rückten, westwärts steuernd, dem Lande allmählig näher und sahen erst an
einigen Stellen und bald überall den weißen Saum der Brandung. Um 7-1/2
Uhr segelten wir einer vorspringenden Ecke vorbei und konnten nun erst
das Land deutlich unterscheiden, das sehr niedrig war und aus
ausgebreiteten (verflachten) Hügelzügen zu bestehen schien, auf deren
Saume man den Umriß der einzelnen Bäume wohl zu unterscheiden vermochte.
Wir waren etwa drei englische Meilen von der Küste entfernt und
bewunderten vor Allem die ausgedehnten Wälder der Kokospalme, die das
Gestade bedeckten.
[Illustration: Fischerboot]
Wir fuhren um 8 Uhr zwischen einer Menge von kleinen Fischerböten
hindurch, die von sehr eigenthümlicher Bauart, nämlich sehr schmal,
dabei aber sehr hoch (der innere Raum sehr tief) waren, so daß die drei
Mann, die sich in einem jeden befanden, mehr als zur Hälfte darin
verborgen blieben, sich aber kaum umdrehen konnten, ohngefähr so, als
wenn sie in einer Straßenrinne (schmalen Wasserleitung) gestanden
hätten. -- So waren alle Kähne der Singalesen gebaut, die wir auf der
Südküste von Ceylon sahen und sie waren nur auf einer Seite mit einem
balancirenden Bambusrohr versehen. -- Um diese Zeit (8 Uhr) befanden wir
uns einem hohen Vorsprunge gegenüber, welcher eine weite Bucht, deren
Ostecke wir um 7-1/2 Uhr gesehen hatten, in Westen begränzte, -- der
oben mit kurzer Waldung bedeckt, plattenartig ausgebreitet war und sich
dann als ein steiles, mauerähnliches Felsgehänge in's Meer herabsenkte.
Die Farbe der Felsen war ein helles, gelbliches Braunroth; sie bestanden
vielleicht aus Sandstein.
Ferner kamen wir auf der Weiterfahrt nach Westen, während uns immer
mehre von den so eben beschriebenen Kähnen begegneten, noch einer Menge
solcher Buchten und vorspringenden Ecken vorbei und befanden uns
demzufolge bald in einer Entfernung von drei, bald von sechs engl.
Meilen von der Küste, die wir, weil der Himmel bewölkt und der Horizont
dunstig war, im Hintergrunde der Buchten nur undeutlich zu unterscheiden
vermochten. -- Von 9-1/2 Uhr an war der nächste sichtbare Theil des
Landes ein niedriger, flacher Küstensaum, der sich einwärts zu
ausgebreiteten Hügeln erhob, ~ein mehr verflachtes, als wellenförmiges
Hügelland~ bildend, das hier und da, wo der Küstensaum fehlte, auch bis
zum Meere selbst vorgeschoben war. Dieses flache Gestade nebst den
Gehängen des angränzenden Hügellandes sahen wir (wie überhaupt schon
seit 7-1/2 Uhr alle andern Theile der Küste) mit ungemein ausgedehnten
Kokoswäldern bedeckt, die ununterbrochen bis Point de Galle gleichsam
nur einen einzigen Palmenwald bildeten, der ganzen Küste entlang, so
weit man sehen konnte.
