Obgleich ich den obersten Kamm der Bergkette von Pulu Penang, die nur

einfach ist,[12] mehrmals mit Wolken umhüllt sah, so konnte ich seine

Höhe doch nicht für mehr als 2000 par. Fuß halten, weil auf dem höchsten

Punkte neben den Gebäuden noch Kokospalmen wuchsen, die man von der

Rhede aus eben so deutlich zu erkennen vermochte, wie die einzelnen

Wölbungen der Waldbäume auf der Firste überhaupt, -- und weil es bekannt

ist, daß sich rund um die Gipfel von Bergen, welche isolirt im Meere

liegen und mit Waldung bedeckt sind, schon in geringerer Höhe

Niederschläge bilden und Wolken bilden. Die große Steilheit des Gehänges

aber, bei großer Schmalheit der Küstenfläche, (der bedeutende

Gesichtswinkel, unter dem sich der Kamm des Gebirges darstellt,) ist

Ursache, daß man den Bergsaum für höher und entfernter hält.

Außer einigen hellgrünen, wahrscheinlich bebauten Flecken, durch die der

bräunliche Boden hindurchschimmerte, nämlich da, wo die Waldung gefällt

war, -- außer noch einigen andern, bräunlich-hellen Streifen, die man in

den Klüften, Bachrinnen, besonders des nördlichen Theils der Kette

bemerkte, und die wahrscheinlich von stattgehabten Bergschlipfen

verursacht waren, -- und außer dem langen, schmalen Strahle eines

Wasserfalles (Gießbaches) in derselben Gegend, war das dunkle Waldgrün

der Hauptkette nirgends unterbrochen.

So war die Aussicht, die sich uns von unserm Schiffe aus auf der

~West~seite darbot. Wir lagen der Insel am nächsten und zählten noch 20

größere und etwa eben so viel kleinere Schiffe, die weiter ostwärts auf

der Rhede zerstreut lagen.

Auf dieser ~Ost~seite erblickten wir die niedrige, flache Küste der

malai'schen Halbinsel, nämlich des Staates Queda, dessen König einen

kleinen, etwa 12 Stunden langen und ein Paar Stunden breiten Saum der

Küstenfläche, nämlich den Theil derselben, welcher der Insel Penang

gerade gegenüber liegt, an die Briten abgetreten hat. -- Obgleich viel

weiter von uns entfernt als Penang, lag diese Küste doch nahe genug, um

auf dem hellgefärbten, wahrscheinlich sandigen Strande die Casuarinen

deutlich von andern Bäumen unterscheiden zu können, namentlich von den

Kokospalmen, welche wie in regelmäßigen Reihen gepflanzt erschienen und,

ganze Wälder bildend, sich unabsehbar lang am Strande hinzogen.

So weit unser Blick der Küste entlang reichte, war das Land flach und

niedrig, wahrscheinlich alluvial, und erst in einer Entfernung von der

Küste, die wir auf 10--20 englische Meilen schätzten, waren Hügelzüge

sichtbar, hinter denen sich, noch weiter im Innern, etwa 20--30 engl.

Meilen entfernt, größere Bergketten erhoben. Auch einige hohe,

~isolirte~ Berge, die übrigens nicht kegelförmig und also wahrscheinlich

auch keine Vulkane waren, stellten sich unsern Blicken dar, ein näherer

in Osten und ein fernerer mehr nordwärts, die bis in die Wolken

reichten.

Nach eingezogenen Berichten soll dieser, den Briten unterworfene

Küstenstrich, der Penang zunächst gegenüberliegt, (und der auch wohl

~Wellesleyland~ genannt wird,) besonders gut bebaut und fruchtbar sein

und außer Kokospalmen und andern Fruchtbäumen, besonders viel ~Pfeffer~

produciren; wir konnten jedoch der Entfernung wegen keine bewohnten

Plätze, keine Hütten an seinem Gestade erkennen.

Die zutrauliche Nähe der Stadt von Pulu Penang aber, die auf unsrer

Westseite lag, munterte uns zu einem Besuche auf.

Ich setzte mich in einen der kleinen Kähne, deren Führer (theils

Chinesen, theils Bengalesen) sich anboten, die Passagiere für einen

halben Gulden an's nahe Land zu bringen.

