Ihre so ungemein zerrissene, zackig-zerstückelte Beschaffenheit hat die

Halbinsel wahrscheinlich erhalten durch die Wirkung der Meeresfluthen,

so lange sie noch unter dem Meere lag, aus dem sie ~allmählig~, in

häufig wiederholten absatzweisen Hebungen emporstieg. Dadurch mußten die

Conglomeratbildungen, die zwischen den senkrechten Gesteingängen lagen,

da wo sie nicht von plattenförmig ausgebreiteten Lavamassen bedeckt und

dadurch vor den Wogen geschützt waren, besonders leicht zerstört werden

und dadurch wurde vielleicht die große Tiefe der Schluchten und die

schroff hervorragende Leistenform der Berge zwischen ihnen bedingt oder

vermehrt. In den Gegenden der Halbinsel, wo der innere Bau des Landes

aus der vorhin bezeichneten bankförmigen (platten oder gebogenen)

Absonderung besteht, was besonders im äußern Umfange der Insel der Fall

ist, da ist die äußere Form der Berge flach oder wulstig, man sieht

gleichmäßigere und sanfter gesenkte Gehänge. Auf dem verflachten

Scheitel eines solchen Bergwulstes im west-nord-westlichsten Ende der

Halbinsel haben die Briten ein kleines Fort erbaut, das dem Eingange in

die Back-Bai, den es beherrscht, gegenüber liegt. Man kann dieses Fort

auf einem bequemen, neu angelegten Wege besuchen, der vom Hotel, dem

Landungsplatze aus, in entgegengesetzter Richtung, als jener zur Stadt

führende, nämlich nach West leitet. Er läuft hart am Fuße der Berge

zwischen diesem und dem Meere hin und schmiegt sich allen Unebenheiten

der Küste an, die bald in Zacken hervorragt, bald in kleinen sandigen

Buchten einspringt. Nach einer halbstündigen Erstreckung vom Hotel

steigt er, um das Fort zu erreichen, hinan am Berggehänge, auf welchem

sich die englischen Offiziere aus Holz, Bambus, Schilf und

Dattelpalmblättern mehre luftige Wohnungen erbaut haben. Selbst kleine

Gärtchen für Blumen und Gemüse haben sie versucht, in der Umgebung ihrer

Schilfhäuser anzulegen und haben die fruchtbare Erde, die dazu nöthig

war, Tagereisen weit aus entfernten Gegenden Arabiens kommen lassen.

Denn der steinige Boden ist auf der ganzen Halbinsel überall so

vollkommen nackt, daß man nirgends die Spur einer Verwitterungskruste

findet und nicht einmal den Thallus einer Flechte auf den Felsen

antrifft. -- Doch habe ich auf meinen Ausflügen eine Anzahl kleiner

Sträucher und Halbsträucher gefunden, für deren besondere Organisation

dieser Boden gedeihlich scheint und die wild in losem Sande oder in

Felsspalten wuchsen. Sie waren nicht höher wie 1/2-2, höchstens 3 Fuß

hoch und bestanden aus 6 verschiedenen Arten, worunter ich eine

stachelige _Acacia_, -- eine halbstrauchartige _Reseda_, -- _Capparis

spinosa_, -- und eine _Euphorbia_ erkannte.

In den Bergschluchten sollen sich viele Füchse von grauer Farbe und

selbst einzelne Hyänen aufhalten. Ich habe von thierischen Bewohnern

außer einem Raubvogel (_Falco pondicerianus_) nur Ratten und zahme Esel

gesehen.

Es schien mir nicht unwichtig, einige Beweisstücke über das vom

geologischen Baue Aden's Mitgetheilte zu besitzen. Zu diesem Behufe

schlug ich von den verschiedenen Felsarten Stücke ab, von denen ich

jedoch nur eine Anzahl der am meisten bezeichnenden, vorherrschenden und

auch von diesen nur ~kleine~ Exemplare habe mitbringen können.[25] Diese

habe ich unter den folgenden Bezeichnungen und Nummern im

naturhistorischen Museum zu Leyden deponirt.

