ich solche eingerissene Bergform, -- solch' öde Wüstennatur zum ersten
Mal anschaute. -- Alles vegetabilische Leben schien von hier verbannt zu
sein und Nichts war vorhanden, was mich an die reiche Pflanzenwelt von
Java, in deren Wäldern ich so viele Jahre lang geweilt hatte, hätte
erinnern können. Ich befand mich hier in einer Natur, die jener in
~schroffem~ Contraste gegenüber stand. Nur ~ein~ Wesen zeigte sich, das
mich an Java erinnerte, als wenn es mich auf der Reise von dort hierher
begleitet hätte, -- ein thierisches Geschöpf nämlich, -- ein Vogel.
_Falco pondicerianus_ flog, hier wie dort, in Kreisen um das Schiff.
Da der Führer unsres Schiffes bekannt gemacht hatte, daß wir wegen
einiger kleinen wünschenswerthen Reparaturen und des nothwendigen
Einnehmens eines neuen Vorraths von Steinkohlen, nicht vor 8 Uhr des
folgenden Morgens weiter reisen würden, so begab ich mich, um von
diesem Aufenthalte so viel als möglich Nutzen zu ziehen, den 4ten
October früh an's Land, um den heutigen Tag nebst dem folgenden Morgen
zum Durchstreifen der Halbinsel in verschiedenen Richtungen und zu
geologischen Untersuchungen derselben zu benutzen. Weil man überall
natürliche und oft sehr schöne Entblößungen der Felsen findet, so war
der geologische Theil der Untersuchungen leicht, und stand in gar keinem
Verhältniß zu den Schwierigkeiten, die sich der Erforschung vom innern
Bau des Landes auf Java entgegenstellen.
Ich begab mich in dem Kahne eines Somali[22] (eines Abyssiniers aus dem
Arabien südwärts gegenüberliegenden Lande Somali), der schöne
Gesichtszüge, aber dünne Waden hatte, an's nahe Land und wanderte, nur
mit einem tüchtigen geologischen Hammer und einigen Thermometern
bewaffnet, über die schmale Strandfläche hin, dem Hotel zu, das in
geringer Entfernung von der Küste im hintern Theile der Sandfläche lag,
da, wo diese anfängt, sich schon etwas zu erheben, um in die
muldenförmigen Thalgründe zwischen den Bergjöchen emporzusteigen.
Dutzende von arabischen Buben drängten sich zu mir heran und wollten
durchaus nicht erlauben, daß ich zu Fuß ginge, zumal da ein jeder einen
gesattelten Esel am Zaume führte. Sie priesen die guten Eigenschaften
und den ruhigen Gang ihrer Thiere um die Wette und waren so besorgt um
meine Bequemlichkeit, -- obgleich das Hotel kaum 200 Fuß weit von uns
entfernt lag, -- daß ich mich bald zwischen lauter Eseln eingeklemmt sah
und meine Thermometer Gefahr liefen, zu brechen. Erst nachdem ich mit
einem von ihnen (zum Behufe eines Ausflugs in die Insel) für ein Paar
Gulden einen wechselseitigen Contract geschlossen hatte, zogen die
übrigen -- (Esel) ab.
Westwärts vom Hotel, dem Meere zunächst, lehnen sich die großen
Kohlenmagazine dem Fuße der Berge an, nämlich viereckige offene Räume,
in denen die Kohlen hoch auf einander gestapelt sind. Sonst sieht man
hier Nichts von Menschenhand Gemachtes. Ich nahm mein Absteigequartier
im Hotel, das, wenn ich nicht irre, außer dem Speisesaale 30 luftige,
mehr oder weniger geräumige Zimmer enthält. Es ist nur zum Theil aus
Stein erbaut, dem größern Theile nach aus Bambus, Schilf und
Dattelblättern zusammengezimmert und wird von einem Parsen gehalten.
