Der Liebhaber glaubt in dem Dienst einer Göttin zu seyn, welche

Apotheosen so sehr in ihrer Gewalt habe, wie Facultaten Doktorhüte.

Der glückliche Geliebte dünkt sich wenigstens halb Gott, weil er so

glücklich ist, einer solchen Gottheit zu dienen -- Erwacht er über

ein Kleines aus diesem Traume; seht! so verwandelt sich die Raupe

nicht in einen Schmetterling, sondern in einen Zuchtmeister, und die

entgötterte Frau wird seine Sklavin; der Bräutigam wird nicht Ehemann,

sondern Ehevogt. So hörten Monarchen auf, Götter und _Divi_ zu seyn,

und hatten die Güte zu den Menschen herabzusteigen; doch würdigten

sie, um über anderen Menschen zu seyn, diese anderen eine Stufe unter

die Menschen hinab -- Halbe Wahrheit ist gefährlicher, als eine ganze

Lüge; diese ist leichter zu kennen, als jene, welche sich in Schein zu

verkleiden pflegt, um doppelt zu betrügen. Männer, laßt doch Menschen

seyn, die Gott zu Menschen schuf! _Laßt uns Menschen machen_, hieß

es, _ein Bild das uns gleich sei; und er schuf sie ein Männlein und

ein Fräulein_. Sie sind Bein von unserm Bein, und Fleisch von unserm

Fleisch; und warum nicht Bürger wie wir? warum nicht, da ihnen weder

Sinn noch Kraft zu Bürgertugenden gebricht, und es bloß darauf ankommt,

daß sie zu Bürgerinnen erzogen werden! Jetzt freilich, wie sie da sind,

zum Spielzeug, für Männer gemodelt; jetzt, wenn sie auf einmal aus

dem Gynäceum auf den großen Schauplatz des gemeinen Wesens, einen für

ihren Körper und ihre Seele so fremden Boden, treten und männliche

Rollen spielen sollten: jetzt würden sie kaum erträglich debütiren.

