Justinianus_ (_Nov._ CXXXIV. _Cap._ IX.) angeordnet, daß kein
Frauenzimmer gefänglich eingezogen werden solle. Auch wegen der größten
Verbrechen will er sie nur mit dem Kloster bestrafen und sie bloß
der Aufsicht anderer Weiber anvertrauen -- Wir indeß geben dieses
Gesetz aus männlicher Machtvollkommenheit auf, ohne dem Geschlechte
andere Römische Rechtswohlthaten zu erlassen. Wer sollte denken,
daß man mit Wohlthaten so sehr ins Gedränge kommen, so geplagt und
belästigt werden könnte! wer sollte denken, daß man dem mit Wohlthaten
so überhäuften Römischen Frauenzimmer ehemals nicht gestattete, den
Volksversammlungen beizuwohnen! daß man es der Ehre nicht würdigte,
zum Volke zu gehören, und daß eben aus dieser Herabsetzung ihm der
Vorzug erwuchs, mit Bestande Rechtens in den Rechten unerfahren zu
seyn und sich mit dieser Gesetzunwissenheit, wie mit einem Orden, zu
schmücken! -- Nicht nur unschädlich, sondern rühmlich, war ihm, diese
Wohlthat der ewigen Kindheit, vermöge deren es im Reiche des _Saturnus_
in einem immerwährenden Frühling lebte, schwebte und war -- Es
verschenkte alles das Seinige, um von Almosen zu leben; es vertauschte
Gold gegen Flittern, Schaumünzen gegen blanke Rechenpfennige. Doch
alles ist kein Vergleich gegen den Tausch des Rechtes gegen Güte
-- der männlichen Worte: _ich fordere_, gegen die weiblichen: _ich
bitte_. Wie konnte man aber auch einer, in der gesetzlichen Herrschaft
des Eheherrn befindlichen Gattin, einer der Gewalt eines Andern
untergeordneten Sklavin, mehr als Gnade und Wohlthaten erweisen?
Nicht sie, sondern ihr Mann hatte Kinder -- Auf ihre Familie hatte
sie Verzicht gethan, um zu ihres Herrn Familie einzugehen -- Schon
längst hatte man verlernt, daß die Ehe eine gleiche Gesellschaft sei,
daß die Herrschaft im Ehestande eine beiderseitige Herrschaft der
Eheleute neben einander bleibe, und daß der Mann sie sich nur durch
einen _ausdrücklichen_ Vertrag zueignen könne? »Nicht auch durch einen
_stillschweigenden_?« Ach freilich! hätt' ich doch diese stumme Sünde
beinahe vergessen. Die Geschichte gedenkt eines naseweisen Knaben,
_Papirius_, im Besten, weil er, seine Mutter zu betrügen, schon in
frühen Jahren reif genug befunden war. Er begleitete, nach damaliger
Sitte, seinen Vater, wenn Se. wohlweise Gestrengigkeit auf das Rathhaus
ging; und da seine Mutter die Debatten des Tages vom _Papirius_ zu
wissen verlangte, so schob er ihr eine baare Unwahrheit unter. »Es
wäre, sagte er, die Frage zur Motion gediehen: Ob es besser sei, daß
ein Mann zwei Weiber, oder ein Weib zwei Männer habe.« -- -- Welch
eine Erniedrigung, daß eine Mutter bei einem Knaben, und, was noch
mehr sagen will, bei ihrem leiblichen Sohne, nach den Dekreten einer
obrigkeitlichen Sitzung forschen muß! und welch eine Übertretung des
vierten Gebotes, daß ein Sohn seine Mutter durch eine Unwahrheit
vorsetzlich zu einem weiblichen Auflauf bei der National-Versammlung
mißleiten konnte, der sich entschloß, (ohne Zweifel in besserer Form
und Ordnung als die Parisischen Fischweiber) wider das vermeintliche
Dekret, daß ein Mann zwei Weiber haben könne, zu protestiren. Es heißt,
