„Ich habe keinen gesehen“, meinte Dobbs.
„Ich auch nicht. Ich fragte Sie nur, um zu erfahren, ob Sie vielleicht
etwas gesehen haben. Scheint also kein Bandit zu sein.“
„So sicher ist das nicht“, sagte Dobbs nach einer Weile, nachdem er sich
wieder umgedreht hatte und den Indianer folgen sah. „Er kann ja ein
Spion der Banditen sein, der uns im Auge zu behalten hat. Wenn wir dann
Lager machen, überfällt er uns, oder seine Spießgesellen kommen.“
„Unangenehm“, erwiderte Barber. „Am besten wäre es, wenn wir umkehrten.
Man weiß nie, was diese Burschen im Sinne haben.“
„Was will man uns denn nehmen?“ Dobbs suchte nach Sicherheiten.
„Nehmen?“ wiederholte Barber. „Aber wir tragen doch kein Schild an uns,
daß wir nur jeder etwa einen Peso haben. Und wenn wir ein solches Schild
trügen, würden sie es nicht glauben, sondern uns erst recht überfallen,
weil sie denken, wir haben eine Menge Geld. Zwei Pesos sind für diese
Leute überhaupt eine Masse Geld. Wir haben ja auch Schuhe, Hosen und
jeder ein Hemd und einen Hut. Das alles sind Wertsachen.“
Sie gingen aber weiter. Immer, wenn sie sich umdrehten, sahen sie, daß
der Indianer hinter ihnen war, jetzt kaum noch fünfzehn Schritte
entfernt. Wenn sie stehenblieben, blieb der Indianer auch stehen. Sie
fingen an nervös zu werden. Der Schweiß brach ihnen aus.
Dobbs atmete schwer. Endlich sagte er: „Wenn ich jetzt einen Revolver
hätte oder ein Gewehr, ich würde den Burschen ohne weiteres erschießen.
Dann hätte man Ruhe. Das halte ich nicht mehr aus. Wie wäre es, Barber,
wenn wir ihn fangen und irgendwo festbinden an einen Baum oder ihm eins
über den Kopf hauen, daß er nicht mehr hinter uns herlaufen kann?“
„Ich weiß nicht,“ gab Barber zur Antwort, „ob das gut wäre. Vielleicht
ist er ganz unschuldig. Aber wenn man ihn los würde, es wäre ganz gut.“
„Ich bleibe jetzt stehen und lasse ihn herankommen“, sagte Dobbs
plötzlich. „Ich kann so nicht mehr laufen. Das macht mich verrückt.“
Sie blieben stehen, taten aber so, als ob sie von einem Baum irgend
etwas herunterholen wollten, eine Frucht oder einen Vogel.
Auch der Indianer blieb stehen.
Dobbs kam nun auf eine Idee. Er wurde immer eifriger um den Baum
beschäftigt, als ob dort irgendein Wunder in den Ästen sei. Wie
vermutet, fiel der Indianer darauf herein. Er kam langsam, Schritt für
Schritt, näher, die Augen stierend auf den Baum gerichtet. Als er
endlich ganz dicht neben den beiden Männern stand, machte Dobbs eine
aufgeregte Geste und schrie: „Da, da rennt er davon!“ Und dabei zeigte
er mit ausgestrecktem Arm in den Dschungel hinein, Barber heranzerrend
und ihm den Davonrennenden genau zeigend.
Gleich darauf aber drehte er sich um und sagte zu dem Indianer: „Wo
wollen Sie denn hin? Warum laufen Sie denn immer hinter uns her?“
„Ich will dorthin“, sagte der Indianer und zeigte in die Wegrichtung, in
die Barber und Dobbs ebenfalls zu gehen gewillt waren.
„Wohin?“ fragte Dobbs wieder.
„Dorthin. Da, wo Sie hingehen wollen.“
„Sie wissen doch nicht, wo wir hin wollen“, sagte Dobbs.
„Doch, das weiß ich“, erwiderte der Indianer ruhig. „Sie wollen nach den
Ölcamps. Da möchte ich auch hin, vielleicht kriege ich Arbeit.“
Barber und Dobbs atmeten erleichtert auf. Das war die Wahrheit. Der Mann
wollte nur Arbeit suchen gehen, genau so wie sie. Er sah auch gar nicht
so aus, als ob er ein Bandit wäre.
