VERLAG DER BÜCHERGILDE GUTENBERG
BERLIN 1927
Satz und Druck besorgte die Buchdruckwerkstätte, G.m.b.H., Berlin
Buchbinderarbeiten Leipziger Buchbinderei A.-G. / Ausstattung C.
Reibetantz
Nachdruck verboten
Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung vorbehalten
Copyright 1927 by B. Traven, Tamaulipas (Mexico)
DER SCHATZ, DEN ZU FINDEN DU DIE MÜHEN
EINER REISE NICHT FÜR WERT HÄLTST,
DAS IST DER ECHTE SCHATZ, DEN ZU SUCHEN
DIR DEIN LEBEN ZU KURZ ERSCHEINT.
DER FUNKELNDE SCHATZ, DEN DU MEINST,
DER LIEGT AUF DER ANDERN SEITE.
1
Die Bank, auf der Dobbs saß, war keineswegs gut. Die eine Latte war
herausgebrochen, und eine zweite Latte bog sich nach unten durch, darum
konnte man recht gut das Sitzen auf dieser Bank als Strafe empfinden. Ob
er diese Strafe verdient habe oder ob sie ungerecht über ihn verhängt
worden sei, wie die Mehrzahl der Strafen, die verhängt werden, darüber
dachte Dobbs in diesem Augenblicke gerade nicht nach. Daß er unbequem
saß, würde er wahrscheinlich erst erfahren haben, wenn ihn jemand
gefragt hätte, ob er auf der Bank gut sitze. Die Gedanken, die Dobbs
beschäftigten, waren dieselben, die so viele Menschen beschäftigen. Es
war die Frage: Wie komme ich zu Geld? Wenn man schon etwas Geld hat,
dann ist es leichter, zu Geld zu kommen, weil man etwas anlegen kann.
Wenn man aber gar nichts besitzt, dann hat es seine Schwierigkeiten,
diese Frage zur Zufriedenheit zu lösen.
Dobbs hatte nichts. Man darf ruhig sagen, er hatte weniger als nichts,
weil er nicht einmal ganze und vollständige Kleidung hatte, die unter
beschränkten Verhältnissen als ein bescheidenes Anfangskapital angesehen
werden darf.
Aber wer arbeiten will, der findet Arbeit. Nur darf man nicht gerade zu
dem kommen, der diesen Satz spricht; denn der hat keine Arbeit zu
vergeben, und der weiß auch niemand zu nennen, der einen Arbeiter sucht.
Darum gebraucht er ja gerade diesen Satz, um zu beweisen, wie wenig er
von der Welt kennt.
Dobbs würde Steine gekarrt haben, wenn er solche Arbeit bekommen hätte.
Aber selbst diese Arbeit bekam er nicht, weil zu viele da waren, die auf
diese Arbeit warteten, und die Eingeborenen immer mehr Aussicht hatten,
sie zu bekommen, als ein Fremder.
An der Ecke der Plaza hatte ein Schuhputzer seinen hohen Eisenstuhl
stehen. Die übrigen Schuhputzer, die sich keinen Stuhl leisten konnten,
liefen mit ihren kleinen Kästchen und Klappbänkchen wie die Wiesel rund
um die Plaza und ließen niemand in Ruhe, dessen Schuhe nicht
spiegelblank waren. Er mochte auf einer der zahlreichen Bänke sitzen
oder spazierengehen, er wurde immerwährend belästigt. Also selbst die
Schuhputzer hatten es nicht leicht, Arbeit zu finden, und gegenüber
Dobbs waren sie Kapitalisten, denn sie besaßen eine Ausrüstung, die
wenigstens drei Pesos kosten mochte.
Selbst wenn Dobbs die drei Pesos gehabt hätte, Schuhputzer hätte er
nicht werden können. Nicht hier zwischen den Eingeborenen. Es hat noch
nie ein Weißer versucht, Schuhe auf der Straße zu putzen, hier nicht.
Der Weiße, der zerlumpt und verhungernd auf der Bank auf der Plaza
sitzt, der Weiße, der andre Weiße anbettelt, der Weiße, der einen
Einbruch verübt, wird von den übrigen Weißen nicht verachtet. Wenn er
aber Stiefel auf der Straße putzt oder bei Indianern bettelt oder
Eiswasser in Eimern herumschleppt und verkauft, sinkt er tief unter den
schmutzigsten Eingeborenen hinab und verhungert doch. Denn kein Weißer
würde seine Arbeit in Anspruch nehmen, und die Nichtweißen würden ihn
als unlauteren Konkurrenten betrachten.
Auf den hohen Eisenstuhl an der Ecke hatte sich ein Herr in weißem Anzug
hingesetzt, und der Putzer machte sich über dessen braune Schuhe her.
Dobbs stand auf, schlenderte langsam hinüber zu dem Stuhl und sagte ein
paar leise Worte zu dem Herrn. Der Herr sah kaum auf, griff in die
Hosentasche, brachte einen Peso hervor und gab ihn Dobbs.
Einen Augenblick stand Dobbs ganz verblüfft, dann ging er zurück zu
seiner Bank. Er hatte auf nichts gerechnet oder auf zehn Centavos
vielleicht. Er hielt die Hand in der Tasche und koste den Peso. Was
sollte er damit tun? Ein Mittagessen und ein Abendessen, oder zwei
Mittagessen, oder zehn Pakete Zigaretten Artistas, oder fünfmal ein Glas
Milchkaffee mit einem Pan Frances, das ein gewöhnliches Brötchen ist.
Nach einer kurzen Weile verließ er die Bank und wanderte die paar
Straßen hinunter zum Hotel Oso Negro.
Das Hotel war eigentlich nur eine Casa de Huespedes, ein Logierhaus. In
der Vorderfront war an der einen Seite ein Laden mit Schuhen, Hemden,
Seifen, Damenwäsche und Musikinstrumenten; an der andern Seite war ein
Laden mit Drahtmatratzen, Liegestühlen und photographischen Apparaten.
Zwischen diesen beiden Läden war der breite Hausdurchgang, der zum Hofe
führte. In dem Hofe befanden sich die morschen und fauligen
Holzbaracken, die das Hotel bildeten. Alle diese Baracken hatten kleine,
enge, dunkle, fensterlose Kammern. In jeder Kammer standen vier bis acht
Schlafgestelle. Auf jedem Gestell lagen ein schmutziges Kissen und eine
alte verschlissene Wolldecke. Licht und Luft für die Kammern kamen durch
die Türen, die immer offen standen. Trotzdem waren die Kammern stets
dumpfig, weil sie alle zu ebener Erde lagen und die Sonne nur ein Stück
weit in jeden Raum eindringen konnte. Luftzug war auch nicht, weil die
Luft in dem Hofe stillstand. Diese Luft wurde durch die Abortanlagen,
die keine Wasserspülung hatten, noch mehr verschlechtert. Außerdem
brannte mitten auf dem Hofe Tag und Nacht ein Holzfeuer, auf dem große
Konservenbüchsen standen, in denen Wäsche gekocht wurde. Denn in dem
Hotel befand sich auch noch die Wäscherei eines Chinesen.