Als ich in meinem Kahne dahin glitt, fing -- lauter ~Kanonendonner~ an,

meine Ankunft zu begrüßen.

Von ~zwölf Salutschüssen~ erbebte die Luft, während ich mich dem

Hafenkopfe näherte.

(Ich befürchte, daß mich einige Leser hier verdacht halten werden, meine

Reiseerzählung mit figurativem Kanonendonner ausgeschmückt zu

haben, -- ich kann aber in ~Ernst~ versichern, daß mir meine Ohren von

den Schüssen dröhnten; denn die sechs Kanonen, womit geschossen wurde,

standen ganz dicht am Strande, unter der Mauer der Festung, in deren

Nähe ich landen mußte. -- -- Um aber allen möglichen Zweifeln und

ungläubigem Kopfschütteln vorzubeugen, will ich lieber folgende

Erklärung ablegen. Ich bin nämlich der Meinung, daß auf der Rhede und in

der Stadt Pulu Penang Niemand war, der jene Ehrenschüsse auf ~mich~

bezogen hätte, -- am allerwenigsten war ~ich~ einer von denen, die das

thaten, ich vermuthete vielmehr, daß die 12 Pfund Pulver zu Ehren des

Gouverneurs von Singapur verschossen worden sind, welcher sich (in einer

etwas bessern Schaluppe, wie ich) gerade zu der Zeit an Bord eines

kleinen Dampfers begab, der bald darauf _via_ Singapur, die Rhede von

Penang verließ.)

Ich ~kam doch aber unter Kanonendonner an~, -- stieg die steinernen

Treppen des Hafenkopfes hinauf und zögerte nicht, mir so schnell wie

möglich einen Palankin[13] zu miethen, um in der kurzen Zeit, die mir

bis zur festgesetzten Abreise unseres Dampfers um 10 Uhr übrig blieb,

noch so viel wie möglich von der Stadt und ihren Umgebungen zu sehen.

(Denn, Leser! glaube mir, ich war weit entfernt, zu befürchten, daß man

bei meiner Rückkehr an Bord Salutschüsse für mich thun würde, -- ich war

sogar nahe daran zu vermuthen, daß das Schiff sich die Freiheit nehmen

würde, um 10 Uhr 0 Minuten ~ohne mich~ abzureisen, wenn ich mich um 9

Uhr 59 Minuten noch nicht an Bord befände.) Ich lebte hier sehr frei,

also auch sehr glücklich, denn Niemanden fiel es ein, mich zu belästigen

und Notiz von mir zu nehmen, außer dem Chines vom Kahne und dem Zeis vom

Palankin, die bezahlt sein wollten.

So viel ich von Penang gesehen oder durch Andre vernommen habe, ist die

Fläche, deren östliches (an die See grenzendes) Ende Stadt und Fort

trägt, die einzige Ebene auf der ganzen Insel. Sie besitzt von der Stadt

an nach Westen bis zum Fuße der Berge ihre größte Breite von etwa zwei

englischen Meilen, nimmt aber in Norden und in Süden der Stadt sehr

schnell an Breite ab. Sie hat nämlich fast die Form einer halben

Scheibe, deren größte Rundung nach Osten in's Meer vorspringt, deren

Basis aber dem Fuße der Bergkette angeheftet ist, so daß sich dieser Fuß

in den übrigen Gegenden der Insel (nordwärts und südwärts von dieser

vorgelagerten Fläche) ~unmittelbar~ und ohne Küstensaum aus dem Meere

erhebt. Wie der Kamm der Kette, so streckt auch der Fuß (die Küste der

Insel) im Allgemeinen von Süd nach Nord. -- Die Fläche scheint

vorzüglich aus einem hellen, bräunlich-grauen Sandgrunde zu bestehen und

erhebt sich von der Stadt an (wo ihre Höhe 10 Fuß betragen mag,) sehr

allmählig und unmerklich nach dem Fuße der Berge.

Die Stadt ist bedeutend kleiner als Singapur, hat aber viel Ähnlichkeit

mit dieser. In dem größten Theile derselben, besonders in dem, in

welchem die Inländer (Nichteuropäer) wohnen, sind die Häuser eben so eng

an einander gebaut, reihenförmig und bilden eben solche gerade Straßen,

die sich kreuzen, wie in Singapur.