~Aden Nr. 1~. Ein porphyrartiges Gestein. Eine gleichförmige

Felsitgrundmasse, die nur dem bewaffneten Auge sehr feinkörnig

erscheint, eben von Bruch, blaß-röthlich von Farbe, enthält vereinzelte,

matte, wenig glänzende Feldspathkrystalle, die dem bloßen Auge wie

unregelmäßige, eine Linie große weiße Flecke erscheinen, nebst vielen,

kleinen, durch die ganze Gesteinmasse zerstreuten Magneteisentheilchen,

die aber nur zum Theil mit der Loupe in Gestalt sehr kleiner Körnchen,

auch kleiner Adern sichtbar sind. In noch kleinern, kaum mit der Loupe

sichtbaren Theilchen kommt Eisenkies darin vor. Die ganze Gesteinmasse

funkt zum Theil am Stahl. -- Von einem der senkrechten Gesteingänge, im

nord-östlichen Theile der Insel, unweit vom befestigten Thore auf dem

Rande des Kesselthals. -- ~Aden Nr. 2~. Eine braunrothe Lava-Art. Eine

dem bloßen Auge gleichförmige, nur unter der Loupe feinkörnige

Grundmasse enthält vereinzelte glasige Feldspathkrystalle und ist von

vielen engen Blasenräumen durchzogen, aber fest und compakt, weil die

Gesteinmasse zwischen den Poren viel dichter ist, als diese weit

sind. -- Von Rippen des Schamshan. -- ~Aden Nr. 3.~ Graues, im Bruche

blättrig-splittriges, gleichförmiges, dichtes, mehr phonolith- als

trachytartiges Felsitgestein, hier und da mit einem vereinzelten

Ryakolithkrystall, oft in Platten brechend. -- Dieses, so wie alle

Gesteine Aden's sind sehr unscheinbar. -- ~Aden Nr. 4.~ Dem vorigen

gleichendes, nur noch dichteres, schwärzliches, basaltisches Gestein; in

plattenförmige Stücke brechend, und auf den Absonderungsflächen mit

dünnen Lagen von dichtem schwefelsaurem Kalk (Gyps) überzogen. Diese

letztere Substanz ist nebst kohlensaurem Kalk für Aden sehr bezeichnend

und kommt nicht nur in dieser, sondern in ~allen~ Felsarten der

Halbinsel in Menge vor. Beinahe alle diese Felsen sind nämlich von

vielen, meist sehr gedrängten, feinen, dem bloßen Auge oft gar nicht

sichtbaren Rissen (Absonderungsspalten) durchzogen, und diese Risse sind

mit papierdünnen oder höchstens eine Viertellinie dicken Schichten

theils von kohlensaurem, meistens aber von schwefelsaurem Kalk erfüllt,

der sich in Gestalt dünner Blättchen leicht vom Gestein ablösen läßt. In

Folge von diesen (zum Theil mit Kalk ausgefüllten) vielen Rissen

schilfern die Felsen außerordentlich leicht ab, es lösen sich Theile von

ihrer Oberfläche und die Schutthalden am Fuße der Felswände werden

größer. -- ~Aden Nr. 5.~ Poröse Lava, die ihrer Structur nach der Nr. 2

vollkommen gleich, nur grau von Farbe ist. -- ~Aden Nr. 6.~ Schwarze,

von sehr kleinen, zahlreichen Blasenräumen durchzogene, ganz poröse,

aber harte, feste und schwere Lava. -- ~Aden Nr. 7.~ Dergleichen mit

viel größern Blasenräumen durchzogene Lava. -- ~Aden Nr. 8.~ Dergleichen

Lava mit sehr großen, weniger gedrängten, nach ~einer~ horizontalen

Richtung verlängerten Blasenräumen. -- Nr. 6, 7 und 8 gehen durch

Zwischenformen in einander über und bestehn aus einem und demselben,

gleichförmigen, basaltischen Lavateige, in welchem auch das bewaffnete

