Ungern muß ich mich noch zu einer Art Menschen wenden, an die ich

gewiß am wenigsten gedacht hätte, wenn nicht ganz frische Spuren mich

schreckten -- Daß dies die Herren Recensenten nicht sind, versteht

sich von selbst. Es giebt wackere Männer unter ihnen, die, wenn sie

gleich sich einen ehemals ungewöhnlichen Reskriptenton angewöhnen, es

so übel nicht meinen; man lasse sie reskribiren -- Du lieber Gott!

was reskribirt heut zu Tage nicht alles --! Wenn Kinder und Säuglinge

an Jahren und an Verstande in unseren hohen Dikasterien den Nahmen

Gottes und ihres Fürsten so unnützlich führen, und dummdreistes Zeug

in diesen breiten goldenen Rahmen fassen; wenn sie so ungestraft

blinden Lärm zu machen, die Vernunft in blödsinnigen Sentenzen

gefangen nehmen, den guten Ruf trefflicher Männer als gute Prise

ansehen, und von Rechtswegen fünf gerade gehen lassen können -- wird

man nicht, wohl zu merken! bei würdigen Recensenten, denen jene

unbärtigen Großsprecher nicht werth sind die Schuhriemen zu lösen,

die weit kleineren Reskripten-Freiheiten, die sie sich herausnehmen,

ganz gern übersehen? Ich habe in Wahrheit nichts gegen Recensenten,

die sich wie wohlthätige Egel an unsere Bücher hängen, um ihnen das

böse Blut abzusaugen; vielmehr wünsch' ich herzlich, daß dieser

Blutdurst ihnen allerseits nach Stand und Verdienst wohl bekommen

möge. Wenn aber Mücken um ein Paar Blutstropfen mich verfolgen, und

meinen Nahmen (wahrlich ein Paar Blutstropfen) entwenden wollen;

