Der Weiber, die doch in den politischen Gesellschaften nur Nullen

sind, und ohne eine vorstehende männliche Zahl keine Bedeutung haben?

Und warum ihr Werk? weil sie Männer dazu verleiteten? die Curandinnen

die wohlweisen Curatoren? Wegen des Einflusses, den man den Weibern

nicht versagen konnte, den auch Sklavinnen über ihre gestrengen

Herren behaupteten. So sehet denn da die Rache, welche die Natur sich

nicht versagen kann, wenn man ihre Majestät beleidigt --! Entzieht

den Weibern keinen jener Antheile, wozu sie unleugbare Rechte haben,

und ihr werdet jenen Schleichhandel von selbst heben, den jetzt die

Weiber zum Nachtheile ihrer Männer und des Staates treiben. Die

Vernunft ist göttliches Ebenbild, und wo ihr sie findet, da ist es

Pflicht, ihre Superiorität an zuerkennen -- Wo sie erscheint, ist

Werth, Würde und Selbstbeständigkeit. Sie regiert im Kleinsten der

Unterthanen den Größten, den Herrn der Welt -- und in dem Staate, wo

sie unterdrückt wird, hören die Weisen die Stimme, welche sie auf

ebene Bahn leitet: _Stehet auf und lasset uns von hinnen gehen!_ Oder

wie? ist etwa der Werth des anderen Geschlechtes nicht auf Vernunft,

sondern auf Sinnlichkeit gegründet? Ei, Lieber! können wir uns, so

lange wir Kleider der Sterblichkeit tragen, über die Sinnlichkeit

hinaussetzen? Nur ein Pedant kann die _Sinne_ die Deutschen Klassen

nennen; kommen wir nicht durch sie und durch die Empfindung der

Vernunft zuvor? gründen die Sinne nicht die Vernunft? sind sie nicht

-- die höchsten Revisoren derselben? erheben sie die Vernunft nicht zu

ihrer eigentlichen Würde? ist die Vernunft nicht _generis foeminini?_

und der _Geschmack?_ ist er nicht mit so schönen sittlichen Ideen

ausgestattet, daß es eine Lust ist? Muß die Vernunft sich nicht

vielmehr von Amtswegen versinnlichen, um über das Herz zu siegen, das

ein trotziges und verzagtes Ding ist, wer kann es ergründen --? Würden

wir nicht aufhören Menschen zu seyn, und übernatürlich werden, wenn wir

auf das Wesen der Menschen Verzicht thäten? ist übernatürlich nicht

auch unnatürlich? Das feinste Raffinement ist immer ein Verwandter

der Simplicität. Das Loos dieses Lebens ist eine Menschenrolle; ist

sie so subaltern wie sie scheint, und verdient _der_ Beförderung,

der im Geringeren ungetreu ist? Erst durch die Ehe wird das Weib in

eben dem Grade durch den Mann vollendet, wie der Mann durch das Weib

-- Mann und Weib machen einen ganzen Menschen aus -- Die relativen

Eigenschaften, die zwischen beiden auf einander angelegt sind, setzen

diese Behauptung außer Zweifel. Darf ich es noch einmal wiederholen,

daß der Vorzug der physischen Größe und Stärke des Mannes in Hinsicht

des Weibes sich auf keine moralische Überlegenheit unseres Geschlechtes

bezieht? Kein Geschlecht hat den mindesten Werth ohne das andere;

