_und billig ist der, der so handelt, daß es die mehresten Menschen für

Recht halten -- Ein billiger Autor ist der, der so schreibt, daß_ --

Wahr --!

_Wenn wir zählen wollten_ --

würd' ich gewinnen, falls nur _die_ stimmten, die

man nicht fragen darf: »verstehest du auch, was du

sagest --? weißt du auch, was du thust --?«

_Immerhin ^Verbesserung^; warum ^bürgerliche^?_

Weil man sich an Zweige, und wohl gar Blätter, nicht halten muß, wenn

der Stamm anzugreifen ist --

_Und der Ausdruck dieses Buches --!_

Nachdem die Materie, in der man arbeitet, nachdem die Bruchstücke und

Späne, welche fallen --

Mögen doch meine Leser und Leserinnen, denen der obige längliche Streit

und Widerstreit beschwerlich gefallen ist, an dieser runden Manier

sich erholen und Luft schöpfen, oder mögen sie es nicht, wie es ihnen

beliebt -- --

VI.

Nutzanwendung.

Wenn es wahr ist, daß von der Theorie des Drucks die ganze Operation

eines glücklichen Finanzsystems und einer weisen Staatsregierung

abhängt: so haben die Männer wenigstens nicht die rechte Art des

Druckes erwählt; denn in Wahrheit, wir verlieren durch die Art,

wie wir das andere Geschlecht behandeln, mehr als es selbst. Man

sagt, dies sei auch der Fall, wenn man im Unterthan die Tugenden

des Fleißes, der Industrie und des Gehorsams durch siebenmal sieben

Plagen erzwingen will. Zwar bei dem Magnetismus erregen Druck, Reiben

und Streicheln ein übermenschliches Vermögen; allein der politische

Druck hat noch nicht die Divinationsgabe erregt, den Hunger ohne

zu essen, und den Durst ohne zu trinken, zu stillen. Es ist höchst

jämmerlich kein anderes Gesetz zu haben, als den souverainen Willen;

und wo wandelbare Launen des Despoten, seine Indigestionen, seine

Galle, seine Blähungen die Stelle der _Numas_ und _Solone_ vertreten

-- wer mag da unter Anordnungen stehen? Es ist schon unerträglich,

auch dem besten Menschen untergeben zu seyn, wenn er väterlich über

Menschen regieren will, die längst die Kinderschuhe auszogen! --

Seht! in dieser traurigen Lage befindet sich das andere Geschlecht.

Jene Zeit ist nicht mehr, wo ewige Fehden alles in beständiger Unruhe

und Furcht erhielten, wo das Rauben eine Heldenthat schien, und wo

man durch Raufen zu Ehren kommen wollte. Was ist aber ärger, seines

Schicksals gewiß seyn, oder unter dem Beistande des Rechtes leiden?

einem ganzen Geschlecht unter der scheinheiligen Vorgabe des gemeinen

Bestens seine Rechte und Privilegien rauben? oft thun als stände

man unter dem Befehle seiner Sklavin, und noch öfter wirklich schon

ihre Winke befolgen, und doch im Ganzen ihr Tyrann seyn und bleiben?