Um aber auch den letzten Rest von Mißtrauen in sich zu verscheuchen,
fragte Dobbs: „Warum gehen Sie denn nicht allein? Warum rennen Sie denn
hinter uns her?“
„Ich sitze da schon drei Tage von frühmorgens bis zum Abend, da am Ende
der Stadt und warte auf Weiße, die zu den Camps gehen wollen.“
„Sie finden den Weg doch auch allein?“
„Das schon“, sagte der Mann. „Aber ich fürchte mich vor den Tigern und
Löwen. Es gibt hier so viele. Da mag ich nicht allein gehen. Die könnten
mich auffressen.“
„Ich glaube nicht, daß wir selbst so sicher vor den Tigern sind“, meinte
Dobbs.
„Doch“, erwiderte der Indianer. „Die mögen Weiße nicht. Die gehen lieber
auf Indianer. Aber wenn ich in Gesellschaft gehe, dann kommen sie nicht
und fressen mich auch nicht.“
Nun lachten Barber und Dobbs über ihre eigne Angst, die sie gehabt
hatten, als sie so erfahren mußten, daß der Indianer, vor dem sie sich
gefürchtet hatten, mehr Furcht hatte als sie.
Der Indianer lief jetzt mit ihnen. Er redete kaum und trottete nebenher
oder hinterdrein, gerade wie es der Weg zuließ.
Kurz vor Sonnenuntergang kamen sie an ein Indianerdorf, und sie
gedachten hier in einer der Hütten zu übernachten. Die Indianer sind
sehr gastfreundlich, aber jeder wies die drei zu dem Nachbar, immer mit
der Entschuldigung, daß sie keinen Platz hätten. Das Dorf hatte nur ein
paar Hütten. Und auch der letzte der Dorfbewohner, den sie aufsuchten,
konnte sie nicht aufnehmen.
Er machte ein besorgtes und ängstliches Gesicht und sagte: „Es ist
besser, Sie gehen zum nächsten Dorf. Das ist ein großer Ort mit mehr als
dreißig Hütten. Da werden Sie alle gut aufgenommen.“
„Wie weit ist denn das?“ fragte Dobbs mißtrauisch.
„Weit?“ sagte der Indianer. „Das ist gar nicht weit. Das sind nur eben
zwei Kilometer. Da sind Sie dort lange vor der Nacht. Die Sonne ist ja
noch nicht ganz unter.“
Es blieb nichts andres übrig, sie mußten auf das nächste Dorf losgehen.
Sie wanderten zwei Kilometer, aber von einem Dorfe war nichts zu sehen.
Sie liefen zwei Kilometer mehr, und immer noch nicht war ein Dorf in
Sicht.
„Der hat uns schön angeschwindelt“, sagte Barber ärgerlich. „Ich möchte
nur wissen, warum die uns nicht dabehalten wollten und uns hier in die
Wildnis hinausgeschickt haben?“
Dobbs, nicht weniger ärgerlich, sagte: „Ich kenne ja die Indianer auch
ein wenig. Und ich hätte es besser wissen sollen. Die machen es sonst
nie, daß sie jemand fortweisen. Aber die haben Furcht vor uns gehabt.
Das ist der ganze Grund. Wir sind drei Mann und können die Familien
nachts in der Hütte leicht erschlagen.“
„So ein Unsinn“, erwiderte Barber. „Warum sollten wir denn die armen
Teufel erschlagen. Die haben ja selber nichts, vielleicht noch weniger
als wir.“
„Die haben aber Furcht. Da ist nichts dagegen zu machen. Die beurteilen
ihre Werte, die sie haben, ja ganz anders als wir. Da ist ein Pferd oder
zwei oder eine Kuh oder ein paar Ziegen. Das ist alles hoher Wert. Wir
können doch Banditen sein. Wer sagt ihnen denn, daß wir keine sind. Und
vor Banditen haben sie eine Höllenangst.“
Barber nickte und sagte dann: „Das ist alles gut. Aber was nun? Wir
sitzen jetzt hier mitten im Busch, und in zehn Minuten ist stockdunkle
Nacht.“
„Bleibt uns eben nichts andres übrig, als hier haltzumachen.“ Dobbs sah
keinen andern Ausweg. „Ein Dorf ist hier sicher nicht allzu weit. Der
Weg ist befahren, und Kuhdreck liegt auch herum und Pferdeäppel. Aber
das Dorf kann noch eine Stunde weit sein. In der Nacht können wir nicht
gehen. Da kommen wir vom Wege ab und landen vielleicht in irgendeinem
Sumpf oder in einem Dickicht, wo wir nicht mehr rausfinden. Und wenn wir
auch in das Dorf kommen, die hetzen uns die Hunde auf den Hals. Um diese
Zeit ist es ganz und gar verdächtig, wenn da drei Mann in das Dorf
kommen und Unterkunft haben wollen.“
Mit einigen Zündhölzern suchten sie den Boden ab, um einen geeigneten
Schlafplatz zu finden. Aber da waren nur dicke Kakteen und andre
Stachelgestrüppe. Auf dem Boden selbst kroch alles mögliche Getier
herum, das ein Ruhen oder gar Schlafen verhindert hätte. Nun hatte der
Indianer auch noch von Tigern und Löwen gesprochen, die hier in dieser
Gegend frei herumliefen. Der Indianer mußte es ja wohl wissen, denn er
war ja aus dieser Gegend.