Wer fordert dies aber von ihrem Kopfe und von ihren Händen? Sie sollen

eben den Weg gehen, den wir gingen, eben die Wüsten betreten, die uns

auf der Bahn nach Kanaan beschwerlich wurden; nur durch Erziehung,

Unterricht und Erfahrung sollen sie das Ziel erreichen, dessen sie

so würdig sind -- Das Licht braucht beinahe acht Minuten, um von der

Sonne zu uns zu kommen, und wir sehen die Veränderungen, die in der

Sonne vorgehen, jedesmal acht Minuten nachher. _Pythagoras_ legte

seinen Schülern zuvor Schweigen auf, ehe ihnen die philosophische Zunge

gelöset ward. Dies mögen Fingerzeige für Männer und Weiber seyn: für

_diese_, um nicht auf Meisterrechte Ansprüche zu machen, ehe sie die

Lehrlingsjahre zurückgelegt haben; für _jene_, von einem Geschlechte,

das so lange vernachlässiget ward, nicht vor der Zeit Früchte der

Buße zu fordern. Der Verstand und die Natur kommen sehr leicht in

richtigen Einklang; und wenn Mittel unbedeutend scheinen, wenn sie es

wirklich sind -- wer wird Mittel nach eigener, und nicht vielmehr nach

der Größe des dadurch zu erreichenden Zweckes schätzen? Eine Eiche

von einem nicht kleinen Alter kann noch sehr jung heißen, wenn ein

gleichzeitiges Gesträuch und eine zu seinen Füßen blühende Blume an der

Gränze ihres Lebens sind -- Nicht im einzelnen Falle, in allen Fällen,

nicht im einzelnen Menschen, sondern im Geschlechte, offenbaren sich

die Ehre und der Zweck der Menschheit. -- Woher jetzt der Unterschied

in der Erziehung beider Geschlechter, der sich bei der Wiege anhebt

und beim Leichenbrette endiget? warum ein so wesentlicher Unterschied,

als wären beide Geschlechter nicht Eines Herkommens, nicht Eines

Stoffs, und nicht zu einerlei Bestimmung geboren? -- Die Scheidewand

höre auf! man erziehe Bürger für den Staat, ohne Rücksicht auf den

Geschlechtsunterschied, und überlasse das, was Weiber als Mütter, als

Hausfrauen, wissen müssen, dem besondern Unterricht; und Alles wird

zur Ordnung der Natur zurückkehren. Noch lange ist Erziehung nicht

das, was sie seyn könnte und sollte. Nur sehr spät fiel man auf das,

womit man hätte anfangen sollen: den Zweck der Erziehung zu bestimmen,

das Ziel aufzusuchen und seinen Lauf darnach zu richten. Statt daß wir

sonst, wie irrende Schafe, ohne Plan und Regel in das Weite liefen, sei

es unsere erste Sorge, heimzukehren zu der Natur und nicht außer uns

uns selbst zu suchen! -- Was hülf es dem Menschen, wenn er die ganze

Welt gewönne und an sich selbst Schaden litte! -- Ohne jenen Zweck der

Erziehung zerreißt das Band, welches alle einzelne Theile zusammen hält

-- und in Kindern liegt das Reich Gottes. --

Zwar hat man in unsern Tagen angefangen, dies wichtige Staatsbedürfniß

zu beherzigen; aber auch kaum nur angefangen. Die Staaten und ihre

Repräsentanten selbst, deren erstes und wichtiges Interesse die

Erziehung ist, scheinen dieses Bedürfniß entweder noch nicht genug zu

fühlen; oder wohl gar sich für verpflichtet zu halten, den gemachten

Versuchen, Bürger zu bilden, Hindernisse in den Weg zu legen. Wenn

die Befehlshaber des Volkes bedächten, daß nichts als eine gute

Erziehung sie auf immer in dem Besitz gesetzlicher und auf Verträge

sich gründender Vorzüge sichern kann; sie würden zu dieser ihrer

Zeit bedenken, was zu ihrem Frieden dienet. Lange hat man Erziehung

und Unterricht, die doch ihrem Wesen, ihrer Form und ihrem Endzwecke

nach so sehr unterschieden sind, für Eins gehalten. Lange muthete

man Lehrern zu, die in der Regel selbst keine Erziehung hatten, sie

sollten zugleich Erzieher seyn; und man wußte nicht zu begreifen, wie

man gelehrt seyn und doch keine Sitten haben könnte. Fest glaubte man

an das goldene Sprichwort: daß Künste und Sitten Schwestern und Brüder

sind, und Niemand dachte daran zu untersuchen, ob Künste und Sitten

sich wie Ursache und Wirkung verhielten.

