Geschäften berufen sind, _weil sie zu keiner Freundschaft unter sich
Verstand und Willen haben_. (Man übersehe nur nicht, daß nicht ich
sondern mein Feind so freundschaftlich ist, an die Freundschaft zu
denken --) Ich leugne nicht, daß ohne ein gewisses Band so genannter
Freundschaft, eigentlich Offenheit, gutmüthiger Bekanntschaft,
Staatsgeschäfte schwerlich bewirkt, und die leider zu künstlich
gerathene Maschine des Staates vereinfacht werden kann, weil ohne
dieses Band keine Einheit im Staate herauszubringen ist und alles
in der Irre ohne Zusammenhang und Ordnung bleibt -- Wer ist aber
im Stande, den Weibern Überlegung hierzu, kalte Schätzung des
Gegenstandes, Feinheit, zuvorkommendes Wohlwollen und Aufopferung
abzusprechen --? Schon jetzt giebt es Freundschaften unter ihnen,
die den unsrigen nicht weichen -- Nur das Vorurtheil der Männer hat
ihnen die Anlagen zur Freundschaft abgesprochen. Sind sie nicht
zarter, treuer, unüberwindlicher, unbestechbarer, als viele Männer,
wo Neid und Rivalität von so vieler Art die Triebe des Herzens
verfälschen, und die Freundschaft zum Contrakt _do ut des_, _facio
ut facias_, nicht zum Herzens-, sondern zum Sachentausche machen? --
_Damon-_ und _Pythias-_Freundschaften sind Fälle, die zu den seltenen
gehören, und die bei dem Einerlei der Weiber, bei ihrem Alltagsleben
um so weniger zu erwarten stehen, da Proben und Situationen zu
dergleichen Freundschaften durchaus unentbehrlich nöthig sind -- Und
wie verschieden sind jene _Damon-_ und _Pythias-_Freundschaften vom
Dienstgleichgewichte, das durch ein gewisses Einverständniß bewirkt
wird. Weiber müssen jetzt von Geschlechtswegen, wo nicht interessiren,
so doch Herzen gewinnen, wo nicht angebetet, so doch geliebt werden
wollen; setzt sie über die Sinnlichkeit hinaus, und ihre Eitelkeit,
ihre Neugierde, ihr jetziger Hang zum Vergnügen werden sich veredeln
-- sie werden nicht aufhören, Weiber zu seyn; -- wie unglücklich wären
wir, wenn sie das könnten! -- nur werden sie aufhören, _die_ Weiber zu
seyn, die sie jetzt sind -- Diese Verwandlung wird uns heben, statt
daß man uns jetzt, wie jenen Elephantenleiter, fragen könnte: _bist du
darum so trotzig, weil du Thiere commandirst?_ An uns ist der erste
Schritt, und nur von unserm bußfertigen Entschlusse hängt es ab, diese
Revolution zu bewirken. Werdet andere Männer, und Alles, vorzüglich
die Weiber, ist anders als jetzt. Mit dem Maße mit dem wir sie messen,
werden sie uns wieder messen. _Dienstfreundschaft!_ Ist sie denn unserm
Geschlechte eigen? Nicht nur die Kraft, auch den Schein verleugnen wir.
Führen die Staatsdiener nicht unter sich den dreißigjährigen Krieg?