_Papirius_ habe von Stund' an, und nach diesem _examine rigoroso_
ein Patent als ordentlicher Beisitzer des hohen Rathes erhalten, und
dagegen sei allen übrigen Auscultatoren und Referendarien der Zutritt
zu den Raths-Sessionen untersagt worden! Freilich verdienten solche
altkluge, auf Treibhäusern gezogene Kenntnisse des _Papirius_, und ein
so stattlicher Mutterbetrug, Aufmunterung und Belohnung! -- Sollten
indeß alle jene so übermäßige Wohlthaten nicht unter Einen Hut zu
bringen seyn? Wir können in Ansehung dessen, was in anderen Fällen
geschieht, wo nicht schon sicher wissen, so doch mit Zuverlässigkeit
vermuthen, mit was für einem Maße der Einsicht in den Grund der Sache,
aus welchen öffentlichen und geheimen Artikeln von Anreitzungen,
Absichten und Nebenabsichten, für die Beibehaltung des Alten geeifert
wird. Wenn mich nicht alles trügt, so hat die _Furcht_ der Männer,
durch die Weiber _unterjocht zu werden_, die ersteren zu jener
Überhäufung mit Wohlthaten gebracht. Nach Art der Hofleute, die kein
moralisches Aequinoctium annehmen, wo Gutes und Böses sich die Wage
hält, scheinen die Männer, die schon unter sich so viele Feinde und
Widersacher zählen, sich von Seiten der Weiber den Rücken decken zu
wollen -- Wär' es das erstemal, daß man seine Herrschaft durch das
Hausmittel zu sichern suchte, die, welche man beherrscht und gern ewig
beherrschen möchte, von reiner Erkenntniß und Besserung hochbedächtig
zurückzuhalten? Und wie! es stand noch kein Prediger in der Wüste auf,
der diesen Männerdünkel in seiner Blöße zeigte, und auf diesen Staat
im Staate aufmerksam machte? -- Es gab Götter und Göttinnen, die für
Opfer und Geschenke feil waren. So ging es dem andern Geschlechte,
das auch Opfer auf Kosten seiner Rechte annehmen mußte, und das,
wenn gleich die Menschheit es so sehr zierte, sie doch gegen jene
Göttlichkeit aufzugeben gezwungen ward. Jemanden Güte erweisen, indem
man ihm Gerechtigkeit entzieht, heißt: ein Naturgesetz mit Füßen
treten, und sich mit einem positiven brüsten; die Erstgeburt für ein
schnödes Linsengericht verkaufen, Mücken seihen und Kamele verschlucken
-- O, der blinden Leiter, die, mit pharisäischer Heuchelei das andere
Geschlecht einschläferten, im Trüben fischten und durch Schein des
Rechts die natürlichen in das Herz geschriebenen Rechte zu vertilgen
suchten! -- Die Natur läßt sich nicht zwingen. -- _Furcht!_ Fiel dies
Wort auf? Es sollte auffallen -- Seht! ich will mein Herz ausschütten
und zur Ehre des männlichen Geschlechtes bekennen, daß keine bösere
Absicht, als _die Furcht, das andere Geschlecht würde uns beherrschen_,
den Grund zu unserer Herrschaft über dasselbe gelegt hat. Auch dachten
wir vielleicht unserer Seits bei diesem Plane nicht, den Weibern
eben schwer zu fallen und ihnen Schaden oder Leides zu thun; sondern
_ihnen und uns nützlich zu werden_. Vielleicht war ein Plan dieser
vermeintlich _nutzreichen Art_ der Anfang mancher andern, jetzt so
ausgearteten Herrschaft. Die _Furcht_ schuf Götter, sagt ein Alter;
-- nicht auch die _Liebe_? Wir sollen Gott fürchten und lieben, fängt
_Luther_ jede Erklärung der zehn Gebote an -- und doch treibt die Liebe
die Furcht aus --!