Scheint nicht fast die Liebe aufzuhören, sich in eine Herrschbegierde

zu verwandeln, und diesen Gräuel der Verwüstung an heiliger Stätte

schon frühzeitig und in den Flitterwochen der Liebhaberei durch

Eifersucht zu verrathen? Jetzt schmachtet und liebkoset der schüchterne

Jüngling, um über ein Kleines als Mann kalt und trotzig zu gebieten

-- Im _Theater_ wird wahre Welt zum Vorschein kommen müssen, wenn sie

noch sichtbar werden soll; denn in der _wirklichen Welt_ wird Komödie

gespielt. Wo giebt es Abderiten-Fälle, welche denen gleichen, die

das Verhältniß beider Geschlechter täglich an den Tag legen -- Wenn

ein vernünftiges Wesen eines anderen Planeten Zeit übrig hätte, eine

Wanderschaft auf diesen Erdenkloß zu unternehmen, und das Verhältniß

beider Geschlechter zu beherzigen; würde nicht, wenn das vernünftige

Wesen nach seiner Heimkunft eine Reisebeschreibung herausgäbe, die

Reise dieses _Nikolaus Klimm_ eine der ernsthaftesten Dogmatiken (das

ehrbarste, das ich kenne) scheinen? An einem Verleger wird es dem

Wanderer dort hoffentlich nicht fehlen -- Die allgemeine Vernunft ist

über den Codex, nicht aber der Codex, der doch sein eigener Beweis

nicht seyn und sein eigenes Kriterium nicht aus sich selbst nehmen

kann, eine Proceß-Ordnung für die allgemeine Vernunft -- Wie lange will

man unserer Seits der Vernunft widerstehen! Die Menschen schieben gern

Alles auf Andere; und wenn sie keinen finden, der seinen Rücken zu

dieser Belastung darbietet, so muß die Natur sich diese Denunciation

gefallen lassen -- und so fehlt es auch unserem theuren werthen

Geschlechte nicht an Behelfen, die auf die Rechnung der schönen Welt

gesetzt werden -- Eine Schande für uns, daß wir nicht nur ungerecht

sind, sondern auch die Schuld dieser Ungerechtigkeit von uns entfernen,

und sie dem anderen Geschlechte zuschieben! Das Weib, das du mir

zugesellet hast, sagte schon der alte _Adam_, hat mich verführt; -- und

wir sind bis jetzt noch so treue Adamiten, daß wir nicht ermangeln, uns

von der Schuld des subalternen Ranges, den wir dem anderen Geschlechte

zueignen, in bester Form Rechtens loszusagen. Die armen Weiber, die,

wenn sie sich mit uns auf kalte Negociation einlassen wollten, kein

Gehör finden, können es noch weit weniger gegen uns auf ernsthaftere

Schritte aussetzen -- Sie haben keinen _Leonidas_, keinen _Franklin_,

keinen _Washington_; sie sind keine _Spartaner_, keine _Schweizer_,

keine _Amerikanische Kolonisten_: können sie aber nicht dies Alles

haben? können sie nicht dies Alles seyn? _Maria Antonia_ und _la

Fayette_ sind zwei gleich große Charaktere, die in der Französischen

Revolutions-Geschichte glänzen werden. Eitelkeit und Furcht vor

Schande sind gemeiniglich die Basis von dem ganzen Muthe der Männer;

