Damals wurde von den beiden Heiligen, die alsogleich erkannt hatten, daß

die Mischung des Schimmelmistes und ihres heiligen Sputums die allein

richtige Mischung für ihr geplantes Dekoktum sei, aus besagtem,

in lieblichster Devotion duftendem Dekoktum das respektvolle

Ergebenheitstränklein gebraut, welches der heilige Bürokrazius hinfüro

den seiner Verwaltung und seines Gängelbandes dringend bedürftigen

Menschen bescherte.

Da die Menschen nach ihrer armseligen Naturanlage leider unfähig waren,

sich selber zu verwalten und sonder Schwanken gehen zu lernen, mußte

ihnen durch dieses offensichtlich himmlischer Eingebung entstammende

respektvolle Ergebenheitstränklein der endgültige Glaube an die

Notwendigkeit, Erhabenheit, Verstandesschärfe, Unentbehrlichkeit und

Unfehlbarkeit aller irdischen Stiftungen des heiligen Bürokrazius

beigebracht werden.

Der Heilige verfügte, daß dieses Tränklein bereits den Kindern in die

Lullbüchsen gegeben würde, so daß sie es zugleich mit der Muttermilch

bekamen und mit der respektvollen Ergebenheit gegen den heiligen

Bürokrazius im Leib schon in ihren Windeln lagen.

Sintemalen uns allen dieses Tränklein in Adern, Knochen und Flachsen

liegt und sozusagen einen wesentlichen Bestandteil unserer irdischen

Beschaffenheit ausmachet, hat es bis zu heutigen Tagen der armen

Menschheit auch noch nie recht zu dämmern begonnen, was für ein

riesengroßes Rindviech der heilige Bürokrazius im Grunde genommen

eigentlich ist. Auch die Bestandteile des respektvollen

Ergebenheitstränkleins sind den Menschen noch nie zum Bewußtsein

gekommen, dieweil es sich eben um ein Geheimmittel handelt, das sich nur

in seinen Wirkungen dokumentieret.

Alldieweilen aber jegliche Medikamente ihren gelehrten lateinischen

Namen haben müssen, damit sie dem ehrfurchtsvollen Publiko um so

unbegreiflicher, geheimnisvoller und rätselhafter erscheinen, hat ein

Kollegium hochgelahrter Professoren, Doktoren, Chemiker, Alchimisten und

Pharmazeuten nach jahrelangen schwierigen Beratungen auch für das

respektvolle Ergebenheitstränklein, welches die Welt dem heiligen

Bürokrazius unter kräftiger Mitwirkung des heiligen Stultissimus

verdanket, die endgültige wissenschaftliche Bezeichnung gefunden. Sie

soll dir, o frohgemuter Leser, nicht vorenthalten werden. Wappne dich

jedoch mit allen deinen klassischen Kenntnissen und verrenke dir dabei

die Zunge nicht ... _Sanctorum Bürokrazii atque Stultissimi mixtura

famosa gloriosa miraculosa amabilis admirabilis honorabilis venerabilis

respectabilis devotionalis mystica decocta speibensis saufdusi._

[Verzierung]

Wie der heilige Bürokrazius Hühneraugen im Hirn bekam

und sich einen Zopf wachsen ließ.

O höllischer Sudkessel, wie fürchterlich sind deine Qualen,

Nicht zu beschreiben und auch nicht zu malen!

Wann dich Verdammten von vorne und von hinten

Unablässig die Teufel zwicken und boshaftig schinden,

Dann wirst du vor lauter höllischer Pein Tag und Nacht juhzen,

Aber es wird dir sotanes Gejuhze nix nutzen.

Und wenn du auch jodelst in den höchsten Tönen,

Wird dein Gesang nur die Schadenfreude der Höllenmächte verschönen.

Pech und Schwefel wird dir deinen sündigen Leib verbrennen,

Magst du auch noch so winseln und heulen und rotzen und flennen.

Während ein Rindfleisch im Sudkessel wird allgemach weicher

und linder,

Bleibst du darinnen für alle Ewigkeiten der gleich hartgesottene

Sünder.