Der Financier ist wider den Justizmann, und der Justizmann wider den
Financier; das diplomatische Corps wider das Kriegs-Departement, und
dieses gegen jenes -- Einer will den andern übermeistern, ohne daß er
seiner selbst Meister ist: Einer will dem andern die Gränze verrücken,
einer stellt dem andern ein Bein -- Doch, leider! ist es immer der
Staat, der bei dieser Gelegenheit in die Grube fällt -- Oft giebt
sich sogar _Richtercomplott_ und _Höllenbund wider den Unterdrückten_
für Dienstfreundschaft aus; und da ist das letzte Übel ärger, als
das erste; da ist guter Tag und guter Weg ein Himmel gegen jene
Mörder-Bande --
Der sittliche Zustand der Weiber gründet sich sehr natürlich auf
ihren gesetzlichen -- Da das Mädchen sich ihren Gefährten des Lebens
nicht laut und deutlich wählen kann; so sieht es sich genöthiget,
dieses Geschäft zutrauensvoll seinem Auge zu übertragen, das, an diese
Einladung gewöhnt, nie ganz diese Weise aufgeben kann -- Man scheint
dieser Manier eine Art von Dankbarkeit erweisen zu wollen, die jetzt,
da Alle dies Blickspiel treiben, das Unanständige nicht hat, das es
sonst haben würde. Diese Blicke, wodurch sie eine besondere Art von
Beherrschung, die man Augenherrschaft nennen könnte, und eine gewisse
gefällige Freundschaft üben, haben ihren besondern _Contract social_
und so bestimmte Gesetze, daß man auf ein Haar weiß, wann die erlaubte
Grenze _überblickt_ wird -- Dem Reinen ist Alles rein -- Wer findet
nicht einen sicheren Weg zur Wonne, in dem schönsten der Spiele, einer
verstohlnen Liebe? Die Genüsse der Verstohlenheit steigen zu einer
geistigen Würde, zu einer hinreißenden Delicatesse -- Durch jenes
_Glück_, das die Mädchen sich _erblickten_, durch jene anziehende
Kraft, wodurch sie auf die Jünglinge wirkten, hat ihre Verlegenheit
auch bei weitem noch nicht ihr Ende erreicht, wenn sie die Ehre haben,
in die Gewalt der Männer zu kommen. Sie sinnen unaufhörlich darauf,
diese Gewalt durch alle Künste einzuschränken, so daß am Ende nicht
viel davon übrig zu bleiben pflegt -- Da sehen sich denn Weiber
zuweilen -- ist es ihnen zu verargen? -- nothgedrungen, vermittelst
der Augen mit getreuen Nachbarn und desgleichen Allianzen zu ihrer
Deckung einzugehen; und so unschuldig dieser Freundschaftsanfang
gemeiniglich ist, so schuldig können oft Schutzverträge dieser Art
werden. Von Personen ihres Geschlechtes können sie keine Beihülfe
erwarten, und ihre Freundschaften unter sich sind von anderer
und originaler Weise. Giebt es aber nicht eben so viele wahre
_Freundinnen_, als es wahre _Freunde_ giebt --? Von der bürgerlichen
Verbesserung der Weiber wird es abhangen, daß ihre Freundschaftsanlagen
berichtiget und verbessert werden -- Wie unbillig sind wir, von
Weibern -- denen wir die Würde Personen zu seyn, versagen -- mehr
zu fordern, als ihnen zu leisten möglich ist! -- -- Fast könnte man
behaupten, daß die Gesetze, die für ihr Vermögen, wie für das Vermögen
eines Unmündigen, sorgen, ihre Personen darüber vernachlässigen, oder
sie wenigstens vergessen zu haben scheinen. Frauenzimmer, welche
Mütter werden können, sind keine Kinder mehr -- Der bittere, nicht
unverdiente Vorwurf, den man unserem Geschlechte macht, _»daß es
heut zu Tage keine Kinder mehr gebe«_ -- stehet er nicht mit unserer
Grausamkeit, die Weiber als große Kinder zu behandeln, in engerer
Verbindung, als man denken sollte? -- -- --
Es giebt Regenten, die sich den landesväterlichen Wunsch des _Caligula_
aus Geitz eigen machen: ach, wenn doch alle ihre Provinzen nur Einen
Hals hätten! nicht um ihn zu brechen, sondern nur eine einzige Röhre
zum Essen und zum Trinken in ihrer Monarchie zu haben. So tyrannisch
bin ich nicht in Hinsicht meiner guten Freunde von Opponenten, die
es indeß nicht viel besser als die Virtuosen machen, welche oft
beschwerlich sind, wenn sie Niemand hören will, dagegen stumm und
eigensinnig, wenn sie sich hören lassen sollen.