zusammen genommen machen sie die Menschheit aus. Wir spielen aus Einer

Kasse, und die Natur hat Mann und Weib so zusammen gefügt, daß kein

Mensch sie scheiden kann -- In einander verwebt, ist Eins um des Andern

willen. Eifersucht auf Ansehen ist der Hebel, wodurch nur schwache

Menschen gereitzt und in Athem gesetzt werden können. Was kann sich

ohne Weiber gruppiren? Gehe mit einem dir völlig gleichgültigen Weibe

um, nur langer Weile halben -- ehe du es merkst, wird deine Seele in

die ihrige eingreifen; ihr werdet nicht von einander lassen, ohne daß

Lust oder Liebe hierbei den mindesten Einfluß hat -- Dieser Einklang

ist Geschlechtstrieb, oder inniges geheimes Gefühl, Bestätigung

der göttlichen Worte: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei

-- Ohne _Eva_ ist _Adam_ ein Thier, und _Eva_ ohne _Adam_ eine

Klosterjungfer. Wer bemerkte nicht, daß fast alle Männergesellschaften

mit dem Paradiese anfangen und mit dem jüngsten Gerichte enden! Man

erstaunt über die Sprünge, welche Männergespräche nehmen -- Weiber

knüpfen sie zusammen und bringen Alles in das Verhältniß, wenn gleich

gesellschaftliche Unterhaltungen mit Recht die Art der Englischen

Gärten behalten, die genau gebahnte Wege vermeiden. -- Wäre größere

körperliche Stärke mit einer größeren Seelenkraft verbunden, so würde

diese Schrift sehr klein geworden seyn, und es hätte nicht verlohnt,

an eine bürgerliche Verbesserung der Weiber zu denken. Macht aber

der Geist des Menschen sein eigentliches Wesen und Seyn, so ist die

Unfähigkeit des Weibes zu Staatsgeschäften, Künsten und Wissenschaften

ein Vorwand, allein kein Einwand -- Selbst nicht immer sind die Weiber

schwächer gebauet als die Männer -- »_In einzelnen Fällen --? in

niederen Klassen?_« Nein! auch selbst im Allgemeinen. In _Champagne_,

wo die Einwohner ein gesunder Schlag Leute sind, sollen, nach der

Bemerkung der Reisenden, die Weiber stärker seyn als die Männer;

und wie viele junge Wüstlinge giebt es, die sich das Alter in der

Jugend inoculiren ließen, um so wenig vor Alter, wie an den Pocken zu

sterben --! Ich will für meinen Einwender Gründe auslegen, die er mir

hoffentlich zu seiner Zeit erstatten wird. Zugegeben, daß das Weib im

Allgemeinen und bei allen Nationen, so wie überhaupt, in der ganzen

thierischen Schöpfung, schwächer, feiner und zarter gebauet ist als

der Mann; zugegeben, daß die weiblichen Nerven biegsamer, reitzbarer

und zärtlicher als die unsrigen sind: was folgt daraus? etwa, daß der

Körper der Weiber nicht zu langen Anstrengungen des Geistes angelegt

sei? daß sie wegen ihrer lebhaften Imagination nicht lange bei einem

Gegenstande verweilen können? daß Anstrengung des Kopfes, Sammlung

des Geistes ihre Sache nicht sei? -- Giebt es nicht wissenschaftliche

Gegenstände, welche Biegsamkeit und Feinheit erfordern? Läßt denn

körperliche Stärke auf geistige schließen? und hat ein vierschrötiger

Tagelöhner die beste Anlage zum Generalsuperintendenten? -- Die

vorzüglichsten Menschen hatten schon oft die schwächlichsten Körper.

Eine große Seele hat selten einen handfesten Leib zu seinem Gefährten

gewählt; Freund _Hume_ und einige andere ausgenommen, waren große

Geister in der Regel klein und schwächlich --. Was wohl leibet,

heißt es in einem alten Sprich- und wahren Worte, seelet oft übel.