Links in dem Hausdurchgang, ehe man zu dem Hofe kam, war ein kleiner
Raum, in dem der Hausmeister saß. Ein zweiter Raum, gleich neben diesem
Empfangsraum, war bis oben hin mit Drahtnetz vergittert. Hier lagen auf
Regalen die Koffer, Kisten, Pakete und Pappschachteln der Hotelgäste
aufbewahrt. Es lagen da Koffer von Leuten, die hier vielleicht nur eine
Nacht geschlafen hatten; denn manche der Koffer und Kisten waren dick
mit Staub bedeckt. Es hatte gerade für eine Nacht gereicht, das Geld,
das der Gast hatte. Am nächsten Tage hatte der Mann dann irgendwo
draußen geschlafen und auch die folgenden Nächte. Eines Tages kam er
dann, nahm ein Hemd oder eine Hose oder sonst einen Gebrauchsgegenstand
aus dem Koffer, schloß ihn ab und gab ihn wieder zurück zum
Weiteraufbewahren. Und eines andern Tages machte sich der Mann auf die
Reise. Da er kein Bahngeld oder Schiffsgeld hatte, mußte er zu Fuß
wandern, und dabei konnte er seinen Koffer nicht gebrauchen. Heute war
der Mann vielleicht in Brasilien oder längst irgendwo in einer Wüste
verdurstet oder auf einem Buschwege verhungert oder erschlagen.
Nach einem Jahr, wenn der Aufbewahrungsraum für die Koffer zu gepackt
wurde, so daß die Sachen der Neuankömmlinge nicht einmal mehr
untergebracht werden konnten, dann machte der Hotelbesitzer ein
Aufräumen. An den Sachen befand sich manchmal ein Zettel mit dem Namen
des Besitzers jener Kiste oder der Pappschachtel. Es kam vor, daß der
Mann vergaß, welchen Namen er angegeben hatte, und weil er inzwischen
seinen Namen geändert hatte, nun seinen Koffer nicht zurückverlangen
konnte, weil er sich auf seinen damaligen Namen nicht besinnen konnte.
Er vermochte den Koffer wohl zu bezeichnen. Dann fragte der Hausmeister
nach dem Namen, und weil der Name mit dem Zettel, der mit einer
Stecknadel auf den Koffer gepickt war, nicht übereinstimmte, so wurde
ihm der Koffer nicht ausgehändigt.
Oft war der Zettel mit dem Namen auch abgefallen. Manchmal war er nur
mit Kreide angeschrieben, die sich ausgewischt hatte. Zuweilen hatte der
Hausmeister in der Eile vergessen, nach dem Namen zu fragen, und er
hatte nur die Bettnummer mit Blaustift auf die Pappschachtel
geschrieben. Die Bettnummer aber hatte der Besitzer der Pappschachtel
nie gewußt, und hätte er sie gewußt, würde er sie wohl kaum behalten
haben. Ein Datum war nie mit angegeben.
Es war also nie festzustellen, wie lange eine Kiste oder ein Koffer hier
in dem Aufbewahrungsraum lag. Die Dauer der Aufbewahrungszeit wurde nach
der Dicke der Staubschicht beurteilt, die auf den Sachen lag. Und nach
dieser Dicke vermochte der Hotelbesitzer ziemlich genau zu sagen,
wieviel Wochen jener Koffer oder dieser Zuckersack hier lag. Berechnet
wurde für die Aufbewahrung nichts. Wenn aber der Raum zu eng wurde, dann
kamen die Sachen, die den dicksten Staub aufweisen konnten, heraus. Der
Besitzer durchsuchte den Inhalt und sortierte ihn. Meist waren es
Lumpen. Es kam ganz selten vor, daß irgendein Gegenstand von Wert in den
Koffern gefunden wurde; denn wer noch Wertgegenstände besaß, ging nicht
in den Oso Negro übernachten, oder er verbrachte dort nur eine Nacht.
Diese Lumpen verschenkte der Logierhausbesitzer dann an zerlumpte
Hotelgäste, die darum bettelten, oder an andre zerlumpte Leute, die
gerade vorbeikamen. Es ist ja nun einmal so in der Welt, daß keine Hose
so zerlumpt, kein Hemd so zerschlissen, kein Stiefel so abgetreten sein
kann, als sich nicht jemand fände, der jene Hose oder jenes Hemd noch
als sehr gut bezeichnen würde; denn kein Mensch auf Erden kann so arm
sein, daß nicht ein andrer sich noch ärmer glaubte.
Dobbs hatte keinen Koffer, den er zum Aufbewahren hätte geben können,
nicht einmal eine Pappschachtel oder einen Papiersack. Er hätte nicht
gewußt, was er hätte hineinstecken sollen; denn alles, was er besaß,
trug er in seinen Hosentaschen. Eine Jacke hatte er seit Monaten nicht
mehr.
Er trat in den kleinen Raum des Hausmeisters. Dieser Raum hatte zwar in
der Vorderwand, die im Haupteingang lag, ein Schalterbrett, aber niemand
benutzte es, nicht einmal der Hausmeister selbst. Auf diesem
Schalterbrett, dicht vor dem Schiebfenster, stand eine Wasserflasche und
ein kleines Krügchen aus Steingut. Das war die gemeinschaftliche
Wasserflasche für alle Hotelgäste. In den Schlafräumen selbst war kein
Wasser und keine Wasserflasche. Wer Durst hatte, mußte hier zu dem
Schalterfensterchen kommen, um zu trinken. Einige erfahrene Gäste,
besonders solche, die nachts häufig Durst bekamen, nahmen eine leere
Tequilaflasche mit Wasser gefüllt in die Schlafräume.
Der Hausmeister war noch ein ganz junger Mann, kaum fünfundzwanzig Jahre
alt. Er war klein und mager und hatte eine lange spitze Nase. Er hatte
Dienst von morgens um fünf bis abends um sechs. Abends um sechs trat der
Hausmeister für die Nacht seinen Dienst an. Denn das Hotel war Tag und
Nacht ununterbrochen geöffnet, nicht so sehr wegen der Eisenbahnzüge,
die nur dann nachts einliefen, wenn sie Verspätung hatten, als vielmehr
derjenigen Arbeiter wegen, die hier im Hotel schliefen, und die in
Restaurants oder in andern Geschäftszweigen tätig waren, wo die
Arbeitszeit sehr spät in der Nacht, manchmal erst gegen Morgen, zu Ende
war.
Tag und Nacht wurde in dem Hotel geweckt, weil immer welche da waren,
die zu irgendeiner Zeit aufstehen mußten, weil sie zu ihrer Arbeit zu
gehen hatten. Da schliefen Privatnachtwächter, Bäcker, Asphaltierer,
Straßenpflasterer, Zeitungsverkäufer, Brotaustrager und Angehörige von
Berufen, die sich mit einem Worte gar nicht beschreiben lassen. Viele
dieser Leute hätten sich ein Privatlogis mieten können, wo sie besser
geschlafen hätten und sauberer und nicht in Gemeinschaft mit
Unbekannten, Fremden und Strolchen. Aber des Weckens wegen, ihres
pünktlichen Arbeitsbeginns wegen, wohnten sie hier im Hotel, wo sie sich
darauf verlassen konnten, daß sie genau zu der Minute geweckt wurden,
die sie angaben. Beide Hausmeister waren sehr tüchtige Leute. Es kamen
täglich neue Gäste und alte verschwanden. Es wechselte jeden Tag. Alle
Nationalitäten waren vertreten, es kamen weiße, gelbe, schwarze, braune,
rotbraune Gesichter an dem Schalter vorüber. Aber der Hausmeister, der
Dienst hatte, wußte stets, ob der Mann bezahlt hatte oder nicht. Wenn er
im Zweifel war, sah er sofort im Buch nach und verfolgte den Mann vom
Fenster aus, das nach dem Hofe zu ging, in welchen Raum er lief.