Auge fast keine Bestandtheile zu erkennen vermag. -- Im nord-westlichen

Theile der Insel, am Ufer der Back-Bai. -- ~Aden Nr. 9.~ Hellgraue, fast

weißliche, mit Alaun durchdrungene, unter der Loupe körnige

Feldspathmasse, mit vielen kleinen, unregelmäßigen, zersetzten

Hornblendekörnern, ohne Magneteisen. Es ist ein bröckliges, fast

sandsteinartiges, innig mit Alaun durchdrungenes, von Gewicht schweres

Agglomerat von Feldspath- und zersetzten Hornblendekrystallen. -- ~Aden

Nr. 10~, _a_ und _b_. Mehr oder weniger gebleichte Feldspathlaven, die

wahrscheinlich lange Zeit der Einwirkung saurer Dämpfe bloßgestellt

waren. _a._ Mit sehr vielen kleinen Krystallen von Magneteisen; viele

von diesen sind sehr klein, nur unter der Loupe sichtbar und bilden hier

und da auf den Absonderungsflächen ganze Anflüge, die dem bloßen Auge

nur als schwarze, pulverige Flecke erscheinen. -- Dieses Gestein giebt

sich zu erkennen als identisch mit Nr. 1, nur in etwas verändertem,

gebleichtem Zustande. -- Schwefelbeschlag ist selten. _b._ Ohne

Magneteisen; aus Feldspath und Quarzkörnern mit veränderter zersetzter

Hornblende bestehend, innig und stark mit Alaun durchdrungen,

ungleichförmig, körnig, gesprickelt, oft gestreift. Schwefelbeschlag

hier und da. -- ~Aden Nr. 11.~ Rothbraune, gleichförmige, dichte

Felsitgrundmasse, hier und da mit einem Schwefelanflug und auf den

Absonderungsflächen des zerspaltenen Gesteins mit dünnen,

lamellenartigen, leicht abschilfernden Überzügen von kohlensaurem Kalk.

An einigen Stellen befindet sich in dieser Felsart eine 1/2--2 Linie

dicke Schicht von Thoneisenstein, die sich als eine gerade

hindurchlaufende schwarze Ader darstellt. -- ~Aden Nr. 12.~ Eine tuff-

und brezzienartige Lava. Sie besteht aus dünnen, lamellenartigen,

parallelen, horizontal hingezogenen, oft auch wellenförmig gebogenen

~Streifen~ einer feinkörnigen, schwärzlich-grauen Lava, die von einander

getrennt sind durch eine Zwischensubstanz von weniger hartem, heller

gefärbtem, gelblich-grauem Tuff, -- und erscheint dadurch in

horizontaler Richtung abwechselnd hell und dunkel gestreift. -- War

diese merkwürdige Lava ein vulkanischer, glühender Schlammstrom, durch

den sich wirkliche geschmolzene Gesteinmassen hindurchzogen, ergossen

unter sehr starkem Druck? -- In den nord-westlichen Gegenden, am Ufer

der Back-Bai. -- ~Aden Nr. 13.~ Quarz und Chalcedon. Kommt bald an der

Oberfläche in 1/4--1 Zoll dicken Überzügen, oft traubig gestaltet, bald

im Innern der Laven, die Blasenräume und Spalten derselben ausfüllend,

vor. -- ~Aden Nr. 14.~ Gypsspath. (Blättriger schwefelsaurer Kalk.

Marienglas.) Bald die Spalten und Blasenräume der Laven füllend, bald

die Felsmassen in 1/2--2 Zoll dicken Adern durchsetzend. -- Ufer des

nord-westlichen Theiles der Insel an der Back-Bai.

Was die Literatur über Aden betrifft, so sind die Hauptwerke unter den

neuern Schriften nach ~Carl Ritter~ die folgenden: _R. ~Forster~, Short

Topographical Description of the Cape of Aden_; mit einer Karte; (in den

_Proceedings of the Bombay Geogr. Soc. May 1839. 8._) -- _Capt. S. B.