_Die Unbeständigkeit soll ein so charakteristischer Zug des weiblichen
Verstandes seyn, daß Weiber bei keinem Gegenstande der Untersuchung und
des ernsten Nachdenkens mit gleicher Anstrengung lange zu verweilen im
Stande wären._
Der größte Theil des andern Geschlechtes, der Mittelstand, hat nur eine
einzige Art von Beschäftigung, kommt nie aus dem Takt, und weiß nur vom
Hörensagen, was lange Weile ist. Diese entsteht aus einer Art von Luxus
der Beschäftigungen, und gehört in der Regel zu den Eigenschaften der
Männer, obgleich auch Damen höherer Region an diesem Übel Theil nehmen,
und an demselben schwach und krank danieder liegen, wenn das Vergnügen
länger dauert, als sie es auszuhalten gewohnt sind. Die Frau Gräfin
hatte lange Weile in der Komödie, weil heute noch Redoute ist; allein
auch auf der Redoute wird ihr die Zeit lang werden; weil sie keine
Partie findet; und auch wenn sie diese gefunden hat, würde die Zeit von
ihrem Blei kein Gran verlieren, da ihr Cicisbeo bei dem fürstlichen
Souper lange Weile hat, und sie mit ihrem Verehrer nicht _minnespielen_
kann. Bei _einem einzigen_ Spiel findet die schöne Welt zu wenig
Beschäftigung. Konnte doch _Julius Cäsar_ lesen, schreiben, und sieben
Cabinetssekretarien sieben besondere Briefe diktieren! -- -- Und
lebt die schöne Welt wirklich? -- Nein doch! sie spielt das Leben --
Unbeständig überhaupt find' ich das andere Geschlecht nicht mehr nicht
weniger, als das unsrige; vielmehr ist ihm eine gewisse Weltüberwindung
eigen. Es verstehet sich darauf in's Dunkle zu werfen, und glänzt eben
darum desto besser -- Stilles Verdienst ist sein Eigenthum; und sind
dies _Anzeigen_ des Unbestandes? -- Zeitiger und fester nimmt es seine
Partie als wir -- Zwanzig exemplarische alte Jungfern gehen auf einen
Hagestolzen gleicher Art.
_Die große Lebhaftigkeit weiblicher Empfindungen und weiblicher
Einbildungskraft, das zu reitzbare Nervensystem soll indeß Schuld an
der Unbeständigkeit und dem bloß flüchtigen Feuer bei Gegenständen des
Nachdenkens in Hinsicht der Weiber seyn; auch sollen sie für große
Gegenstände des menschlichen Wissens nur selten ein wahres Interesse
fühlen_ --
Und giebt es denn in unserm Geschlechte Viele, bei denen jene Ausdauer
ist? die ein, dem ersten neuen und frappanten Eindruck gleiches, Feuer
bei scientifischen Gegenständen behaupten, die dem Spiele schnell auf
einander folgender angenehmer Empfindungen widerstehen, und einem
Gegenstande getreu bleiben bis in den Tod? Hat nicht fast jeder, außer
seinem Haupt-, noch einen Neben-Beruf, den er Erholung nennt, und an
dem er weit mehr hängt, als an seiner Hauptsache? Die eigentliche
Strebsamkeit ist dieser Nebensache gewidmet: und hierbei pflegt man es
auch, durch Gottes Segen, in kurzer Zeit weiter zu bringen, als bei der
eigentlichen Hauptsache. Friedensschlüsse verbinden jeden, nur nicht