Wir veränderten unsern Cours um 10-1/2 Uhr, parallel mit der Richtung
der Küste, nach West-Nord-West, bekamen aber erst um 12 Uhr vorn zu
unsrer Rechten die Stadt Point de Galle zu Gesicht, von deren Gebäuden
wir nur einen säulenförmigen Leuchtthurm und die Giebel der Häuser
sahen, so weit sie aus grünem Gebüsch und aus einer Ringmauer, welche
die Stadt umgiebt, emporragten, oder so weit die dunstvollen untern
Schichten der Atmosphäre in zweifelhaftem Schimmerlicht sie zu erkennen
erlaubten. Die Bucht diesseits der Stadt, in welche wir einlaufen
mußten, ist von zwei vorspringenden Felsenecken begränzt, die einander
von West-Nord-West nach Ost-Süd-Ost gegenüber liegen. Auf der
west-nord-westlichen Felsecke steht die Stadt, -- die ost-süd-östliche
Felsecke ist das Ende eines langen, ausgebreiteten Hügelrückens, der
1--200 Fuß hoch sein mag und sich an manchen Stellen, 20--30 Fuß hohe
Wände bildend, felsig-steil in's Meer herabsenkt, in den übrigen
Gegenden aber durch einen hellgelblichen Sandstrand vom Meere getrennt
ist. Nordwärts geht diese ost-süd-östliche Hügelecke in ein ganz
niedriges, flaches Küstenland über, das nicht nur die Bai auf den
übrigen Seiten, sondern auch die Stadt auf der innern Seite umgiebt, so
daß der erhabne Grund, worauf diese liegt, dadurch von allen andern
Hügeln abgeschnitten und in eine isolirte Felsinsel verwandelt wird, die
auf drei Seiten vom Meere und auf der vierten von flachem Alluvialboden
begränzt ist.
Wir wendeten um 12-3/4 Uhr unser Schiff direct nach Norden und fuhren
durch den engen Eingang zwischen zwei Schwimmern, die das von Klippen
freie, schmale Fahrwasser anzeigten, hindurch in die stille, tiefe Bucht
hinein; zur Rechten blieb jenes Felskap, -- zur Linken der Fels mit dem
Leuchtthurm und die Stadt Point de Galle (oder _Punto Galle_), die nun
in voller Klarheit, nahe vor uns lag. Schwärzliche Felsen, vom weißen
Schaume der Brandung bespritzt, starren jäh und rauh aus dem Meere empor
und tragen die Ringmauern der ~festen~ Stadt, über welche, eng
zusammengruppirt, die rothen und weißen Giebel und Zinnen der Häuser
herüberblicken, vermengt mit dem Gebüsch von Fruchtbäumen, deren schönes
Grün sich freundlich auf den starren Fels und das Meer, das ihn
umschäumt, herunter neigt.
Dieser Menschensitz, diese Hauptfestung Süd-Ceylon's unter den
Niederländern seit 1642, -- als wir ihn so erblickten, gleichsam im
Bewußtsein von unbesorgter Sicherheit innerhalb seines Gemäuers,
-- freundlich, grün, auf starrem Fels im Meere und auf drei Seiten von
der Brandung umtobt, gewährte einen äußerst romantischen,
alterthümlichen Anblick und erinnerte mich an manche Stadt in Europa
aus den Zeiten des Mittelalters, die ich seit so langen Jahren nicht
mehr gesehen hatte.
Wir ließen um 1 Uhr, der Stadt ostwärts gegenüber, die Anker fallen und
lagen nun zwischen dieser und dem großen Dampfschiff ~Bentinck~,
demselben, das von Calcutta angekommen war und schon zwei Tage lang auf
unsre Ankunft allhier gewartet hatte. Da dessen Abreise von hier, _via_
Aden, noch vor Eintritt des Abends festgesetzt war, so blieben uns zu
einem Besuche der Stadt nur die wenigen Stunden übrig, welche die
Schiffe nöthig hatten, um die Bagage von Bord der ~Braganza~ herüber an
Bord des ~Bentinck~ zu befördern, was ohne Zuthun der Passagiere
geschah. Rathsam war es aber und dafür wurde es auch von allen
Passagieren gehalten, die ~kleinen~ Stücke der Bagage, die man jederzeit
nöthig hat, beim Übersteigen auf das neue Schiff, was in Kähnen der
Inländer geschieht, die man bezahlt, selbst mit zu nehmen, weil sie
sonst leicht mit in den Schiffsraum, in das allgemeine Magazin der Güter
geworfen werden oder aus dem Haufen der Hunderte von Packeten und Kisten
nicht so leicht wieder herauszufinden sind. Es könnte also wohl
geschehen, daß man darauf warten müßte. Doch verloren geht nicht leicht
ein Stück.