Es waren einige ganz kleine Räume noch vorhanden, in denen nur ein Bett
stand, ein verhältnismäßig breites und mit einer Matratze. Die Matratze
war zwar sehr hart, aber die Gäste waren nicht verwöhnt. Diese Räume
waren für zwei Personen bestimmt und kosteten für jede Person einen
Peso. Es waren die Räume, die von denen genommen wurden, die mit einer
Frau kamen. Für einzelne Frauen und Mädchen waren auch einige Baracken
vorhanden mit mehreren Schlafgestellen für fünfzig Centavos. Diese Räume
hatten zwei Türen, aber die Türen schlossen nicht und hingen so schief
in den Angeln, daß man sie nicht einmal richtig zumachen konnte. Die
Schlafgestelle der weiblichen Einzelgäste hatten aber Moskitonetze,
unter denen sich die Mädchen verbergen und auskleiden konnten. Besonders
die Mädchen einfacher Herkunft und die indianischen Mädchen besitzen
eine erstaunliche Geschicklichkeit, sich unter diesen Netzen aus- und
anzukleiden und darunter die Nacht so ungesehen zu verbringen, als wären
sie innerhalb der gemauerten vier Wände eines Hauses. Meist waren es
Küchenmädchen und Spülmädchen aus den Restaurants, die hier wohnten.
Die Männer hatten alle viel zu viel mit ihren eigenen Angelegenheiten zu
tun, als daß sie sich um die Mädchen bekümmert hätten. Und die Mädchen
schliefen in diesem Hotel, wo alles so offen und unabgeschlossen war,
wie es sich nicht vorstellen läßt, sicherer als an manchen andern
Plätzen, die unter dem Namen „Gutes Familienhotel“ laufen. Die
zerlumpten männlichen Schlafgäste des Oso Negro würden den Mann
totgeschlagen haben, der es gewagt haben würde, sich zu den Mädchen
hineinzuschleichen und dort einen Unfug zu verüben.
Es waren Gäste in dem Hotel, die hier schon zwei, drei, ja sogar fünf
Jahre wohnten. Da sie immer dasselbe Schlafgestell innehatten, dieselbe
Ecke bewohnten, so wohnten sie eigentlich ebenso sauber wie in einem
Privathause. Nur ihre Schlafgenossen wechselten natürlich meist jede
Nacht. Aber es kam vor, daß sich genügend Dauergäste zusammenfanden, die
einen ganzen Raum für sich füllten. Das Leben für die Männer war viel
freier als in einem Privathause. Sie konnten kommen, wann sie wollten,
ohne die Wirtin wütend zu machen, sie durften gehen, wann sie wollten,
ohne daß sich jemand um sie bekümmerte, und wenn sie schwer geladen
heimkamen, so kümmerte sich erst recht niemand um sie.
Schränke gab es nicht in den Räumen. Die Sachen hängte man an Nägeln
auf, die in die Holzwände getrieben waren. Manche Gäste, die schon
länger hier wohnten und in Arbeit standen, packten ihre Sonntagssachen
in eine große Holzkiste, die sie mit einem Vorhängeschloß verschließen
konnten. Andre machten einen Überhang aus Sackleinen, um ihre Sachen vor
Staub zu schützen. Wieder andre zogen kreuz und quer dicke Schnur über
ihre aufgehängten Sachen, so fest, daß sich eine einzelne Hose nur sehr
schwer hervorstehlen ließ. Es wurde selten gestohlen; denn wenn jemand
etwas im Arm trug, wurde er von dem Hausmeister mißtrauisch betrachtet,
und wenn der Hausmeister gar die Hose kannte, daß sie einem andern
gehörte, dann kam der Spitzbube schon gar nicht damit durch. Und die
Hausmeister kannten die Jacken und Hosen ihrer Dauergäste recht gut. Der
Hausmeister saß ziemlich eng in seinem Raum, denn der Raum war
vollgepackt mit allen möglichen Gegenständen. Kleine Pakete, kleine
Schachteln, ganz kleine Handtaschen und solche Sachen, die sich kaum
lohnten, daß man ihretwegen den Drahtkäfig aufschloß, weil sie nur auf
kurze Zeit hier abgegeben waren. Sie sollten in einer halben Stunde oder
so abgeholt werden. Meist wurden sie auch in der verabredeten Zeit
abgerufen, manchmal aber lagen sie auch Wochen hier und waren von dem
Besitzer vergessen worden, der plötzlich abgereist war, vielleicht als
Seemann bis an das entgegengesetzte Ende der Welt. Denn wenn ein Schiff
grade rausfuhr und es fehlten Leute, so wurde der mitgenommen, der am
schnellsten bereit war zu gehen und alles hinter sich im Stich ließ,
gerade ging, wie er da stand.
Dann war in dem engen Raum noch ein hohes Regal mit Handtüchern, Seife
und Seiflappen aus Bast für die Badegäste. Es gab nur Brausebäder. Jedes
kostete fünfundzwanzig Centavos. Das Wasser war kalt und sehr knapp.
Dann stand da noch ein Regal für Briefe und allerlei Papiere. Es war
alles verstaubt.
Endlich war da noch ein Geldschrank. Hier wurden die Wertsachen
aufbewahrt, die von den Schlafgästen abgegeben wurden: Geld, Uhren,
Ringe und Apparate, die Wert hatten. Unter solchen Apparaten waren
Kompasse, Feldmeßinstrumente und ähnliche Sachen, die Geologen oder
Gold- und Silbersucher brauchten. Denn auch Leute, die solche Apparate
hatten, kamen oft tief herunter und landeten hier als Schlafgänger.
Gewehre, Revolver, Angelgeräte hingen auch herum.
Vor sich auf der kleinen Ecke des Tisches, die noch frei geblieben war
von Papieren, Paketen und Schachteln, lag das dicke Fremdenbuch. Hier
wurde jeder Hotelgast eingeschrieben. Nur der Familienname und die
Bettnummer sowie die bezahlte Summe. Wie der Gast sonst noch hieß,
welche Nationalität er besaß, welchen Beruf, welches Ziel und woher er
kam, das interessierte den Hotelbesitzer gar nicht. Noch weniger
interessierte sich die Polizei dafür, die sich das Buch nie ansehen kam.