Viele von den Häusern, und diese scheinen die ältern, zuerst erbauten zu

sein, in denen jetzt die ärmern Menschen wohnen, haben eine offene

Vorhalle zwischen viereckigen Säulen von Stein, welche den vordern

(vorspringenden) Theil des obern Stockes tragen. Auf den Säulen ruhen

nämlich quere Balken und auf diesen Balken ruht das Mauerwerk des obern

Stockes, gerade so wie es in einem großen Theile vom chinesischen

Kampong in Singapur der Fall ist. Und eben so wie dort, sind auch hier

zu Penang viele von diesen Querbalken in der Mitte schon gesenkt,

concav, den Einsturz drohend, ja man sieht, eben so wie in Singapur,

ganze Straßen, welche diese _facies hippocratica_ haben und doch noch

bewohnt sind.

Die Wege in und in den Umgebungen der Stadt sind gut, hart und eben,

nämlich mit Meeressand (Korallensand) belegt, der eine bräunlich-hellgraue

Farbe hat.

Der schönste Theil der Stadt aber ist der, welcher von der Küste am

weitesten absteht und die Wohnungen der (wohlhabendern) Europäer

enthält. Diese Wohnungen nämlich liegen mehr vereinzelt und zwischen

Gebüsch zerstreut und viele davon sind eine Zierde der kleinen,

umgrünten Plätze, in deren Mitte sie sich erheben. Auch einige kleine

Kirchen zeichnen sich auf solchen Plätzen aus. Die Zahl der Fruchtbäume,

die sich zwischen diesen Wohnungen oder Villen emporwölben, ist viel

größer, -- das Ganze ist viel belaubter, schattiger als zu Singapur und

das schöne Grün der Bäume, das mit dem hellen Sandboden lebhaft

absticht, giebt den Häuschen oder kleinen Palästen, die darin zerstreut

liegen, ein viel wohnlicheres, lieblicheres, einladenderes Ansehn, wie

dort. Auch bemerkt man, besonders an Wegen und Plätzen viele Casuarinen

unter den Bäumen.

Die kleinen Tempel der Chinesen, Bengalesen und andern Indischen

Nationen, nebst den M[)e]sigit's (Moskee'n) der Malaien und Araber, in

denen Mahomed für den ~einzig~ wahren Propheten gilt, -- sieht man hier

in nachbarlicher Eintracht zusammenstehn mit den Kirchen des Kreuzes. --

Nachdem ich die Stadt genugsam durchkreuzt und im, beiläufig gesagt,

sehr kleinen, kneipenartigen Hotel eine Tasse schlechten Kaffee

getrunken hatte, der aber, weil es am Lande war, mir und andern besser

schmeckte, als der gute Kaffee bei uns an Bord, warf ich mich wieder in

die Arme des Zeis vom Palankin, der mich zum Hafenkopfe, und des Kee's

(Chinesen) vom Kahne, der mich an Bord brachte, wo ich eben noch zur

rechten Zeit ankam, um die Spazierfahrt nach Europa mitzumachen.

Wir verließen die Rhede präcis um 10 Uhr (den 12ten September) des

Vormittags, gerade in dem Augenblicke, als ein Regenschauer vor der

Bergkette von Penang vorbeizog, während ringsum der heiterste

Sonnenschein glänzte, und fuhren nord- zu west-wärts zwischen Pulu

Penang und der Küste von Queda, natürlich der erstern viel näher, dahin.

Eine Viertelstunde später veränderten wir unsern Cours nach

Nord-Nord-West und erblickten nun von der Nordseite her den ~flachen~

Theil der Insel, den wir nun seiner Breite nach sahen und der sich von

hier aus nur wie ~ein~ einziger Wald von Kokospalmen darthat, von der

Küste an reichend bis dicht an den Fuß des Gebirges.