die, welche sie schlossen; und angewiesene Officianten haben überall
Kraft und Macht und Glauben in ihrem Amtsbezirk, wenn sie gleich --
(während sie eine Aktenrelation fertigen, ein Paar über Nichts und
wider Nichts uneins gewordene Nachbarn ausgleichen, dem jungen Greise
von Vormunde, bei dem sein Mündel das erloschene Feuer anfachen soll,
dies unschuldige Geschöpf entreißen, ein Domainen-Stück taxiren, den
verfallenen Nahrungsstand eines Fleckens untersuchen, die Klagen
von hundert unterdrückten Bauern hören, und einer Wittwe zu dem ihr
vertheuerten Rechte verhelfen, und ihre Rechtssache verkürzen sollen)
-- ein Lied auf den Frühling zusammenstümpern, einer Wildenschweinsjagd
beiwohnen, ein Pikenik abwarten, eine Strohkranzrede halten, oder in
Liebelei versinken -- Haben doch Könige und Fürsten Kühe gemolken,
Netze gestrickt, Knöpfe gedrechselt, gemahlt u. s. w. _Leibnitz_ war
so wenig _Professor Philosophiae_, als _Wieland Professor Poëseos_;
und was giebt es denn für große Gegenstände des menschlichen Wissens,
für die nicht Jemand aus dem andern Geschlechte eine Neigung gezeigt
hätte? Die Geduld, das Ausdauern der Weiber ist zum Bewundern; und
legen sie nicht täglich davon ein Zeugniß ab, indem sie die Formen
nicht zerbrechen, in welche Gewalt und List sie goß? indem sie Kinder
erziehen und in's Geleise bringen, die ihre Väter oft durch blinde
Liebe und eben so oft durch blinde Strenge verderben --? indem sie mit
ihren Männern (leider! nur zu oft alten Kindern) gelinde umgehen, wie
mit jedem Übel, das nicht zu ändern ist, und sie heben und tragen und
leiten, um sie nur wenigstens leidlich zu erhalten? -- _Aristoteles_
ging spazieren, wenn er lehrte und lernte, und hieß der _Spazierer_
(Peripatetiker) -- Oder ist es nöthig, daß Alles im ersten Feuer
gearbeitet wird? daß die Phantasie uns Alles mit Flammen mahlt? und
daß Alles, was wir denken und sagen, ein immerwährendes Feuerwerk,
ist? -- Außer dem Feuer giebt es noch andere wohlthätige Elemente
-- Ungezügelte Bilder, funkelnde Sprüche, tiefgeschöpfte, schwer
herausgezogene Sätze mögen immer bleiben, was sie sind; es giebt
Gedanken, die ihren stillen Werth haben -- die, gerechtfertigt werden
durch That --! -- Wenn den gelehrten Arbeiten der Weiber eine gewisse
Furchtsamkeit anklebt -- ist es Wunder, da sie sich in die gelehrte
Republik bloß hineinstehlen müssen? Von Natur sind sie dreister als
wir; das Gefühl des Unvermögens, den Vorzügen Anderer gemäß zu reden
und zu handeln, das Allem eine gewisse Ängstlichkeit giebt, ist ihre
Sache nicht -- Die Gabe ihrer leichten ungezwungenen Unterhaltung
wird ihren Vortrag nie mit üblen Angewohnheiten und Einschiebseln
verunstalten, die sich nicht viel besser ausnehmen, als wenn verlegene
mit der Welt noch unbekannte Jünglinge von ihren Händen und Füßen
geärgert werden -- oder wenn Fliegen in ein reitzendes Gericht fallen.