Das Buch interessierte bestenfalls nur noch die Steuerbehörde, wenn der
Hotelbesitzer nachweisen wollte, daß man seine Einnahmen zu hoch
festgesetzt hatte. Nur da, wo viel überflüssige Beamte herumlaufen und
vom Staate bezahlt werden, kümmert sich die Polizei um jeden Dreck und
will bis auf die Farbe des einzelnen Haares einer Warze wissen, wer der
Hotelgast ist, woher er kommt, was er hier tun will und wohin er zu
gehen beabsichtigt. Die Beamten wüßten ja sonst nicht, womit sie sich
beschäftigen sollten, und die Steuerzahler würden bald herausfinden, daß
man sie nicht nötig hat.
Dobbs kam hinein zu dem Hausmeister, legte seinen Peso auf den Tisch und
sagte: „Lobbs, für zwei Nächte.“
Der Hausmeister blätterte in dem Buche herum, bis er ein leeres Bett
fand, schrieb „Jobbs“, weil er nicht richtig verstanden hatte und zu
höflich war, noch einmal zu fragen, und fügte dann hinzu: „Raum sieben,
Bett zwei.“
„Gut“, sagte Dobbs und ging seiner Wege. Er hätte sich gleich hinlegen
dürfen, den Rest des Nachmittags, die ganze Nacht, den ganzen folgenden
Tag, die darauffolgende Nacht und den ganzen nächsten Vormittag bis
zwölf Uhr durchschlafen dürfen, wenn er gewollt hätte. Aber er hatte
Hunger und mußte auf die Jagd gehen oder auf den Fischfang.
Die Fische bissen aber nicht so leicht an. Es gab ihm niemand etwas.
Dann sah er vor sich einen Herrn im weißen Anzug gehen. Er holte ihn
ein, murmelte etwas, und der Herr gab ihm fünfzig Centavos.
Mit diesen fünfzig Centavos ging Dobbs erst einmal zu einem Chinesen, um
zu Mittag zu essen. Mittag war zwar längst vorbei. Aber es gibt immer
Mittagessen beim Chinesen, und wenn es schon zu spät ist, daß man es
noch Comida Corrida nennen könnte, dann nennt man dasselbe Essen eben
einfach Cena, und das ist dann Abendessen, wenn es auch kaum vier Uhr
von der Kathedrale geschlagen hat.
Dann ruhte sich Dobbs ein wenig auf der Bank aus, und endlich dachte er
an Kaffee. Er pirschte wieder eine Weile vergebens, bis er einen Herrn
im weißen Anzug sah. Und der Herr gab ihm fünfzig Centavos. Ein
Silberstück.
„Ich habe Glück mit Herren im weißen Anzug heute“, sagte Dobbs und ging
zu dem runden Kaffeestand an der Seite der Plaza de la Libertad, die dem
Zoll- und Passagierhafen am nächsten lag.
Er setzte sich auf den hohen Barstuhl und bestellte ein Glas Kaffee mit
zwei Hörnchen. Das Glas wurde zu drei Viertel mit heißer Milch gefüllt
und dann schwarzer heißer Kaffee draufgegossen, bis das Glas bis an den
Rand gefüllt war. Dann wurde ihm die Zuckerdose hingestellt, die zwei
schönen braunen Kreuzhörnchen und ein Glas Eiswasser.
„Warum habt ihr Banditen denn den Kaffee schon wieder um fünf Centavos
erhöht?“ fragte Dobbs, dabei verrührte er den Berg Zucker, den er sich
in das Glas geschüttet hatte.
„Die Unkosten sind zu hoch“, sagte der Kellner, während er sich mit
einem Zahnstocher im Munde herumfuhrwerkte und sich dann gelangweilt
gegen die Bar lehnte.
Dobbs hatte die Frage nur gestellt, um etwas zu sagen. Für ihn und
seinesgleichen machte es zwar sehr viel aus, ob der Kaffee fünfzehn oder
zwanzig Centavos kostete. Aber er regte sich über die Preiserhöhung
nicht auf. Wenn er fünfzehn Centavos aufbringen konnte, dann konnte er
auch zwanzig aufbringen, und wenn er keine zwanzig machen konnte, dann
fehlten ihm auch die fünfzehn. Im Grunde genommen war es also ganz
gleich.
„Ich kaufe keine Lose, verflucht noch mal, laß mich endlich zufrieden“,
rief er dem Indianerjungen zu, der ihm schon seit fünf Minuten die
langen dünnen Fahnen der Lotterielose vor der Nase herumschwenkte.
Aber der Junge ließ sich so leicht nicht abweisen.
„Ist die Lotterie des Staates Michoacan. Sechzigtausend Pesos der
Hauptgewinn.“
„Mach’ endlich, daß du fortkommst, du Räuber, ich kaufe kein Los.“
Dobbs tauchte sein Hörnchen in den Kaffee und schob es in den Mund.
„Das ganze Los ist nur zehn Pesos.“
„Hundesohn, ich habe keine zehn Pesos.“ Dobbs wollte einen Schluck
Kaffee trinken, aber das Glas war zu heiß, er konnte es nicht anfassen.
„Dann nehmen Sie doch nur ein Viertel, das ist zwei Pesos fünfzig.“
Dobbs hatte sehr geschickt das Glas an den Mund gebracht. Aber als er
jetzt gerade trinken wollte, verbrannte er sich die Lippen, so daß er
das Glas rasch wieder hinsetzen mußte, weil es ihm durch das lange
Halten auch in den Fingern zu heiß geworden war.
„Wenn du jetzt nicht sofort machst, daß du mit deinen gestohlenen Losen
zum Teufel gehst, dann gieße ich dir das Wasser ins Gesicht.“
Dobbs sagte es diesmal wütend. Nicht aus Wut über den geschäftstüchtigen
Jungen als vielmehr aus Wut, daß er sich die Zungenspitze verbrüht
hatte. An seiner Zunge konnte er seine Wut nicht auslassen, auch nicht
an dem Kaffee, den zu vergießen er sich wohl hütete. Darum ließ er seine
Wut an dem Jungen aus.
Der Junge machte sich nicht viel daraus. Er war solche Wutausbrüche
gewöhnt. Auch war er ein guter Kaufmann, der seine Leute kannte. Wer
hier um diese Zeit Kaffee trinken und zwei Hörnchen dazu essen konnte,
der war auch imstande, ein Lotterielos zum Besten des Staates Michoacan
zu kaufen.
„Dann nehmen Sie doch nur ein Zehntel, Senjor. Kostet nur einen Peso.“
Dobbs nahm das Glas mit dem Eiswasser auf und schielte dabei zu dem
Jungen hin. Der Junge sah es, ging aber nicht vom Fleck.
Dobbs trank einen Schluck von dem Wasser. Der Junge schwenkte ihm dabei
seine Fahnen mit den Losen vor der Nase herum. Mit einem Schwupp hatte
ihm Dobbs das Wasser ins Gesicht geschüttet, und die Lose trieften vom
Wasser.
Der Junge war aber nicht wütend darüber. Er lachte nur, schüttelte das
Wasser aus den Losen und strich sich mit dem halben Handrücken das
Wasser von seinem zerlumpten Hemd herunter. Diesen Wasserguß betrachtete
er mehr als einen Ausdruck freundschaftlicher Geschäftsanbahnung denn
als ein Zeichen unversöhnlicher Feindschaft. In seinem kleinen Kopf
hatte sich einmal die Meinung festgesetzt, daß derjenige, der ein Glas
Milchkaffee trinken und zwei Hörnchen dazu essen könne, auch ein Los
kaufen müsse, um durch einen Lotteriegewinn diese Ausgabe wieder
hereinzubekommen.