Temperament ist es bei den Weibern. Eine Reihe von Jahrhunderten hatte

Europa nur Eine Gestalt. Despotismus und Sklaverei, Unwissenheit und

Barbarei herrschten überall; und warum sollten die Weiber nach einer,

wenn gleich langen, Unterdrückung, nicht zu jenem Range erhoben werden

können, der ihnen als Menschen gebührt? Ein großer Theil unter ihnen

scheint der Ketten, die ihnen das Gesetz so vortheilhaft schildert,

müde, und fühlt einen unüberwindlichen Hang, sie eher zu zerbrechen,

als mit ihnen, wie mit Kinderklappern, zu spielen. Man trauet den Damen

zu wenig zu, wenn man sich Mühe giebt, ihnen Alles in einem Säftchen

beizubringen, wenn man ihnen Alles bezuckert und in Nähebeutelformat

behändiget, als ob sie so schwach und hinfällig wären, nichts Größeres

als ein Duodez-Bändchen halten zu können. Die Frage: verstehest du

auch, was du liesest? wird in der Regel das Duodez-Männchen von

Stutzer weit eher, als ein edles Weib, treffen. Wenn gleich die

Geistes-Arbeiten der Weiber, sobald sie in's Größere gehen, für's erste

_bas-relief_ sind -- sie werden weiter kommen; denn nur wir halten

ihren Geist am Gängelbande, um sie nicht allein gehen zu lassen. Ein

großer Kinderlehrer ließ in * * die Buchstaben in Pfefferkuchen backen,

damit die Kinder das A B C in den Kopf bekommen möchten; allein die

liebe Jugend bekam das A B C in den Magen, und ward krank zu derselben

Stunde. Diese Pfefferkuchen-Methode ist der gewöhnliche Fehler, den

man bei der Erziehung des anderen Geschlechtes begeht. Man will weder

seinen Verstand, noch seinen Willen zur Reife kommen lassen. Die Weiber

sind _en biscuit_; und wir! sind wir ausgebrannt? und wären wir es

-- was ist denn am Porcellain? -- _Böttcher_ wollte Gold machen, und

brachte Porcellain heraus. Was ist der Mensch? »_Der halbe Weg vom

Nichts zur Gottheit_,« sagt Young; und unser frommer _Haller_, der den

Namen GOTTES nicht unnützlich führen wollte: _unselig Mittelding vom

Engel und vom Vieh_ -- daß sich Gott erbarm! _Friederike Baldinger_

versichert in ihrer Lebensbeschreibung, mit einer Vorrede ausgestattet

von _Sophie de la Roche_: »als Frau war ich erträglich; wie klein würd'

ich als Mann seyn!« Um Vergebung, sollte dies nicht auch ein jeder Mann

umgekehrt von sich sagen müssen -- so lange: _ein Mann seyn_, nicht

mehr heißt: als _ein Mensch seyn_ --? Enthält jene Bescheidenheit

der _Friederike Baldinger_ nicht zugleich einen Vorwurf für unser

Geschlecht in Beziehung unserer Selbsterhöhung --? Unser _Herschel_,

der wegen _Miß Carolinen_, seiner Schwester, und _in puncto_ der

Astronomie mehr als einmal in dieser Schrift von Amts- und Rechtswegen

genannt zu werden verdient, nimmt an: die Centralkräfte wären nicht nur

die erhaltenden, sondern auch die bildenden und erneuenden Kräfte der

Weltsysteme; und nach seiner Meinung können auch mehrere Gattungen von

anziehenden und zurückstoßenden Centralkräften in dem Baue des Himmels

wirksam seyn. Könnten, wenn männliche und weibliche Centralkräfte

in der Menschenwelt anzögen und zurückstießen, nicht Dinge bewirkt

werden, von denen man bis jetzt nicht träumt --? Löset _Herschel_ die

dem bloßen Auge sichtbaren Nebelflecke vermittelst seines Teleskops

in Sterne auf -- wie leicht würden die _Flamsteads_ und _Mayers_ ihre

Verzeichnisse von Sternen am Weiber- oder besser am Menschenhimmel

erweitern können, wenn beide Geschlechter Ein Herz und Eine Seele

wären! --

Geh' ich zu weit, wenn ich behaupte, daß die Unterdrückung der Weiber

Unterdrückung überhaupt in der Welt veranlasset habe? Wahrlich,

die Tapferkeit ist keine Entscheidung des Schicksals, wen sie zum

Regenten bestimmt hat. Durch Großmuth, nicht durch List, muß man den

Feind überwinden, und es ist und bleibt unanständig, sich des Andern

Unerfahrenheit zu Nutze zu machen. Ist es besser, sich des Sieges

schämen zu müssen, oder sich über das Glück zu beklagen? Die Erhaltung

eines einzigen Bürgers -- ist sie nicht besser, als die Niederlage von

hundert Feinden? Das was nach der Meinung der meisten Menschen Recht

ist, das ist, verdollmetschet: so ist wie es seyn muß; ist recht in

einem erhabenen Verstande. Dies _rechte Recht_ gründet sich in der

Natur der Sache, und hat sich von den Schlacken der Willkühr und des

Türkischen Despotismus gereinigt -- Wollte man, nach dieser allgemeinen

Meinung von den Verhältnissen des fräulichen Geschlechtes, glauben,

(glauben muß man in einem besondern Sinne _wollen_) daß das vielfach

tausendjährige Reich der Sklaverei der Weiber in diesem rechten

Rechte oder in der Billigkeit sich gründe? Ich will nicht glauben.