Sehet euch um! noch jetzt werdet ihr finden, daß Männer, die ihre
Weiber _anbeten_, vorzüglich jedem Beitrage zur Verbesserung des
anderen Geschlechtes ausweichen. Und warum dieser befremdende
Widerstand? Das Gefühl von dem Werthe seines vortreflichen Weibes
verstärkt die _Furcht_ des Herrn Gemahls. Die Verehrung, die er ihm
widmet, unterdrückt den Gedanken, dem Geschlechte in ihm Gerechtigkeit
zu erweisen -- Auch der beste Mann ist neidisch auf große Eigenschaften
seines Weibes, die ihm gefährlich werden können; er will mit seinen
Wohlthaten ihm den Mund stopfen, die Vernunft und den Willen
desselben einschränken und mißleiten, damit es nicht Gerechtigkeit
begehre -- Eine besondere Art, mit Geschenken das Recht zu beugen,
eine Wechselschuld nicht zu bezahlen, allein dem Wechsel-Gläubiger
ein Geschenk zu machen, das jene Schuld überwiegt! -- Dergleichen
Männer bemühen sich außerordentlich, sich ihren Weibern von der
besten Seite zu zeigen; und da sie wohl einsehen, wie sehr weit sie
von ihren Weibern in allem zurückgelassen werden: so legen sie ein
außerordentliches Gewicht auf ihren Staatsberuf, und rechnen sich
die Amtsgeschäfte äußerst hoch an, um sich bei ihren Weibern in
Achtung zu erhalten. -- Das arme Geschlecht! wie sehr es doch durch
blauen Dunst hingehalten wird --! Man erzählt von einem Türkischen
Gesandten, er habe auf die Frage: wie ihm das Frauenzimmer in ***
gefalle; geantwortet: ich bin kein Kenner von Mahlerei -- Ist nicht
jeder Beamte im Staate geschminkt? -- Man nehme ihm das Weiß und Roth,
das der Staat ihm Ehrenhalber auflegt; und wir werden weder Gestalt
noch Schöne an ihm finden --- Wir mögen uns nicht anstrengen, um mit
dem andern Geschlechte Schritt zu halten; und das müßten wir oft über
unser Denken und Vermögen, wenn wir ihm gleich kommen wollten. Wir
gehen ihm sonach Räthsel auf, die der Auflösung nicht werth sind; wir
verlangen Traumdeutungen von ihm, ohne daß wir ihm den Traum bekannt
machen; wir suchen es in das Spielwerk der Welt zu verwickeln, und
es dem Ernste und Nachdenken so viel als möglich zu entziehen: --
und doch ist dieser Müßiggang -- welches Weib wird nicht dazu auf
eine grobe und subtile Art verurtheilt? -- der Grund von allem jenem
Übel, wovon reelle Beschäftigung das Weib, seinen Mann und die Welt
befreien würde. -- Die _Thätigkeit_ hat drei Grazien zu Töchtern:
_Tugend_, _Wissenschaft_ und _Reichthum_; allein welche Thätigkeit?
die, wozu Männer aus Machtvollkommenheit die Weiber verurtheilen, oder
jene, die man bei selbstgewählten Geschäften anwendet? die, wo Lied-
und Tagelohn bezahlt wird, oder jene, wo das freiwillig übernommene
Geschäft sich selbst belohnt? Aufgegebene Arbeiten können zwar zu
andern unaufgegebenen erwecken, die über jene unendlich erhaben sind;
doch müssen die aufgegebenen nie von so einförmiger Art seyn, wie die
weiblichen es sind, falls sie die einmal in Bewegung gesetzte Seele
zu edler Wirksamkeit hinaufstimmen sollen -- Wann wird Thätigkeit aus
selbsteigener Wahl einmal aufhören der königliche Vorzug der Männer
zu seyn! wann werden Weiber zu dem Menschenrechte gelangen, Geschäfte
nicht fürs Brot, nicht auf den Kauf, sondern mit Lust und Liebe
treiben zu können! o, wann! -- -- Wie sehr würde man die Erklärung der
siebenten Bitte durch die Verbesserung des weiblichen Verhältnisses zum
Staate verkürzen! Man verbietet mit Recht nicht nur das Laster, sondern
auch den Schein desselben, weil Schamlosigkeit, wenn sie ins Publicum
dringt, ein allgemeines Verderben des Staates bewirkt, und ein gewisses
Zeichen seines nahen Sturzes ist. -- Doch bedenkt man nicht, daß eben
die Ausschließung des andern Geschlechtes von allen öffentlichen
und ernsthaften Beschäftigungen es geradesweges auf den Gedanken
bringen muß, alle jene ehrwürdigen Sachen zu enttrohnen, den Werth
derselben, den inneres Gehalt oder Lieblingsgrillen ihnen beilegen, zu
verringern, und der jungen naseweisen Welt der Jünglinge allen jenen
Ernst so zu verekeln -- daß, wenn sie sich ja Geschäften widmen, sie
die Maximen des Lächerlichen in Anwendung bringen, welche sie zu den
Füßen des schönen Geschlechtes gelernt haben. Es werden wenige Dinge
seyn, die sich von dem Roste der Pedanterie rein halten können, außer
wenn das Frauenzimmer, dieses einzige Verwahrungsmittel gegen jenes
Geschlechtsübel, dabei eingeflochten wird.