Und entsteiget deiner Suppen auch tausendfach Weh und Ach,

Hilft's dir einen Dreck, du bleibest in _saecula saeculorum_ zach.

Und geben sie dich auch zur Abwechslung, um dich zu braten und zu

schmoren,

In die höllische Pfannen, es ist an dir alle Liebesmüh verloren.

Dahero kannst du daran ermessen, du gottverlassener Sündenlümmel,

Wie blöd es von dir war, in die Hölle zu kommen anstatt in den Himmel.

Wenn du aber für höllische Qualen zwecktunliche Vergleiche willst

entdecken

An irdischen Martern, Bedrängnissen, Peinigungen und Schrecken,

Die eine heilsame _comparationem_ aushalten mit den diabolischen

Pech- und Schwefellaugen,

Dann brauchst du nur mit gebührender Andacht zu denken an deine

Hühneraugen.

Die machen dich, o frommer Christ, auch mitunter so elendiglich

juhzen,

Daß du dir am liebsten tätest deine verehrlichen Zehen abstutzen.

Schreiber dieser heiligen Legende hat zwar schon im vorhergehenden denen

schwindelhaften Poeten als einem Lottergesindel feierlich abgesaget und

abgeschworen. Deswegen hat er es sich aber doch nicht versagen können,

dieses Hauptstück mit zierlichen und wohlgesetzten Reimlein einzuleiten.

Er möchte sich aber sehr geharnischt dagegen verwahren, um dieser

Reimlein willen unter das verächtliche Gelichter der Poeten einverleibet

zu werden. Seine Reimlein sind keine Poesien, sondern der Abglanz und

Spiegel der Wahrheit, _speculum veritatis_. Er hat nicht gedichtet und

nichts erdichtet, auch nichts geschwefelt mit der Abschilderung des

höllischen Schwefels, sondern nur der Wahrheit ein Gewand verliehen, das

noch deutlicher in die Augen fällt, als die schlichte Prosa, und einen

Ton, der euch in den Ohren klingen soll wie die Trompeten von Jericho.

Dabei hat er euch aber die Qual der Hühneraugen nochmals eindringlich

vorführen wollen, damit ihr das richtige, nachdenksame und auferbauliche

Verständnis für das Folgende findet, was er euch in diesem Hauptstück

von dem heiligen Bürokrazio zu vermelden und zu berichten hat.

Es ereignete sich nämlich, daß den heiligen Bürokrazius seine

Hühneraugen wiederum fürchterlich turmanterten, _id est_ peinigten. Das

schrieb sich dahero, dieweilen unterschiedliche frevelhafte Menschen,

so noch nicht zu den Rindviechern zählten und derohalben seine heilige

Sendung noch nicht erfasset hatten, dem Heiligen in niederträchtiger und

heimtückischer Absicht wiederholt sonder Erbarmen auf diesen seinen

empfindlichen Leibschaden der Zehen traten.

Das machte den Heiligen jedesmal so erbärmlich juhzen wie die Verdammten

im höllischen Sudkessel. Gerne hätte er _ad majorem dei gloriam_ auch

diese Qualen seines Erdenwandels noch weiter ertragen. Besagtes Gejuhze

vereinbarte sich aber nicht mit seiner Würde, die er kraft seiner

himmlischen Sendung allerorten zur Schau tragen mußte.

Da dem heiligen Bürokrazio der Ton, in welchem die innere Stimme des

Erzengels Michael mit ihm geredet hatte, für die Dauer gar nicht genehm

war, wagte er es desto weniger, sich an diese himmlische Stimme zu

wenden, weil ja die Materie seiner Hühneraugen schon einmal zwischen ihm

und dem Erzengel Michael abgehandelt worden war.

Der heilige Bürokrazius setzte sich dahero wiederum mehrere Tage und

Nächte nieder, wie er dies beim Denken bekanntlich immer zu tun pflegte,

und dachte inständig darüber nach, auf welche Art und Weise er die Qual

der Hühneraugen loswerden könnte, dieweilen ihm wegen der Boshaftigkeit

der sündhaften Menschen auch die erhabene Berittenheit auf dem

Amtsschimmel zwar eine zeitweilige, aber nicht eine immerwährende

Befreiung von dieser großen leiblichen Sorge seines irdischen Wandels

gebracht hatte.