Außer den sehr willkommenen, periodischen Gästen, die mit den
Landmailschiffen kommen und deren Zahl nicht groß ist, wird es noch von
vielen unwillkommenen, stationären Gästen, nämlich Ratten bewohnt. Die
Tafel (für die erstern) war weniger gut besetzt, als dies an Bord der
Fall war, denn da Aden selbst nicht das Geringste producirt, so müssen
alle Lebensmittel theils mit Schiffen, theils auf Kameelen aus fern
gelegenen Gegenden hier angeführt werden. -- Mein erster Ausflug galt
dem von hier entferntesten, östlichsten Theile der Halbinsel, wo sich,
ein Stündchen Wegs von hier, die auf alten Ruinen wieder neu errichtete
Stadt befindet. Da noch viele andere Passagiere vom Schiff dieselbe
Absicht hatten, die Stadt zu besuchen, so waren die vielen Esel, deren
leitende Nebengeister vor dem Hotel ungeduldig auf angenehme Befrachtung
harrten, binnen Kurzem alle besetzt. Wir bedauerten einige schöne, zarte
Damen, die so gütig waren, uns ihre Gesellschaft zu schenken und die
ebenfalls mit diesem langgeöhrten Transportmittel vorlieb nehmen mußten,
dem einzigen nämlich, das man außer seinen eigenen Füßen hier haben
konnte. Die Sättel auf den in Arabien sehr geehrten Thieren waren
ungemein hoch, aber sehr lose angeschnallt und wackelten unerbaulich hin
und her. Sobald unsere Karavane vollständig beritten oder besser gesagt
beeselt war, zogen wir auf der neuen Straße, welche die Engländer auf
dem schmalen Raume zwischen dem Meere und dem Fuße der Berge angelegt
und oft durch hervorragende Felsecken hindurchgehauen haben, dahin und
umschrieben einen weiten Halbkreis rund um den Fuß des Gebirges, erst
nach Nord-Ost, dann nach Ost und endlich nach Süd. -- Ein jeder Esel
hatte einen leitenden Geist oder Maschinist, der, mit einem tüchtigen
Stocke in der Hand, hinter ihm herging. Wenn nun die vierfüßigen
Unterthanen zuweilen etwas schläfrig wurden und »Eile mit Weile« in
Ausübung brachten, so schlugen die zweibeinigen Maschinisten auf's
Locomotiv hinten auf, das dann gewöhnlich einen vertikalen Sprung mit
den Hinterbeinen machte, während es mit den Vorderbeinen plötzlich
stille stund. Die Reiter wippten dann, oder richtiger, ~wurden~ in die
Höhe gewippt, einen halben bis einen Fuß hoch, und wurden dadurch wider
Willen an die Erdbeben erinnert, die ohne Zweifel einmal an diesen
Felsen gerüttelt und geschüttelt und eben dadurch die Gebirge so
zerstückelt hatten, wie sie jetzt sind. Man konnte solchen vertikalen
Stößen um so weniger widerstehen, je unerwarteter sie kamen und die
Folge davon war, daß manche schlechten Reiter herabplumpsten in den Sand
und -- mit Ausnahme der schönen Reiterinnen, die bei diesen Exercitien
»das Unterste zu oberst« jederzeit viele Beweise der zärtlichsten
Theilnahme empfingen, -- von den Übrigen ausgelacht wurden. Manche
blieben, wenn sie durch solche Stöße das Gleichgewicht verloren hatten,
auf der Seite schweben und Andre, die sich an den Sattel hatten fest
halten wollen, der sich aber nach den Gesetzen der Schwere herumdrehte,
kamen unter den Bauch der Esel zu hängen, die dann, durch diese
verkehrte Art zu reiten, außer Fassung gebracht, wie vom Teufel besessen
davon galoppirten. Die Nebengeister der Esel liefen dann, unter einem
lauten Halloh, was sie laufen konnten, hinter drein, das arme Opfer,
das in einer so »schwebenden Pein« hing und das vielleicht schon an das
tragische Schicksal eines ~Mazeppa~ dachte, schrie, was es schreien
konnte und -- die Andern lachten. Doch lief die Pilgerfahrt glücklicher
Weise ohne Halsbrechen und ohne andre Beschwerden, als Hitze, Sand- und
Staubwolken ab.
Erst von da an, wo sich die Straße am Ostfuße eines Joches ganz nach
Süd-Ost und Süd gedreht hat, fängt sie an, am Gebirge hinanzusteigen und
nähert sich immer mehr einer schmalen, tief durch den Kamm eines Joches
hindurchgehauenen Kluft. Die Bergwand, welche sich hier zur Rechten,
nämlich auf der ~West~seite des Weges erhebt und welche in der Richtung
nach Osten in die, hier geschlossene[23] Bai herabschaut, ehe man jene
Kluft erreicht hat, -- zeichnet sich durch eine Menge großer Löcher,
oder ~buchtartiger Höhlungen~ aus, die nicht deutlich in Reihen liegen,
sondern ziemlich regellos an der Wand zerstreut vorkommen. Sie ähneln
den Aushöhlungen, die an manchen Küsten durch die Brandung des Meeres
verursacht werden, liegen aber 1--300 Fuß über dem Niveau des Meeres und
sind vielleicht (?) durch Kunst ausgehauene Cisternen (Tank's), die zu
Wasserbehältern dienten und bestimmt waren, das hier so selten fallende
Regenwasser aufzufangen.