Nicht alles was wir ungestört leiden, hat die Ehre unsers inwendigen

Menschen vor sich. Sehet euch um! ihr werdet finden, daß das meiste

Unrecht in der Welt in dem Bestreben besteht, so zu handeln, daß es die

Mehresten für Recht halten. Wer kann wohl, ohne eine Gewaltthätigkeit

zu begehen, behaupten: die Weiber müßten einen gewissen Standpunkt auch

bei dem höheren Grade neuerer Cultur und Sittenverbesserung behalten,

und sie könnten, wegen ihrer angebornen Bestimmung als Mitglieder der

Societät und als Weiber, bis an den lieben jüngsten Tag nur so weit

und nicht weiter kommen? Unsere Gränzen der Ausbildung sollten nicht

abgesteckt seyn? nur die ihrigen wären behügelt? O, du liebe Zeit!

Die relativen Bestimmungen des Weibes in der Gesellschaft, in so weit

es Weib ist -- wer fragt nach diesen? diese sind so ewig, wie die

Bestimmungen des Mannes als Mann. Allein soll das Weib an Verstand

und Willen stehen bleiben, wenn der Mann Fortschritte macht; so muß

es mit der Aufklärung in's Gedränge kommen, und sie muß Kinderspott

werden -- -- Man könnte Männer mit der Speise, Weiber mit dem Trank

vergleichen; und nur Speise und Trank in Gemeinschaft halten Leib und

Seele zusammen. Das Gefühl der Bedürfnisse bildet den Menschen aus,

und der Schöpfer scheint es ihm nachgelassen zu haben, Bedürfnisse zu

erfinden, um sie im Schweiße des Angesichts befriedigen zu lernen,

durch Sprachunterricht zu Realkenntnissen hinauf zu reifen --

Selbstliebe, Neigung zum Wohlbefinden, Abneigung gegen den Schmerz,

sind Triebfedern, den Menschen immer weiter und weiter zu bringen;

und das andere Geschlecht fühlt sie, wo nicht in weit größerem Maße,

so doch gewiß nicht minder -- Haben etwa Verabredungen, die aus jenen

Bedürfnissen und jenen Trieben entstehen, gemeinschaftlich Menschen

seyn zu wollen, um desto leichter zum Zweck zu kommen -- haben etwa

Verabredungen in den Stand der Gesellschaft zu treten, den Weibern

ihre Stelle angewiesen --? Nicht also! Die Punktation zum Stande der

Gesellschaft machte _Eva_; und hat sie es sich wohl je vorstellen

können, daß auch hier die Ersten die Letzten werden sollten? Setzte

unser Geschlecht mit Vorwissen und Vorwillen des andern auf dasselbe

das Motto der Hölle: _Hier ist die Hoffnung ausgeschlossen_; oder

ist vielmehr durch den Stand der Gesellschaft der Stand der Natur

geheiligt? sollen nicht in jenem, wie in diesem, alle Menschen gleich

bleiben? Völker sind sich eben so gleich wie einzelne Menschen,

und Geschlechter so wie Völker. Ist nicht durch Unterdrückung des

Schwächeren das innere Verderben der Staaten entstanden, woraus denn

gerades Weges Unterdrückung und Zerstörung von außen sich nach und

nach ergab? Kommt es bei diesen Dingen mehr auf spielenden Witz,

schalkhaften Vortrag, übermüthige Phantasie-Einfälle, oder auf Wahrheit

und Recht an? und können wir in der Gesellschaft auf Gerechtigkeit

Anspruch machen, wenn wir keine erweisen?

Können wir, die wir uns so unrühmlich zu Herren des weiblichen

Geschlechtes aufgeworfen haben, es leugnen, daß wir diese Herrschaft

von je her nur sehr schlecht verstanden? und in dieser Wissenschaft,

wie es am Tage ist, bis jetzt nicht weiter gekommen sind? können wir

es vor unserm Gewissen verhehlen, daß wir die Urheber und Veranlasser

aller weiblichen Fehler sind, und daß das meiste Gute, welches wir

an uns haben, auf die Rechnung des andern Geschlechtes gehört?