Rechnet man zu diesen Mängeln den Umstand, daß die Hälfte des

menschlichen Geschlechtes entweder ohne alle Erziehung blieb, oder

verzogen ward, und daß gerade dieser Hälfte der wichtigste Theil der

Erziehung überlassen war; so ist es fast noch Wunder, daß wir Menschen

sind. Ohne allen Zweifel bestimmte die Natur das andere Geschlecht

zu diesem großen Erziehungsgeschäfte, und versah es mit den nöthigen

Anlagen und Fähigkeiten, mit den empfänglichsten Sinnen, mit den

feinsten Empfindungen, in der edelsten Sprache, selbst im Kleinen

und Zufälligen das Wahre vom Falschen, das Ächte vom Scheinbaren

zu unterscheiden -- um jene große Bestimmung zu erfüllen --. Die

_Sokratik_, die _Sokrates_ von seiner Mutter, einer Weisemutter (_sage

femme_), lernte, indem er auf Seelenentbindungen ausging und ein weiser

Mann (_homme sage_) ward, ist wahrlich dem andern Geschlecht eigen,

welches nie, auch beim Heißhunger, den Magen der Wißbegierde der

Kinder mit Kentnissen überstopft, sondern jeden neuen Begriff ihnen

einzeln zu denken giebt und ihn so viel wie möglich in Empfindung zu

verwandeln sucht. Jedem geistigen Gedanken geben Weiber einen Körper,

bekleiden ihn und verleihen ihm eine sinnliche Form. _Robinet_ meint,

die Natur habe den Weibern einen Hang zur Geschwätzigkeit gegeben,

damit sie die für die Kinder zu starke Wörterkost ihnen desto leichter

vorkauen könnten -- Heißt das nicht, einer herrlichen Naturgabe einen

bösen Leumund machen? _Rousseau_ sagte zu _Grétry_, der ihm seine

Hand bot, um ihm über einen Haufen Steine zu helfen: _Laissez moi me

servir de mes propres forces_; und wem ist jene Entwickelung der in den

Kinder-Seelen liegenden Ideen natürlicher, als dem andern Geschlechte?

-- Es spinnt sie heraus, knüpft das Sinnliche an geistige Begriffe

durch Bilder und Gleichnisse -- Wir sind für heroische Methoden;

folgt indeß nicht nach einer Bravurarie jederzeit eine Leere, da ein

zu lebhafter Eindruck dem Effekte des Ganzen schadet? -- -- Es kommt

nicht darauf an, eine gute Empfindung zu erregen, sondern die Summe der

Empfindungen zu ziehen und auf sie zu wirken. Wie richtig sind hier

_wenn_ und _wie_! Alle Wege des Wanderers zwecken ab, an einen Ort zu

kommen; alle kleine Flüsse gehen zum großen Meere -- -- --

Wie ist es aber möglich, daß Weiber diesem Berufe genügen können,

wenn jene Anlagen und Fähigkeiten so wenig entwickelt werden! Man

vernachlässiget sie nicht bloß; man unterdrückt sie absichtlich. Das

Kind ist geschlechtslos; warum sind wir der weiseren Natur zuvor

geeilt? warum haben wir früher die Geschlechter abzusondern angefangen,

als die Natur uns dazu einen Wink gab? Das Kind ist gesellig, nicht

weil es durch einen besondern Trieb dazu gereitzt wird, sondern aus

Bedürfniß und um thätig zu seyn. Nicht das moralische Gefühl, welches

den Menschen an seines Gleichen kettet, um sich ihnen mitzutheilen, um

durch den Umgang mit Andern das Eckige seines Charakters abzuschleifen

und um sich durch Andere zu vervollständigen -- nicht dieses Gefühl

macht das Kind gesellig. Was kennt es mehr als sein Bedürfniß? Es will

genährt und vergnügt seyn: darum ist es gesellig; es ist gesellig

zum Zeitvertreib -- Wo es diese Absicht erreicht, befindet es sich

wohl; Geschlechtsunterschiede stehen, so wie moralische und geistige

Eigenschaften, mit seiner Gesellschaft in gar keiner Beziehung --

Erst um das zwölfte Jahr fangen unter dem Europäischen Himmel die

Geschlechtskeime an bei dem weiblichen Theile sich zu entwickeln

und nie gewohnte Unruhe, eine vorher unbemerkte Ahndung und sanfte

Sehnsucht zu erwecken. So lange sollte unter Kindern Alles bis auf

die Kleidung gleich bleiben, weil die Natur es so will. Erziehung,

Unterricht, Zeitvertreib können für beide Geschlechter einerlei seyn,

weil in diesem Zeitraume die Bildung sich mit dem Menschen beschäftigen

und für die Entwickelung jener Anlagen sorgen soll, ohne alle Rücksicht

auf anderweitige Bestimmungen, als auf die erste ehrwürdigste: einen

Menschen nach der urkundlichen Deutung der Natur darzustellen.

Auf diesen einzigen Endzweck müssen es alle pädagogische Bemühungen

anlegen, und indem sie den jungen Kindern Hebammendienste leisten, den

Spielraum für die ersten Versuche der erwachenden Kräfte erweitern, und

nur nach und nach mit großer Vorsicht es wagen, den üppigen Auswuchs

zurückzuhalten, und dergestalt mittelbar den Trieben der Natur die

eigentliche Richtung zu geben. Der Unterricht bedarf in diesem Zeitraum

eben so wenig besondere Rücksichten auf Geschlechtsunterschied, als

auf künftige bürgerliche Verhältnisse. Hat das Kind von diesem Allen

selbst nur Ahndungen? geschweige denn Begriffe! und bleibt nicht aller

Unterricht in dieser Rücksicht für dasselbe todter Buchstabe, bis nach

dem Laufe der Natur Empfänglichkeit für diese Lehre sich entwickelt?