~Haines~_ (welcher damals Gouverneur von Aden war) _Memoir of the South

and East Coasts of Arab._ (im _Journ. of the Lond. Royal Geogr. Soc.

1839. vol. IX_). -- _~Fr. Burr~, Sketch of the Geology of Aden_ (in

_Transact. of the Geolog. Soc. of London, Sec. Ser. vol. VI. P. 2.

London, 1842_). -- _J. P. ~Malcolmson~, Account of Aden_ (im _Journ. of

the Roy. Asiat. Soc. of. Gr. Britain. and Ireland. London, 1845, Nr.

XVI, p. 1_).

Außer den ältern Werken seit der Römer Zeiten und außer mehr

vereinzelten Berichten bei neuern Reisenden, sind es besonders die hier

angegebenen Schriften, aus denen ~Carl Ritter~ geschöpft hat. Seine

Arbeit über Bab el Mandeb, Aden u. s. w. (Erdkunde _XII_, _p._ 664--707)

ist so gründlich und umfassend, daß wenigstens für unsern Zweck kein

erneuertes Studium der Quellen nöthig schien. Auch konnte ich mir nur

die Abhandlung von ~Burr~ und ~Malcolmson~ verschaffen, die ich nachlas.

Es sei mir daher erlaubt, nach diesen beiden Autoren und nach der

allgemeinen Bearbeitung von ~Ritter~ Dasjenige hier einzuschalten, was

ich in der kurzen Zeit eines Tages nicht selbst erfahren oder nicht

selbst beobachten konnte.

Die Stadt Aden (auf der Ostseite der Halbinsel) war schon in den ältesten

Zeiten als ein berühmter Seehafen und Handelstapelplatz bekannt. Sie kommt

unter dem Namen Athana bei ~Plinius~ vor, -- Madoce bei ~Ptolemäus~, und

ist der Hafenort _Arabia felix_ des Periplus. Sie wurde wahrscheinlich

schon bei der ~Salomon~'schen Ophirfahrt besucht 670 vor Chr. und auf der

Periplusfahrt (des ~Pseudo-Arrian~) 330 v. Chr. -- Unter Kaiser

~Constantinus~ in der Mitte des 4ten Jahrhunderts nach Chr. wurde eine

Kirche zu Aden gebaut, und außer den Römern besuchten indische und

chinesische Kaufleute häufig den berühmten Ort. -- ~Edrisi~ erwähnt ihrer

in 1150. Als ~Marco Polo~ in 1293 und ~Ebn Batuta~ in 1328 sich daselbst

befanden, war sie noch der große, berühmte Markt für arabische Pferde und

indische Gewürze. Im J. 1513 war Aden noch sehr blühend und so fest, daß

~Albuquerque~ mit seiner Flotte auf die Eroberung derselben Verzicht

leisten mußte. In 1538 aber wurde Aden von den Türken unter ~Suleiman~ _I._

erobert und von Türken bewohnt und beherrscht bis 1630. -- Theils durch

diese Türkenherrschaft, -- theils durch die veränderte Richtung des

indischen Handels rund um die Südspitze von Afrika, -- theils auch durch

die geringe Civilisation und die Raubsucht der arabischen Stämme, welche

sich in 1705 von ~Jemen~ losrissen und sich unter eignen, unabhängigen

Sultanen in Besitz von Aden setzten, versank das alte Emporium immer mehr

in Ruin; sein Reichthum und Glanz verschwand dermaßen, daß in 1839 die

ganze Halbinsel nur noch 1000 Einwohner hatte, lauter arme Araber, die in

elenden Hütten wohnten.