Ich setzte mich also in einen singalesischen Kahn und fuhr -- aber,
halt, das ging so schnell nicht; denn viele Dutzende von solchen größern
und kleinern Kähnen umwimmelten das Schiff und ihre Führer stritten sich
um die Ehre, einen Passagier für 1/2--1 Gulden an's Land zu bringen. Es
war ein ohrbetäubendes Geschrei von Stimmen, die sich mit einander
verwirrten, eben so wie die Kähne, die mit ihren Seitenstangen oder
Segeln in Wirrwarr geriethen und man lief große Gefahr, bei dem
Überspringen von dem einen in den andern ein Bein zu brechen, in's
Wasser zu fallen oder zwischen den Kähnen, die aneinander stießen,
zerquetscht zu werden. Um meine geringe Person stritten sich, so laut,
daß mir die Ohren davon dröhnten, wenigstens fünf Kahnführer, die mein
Malai'sch eben so wenig verstanden, wie ich ihr Singalesisch und ich
achtete mich glücklich, als die Bataille so weit beendigt war, daß ich
aus den Händen von Fünfen endlich in die von ~Einem~ kam, welcher
siegestrunken Besitz von mir nahm und unter herausfordernden Mienen
gegen die Andern, die ihm Verwünschungen nachschrien und
nachgesticulirten, mit mir eiligst der Stadt zuruderte.
Am Ufer angekommen, sahen wir Hunderte von neuen Plagegeistern auf dem
Hafenkopf bereit stehen, um uns Fremdlinge zu empfangen. Es waren
eingeborne (singalesische) und fremde (besonders bengalische) Kaufleute,
meistens arme Lumpen oder Straßenbuben, deren jeder etwas in der Hand
oder in einem Sacke hielt, um es dem Reisenden zu verkaufen oder besser
gesagt, aufzudringen. Daß dies mit einem lauten Concert durch einander
kreischender Stimmen begleitet war, versteht sich von selbst. Sie
drückten dem Reisenden ihre Waaren mit Gewalt in die Hand, -- verlangten
dann ungeheure Preise dafür, z. B. für einen kleinen Bambusköcher 5, für
ein Stück Quarz oder Jaspis, das sie in dem ersten besten Bache
aufgelesen hatten, 10 Gulden, und weigerten sich, wenn der Reisende den
Preis zu hoch fand, hartnäckig, ihre Waare wieder anzunehmen, verfolgten
ihn vielmehr unter lautem Geschrei, Schritt für Schritt. Ich sah
Passagiere, die von 20 dergleichen Schreiern begleitet waren. Ich war so
glücklich, mit einer Eskorte von bloß sechs abzukommen, die mir auf
meiner Rundreise durch die Straßen der Stadt, als getreue Trabanten, auf
dem Fuße folgten und bald von der linken, bald von der rechten Seite,
etwas zu kaufen vorhielten, in welchem Geschäft sie eine
bewundernswürdige Ausdauer an den Tag legten. Ich kaufte ihnen endlich
etwas ab, z. B. Onyxe, fossile Elephantenzähne (von _Elephas
primigenius_), die sie auf der einen Seite geschliffen und polirt
hatten, und hoffte mich dadurch, wenigstens von einem Theile derselben,
zu befreien; aber, -- wie irrte ich mich! Kaum hatten die Andern, welche
durch die Straßen schlenderten, gesehen, daß ich nachgiebig, d. i.
überwindlich war, als sie zu ganzen Truppen herbeiströmten und sich
meine Satellitenschaar dadurch wenigstens um das Zehnfache
vermehrte, -- so daß ich nahe daran war, diese Kaufleute für eine eben
so stabile Plage der Reisenden in den Städten, -- wie die kleinen
Springblutegel[19] in den Wäldern Ceylon's zu halten.