Aller Unterricht muß sich in diesem Zeitraum auf das einschränken, was

der _Mensch_ glauben, wissen und thun soll.

Warum der Unterschied zwischen weiblichem und männlichem Unterricht,

da Mann und Weib noch nicht geboren sind? Sind Spiele für Kinder

das, was sie seyn könnten und sollten? Nur in unsern Tagen, als die

Erziehungskunst einen neuen Schwung erhielt, fing man an, den großen

Einfluß derselben zu bemerken; allein machte man nicht, wie gewöhnlich,

einen schlechten Gebrauch davon, wenn man das Spiel zu einem

allgemeinen Unterrichtsmittel erhob? Spiele müssen nie zur Methodik

werden; wohl aber können sie Anlässe zur Bereicherung des Gedächtnisses

und zur Übung des Verstandes seyn. Wenn sie den Unterricht erleichtern,

so ist und bleibt ihr Werth bloß subjektiv. Bei Spielen der Kinder muß

jederzeit die Absicht zum Grunde liegen, sie auf eine ihrer Fähigkeit

und ihrem Alter angemessene Art zu beschäftigen. Nur dürfen die Kinder

diese Absicht nicht errathen; sonst ist das Spiel verloren. Früh indeß

müssen Kinder angewöhnt werden, Spiel und Geschäfte zu unterscheiden,

um diese achten und lieb gewinnen, jene aber entbehren zu lernen,

wenn sie anders nicht ewig Kinder bleiben sollen. Doch warum mehr

Bemerkungen über einen Gegenstand, der jetzt das dritte Wort unserer

Schriftsteller ist, und auf allen Dächern gepredigt wird! Ich kehre

mit dem Vorschlage zurück, daß so lange bis das Kind zum Mädchen oder

zum Knaben heranreift, beide unter den Händen und der Aufsicht des

weiblichen Geschlechtes bleiben sollten. Der Staat und das weibliche

Geschlecht würden dabei gewinnen. Alle Kinderschulen sollten Weiber

zu Aufseherinnen und Lehrerinnen haben, weil die Natur das weibliche

Geschlecht dazu mit ausgezeichneter Fähigkeit hinreichend ausgestattet

hat. Reinlichkeit, ein zur Erhaltung der Kinder so nöthiges und

wichtiges Erforderniß, Sanftmuth, Geduld, Ausdauer bei anscheinend

kleinlichen Beschäftigungen, Mittheilung, Redefertigkeit, und andere

zur Kindererziehung unentbehrliche Eigenschaften, scheinen dem

weiblichen Geschlechte von Natur eigen, bei dem männlichen dagegen

bloß Kunstfertigkeiten zu seyn. Wie sich Natur zur Kunst verhält; so

würde sich auch eine Kindererziehung durch Weiber gegen die jetzige

verhalten. Schon gegenwärtig ist ihr Antheil groß; was würden wir

ohne ihren Beistand vermögen? O, was für eine Schule für Mütter

mittleren Standes, wenn eine Hauscapelle weinender und heulender

Kleinen ihre Geduld prüft, und die Kinderfragen heranwachsender

neugieriger, verschämter Mädchen und dreister Buben sie in Verlegenheit

setzen! Ich begreife nicht, wie manches treffliche Weib so heterogene

Angelegenheiten zu bestreiten vermag -- Dort windet sie dem kleinen

Feldmarschall _Jakob_ Gabel, Messer und Scheere aus der Hand; hier

reißt sie dem vielfräßigen Domherrn _Peter_ schädliche Dinge aus dem

Munde; bald verscheucht sie von der kleinen schlafenden _Jette_ die

Fliegen; und wie schwer ist der Wildfang _Karl_ zu befriedigen, der

von Einem Zeitvertreibe zum andern abspringt! Wie viele Vigilien und

wie viele Tageslasten sind ihr Theil und Erbe bei den ihr obliegenden

