Liebesangelegenheiten. Freilich, wenn sie auf einmal, wie vom Himmel
gefallen, ohne Vorbereitung, ohne ihnen bewilligte bürgerliche
Rechte, und ohne daß man ihnen auf politische Köpfe und Füße hilft,
sich in Staatssachen werfen -- ist es Wunder, wenn sie, nach einem
Französischen _Viso reperto_, zwar die _hysterischen Zufälle_
verlieren, indeß in noch _ärgere_ fallen? Ernsthafte Sachen sind ihnen
zu _schön_ und zu _erhaben_, als daß sie nicht Alles dieser köstlichen
Perle halben veräußern sollten. Zarte Fasern, die man pflegen und
warten soll, muß der Gärtner nicht zerreißen; bei einer scheinbaren
Ermattung, oder bei einem zu starken Auswuchs, kann er nicht, ohne
ein Miethling zu seyn, jene sich hervordrängenden Zweige abschneiden,
die so leicht zu besseren Zwecken zu leiten gewesen wären -- Er läßt
sie in die Höhe schießen oder zur beschützenden Krone gedeihen -- Man
mäßige bei dem andern Geschlechte die zu starke Neuheit; man bringe
Weiber mit _mehr_ ernsthaften Sachen, und zwar _allmählich_, in
Verbindung: und hysterische und andere angeblich ärgere Übel, Leibes
und der Seele, Gutes und Ehre, sind gehoben. Die Pfeifer und Geiger
wurden auf der Stelle verabschiedet, als _Jairi Töchterlein_ von den
Todten erweckt werden sollte -- Selbst die Bevölkerung müßte hierbei
zunehmen; »es verlohne zu leben,« würden die Weiber denken. Und wie ging
es in aller Welt zu, daß man bis jetzt den Vortheil der Menschheit
so sehr verkannte? daß man die Weiber als abgeschiedene Seelen in
einem Psychodocheum hielt, und sie nie zum wirklichen, sondern bloß zu
einer Art von Leben berechtigte? -- zu einer Art von Ritterleben von
trauriger Gestalt! -- Viele Züge würden mehr gehoben, andere sanfter
gemischt werden; man würde uns nicht so oft statt eines Nachtstückes
die Nacht mit schwarzen Farben verkaufen; nicht so oft aus bloßer
Angst und Furcht ein Held seyn; nicht so viele Rechtsglücksgreifer und
Marionettenspieler in den Gerichten finden, nicht so viele flache, mit
groben Farben überladene Richter und Anwälde und wie die Herren weiter
heißen -- wenn Weiber an der Rechtsverwaltung Theil hätten. Sind unsere
praktischen Rechtsgelehrten nicht gemeiniglich Feinde des _Warum_? Ist
das Verdienst des größten Theils von ihnen nicht, Urtheile in Umlauf
zu bringen, die man ein _Spielzeug des Gewissens_ nennen könnte --?
Urtheile, die oft das gerade Gegentheil von jener inneren Gerechtigkeit
sind, bei der Jeder, wenn er auch gleich durch alle drei Instanzen
verloren hätte, sicher seyn kann, daß er nach Gefühl und Einsicht der
gesitteten unparteiischen Welt gewinnen und das Feld behalten werde! --
Sind die meisten Dikasteria nicht Säulenreihen, die nichts Wichtiges
zu tragen haben, und wo man unbedeutende Gegenstände mit Verzierungen
überladen hat? Der _sichere_ Ehrgeitz ist weit unausstehlicher, als
der, welcher sich vor List und Nachstellung _fürchten_ muß -- Die Römer
waren, als Staat genommen, keine sonderlichen Financiers; und oft hat
mich der sündliche Gedanke angewandelt, ob nicht mit darum Juristen und
Financiers einander so spinnenfeind wären, bis auf den heutigen Tag.