Furchtsame Männer werden allerdings den Stab über mich brechen, weil

ich angeblich die Eitelkeit der Weiber gereitzt, und ihre von Natur

schon übermüthigen Begriffe von ihrem Werthe genährt habe; allein,

lieben Leute, durch eure Feuer rufende Befürchtung, ich möchte die

weibliche Bestimmung zu weit hinausgerückt haben, beweiset ihr, daß

ihr, anstatt stark zu seyn, schwach seyd, und daß ihr durch diese

Schwäche eure angebliche Ordnung der Dinge umkehret -- und daß euch

die Geisteskraft und Denkfähigkeit mangeln, die ihr aus bloßem Neide

dem andern Geschlechte absprechen wollt. -- In der That, ihr solltet

der Natur für das Hausmittel danken, durch das andere Geschlecht

angespornt und aufgemuntert zu werden, immer weiter zu kommen, aber

nicht Feigenblätter suchen, eure stolze Faulheit zu decken. So bald

Weiber Menschen sind und Vernunft haben, sind ihre Geistesanlagen nicht

zu beschränken; am wenigsten können _wir_ hier psychologische Richter

seyn, da wir so sehr Parthei sind, und da wir weit besser gelernt

haben, unsere Sache zu führen und Schildknappen der Autorität zu seyn,

als das der Natur weit treuer gebliebene andere Geschlecht. Wo es

nicht an innerer Kraft fehlt, da ist nur Gelegenheit nöthig, um sie zu

äußern; und nur dann, wenn man sich den Vernunftgebrauch untersagt,

kann man sich zur Ableugnung jener Wahrheit bringen, daß nicht Alles

_menschlich gleich_ sey, was _menschlich vernünftig_ ist. Nur dann,

wenn bodenloser Stolz an der Bestimmung des Menschen künstelt,

entkommen wir der eigentlichen Ausbildung der Anlagen unserer Natur,

und sie entkommt uns. Schade! --

Was für einen Einfluß Erziehung, Klima und andere äußere Umstände

auf Menschen (Männer nicht ausgeschlossen) behaupten, lehrt die

Erfahrung. Der Weinbauer bleibt auch in ergiebigern Ländern ein

Beispiel von Indolenz und einer daraus entspringenden Verderbtheit

des moralischen Charakters -- Weiber verstehen nur natürliche Waffen

zu führen; wir würzen unsere Schutzschriften mit gelehrten Gründen,

treffen provisorische Einrichtungen, und wissen Bescheid, unsere

Schwächen so zu verhängen, daß sie nicht in die Augen fallen -- und

eben darum behaupten wir geradehin, daß Weiber nur aus Neugier, nicht

aus Wißbegierde, nicht aus eigenem freien Triebe, sondern weil sie

dazu aufgemuntert werden, und nur aus Eitelkeit, sich hier und da mit

Wissenschaften abgegeben hätten, ohne sich doch je darin auszuzeichnen

-- Aber außerdem, daß die Reinheit des männlichen Verstandes und

des männlichen Willens keine Lobrede verdient, und daß Selbstsucht

mit ihrer ganzen Sippschaft von Eitelkeit, Stolz, Geldhunger und

Schmeichelei, die Männer gar übel plagt; außerdem, daß auch der

Gelehrteste, wenn er sich irgend kurz fassen kann, kaum drei Wochen

gebrauchen würde, um alles zu beichten, was er wirklich _weiß_, und

selbst was er wirklich _glaubt_, so daß sein Wissen und sein Weißsagen

doch immer nur Stückwerk ist; außerdem daß zwischen Zuckerbrot der

Lektüre, und dem herben Wein der Erfahrung ein großer Unterschied

bleibt: so ist das Ende vom Liede aller Wissenschaften und alles

gelehrten Dichtens und Trachtens, (wenn es nicht bloß Lückenfüller

und Langeweiltröster seyn soll) _moralisch besser zu werden_. Sind

wir das? O, alsdann tret' ich beschämt zurück, widerrufe Alles, was

in meiner Schrift nur nach Apologie aussieht, und bleibe bloß bei der

demüthigsten Bitte, dem andern Geschlechte durch eine bürgerliche