Man schreitet von der Land- d. i. Nordseite her unter hohen, gewölbten
Thoröffnungen durch die alten Backsteinmauern und Wälle der Festung, und
gelangt in's Innere der Stadt, deren Straßen vom höchsten Punkte des
Hügelwulstes, auf welchem sie erbaut ist, sich am stärksten nach Süden,
der See zu, herabsenken. -- Sie enthält keinerlei ausgezeichnete Gebäude
und die mehrsten Häuser sind klein, einstöckig und fast alle von Stein.
Ich habe wenig Leben oder Verkehr, auch keine großen Kaufläden oder
Packhäuser bemerkt und glaubte hieraus schließen zu dürfen, daß Punto
Galle seine alte Größe als Handelsstadt verloren und nur erst seit der
Einrichtung der Landmail, als Station für die Schiffe zwischen Indien
und Arabien, eine erneuerte Wichtigkeit erhalten habe. Die Stadt scheint
zum Theil auf Gneiß von grauer Farbe, zum Theil auf weißem Korallenfels
erbaut, und liegt an der Südküste von Ceylon unter 6° 1' nördl. Breite
und 80° 10' östl. Länge von Greenw.
Interessanter als das Innere der Stadt, war mir der Anblick der flachen
Gegenden der Insel, welche die Stadt nord- und nord-ost-wärts begränzen
und mit einer allerüppigsten (angepflanzten) Vegetation bedeckt
waren. -- Von Hochwaldung sah ich zwar nirgends eine Spur, aber -- das
Gehänge der Hügel und noch mehr das flache Gestade rund um die Bai und
die Stadt waren mit ungeheuern Waldungen der Kokospalme bedeckt, die man
nicht übersehen konnte. -- Welche dichte Zusammengruppirung von
schlanken, säulenförmigen Stämmen, -- welche dunkle Schatten zwischen
den 70--100 Fuß hohen Säulchen, tief unter den rauschenden
Wedeln, -- welche an ~Urwald~ gleichende Wildniß von ~Palmen~, -- welche
Verwirrung von in allen Richtungen durch einander geworfenen,
senkrechten, überhängenden und ganz niedergestreckten Stämmen! -- -- ich
mußte gestehen, daß ein solcher Kokoswald, eine solche ununterbrochene,
Tagereisen weit reichende Ausdehnung von dicht gedrängten Palmen auf
Sumatra und Java ~nicht~ anzutreffen ist. -- Wahrscheinlich ist die
sandige Beschaffenheit der Gestade und die Quarznatur des Sandes, bei
gleich günstigen Verhältnissen eines gleichmäßig warmen, nicht zu
feuchten Klima's, ein Hauptbedingniß zu ihrem üppigern Gedeihen.
Als ich von der ~Braganza~, welche ich nach meiner Rückkehr aus der
Stadt noch einmal besucht hatte, an Bord des ~Bentinck~ angekommen war,
war mir etwa so zu Muthe, wie Jemandem, der aus einer Provinzialstadt in
eine Kapitale wie Paris oder London eingetreten ist. Dieser
_Landmail-steamer_, befehligt vom Capt. A. ~Kellock~, ist einer der
größten, welchen die _Peninsular and Oriental Steam Navigation Compagny_
besitzt, er mißt 1800 Tonnen, hat 520 Pferdekraft und nur noch einer
(der »~Hindustan~«, commandirt von Capt. S. ~Lewis~) kommt ihm an Größe
gleich.