Sie standen eine Weile herum, dann wurden sie müde vom Stehen und legten
sich doch hin. Dobbs lag neben Barber. Aber kaum lagen sie zwei Minuten,
da drängte sich der Indianer zwischen sie wie ein Hund. Ganz vorsichtig
und langsam, aber nachdrücklich. Er fühlte sich nur sicher, wenn er
zwischen den beiden Weißen lag; denn der Tiger wird ja nicht gerade den
mittelsten wählen, sondern den, der außen liegt. Und für die eine Nacht
wird er an dem einen ja wohl genug haben.
Dobbs und Barber waren aber mit dieser Platzverteilung nicht
einverstanden. Sie preßten und pufften an dem Indianer herum, daß er
einen blauen Fleck neben dem andern haben mußte. Aber er ließ sich das
ruhig und widerspruchslos gefallen. Hatten sie ihn endlich mit Fäusten
und Füßen aus ihrer Mitte herausgeschoben, so wartete er eine Weile, bis
er glaubte, sie seien am Einschlafen. Und es brauchte sich nur der eine
oder der andre ein wenig mehr auf die Seite zu legen und so einen
schmalen Spalt zwischen beiden zu öffnen, sofort schob er sich wieder
dazwischen und würgte so lange, bis er der ganzen Länge nach wieder
regelrecht zwischen beiden lag. Sie gaben schließlich den Kampf auf,
weil es ganz vergebens war.
Barber wachte auf durch irgendein Kriechtier, das ihm über das Gesicht
gelaufen war. Er setzte sich aufrecht und strich sich den Körper ab.
Aber er fand nichts weiter. Während er nun so saß und in das Singen und
Zirpen des nächtlichen Busches hineinlauschte, schreckte er plötzlich
zusammen.
Er hörte ganz deutlich ein Heranschleichen von vorsichtigen Tritten. Es
war kein Zweifel, es waren die Tritte eines großen Tieres. Sobald er die
Tritte wieder gehört hatte und überzeugt war, daß er sich nicht
täuschte, rüttelte er Dobbs auf.
„Was ist denn los?“ fragte Dobbs schläfrig.
„Da ist ein Löwe oder ein Tiger auf der Fährte. Gleich hinter uns.“
„Ich glaube, Sie träumen“, sagte Dobbs, langsam wach werdend. „Ich
glaube nicht, daß ein Tiger herankommt und sich an uns wagt.“
Er lauschte nun ebenfalls. Als er das Geräusch hörte, sagte er, sich
weiter aufrichtend: „Das scheint doch so, als ob Sie recht haben. Das
ist ein großes Tier. Ein Mensch schleicht nicht zur Nachtzeit hier
umher. Der hat mehr Angst als wir. Das ist ein Tier, die Tritte sind
ziemlich schwer.“
Ob der Indianer schon die ganze Zeit wach gelegen hatte oder jetzt erst
aufwachte, war nicht ganz klar. Jedenfalls dachte er, daß er am
sichersten sei, wenn er sich nicht melde und ruhig hier zwischen den
beiden liegenbleibe. Nun aber richtete er sich mit einem Ruck auf, und
gleich stand er. Sein Gesicht konnte man nicht erkennen, denn es war
stockfinster. Aber sicher war es von Furcht verzerrt. Aus dem Tonfall
seiner Stimme konnten die beiden andern fühlen, wie sein Gesicht wohl
jetzt aussehen müsse.