Familiensorgen! -- Ist nun gleich die Dame höheren Standes, die nach

Landes-Sitte und Brauch das strenge Recht für sich hat, ihre Kleinen

wie Findelkinder zu behandeln, bei weitem so beschäftiget nicht; ist

sie es indeß nicht immer weit mehr, als ihr geschäftiger Müßiggänger

von Gemahl, der, mit großen Kleinigkeiten und vornehmen Gebrechen

beladen, außer der Spinnstube seines hohen Collegiums, noch so viel

anderes anzuspinnen hat, was freilich fast immer darauf hinausläuft,

schlichte Dinge zu verwickeln, und den leichtesten Sachen einen

Anstrich von Bedeutung zu geben! Des großen Staatsspinners! -- *Doch

wie? würden Weiber wegen ihrer Furchtsamkeit und aus Gefühl ihrer

Schwäche die Kinder nicht noch mehr verzärteln, und das menschliche

Geschlecht nicht noch weichlicher machen, als es gegenwärtig schon

ist?* Ein Einwurf, der nicht ohne Grund zu seyn scheint; allein nichts

mehr als ein Gespenst, welches unsere Einbildungskraft in Schrecken

setzt, aber desto mehr verschwinden muß, je mehr die Weiber sich ihrem

Ziele nähern. Zärtlichkeit oder eigentliche Schwächlichkeit des Körpers

ist oft ein Erbtheil der Geburt, und ungleich seltener eine Folge der

weichlichen Erziehung. Im letzten Falle kann die Geschicklichkeit des

Erziehers im Knaben- und Jünglingsalter wieder herstellen, was übel

verstandene Zärtlichkeit im Kindesalter verdarb; da aber, wo der

Keim schon kränkelt, wird die pflegende Hand der Kunst, anstatt eines

Baumes, immer nur ein Zwerggewächs erziehen. Völlig wird jene Furcht

verschwinden, wenn die Ordnung der Natur, die wir umkehrten, wieder in

den vorigen Stand gebracht wird, und wir fürs erste uns entschließen,

das andere Geschlecht bei diesem Geschäfte zu leiten. Schon hat man

zum Theil aufgehört, das Kind in eine Puppe zu verwandeln, es in

Federn zu ersticken, und, wenn es sich des einzigen Mittels seiner

Lunge bediente, um sich aus seiner peinlichen Lage zu befreien, es

mit Theriak oder einer sanften Hirnerschütterung zu betäuben; und

gewiß, man wird aufhören, Kinder der Luft und dem Wasser zu entziehen,

so bald die Weiber sich selbst bei dem Einflusse dieser Elemente

behaglicher fühlen werden. Schon hat man die bisherige Knabenkleidung

verdächtig zu machen gesucht, und dem Kinderanzuge überhaupt den

Zwang vorgerückt, wodurch der Einfluß der Luft auf den ganzen Körper

verloren geht, die Ausdünstung gehemmt, die Brust verengt, das

Herz unterdrückt, Saft und Kraft -- wenn gleich (was leider nur

selten der Fall ist) Alles unverdorben auf die Welt gebracht seyn

sollte -- frühzeitig erschlafft und die Maschine übereilt wird. Die

tyrannische Mode! Selbst unsere Mahler und Bildhauer sind ihrethalben

der traurigen Verlegenheit ausgesetzt, zu einem idealischen Costume

ihre Zuflucht zu nehmen, da die Ungereimtheiten der Mode nicht bei

dem Altare des Geschmackes bestehen -- Eine feine Rache, welche die

Natur an ihren Verächtern nimmt --! Bei Gelegenheit der bürgerlichen

Weiberverbesserung wäre nichts leichter, als eine Kleiderordnung in

physischer und moralischer Rücksicht in Gang zu bringen, sie wohlfeil,

natürlich und einfach zu stellen, und diese Sache gleich fern von

Übertreibung und Montirungssucht in Erwägung zu nehmen. Nur aus