Als ich dem Gewühl sich einander durchkreuzender Interessen entkommen
war und, zur Ruhe gelangt, auf dem Hinterdeck des Lord Bentinck saß,
kostete es mir Mühe, mich an die Überzeugung zu gewöhnen, daß ich mich
auf dem Verdeck eines ~Schiffes~ befand, -- so lang und breit dehnte
sich die reinliche Bretterfläche vor mir aus, die durch ihren Reichthum
an verschiedenartigen Gegenständen dem darauf Spazierenden Abwechselung
und Zerstreuung gewährte, -- die zum Theil mit Zelten überspannt, und
mit Bänken und Stühlen besetzt war. Nur auf dem Vorderdeck, in der Nähe
des Bugspriet, und sonst nirgends im Schiff, durfte geraucht werden. Ein
Neuling lief Gefahr, in den drei Vertiefungen des Innern, die man auf
eleganten, theils geraden, theils wendelförmigen Treppen hinabstieg,
sich zu verirren, wenn er in den langen Gängen zwischen den Zimmern
herumschritt; denn die Anzahl dieser Zimmer (_Cabin's_) war groß genug,
um Jedem der 100 Passagiere erster Klasse, die sich an Bord befanden,
einen besondern Schlafplatz zu verschaffen, außer den Offizieren, dem
Schiffsvolke und den Passagieren zweiter Klasse. In den mehrsten Cabin's
wohnten zwei, in manchen drei, vier, in wenigen nur ein Passagier, je
nachdem die Cabin's mehr oder weniger Schlafplätze enthielten (deren
wenigstens zwei ~über~ einander angebracht waren). Sie waren mit guten
Matrazen, Spiegeln, Waschtafeln und Zubehör, Bänken, Stühlen und andern
Bequemlichkeiten versehen und Bettzeug und Handtücher wurden fleißig
gewechselt. Trink- und Waschwasser wurde in Überfluß gereicht und an
einem Badezimmer, einem Regenbade, das nach geöffnetem Krahne aus einer
siebartigen Öffnung der Decke herabträufelte, fehlte es nicht, leider
aber auch nicht an Kakerlaken (_Blatta orientalis_), die, wie es
scheint, eine allgemeine Plage aller Schiffe in den Tropengegenden sind.
In den dunkeln Räumen der Hütten, zwischen den Brettern, waren diese
zollgroßen, schnelllaufenden Thierchen nur allzu häufig und man konnte
sie nur auf kurze Zeit von seinem Lager mit _Eau de Cologne_ vertreiben.
Ich würde jedem Reisenden anrathen, auch der Kühlung wegen sich mit
einem recht großen Vorrath dieses destillirten Wassers zu versehen.
Übrigens war die Hitze im Innern des Schiffes erträglich, da zweckmäßig
angebrachte Ventilatoren für Abkühlung und frische Luft sorgten. -- Das
Installiren verschiedener Reisenden in ~ein~ Zimmer wurde stets mit
Discretion verrichtet, und gewöhnlich blieb es den Passagieren selbst
überlassen, sich mit einander zu verständigen und ihre Stubengefährten
nach eignem Geschmack zu wählen. Es war Einer an Bord, mit dem ~Niemand~
zusammenwohnen wollte, und dieser erhielt ein Zimmer allein. -- Um 8 und
12 Uhr zur Zeit des Frühstücks und Tiffets wurde Kaffee, Thee, mit
Eiern, Brot, kalten Speisen etc. gereicht und um 4 Uhr zum Diner
geläutet. Abends wieder Thee. Der Speisesaal war elegant, mit drei
langen Tafeln versehen, an denen alle Passagiere (der ersten Klasse)
Platz hatten, mit Spiegeln und Gemälden decorirt, so daß man, an der
Tafel sitzend, zwischen solchen Umgebungen ganz vergaß, sich auf dem
Meere, an Bord eines Schiffes zu befinden, zumal, da von dem Arbeiten
der Maschine und dem Brausen der Räder nichts zu hören oder zu fühlen
war. Das Schiff glitt seiner Größe wegen, von Ceylon bis Suez, so
gleichmäßig dahin, daß auf dem Verdeck auch nicht das geringste
Schwanken zu verspüren war und man erst über Bord blicken mußte, um sich
zu überzeugen, daß sich das Schiff fortbewege. Schafe, Schweine, Kälber,
Rinder, Tauben, Hühner, Enten, Gänse, Truthähne etc. befanden sich,