Verbesserung Zeit und Raum zur moralischen Buße zu gönnen, und es

zur Verpflichtung gegen die Gesetze des Staates, zu jener bestimmten

und äußerlich vollkommenen Verpflichtung zuzulassen, die doch jeder

Staatstheilnehmer oder Bürger haben sollte --

Und nun der Schluß? Der Mensch läuft spornstreichs, um zum Ende zu

kommen, und wenn er sein Ende sieht, muß er sich ganz zusammen nehmen,

um sich zu fassen. _Machiavell_ schrieb seinen _Principe_, um die

Despoten-Republik zur Sprache zu bringen; und ich wollte nichts mehr

-- Wenn ich Dinge einander nahe lege, die sich für gewöhnliche Augen

sehr entfernt berühren, so lasse man mir und Jedem doch seine Weise;

denn wenn alle Bücher eine und dieselbe Melodie hätten -- würden sich

wohl noch so viele Leser finden? an Thäter des Wortes ist so nicht

zu denken! Eine Schrift kann nie ein mächtiges um sich greifendes

Feuer anzünden; und wenn man behauptet: _Rousseau_, _Voltaire_ und

_Montesquieu_ hätten die Französische Revolution zu Stande gebracht; so

vergißt man _Nordamerica_: und es gehört zu den Zeichen dieser Zeit,

wenn man mit Büchern bekannter als mit Menschen ist, um zu regieren;

wenn man die äußere Form des Systems viel zu lieb hat, um sie gegen das

Gründliche und Consequente der Lebensphilosophie aufzuopfern; wenn man

nur auf Mittel für einen Tag sorget, um seinen Zweck durchzusetzen;

wenn man seinem Ehrgeitze nur ein anderes Kleid anzieht, das weit

weniger als der vorige Anzug Achtung für die Leidenschaft erregen kann;

wenn man nicht die Weisheit anschauender, anziehender und wirksamer zu

machen sich bemühet, sondern bloß seinem theuren _Ich_ Ehre zudenkt,

und, wohl zu merken! ein solcher Schwelger und Schlemmer im Ehrgeitze

ist, daß man nicht an den andern Morgen denkt, und sich befriedigt,

vier und zwanzig Stunden im Saus und Braus eines hohen _Vivat_ zu

glänzen, und Plane auf die Zukunft gegen das schnöde Linsengericht

eines stündigen Zujauchzens zu verprassen -- -- -- Theilnehmende

Achtung für den Schwächeren hat etwas Göttliches; und wenn Stände

zum Controlliren der Staatsofficianten ein herrliches, in Geduld

Frucht bringendes Ding für den Regenten und das Volk sind, warum will

man diese Controlle des menschlichen Geschlechtes den Weibern nicht

anvertrauen? ihnen, die nie gewohnt sind, etwas Imaginaires, sondern

immer etwas Wirkliches zum Grunde zu legen, wenn wir uns gleich die

schnödeste Mühe geben, sie zu Romanen zu gewöhnen, um sie, kraft der

Reminiscenzen dieser Lektüre, aus der wirklichen Welt hinauszubringen

-- Weiber haben mehr Geist, als Wissenschaft; Männer mehr Wissenschaft

als Lebens-Philosophie, und leicht vergißt unser Geschlecht, daß

man nach Tugend und Rechtschaffenheit am ersten trachten muß, wenn

uns alles Andere zufallen soll. Bettelmönche haben oft größere

Gewalt als Eminenzen; Diese haben nicht Zeit, nicht Lust, es auf das

Seelen-Regiment anzulegen, da hingegen Jene wirkliche Seelen-Despoten

sind, ob sie gleich (etwas bescheidener) sich bloß Seelsorger nennen.

Ich schrieb keine Grammatik, wo man die Ausnahme gleich hinter der

Regel verzeichnet: das Zeichnen sollte den kalligraphischen Übungen

vorgehen, und die Geschichte, nach dem Vorschlage geprüfter Pädagogen,

rückwärts vorgetragen werden. -- Ich werde mich für hinreichend

befriedigt halten, wenn man mir im Ganzen beifällt, obgleich noch

nähere Bestimmungen gütlich oder rechtlich nöthig gefunden werden.