Nachdem der Heilige reiflich und tief nachgedacht hatte, wurde ihm durch

eine innere Stimme die Eröffnung: »Wende dich in einer gehörig

begründeten Eingabe an die höchste Instanz, an den lieben Gott selber!«

Wem diese Stimme von oben angehörte, konnte der heilige Bürokrazius nie

ergründen. Sie sprach jedoch zu ihm in einem höflichen und

liebenswürdigen Tone.

Es handelte sich jetzo aber darum, die verlangte Eingabe an den lieben

Gott zu verfassen. Und das war keine Kleinigkeit. Denn eine solche

Eingabe war dem heiligen Bürokrazius in seiner ganzen Praxis noch nie

vorgekommen. Auch besaß er hiezu keine Formularien oder sonstigen

Behelfe. Nicht einmal in dem Mist des Amtsschimmels waren irgendwelche

Andeutungen für den Verkehr mit dem lieben Gott zu finden.

Der heilige Bürokrazius pflog dahero sorgsame Beratungen mit seinem

Stallknecht, dem heiligen Stultissimus. Der hatte ihm, bevor der heilige

Bürokrazius sich auf das neuerliche tiefe Nachdenken über seine

Hühneraugen verlegte, schon einmal den echt freundschaftlichen Rat

gegeben, er solle sich seine Hühneraugen beim Hufschmied beschlagen

lassen. Dieser Rat war aber damals von dem heiligen Bürokrazius mit

berechtigtem Entsetzen zurückgewiesen worden, obschon er die Wohlmeinung

desselben uneingeschränkt anerkannte.

Der heilige Stultissimus war nunmehro, nachdem ihm der heilige

Bürokrazius von seiner neuesten himmlischen Eingebung Mitteilung gemacht

hatte, der Ansicht, daß es eigentlich eine Frechheit sei, den lieben

Gott mit seinen Hühneraugen zu belästigen. Aber wenn der heilige

Bürokrazius schon meine, er solle es doch tun, dann möge er sich ja

davor hüten, den lieben Gott um die gänzliche Befreiung von den

Hühneraugen anzusumsen. Solche gänzliche Nachlässe irdischer Qualen

seien eine unerhörte Forderung an die Allbarmherzigkeit des lieben Gott.

Denn irgendetwas müsse der Mensch doch auf Erden zu leiden haben. Und

sonst habe der heilige Bürokrazius ja auch nichts Arges zu erdulden.

Nicht einmal von Kopfweh werde er jemals heimgesuchet.

Das leuchtete dem heiligen Bürokrazius denn auch ein, und so beschlossen

die beiden Heiligen nach gewissenhaften beiderseitigen Beratungen, daß

die Eingabe an den lieben Gott nur die Bitte enthalten sollte, der liebe

Gott möge so gnädig sein, dem heiligen Bürokrazius seine Hühneraugen an

eine Stelle seines heiligen Leibes zu versetzen, wo sie ihn nicht so

fürchterlich schmerzen würden. Ein Endchen Qual wolle er ja in

demütigster Unterwerfung gerne ertragen. Aber der gegenwärtige Zustand

sei unerträglich und eine schwere Berufsschädigung.

Die Eingabe an den lieben Gott wurde alsobald erlediget. In dem heiligen

Bürokrazius erhub sich nach einer abermaligen andächtigen Sitzung eine

mächtige Stimme, welche er als die Stimme des lieben Gott erkannte.

Die Stimme war zwar nicht wesentlich höflicher als die des Erzengels

Michael, sie erging sich aber doch nicht in derartigen Ausdrücken, wie

sie der Erzengel liebte.