so bitt' ich diese Anekdotensauger in Erwägung zu nehmen, daß ein

Buch darum keinen Fingerlang oder Fingerbreit schlechter oder besser

wird, weil man weiß, daß es diesen oder jenen Verfasser hat. In der

Schrittstellerwelt giebt es keinen Erbadel; und warum will man die

gelehrte Republik in einen monarchischen, wo nicht gar despotischen,

Staat umwälzen? warum nicht Jeden bei so viel Freiheit, wie nur

mensch- und politisch-möglich ist, lassen? Da giebt es denn aber

Kraftgenies ohne Genie, ohne genialische Anlage und Nachdruck, die

im Gefühl ihrer Geistesarmuth Anekdoten haschen, um unter Gelehrten

die Gelehrten zu spielen, die sie nicht sind, und die sie ohne

wundervolle Pfingst-Inspiration auch nicht werden können! Ein Pfeifer

und Geiger, ein Flöter und Trommeter glaubt taktlos sich für _Kant_

und _Wieland_ in Einer Person ausgeben zu können, ob er sich gleich

begnügen sollte, die Mauern von Jericho umzublasen und die Steine

tanzen zu lassen. Voll Vademecums-Belägen wissen dergleichen Masken --

und was denn? was unter braven wackern Gelehrten der wenigste Kummer

ist; -- allein dafür sind jene Kraftmänner auch vor aller andern

Hypochondrie, als der, die aus Unwissenheit entsprießt, und die mit

Nahmen-Wuth anzuheben pflegt, sicher ihr Lebenlang -- machen sich

aus Litteratur-Kindern und philosophischen Säuglingen eine Macht,

und kommen nicht selten in die Gefahr jenes Menschenkenners, der

einen trefflichen Mann fragte: Ist der Herr nicht der Küster aus *

*? »_Nein, ich bin der General-Superintendent * *, und wer Sie sind,

mag ich nicht wissen._« -- Wer leugnet es, daß durch Gelehrte von

Profession, z. B. durch _Kant_ und _Heyne_, die Wissenschaften große

Fortschritte machten? Gewiß würde der Meister der Philosophie _Kant_ in

seinen patriarchalischen Jahren nicht so kraftvolle Arbeiten liefern,

und durch einen wohlgestalteten Seelenerben nach dem andern der Welt

ein Lachen bereiten, wenn er nicht in der Blüthe seines Lebens mit

diesen Gegenständen vertraut geworden, und bei seinem Unterrichte zu

denken von Anbeginn gewohnt gewesen wäre. Seine Vorlesungen waren

die Goldwagen seiner Grundsätze -- Solch eine Pflege kann kein

Geschäftsmann seinem Buche geben; noch nie aber haben verdienstvolle

akademische Lehrer einem _Lessing_, _Spalding_, _Teller_, _Moses

Mendelssohn_ u. s. w. ihr Verdienst abgesprochen, vielmehr es gern

gesehen, wenn diese fein sokratisch ihre Systeme in Philosophie der

Welt, ich weiß nicht ob erniedrigten oder erhöheten? -- Und wozu diese

Bemerkung? Um eine andere einzuleiten -- Wenn die Kritik der reinen

Vernunft mit dem Nahmen _Immanuel Kant_ in die Welt kommt -- Wer hat

etwas dagegen? Wenn aber ein Geschäftsmann Autor ist -- in welche

Schwierigkeiten sieht er sich verwickelt! Der Präsident beneidet ihn,

wenn er Rath; und der Minister, wenn er Präsident ist. Zum gemeinen

Leben berufen, muß er sich nach demselben einrichten und sich in die

Zeit schicken lernen, und es ist bei dem Geschäftsmanne nur zu oft

böse Zeit. Kritiken schaden den Gelehrten von Profession so wenig,

als wenn Renomisten sich an den Fenstern des zu strengen Rektors

vergreifen, die denn doch durch Laden gesichert werden können; und wie

leicht ist das Haus Sr. Magnificenz wieder befenstert! Der unsauberste

Geist indeß schadet dem Geschäftsmann, indem witzleere Antagonisten

desselben den schalsten Einfall mit Freuden aufnehmen, und mit diesen

fremden Kälbern pflügen, um den braven Mann zu kränken. Der Gelehrte

von Profession schlägt den Ball, den ihm ein unfreundlicher Kritikus

zuschlägt, weiter; der Geschäftsmann kann ihn nur zurückschlagen --

Jeder Unglücksfall im Dienst wird auf die Rechnung der Autorschaft

geschrieben; jede ungegründete Beschwerde einer chicanirenden Parthei

findet gewisses Gehör, weil der Herr _Decernent_, oder _Instruent_,

_Referent_ und wie die _enten_ alle heißen mögen, Autor ist und sich

nicht Zeit nahm -- alle Menschen klug zu machen. -- Der Revers der

Sache? wird nicht mancher Schriftsteller das Ansehen, welches er

in der gelehrten Welt hat, zum Schreckmittel brauchen, um sich zu

einem _Noli me tangere_ zu erheben? wird nicht sein Vorgesetzter

seiner Schriftstellerfeder auf Rechnung seines Postens eine Pension