Selbst _Alexander_ und _Friedrich II_ waren klein von Körper, so wie

Helden gewöhnlich nicht auf große Statur Anspruch hatten. Oder wie?

haben Physiologen ausfindig gemacht, daß die ursprüngliche weibliche

Organisation die Weiber zu subalternen Geschöpfen mache, ihnen den

Weg zu allem Edlen und Großen vertrete, und, wenn auch Jünglinge

und Mädchen einerlei Unterricht empfingen, von einerlei Motiven zu

ihrer Geistesbildung angetrieben würden -- jene doch diese allemal

überflügelten? Wären diese Beobachtungen wahr und richtig, so müßte

man freilich glauben, auch wenn man das gerade Gegentheil sähe --

Ei Lieber! wo hat man den Erfahrungsschatz gefunden? gesammelt hat

man ihn doch nicht? wo sind Versuche gemacht? absichtlich gemacht?

und müßte das nicht vorausgegangen seyn, wenn man über Anlagen und

Fähigkeiten so absprechen wollte? Es hat nie weder an Köpfen noch an

Herzen unter den Weibern gefehlt, die den Männern den Rang abgewonnen!

Ich beziehe mich auf den Anfang dieses Ohrfingers von Capitel, welcher

so spendivisch preiswürdige Namen genannt hat -- Und warum wollen wir

mit einander streiten, da jeder Blick aus der Arche der Studierstube

das Vorurtheil der Weiberverachtung widerlegen kann und wird -- falls

ihm kein gefärbtes Glas die Kraft benimmt. Es geht meinem Gegner wie

vielen andern seiner Art: er bestreitet nicht die Sache selbst, sondern

die unrichtigen Begriffe, die er sich von der Sache macht; nicht mich,

sondern sich --

_Freilich_ -- (ein erwünschter Anfang von einem Opponenten!) _Freilich

wallfahrtete die Königin aus Arabien, um bei dem Professor Salomo einen

philosophischen Cursus zu hören; und wir können nach der Liebe hoffen,

daß er sie nicht ohne ^augenscheinlichen Segen^ seiner Schule

entlassen haben wird._

Der Schule der Weisheit doch wohl? sonst müßt' ich dies _Freilich_

mit Zinsen zurückgeben. Wo der liebe Gott eine Kirche hat, da bauet

sich der leidige Feind eine Kapelle -- Jede Akademie der Weisheit

hat ein Gymnasium der Torheit in der Nähe; in der größten Schönheit

liegt der Stoff zur größten Häßlichkeit -- Je glücklicher die Vernunft

den blauen Dunst zu verbreiten sucht, der unser Auge verfälscht; je

heftiger wird die Begierde, sie durch Besuche aus jenen Gegenden zu

widerlegen, wo abgeschiedene Seelen hausen -- Beweiset die königliche

Wanderschaft (des _Freilichs_ ungeachtet) nicht klärlich, wie begierig

die schöne Welt -- wohl zu merken nach Weisheit ist --? in Ernst, was

wissen wir denn? Sind Weiber gleich zuweilen des Dafürhaltens, einer

Philosophie nicht zu bedürfen, nach welcher wir uns rühmlichst den Kopf

zerbrechen, um grundgelehrt sagen zu können: wir wüßten nichts; können

ihnen dagegen wohl Energie der Seele und tiefgeschärfte Bemerkungen

abgesprochen werden? Und so wäre denn auch dieses Spiel für die Weiber

gewonnen -- -- -- Kinder reicher Leute sind gemeiniglich so baufällig,

wie die Hütten der Armen, und langer Nichtbrauch kann Kräfte schwächen;

-- allein auch heben?