Würden Weiber an der _Finanz_- und _Rechtsverwaltung_ Antheil nehmen --
ich wette, dieser Haß zwischen _Herodes_ und _Pilatus_ müßte aufhören,
und beide Theile mehr zu Gesinnungen der Menschheit kommen, da jetzt
die Herren Financiers oft ins Recht pfuschen, und die Justiz es so
wenig bedenklich findet, eine Art von Finanz-Operation zu werden --
daß die Juristen oft genug die Furierschützen des Finanz-Departements
sind. --
_Themis!_ weibliche Gottheit, öffne deine Heiligthümer deinem
Geschlechte, und du wirst Wunder sehen, ohne daß du dich bemühen
darfst, sie zu thun --!
Während daß wir unsere Hände nach Allem ausstrecken, nicht zufrieden
über die Seelen der Weiber _à la Padischah_ zu gebieten, sondern
auch an ihren Körpern zu Helden zu werden, zwingen wir das andere
Geschlecht, auch auf _die Heilkunde_ Verzicht zu thun, zu der es
einen unwiderstehlichen Hang behauptet. Und warum ist die Heilkunde
in ihrem weitesten Umfange nicht eine freie Kunst der Männer und
Weiber? Fühlen die Weiber nicht so lebhaft, daß die Natur sie ganz
eigentlich zu diesem Geschäfte berufen hat? treiben sie nicht, trotz
allen Anordnungen, aller Aufsicht und allen Strafen, dieses ihnen
so strenge verbotene Handwerk? und haben sie sich nicht -- was noch
sonderbarer ist -- dabei so gar einen Nahmen zu erwerben Gelegenheit
gehabt? Frau * * auf * * curirt ihr Haus und ihre Unterthanen, aller
Recepte von Scheltworten und Drohungen der kunsterfahrnen Facultisten
ungeachtet, und kann sich nicht mit der gestrengen Rechtsgläubigkeit
dieser Herren einverstehen, wenn gleich diese Eiferer für des Herrn
Haus sich viele gelehrte Mühe geben, in Rücksicht anderer unbedeutender
Ärztinnen, ihre Orthodoxie inquisitorisch zu beurkunden -- Hüten Sie
Sich, gnädige Frau, daß Sie nicht über Hals und Kopf in ähnliche
Anfechtung fallen, und wegen ihrer kunstlosen Arzeneien verantwortlich
werden! -- In einigen Spanischen Provinzen barbieren die Weiber, und
_Marquis de Langle_ setzt hinzu: so sollt' es eigentlich und überall
seyn, denn ihre weichen sanften und fleischigen Hände taugen weit
besser als unsere, das Kinn einzuseifen und das Messer zu handhaben.
-- In den Entscheidungsgründen kann ich diesem Weiberschutzpatron
nicht beistimmen; wohl aber in der Behauptung selbst -- Jene nicht
ungerechte Befürchtung des Meuchelmordes würde, wo nicht aufhören, so
doch außerordentlich geschwächt werden, wenn das andere Geschlecht
diese _gefährliche Kunst_ triebe. Die Anlage des andern Geschlechtes
zur Arzeneikunst und Chirurgie beweiset unwiderlegbar seine vorzügliche
Beobachtungsgabe. Nicht leicht entgehet seiner Aufmerksamkeit auch nur
die kleinste vorübergehendste Veränderung der Farbe, der Mienen, des
Auges -- Jede, auch die unbeträchtlichste, krampfhafte Bewegung der
Muskeln weiß sein Blick zu erreichen. Sein Takt ist zarter und feiner,
und auch da noch fühlt es Pulsschläge, wo der Arzt, wegen seines
gröberen Gefühls, nichts mehr bemerkt. Der leiseste Hauch entgeht den
Weibern nicht; sie vernehmen noch das Wort, das auf der Lippe zitterte
und starb, und oft verstehen sie die Gedanken -- Am praktischen
Urtheil, von ihren gesammelten Beobachtungen Gebrauch zu machen,
fehlt es ihnen sicher nicht -- Schon jetzt bei dem kargen Vorrath von
Kenntnissen, und ohne allen Beistand der Kunst, übernehmen sie Kuren,
die dem erfahrensten Arzte, wo nicht lauten, so doch stillschweigenden
Beifall abzwingen. Wie viel weiter würden sie seyn, wenn ihnen der
Zugang nachgelassen wäre, den ihnen ein neidischer Zunftgeist bis
jetzt vorenthielt! Würden ihnen das Heiligthum des _Epidaurischen
Gottes_, und die unermeßlichen Schätze der Natur aufgethan und sie
in die Geheimnisse der Kunst als Priesterinnen eingeweihet; wie viel
wäre für das menschliche Geschlecht gewonnen! da hingegen jetzt die
große Angelegenheit, die Gesundheit des Menschen, sich immer in
sehr mißlicher Lage befindet, indem viele von unseren Ärzten sich
nicht begnügen, Diener der Natur zu seyn, sondern sich zu gestrengen
Herren derselben aufwerfen -- Wo wir doch überall Herren seyn wollen!