Das größte Glas Kaffee geht einmal mit seinem Inhalt zu Ende. Dobbs
drückte den letzten Tropfen heraus, der nur herauszuholen war, ohne das
Glas zerbrechen zu müssen. Endlich war auch die letzte Krume der schönen
Hörnchen aufgepickt, und Dobbs gab seinen Fünfziger hin, um zu zahlen.
Er bekam zwanzig Centavos heraus, in einem kleinen Silberstück. Darauf
schien der Junge nur gewartet zu haben.
„Kaufen Sie doch ein Zwanzigstel von der Monterreylotterie, Senjor.
Kostet nur zwanzig Centavos. Hauptgewinn zwanzigtausend Pesos. Da nehmen
Sie das. Das ist eine gute Nummer.“
Dobbs wiegte das Silbermünzchen in der Hand. Was sollte er damit machen?
Zigaretten kaufen. Er hatte gerade jetzt nach dem Kaffee keinen
Geschmack auf Zigaretten. Lotterielos war weggeworfen. Immerhin, weg ist
weg. Und man konnte ein paar Tage hoffen. Es dauerte ja nicht viele
Monate, sondern immer nur ein paar Tage, bis die Ziehung war.
„Na, gib her dein Los, du Hundesohn. Nur damit ich dich endlich nicht
mehr mit deinen Losen sehe.“
Eilfertig riß der kleine Kaufmann das Zwanzigstel von der langen Fahne
herunter. Es war ganz hauchdünnes Papier. So dünn, daß der Druck auf der
rückwärtigen Seite ebenso stark war wie auf der Vorderseite.
„Das ist eine sehr gute Nummer, Senjor.“
„Warum spielst du sie denn da nicht selbst?“
„Ich habe nicht das Geld dazu. Da ist das Los. Vielen, vielen Dank,
Senjor. Beehren Sie mich beim nächsten Mal.“
Dobbs schob sein Los ein, ohne sich die Nummer anzusehen. Dann ging er
baden. Das war ein weiter Weg. Raus, weit hinter dem Cementerio. Dann
den Berg hinunter zum Fluß. Ehe man herankam, mußte man über Kanäle und
Pfützen springen und durch sumpfige Stellen waten.
Im Wasser tummelten sich schon Dutzende von Indianern sowie von Weißen,
die auf der gleichen gesellschaftlichen Stufe standen wie Dobbs und von
dem lebten, was andre abfallen ließen. Badehosen hatte niemand. Aber es
war auch niemand da, der sich darum bekümmert hätte. Es gingen sogar
Frauen und Mädchen an diesen Badestellen vorüber, die nichts Besonders
darin sahen, daß die Männer hier ganz unbekleidet badeten, und auch mit
keinem Gedanken daran dachten, Ärgernis oder Anstoß daran zu nehmen.
Freilich, die feinen amerikanischen oder europäischen Frauen hätten es
unter ihrer Würde gefunden, hier vorbeizugehen. Die standen oben auf der
Höhe, auf den Balkonen und in den Fenstern ihrer Häuser mit guten
Prismengläsern und sahen den Badenden zu. Die Damen, die nicht hier
wohnten, sondern auf der andern Seite der Avenida Hidalgo, in der
Colonia Guadalupe und in den andern Kolonien, die ließen sich von Damen,
die hier wohnten, zum Tee einladen. Jede Dame brachte ihr Prismenglas
mit, um – um sich die weite Landschaft von der Höhe aus zu betrachten.
Denn die Aussicht war sehenswert. Darum hieß die Kolonie hier auch
Colonia Buena Vista.
Das Baden war erfrischend, und Dobbs sparte fünfundzwanzig Centavos, die
er für das Brausebad im Hotel hätte bezahlen müssen. Aber das
Baden hatte auch wieder seine Schattenseiten. Da waren die
Riesen-Taschenkrebse, die im Schlamm saßen. Und diese Krebse dachten
zuweilen, die Zehen der Badenden seien gutes Fleisch, das man nicht
verachten dürfe. Es zwickte ganz verteufelt, wenn so ein guter alter
ausgewachsener Krebs ordentlich zupackte und mit der Zehe abrücken
wollte.
Der Fluß teilte sich hier in viele Arme. An einzelnen Ufern saßen die
Krebsfischer. Es war ein mühseliges Geschäft, und es konnte nur
ausgeführt werden von jemand, der unerhört viel Geduld hatte.
Die Krebsfischer waren meist Indianer oder sehr armes Halbblut. Der
Köder war altes stinkiges Fleisch. Je mehr es stank, desto besser war
es. Ein großer Brocken des Fleisches wurde auf einen Angelhaken
gespießt, der an einer sehr langen Schnur befestigt war. Dann wurde der
Brocken sehr weit in den Flußarm hinausgeworfen.
Hier blieb er eine gute Weile liegen. Nun begann der Fischer die Schnur
ganz, ganz langsam einzuziehen, so langsam, daß man es kaum sah. Es
dauerte eine Ewigkeit, bis der Haken mit dem Brocken wieder am Ufer war.
Dann wurde die Schnur weiter langsam herausgezogen auf das flach
aufsteigende schlammige Ufer. Sechs bis zehnmal war es vergebens. Der
Haken mußte wieder hinausgeworfen werden, oft mit einem neuen Brocken,
weil der alte abgefressen war, dann wieder mit unendlicher Geduld
langsam herangeholt werden.
Die Krebse packten mit der Schere den Brocken Fleisch fest, und sie
hielten so krampfhaft den Brocken fest, daß sie sich damit herausziehen
ließen, weil sie den Brocken nicht mehr hergeben wollten. Wurde zu rasch
gezogen, dann konnte der Krebs so schnell nicht mit, oder es kam ihm
verdächtig vor, und er ließ los. Oft packte er auch den Brocken so
kräftig, daß er ihn vom Haken abkniff, und dann hatte der Krebs
gewonnen.
Geduldige Fischer machten ein gutes Tagesgeschäft, denn manche der
Krebse wogen ein halbes oder gar dreiviertel Kilo, und die Restaurants
zahlten gute Preise, weil das Fleisch von Liebhabern sehr begehrt ist.
Als Dobbs den Fischern so zusah, fand er, daß es kein Geschäft für ihn
sei. Er hätte die Geduld nicht gehabt, die hier nötig war. Ein kleiner,
unbedachter hastiger Ruck ließ die Beute gehen. Dieses Fischen
erforderte eine Ruhe der Nerven, die Dobbs, der im Tumult einer
amerikanischen Großstadt aufgewachsen war, nicht hätte aufbringen
können, selbst wenn er für jeden Krebs fünf Pesos bekommen hätte.