Der Mensch ist zur Nachahmung geneigt, und es ist eine bekannte
Bemerkung, daß man das in seinem Hause im Kleinen einführt, was im
Staat im Großen gäng und gebe ist; das Haus pflegt ein Miniaturstück
des Staates zu seyn. Wenn aber gleich in despotischen Staaten der
Despotismus auch in Privathäusern wüthet, und um so mehr mit gutem
Bedachte wüthen zu müssen das Ansehen gewinnt, da größere Freiheit
der Weiber dem Staat unüberwindliche Nachtheile zuziehen, und dieses
Geschlecht, geboren der Natur getreu zu seyn, alles jene unnatürliche
Wesen der Despotie an die gehörige Stelle und den rechtmäßigen Ort
bringen würde; so ist doch auch in Republiken das schöne Geschlecht
noch nie zu einem anständigen Grade von Besitz seiner Rechte gediehen
-- Zwar gewinnt es dort durch mindere Pracht; allein eben dieser Gewinn
lehret die Herren Staats-Repräsentanten aufs Wort merken. Die Weiber
spielen ein etwas ernsthafteres Spiel, als in Despotie und Monarchie;
aber man erlaubt ihnen nicht, dieses Ziel zu überschreiten: ihre
anscheinenden Vorzüge sind avanturirt (erabentheuert) -- Es bleibt
Spiel was sie treiben -- Ihr Tichten und Trachten sind Kleinigkeiten
von Jugend auf und immerdar; und, was noch ärger ist -- der
widernatürlich zusammengeordnete Putz entstellt die natürliche Schöne
des Körpers so sehr, daß die _Frage_ der Gemahlin des Kaisers von
_Marokko_, an die geputzte Frau des Holländischen Consuls: _bist du das
Alles selbst?_ -- oft _ihr Glück versuchen_ könnte.
In der Aristokratie sind die Herren Aristokraten zum Neide und zur
Eifersucht so berufen, daß sie zu verlieren befürchten, wenn sie ihren
Weibern einen Vorzug verstatteten -- und da selbst die Französische
Revolution ihren Zustand -- obgleich Weiber die Fahne derselben geführt
-- nicht verbessert hat; so scheinen wohl die Verschiedenheiten der
Regierungsformen nicht bestimmt zu seyn, diesen Schaden Josephs zu
heilen: höchstens bleiben die armen Weiber beim _Mehr_ oder _Weniger_
stehen.
»Es ist wider die Vernunft und wider die Natur«, sagt ein Philosoph
der Welt, »daß Weiber die _Hausherrschaft_ führen; allein _Reiche_
können sie regieren -- Im ersten Falle erlaubt ihnen ihre Schwäche
diesen Vorzug nicht; im andern stimmt diese sie zur Leutseligkeit und
Mäßigung. --« Mich dünkt, diese Bemerkung ist Sophisterei. Wer will
denn, daß Weiber das Hausregiment führen sollen? Nur da, wo, nach dem
altdeutschen Reim eines Reformators, ein Jeder seine Lektion lernt,
wird es wohl im Hause stehen. -- Es ist zu verwundern, daß jetzt, da
das halbe menschliche Geschlecht auf weiter nichts sinnt, als sich
mit Ehren unter die Haube zu bringen, noch so viel Policei im Punkte
des Punktes herrscht -- und daß, da das Frauenzimmer zu einer ewigen
Vormundschaft verdammt wird, es seine Rache bloß aus der ersten Hand
vom Ehemanne nimmt, und übrigens in der größeren Welt so sittsam und
menschenfreundlich bleibt. Strenge Aufmerksamkeit auf einen sich selbst
gegebenen Punkt unterdrückt das Gefühl des Schmerzes, und die größte
Krankheit verliert einen großen Theil ihrer Feindseligkeit durch die
Unterhaltung mit einem guten Bekannten, welche aber, wohl zu merken,
den Kranken unvermerkt, äußerst leicht und ohne angreifende Übergänge
beschäftigen muß. Ist die Ehe, nach jetziger Sitte, viel mehr als
eine Krankenunterhaltung, wodurch man so sehr die lange Weile als