Je höher man steigt und je mehr man sich der angedeuteten Kluft durch
den Bergrand nähert, um so mehr wird man mit Bewunderung erfüllt über
die ungeheuern Festungsbauten, welche die Engländer hier angelegt haben.
Schon diese Befestigungswerke rufen in dem Reisenden die Ahndung hervor,
daß er sich dem ~einzigen~ Zugange zu einer auf allen Seiten von der
Natur durch unübersteigliche Felsjöche befestigten Stadt nähere. Da, wo
diese Felsjöche eine Lücke, die Möglichkeit eines Zugangs ließen, da
sieht man diese Zugänge verstopft durch Bastionen und gewaltige Mauern,
welche daselbst errichtet sind und erblickt solche Mauern in Höhen von
mehren Hundert Fuß an den steilsten Wänden, wie angeklebt, oder auf den
höchsten Bergkämmen, wie aufgewachsen.
Die Kluft, der wir näher treten, ist ein durch die Kunst noch um 25--30
Fuß tiefer gemachter Einschnitt in die Felsen an einer Stelle, wo schon
die Natur eine Kerbe im Kamme eines Joches gebildet hatte. -- Feste
Mauern engen den Weg zu beiden Seiten ein, der zu ihr hinanführt, und
eine gewaltige Batterie, die sich auf der Ost- d. i. linken Seite, wenn
man von außen (von Norden) kommt, auf terrassenförmig höher steigendem
Gemäuer erhebt, vertheidigt den Eingang. Die hindurchgebrochene Kluft
selbst ist zu einem festen, überwölbten Thore umgestaltet, und durch
dieses Thor, -- durch diesen ~einzigen Zugangspaß von der Nordseite her
zur Stadt~, -- muß der erstaunte Reisende hindurchschreiten, wenn er zum
Orte Aden gelangen will, zu einer Stadt, die von Natur schon fester als
Gibraltar ist. Die Flur (oder die Sohle) des Thores mag 400 Fuß hoch
über dem Meere liegen. -- Sobald wir hindurchgeschritten waren, blickten
wir in ein Kesselthal hinab, in dessen Umfange sich fast auf allen
Seiten steile Bergwände herumzogen und beinahe eine Kreislinie bildeten,
wodurch der kleine Thalgrund gewissermaßen vor den Blicken aller Welt
verborgen gehalten wird. -- Sein ziemlich flacher Grund mochte 300 Fuß
tiefer, als der Paß durch den Bergrand, den wir auf der Nordseite des
Kessels überschritten hatten, also etwa 100 Fuß über dem Meere liegen
und eine englische Meile im Durchmesser haben. Nur auf seiner Ostseite,
wo er sich zum Ufer der östlichen (Aden-) Bai hinabsenkt, waren keine
umringenden Berge vorhanden. Dort war der Rand des Thalgrundes wenig,
und theilweis gar nicht erhöht.[24]
Aus diesem Thalgrunde, so recht im Innersten der Gebirge versteckt, die
ihn unzugänglich machen, blickte mit ihren Ruinen, neuen Gebäuden,
Hütten, Krambuden und Kasernen die ~Stadt Aden~ zu uns herauf, die wir
besuchen wollten. -- Wir stiegen auf dem Schlangenpfade der Straße hinab
und wanderten bald zwischen Ruinen von alten, bald zwischen Bruchstücken
von neu aufgerichteten Häusern, bald zwischen Menschen, die beschäftigt
waren, mit Hülfe von Lastthieren Wasser aus tiefen Brunnen zu schöpfen
und Mörtel zu neuen Bauten damit anzumengen und bald zwischen Arbeitern,
die alte Brunnen aufräumten oder neue gruben, dahin und gelangten so in
die Straßen der Stadt, die wir durchschlenderten.