Müßige Phrases in's Gespräch einschalten, heißt ihnen: die Zeit tödten;
und durch schöne Redensarten einnehmen: das Vergnügen als Zweck des
Lebens behandeln. Seht Prinzen -- und seht regierende Herren selbst,
wie furchtsam sie sind! -- Das Hof-Ceremoniel scheint nur erfunden
zu seyn, ihrer Blödigkeit auszuhelfen. Auch giebt es eine edle
Freiheit, welche die Folge eines guten Gewissens ist, -- so wie es ein
Wohlbefinden giebt, ein Gut- und Übelaussehen, das vom Gewissen kommt;
und dies ist dem andern Geschlecht eigen -- Warum sollten Weiber denn
wohl als Schriftstellerinnen furchtsam und verlegen thun und seyn, da
die aufgehaltene Sprache sich durchbrechender Empfindungen eine Gewalt
und Stärke besitzt, gegen die schwerlich sonst etwas zu wirken vermag,
als unser kritischer Übermuth, der die Weiber durchaus nicht aufkommen
lassen will? Weiber wissen Wahrnehmungen zu Beobachtungen zu erhöhen;
und da Männer Sätze zu Grundsätzen zu erheben wissen, (die, wohl zu
merken! der Philosoph sogar dem Mathematiker vorschreibt) und mit ihnen
Tausend schlagen: so schlügen Weiber mit ihrem Witze gewiß Zehntausend,
wenn Männer ihn nicht durch eine Art von Gründlichkeit (die genau
genommen wenig oder nichts bedeutet) zu lähmen und in Verlegenheit zu
setzen suchten. Weiber besitzen die Geschicklichkeit, alle Seelenkräfte
auf Witz zurückzubringen -- Gelingt ihnen nicht Umfassung der Sache auf
eine bewunderungswürdige Weise? Wissen sie nicht das ewige Einerlei,
wozu sie verurtheilt sind, unübertrefflich schön zu modificiren? und
_Aufmerksamkeit in hohem Grade_, oder _Scharfsinn_ zu zeigen? Wie
können sie aber einem Schwalle von Kunstwörtern widerstehen, womit
wir Sturm laufen! wie eine schwerfällige Gelehrsamkeit widerlegen,
wodurch wir sie aus dem Tempel der Wissenschaften hinauskritteln,
dessen Allerheiligstes doch so leicht und einfach ist --! Warum
soll es ihnen an Gedankenfülle, großen erhabenen Darstellungen von
Charakteren, an hohem Schwunge gebrechen, oder an Schöpfungskraft
und hohem Grad des Enthusiasmus, da sie von dem allen ungesuchte und
anspruchlose Proben im gemeinen Leben äußern? -- Feine originelle und
der Natur abgelauschte Züge sind ihnen eigener als uns; was ihnen
am scharfen Umriß bei ihren Charakteren (richtig ist er fast immer)
abgeht, ersetzen sie durch ihr lebendiges Colorit -- So wie sie
ihren Körper zu kleiden verstehen, so kleiden sie auch ihre Gedanken
-- Die Angemessenheit ihrer Worte und die große Einfachheit in der
Wortfügung, geben ihrem Styl eine Deutlichkeit, die nichts übertrifft.