nicht etwa wie in der Arche Noäh in bloß einem Paar, sondern in ganzen
Heerden und Schaaren bei uns an Bord und versahen die Tafel, Tag für
Tag, mit mannigfach zubereiteten Fleischspeisen von alle den genannten
Arten und an frischem Brot und Gemüse fehlte es nicht, so daß ich im
Ernst versichern kann, noch nie eine so überflüssig, ich möchte sagen,
so ~massiv~ (besonders mit Fleischspeisen) besetzte Tafel gesehen zu
haben. Das Buffet war mit englischem Bier (_pale ale_) und allen Arten
von Weinen versehen, die ein Jeder _ad libitum_ trank. Nur der
Champagner machte hiervon eine Ausnahme und wurde von den Passagieren
nicht gefragt, sondern nach jeder Mahlzeit in einer bestimmten Anzahl
Flaschen ~gereicht~. Auch das Dessert war vorzüglich und überhaupt ließ
die Beköstigung, wie die ganze Einrichtung an Bord, nach der Meinung
Aller, Nichts zu wünschen übrig. Zur Unterhaltung der Passagiere war
eine Bibliothek, die besonders Reisebeschreibungen enthielt, nebst
andern Zerstreuungsmitteln, Spielen etc. im allgemeinen Versammlungs-
und Speisesaal vorhanden. Unter den Reisenden waren etwa sechs Damen,
von denen die Engländerinnen sehr zurückgezogen und steif, fast
holländisch, -- die Französinnen aber freundlich und gesprächig waren
und nebst einigen Kindern viel zur angenehmen Unterhaltung beitrugen.
Wir lichteten am 20sten Sept. des Abends die Anker, waren um 7 Uhr flott
und fuhren zwischen zwei leuchtenden Feuern (großen Fackeln) hindurch,
die man an der Stelle jener zwei schwimmenden Kugeln, in Kähnen
angesteckt hatte, um uns den Weg in's Fahrwasser mitten zwischen den
Klippen hindurch zu zeigen. So wie den Tag über die Luft bewölkt gewesen
war, ob es gleich nicht geregnet hatte, so war auch die Nacht dunkel,
und kein Himmelslicht war sichtbar.
So dampften wir nun wieder, nach kurzem Aufenthalte auf trockenem Boden,
in das _altum mare_ hinaus. Die Lichter, die auf den Schiffen und in den
Gebäuden brannten, traten immer weiter zurück, aber erst spät am Abend
verschwand das Feuer des Leuchtthurms.
* * * * *
Von den vielen über Ceylon erschienenen Werken und in Zeitschriften
zerstreuten Aufsätzen, mögen hier nur folgende ~allgemeinere~ genannt
sein.
_~Rob. Knox~, Historical Relation of the Island of Ceylon. London,
1817. 4._
_~Jan. Cordiner~, Description of Ceylon. London, 1807. 4._
_~Montgomery Martin~, History of the British Colonies. London,
1834._ Das Hauptwerk aber ist:
_~J. Davy~, Account of the Interior of Ceylon etc. London, 1821.
4. -- ~J. Davy~, On the Mineralogy of Ceylon in Transact. of the
Geol. Soc. vol. V, p. II, p. 311 etc._
_Major ~Forbes~, Eleven years in Ceylon comprising sketches of the
field sports and Natural History of that colony and an account of
its History and antiquities. 2 vol. 8. London, 1840._
Ceylon wurde bekanntlich in 1505 von den Portugiesen entdeckt, die
jedoch erst seit 1536 in vollständigen Besitz der Insel (der Küste)
gelangten und in 1658 (aus Point de Galle bereits in 1642) wieder von
den ~Niederländern~ daraus vertrieben wurden. Diese letztern besaßen die
Insel bis 1796, in welchem Jahre sie an die Englisch-Ostindische
Compagnie überging.
Die Insel wird von Davy mineralogisch reich, aber geologisch arm genannt
und soll vorherrschend aus sogenannten primitiven Gebirgsarten, ~Gneiß~
und Granit, bestehen, die sehr einförmig verbreitet und in vielen
Gegenden von sehr mächtigen ~Quarz~gängen durchsetzt sind. Außerdem
zeichnen sich diejenigen Felsberge aus, in denen die berühmten, großen
Salpeterhöhlen der Insel liegen und die aus Dolomit[20] bestehen sollen.