Wer kann behaupten, _daß das Eigenthümliche des Geschlechtes nichts

Bestimmendes für die bürgerliche Gesellschaft habe?_ Das Weib hat

Selbstliebe und die damit correspondirende Selbstbeständigkeit -- Ist

bürgerliche Gesellschaft denn etwas anderes, als eine vergrößerte

häusliche? oder sind etwa auch in der häuslichen Gesellschaft die

Weiber nicht an Ort und Stelle? Wo sind Privatgesellschaften, die in

die Länge ohne Weiber sich halten könnten? Ihren Hauptreitz verdanken

sie den Weibern, deren munterer leichter Ton Alles in's Geschick

bringt, und die schwersten Gegenstände schmackhaft, anmuthig, gefällig

und geläufig zu machen versteht -- Sie finden zu den Gedanken des

Mannes die schicklichsten Ausdrücke; und oft hab' ich zu bemerken

Gelegenheit gehabt, daß, umgekehrt, Männer die Gedanken des anderen

Geschlechtes durch wohlgewählte Worte zu beleben suchen. Bei jeder

Regel haben sie zehn Fälle bei der Hand, die jene bestärken oder

widerlegen; ihre vom richtigsten Geschmack gebildete Einbildungskraft

bringt in die abstraktesten Dinge eine lebendige Seele! Wir wollen viel

wissen, die Weiber viel verstehen; wir wollen viel gedacht haben, die

Weiber viel sagen und in Umlauf bringen. Sie protegiren gemeiniglich

nicht Gelehrte, sondern die Gelehrsamkeit; weniger eitel in dieser

Hinsicht als wir, legen sie es darauf an, weniger gelehrt als weise

zu seyn; sie ehren den Witz, und bedienen sich seiner als der ihnen

von Natur beigelegten Waffen, sich in Achtung zu setzen und darin

zu erhalten. Durch Witz beleben sie ihre gesellschaftlichen Cirkel,

und halten jede Ungezogenheit ab; ihre gefällige Laune tingirt Alles

mit Wohlgefallen -- Dem Pedanten schleifen sie den Rost ab, damit er

erträglich werde; und wenn _Newton_ ihren Finger nimmt, um seine Pfeife

nachzustopfen, so wissen sie diese unverzeihliche Zerstreuung zu

seinem Vortheile zu wenden; wenn er etwas über die Offenbarung Johannis

schreibt, so thut es durch den Schutz, den sie ihm angedeihen lassen,

ihm an dem Orte, wo er lebt, keinen Schaden. Ein großer Gewinn! Nichts

wird so wenig vergeben als persönliches Verdienst, und nichts wird so

gern von Damen in Schutz genommen als eben dieses. Empfindlichkeit

ist innig mit Genie verbunden: in unserem Glücke liegt auch immer

der Keim unseres Unglückes; und wie viel haben Damen zu thun, um

hier Alles zum Besten zu kehren, zu ebenen und in's Gleichgewicht

zu bringen! Ruhe und Ruhm sind selten gute Freunde; Damen versuchen

die Sühne unter ihnen, und wissen sie zu vergleichen. Sie vertreiben

jenen Rauch in den Schriften der schönen Geister, der Alles räucherig

gemacht haben würde, wenn nicht in Zeiten frische Luft dazu gekommen

wäre. Sie stellen bei kleinen Soupers witzige Turniere an, und lenken

das Gefecht. Sie widersprechen nicht wie mein Gegner, sondern oft

nur, damit man einsehe, daß hier ihrer Zwei sind -- Wenn Gelehrte

Gedanken überschlagen, so wie man Blätter überschlägt; so füllen

sie die Lücken, und setzen Alles in Verbindung -- Ihre Aufmunterung

erhält den verdienstvollen Schriftsteller aufrecht, wenn Knaben ihn

einen Kahlkopf heißen; sie decken ihn mit ihrer Ägide vor den feurigen

Pfeilen des Neiders und Spötters, so daß die besten Autoren an ihrer

Hand die Stufe der verdienten Würde erstiegen, die sie ohne diese Engel

der Stärkung gewiß nicht erreicht haben würden -- In der Blüthe wären

sie verwelkt, und noch ehe sie zu männlicher Stärke gelangten, würden

sie, ohne weibliche Aufmunterung, Autorlebenssatt dahin geschieden

seyn -- Die Prämien aller Akademien können nicht den aufgekitzelten

Witz eines Spötters in unserm geselligen Kreise zügeln; -- und Weiber,