Die Stimme sprach aber ungefähr folgendes: »Hühneraugen hast? Wo anders

willst sie haben? Das könnt' jeder sagen. Laß' mich ein bissel

nachdenken, wo sie bei dir am ehesten Platz haben. Denn wisse, jedes

Ding will seinen Platz haben. Auch die Hühneraugen. Halt! Ich hab's. Ich

versetz' dir die Hühneraugen nach dem Hirn. Da hast du am meisten Platz

dafür. Ist ohnedies nix drin. Sonst wärst ja nicht der heilige

Bürokrazius. Siehst, wie gut es ist, wenn man im Schädel eine leere

Kammer hat.«

Der liebe Gott sprach es. Und das Wunder geschah. Der liebe Gott

versetzte in seiner himmlischen Gnade und Allmacht dem heiligen

Bürokrazius seine Hühneraugen in das Hirn, wo sie als Einquartierung gut

aufgehoben waren.

Und wie gnädig war der liebe Gott gewesen. Der heilige Bürokrazius hatte

sich in seiner Eingabe nur nachzusuchen erlaubet, der liebe Gott möge

ihm die Hühneraugen nach einer Stelle seines heiligen Leibes versetzen,

wo sie ihn nicht so fürchterlich schmerzen würden. Mit einem Endchen

Qual wolle er sich gerne abfinden. Nun hatte ihm der liebe Gott die

Hühneraugen in das Hirn versetzet, und da verspürte der heilige

Bürokrazius überhaupt keine Qual mehr. Denn jede Qual erfordert, damit

sie gefühlet werde, ein Eintreten in das Bewußtsein. Nachdem jedoch dem

heiligen Bürokrazius die Hühneraugen nach demjenigen Teile seines

heiligen Leibes versetzet worden waren, der mit seinem Bewußtsein oder

Verstande gar nichts zu tun hatte, konnten ihn die Hühneraugen im Hirn

unmöglich mehr peinigen.

Es ist aber in unzähligen theologischen Schriften erwiesen, daß die

göttliche Weisheit nichts tut ohne ihren ewigen Vorbedacht. So war auch

die Versetzung der Hühneraugen des heiligen Bürokrazius in sein Hirn von

Ewigkeit vorbedacht. Und diese vorbedenkende Weisheit des lieben Gott

sollte sich alsobald zeigen.

Da die Hühneraugen nunmehro eine ungehinderte Freistatt hatten, sich

üppig zu verbreiten, und sie kein Schuh mehr drückte, feierten sie in

dem Hirn des Heiligen wahre Orgien der Vermehrung. Sie wucherten gleich

Schwämmen zur Zeit des Jupiter Pluvius, wie die Antiken sagen würden,

und drückten allgemach gewaltig gegen die Schädelwände.

Sintemalen jedoch der Heilige infolge der eigentümlichen Beschaffenheit,

mit welcher er dachte, unmöglich Kopfschmerzen bekommen konnte, so

störten ihn die Hühneraugen auch bei ihrer unheimlichen Vermehrung nicht

im geringsten in seinem Berufe.

Irgendwie mußten sie ihre Bestimmung aber doch erfüllen. Mit ihrem Druck

gegen die Schädelwände war unwillkürlich auch ein Druck auf die

Haarwurzeln verbunden. Die ausgefallenen Haare des Heiligen begannen

dahero plötzlich wieder zu wachsen.

Es erhub sich in kurzer Zeit ein derart reicher Haarwuchs, daß der

heilige Bürokrazius sich bemüßiget fand, einen Zopf daraus zu flechten.

Der Zopf aber stund ihm großartig zu Gesichte.

Dies fanden auch der heilige Stultissimus und alle Menschen, die seines

Anblickes gewürdiget wurden. Ja, seitdem der heilige Bürokrazius einen

Zopf trug, gewann er noch mehr Ansehen bei den Menschen.

Der Zopf hatte ihm noch gefehlet. Trug ja auch der Amtsschimmel hinten

einen Schweif. Warum sollte daher der heilige Bürokrazius unbezopft auf

Erden wandeln.

Die allwaltende göttliche Weisheit hatte mit dem Zopf des heiligen

Bürokrazius aber noch ganz etwas anderes bezwecket, was sich alle die

Spötter hinter ihre werten Ohrwascheln schreiben sollen, die über diesen

Zopf je abfällige Bemerkungen gemacht haben.