Die Denkmäler, welche die verschiedenen frühern Bewohner Aden's seit den

Zeiten von ~Constantinus~ im Jahre 350 nach Chr. und noch mehr seit der

Türkenherrschaft von 1538 bis 1630 hinterlassen hatten, fielen immer

mehr in Schutt. Zu diesen Ruinen gehören unter andern eine kolossale

Wasserleitung aus Backsteinen, die über den Isthmus drei Stunden weit

in's Innere von Arabien führt, zu einem nun auch versiegten

Brunnen; -- ferner das Mausoleum des Sheikh ~Idris~, -- große in Fels

gehauene oder gemauerte Wasserbehälter und eine Menge sehr tiefer

Brunnenschächte in den Umgebungen der Stadt, -- Mauern von

Gebäuden, -- Kunststraßen, -- Treppen, -- Grabmäler, Befestigungswerke

u. s. w.

In 1839 unterhandelten die Engländer über die Abtretung der Halbinsel

mit dem damaligen Sultan des ~Abd-Ali~-Stammes, zu dessen Herrschaft sie

gehörte und der sieben Stunden nord-westwärts von Aden in der

Binnenstadt Lahedsch (oder Ladsch) residirte; da dieser Sultan aber die

geschlossenen Contracte treulos brach, so wurde Aden mit Gewalt der

Waffen eingenommen. -- Nicht nur als Station für die Dampfschiffe der

sogenannten Landmail zwischen Indien und Egypten, sondern auch als

Festung, -- als zweites Gibraltar, -- in der Nähe des Eingangs zum

rothen Meere und Hafen und Stapelplatz überhaupt zwischen Indien und

Arabien, dessen Kaffeeausfuhr man hoffen durfte, von Mochha allmählig

hierher zu ziehen, war sein Besitz für die Engländer von Wichtigkeit. --

Seit der Zeit nun hat die Halbinsel eine gänzliche und schnelle

Umgestaltung erlitten, -- kolossale Festungswerke sind gleichsam aus den

Felsen herausgewachsen, -- die Eintausend halbzerlumpten Einwohner sind

schon auf 20,000 gestiegen, worunter 12--13,000 Araber, 3-1/2 Tausend

Truppen und die übrigen fremde Nationen, -- die Brunnen sind wieder

aufgeräumt worden, -- eine Menge Gebäude, Hotel's, Kasernen sind

errichtet, und so hat Aden allerdings die Aussicht, binnen noch einigen

Jahren zu seinem alten Glanze nicht nur wiedergekehrt zu sein, sondern

diesen noch zu übertreffen. Bis jetzt kostet es aber den Engländern

jährlich 90,000 Pfund, ohne etwas aufzubringen.

Erst seit dieser Zeit (1839) ist Aden besonders durch die Arbeiten vom

Capitain Ingenieur R. ~Forster~ und dem Arzte ~Malcolmson~, was seine

topographischen und physikalischen Verhältnisse betrifft, genauer

bekannt geworden. -- Die Stadt liegt unter 12° 46' nördl. Br. und 45°

10' östl. Länge von Greenwich und die höchste Zacke des Schamshan erhebt

sich nach Messungen von ~Haines~ 1666 par. Fuß hoch.

Was das ~Klima~ dieses Landes betrifft, so theilen die genannten

Beobachter das Folgende darüber mit, dem ich einige von mir selbst

gemachte Beobachtungen hinzufügen will.

~Der heiße~ oder Süd-West-Musson herrscht von April bis October. Der

Wind, der sich aber durchgehends des Nachts legt, treibt oft Staubwolken

von den Bergen herab und in diesen steigt die Hitze auf 104° Fahrh. Oft

wehen auch stürmische Nordwinde, die wegen der großen Hitze und den

Staubwolken, die sie anbringen, eine der Hauptplagen für die Bewohner

Aden's sind.