die so wohlthätig in kleinen Gesellschaften sind, sollten es weniger

in größern und im Staate seyn --? Ein Englischer Reisender macht die

Anmerkung, daß die Französinnen in den Tagen der Fröhlichkeit und

des Genusses glänzten, die Engländerinnen dagegen im Schatten des

eingezogen Lebens und in der häuslichen Ruhe -- Man lasse sie zu

_Staats-Geschäften_, und wir werden finden, daß sie nicht bloß zum

Englischen Frühstück, zu einer Französischen Assemblee, sondern auch

in Geschäfte die nämliche Milde und Güte bringen werden, die sie

überall, wo sie sind, verbreiten -- Sie sind das Salz der Erden, das

Allem Geschmack giebt, das Licht, das überall erleuchtet, es mag als

Mond des Hauswesens, oder als Sonne des Staates aufgehen. Nicht nur die

angeborne Moral ihrer schönen Seelen; nicht nur ihre Herzenskunst die

feinsten Winkelzüge des menschlichen Empfindens zu erreichen; nicht

nur ihr durchdringender Blick, der wie die Steine _Davids Goliathe_

tödtet; sondern auch jene Eigenschaften, die uns die Kindheit so

liebenswürdig machen, ihre edle Einfalt, ihre Güte des Herzens, ihre

von, aller Menschenfurcht entfernte Seele, ihr unbesorgtes Vertrauen

auf den Vater im Himmel und auf eine gerechte, eine gute Sache, würden

die Staatsgeschäfte wiedergebären, und wir einen neuen Himmel und eine

neue Erde des Staates sehen, wo Gerechtigkeit und Milde wohnten, und

in einem neuen heiligen Leben wandeln. -- Es wäre eine unverzeihliche

Spötterei, wenn man auf die Frage: warum die weiblichen monarchischen

Regierungen besser als die männlichen sind? antworten wollte: weil

alsdann Männer das Ruder in Händen haben, so wie, wenn Männer regieren,

Weiber sich am Ruder befinden; allein auch selbst diese Spötterei, so

wenig sie von der Geschichte gerechtfertigt wird, beweiset mindestens,

daß Weiber guten Rath zu schätzen wissen: und ist dies nicht bei

Männern nur selten der Fall? Doch, berufen Einwendungen zu lösen, wie

komm' ich zur Apologie --?

»_Eine Hauptbestimmung des Weibes ist Kindererziehung. Um desto

sicherer zu glänzen, versäumt es diese Pflicht, die Miethlingen

überlassen werden muß; und wenn etwa eine Mutter noch mit getheiltem

Kopf und Herzen die Erziehung ihrer Tochter übernähme -- ist es Wunder,

daß sie, durch Gesellschaft verdorben, anfänglich mit ihr paradirt,

und nicht lange nach diesen Tagen eifersüchtig auf sie wird?_« --

Lieber! ist die Erziehung bloß Pflicht der Mütter, oder liegt sie

nicht auch den Vätern ob? gehören die Kinder nicht beiden? Und wenn

der Vater, dieser Verpflichtung ungeachtet, nicht aufhört gesellig

zu seyn, warum soll es denn die Mutter? Wozu werden Kinder erzogen?

nicht zur Gesellschaft im Großen und Kleinen? und diese kennen zu

lernen, soll die Mutter Verzicht thun? sie soll erziehen, ohne die

Erziehungskunst zu kennen? -- Einer der ungerechtesten Vorwürfe ist

es, die _große Weichlichkeit unseres Jahrhunderts auf die Rechnung der

Weiber, und des Tons, den sie in Gesellschaften angeben, zu setzen_.

Sind wir wohl so weichlich wie die cultivirten Völker, die ihre

Weiber einsperren? Selbst zu gymnastischen Übungen giebt das andere

Geschlecht unsern Jünglingen Gelegenheit, die indeß kaum noch Kraft

zum Tanze haben, der ohne die Weiber völlig aufhören würde --! -- Die

Weichlichkeit fing von jeher bei unserem Geschlechte an, und gewiß

haben wir es den Weibern zum größten Theil zu verdanken, daß sie nicht

noch größere Verwüstungen macht. Jene Eitelkeit, die jetzt den Weibern

anklebt, wird von selbst aufhören, wenn wir ihnen den Zutritt zu Dingen

verstatten, wo sie sich von einer vortheilhafteren Seite zeigen können.