So wie aber die Stadt und der ganze Kessel, in dem sie lag, von oben,
vom Paßthore herabgesehen, wohl einen öden, doch keinen freundlichen
Anblick gewährt hatte, so sah auch ihr Inneres durchaus nicht einladend
aus. Auch hier war nirgends ein grünes Fleckchen zu entdecken, viel
weniger ein Baum, Alles war kahl und wüst, -- man sah nur Sand,
Gebirgsschutt oder nackten Fels. Die Bewohner, deren Anzahl, außer der
Garnison und einigen europäischen und armenischen Kaufleuten, auf 7000
angegeben wurde, bestehn aus Abyssiniern (Somali), Juden, und
hauptsächlich aus Arabern, welche alle drei verschiedene Abtheilungen
der Stadt bewohnen. Die meisten Häuser waren niedrig, nur aus
Bambusrohr, Schilf, aus dem Holze und den Blättern der Dattelpalme
aufgerichtet, auch mit den Blättern dieser Palme, mit Schilf und Matten
gedeckt, und oben platt; nur wenige, worin vorzugsweise Juden wohnten,
waren, doch nur roh, von Stein gebaut. Ich sah nur wenige bessere und
zweistöckige Gebäude, in denen englische, armenische und chinesische
Kaufleute wohnten; die übrigen waren niedrig, unregelmäßig und die
Straßen zwischen ihnen schmutzig. Hier lag Kehricht in Haufen umher,
dort standen getrocknete Fische zu Kauf, hier wurden Kuchen in Öl
gebacken, dort standen Körbe voll Datteln, die zum Theil schon halb in
Gährung übergegangen waren, zur Schau, -- und, außer dem Geruche, den
diese Herrlichkeiten aushauchten, sorgten die Myriaden von Fliegen, die
davon angelockt, in den engen Gassen herumschwirrten, dafür, daß die
Reisenden daselbst nicht länger, als nöthig war, verweilten.
Wir besahen einige von den gegrabenen tiefen Brunnen, die in großer
Anzahl im Umfange des Thalkessels, am Fuße der Berge, besonders auf der
West- und Süd-Westseite liegen, da, wo diese Berge am höchsten sind. Die
meisten waren in Gereibsel- (Conglomerat-) und Tuffmassen, wenige in
compakten Fels ausgegraben und 30--40 Fuß tief. Sie liefern ein
vorzügliches Trinkwasser, das übrigens auch das einzige Wasser ist,
welches die Bewohner der Halbinsel besitzen. Nachdem wir die Stadt
durchkreuzt und einige Erfrischungen zu uns genommen hatten, trennte ich
mich von meinen Begleitern und machte nun Ausflüge zu Fuß in
verschiedenen Richtungen durch die Gebirge, während jene auf ihren Eseln
in's Hotel am Ufer der Back-Bai zurückkehrten. Ich will jedoch die
Beobachtungen, die ich über die topographischen und geologischen
Verhältnisse Aden's auf diesem, so wie auf spätern Zügen machte, welche
ich an diesem Tage durch die östlichen und mittlern, und am folgenden
Morgen vom Hotel aus durch die westlichen Gegenden der Insel unternahm,
in ~ein~ gedrängtes Bild zusammenfassen.
Alle Berge, die ich sah, hatten aus einiger Ferne erblickt, überall
dasselbe schwärzlich-grau-braune (umbrabraune) Kolorit und waren überall
gleich nackt, ohne eine Spur von Verwitterungskrusten, ohne den
geringsten Anflug von Flechten. Sie waren gewöhnlich vom Fuße an, bis
zur Hälfte ihrer Höhe in Schutthalden (Gebirgsschutt, Gereibsel)
verborgen, ja die weniger steilen Gehänge waren bis zu drei Viertel der
Höhe hinan mit Gereibsel überstreuet, so daß nur die obersten Jöche als
~compaktes~, nicht zertrümmertes Gestein hervortraten. Ihrer Gestalt
nach waren es sehr schmale, aber lang hingezogene Ketten oder große
Rippen, die sehr steile, oft mauerartige Seitenwände hatten und sich
oben in einen noch schmälern, meistens ganz scharf zulaufenden,
höckrigen, gekerbten, oder scharf eingerissenen, ja oft auf das
Wunderbarste ausgezackten und spitzgezähnelten Kamm (Firste, Gräte)
endeten. Sie stellten sich dar als auf das Gewaltsamste zerrissen und
zerklüftet und strebten ungemein kühn und zackig-rauh empor. Die Firsten
der meisten sind gewiß unübersteiglich und unbeklimmbar.