Die Arzeneikunst aller, der Natur nahe kommenden Menschen ist so
einfach und so stark, daß sie mit wenigen Mitteln alle Krankheiten
heilt, so wie Brot die tägliche Schüssel auf allen Eßtischen ist.
Die Natur ist so gutmüthig, daß sie uns durch Krankheiten gesund
machen will -- Unpäßlichkeit ist ein Glockenschlag, wodurch wir zum
Bußtage aufgefordert werden -- Die Natur macht uns aufmerksam auf
uns selbst -- und will uns damit locken, daß wir glauben sollen,
sie sei unsere liebe gute, unsere rechte Mutter. Und ist sie das
nicht? -- Der Schmerz? Ach, dagegen ließe sich noch viel sagen. In
der That, die Natur scheint mit dem Schmerz ihr Spiel zu treiben. Es
giebt Fälle, wo der Schmerz mit der Gefahr in keinem Verhältnisse
steht -- Zahnschmerzvorfälle, in welchen das Leiden weit größer ist,
als die Gefahr; und so auch umgekehrt -- Vielleicht wollte die Natur
uns lehren, uns aus dem Schmerze überhaupt nichts zu machen und ihn
nie auf einen ernsten Fuß zu nehmen. Mache was du willst, sagte ein
Stoiker zum Schmerz, (ob er sich gleich nicht entbrechen konnte, mit
den Zähnen zu knirschen) ich werde doch nicht sagen, daß du ein Übel
bist! und man sage was man will, es liegt in unserm Reden mehr als Ein
Linderungsmittel. Wenn wir dem Schmerze freundlich zureden, scheint er
Mitleiden mit uns zu haben; und wenn wir ihm trotzen, scheint er sich
zu fürchten. Wer den Schmerz in Schimpf oder Ernst übersieht, und sein
unverwandtes Seelenauge mit strenger Aufmerksamkeit auf einen andern
Gegenstand heftet, spielt dem Schmerz einen Streich, daß er nicht
weiß, wie er daran ist. In allen diesen Rücksichten ist vom andern
Geschlechte mehr, unendlich mehr, als vom unsrigen zu erwarten -- Ein
gewisses Segensprechen, ein gewisses Hohnsprechen, ist ihm eigen -- Man
seh' es leiden, man seh' es mitleiden, und Beileid bezeigen -- man hör'
es Trost und Muth zureden --
Wie viel eine vernünftige Lebensordnung zur Erhaltung der Gesundheit
beiträgt, und welch ein bedeutendes Hauptstück hier Speise und Trank
ausmachen; wie vieles dabei auf wahre Zubereitung ankommt: das
sind Umstände, von denen jeder überzeugt ist; und doch wird dieser
wichtigste und eigentlichste Theil der Arzeneikunst ganz dem weiblichen
Geschlecht überlassen, ohne ihm die geringste Kenntniß von dem zu
lehren, was es zubereitet, noch wie es dasselbe zubereiten muß, wenn
die thierische Maschine unterhalten und nicht zerstöret werden soll --
Vielleicht würde es durch Vermittelung der Weiber dahin kommen, daß
Speise und Trank zu unserer Medicin würden, daß wir Medicin nicht mehr
_einnehmen_ dürften -- Wird nicht die Hälfte ihrer Wirkung durch den
Ekel eingebüßt, den das Einnehmen veranlaßt? Kurz und gut, das zahllose
Heer von Processen und Krankheiten würde vermindert werden, wenn Weiber
Richter und Ärzte wären. Ist es nicht leichter, manchen Krankheiten
_auszuweichen_, als sie zu _heilen_? ist es nicht heilsamer für den
Staat, wenn weniger seiner Bürger von Krankheiten heimgesucht werden,
als wenn ihnen durch die Kunst der Ärzte die Gesundheit wiedergegeben
wird? Ist das auch wirklich Gesundheit, was diese Herren den Kranken
dafür verkaufen? Wahrlich, eben so wenig, wie das Gerechtigkeit ist,
was wir in unsern Gerichtshöfen sehr theuer bezahlen --
Väter des Staats, errichtet, statt klinischer Institute, Schulen für
die Weiber, wo das, was zum Unterhalt und zur Nahrung des Menschen
dienen soll, näher geprüft und untersucht wird; wo sie gelehrt werden,
Speise und Trank auf eine unschädliche und schmackhafte Weise zu
bereiten, und das Leben und die Gesundheit der Staatsbürger zu sichern.