Die besten Denkzettel, die ein Autor seiner Schrift anhängen kann,
sind, wenn er durch seine Darstellungen uns an uns selbst erinnert;
wenn seine Schrift dem Menschen durch das Herz geht; wenn die Leser
sich einbilden: es fehle wenig oder nichts, so hätten sie diese Schrift
selbst stellen können; sie wären im Stande gewesen, sie dem Autor in
die Feder zu sagen; aus ihrem Herzen hätt' er es genommen und ihnen
verkündiget -- Solch ein Widerschein erleuchtet und frommt!-- Wir
lassen uns von _Ideen_, wie _Sokrates_ von seinem _Dämon_, verfolgen,
wir versetzen uns, wie _Plato_, in eine Republik; und so wie der,
welcher ein unverwandtes Auge auf Einen Punkt heftet, zuletzt sieht,
was er sehen will: so sehen auch wir mit dem Auge der Seele Windmühlen
für Riesen, Wirthshäuser für Schlösser, Teiche für Weltmeere, eine
Abderitische Posse für einen wohlüberdachten Finanz-Kniff oder
Operation an -- Nicht genug; auch Worte spielen den Meister nur zu oft
über uns -- Wir veruntreuen ihre Bedeutung, werfen eine willkührliche
Markscheidung derselben auf, und fallen, wie Leute, die reich werden
wollen, in Versuchung und mancherlei Stricke, wenn wir nach der
leichtesten Art reich zu werden, _zu sparen_, oder nach der schwersten,
_zu speculiren_, suchen -- Wir arbeiten Alles zum Druck aus, in der
bestimmten Absicht, es dem gelehrten Publico zu überantworten, oder
es in einem privilegirten oder unprivilegirten Cirkel vorlesen zu
lassen -- Und ob es gleich freilich correkter ausfällt, wenn der Inhalt
lehrreicher ist, oder so aussieht, wie ein hingeworfener weiblicher
Aufsatz; so wird die Arbeit des anderen Geschlechtes doch mehr
Individualität zeigen, und eine Intuition behaupten, die wir, im Namen
und von wegen unserer stupenden Gelehrsamkeit, fast keinem unserer
Werke in gleichem Grade verleihen können. Leichter und flüchtiger
sind weibliche Arbeiten; allein darum oft treffender, richtiger,
eindrücklicher. Weiber lieben schon nicht lange Worte, weil hier eine
Hauptsylbe sich die anderen unterordnet und sich die Herrschaft über
diese anmaßt -- Lange Perioden sind ihnen nicht angenehm, weil sie die
Alten nicht genug kennen, weil dieselben schwerer zu lesen und zu
fassen sind, und weil der Witz ein Todfeind dieser Potsdammer ist --
von denen ein plumper Holländer behauptete, daß nur ein kleines Herz
in einer dergleichen gewaltig großen Maschine gefunden werde -- Selten
lassen Weiber einen üppigen Sprößling des Ausdruckes aufschießen -- und
ereignet sich der Fall, so ist es eine Feldblume, die sich nicht aus
den Grenzen der Bescheidenheit wagt -- Bei uns gewinnt Nachdenken, bei
Weibern Empfindung die Oberhand -- Die Oberhand, sag' ich; denn auch
Nachdenken leistet der weiblichen Empfindung hülfliche Hand: und sind
in ihren Aufsätzen nicht alle Ungleichheiten geebnet, so bleibt ihnen
dagegen mehr Eigenthümliches -- Man rücke das Ziel ihres geschäftigen
Lebens über die Küche und Stricknadel hinaus; man führe sie nur an: und
sie werden uns sehr bald an Scharf- und Tiefsinn übertreffen, ohne sich
kraft ihres gesunden Menschenverstandes zu versteigen. Ach! wer kann
sich entbrechen, wenn vom Vorzuge unseres Geschlechtes die Rede ist,
mit _Daniel_ auszurufen: Seht, das sind eure Götzen!
_Weiber können nicht allein seyn_ --
Nicht allein? Lieber! wenn die Einsamkeit gemahlt werden soll, muß ein
Weib sitzen, oder sie ist nicht getroffen.
_Oder nichts allein überlegen._
Und doch ziehen Männer sie alle Augenblicke zu Rath; und wohl ihnen,
und dem Collegio und dem Staate, wenn Männer es thun! O! wie gern
wälzen die Männer ihre Bürde von ihrem Herzen auf ihre Weiber, denen
sie ihre Geheimnisse anvertrauen! und wie viel haben Weiber zu tragen!