Bis jetzt schränkte sich ihre ganze Bestimmung auf die Kunst ein uns

zu gefallen, und ein Mädchen hat seinen Lauf vollendet, wenn es das

Glück hat, einen Jüngling anzuwerben, der seiner würdig ist. Gebet

den Weibern und Mädchen andere Beschäftigungen, und sie werden jene

Kleinigkeiten, jene Puppen aufgeben, und die äußerlichen Vorzüge weit

unbeträchtlicher finden, als ein großer Theil unserer Narcissen, die im

Spiegel der Mädchen bloß ihr geziertes Selbst erblicken. Befriedigen

wir überhaupt durch das, was wir dem anderen Geschlechte zugestehen,

nicht weit mehr unsere Eitelkeit, als die Forderung der Natur, als

die Wünsche eines denkenden Weibes? Es ist nicht zu leugnen, daß

jetzt auch eine tugendhafte, ihrem Manne getreue Frau eine gewisse

Koketterie für keinen Fehler hält und Männern von Verdiensten so

liebreich und zuvorkommend begegnet, daß diese nicht umhin können,

ihr eine vorzügliche Dankbarkeit zu erweisen -- Doch sollen hierdurch

Begierden nicht geweckt oder gereitzt werden; nie denkt jene liebe Frau

sie zu befriedigen, und der Mann, der darauf Rechnung machen wollte,

wäre ein Neuling, oder ein Prahler oder -- Wenn der liebe Gott einen

Menschen strafen will, so fängt er an, ihn inconsequent reden oder

handeln zu lassen -- -- Es giebt stillschweigende Bedingungen, die,

ob sie gleich nicht verabredet, sondern vorausgesetzt und angenommen

sind, doch heiliger als schriftliche Contrakte, mit Notariatssiegeln

verunstaltet, erfüllt werden -- sie sind eine Art von Spielschuld, die

auch den Königlichen Allerhöchsten Kassen vorgeht -- Bei der jetzigen

Lage der Dinge trägt diese Koketterie des gemeinen Lebens dazu bei,

daß der Umgang anziehender wird -- man macht, wenn ich so sagen darf,

nicht dem Körper, sondern der Seele den Hof, und es giebt in der That

_Seelen-Cicisbeos_, die unschuldigsten Geschöpfe unter der Sonne --

Eine gewisse Art von Gleichheit unter den Menschen, welche an die

Unschuld der ersten Welt erinnert, wird hierdurch zu Stande gebracht;

und so lange Weiber an den Staatsgeschäften nicht Theil nehmen, und wir

keine ernsthafte Dinge mit ihnen und in ihrer Gegenwart treiben können,

ist diese Koketterie ein Nothübel, ohne das unsere Gesellschaften das

Schalste, Unreitzendste und Langweiligste seyn würden, was je in der

Welt gewesen ist und seyn kann.

Der Einwand meines Gegners, _daß Weiber zu viel Zeit auf ihren Leib

verwenden_, spielt den Krieg in sein eignes Land -- Sind wir es nicht,

die ihnen die Seele bestreiten --? die sie auf den Körper einschränken?

Ist denn etwa der Körper uns bloß Ballast, mit dem die arme Seele sich

beschwert hat, um auf der Fahrt dieses Lebens fortzukommen? oder ist er

nicht vielmehr ein ehrwürdiger Theil des Menschen? -- Wer die Seele den

Genius des Menschen nannte -- hatte der so ganz unrecht? Man gradiere

die Weiber im Staate, so wie man dem Golde eine höhere Farbe giebt;

und sie werden über den Leib die Seele nicht versäumen -- Ist es Ernst,

lieber Einwender, oder ist deine Behauptung, _daß die Weiber eine

unüberwindliche Neigung zur Pracht besitzen, wodurch sie ihre Männer

zur Verschwendung und zu betrügerischen Concursen verleiten_, Scherz?