~Der kalt~e oder Nord-Ost-Musson herrscht von October bis März. Während

dieser weht, ist die Luft feucht und die Felswände schwitzen alsdann,

nach ~Malcolmson~, häufig »alkalische Salze« aus. Dies scheint ein

Irrthum zu sein. Ich habe außer Alaun keine Spur von im Wasser

auflöslichen Salzen in Aden finden können, wohl aber sehr häufig

~Kalkerde~, die in dünnen Überzügen auf den Absonderungsflächen, die

meistens nur papierdünnen Risse der Felsen ausfüllend, vorkam. Es war in

den meisten Fällen ~schwefelsaurer Kalk~ (Gyps), zuweilen aber auch

kohlensaurer Kalk, der hier und da, in den Blasenräumen und größern

Spalten der Felsen, auch in reichlichern Massen auftrat.[26]

Doch fallen nur zuweilen in November, Januar und Februar Regenschauer

von kurzer Dauer. Das ganze übrige Jahr hindurch ist die Luft trocken

und der Himmel sehr heiter. In den kalten Monaten beträgt nach

~Malcolmson~ die größte Wärme über Tag und die größte Abkühlung des

Nachts 86 und 64° Fahrh. Während meines Aufenthaltes war in der Bucht,

wo das Hotel steht, die Differenz zwischen Tag- und Nachttemperatur noch

größer und betrug 29 Grade; am 4ten October nämlich des Mittags zwischen

2 und 3 Uhr war die Wärme im Schatten 95 und am 5ten des Morgens kurz

vor Sonnenaufgang 66° Fahrh. -- Diese große Abkühlung des Nachts, die

gewöhnlich, so trocken auch die Luft sein mag, wenn es windstille ist,

starken Thau zur Folge hat, war für das Gefühl empfindlicher, als die

Hitze des Mittags und brachte Frösteln hervor. Auch blieb das

Badewasser, das aus einem gegrabenen Brunnen hinter dem Gebäude

geschöpft wurde und seines bittern Geschmackes wegen, vielleicht weil es

_Sulphas Magnesiae_ aufgelöst enthielt, untrinkbar war, bis in die

Mittagsstunden empfindlich kühl. Daß übrigens die organische

Empfänglichkeit für Wärme (das Gefühl derselben) ein sehr betrügerischer

Thermometer ist, leuchtete mir sehr deutlich zu Aden ein; denn die 95

Grade Luftwärme, die ich hier in dieser trockenen, arabischen Luft

athmete, kamen mir weniger drückend, weniger heiß vor, wie die ~feuchte~

Luft zu Batavia, wenn diese auch nur 84 oder 82° warm ward.

So wie es nur höchst selten regnet, so ist auch kein Bach, keine Pfütze,

kein Tropfen Wasser auf der Oberfläche der Halbinsel zu finden. Nur in

künstlich gegrabenen Brunnen (cylindrischen Brunnenschächten), deren

mittlere Tiefe 40 Fuß beträgt, sammelt sich ein nicht nur trinkbares,

sondern auch vortreffliches Wasser an. Solche, an ihrer obern Öffnung

mit einer niedrigen Mauer umgebene Brunnen findet man im Kesselthale und

dessen Umgebungen 350 an der Zahl. Von diesen sind die meisten ~alte~,

schon in einer frühern Zeit, von frühern Bewohnern Aden's gegrabene

Brunnen, welche von den Briten seit 1839 nur wieder aufgeräumt wurden.

Sie liegen sämmtlich am Fuße der hohen Bergjöche und sind, wie ich

gesehen habe, mehr in Gereibsel-, als in compakten Felsmassen

ausgegraben. Ihren Reichthum an Wasser, der das ganze Jahr hindurch

unveränderlich ist, doch nie über ein gewisses Niveau in den Brunnen

steigt, hält ~Malcolmson~ in einem so trockenen Lande, wie dieses, nur

durch Zufluß in unterirdischen, heberförmigen Gängen aus dem gebirgigen

Innern Arabien's und durch hydrostatischen Druck für erklärbar, auf

gleiche Art, wie die Bildung artesischer Brunnen möglich ist. Ohne die

Anwesenheit dieses Brunnenwassers würde Aden unbewohnbar sein, denn die

gegrabenen Schächte in den Strandgegenden liefern nur Brakwasser.