Die primitiven Gebirge sind aber auch von sehr ausgebreiteten
~Sandstein~bänken umlagert, deren geologische Stellung, in Beziehung auf
die Formation, der sie angehören, und auf die fossilen Reste, die sie
umschließen, unbekannt ist. An den Gestaden kommt jüngster
Meeressandstein vor, nebst Kalkbänken (Korallenkalk?) und außerdem
Alluvialboden.
Sehr bezeichnend und allgemein verbreitet auf Ceylon aber sind
~Trümmerbildungen~, Lager von zerstörten Felsarten, die in den Thälern
und Flußbetten als Gerölle vorkommen. Und diese Trümmergesteine im
Diluviallande sind es, welche den Reichthum Ceylon's an ~Edelsteinen~
enthalten, an allen Arten der ~Quarz~gattung (Onyx, Amethyst etc.),
-- an Turmalin, Topas, Granat, Zircon, Rubin (Sapphir, Spinell) u. a.,
die daher vorzugsweise in Flußbetten gefunden werden. Ebenso Eisenerze.
-- Meeressalz wird in Lachen an den Küsten reichlich gewonnen.
Vorherrschende ~Quarz~trümmer und ~Quarz~sand sind für viele Gegenden
von Ceylon bezeichnend und bedingen die Production der feineren Arten
von Zimmt. -- Regen fällt auf Ceylon fast das ganze Jahr hindurch
gleichmäßig vertheilt und unabhängig von den Mussonwinden, die vom Mai
bis Anfang November (während bei nördlicher Declination der Sonne die
Temperatur von Asien größer ist, als die des Ocean's) aus ~Süd-West~ und
von November bis März (während bei südlicher Declination die Wärme des
Ocean's und Südafrika's größer ist, als die Asien's) aus ~Nord-Ost~
wehen.
Eine große Plage für den Menschen haben die Gebirgswälder Ceylon's mit
denen Java's, Sumatra's, Dekan's und Hinter-Indien's gemein, nämlich die
kleinen Springblutegel (_Hirudo ceylanica ¡Blainville¡, dict. des sc. nat.
t. 47, p. 271_), die nebst den Mosquiten auf Java und besonders auf Sumatra
mich oftmals mehr der Verzweiflung nahe brachten, als alle Elephanten,
Tiger, Rhinocerosse, wilde Stiere und andre große Thiere der Wildniß
zusammengenommen zu thun im Stande waren. Man lese hierüber beliebig nach
_J. ~Davy~, l. c., p. 102, tab. II, fig. 4. -- ~Leschenault de la Tour~,
Relation abregée d'un voyage aux Indes Orient., im Mém. du Museum d'hist.
nat. Paris, 1822. t. X. p. 268._
* * * * *
Den 23sten Sept. Wir hatten auf unsrer heutigen Fahrt durch das indische
Meer trübes Wetter und öfteren feinen Regen. -- Unser Cours war West zu
Nord und der Wind blies aus West-Süd-West bis zu Süd-West. --
Des Abends wurde der Wind stärker, der Himmel wurde heiter, alle Sterne
funkelten -- und nun bot uns das Meer ein wundervolles Schauspiel!
Der Mond schien auf die Wasserfläche herab, auf welcher wir Nichts
würden haben unterscheiden können, wenn nicht der Schaum, und ~nur~ der
Schaum hell und weiß wie Schnee gewesen wäre. Das ganze Meer sah
~pechschwarz~ aus, war aber bedeckt von unzähligen, weiß-leuchtenden
Streifen, wie mit erhellten Kähnen oder länglichen Laternen, die darauf
schwammen und die nach dem Horizonte zu an das nächtliche Bild einer
großen Stadt mit ihren Lichtern erinnerte, wenn man diese von einer
Rhede aus erblickt. -- Also Millionen streifenförmiger, ~schnee~heller
Fackeln, die auf einem pechschwarzen Meere schwammen -- welcher Anblick!