unverzärtelten, festen, wackern _Kindern_ werden unverzärtelte, feste,

wackere _Leute_! -- Lasset die Weiber erst sich selbst stark fühlen,

und sie werden an Leib und Seele starke Kinder leiblich gebären und

geistlich wiedergebären -- sie zur Welt bringen und erziehen. Warum

soll denn die Haut mit der Sonne in Feindschaft leben? Fehlgeschlagene

Hoffnungen, Unterdrückungen, Collisionen sind der Geschmeidigkeit des

Charakters, den Grazien der Sitten ungünstiger, als jenes unbiegsame

Äußere. Vom Gefühl einer edlen Freiheit, hangen Muth, Freimüthigkeit

und jene umfassende Heiterkeit ab, die auch durch die finsterste

Stirn bricht und auf der rauhesten Oberfläche durchschimmert -- Und

was gilt euch mehr: jene zweideutigen Aussprüche zu Delphi, oder eine

unbiegsame Aufrichtigkeit? Aufrichtigkeit bahnt den Weg zur moralischen

Allmacht -- wogegen durch lebensartige Feinheit der Absicht ganz

entgegengesetzte Wirkungen resultiren -- Je nachdem man auf diesen

oder jenen Umstand Licht fallen läßt; je nachdem thut er Wirkung --

Hat die Furchtsamkeit ihren Grund nicht bloß in dem Gefühl des Mangels

an körperlichen Kräften und in der Beschränktheit des Verstandes? Ein

berühmter Englischer General bemerkte, daß seine Truppen nie mehr Muth

hatten, als wenn ihr Magen mit Pudding und Roastbeef angefüllt war.

Hunger macht feige, Mangel blöde, Unterdrückung verzagt. --

Die Weiber zu _Sparta_ kannten weder Weichlichkeit noch Furchtsamkeit.

_Ich habe ihn für das Vaterland geboren_, war die heroische Antwort

jener Spartanerin, als man ihr die Nachricht brachte, ihr einziger Sohn

sei in der Schlacht gefallen.

Entwickelt sich der Unterschied der Geschlechter im Knaben und Mädchen,

so muß der Bürger auf den Menschen gepfropft, der Stand des Bürgers

an den der Natur geknüpft, und die Vorbereitung zu mannigfaltigen

untergeordneten Bestimmungen eröffnet werden; und nun ist es Zeit zu

einem sichtbaren Merkzeichen der Absonderung der Geschlechter.

Diese Geschlechts-Einkleidung wird alle besorgliche Folgen, welche

die Natur-Uniform etwa bei den Schwachen, die doch immer unter uns

sind, erregen möchte, unausbleiblich vertilgen, Knaben und Mädchen,

die als Kinder vertraut waren, in Fremde (wenn gleich nicht in

Wildfremde -- und weshalb auch das?) umschaffen, und Alles bis auf die

Rückerinnerung ihrer ehemaligen Bekanntschaft vertilgen. Würde nicht

diese Geschlechts-Einkleidung auf einmal den einzigen Unterschied, den

die Natur beabsichtiget hat, zwischen beiden Geschlechtern festsetzen,

ohne dadurch einen bürgerlichen Unterschied herauszubringen oder zu

erzwingen, und ohne dadurch Sitten und Wohlstand im mindesten in

Gefahr zu setzen? Dies wäre der Glockenschlag, welcher Erziehung

und Unterricht der Geschlechter- und Bürgerbestimmung näher bringen

würde. -- War nicht schon bei den Römern eine ähnliche Einrichtung in

Hinsicht auf das männliche Geschlecht? und sagt nicht die Geschichte,

daß der Jüngling Vaterlandsliebe und alle große Eigenschaften eines

Römers mit der _toga virili_ (mit dem Mannskleide) anlegte? Es ist

eine Schande, eine Stunde länger zu leben, als man hätte leben sollen;