Als wir in dem grünlichen, untiefen Wasser der Malakastraße noch weiter

nach Norden gekommen waren, sahen wir die von vielen Kokospalmen

beschatteten Hütten eines Dorfes auf dem Strande stehn, welcher sich

schnell und steil zum Gebirge erhob. Die Wälder, welche dieses bedecken,

waren über dem Dorfe beträchtliche Strecken weit gelichtet und mit

Bäumen (vielleicht Muskatbäumen oder Pfefferstauden) in regelmäßigen

Reihen bepflanzt und in diesen gelichteten Gegenden des Gebirges war es,

wo wir eine Menge von Felsblöcken zu erkennen vermochten, die, von zum

Theil kolossaler Größe, am Gehänge herum zerstreut lagen und die in

einer weißlichen oder hellgrauen Farbe schimmerten. -- Auf der

malai'schen Halbinsel sahen wir ferne Gebirgsketten, die bis in die

Wolken reichten; ja diese Ketten, die später scheinbar zu isolirten

Bergen wurden, (weil die wenigen hohen Theile derselben, je weiter wir

uns von ihnen entfernten, immer weiter unter dem Meere verschwanden,)

waren, wenn auch nur schwach und tief im Horizonte, auch des Abends um 6

Uhr noch sichtbar, als wir uns schon in der Entfernung von beinahe einem

Längegrade von der Mitte von Penang und gewiß von 1-3/4 Graden von den

Bergen der Halbinsel selbst befanden. Ihre Höhe muß hiernach sehr

bedeutend sein und ~wenigstens~ 9000 Fuß betragen. Das vor ihnen

liegende Küstenland Queda's aber schien eine Breite von 30--40 engl.

Meilen zu haben und flach oder doch nur niedrig zu sein.

Es war zwischen 12 und 1 Uhr, als wir um das Nordende von Penang

herumbogen und nun mit ~west~lichem Cours in das immer dunkler werdende

Meer hineindampften. In demselben Maße, in welchem wir uns von ihr

entfernten, tauchte die Betelnußinsel[14] tiefer unter den

Horizont, -- ihr Ufersaum war schon um 1-1/2 Uhr nicht mehr

sichtbar, -- ihre Bergkette wurde niedriger, konnte aber deßhalb, in

ihrer Gesammtausdehnung, desto deutlicher übersehen werden.

Diese westliche (oceanische, pelagische) Seite von Pulu Penang, die der

Stadt mit ihrem Hafen entgegengesetzt ist, stellt sich schon den bloßen

Augen weit steiler als die östliche oder Landseite dar, sie steigt fast

ohne Strand unmittelbar aus dem Meere und ist, nach eingezogenen

Berichten, vom Meere aus unzugänglich, ohne Ankerplatz und fast ganz

unbewohnt. (In Vergleich mit dem niedrig-hügligen Singapur ist Penang in

der That hochgebirgig zu nennen.)

Sie wurde immer blässer und blässer, sank immer tiefer unter den

Horizont, -- und um 6 Uhr des Abends, als die Mondesscheibe schon 20°

hoch am östlichen Himmel stand, war sie nur noch mit guten Augen an dem

Saume des Meeres wie ein schwaches Wölkchen zu erkennen.

Wir fuhren die ganze Nacht bei hellem Mondschein nach West zu Nord durch

eine ~spiegelglatte~ See, in welcher unser Schiff wohl eine engl. Meile

weit, eine schnurgerade Fahrt zurückließ, wie eine Straße oder

Eisenbahn, die perspectivisch kleiner wurde. In der Mitte war die Bahn

concav, aber glatt -- zu beiden Seiten der Mitte war ein convexer, von

den großen Wellen der Räder gehobener und bewegter Rand; -- dann kam an

der äußern Seite dieser Wellenlinien ein breiterer, von ganz kleinen,

spitzen und dicht an einander gedrängten Wellen bewegter Streifen -- und

endlich zu den Seiten dieses letzterern lag die todtstille, wie polirte

Oberfläche des Meeres.