Er torkelte wieder zurück zur Stadt. Das Baden und die Wanderung hatten
ihn hungrig gemacht, und er mußte zusehen, wie er zu seinem Abendessen
kam. Wieder war es eine Zeitlang vergebens, und er mußte manche
peinliche Bemerkung einstecken und runterschlucken. Aber man wird
abgebrüht, wenn man Hunger hat, und wenn man keinen andern Weg sieht, um
zu einem Abendessen zu kommen.
Endlich sah er einen Herrn in einem weißen Anzug. Er dachte, mit Herren
im weißen Anzug habe ich heute Glück, wir werden es wieder einmal
versuchen. Und er hatte richtig geraten. Es waren fünfzig Centavos, die
für das Abendessen reichten.
Nach dem Abendessen und nach einer angemessenen Ruhe auf einer Bank
dachte er, es wäre doch recht gut, wenn ich etwas Kleingeld in der
Tasche hätte, weil man ja nie weiß, was vorkommen kann. An dieses
Kleingeld dachte er nicht aus sich selbst heraus, sondern der Gedanke
kam ihm, als er einen Herrn in einem weißen Anzug drüben auf der andern
Seite der Plaza vorübergehen sah. Er ging gleich auf ihn los.
Der Herr griff auch richtig in die Tasche und brachte einen Fünfziger
hervor. Dobbs wollte zulangen, aber der Herr hielt seinen Fünfziger
fest. Dann sagte er ganz trocken: „Hören Sie mal, mein Junge, eine so
unerhörte Frechheit ist mir doch noch nie im Leben vorgekommen, und wenn
mir das jemand erzählen würde, so würde ich es nicht glauben.“
Dobbs stand ganz verdattert da. So etwas war ihm auch noch nicht
vorgekommen, daß jemand eine so lange Ansprache an ihn hielt. Er wußte
nicht recht, ob er stehenbleiben oder ob er fortlaufen sollte. Aber da
er den Fünfziger immer noch in der Hand des Herrn sah, hatte er das
Gefühl, daß dieser Fünfziger früher oder später doch für ihn bestimmt
sei, und daß der Herr eben nur das Vergnügen haben wolle, eine Predigt
dabei anzubringen. Die Predigt kann ich mir für den Fünfziger ja ruhig
mit anhören, ich habe ja weiter nichts zu tun, sagte sich Dobbs. Und so
blieb er ruhig stehen.
„Heute nachmittag erzählten Sie mir,“ fuhr der Herr jetzt fort, „Sie
hätten noch nicht gegessen. Daraufhin gab ich Ihnen einen Peso. Dann
traf ich Sie wieder, und Sie sagten, Sie hätten kein Schlafgeld,
daraufhin gab ich Ihnen fünfzig Centavos. Wieder später kamen Sie und
sagten, Sie hätten noch nicht zu Abend gegessen, und ich gab Ihnen
abermals einen Fünfziger. Nun sagen Sie mir das eine, wozu wollen Sie
denn jetzt noch Geld?“
„Für morgen früh zum Frühstück“, sagte Dobbs geistesgegenwärtig.
Der Herr lachte, gab ihm den Fünfziger und sagte: „Das ist das
letztemal, daß ich Ihnen etwas gebe. Nun gehen Sie auch einmal zu einem
andern und nicht gerade immer zu mir. Es fängt mir an, langweilig zu
werden.“
„Entschuldigen Sie nur,“ sagte Dobbs, „ich habe nicht gewußt, daß Sie
immer derselbe sind. Ihr Gesicht habe ich mir nie angesehen, das sehe
ich jetzt zum ersten Male. Aber ich werde nun nicht wiederkommen.“
„Damit Sie auch Ihr Wort bestimmt halten und mich nicht mehr belästigen,
will ich Ihnen noch einen Fünfziger mehr geben, damit Sie auch noch
morgen das Mittagessen haben. Aber von dann an wollen Sie gefälligst für
Ihren Lebensunterhalt ohne meine Mitwirkung sorgen.“
„Dann wäre diese Quelle ja auch erschöpft“, sagte Dobbs zu sich. Und er
kam zu der Erkenntnis, daß es besser sei, einmal über Land zu gehen und
zu sehen, wie es da ausschaut.
2
Es traf sich so, daß Dobbs in seinem Schlafraum einen Mann fand, der
einem andern Schlafkameraden erzählte, daß er nach Tuxpam gehen wolle,
aber keinen Weggenossen hätte. Kaum hatte Dobbs das gehört, als er auch
gleich sagte: „Mensch, ich gehe mit nach Tuxpam.“
„Sind Sie Driller?“ fragte der Mann von dem Bett aus. „Nein, Pumpmann.“
„Gut,“ sagte der Mann darauf, „warum nicht, wir können ganz gut
zusammengehen.“
Am nächsten Morgen machten sich die beiden auf, die zahlreichen Ölfelder
auf der Strecke nach Tuxpam nach Arbeit abzusuchen. Sie frühstückten
erst ihr Glas Kaffee und ihre beiden Brötchen in einem Kaffeestand, und
dann zogen sie beide ab.
So direkt kann man ja nun nicht nach Tuxpam gehen. Da gibt es keine
Bahn. Nur Flugzeuge. Und da kostet eine Fahrt fünfzig Pesos. Aber da
fahren viele Lastautos hinunter zu den Feldern. Das eine oder andre
nimmt einen vielleicht mit. Den ganzen Weg zu laufen, ist nicht so
einfach. Es sind mehr als hundert Meilen, und immer in glühender
Tropensonne und wenig Schatten.
„Das ist das allerwenigste,“ sagte Barber, „wenn wir nur erst rüber sind
über den Fluß.“
Das Übersetzen über den Fluß kostete fünfundzwanzig Centavos, und diese
fünfundzwanzig Centavos wollten sie nicht ausgeben.
„Ja, da bleibt uns nichts weiter übrig,“ sagte Barber, „da müssen wir
auf die Huasteca-Frachtfähren warten. Die nehmen uns umsonst mit
hinüber. Das kann aber bis um elf Uhr dauern, ehe wieder eine kommt, die
fahren ja nicht nach der Zeit, sondern nach der Fracht, die sie haben.“
„Dann setzen wir uns nur hier in Geduld auf die Mauer“, erwiderte Dobbs.
Er hatte sich von dem Überschuß des Frühstücksgeldes ein Päckchen mit
vierzehn Zigaretten gekauft für zehn Centavos. Er hatte Glück. In dem
Päckchen war ein Bon für fünfzig Centavos, den er gleich beim
Zigarettenhändler gegen Bargeld eintauschte. Nun besaß er die große
Summe von einem Peso und zehn Centavos in barer Münze.
Barber hatte auch etwa einen Peso und fünfzig Centavos als Reisekapital.
Sie hätten das Fährgeld ja bezahlen können; aber da sie reichlich Zeit
hatten und nichts versäumten, so konnten sie auch ganz gut auf die
Frachtfähre warten und das Geld sparen.
Hier an der Fähre war ein reger Verkehr. Dutzende von großen und kleinen
Motorbooten warteten auf Fahrgäste. Spezialboote, die über der Taxe
fuhren, brachten die Kapitäne und die Manager der Ölkompagnien hinüber,
die es zu eilig hatten, um auf die Taxboote zu warten, die immer erst
ihre vier oder sechs Fahrgäste voll haben wollten, ehe sie losratterten.