„Da ist ein Tiger, gleich da dicht bei uns“, sagte er mit bebender
Stimme. „Nun sind wir alle verloren. Der wird gleich losspringen. Der
steht da drüben im Gebüsch und lauert.“
Dobbs und Barber blieb der Atem stecken. Der Indianer kannte den Schritt
und den Geruch eines Tigers, er gehörte ja zu diesem Lande.
„Was machen wir da nur?“ fragte Dobbs.
„Am besten, wir schreien und machen großen Lärm“, riet Barber.
„Das ist nicht gut. Daraus macht sich ein Tiger nichts. Das lockt ihn
erst noch mehr und rascher an.“
Atemlos standen die drei da und lauschten auf die Schritte. Minutenlang
hörten sie nichts, dann wieder vernahmen sie einen oder zwei Tritte.
„Ich weiß einen Ausweg“, sagte mit leiser Stimme Dobbs. „Wir klettern
auf einen Baum. Da sind wir am sichersten.“
„Tiger klettern auch auf Bäume“, sagte darauf Barber ebenso leise. „Das
sind doch Katzen, die klettern und springen wie nichts.“
„Das ist aber der sicherste Platz.“ Dobbs bestand auf seinem Plan.
Er tastete sich vorsichtig herum und kam auch nach zwei Schritten zu
einem Mahagonibaum. Ohne noch lange zu überlegen, begann er
hochzuklimmen.
Kaum hatte der Indianer gemerkt, was los sei, sofort war er auch an dem
Baum, nur um nicht der Letzte und Unterste sein zu müssen. Er folgte
Dobbs ziemlich rasch nach auf den Baum. Seine Basttasche hatte er aber
mitgenommen.
Barber wollte nicht allein hier unten zurückbleiben, und so kletterte er
endlich auch nach.
Hier oben, nachdem sie sich so eingenestelt hatten, wie das in der
Dunkelheit nur möglich war, atmeten sie das erstemal wieder ein wenig
auf und betrachteten ihre Lage ruhiger. Sie fühlten sich nun doch
sicherer hier als auf dem Boden. Barber hatte ganz recht, als er sagte:
„Unten kann der Tiger einen wegschleppen. Hier kann man sich
festhalten.“
„Festhalten, ja“, meinte Dobbs. „Aber ein Bein oder einen Arm nimmt er
mit.“
„Besser, als wenn man ganz mit muß“, sagte Barber.
Die Müdigkeit wurde größer und die Furcht geringer. Der Indianer war
wieder in der Mitte, unter sich hatte er Barber, über sich Dobbs. Er
fühlte sich am geborgensten. Sie hatten sich alle drei mit ihren
Leibgürteln an einem Ast festgeschnallt, um zu verhüten, daß sie etwa im
Schlaf hinunterfielen.
Es war eine lange Nacht, oft unterbrochen von schweren Träumen und von
halbwachen Visionen. Endlich aber wurde es Morgen.
Beim hellen Licht der Sonne sah alles sehr natürlich aus, nichts von dem
Grauen und den wilden Vorstellungen der Nacht war geblieben. Sogar der
Erdboden sah viel einladender aus, als er in der Nacht erschienen war.
Nur dreißig Schritte weiter lag eine Grasfläche, die traulich durch die
Bäume leuchtete.
Die drei setzten sich nieder und frühstückten jeder eine Zigarette. Der
Indianer brachte ein paar trockene Tortillas zum Vorschein, von denen er
den beiden je eine abgab.
Während die drei nun dasaßen und rauchten und kauten, gerade einmal
nicht redeten, hörten sie wieder die Tritte des Tigers. Alle drei
schreckten gleichzeitig auf. Diese Art der Tritte kannten sie so genau,
als ob sie die Tritte ihres nächsten Verwandten seien. Sie würden sie
nach zehn Jahren noch genau so wiedererkannt haben wie heute; denn sie
waren in jede Fiber ihres Körpers eingedrungen und hatten sich dort
festgesetzt.
Am hellen lichten Tage ein Tiger. Warum nicht? Aber so dicht in der Nähe
von drei Menschen? Das war denn doch zu ungewöhnlich.