Was die Lage und Verbindung dieser Jöche betrifft, so streicht ein
höchstes, centrales Joch, das die Araber ~Dschebel~ (Berg) ~Schamshan~
nennen, von West-Nord-West nach Ost-Süd-Ost durch die Halbinsel und von
diesem Hauptjoche laufen Querzweige oder Seitenrippen, die übrigens eben
so gestaltet und in der ersten Hälfte ihrer Erstreckung nicht viel
weniger hoch sind, nach dem Meere aus, indem sie sich allmählig tiefer
senken. Ihre Anzahl nimmt durch Spaltung, durch das Auftreten neuer
Schluchten zwischen ihnen nach der Meeresküste hin zu, und so entsteht
ein merkwürdiges, auf den ersten Anblick labyrinthisches Gegitter von
schroffen Bergleisten und engen Schluchten zwischen ihnen, von denen die
meisten in ihrem Grunde eben so schmal sind, wie die Bergrippen auf
ihrer Firste. Nur einige von diesen Schluchten haben einen mehr
muldenförmig-gerundeten Grund und breiten sich in ihrer untersten
Gegend zu kleinen Sandflächen aus, die vorn an's Meer gränzen und kleine
sandige Buchten zwischen den Bergrippen bilden. Die größte und fast
kreisförmig gestaltete dieser Buchten ist das Kesselthal, worin die
Stadt Aden liegt, begränzt auf der Süd- und Westseite durch die
auslaufenden Rippen des Dschebel Schamshan und auf der Nordseite durch
ein kleineres Joch, das auch weniger hoch ist, aber mit einer Rippe des
Schamshan auf der Nord-Westseite des Thales ununterbrochen
zusammenhängt. Über die Kerbe, den tiefsten Punkt zwischen beiden führt
der uns bekannte Paß. Auf der Ostseite, der Insel Sira gegenüber, steht
die Bucht offen und senkt sich steil zum Meere herab, auf ihrer
Westseite aber erheben sich die höchsten Zacken des Schamshan, die man
auch von der Back-Bai aus sehen kann (s. × auf Fig. 17). So bilden Jöche
und Nebenjöche (mit Zwischenklüften) die ganze Halbinsel. Viele ragen
mit ihren Enden, die sich steil hinabsenken, oft weit in's Meer hinaus
und bestimmen dadurch die elliptische, in vielen Zacken vorspringende
Form von Aden's Küstensaume. Der größte Durchmesser der Halbinsel von
Ost-Süd-Ost nach West-Nord-West beträgt ohngefähr 1-1/2 Stunden. Die
höchste Spitze des Schamshan soll 1660 Fuß hoch sein.
In einer Richtung, die der Streichungslinie des Hauptjoches von
West-Nord-West nach Ost-Süd-Ost fast entgegengesetzt ist, nämlich in
Nord-Ost, ist die Halbinsel mit dem Festlande von Arabien durch einen
schmalen Isthmus verbunden, der, wie das angränzende Festland selbst,
ganz niedrig, flach, sandig ist und nur aus zertrümmerten Korallen und
Muscheln besteht. Wäre dieser Isthmus nicht, so würde das Gebirge von
Aden eine ~vollkommen isolirte Berginsel~ sein.
Die steilen Abstürze, welche die meisten Rippen seewärts bilden, bieten
dem Geologen schöne Entblößungen an. Ich habe deren besonders auf der
Nord- und Nord-Westseite untersucht. Wegen der Kahlheit und dem Mangel
bedeckender Erdschichten bietet aber auch das Innere der Halbinsel, in
den Thalklüften, an den steilen, mauerartigen Gehängen der Jöche (da, wo
diese in keinen Schuttmassen, Felsbruchstücken verborgen sind) fast
überall eine reiche Gelegenheit dar, die geologische Structur zu
erkennen.