o, wie viel! Von Weibern dagegen ist fast keine einzige, die nicht
etwas hätte, was nur Gott und sie weiß, was kein Beichtvater erfährt,
und womit sie der Zeit und Ewigkeit unerschrocken, entgegen geht --
Unsere Geheimnisse verfliegen oft, gleich einem flüchtigen Geiste; die
ihrigen sind ihnen in Herz und Seele geätzt -- Wenn Gedanken ihren
Schöpfern entkommen, die sich bei aller oft widerlichen Anstrengung
nicht zurückbringen lassen -- ihren Schöpfern, die nur selten
Gedankenerhalter sind; so verstatten Weiber ihren Gedanken nicht so
viel Ausgelassenheit -- _Was ich doch sagen wollte_, wird man selten
oder gar nicht von Weibern hören. Ihr Gedächtniß ist getreuer, als
das unsrige; und schwerlich wird ein Weib so zerstreuet seyn, wie
_Terrasson_, und so sehr sein Gedächtniß verlieren, wie er. Weiber
halten Zerstreuungen für Affektation, und können sich nicht des Lachens
enthalten, wenn sie von _Terrasson_ hören, daß er kurz vor seinem Ende
im Gedächtniß-Concurs Alles an seinen Verwalter _Luquet_ assignirte, so
daß er, als sein Beichtvater ihn bei der letzten Beichte nach seiner
Sündenmenge fragte, demselben auch diese Assignation gab: Fragen Sie
nur _Luquet_. --
_Weiber wären nicht selbstständig und allein fähig?_ Eine Einwendung,
die, so leimgestärkt sie auch scheint, sich nicht halten kann. Wenn wir
zwischen Furcht und Hoffnung schwanken, nehmen sie gleich Partie, und
sind entschlossen an Leib und Seele -- Ihre Entbindungen machen sie so
dreist. Bei minder wichtigen Dingen halten sie es nicht werth, es noch
auf Entschlüsse auszusetzen: Es gehe, wie es gehe -- In politischen
Angelegenheiten schlagen sie, wenn wir kannengießern, sich zu keiner
Parthei, und wählen das beste Theil: Was wir leisten, macht unsern
Lehrern Ehre; was sie leisten, ihnen selbst -- Sie mischen die Karten,
und theilen sie so aus, daß Spieler und Zuschauer zufrieden sind,
wenn dagegen eine Menge staatskluger Köpfe beisammen sitzen, und noch
immer in gerechter Befürchtung, nicht Kopfs genug zu besitzen, auf
Verstärkung ihrer Beisitzer denken. Vor lauter Räderwerk wird nichts
zu Stande gebracht, vor lauter Reden kommt es zu keiner That, vor
lauter Stimmenzählung zu keinem Schlusse. Wer von uns hat sich über
das Stimmen der Instrumente nicht geärgert, ehe es zur Sinfonie kommt
--? Hohe Deutlichkeit und stärkeres Licht mit mehr Vergrößerung zu
vereinigen -- das ist das Ziel der Ausrüstung, um Augenreisen in die
Ferne zu thun. Wie oft zerschlagen unverständige Kinder und bärtige
Collegia einen stattlichen Spiegel, um eine Fliege zu tödten! und noch
öfter wird das Kind mit dem Bade ausgegossen. Des Bocksbeutels und der
verkünstelten Kunst halben kommen Dekrete zum Vorschein, mit denen am
wenigsten in allen Fällen, und höchstens nur provisorisch, auszulangen
ist; Dekrete, die höchstens Palliative sind, um sich eine angenehme
Ruhe für die nächste Nacht zu machen.
_Warum soll man den Jesuitenorden von den Todten erwecken, und die
heimlichen Jesuiten, Jesuiten en tapinois (das schöne Geschlecht)
privilegiren?_
Warum? weil die heimlichen schädlicher sind, als die öffentlichen,
weil die öffentlichen (wenn nämlich nichts heimlich bei ihnen
bleibt) aufhören Jesuiten zu seyn, und weil geheime Krankheiten die
gefährlichsten sind -- Wie kommt aber das andere Geschlecht zur
Ordensehre?
_Maitressen von guter Abkunft haben bei weitem das Böse nicht
gestiftet, was die Maitressen niederer Abkunft, eine Pompadour, eine du
Barry, sich zu Schulden kommen ließen._ Allerdings! und also nehme man
nicht Maitressen, sondern Weiber.