Als uns nun wieder der Ocean umfluthete und auf allen Seiten nur noch

eine einförmige Wasserfläche lag, auf deren Spiegel das Auge vergebens

nach einiger Abwechselung suchte, -- da erwachte das freundliche und

doch so großartige Bild von Pulu-Penang, so wie wir es von der Rhede aus

gesehen hatten, mit erneuerter Lebendigkeit in unsrer Phantasie. Der

langhingezogene Gebirgsrücken, der sich steil erhebt und dessen

ungleichhoher Saum bis in die Wolken reicht, -- die hellfarbigen,

(meistens weiß übertünchten) Gebäude der Stadt, hinter denen das waldige

Berggehänge, wie ein dunkelgrüner Teppich ausgespannt ist, -- die Wege,

die in Zickzacklinien an der steilen Böschung hinanführen, die weißen

Gemäuer, welche vom Gipfel eines Vorgebirges, wie ein altes Schloß

herabschauen, -- die Signal- und Flaggenstange nebst den Gebäuden,

welche aus der düstren Waldung des ~hochobersten~ Rückens jäh auf die

Rhede herabblicken und auf die Schiffe, die so nahe an ihrem Fuße

ankern, -- -- dies voral waren die Hauptzüge, welche unsrer Erinnerung

noch lange eingedrückt blieben.

Weitere Nachrichten über Pulu-Penang findet man in den oben bei Singapur

angeführten Werken von _~Crawfurd~_, (_Journal_), _~Finlayson~_

(_Journal, p. 23 etc._), _~Colebrooke~_ (_Notice_), _~Newbold~_

(_Account_) und _T. ~Ward~_, _short sketch of the geology of Pulo Penang

etc._ -- in _Asiat. Research. Calcutta, 1833. vol. XVIII, p. 149 etc._

Aus diesen Werken entlehne ich die folgenden allgemeinen Notizen.

In 1783 kam die Insel zuerst in Privatbesitz des Capitains bei der

britischen Marine, ~Ligt~, der sie vom König von Queda als Brautschatz

einer Prinzessin erhielt, welche er heirathete; in 1786 wurde die Insel

Eigenthum der englischen Krone. -- Sie ist 16 engl. Meilen lang und etwa

halb so breit. Die Bergkette, die mit ihren Abhängen und Vorgebirgen den

größten Theil der Insel ausmacht, besteht aus ~Granit~, der oft in

Syenit übergeht, und erhebt sich in ihren höchsten Punkten zu einer

(bloß geschätzten[15]) Höhe von 23--2500 engl. Fuß. -- Der Boden ist im

Allgemeinen dürr, felsig, und weder zum Anlegen von Sawah's, noch zum

Anpflanzen von Zuckerrohr, sehr gut, aber zur Kultur des Muskatnußbaumes

und noch mehr des ~Pfeffers~ geeignet, der zweimal jährlich reiche Ernte

giebt, die von Chinesen besorgt wird. Reis wird aus Bengalen und aus dem

gegenüberliegenden Queda eingeführt. Die Hochwaldung, welche die Berge

bedeckt und von vielen Affen bevölkert ist, zeichnet sich durch

säulenförmige Stämme aus. Die Einwohner sind Malaien, Buginesen,

Batta's, Chinesen, Siamesen, Bengalesen, Malabarer, Coromandelesen,

Araber, Perser, Europäer; ihre Zahl belief sich, den der Insel Penang

gegenüberliegenden Küstenstrich mitgerechnet, im J. 1844 zufolge dem

_Singapore Chronicle_ auf 91,700 Seelen, wovon die größte Zahl Malaien

waren. Werth der Ausfuhr (nach Crawfurd) betrug in 1825: 5-1/2 Million

Dollar; die Einnahmen waren 200,000 und die Ausgaben fast doppelt so

viel. In 1836 betrugen diese Größen nach Newbold in Siccaropoijen[16]:

6,578,013 (Ausfuhr), -- 190,859 (Einnahme), -- und 54,740 (Ausgaben).

Den 13ten Sept. war unser Cours bei heitrem Wetter und spiegelglatter

See erst West zu Nord und später West-Nord-West. -- Wir fuhren also in

der Richtung nach der Nord-West-Spitze von Sumatra und erblickten zuerst

gegen Abend zu unsrer Linken, nämlich in Süden, eine Bergkette auf der

Insel Sumatra, und zwar diejenige, worin der sogenannte

~Elephantenberg~ liegt, die aber so blaß waren, daß man sie kaum zu

erkennen vermochte.