Aber auch selbst in moralischer Rücksicht wäre es den Sitten, und dem
Staate, dem die Sitten seiner Bürger vorzüglich zu Herzen gehen müssen,
vortheilhaft, wenn den Weibern gestattet würde, Arzeneikunde zu üben.
Weibliche Ärzte müßten sich weit eher das Zutrauen bei den Kranken
ihres Geschlechtes erwerben. Diese würden ihre Gebrechen leichter und
mit weniger Zwang entdecken, und jene, aus Erfahrung mit der Natur
und Beschaffenheit des weiblichen Körpers, mit seiner periodischen
Ausleerung bekannt, sicherer dem Übel nachspüren, rathen und helfen
können. Dann würden weibliche Krankheiten nicht mehr die Schande der
Ärzte seyn, und vielmehr eine Vollkommenheit in der Kunst erreichet
werden, in so fern Vollkommenheit zu erreichen ist --.
Schamhaftigkeit, diese Tugend, die das andere Geschlecht so herrlich
kleidet, mit der, wenn sie verloren ginge, alle Grazien und Reitze
ihre Kraft verlieren würden; sie, die durch nichts ersetzt wird
-- ist sie nicht oft die Ursache, daß Mädchen Gebrechen so lange
verheimlichen, bis dieselben nicht mehr zu heben sind? oder daß sie
lieber mit Gefahr ihres Lebens auf die Hülfe der Kunst Verzicht
thun? Wie manche hat eine Entzündung in's Grab gebracht, die, wenn
sie weniger schamhaft gewesen wäre, im Augenblick hätte gerettet
werden können --! Wie viele büßen nicht durch schwere Geburten ihr
Leben ein, die es erhalten und dem Staate noch viele Bürger geschenkt
haben würden, wenn Geburtshülfe eine weibliche Kunst wäre, wenn man
den Hebammen nicht bloß das Mechanische dieser Kunst überließe, das
Wissenschaftliche derselben aber sehr weislich den Männern vorbehalten
hätte! Ist es bei diesen Umständen ein Wunder, daß in _London_ und
_Dublin_ von Frauen, die sich durch Hebammen entbinden lassen, Eine
unter 70, und von denen, die sich der Aufsicht männlicher Geburtshelfer
bedienen, nur Eine unter 140 im Wochenbette stirbt? In der That, es
bleibt unsittlich, daß ein Eheweib ihren Körper vor irgend einem
Manne, den ihrigen ausgenommen, entblößt! Verscheucht dergleichen
Überwindung der Schamhaftigkeit nicht Alles, was man Ehrbarkeit nennen
kann? Wie viele Villacerfsche Fälle mögen, ohne daß sie verzeichnet
sind, sich ereignet haben, wo ein Arzt im verliebten Taumel nicht
wußte, was er that! wo er, um ein Weib zu verführen, oder ein Mädchen
zu gewinnen, die Kur verlängert, sie anders lenkt, und oft bloß in
dieser Rücksicht einen langsamen oder schleunigen Tod, ohne daß er es
dazu anlegte, befördert! Und wenn man weiß, was Eifersucht vermag, wer
zittert nicht bei diesem Gedanken und bei der Einrichtung, nach welcher
man dem Arzte so viel anvertrauet, ohne selbst nur den leidigen Trost
zu haben, durch drei Instanzen seinen Proceß zu verlieren!