Ich habe keine andern Gesteine, als Lava-Arten, nämlich trachytische,
doleritische, basaltische Gesteine, nebst Trümmerbildungen derselben
Steinart (Conglomerate) und Tuffe gefunden. Die Halbinsel ist also ganz
vulkanisch zusammengesetzt und die Trümmerbildungen, die theils
Gluthbrezzien, theils unter Wasser abgesetzte oder als Schlamm geströmte
Gereibsel- und Tuffbänke sind, nehmen keinen geringen Antheil an dieser
Zusammensetzung. Am massigsten kommt trachytisches Gestein vor in den
mittlern Jöchen der Halbinsel, wo es leistenartig, oben schmäler
werdend, als mächtiges Ganggestein emporragt. Die trachytischen sowohl,
als die basaltischen Laven, welche man findet, sind bald dicht, bald mit
wenigen, aber großen Blasenräumen versehen und diese sind bald leer,
bald mit Kalkspath, Quarz, selbst Gypsspath ausgefüllt und verwandeln
die Felsart alsdann in einen vulkanischen Mandelstein, bald sind sie
ganz bimssteinartig porös. -- Was zu Aden meine Aufmerksamkeit am
meisten auf sich zog, da ich es auf Java zwar häufig in neptunischen
Gebirgen, aber nie in ~vulkanischen~ Bergen gesehen habe, waren
vertikale, bald gerade, bald im Zickzack verlaufende Gesteingänge,
welche durch die übrigen Massen von Nord-Ost nach Süd-West
hindurchsetzten, also fast in einer queren Richtung zur
Hauptstreichungslinie des Schamshan verliefen. Sie bestanden bald aus
trachytischem, porphyrähnlichem Gestein, bald aus Lava von einer mehr
dichten, basaltischen Beschaffenheit und ragten hier und da, gewöhnlich
aus losem Material (Reibungsconglomerat) als gewaltige Felsmauern oder
Kämme hervor; ich bin daher geneigt, zu glauben, daß jene steil
ansteigenden, oben zackig-geendeten Trachytleisten oder Rippen der
Halbinsel auch weiter nichts, als solche, sehr massive, vertikale
Gesteingänge sind. -- Mehr im ~Umfange~ der Halbinsel, also am ~Fuße~
der Rippen, besonders auf der West-Nord-Westseite kommen ähnliche
Steinarten in mehr ausgebreiteter, plattenartiger Form vor, nämlich als
Lavabänke, die parallel über einander liegen und bald gleichmäßig nach
außen, nach dem Meere zu geneigt, übrigens platt, bald gewölbeartig
gebogen sind, in welchem letztern Falle dann ihr vertikaler Durchschnitt
(die senkrechte Wand, die sie an der Küste bilden), ein zwiebelartiges
Ansehn erhält. Die schönsten Entblößungen dieser bankförmig über
einander gelagerten Gesteinmassen sah ich am Ufer der Back-Bai,
besonders auf der Nord-Westseite der Halbinsel, in der Nähe des Eingangs
in die Bai. Hier haben sie eine Mächtigkeit bald nur von 3, bald von 15
Fuß und wechseln sehr oft mit lockern Gereibsel- (Conglomerat-) und
Tuffschichten ab, zum Beweise, daß sie 1) wie die spaltenfallenden Gänge
und Bergleisten selbst, zu verschiedenen Malen und in verschiedenen
Perioden, aber alle in tertiären oder vortertiären, nicht in
historischen Zeiten ~unter dem Meere~ gebildet, theils als submarine
Lavaströme ergossen, theils aus dem Wasser, als Trümmer-, Schlamm- und
Tuffbildungen abgesetzt wurden, 2) daß sie eine ältere geschichtete (in
Bänke gesonderte) Bildung sind, als jene vertikalen, meist trachytischen
Gesteingänge, von denen sie durchbrochen und mit emporgehoben
wurden. -- Die meisten bankförmigen Gesteine, die ich sah, bestanden aus
schwärzlicher, basaltischer Lava.
An manchen Stellen war diese Lava dünnschiefrig, abgesondert, in den
mehrsten Gegenden aber in parallele Unterabtheilungen (Unterbänke)
getheilt; diese waren zuweilen in verschiedenen Richtungen
halbkreisförmig gebogen, -- an manchen Stellen, wo das Gereibsel unter
diesen Bögen fehlte, wo es weggewaschen oder weggekrümelt war, bildeten
sie überhängende Buchten oder Gewölbe, unter denen Grotten übrig
blieben, geräumig genug, um eine Anzahl Menschen zu befassen. An einigen
Stellen liefen die Biegungen der plattenförmigen Abtheilungen dieser
Lava sogar ~ganz kreisförmig zusammen~ und bildeten dann eine
~ausgezeichnet-kuglige, concentrisch-schaalige Absonderung~. An vielen
Stellen war diese Lava in allen möglichen, oft queren Richtungen, sowohl
von dünnen Adern, als auch dickern Massen von ~Gypsspath~ durchzogen;
auch fand ich Gereibselmassen, Steintrümmer, die durch dieses Mineral
hier und da brezzienartig zusammengebacken waren.