Bucht von

Suez, nahe gekommen waren und der Wind etwas frischer aus Nord-West zu

wehen anfing, bekamen wir, auf unsrer linken Seite, wieder Land zu Gesicht,

nämlich Gebirgsketten von Oberegypten, die sich in blauer Ferne hinzogen

und einen eben solchen, eingerissenen, zackig-gezähnten Kamm hatten, wie

alle Bergketten, die wir vorher in Arabien gesehen hatten. Die Sonne war so

eben hinter diesen Ketten untergegangen; vor den Bergen zog sich der

stahlblaue, glänzende Spiegel des Meeres hin, -- dann kam, in der Aussicht,

die wir hatten, aufwärts ein bräunlich-heller Dunst, welcher den Fuß und

die untere Hälfte der Bergketten umnebelte, und dieser hellere Dunst ging

über in ein Bergblau, das nach dem ausgezackten Saume der Ketten zu immer

dunkler und deutlicher wurde. Wie mit dunkelblauer Farbe auf Goldpapier

gemalt, zogen sich die Zacken und Nadeln dieses Bergkammes in einer langen

Reihe am Horizonte hin. Denn hinter dem Bergsaume lag ein wunderschönes

Abendroth, das von kleinen goldnen und und feuerfarbnen Wölkchen

durchflammt und durchflickert war, und dieses Abendroth floß nach oben zu

in den hell blauen Schmelz des reinsten Äthers über. -- Der Farbentöne in

diesem Gemälde waren nur wenige, aber der Glanz und die Reinheit der

Farben war prachtvoll, -- vielleicht der trocknen Luft und Landschaft

eigenthümlich, -- egyptisch.

Rückreise von Java nach Europa mit der sogenannten englischen Überlandpost im September und October 1848 · 第 8 / 14 段