Ein Buch, das Gedanken erweckt, ist oft besser als eins, das Alles

erschöpft, und die Leser wie Unmündige behandelt. Winke fruchten

mehr als lange Belehrungen; und wenn ein Schriftsteller das große

Amt verkennt, das ihm von der Natur anvertrauet ward, Menschen gegen

offenbare Ungerechtigkeiten zu schützen; so verdient er selbst

unterdrückt zu werden. Wer es über sein Gewissen bringen kann, ein

Geschlecht zum gebornen Despoten des andern zu erheben, wird vielleicht

nicht ohne Fertigkeit seyn, volksübliche Sitten nachzuäffen und höheren

Volksklassen nachzulallen; allein auf rechtskräftiges Urtheil wolle er

in Zeiten Verzicht thun, und seinen Schlaftrunk von Vortrag für jenes

Mittelgut von Menschen aufsparen, die Welt und eine Fabrikartigkeit

besitzen -- wenn gleich gemeiniglich die Pluralität auf ihrer Seite

ist. Das Deutsche Weib galt in älterer Zeit allemal mehr als andere

Weiber, und ich bleibe gewiß in den Schranken der Wahrheit, wenn ich

behaupte, daß auch noch jetzt Deutsche Weiber, so wie sie da sind,

einer Verbesserung empfänglicher und fähiger wären, als alle andern,

zu welcher Zunge und Sprache sie sich bekennen, und welcher Vorzüge

sie sich sonst gegen die Deutschen mit Recht oder mit Unrecht rühmen

mögen -- Nachtwandler erweckt man, wenn man sie bei Nahmen ruft; --

und sollten unsere Deutschen Herren Männer nicht auf den kühlenden

Trank nüchtern werden, den ihnen diese Schrift reichet? -- Es giebt

Schriftsteller, die, wenn sie mit ihren Werken bei _ihrem_ Geschlechte

durchzukommen sich nicht getrauen, ihre Schrift mit der Nothlüge

begaben, sie hätten sie zu Heil und Frommen des andern Geschlechtes

gestellt. Auch glaubt sich mancher Nachdrucker bei Ehren zu erhalten,

wenn er das schmackhafte neugebackne Brot eines Andern bröckelt, ohne

selbst durch Milch oder Butter ihm ein anderes Ansehen zu geben, und

dies alles auf Kosten des andern Geschlechtes thut -- als ob der Herr

Nachdrucker _im Brote_ des weiblichen Geschlechtes wäre, oder als ob

es _nicht mehr könnte als_ (brockenweise) _Brot essen_! -- --

_Wozu alle Vergleichs-Vorschläge und Verbesserungs-Plane, die, wenn

man gleich ihnen Vorkaufs-Anmaßungen nicht vorrücken kann, die, wenn

sie es gleich mehr bei bescheidenen Fingerzeigen bewenden lassen, als

daß sie strafsüchtige Warnungstafeln ausstellen, doch um so weniger

Lebensfrüchte sicher verheißen können, als man von ihnen nicht weiß, ob

und in wie weit sie in der Feuerprobe der Ausübung bestehen werden?_

Freilich! warum alle Katheder und Predigerstühle? Sind die Menschen

nicht von je her Lügner, Undankbare, Räuber, Neider, Geitzhälse

gewesen? Raubvögel haben zwar von Anbeginn ihre Nächsten, bescheidnere

Nebenvögel, gefressen, so bald sie sich ihrer bemeistern konnten;

Menschen, welche einsehen, daß besser besser ist, und daß sie besser

werden können -- sollten _die_ ewig Raubvögel bleiben? Mich tröstet

der Glaube an die analogisch zu vermuthende Absicht der väterlichen

Gottheit -- und das rastlose Fortstreben des menschlichen Geistes, der

einmal aufgeweckt und in Thätigkeit gesetzt ist. Die gesunde Bergluft

ist ohne Zweifel die Ursache von dem Heimwehe der Schweizer; was sollte

aber das andere Geschlecht bewegen, in seiner jetzigen Lage zu bleiben?

Es wird wollen, wenn wir zu wollen uns entschließen werden --

Über die bürgerliche Verbesserung der Weiber · 第 17 / 18 段