Dobbs hatte sich umgedreht in der Richtung, von woher die Tritte in der
Nacht gekommen waren und auch jetzt kamen. Er lugte durch die Bäume, sah
rüber auf die Grasfläche, und dort war der Tiger.
Jetzt konnten ihn alle drei deutlich sehen. Der Tiger graste und war an
einen Baumstumpf mit einer langen Leine angebunden, damit er nicht
entlaufen solle. Es war ein harmloser Tiger, der froh war, wenn man ihm
nichts tat und ihm sein Gras gönnte. Es war ein Esel.
Der Indianer sagte nichts darauf. Er wußte genau, daß er in der Nacht
einen Tiger gehört hatte, und er kannte Tiger.
Dobbs und Barber sahen sich an. Sie sagten kein Wort, aber sie wurden
beide rot im Gesicht. Dann lachten sie, als ob sie bersten wollten.
Endlich sagte Dobbs: „Um eins bitte ich Sie, Mensch, erzählen Sie das
niemand. Wir können uns sonst nirgends wieder sehen lassen.“
3
Das Dorf, von dem die Indianer vergangenen Abend gesprochen hatten, war
nur kaum zwanzig Minuten entfernt. Daß hier ein Esel angebunden war und
graste, bewies ja schon genügend, daß ein Dorf nicht weit sein könne.
Aber man kann sich auch täuschen, denn es kann der Esel eines
Holzfällers oder eines Kohlenbrenners sein.
In dem Dorf bekamen sie etwas zu essen, Bohnen, Tortillas und Tee aus
Zitronenblättern. Spät am Nachmittag kamen sie in das erste Camp. Dobbs
ging gleich zu dem Aufseher, aber es war keine Stelle frei.
„Wollen Sie essen?“ fragte der Aufseher.
„Ja“, sagte Dobbs. „Wir möchten auch gern übernachten hier, wenn es
geht.“
„Es wird sich wohl auch dafür ein Plätzchen finden“, sagte der Aufseher
und ging wieder in seine Baracke, nachdem er zur Küchenbaracke
rübergewinkt hatte.
Der Indianer ging den beiden nicht vom Halse. Er heftete sich an sie,
als sei er an sie angebunden. Als sie nun rüberkamen zur Küche, guckte
sie der chinesische Küchenvorsteher an, und dann entschied er, daß sie
in der Küche zu essen hätten. Es war des Indianers wegen. Wären Dobbs
und Barber allein gewesen, so hätten sie in dem Speiseraum für die
weißen Arbeiter gegessen. Mit dem Indianer ging das nicht, weil die ihre
eigene Küchenbaracke haben.
„Den Mann müssen wir uns vom Halse schaffen“, sagte Dobbs kauend. „Wir
können doch nicht mit ihm in all den Camps herumziehen. Das geht so
nicht mehr.“
„Morgen früh werden wir ihn heimjagen“, erwiderte Barber, der sich den
Appetit nicht verderben wollte dadurch, daß er jetzt Pläne entwarf.
Später gingen Dobbs und Barber zu den Arbeitern, um zu hören, was hier
oder in den Nachbarcamps los sei.
„Nichts ist los“, sagte ein langer Schwede. „Alles tote Brunnen. Vier
haben Salzwasser, zwei haben Sand und acht nichts als Lehm. Bauen alle
ab. Braucht gar nicht weiterzugehen. Weiter runter nach Süden wird
wieder neu gebohrt. Aber da könnt ihr von hier aus nicht hin. Da müßt
ihr über Panuco, oder ihr könnt auch über Ebano, da kommt ihr in den
andern Distrikt.“
Sie fanden Schlafgelegenheit in einem Lagerschuppen auf alten Säcken, wo
sie vor Eseln sicher waren, und den Schlaf, den sie der Tiger wegen in
der vergangenen Nacht verloren hatten, nachholten.
Es gab am Morgen auch noch ein leichtes Frühstück, und dann marschierten
sie ab.
„So, ehe wir nun noch zu den zwei andern Camps gehen, wo vielleicht was
los ist oder wo wir wenigstens unser Essen holen können, müssen wir den
Indianer umbringen“, sagte Dobbs, als sie eine halbe Stunde vom Camp
fort waren.
„Hören Sie,“ redete Dobbs den Indianer an, „wir gehen jetzt allein. Wir
können Sie nicht gebrauchen.“