_Nein, also lasse man die Weiber in ihrer Dunkelheit!_ Getroffen, wenn
sie Maitressen werden sollen -- Wenn sie aber ihren göttlichen Ruf,
Weiber zu seyn, befolgen, so hebe man sie nicht durch Flittergold,
sondern durch Ächtheit -- Sind die Türkischen Bassen und Veziere, die
Beys in Ägypten darum menschlicher, weil sie in ihren früheren Jahren
das Elend des Volkes aus erster Hand kennen lernten?
_Welche Widerlegungen!_ Sind etwa die Einwendungen besser? _Es läßt
sich Alles vertheidigen_ -- und wider Alles einwenden. _Ich wollte um
Vieles, um Alles in der Welt kein Weib seyn_ --; ich auch nicht --
_und doch_ -- und eben darum. _Wer hat nun Recht --?_ Wer die Wahrheit
sagte. _Und wer sagte die Wahrheit? nicht wahr: wer Recht hatte?_
Wer die Sache der Unterdrückten führte, und wer der Menschheit sich
annahm.
_Der Menschheit?_
Sind etwa Weiber nicht Menschen?
_Der Unterdrückten?_
Sind wir nicht ihre Tyrannen?
_Heil den irrenden Rittern!_
Heil und fröhliche Gestalt, wenn ihr Ritt auf Menschenwohl ausgeht --
_und wenn sie keine Dulcineen haben,_
als die Reinheit der Absicht, die Dulcinee unserer Philosophen --.
_Dies Buch wäre nicht eines Weibes halben geschrieben --?_
Nicht eines Weibes, sondern der Weiber halben -- Keines weiß, daß ich
es geschrieben habe, keines wird es, so Gott will, wissen.
_Und warum denn nicht jener schmale Weg, der das zu Viel und zu Wenig
vermeidet und durch Beides sich durchschlängelt?_
Weil Wenige sind, die darauf wandeln --
_Besser als Viele!_
Nicht immer, wenn von bürgerlicher Tugend und Untugend die Rede ist.
_Der Mittelstand zwischen Skepticismus und Leichtgläubigkeit_ --
ist ein unseliges Mittelding -- So oder nicht so, ist mein Wahlspruch;
-- nicht aber: so oder anders, oder halb so. Ja Ja, ist bei mir ein
halbes Nein; und Nein Nein ein halbes Ja. Ja, Nein, was drüber und
drunter ist, ist vom Übel --
_Und die Gesetze! -- wird dies Buch es mit ihnen ausmachen?_
Mein kleinster Kummer! mögen es die Gesetze mit den Gesetzen ausmachen!
mögen die Todten die Todten begraben! -- Freilich thun die Gesetze
zuweilen so, als ob es Kräfte in der Menschheit gäbe, die außerhalb der
Menschheit lägen --
_Was will das sagen?_
Es giebt Gesetze, welche die einzelne Kraft des Menschen unterdrücken,
damit die Summe aller Kräfte desto stärker sei; und doch ist natürlich
die Gesammtkraft desto größer, je größer die Summe der Kräfte einzelner
Menschen ist -- Unsere Herren Staatsrechenmeister verrechnen sich
gewaltig, da sie die Zahl der Weiber auswerfen --
_Wenn sie indeß auf den Zweck der bürgerlichen Gesellschaft sehen_ --
O! dann verrechnen sich die Oberrechnungs-Cameralisten noch mehr. Giebt
es einen andern Zweck, als die individuelle Freiheit zu schützen, und
die Eingriffe eines Jeden in die Freiheit eines Andern zu behindern --?
_Das sollte auch auf Geschlechter Anwendung finden?_
Sind die etwa nicht moralische Personen?
_Und die Billigkeit?_
ist ganz auf meiner Seite. Was im Lande gilt, ist Recht; was in der
Welt gilt, ist billig -- Was nach der Meinung der mehresten Menschen
recht ist, ist billig --