-- Ernst also! Lieber! wer brachte sie auf die Bahn zur Pracht? nicht

der Stand des Mannes? müssen sie nicht diesem oft die glücklichsten

Neigungen ihres Herzens aufopfern? Ist ihre natürliche Stimmung

nicht für Einsamkeit und Landleben? -- _Landleben?_ -- Allerdings!

Nicht aber für jenes, das keine Wohnung der Weltentfernung, sondern

eine Gelegenheitsmacherin zu neuen Üppigkeiten und zu einer ganz

neuen Art der Übertreibung ist -- An der Hand des Weibes scheint die

Natur sich mit uns vertraulicher einzulassen und recht Gelegenheiten

aufzusuchen, ihre Milch und ihren Honig, den ganzen Reichthum ihrer

Wollüste, uns schmecken und sehen zu lassen. Die edlen Ergüsse der

Zärtlichkeit, wenn sie reitzend ausgewechselt werden sollen, suchen

das Land, und entfernen sich von Hof und Stadt, wo sie Fremdlinge sind

-- sie leiden keine Zeugen, und weit weniger Laurer und Faher -- Wie

oft muß sich das Land mißbrauchen lassen, die verstimmten Sinne des

Hofmanns, nicht zur Tugend und zu sanften Sitten, sondern zu neuen

Ausgelassenheiten aufzuheitern! -- Man sucht reinere Luft, um sich zu

einer neuen Art Ausschweifung aufzufrischen -- Weiber suchen das Land,

und warten nicht darauf, dahin verwiesen oder ausgestoßen zu werden

-- Freund! sie sollten die Gräfin _**b*_ kennen! Sie darbt, wenn man

an der Hand der Natur darben kann, um für ihren Schlemmer von Gemahl

eine ungeheure Schuldenlast zu bezahlen, die nicht bloß Sünden der

Jugend sind, sondern die er in einem Staatsposten, der seinen Mann

nährt, noch immer vergrößert -- Weiber schaffen sich Welten, die sie

besäen und bepflanzen, durch eine wohlthätige Einbildungskraft, die

ohne Mühe reich macht: in der wirklichen Welt -- wie unbedeutend ist

da ihre Rolle! -- sie zogen Nieten aus jenem Glückstopfe; wir die

Gewinner -- Man kann durch Gedanken sich erhitzen und zu einer Röthe

kommen, die man eine Seelenröthe nennen könnte, und die sich von allen

jenen unterscheidet, welche durch körperliche Erhitzungen veranlaßt

werden; und so eine Röthe innerer Zufriedenheit, mit Zuziehung einer

wohlerlaubten Einbildungskraft erregt -- welch eine Zierde auf der

Wange eines edlen Weibes! Hast du nie die Wonne eines Familienzimmers

empfunden, wo man eigentlich zu Hause ist? denn in den übrigen wohnen

Gäste oder ein antisokratischer Dämon von Pracht und Stolz; und welches

Zimmer ist dem andern Geschlechte das angemessenste? das erste das

beste -- Und wie! wenn es auch Weiber giebt, die zu meiner Beschreibung

nicht passen, wurden sie nicht schon als Bräute zum unzeitigen Aufwande

durch Geschenke verführt, die weit über das Vermögen des Bräutigams

gingen? Schwingt sich das Weib zum Regiment, so wird es ihm schwer

und unerträglich sich herabzustimmen --; und wenn es sich wirklich

herabstimmt, ist es verzeihlich, solche Blößen zu geben? solche

Betrüge ungestraft zu begehen? ist es nur anständig, als Bräutigam den

_Pastor fido_ zu spielen, um nachher als Ehemann den _Orlando furioso_

zu machen? sein Weib aus dem Himmel in die Hölle, aus Eldorado in

eine Schenke zu werfen, wo man es durch ein Schattenspiel an der Wand

entschädigen will? -- So betete man weiland in Paris die Komödianten

an, denen man im Tode ein ehrliches Begräbniß versagte --.