Und da hier immer Aufenthalt war und besonders die Arbeiter, die
drüben arbeiteten und hier wohnten, in den Morgen- und in den
Nachmittagsstunden hier zu Hunderten und oft zu Tausenden schwärmten,
ging es an der Fähre zu wie auf einem Jahrmarkt. Da waren Tische, wo es
Mittagessen gab, oder Kaffee, oder geröstete Bananen, oder Früchte, oder
Enchiladas, oder heiße Tamales, oder Zigaretten, oder Süßigkeiten. Alles
lebte von der Fähre und durch die Fähre. Autos und Straßenbahnen
brachten die Fahrgäste aus dem Stadtinnern in ununterbrochener Folge.
Das ging den ganzen Tag und die ganze Nacht ohne Aufhören. Drüben waren
die Hände, hier auf dieser Seite, in der Stadt, war das Hirn, waren die
Zentralbureaus, die Banken. Drüben auf der andern Seite des Flusses war
die Arbeit, hier war die Erholung, die Rast, das Vergnügen. Drüben war
der Reichtum, das Gold des Landes, das Öl. Drüben war es wertlos. Hier
erst, auf dieser Seite, in der Stadt, in den steilen Bureauhäusern, in
den Banken, in den Konferenzräumen, in der All America Cable Service
bekam das Öl, das auf der andern Seite völlig wertlos war, seinen Wert.
Denn Öl wie Gold sind wertlos an sich, ihr Wert wird erst durch viele
andre Handlungen und Vorgänge bestimmt.
An dieser Fähre wanderten Milliarden an Dollars vorüber. Nicht in
Banknoten, nicht in gemünztem Golde, ja nicht einmal in Schecks. Diese
Milliarden wanderten hier vorüber in kurzen Notizen, die jene Leute, die
meist, aber nicht immer in Spezialbooten außer Taxe fuhren, in ihren
kleinen Taschenbüchern, manchmal nur auf einem Stückchen Papier, trugen.
Reichtümer und Werte in unserm Jahrhundert lassen sich in Notizen
ausdrücken und in Notizen herumtragen.
Um halb elf kam dann endlich die Frachtfähre, angefüllt mit Fässern,
Kisten und Säcken. Dutzende von indianischen Männern und Frauen kamen
herüber, schwer bepackt mit Körben, in denen sie Feldfrüchte zur Stadt
brachten, oder Matten, Taschen aus Bast, Hühner, Fische, Eier, Käse,
Blumen und kleine Ziegen.
Barber und Dobbs stiegen ein, aber es dauerte doch noch eine Stunde, ehe
die Fähre wieder hinüberfuhr. Die Fahrt war lang, ging den Fluß weit
hinunter, ehe die Anlegestelle erreicht wurde. Weit den Fluß hinauf lag
ein Tankschiff neben dem andern, um das Öl aufzunehmen und über den
Ozean zu tragen.
Auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses war der Verkehr ebenso
rege, und es war ein ebensolcher Jahrmarktsverkehr wie auf der
Stadtseite. Nicht nur den Fluß hinauf, sondern noch viel weiter den Fluß
hinunter, bald bis zur Mündung, lagen die großen Tankschiffe.
Weiter zurück vom Ufer, auf den Höhen, lagen die Riesentanks,
vollgefüllt mit dem wertvollen Öl. Zahlreiche Rohre führten das Öl
aus den Tanks hinunter zum Flußufer. Hier wurde es durch
Metalldrahtschläuche in die gewaltigen Tanks der Schiffe gepumpt. Wenn
das Öl einkam oder das Schiff voll gefüllt war, hißte es die rote
Gefahrflagge. Denn das Rohöl gaste, und eine unvorsichtige Behandlung
mit offenem Feuer konnte das Schiff ausbrennen bis auf das Wasser.
Scharen von Händlern mit Früchten, Papageien, Tigerkatzen, Tiger- und
Löwenfellen, Affen, Büffelhörnern, mit kleinen Palästen und Kathedralen,
aus Muscheln kunstvoll gebaut, trieben sich hier herum und boten den
Seeleuten ihre Waren an. Wenn sie kein Geld kriegen konnten, nahmen sie
auch andre Dinge, Anzüge, Regenmäntel, Lederkoffer oder was sie sonst an
wertvollen Sachen eintauschen konnten.
Die Raffinerien bliesen Wolken von Rauch und Gas aus. Das abgeblasene
Gas setzte sich in den Lungen und Luftröhren fest, wo es wie dünne
Nadeln stach. Dann hüstelten die Leute, und wenn der Wind diese Gase gar
hinübertrieb in die große Stadt, dann fühlte sich die ganze Bevölkerung
wie in einem Giftofen. Die Ungewohnten, die Neuankömmlinge, bekamen ein
unsicheres, ängstliches Gefühl. Sie faßten sich immerwährend an die
Kehle oder versuchten zu niesen oder zu schnauben und wußten meist
nicht, was los war. Viele der Neuen hatten ein Empfinden, als müßten sie
sterben, so giftig war das stechende Gefühl in der Kehle und in der
Lunge.
Aber die Altgewohnten nahmen es leicht. Solange dieses stechende giftige
Gas durch die Stadt schwelte, rann das Gold durch die Gassen, und das
Leben sah rosig aus, von welcher Seite aus man es auch betrachtete.
Hier waren die Saloons, einer neben dem andern. Alle lebten sie von den
Seeleuten. Die besten Kunden waren die amerikanischen Seeleute. Denn die
bekamen in ihrer Heimat weder Bier noch Wein noch Branntwein. Die holten
hier alles nach, was sie daheim versäumten, und tranken soviel Vorrat,
daß sie es gut eine Weile in ihrem trocknen, stumpfen Lande wieder
aushalten konnten. Sie waren an hohe Preise für geschmuggelten
Branntwein gewöhnt. Und hier, wo die Preise normal waren, erschien es
ihnen, als ob der Whisky und das Bier überhaupt nichts kosteten, als ob
sie alles geschenkt erhielten. So wanderte ein Dollar nach dem andern in
die Cantinas und in die Bars. Und wenige Häuser weiter waren die schönen
Damen, die ihnen den Rest ihres Geldes abnahmen. Aber die Seeleute
fühlten sich nie übervorteilt. Sie waren glücklich, und sie würden den,
der ihnen durch Verbote und Gesetze das Trinken und die schönen Damen
genommen hätte, mit tausend Flüchen belastet haben. Sie brauchten keinen
Vormund. Und die Seemannsmission, die sich nur darum bekümmert, daß die
Seeleute ein sauberes Bett bekommen und einen trocknen warmen Raum, wo
sie Zeitungen lesen können, wird von den Seeleuten am höchsten geachtet.