zuwenden, und Andern aufbürden, was Jenem zu thun oblag --? _Practica

est multiplex._ Ein Mann, der _Vater_ ist, wenn er _Brutus_ seyn

soll, der unter den Autoren Präsident, und unter den Präsidenten

Autor ist, verdient die Züchtigung eines _Johnson's_, da hingegen ein

Autor, welcher der gelehrten Welt so wenig von seinem politischen

Verhältnisse, als diesem von jener verräth, zwiefacher Ehre werth zu

seyn scheint, indem er sich nicht aus Einer Lage in die andere hinein

schmeichelt, keine Folie nöthig hat, und nicht Eine Farbe in die andere

spielen läßt, sondern überall Mann ist -- -- Das Leben eines Mannes

von dieser Art zu lesen, wenn er aufhört entweder politisch oder

natürlich zu leben -- kann wahrlich ein besseres Lehrbuch werden, als

das Leben unseres trefflichen _Semlers_, der geheime Wissenschaften

an geheimen Orten zu lernen suchte -- um sie kurz vor seinem Ende

öffentlich zu treiben -- oder anderer Selbstbekenner, die geistliche

und leibliche Jahr- Monaths- Tage- Stunden- und Minuten-Bücher stellten

--. _Shakespear_ ward in seinem Leben wegen seiner Sonetten, _Milton_

wegen seiner Lateinischen Verse und prosaischen Schriften geschätzt,

derentwegen sich Beide schwerlich bis auf den heutigen Tag erhalten

haben würden -- --

^FRIEDRICH II.^, der doch selbst von der Poësie, wie von einem

Dämon, gar übel geplagt ward, so daß sie sogar bei Schlachten nicht

verfehlte, ^IHM^ Cour zu machen, sagte zu einem Staatsdiener,

dessen Andenken ich heute an dem Tage seines Todes feiere: _ich mache

Ihn zum * *; aber lass' er mir das Schreiben -- So etwas stört, und

im Amte muß Er sich durch gar nichts stören lassen -- hört Er?_ Ja!

und wer Ohren hat zu hören, der höre! Sind das die Gesinnungen eines

königlichen Schriftstellers, (nach Weise des königlichen Propheten

_David_) wie viel ist von Fürsten zu fürchten, denen, außer der

Salbung zu Regenten, keine andere zu Theil ward --! wie noch viel mehr

von _Königschen_, die, zu schwach zu einer kritischen Sichtung, an

Autoren, welche ihnen über den Kopf zu wachsen scheinen, so gern zu

Rittern werden -- Ob von diesen Fällen Einer oder keiner der meinige

sei, thut nichts zur Sache; daß sie aus dem Leben genommen sind, wird

Niemand ableugnen -- Und darf ich noch bemerken, daß Kunstrichter,

wie alle andere Richter, nicht die Personen ansehen müssen, und daß

es pflichtwidrig ist, es auf den Namen des Schriftstellers anlegen zu

wollen --?

Wenn unsere Anekdoten- und Nahmenhäscher dies in Erwägung zögen --

würden sie nicht lieber Fische fangen und Vogel stellen, da sie doch

einmal verdorbene Gesellen sind? -- Wie viel wollt' ich geben, wenn ich

dieses Schlusses hätte überhoben seyn können! -- denn in der That, ich

weiß ihn so wenig in den Takt dieser Schrift zu bringen, daß ich mich

vielmehr begnügen muß, zu bemerken, wie die Menschen nur alsdann sich

zu nahe kommen, wenn sie nichts thun wollen oder können, und, anstatt

sich mit sich selbst zu beschäftigen, es gemächlicher finden, auf und

gegen Andere zu wirken --

Daß dieser Epilogus jene lieben, trefflichen, edlen Seelen nichts

angeht, die in keiner andern Absicht, als um sich näher mit dem

Schriftsteller zu verbinden, der mit ihnen so harmonirt, seinen

Nahmen gern wüßten -- darf ich dies erst bemerken? -- Möchte doch

der unerforschliche ^GOTT^ diesen trefflichen Seelen öffentlich

vergelten, was sie auch etwa an mir insgeheim thaten! -- Möchte ihnen

doch an der Hand gutdenkender Weiber des Lebens Last und Hitze nicht

schwer seyn! Leicht sei ihnen die Erde im Leben und im Tode --! --

Inhalt.

I. Formale und Materiale der gegenwärtigen

Schrift. Seite 1

II. Giebt es außer dem Unterschiede des Geschlechtes

noch andere zwischen Mann und Weib? 28

III. Woher die Überlegenheit des Mannes

über die Frau entstanden? Rückblicke auf

die ältere Zeit. 75

IV. Nähere Angaben, woher die Überlegenheit

des Mannes über die Frau entstanden

ist. Betreffen neuere Zeit. 122

V. Verbesserungs-Vorschläge. 185

VI. Nutzanwendung. 398

Notizen des Bearbeiters:

Kursivschrift markiert durch _..._

Gesperrte Schrift markiert durch ^...^

Unterschiedliche Schreibweisen wurden beibehalten.

Typographische Fehler und einzelne Satzzeichen wurden stillschweigend

geändert.

Über die bürgerliche Verbesserung der Weiber · 第 18 / 18 段