Und diese abfälligen Bemerkungen wurden gemacht. Wagt es doch die

Menschheit, das Glänzende zu schwärzen und das Erhabene in den Staub zu

ziehen. Das muß irgendwo irgendein Dichter gesagt haben, der sich durch

sotanen Ausspruch in einem Momente göttlicher Eingebung für diesen einen

Moment von dem sonstigen Poetengesindel loslöste.

Der Zopf des heiligen Bürokrazius ist nur derohalben der Gegenstand

frevelhaften Witzes geworden, weil die Menschheit bis anhero den

geheimnisvollen Gang des göttlichen Willens nicht erkannt hat.

Darum passet fein auf und höret zu. Der Schreiber dieser Legende will

euch aufmerksamen Lesern die göttliche Bestimmung des Zopfes des

heiligen Bürokrazius erläutern.

Durch die eigentümliche Denkart des Heiligen konnte sich sein Gehirn

nach außen nicht dokumentieren. Da dieses jedoch mit der Zeit hätte zu

Mißdeutungen führen und dem Ansehen des Heiligen hätte schaden können,

war der liebe Gott in seiner ewigen Weisheit darauf bedacht, das Gehirn

des Heiligen auch äußerlich in Erscheinung treten zu lassen.

Auf dem Umwege der Hühneraugen ließ er dahero das zur Untätigkeit

verurteilte Gehirn des Heiligen nach außen in der Gestalt seines Zopfes

sichtbar werden.

Dahero ist auch der Zopf des heiligen Bürokrazius, der von seinen

Jüngern und sonstigen Anhängern ehrfurchtsvoll in unveränderter Gestalt

übernommen wurde, etwas Heiliges und muß von uns allen gebührend

verehret werden. Er ist der sichtbare allegorische Ausfluß seines

Geistes an derjenigen Stelle, wo er naturgemäß sein sollte, aber nicht

zu finden ist.

Der tatsächliche Sitz des Verstandes und Geistes des heiligen

Bürokrazius kann aus leicht begreiflichen Gründen _coram publico_ nicht

entblößet werden, weswegen dem _Pleno titulo Publico_ dessen

sinnbildlicher Sitz und seine sichtbare Verkörperung in Gestalt des

Zopfes genügen möge. Womit Schreiber dieser Legende allen Spöttern,

Tadlern und Mäklern _in aeternum_ das Wasser auf die lästerlichen

Klappermühlen ihrer Scheelsucht abgegraben zu haben vermeinet.

Es ist aber obenbeschriebene Angelegenheit mit dem Versetzen der

Hühneraugen nach dem Hirn des heiligen Bürokrazius und mit dem dadurch

hervorgerufenen Wachsen des Zopfes noch keineswegs erlediget. Auf daß

der Heilige durch Befreiung von jeglicher irdischer Qual nicht zu

weltlichem Übermute verleitet würde, ist dem bösen Feind _alias_

Gottseibeiuns oder Luzifer ein diabolisches Streichlein verstattet

worden.

Unter dem Einflusse und unter der Beratung des infernalischen

Schürmeisters hat sich bei der Wanderung der Hühneraugen nach dem

Gehirne des Heiligen ein ganz besonders niederträchtiges, erzinfames und

teuflisch boshaftes Hühnerauge nach demjenigen Körperteile seines

heiligen Leibes verirret, mit welchem er dachte.

Der heilige Bürokrazius sollte seiner verruchten Anwesenheit alsobald

gewahr werden. Dieses eine verirrte Hühnerauge begann ihn in neuer

Gestalt ärgerlich zu peinigen, und es wucherte weiter und bekam

Geschwister und Anverwandte.

Diesmal bemächtigten sich die hochgelahrten _doctores universalis

medicinae_ des Leidens des heiligen Bürokrazius, da selbiges sich

sozusagen zu einer öffentlichen Angelegenheit auswuchs, sintemalen es

den Sitz seines Verstandes bedrohte. Sie vermochten ihm zwar nicht

gründlich zu helfen, aber die größten medizinischen Fakultäten der Erde

verliehen dem heiligen Bürokrazius in feierlichen Promotionen den Titel

eines _Hämorrhoidarius_, welchen _titulum academicum_ der Heilige nebst

seinem Zopf in Würde, aber nicht immer mit Gelassenheit trug.