die Anstrengung vermeidet, und vorzüglich das andere Geschlecht von
jenem schrecklichen Gefühle seiner Abhängigkeit und Unterdrückung
ableitet? -- Ließen die Männer sich öfter als jetzt merken, daß sie
das Verhältniß der Geschlechter besser, als die Natur, zu ordnen
wüßten, wie weiland _Alphonsus_ das Schöpfungswerk weit besser als
der Schöpfer Himmels und der Erden zu verstehen vorgab: so wäre
den Männern höherer Klassen schon längst von ihren aufgeklärten
Damen der Krieg angekündigt; jetzt aber, da Männer diese Saite fast
gar nicht berühren, oder höchstens sich über diese Sache etwa so
auslassen, wie _Machiavell_ über die Tyrannen: -- jetzt bleibt es in
besseren Volksklassen beim Frieden, und in den geringeren ist der
Unterschied zwischen männlichem und weiblichem Werth und Unwerth zu
unbedeutend, oder jene geringeren denken zu wenig an ihre Bestimmung,
um anders als thierisch zu wissen, daß zwei Geschlechter unter den
Menschen sind -- Wird dann etwa (im Jubeljahr) unter uns ein _St.
Pierre_, ein _Bayard_, ein _Heinrich IV._ geboren; so läßt das
andere Geschlecht, des Verdienstes dieser hervorragenden Männer
halben, dem ganzen männlichen Geschlechte Gnade widerfahren. -- --
Laßt uns aufrichtig seyn! Alles wodurch Menschen sich auszeichnen
können, ist dem Frauenzimmer benommen. Ein Cartel erniedrigt es so
tief, wie eine ungerächte Beleidigung den Ehemann; und in die Klasse
der Unedlen, der Knechte, ward es unter dem Schreckbilde, daß die
Gränzen seiner fräulichen Schamhaftigkeit verletzet werden könnten,
verstoßen, damit nur unser Geschlecht sicher bliebe, nie von ihm zum
Zweikampfe gefordert zu werden -- Nicht die Ähnlichkeit, sondern
das Gesetz bestimmt vermöge der Ehe den Vater; es benennt ihn, und
leidet keinen Widerspruch. Wie war es möglich, daß, da die Natur
unmittelbar die Mutter bestimmt, daß, da diese so unbezweifelt gewiß
wie unsere Existenz und der Tod ist -- die Kinder in solch eine
Unerkenntlichkeit ausarteten! daß nicht gutgesinnte unter ihnen sich
vereinigen, um ihre Mütter aus der Schmach zu reißen, in der sie von
wegen des Geschlechtes schmachten! Das männliche Geschlecht spielt mit
außerordentlichem Glück -- Wenn die Väter ihren Töchtern vermöge des
Geschlechtstriebes nicht so liebreich zuvorkämen, wie es gemeiniglich
der Fall ist; vielleicht würden diese schon längst eine Conspiration
veranlaßt haben, um Menschen aus Mädchen zu machen, die jetzt aus Sitte
nicht sehen, hören und denken dürfen, die allein in der Einsamkeit
das Recht haben dreist zu seyn, und nur im Selbstumgange jenen
schrecklichen Klosterzwang ablegen können, der sie in Gesellschaft zur
entsetzlichsten Einsamkeit verdammt. Was kann man von dieser Erziehung
erwarten, die von der Heuchelei dirigirt wird, nach welcher selbst
der Plan, zur Heirath Anlaß zu geben, so insgeheim ausgeführt werden
muß, daß oft das lauteste _Nein_ das herzlichste _Ja_ bedeutet! --
Alle jene Gesetze zur Fortpflanzung des menschlichen Geschlechtes,
jene Aufmunterungen zur Ehe, die Drei-Kinder-Ehre -- was sind sie
anders, als unnatürliche Hülfsmittel, die alle aufhören würden, wenn
man Männer und Weiber in den Gang der Natur einlenkte? -- Wie würde
sich hier Alles von selbst verstehen! -- Man trachte zuerst nach dem
Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit; und in Wahrheit, alles
Andere wird von selbst zufallen. Darum Leute im Staat ehren, weil