Woher kommt es, daß der so wichtige und über alles gehende Widerstreit
zwischen Wohlstand, Sitten und Bedürfniß bis jetzt übersehen worden
ist? Hat man ihn aber nicht übersehen, warum ist denn _dieser_
Mißstand, dem so leicht abzuhelfen war, unabgeholfen geblieben? Man
kann sich bei dergleichen Umständen des zudringlichen Gedankens nicht
erwehren, das moralische und physische Wohl der Bürger sei nicht das,
womit die Staats-Piloten sich zu beschäftigen scheinen. In der That,
Glück und Zufall sind es gemeiniglich, welche Bahn und Fahrt bestimmen;
denn es giebt der hier einschlagenden Unschicklichkeiten noch weit
mehr, von welchen der Staat keine Notiz nimmt, ungeachtet sie einer
ernstlichen Rüge bedürfen, und ungeachtet es federleicht seyn würde,
diese Quellen so mancher unmoralischen Folgen zu verstopfen -- Noch
bedient man sich der _Tanz-_ und _Singemeister_, um dem Frauenzimmer
Tanz und Musik beizubringen, und scheint es entweder nicht zu wissen
oder nicht wissen zu wollen, wie nahe die weibliche Tugend hier der
Gefahr ist, wie Manche diesen Versuchungen nicht widerstanden und als
Opfer fielen.
Man läßt es geschehen, daß _Männer Weiberköpfe_ putzen, und ahndet
nicht, was hier für Gedanken geweckt, was für Bilder aufgeregt und was
für Begierden gereitzt werden. Man vergißt, daß die Gattin und Tochter
müßig sitzen, daß das Wühlen in den Haaren einen gewissen physischen
Kitzel, wo nicht bei beiden, so doch bei Einem Theile erregt; man
übersieht gewisse Stellungen, die einen aufmerksamen Beobachter viel
errathen lassen. Zwar hat man angefangen, diese Geschäfte weiblichen
Händen zu übertragen; allein noch ist dies eine Seltenheit und eine
ökonomische Veranstaltung. Ein kleinlicher Bewegungsgrund, wo es doch
deren so viele und so wichtige giebt.
Auch die _weibliche Kleidung_ sollte durch _Weiber_ angemessen und
gefertiget werden. Die Manipulation eines männlichen Schneiders und
Schusters ist unschicklich. Wär' es dem Staate Ernst, die große und
edle Hälfte seiner Bürger nützlich zu beschäftigen; fühlte er die
große Verpflichtung, diejenigen, welche die Natur gleich machte, auch
nach Gleich und Recht zu behandeln, ihnen ihre Rechte und mit diesen
persönliche Freiheit und Unabhängigkeit, bürgerliches Verdienst und
bürgerliche Ehre wiederzugeben; öffnete er den Weibern Cabinette,
Dikasterien, Hörsäle, Comptoire und Werkstätten; ließ' er dem
vermeintlich stärkeren Manne das Monopol des Schwertes, wenn der Staat
sich nun einmal nicht ohne Menschenschlächter behelfen kann oder will;
und machte er übrigens unter beiden Geschlechtern keinen Unterschied,
so wie die Natur es wollte, und wie die bürgerliche Gesellschaft es
auch wollen sollte, wenn sie sich nicht etwa ihrer natürlichen Herkunft
schämt: so würden Staatswohl und Staatsglückseligkeit sich überall
mehren, die Menschen wachsen wie die Weiden an den Wasserbächen, und
die Menschheit ihrer großen Bestimmung mit schnellen Schritten zueilen
--
Doch! ich wollte nur Winke geben, und verdiene vielleicht den Beinamen,
den man _Burke'n_ zu einer gewissen Zeit beilegte: _the dinnerbell_,
die Eßglocke, weil die meisten Parlamentsglieder, wenn er zu peroriren
anfing, das Haus verließen. Die Wahrheit bedarf keiner Schminke, und
wer der Schönheit wegen schreibt, unterwirft sich dem Schicksal einiger
Damen unserer verderbten Zeit, die sich weit lieber erkälten, als dem
Putze das Mindeste von seinen modischen Rechten entziehen. Will man