Wir hatten uns bis dahin auf unsrer Fahrt durch die Straße von Malaka

des heitersten Wetters erfreut, nur am 10ten war es trübe gewesen und

öfters feiner Regen gefallen, doch war es windstill geblieben, -- am

Abend des heutigen Tages (den 13ten Sept.) aber trat ein stürmischer

West-Süd-West-Wind mit Regen ein, der die ganze Nacht anhielt und unsrer

Fahrt also fast gerade entgegengesetzt war. Das Wetter änderte sich also

zur Zeit, als wir der Insel Sumatra näher kamen.

Erst am Morgen des 14ten Sept. (unser Cours war West, gegen den Wind)

konnten wir zu unsrer Linken die Bergketten auf Sumatra deutlich sehen,

obgleich sie sich nur in blasser Ferne darstellten und der Küstensaum

unter dem Horizonte blieb. Besonders ein Berg, den wir des Morgens um

6-1/2 Uhr in Süden sahen (s. Fig. 6), zeichnete sich durch seine

Kegelform aus; es war der sogenannte ~Goldberg~, der zwischen Pedir und

Atjin liegt. Weiter westwärts von diesem erschien noch ein andrer, hoher

Berg, der drei, halb in den Wolken verborgene Gipfel hatte und mit dem

vorigen durch ein mäßig hohes Zwischenland verbunden war, -- und noch

weiter nach Westen zu erhob sich eine lange, aber sehr ungleich hohe

Kette, die viel näher als jene beiden Berge lag, also auch deutlicher,

dunkler war, und deren höhere Punkte ebenfalls in die Wolken reichten.

Dies war Alles, was uns von Sumatra (Atjin) sichtbar wurde, und es war

zugleich das ~letzte~ Land des Indischen Archipels, in dem ich nun 12

Jahre lang gelebt und gereist hatte, das wir erblickten. -- Wie die

Berge mehr und mehr dahin schwanden in blasse Ferne, erwachte lebhaft in

mir die Erinnerung an die Batta-Länder, die dort hinter jenen Bergen

liegen und in denen ich zwei der kräftigsten von jenen 12 Jahren meines

Lebens zugebracht hatte, unter Menschen, die zwar in gewissen Fällen

nach ihrem Gesetz Cannibalen, aber sonst gut und treu sind. Ich dachte

an die schönen, romantischen Thäler und Berge von Angkola, -- an das

Plateau von Tobah, auf dem man, mitten unter dem Äquator in einer Luft,

so kühl, wie in Europa lebt, -- an die Fichtenwälder von Tobah und

Hurung, durch die der Wind dort säuselt, -- ich dachte an den Hochgenuß

einer ~freien~ Existenz in schöner, erhabener, reicher Natur, -- ich

dachte an die Abentheuer und wechselnden Schicksale, die ich dort, unter

dem guten Volke, erlebt hatte, -- und die Berge verschwanden, für mich

vielleicht für immer, -- sie tauchten unter in's Meer, und das Schiff

fuhr dahin, -- um mich in andre Länder und unter andre Völker zu

bringen, bei denen man wenigstens (wenn man seine Abgaben richtig

bezahlt,) der Gefahr ~aufgegessen~ zu werden, nicht ausgesetzt sein

wird.

* * * * *

~Den 21sten Sept. Abends.~ -- Wir haben nun vom 14ten Sept. an bis jetzt

acht Tage zugebracht mit dem Durchschiffen der indischen See, südwärts

vom Golf von Bengalen, um den Raum zwischen Sumatra und Ceylon

zurückzulegen. Unser Cours war fast fortwährend rein westlich und der

Wind blies anhaltend aus West-Süd-West; er war ~gewöhnlich~ nur

mäßig-heftig, -- verstärkte sich aber ~sehr oft~ auf eine stürmische Art

und war dann jederzeit von Regenschauern begleitet, die von vorn und

links schief über das Verdeck hinwegstrichen, aber wie der stürmische

Wind selbst, nur von ~kurzer~ Dauer waren; -- der Himmel war meistens

trübe, gleichmäßig bewölkt und nur selten von einem blauen Fenster

unterbrochen. Die See ging hohl, das Schiff schwankte stark und alle

Luken auf der Windseite mußten geschlossen werden, weil häufige Seen

(Wellenspitzen) hinter dem Räderkasten herauf auf das Verdeck schlugen

und bis zum Steuerruder spritzten.