Wer Sehnsucht hat, in die Kirche zu gehen, findet immer eine Kirche; man
braucht sie dem Seemann nicht an den Mittagstisch oder in den Schlafsaal
zu tragen und das wenige an Religion, das ihm die Schule noch gelassen
hat, hier auch noch zu verekeln. Seeleute und Gefängnisgäste sind die
beiden Volksklassen, die man als die wehrloseste Beute ansieht, die man
mit Religion bis zum Überdruß des Erbrechens vollpacken darf. Aber
Überfütterung hat noch nie gut getan. Und weil sie nie gut tut und das
Gegenteil erzeugt von dem, was beabsichtigt ist, wird dem Verbrecher und
wird dem Seemann immer noch mehr Religion aufgepackt. Der Verbrecher im
Gefängnis und der Seemann an Land, nachdem er sein ganzes Geld
ausgegeben hat, bilden die beste Betgemeinde. Sie würden beide eine
kräftige Kinovorführung vorziehen, aber die können sie nicht umsonst
haben.
Barber sagte: „Es ist gerade Mittag, wir könnten eigentlich zu einem
Tanker raufklettern. Vielleicht fällt ein Mittagessen ab.“
„Das ist nicht so übel“, erwiderte Dobbs. „Wir können nur wieder
runtergepfeffert werden, das ist alles.“
Sie sahen zwei Männer mit nackten Armen bei einem Fruchthändler stehen.
Barber ging gleich drauflos und sagte: „Von welchem seid ihr denn?“
„Von der Norman Bridge. Warum?“
„Habt ihr schon gegessen?“ fragte Barber.
„Nein, wir sind gerade auf dem Wege dazu.“
„Wie ist es denn mit einem Mittagessen für uns beide?“ fragte Barber.
„Kommt nur gleich mit rauf. Die sind alle rübergegangen in die Stadt.
Masse übrig.“
Als Dobbs und Barber eine Stunde später das Schiff verließen, konnten
sie kaum gehen, so voll hatten sie sich gegessen. Sie setzten sich an
eine Wand, um erst eine Weile zu verdauen. Aber dann wurden sie unruhig,
weil sie ja weiter wollten und für die Nacht ein Unterkommen haben
mußten.
„Wir können auf zwei Wegen gehen“, sagte Barber. „Wir können hier auf
dem Hauptwege gehen, immer in der Nähe der Lagune bleibend. Aber ich
denke, der Weg ist nicht gut. Der wird von allen abgelaufen. Da gibt es
nichts in den Camps, die sind alle überlaufen von den Strolchen. Arbeit
gibt es hier auch nicht, weil da genug Leute kommen.“
„Dann brauchten wir doch überhaupt gar nicht erst rüber, wenn das
aussichtslos ist“, sagte Dobbs unwillig.
„Aussichtslos? Das habe ich nicht gesagt“, verteidigte sich Barber. „Nur
hier auf diesem Hauptverkehrswege da ist nicht viel los, weil zu viele
da laufen. Ich denke, wir gehen besser auf dem inneren Wege. Da treffen
wir mehr Felder, die ganz unbekannt sind, die mehr abseits der großen
Wege liegen. Da stoßen wir auch auf Camps, die gerade anfangen zu bauen.
Da gibt es immer etwas zu tun. Wir gehen jetzt mal hier den Fluß rauf
und gehen dann links ab, und in einer halben Stunde sind wir schon in
Villa Cuauhtemoc.“
„Dann los, wenn Sie glauben, daß jener Weg besser ist“, sagte Dobbs.
Der ganze Weg war Öl und nichts als Öl. Links auf den Höhen standen die
Tanks wie Soldaten aufmarschiert. Rechts war der Fluß. Bald hörten die
Schiffe auf, und das Flußufer wurde frei. Aber das Wasser war dick mit
Öl überzogen, die Ufer waren dick mit Öl bedeckt, und alle Gegenstände,
die der Fluß oder die einkommende Flut auf das Ufer geworfen hatten,
waren mit zähem schwarzem Öl überzogen. Der Weg, auf dem die beiden
gingen, war an vielen Stellen sumpfig von dickem Öl, das aus geborstenen
Röhren quoll oder aus der Erde sickerte. Öl und nichts als Öl, wohin
auch immer man sah. Selbst der Himmel war mit Öl bedeckt. Dicke schwarze
Wolken, die von den Raffinerien herüberwehten, trugen Ölgase mit sich
davon.
Es kamen dann Anhöhen, die freundlicher aussahen. Dort waren die
hölzernen Wohnhäuser der Ingenieure und der Bureaubeamten. Sie wohnten
hier schön und luftig, und was sie am Stadtleben einbüßten, das mußten
sie hier durch Grammophone und Radioapparate ersetzen. Denn abends aus
der Stadt hierher zurückzukommen, war ziemlich umständlich und auch
nicht sicher. Es trieb sich genug Gesindel herum, das auf leichte
Gelegenheiten wartete und das Leben eines andern nicht hoch einschätzte.
Villa Cuauhtemoc ist die eigentliche alte Stadt, eine uralte
Indianerstadt, die schon hier war, ehe die Spanier kamen. Sie liegt
gesünder als die neue Stadt, und sie liegt am Ufer eines großen Sees,
der Fische, Enten und Gänse in unübersehbarer Menge spendet. Das
natürliche Trinkwasser in der alten Stadt ist besser als das in der
neuen Stadt. Aber die neue Stadt wußte die alte weit und schnell zu
überholen. Denn die neue Stadt liegt dicht am Ozean und an einem Flusse,
auf dem die größten Ozeanriesen bis zum Hauptbahnhof fahren können und
hier so sicher gegen die wildesten Orkane ruhen, als ob sie in einer
Badewanne lägen. Von der alten Stadt wird in der neuen kaum noch
gesprochen. Tausende, Zehntausende von Bewohnern der neuen Stadt wissen
gar nichts davon, daß auf der andern Seite des Flusses und eine halbe
Stunde weiter ins Land hinein die eigentliche ursprüngliche Stadt liegt.
Aber diese beiden Städte, Mutter und Tochter, entfernen sich immer mehr.
Die neue Stadt, gerade hundert Jahre alt, die zweihunderttausend
Einwohner hat, mit ständiger Wohnungsnot, liegt im Staate Tamaulipas,
während die alte Stadt im State Vera Cruz liegt. Die alte Stadt wird
immer bäuerlicher, die neue Stadt wird immer mehr und mehr Weltstadt,
die ihren Namen in die fernsten Winkel der Erde sendet.
Kaum hatten die beiden Wanderer, die nun sehr eilig waren, um
voranzukommen, am Ende der Stadt, gegenüber der Lagune, den Höhenweg
erreicht, als sie einen Indianer am Wege hocken sahen. Der Indianer
hatte gute Hosen an, ein sauberes blaues Hemd, einen hohen spitzen
Strohhut und Sandalen. Eine große Basttasche, gefüllt mit einigen
Habseligkeiten, lag vor ihm auf dem Boden.
Sie beachteten den Mann nicht und gingen rasch weiter. Nach einer Weile
drehte sich Dobbs um und sagte: „Sie, was will denn der Indianer, der
kommt immer hinter uns her.“
Barber wandte sich um und sagte: „Es scheint so. Jetzt bleibt er stehen
und tut, als ob er etwas da im Busch sucht.“
Zu beiden Seiten war der dicke undurchdringliche Busch.
Sie gingen weiter, aber als sie sich umdrehten, sahen sie, daß der
Indianer ihnen folgte. Er schien sogar rascher zu gehen, um näher
heranzukommen.