etwas in seinem ganzen Umfange, in seiner ganzen Stärke genießen, so
entferne man alles Fremdartige, und mache es wie große Esser, die,
außer dem Geschmack, den übrigen Sinnen in ihrem Eßsaale den Zutritt
nicht verstatten. Selbst weite Aussicht, Tafelmusik, unterhaltende
Gespräche entkräften ihr Vergnügen -- Still essen sie, und Alles hat
bei ihnen seine Zeit -- Alles was kolossalisch in's Auge fällt, ist
schwächlich. Wer Menschen vergöttert, macht weniger aus ihnen, als
sie von Gottes- und Naturwegen seyn können. _Immerhin Gott, nur kein
Mensch_, hieß es von Höchstseligen Tyrannen -- Detail-Vorschläge geben
sich von selbst, wenn nur der Total-Eindruck unauslöschlich ist. Der
Text muß sich nicht in den Prediger, sondern der Prediger in den Text
schicken; und was hilft wissen und wollen, wenn es nicht zum Thun
kömmt! Wer nicht Nebenfolgen von eigentlichen, und Nebenursachen von
Hauptursachen zu unterscheiden weiß, hat seinen Plan nur schlecht
angelegt -- oder hat gar keinen. --
Wie aber! es erheben sich Einwendungen an allen _fünf_ Fingern der
vorigen Kapitel. Immerhin! und wären sie auch nichts weiter als
wiederholte Wiederholungen, an denen denn doch meine Wenigkeit nicht
Schuld ist, sondern (Niemand übrigens zu Leide gesagt) meine gebetenen
Gäste von Opponenten. -- Jene _Chroniques scandaleuses_ wider das
schöne Geschlecht, von Misogynen und vielbeweibten Männern, von
Kastraten und körperlichen Kraftgenies, (die, in der Voraussetzung, das
sinnliche Bedürfniß sei das größte Band unter beiden Geschlechtern,
des Dafürhaltens sind, die starken Männer wären auch die besten) von
Thoren und Weisen, von Heiligen und Liederlichen, von Sultanen und
Keuschheitswächtern, geschrieben und erzählt -- werden sie vermögend
seyn, uns umzuschaffen oder der Natur Gewalt zu thun --? _Das Weib sei
nur des Mannes wegen?_ Wohl, so wie der Mann des Weibes halben. Hast
du nie ein Weib gesehen, Freund, das bei liebenswürdiger Einfachheit
eine erhabene Größe verräth? bei voller Publicität und Offenheit
eine enthaltsame, strenge Zurückhaltung? -- bei edler Zutraulichkeit
forschende Prüfung? -- Es legt es nie auf Herzen an, und doch gewinnt
es alle Herzen. Das edle Absichtlose, das die Poësie behauptet, ist
seine Weise; und wie viel richtet es damit aus! Sein Blick, der durch
die Kirchenschlösser der Herzen dringt und Alles _für_ und _wider_
entdeckt; -- seine Kraft, die Alles niederdrückt und hebt was es
will; gleich frei von Freude wie von Leid, von Furcht und Hoffnung
unbefangen, für den heutigen Tag lebend ohne Sorgen für den andern
Morgen -- wie schnell und wie umfassend wirksam, zur Selbstherrscherin
aller Herzen geboren, erhebt dies Weib zu seinen Freunden, die es durch
die Hoheit seiner Würde zu seinen Untergebenen machte! _Koketterie_
-- sagst du --? Nun, so ist Kosmopolitismus Stoicismus -- und die
erhabenste Menschentugend im Leben und im Tode Koketterie! Von Natur
sollte das Weib nicht den _Cajus_, _Titius_ und _Sempronius_ lieben,
sondern das Geschlecht; durch die Ehe wird es Eines Mannes Weib: an
jene Umfassung gewohnt, geht auch seine Denkart in's Allgemeine, in's
Ganze, in's Große -- Macht ein großer Mann jene Rolle des großen
Weibes; sage unverhohlen: fehlt ihr nicht oft Geist und Leben? -- Du
zürnest, Freund? Was denkest du Arges in deinem Herzen?
»_Alle Übel in der bürgerlichen Gesellschaft sind Werke der Weiber!_«