[Verzierung]

Ein deliziöses Intermezzo von den Tiroler

Speckknödeln.

Zu jenen Zeitläuften, da der heilige Bürokrazius auf Erden wandelte,

waren die Tiroler Speckknödel leider noch nicht erfunden.

Wie hätte sich ansonsten unser verehrungswürdiger Heiliger daran

erlustieret und delektieret. Wie wäre der schnüffelnde Rüssel seiner

Nase in Bewegung geraten ob des anmutigen und verführerischen Duftes der

Knödel. Wie hätten seine Eselsohren gespitzet, und wie hätte sein Zopf

begeistert gewackelt. Das Krawattel wäre ihm zu nie geahnten Höhen

geklettert.

Es ist nicht abzusehen, was der heilige Bürokrazius noch erfunden hätte,

wenn er mit Tiroler Speckknödeln gespeiset worden wäre. Da aber seine

Erfindungen ohnedies schon die ganze Welt erfüllen, wäre vielleicht für

die Überfülle seiner Ideen kein Platz mehr auf Erden gewesen, wenn sie

auch noch von Tiroler Speckknödeln befruchtet worden wären.

Es mag nunmehro vielleicht ein boshaftiger Schelm den Schreiber dieser

Legende fragen, warum der heilige Sankt Bürokrazius nicht auch die

Tiroler Speckknödel erfunden hat.

Auf diese fürwitzige und ungebührliche Frage gebühret dem Frager mit Fug

und Rechten eine ausgiebige Maulschellen. Der heilige Bürokrazius hat

die Tiroler Speckknödel derohalben nicht erfunden, dieweilen er den

Speck zu einer anderen Erfindung brauchte oder vielmehr dieweilen ihm

der Speck durch die göttliche Vorsehung für eine andere Erfindung

bestimmet gewesen ist, die damals noch notwendiger war als die Tiroler

Speckknödel.

Wie sich das verhielt, das wird der nachfolgende Bericht genau erweisen.

Nun glaubet ihr wohl, ihr werdet das gleich in den nächsten Zeilen

erfahren. O nein, der Schreiber dieser Legende wird deine Neubegierde,

großgünstiger Leser, noch ein bissel auf die Folter spannen und sich

noch des weiteren über die Tiroler Speckknödel verbreiten, wozu er ein

gutes Recht zu haben glaubt.

Einmal will er obgenannten fürwitzigen Fragern gern das Maul nicht nur

nach der Rolle des Speckes im Leben des heiligen Bürokrazius, sondern

auch nach den Tiroler Speckknödeln anselbsten wassern machen.

Zum zweiten gehören die Tiroler Speckknödel, da auch sie sich wie die

gewaltige Erfindung des Heiligen auf Speck gründen und bauen, schon rein

stofflich, _secundum materiam_, in diese Legende.

Zum dritten ist der Schreiber dieser Legende von dem innigsten Danke

gegenüber den Tiroler Speckknödeln erfüllet und darf es sich wohl

gestatten, an dieser Stelle auch einmal ein Gesatzel _pro domo_

einzuflechten.

Nur der regelmäßige und reichliche Genuß der gloriosen Knödel hat den

Schreiber befähiget, das Leben des Heiligen zu erforschen und bis zu

diesem neuen Wendepunkte mit der gebührenden Andacht zu begleiten.

Die weltumfassende Materie seines Opus konnte sich nur aus den Tiroler

Speckknödeln zu jener Klarheit und Anschaulichkeit erheben, die du,

frommer Leser, hoffentlich genügend schätzen gelernet hast. Und

justament sotane universale Erfassung des Stoffes stehet in dem

innigsten ursächlichen Connexus mit den Tiroler Speckknödeln.

Wie stellet sich das Bild der Welt, des Universums dem menschlichen

Begriffe dar, insonderheit, wenn man es nach seiner Gestalt erfasset? Es

stellet sich in Kugelform dar. Wenn du von der Welt im großen sprichst,

geneigter Leser, dann denkest du doch an die Weltkugel.