-- allein es bleibt eine eben so große Schande, eine Stunde früher

zu leben anzufangen, als man dazu fähig ist -- und so wie das Ende

das Werk krönt, und der letzte Tag der Richter aller seiner Vorgänger

ist, so sollte man gewisse Tage aussondern, und sie zu Denkmählern

machen. Jener Tag der Geschlechtsabsonderung, der bürgerlichen

Einsegnung, würde zu diesen festlichen Tagen gehören. Ganz müßte

das Erziehungsgeschäft in dieser neuen Epoche noch nicht den Händen

der Weiber entzogen, noch weniger ein Unterschied in Erziehung und

Unterricht zwischen beiden Geschlechtern veranstaltet werden, bis auf

die Verpflichtungen, zu denen jedes von der Natur besonders berufen

ward, welche, in so fern sie für diesen Zeitraum gehören, bei jedem

Geschlechte durch Personen des seinigen gelehrt werden müßten; wogegen

alles Übrige ohne Rücksicht auf diesen Unterschied, so wie die Umstände

es forderten oder erlaubten, von Personen beiderlei Geschlechts gelehrt

werden könnte. Da Mann und Weib eigentlich nur Ein Mensch sind; so kann

auch selbst nach jener Geschlechtsabsonderung keine völlige Scheidung

eintreten: Was Gott zusammen fügt, soll der Mensch nicht scheiden

-- In der Epoche, welche bei Mädchen etwa bis zum 16ten, und bei

Knaben bis zum 18ten Jahre dauern könnte, müßten beide Geschlechter

zu den bürgerlichen Bestimmungen vorbereitet und in Allem, was darauf

Beziehung hat, ohne daß man auf den Geschlechtsunterschied Rücksicht

nähme, unterrichtet werden. Daß hierbei die völlige Entwickelung des

Menschen nicht aufzugeben oder nur bei Seite zu setzen ist, versteht

sich von selbst. Würden bei dieser soliden Einrichtung nicht mit

dem mannbaren Alter beide Theile ohne Unterschied unbedenklich da

hingestellt werden können, wo sie, dem Staate nützlich zu seyn,

Anlage zeigten? Entwöhnt dem größten aller Übel, der langen Weile,

die mehr als der Tod zu fürchten ist, müßten jetzt der Jüngling und

das Mädchen Geschäfte angewiesen bekommen, wozu sie mit Neigung

und Geschicklichkeit versehen sind. Ehre, Rechte und Belohnungen

werden alsdann nicht ein Geschlechts-Prärogativ, sondern Folgen des

persönlichen Verdienstes. Weiber, die bisher ein Etwas ohne Namen und

Rechte waren, würden auf diese Weise Personen und Staatsbürger werden.

-- _Plato_ wollte die Vertheilung des Privatvermögens den Gesetzen

in die Hände spielen. So viel Gerechtigkeit auch in dieser Idee zu

liegen scheint, zu so vielen Ungerechtigkeiten würde sie verleiten.

-- Das Vermögen der Weiber indeß, wenn sie gleich ganz allein darüber

zu verfügen glauben, _scheint_ bloß ihrer Gewalt unterworfen zu seyn;

denn eigentlich sind Männer die Eigenthümer desselben, die mit diesem

Kreuz, das sie wohlbedächtig in Händen behalten, sich zu segnen nicht

ermangeln. Wie viele Kassen-Defraudationen hier vorfallen, liegt

am Tage. -- Bloß der Entschluß der Weiber, sich dem Staate nicht

entziehen zu wollen, setzt sie in das Eigenthum ihres Vermögens, und

sie werden nur sich selbst nöthig haben, um zu denken und zu handeln.

»Er beleidigte nicht mich, sondern den, für den er mich ansahe,« sagte

König _Archelaus_, als man ihn auf der Straße mit Wasser begossen

hatte; -- und so wird das andere Geschlecht sich oft erklären müssen,

und sich gern erklären, ehe jene Grundsätze, es ehren zu wollen, weil

ihm Ehre gebührt, zur Gewohnheit geworden sind.

Über die bürgerliche Verbesserung der Weiber · 第 9 / 18 段