Ich lasse die Hypothese von Tagereisen weitem, unterirdischem Zufluß

dahin gestellt sein und bemerke nur Folgendes.

Da über Tag die Hitze sehr groß ist, so steigen aus dem Meere, das die

Halbinsel auf allen Seiten umfluthet, viele Dünste auf, da aber die

Abkühlung des Nachts wieder desto stärker ist und oft einen Unterschied

von 30° mit dem Maximum der Tageswärme bildet, so fällt jede Nacht ein

starker Thau, der durch die Gereibselmassen, die einen großen Theil der

Halbinsel bilden und die durch die zerspaltenen Felsen hindurchsickern

und sich in ~der~ Tiefe, in welcher er auf ~un~durchklüftete Felslagen

stößt, zu Wasser anhäufen muß. Dazu kommt noch, daß, nach ~Malcolmson's~

eignem Bericht, die Luft von October bis März, während des

Nord-Ost-Musson's, feucht ist, daß die Berggipfel alsdann oft in Wolken

gehüllt sind, ja, daß es in den Monaten November, Januar und Februar

zuweilen regnet. -- Es entsteht nun die Frage, ob diese atmosphärische

Feuchtigkeit, die in einer Ausdehnung von 1-1/2 Stunden lang und 3/4

Stunden oder mehr breit, auf zum Theil 1660 Fuß hohen Gebirgen

niedergeschlagen wird, allein nicht hinreichend geachtet werden kann, um

jene Brunnen, die in dem tiefsten Innern der Insel, -- dem

Kesselthale -- liegen, mit Wasser zu speisen? -- und ob sich das stets

gleiche Niveau dieser Brunnen nicht sehr natürlich erkläre dadurch, daß

sie, ~oberhalb~ einer undurchdringlichen Felssohle, etwa einer Lavabank

(bis auf welche sie reichen), alle mit einander in Verbindung stehen,

weil sie sich in einem lockern Sand- und Gereibselboden befinden, der

vom Wasser wie ein Sieb durchdringbar ist? --

Was den ~geologischen Bau~ von Aden betrifft, so stimmen über die

Zusammensetzung der Insel aus vulkanischen Gesteinen die Beobachtungen

der englischen Forscher mit den meinigen überein. -- Das Kesselthal

aber, worin die Stadt liegt, wird von ihnen ~ein erloschener Krater~ und

die ganze Halbinsel ~ein ehemaliger, submariner Vulkan~

genannt, -- eine Ansicht, womit ich mich nicht vereinigen kann. Jener

Thalgrund hat allerdings eine Trog- oder Kesselform und die Gehänge, die

ihn umringen, sind an vielen Seiten, besonders auf der Westseite,

wandartig steil; aber 1) bilden die Bergjöche, denen diese Wände

angehören, nach außen zu, auf ihrer vom Kesselthale abgewendeten Seite

eben so steile Wände; 2) andre, vom Thale entfernte Jöche auf Aden sind

eben so steil und mauerartig; 3) nicht nur die benachbarte kleine

Halbinsel Hasan, die dem Eingange der Back-Bai gegenüber liegt, sondern

auch manche Bergjöche auf der Insel Socotora und fast alle Bergketten,

die ich auf den Küsten von Arabien gesehen habe, haben vollkommen

dieselbe schmale, auf ihrem Kamme ausgezackt-zerrissene und an den

Seiten wandartig steile Form, wodurch man sie als plutonisch-vulkanische

Gebilde, die gangförmig aus der Erde stiegen, auf den ersten Blick von

den Flötz- oder geschichteten Gebirgsmassen unterscheiden kann. Jene

bilden aufrecht stehende zackige Kämme, diese liegende Bänke oder

Schollen. Man vergleiche die Figuren 11, 12, 15 und 16 mit 13 und 14,

auf welchen dieser Unterschied in die Augen fällt. 4) Die Inseln des

rothen Meeres, die ganz in der Nähe liegen und die ~bestimmt~ Vulkane