_Weiber sind auffahrend; der Zorn aber (das Vorspiel der Raserei) thut

nie, am wenigsten in Staatsgeschäften, was Recht ist._

Und woher dieser Zorn? der Ohnmacht halben, und weil den Weibern keine

rechtmäßige Macht zustehet? Was hilft es, mit sich selbst zu Rathe

zu gehen, wenn es an ausübender Gewalt fehlt, die weise genommenen

Beschlüsse zur Vollziehung zu bringen! -- »Kannst du regnen, so

kann ich auf Holzschuhen gehen,« heißt es in einem alten Deutschen

Sprichworte; und wer leugnet es, daß man bei den Ausbrüchen des Zorns

die eignen Gedanken der Seele nicht vernimmt, so wie man bei tobendem

Gewitter sein eignes Wort nicht hören kann! -- Als jener edle Mann

des Alterthums nach seiner Rückkehr sein Hauswesen in unverzeihlicher

Unordnung fand, stellte er seinen _Vizdum_, den ungerechten Haushalter,

bloß mit den weisen, bewunderungswürdigen Worten zur Rede: _wie würd'

ich dir begegnen, wenn ich nicht böse wäre_ --! Mein guter Freund **

sah einem Diebe gelassen zu, der ihm sein Holz stahl, und nur als er

zu befürchten anfing, der Holzdieb würde sich zu sehr belasten, bat

er ihn dienstfreundlich, sein selbst zu schonen, und sich, den Weg

zweimal zu gehen, nicht verdrießen zu lassen. _Rechtsum_, schön! und

_Linksum_? Welchem Herrn dient der Knecht lieber: dem, der ihn in der

ersten Hitze seine Strafhand empfinden, oder dem, der eiskalt ihn

blutig stäupen läßt? »Der Teufel verliert keinen Dreier dabei, wenn

ich nicht fluche,« sagte ein Bauerknabe, als ihm das zweite Gebot

eingebläuet ward -- So theuer bezahl' ich die Weisheit nicht -- Wie

Vielen kostete die Zornunterdrückung Gesundheit und Leben! -- Gesetzt

Weiber verständen die Kunst nicht, ihren Zorn äußerlich zu zähmen, und

eine gewisse Ruhe zu schwarzkünsteln -- sind nicht die unversteckten

Fehler die leichtesten und gemeiniglich Schwachheitssünden, von denen

sich auch fromme gottgefällige Seelen nicht lossagen können? Die

Heiligen sind in dieser Rücksicht nicht ohne Fehl vor Gott; -- vor

Menschen es zur Scheinheiligkeit zu bringen, kann nicht schwer fallen.

Jene Fehler bleiben die gefährlichsten, die in Schafskleidern zu uns

kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind: an ihren Früchten sollt

ihr sie erkennen -- Zürnet und sündiget nicht -- Ist nicht der Zorn

eine Art von Waffen, womit wir oft Gutes erweisen können, ohne zu

schaden? Was würden Weiber ohne dies Hausmittel bei der Kindererziehung

ausrichten? Giebt es nicht Unbeschnittene an Herz und Ohren, denen

man nachdrücklich und gewaltiglich andeuten muß, was zu ihrem Frieden

dient? -- »Verziere das Nützliche,« sagte die Weisheit; die Thorheit,

die alles umzukehren gewohnt ist, kehrte das Gebot um, und machte das

Hauptwerk zum Nebenwerke. Giebt der Zorn nicht oft der Sache einen

gewissen Schwung --? Wer kennt und schätzt nicht den _Diensteifer_, der

das dritte Wort ist, wenn wir dem Staate unsere Dienste anbieten, wenn

wir wirklich seine Officianten werden und wenn wir mit der Bitte einer

Pension den Staatsdienst verlassen --!

Über die bürgerliche Verbesserung der Weiber · 第 15 / 18 段