Nur an drei von diesen acht Tagen (den 16ten, 20sten und 21sten) hatten

wir ziemlich gutes, heitres Wetter gehabt, ohne Regenschauer. Den 20sten

um 10 Uhr wurde unser westlicher Cours verändert in einen

west-süd-westlichen und der Rauch unsers Dampfers, der bis jetzt schief

nach hinten und rechts geflogen war, strich nun als langer schwarzer

Streif gerade nach hinten. Auf dem einförmigen Meere, wo andere

Gegenstände der Beobachtung fehlen, achtet man gern auf solche

Besonderheiten, wie gewöhnlich und häufig sie auch sind. -- Den 21sten

von 12 Uhr an begannen wir mit west-nord-westlichem Cours zu fahren;

auch der Wind war seit dem vorigen (20sten) Abend von 8 Uhr an weniger

beständig und blies erst aus West, dann aus West zu Süd, West-Süd-West

und zuletzt selbst aus Süd-West. -- Wir glaubten am 21sten Abends uns

nahe bei Ceylon zu befinden, blickten oft nach West und Nord-West,

konnten aber noch kein Land sehen, was uns nicht wenig besorgt machte.

Das Dampfschiff nämlich, das die Passagiere von Ceylon bis Suez bringen

muß, darf seiner Instruction zu Folge nicht länger zu Point de Galle

warten, als bis zum 22sten Abends 6 Uhr und ~muß~ dann abreisen, auch

wenn das Schiff von China und Singapur noch nicht angekommen ist. -- Wir

hatten aber die ganze Zeit über seit dem 13ten Abends Wind,

Wellenschlag, Strömung -- Alles gegen uns und waren nur langsam vorwärts

gekommen.

Wir waren während dieser Zeit zwei Schiffen begegnet, dem einen am 19ten

des Morgens früh, dem zweiten am 20sten um 2 Uhr; dieses letztere

kreuzte mit vollen Segeln unsere Fahrt und ging wahrscheinlich von

Calcutta nach dem Kap der guten Hoffnung. Außerdem hatten wir in unserm

Gesichts- und Wirkungskreise nichts Fremdartiges erlebt, keine

Veränderung war vorgefallen.[17] -- Nur am 14ten Vormittags, als wir uns

noch gegenüber der Nordspitze von Sumatra befanden, hatten wir den

ängstlichen Anblick, ein Geschöpf, das nicht zu einem Wasserbewohner

geschaffen war, eine Zeit lang mit den Wellen ringen zu sehen, wir

glaubten in Todesfurcht. Ein chinesischer Matros nämlich war über Bord

gefallen, der Korkring wurde ihm nachgeworfen, den er auch schwimmend

erreichte und faßte, -- und in aller Eile wurde die hintere Schaluppe

herabgelassen; aber obgleich die Maschine augenblicklich gestoppt wurde,

so war das Schiff in seiner schnellen Fahrt doch schon so weit

vorausgegangen, daß wir den Schwimmenden nicht mehr sehen konnten, der

gewiß 3/4 englische Meile von uns entfernt war, als ihn die Schaluppe

fand und aus dem ziemlich bewegten Meere auffischte. -- Als nach einem

halbstündigen Aufenthalte der Mann wieder an Bord gebracht wurde, ging

er ganz gleichgültig an seine Arbeit und Niemand bekümmerte sich um ihn.

Endlich! -- den 22sten Sept., des Morgens früh, erblickten wir das Land

des Zimmtes, der Elephanten, Perlen und Edelgesteine, -- nämlich das

seit zwei Tagen schon von uns ersehnte Taprobane der Alten,[18] die

~Insel Ceylon~ der Neueren, die sich in blasser Ferne vor uns zur

Rechten als ein mäßig hohes Land hinzog, das einen fast ebnen, nur wenig

gekerbten Saum hatte. -- Unser Cours war West und der Wind wie an den

vorigen Tagen West-Süd-West, von 8 Uhr an aber West.

Rückreise von Java nach Europa mit der sogenannten englischen Überlandpost im September und October 1848 · 第 3 / 14 段