V.

Der große Palast seines Gastfreundes war wie ausgestorben, denn der

Vater Emilios war nur für einige Tage zum Empfange seines Sohnes nach

Rom gekommen; er hatte ihn in feierlicher Audienz beim Papste vorgeführt

und war dann wieder auf sein Sommerschloß zurückgekehrt, indes Emilio

noch in Rom seine Angelegenheiten ordnete. Das alles erfuhr Riccardo am

Abend, da die beiden Kameraden, von einem aufmerksamen Kammerdiener

trefflich bedient, bei einer Flasche edlen Weines ihr Abendmahl hielten

und Erinnerungen auffrischten. Sie sprachen über gemeinsame Bekannte,

über die Aussichten des nächsten Frühjahrs und seiner Unternehmungen,

und Riccardo schien wieder der lebensfrohe und gute Offizier, wie ihn

seine Kameraden liebten und schätzten. Er war angeregt und fast heiter,

und als gar da Spada den Namen Palma erwähnte, der Riccardo plötzlich

still gemacht hatte, und davon sprach, daß die Palma die Nachbarn seiner

Eltern in Bosco rado seien, da wurde Riccardo fast übermütig in seiner

Freude, er erhob das Glas und leerte es, er ließ sich von dem gern

bereiten Emilio immer wieder von der Schönheit Francescas, der jungen

Gräfin und Schwester Ermetes, vorschwärmen und war schon ganz bereit,

mit seinem Kameraden und lieben Freunde Emilio gleich am zweitnächsten

Tage in die Berge zu reiten. Denn der Wein war gut und rollte wie Feuer

durch seine Adern.

»Schade, daß Ermete nicht zu Hause ist, bitterschade!« sagte Emilio,

»jeder Tag wäre zu einem Feste geworden!«

»Ja, bitterschade!« wiederholte Riccardo; er war ernst geworden. »Den

hätte ich gern gesehen! Sie haben in Genua viel von ihm gesprochen!«

»Und sicher nur Gutes!« rühmte Emilio. »Die Männer lieben ihn und mit

den Weibern versteht es keiner wie er! Den müßtest du kennen lernen,

Riccardo, und wenn das Glück es gut meint, kommt er früher heim, als

seine Eltern glauben. Mit dem würdest du bald Freund sein, ihr paßt

zusammen!«

Da war Riccardo von seinem Sessel aufgesprungen, er glaubte seinen

Schwertgriff in den Händen zu halten und schwang doch das Weinglas, daß

der rote Wein blutig über seine Hand spritzte. Er wollte etwas

Furchtbares sagen, seine Augen funkelten, aber es gelang ihm nicht, und

er sank hilflos und verloren lachend in seinen Sessel zurück.

Da brachte ihn Beppino zu Bette.

Das blaue Fenster: Novellen · 第 12 / 38 题