sind, haben eine ganz andere, kegelförmige und geglättete Gestalt. Siehe

Fig. 7, 8, 9 und 10. 5) In andern Welttheilen habe ich freilich keine

Krater gesehen, aber auf Java und Sumatra ein halbes Hundert. So groß

die Verschiedenheit dieser auch ist, man möge nun einige davon als

Erhebungs- oder, wie ich thue, ~alle~ als Ausbruchskrater betrachten, so

stimmen sie doch sämmtlich darin überein, daß die Gesteinschichten, bald

feste Lava, bald lockere Gereibselmassen, aus denen ihre Umgebung

besteht, von allen Seiten her nach einem idealen Mittelpunkte zu

ansteigen und sich dann plötzlich endigen und eben dadurch den Krater,

nämlich die Kreismauer des Kesselthales bilden, das man Krater nennt.

Die abgebrochenen Köpfe erkennt man dann an der Mauer als quere,

parallele, oft treppenartig vorspringende Streifen oder Bänder. Von

einer solchen Bauart habe ich an den Wänden, welche das Kesselthal von

Aden umringen, keine Spur gesehen. Ich sah nur leistenförmige Bergkämme,

Jöche, die, als senkrecht emporgestiegene Gebirgsgänge, von ~beiden~

Seiten steil sind, die sich hier und da gitterartig verzweigen und durch

ihre Aneinanderreihung unter andern ein trogförmiges Thal -- das Thal

von Aden -- umschließen.

Auch hat ~Malcolmson~ wohl nicht daran gedacht, daß seine Hypothese über

den Zufluß des Wassers auf unterirdischen Wegen aus den Tagereisen weit

entfernten Gebirgen Jemen's oder Hadhramaut's, um die Brunnen im

Kesselthale mit Wasser zu versehen, eine Unmöglichkeit sein würde, wenn

der Grund, worauf die Stadt Aden steht, der Kraterboden eines ehemaligen

Vulkans wäre!

Ich erkletterte am 5ten früh, um Abschied von der wüsten Halbinsel zu

nehmen, noch eines ihrer höchsten Jöche. Ich übersah von dort den

größten Theil der Gebirge in ihrer ganzen schauderhaften Wildheit.

Übrigens, so imposant sie sich auch darstellten, so sind sie in der That

doch nur winzig klein in Vergleich mit den Dimensionen der meisten Berge

auf den Sunda-Inseln und es schien mir, daß es der gänzliche Mangel von

höhern Bergen in der Umgegend, nebst der völligen Abwesenheit von Bäumen

(also jeden Maßstabes zur Beurtheilung) war, der ihre Höhe Eindruck

weckend machte. Denn wenn man nur 12 Rasamalabäume[27] von Java an den

steilen Wänden übereinander stellte, so würde der oberste von diesen

schon höher sein, als die höchste Zacke des Schamshan. Ja, so

respectabel die Gebirgsmasse zwischen den beiden Meeresbusen in Ost und

West aussah, so wahr ist es doch, daß man die ganze Halbinsel Aden, mit

Allem, was sie trägt, in manche von den Kratern Java's, z. B. in den

Kratern des Berges Raon oder des T[)e]ngg[)e]r bequem würde

hineinstecken und darin verbergen können, ohne daß auch nur die Spitze

ihres höchsten Gipfels Schamshan daraus hervorragte! -- Hat doch der

Boden des Kraters vom Gunung-T[)e]ngg[)e]r auf Java eine geograph. Meile

im Durchmesser und ist von einer 1000--1700 Fuß hohen Ringmauer

umzogen, -- und ist der des Gunung-Raon doch über 2000 Fuß tief,[28]

während der größte Durchmesser der Halbinsel Aden von Ost-Süd-Ost nach

West-Nord-West nach ~Forster~ nur 1--1-1/2 Stunden beträgt! --

Rückreise von Java nach Europa mit der sogenannten englischen Überlandpost im September und October 1848 · 第 7 / 14 段