In gleicher Gestalt stellet sich auch der Tiroler Speckknödel dem

andächtigen Beschauer dar. Auch er ist eine Kugel, wenn auch _in

dimensionibus minoribus_.

Er kann aber mit der Weltkugel füglich in Vergleich gebracht werden, da

er eine kugelförmige Welt für sich ist. Man könnte ihn ohne Überhebung

als _globus Tirolensis_ in die Lehrbücher der Astronomia einsetzen.

Und doch unterscheidet sich der Tiroler Speckknödel von der Weltkugel

wiederum wesentlich. Denn während unsere Erde voll ist von Bitternis,

Stacheln und Unkraut, ist der _globus Tirolensis_ voll Wohlgeschmack und

paradiesischer Ingredienzien. Er beglücket deinen Gaumen mit seiner

zarten speckduftenden Beschaffenheit, er erquicket deinen Magen und er

beflügelt deinen Geist zu den höchsten Höhen.

Eine Kugel, dem Weltall gleich, war er, bevor du ihn zerteiltest und ihn

deiner leiblichen Wesenheit einverleibtest. Und zum Weltall, zum _globus

universalis_ deines Geistes wird er, wenn seine Substanzien sich dir

mitgeteilet haben.

O ihr armseligen Menschen, die ihr noch nie Tiroler Speckknödel

verzehret habt, wie seid ihr ausgeschlossen von aller Gnade irdischer

und himmlischer Wohlfahrt. Insonderheit, ihr Mucken-Brüter und

Grillenvögte, ihr Sorgenkramer und Lettfeigen, ihr Melancholey-Schmiede,

Kummer-Geiger und Trübsal-Blaser, die ihr mit Ängsten angefüllet seid

wie das Trojanische Pferd mit Soldaten, pilgert zu den Tiroler

Speckknödeln! Sie werden euch trösten und euch jene Kraft des Körpers

und des Geistes geben, von welcher der Schreiber dieser Legende erfüllet

ist und kraft deren er nach dieser notwendigen Abschweifung auf das

Gebiet seiner Leib- und Geistesspeise wiederum zu seiner eigentlichen

Materia zurückkehret, nämlich zum Speck des heiligen Bürokrazius.

Wie der heilige Bürokrazius die Stampiglien erfand.

Es verhielt sich aber mit diesem Speck, wie das folgende Hauptstück

aufzeiget.

Ihr werdet es leichtlich begreifen, daß der heilige Sankt Bürokrazius

eine erschröckliche Schreibarbeit zu leisten hatte. Ganz fürnehmlich

hatte er aber seinen heiligen Namen unzählige Male zu schreiben, was ihm

keine geringen Beschwerden verursachte.

Es häuften sich jedoch die Skripturen auf seinem Schreibtische derartig,

daß sie ganzen Gebirgen glichen, in denen der Heilige völlig verschwand.

Man sah von seiner Körperlichkeit die meiste Zeit nichts mehr. Nicht

einmal die äußersten Spitzen seiner langen Eselsohren ragten über die

papierenen Gebirge hinaus. Und nicht einmal die _Krawatitis posterior

ascendens_ vermochte es mit all ihrer Heimtücke, diese hochragenden

Gipfel zu erklimmen.

Nur der Heiligenschein Sancti Bürokrazii leuchtete in seinem milden

Lichte auch aus diesen papierenen Gebirgen hervor. Es war, als ob sein

Licht in Verklärung aus lauter papierenen Schluchten emporsteigen würde.

So sehr die arbeitsfreudige Rüsselnase des Heiligen auch in den

papierenen Bergen herumschnüffelte und die papierenen Schluchten

durchfurchte, es wollte nie weniger werden an unermeßlichem Segen. Der

Heilige litt schon sehr bedenklich an Schreibkrampf, und an die Finger

seiner rechten Hand wollte sich eine neue Abart der Hühneraugen

ansetzen, was dem Heiligen kein gelindes Erschaudern verursachte.

Da trat der Segen des Speckes in sein Leben.

Der heilige Bürokrazius: Eine heitere Legende · 第 4 / 6 段