sie in der Ehe leben, weil sie Kinder, weil sie drei Kinder haben;
darum, weil man die meisten Kinder hat, zuerst im Rathe votiren --
ist eben so wunderbar, als die Seele nach dem Körper messen; und
jener General hat sich mit uns ausgesöhnt, der Specialkarten verwarf,
und nur Generalkarten wollte, weil er General war, oder der es nicht
begreifen konnte, daß man ein großer Mann seyn und doch nicht über
vier Zoll messen könne. -- Vielleicht kommt noch die Zeit, daß man
belohnt wird, weil man essen und trinken oder schlafen kann! Mit
Volksmenge allein ist dem Staate nicht gedient, wohl aber mit Bürgern,
die mit der natürlichen Beschaffenheit und der Größe desselben in
richtigen Verhältnissen stehen, die frei, arbeitsam, wohlhabend und
wohldenkend sind. Und selbst die Volksmenge! würde sie nicht über die
Hälfte vermehrt werden, wenn man das andere Geschlecht zum Volk zu
machen sich entschließen, und Weiber zu Colonisten im Staat aufnehmen
wollte? Man wende einmal die Münze um; und der Revers der Sache --?
Zu elenden Kunstgriffen muß man sich herablassen, wenn man die Winke
der Natur vernachlässiget -- Merkwürdig ist es, daß selbst Weiber zu
einer gewissen Zeit in _Rom_ durch Kinder sich aus der beständigen
Vormundschaft hinaus gebären konnten! -- Die Freigeborne mußte deren
drei, die Freigelassene vier haben. --
Heil den Gesetzen, die nicht ansehen, was vor Augen ist, sondern die
nach dem Beispiele des Stifters des Christenthums das Herz verlangen;
die es auf den inneren Menschen anlegen; die nicht äußere Schäden
verbinden, sondern heilen; nicht Palliative bewirken, sondern das Blut
reinigen! --
Derjenige, der später bezahlt, bezahlt weniger -- Die bündigste
Antwort, wenn von der Erlaubniß, Zinsen zu nehmen, die Frage ist. Wie
viele Verzögerungs-Zinsen werden wir dem andern Geschlechte schuldig
werden --! Als _Cromwell'n_ gerathen ward, seine Tochter _Carl dem II_
zu geben, nachdem er _Carl den I_ hatte enthaupten lassen, war seine
Antwort: »Nein; denn könnte er wirklich vergessen, was ich that,« fügte
er hinzu, »so wär' er nicht werth, eine Krone zu tragen --«
Sollten die Weiber nicht dereinst über kurz oder lang ihre Existenz
den Männern beweisen, so wie weiland _Alcibiades_ die seinige den
Atheniensern, die ihn zum Tode verurtheilt hatten? Sollten sie nicht
auch ein _Sparta_ finden, um ihren Atheniensern von Männern den
Krieg anzukündigen? sie, die schon jetzt während ihres fünfjährigen
Pythagorischen Stillschweigens so deutlich zu erkennen geben, wie sehr
sie verdienen für mündig erklärt zu werden? sie, die mit zwei Augen
mehr sehen, als _Argus_ mit hundert? sie, die schon jetzt, noch ehe
erschienen ist, was sie seyn werden, privilegirte Seelen aufzuweisen
haben, die es mit unserem Geschlechte aufnehmen? sie, welche die
Sphäre ihrer Zeitgenossen durchbrechen und, ohne sich nach Brücken
umzusehen, mit Geistesflügeln sich erheben und, wenn es nicht gehen
will -- sich hinaus denken und wie _Felix_ auf einen gelegenern
Augenblick warten? -- Oder wie! ist es Wollust, keine Wollust zu
genießen? ist es ein Göttermahl, zu fasten? ist bloß Streben unsere
Tugend, und Hoffnung unser Glück --? Beweiset nicht ein großer Theil
der Weiber, daß edle Seelen auch in Ketten frei sind, wie ein Herrscher
bei entgegengesetzter Denkart sich in _^selbsteigener^ Sklaverei_
befindet? Der schlechteste Herr, der nur zu finden war! So diente
_Alexander_, und _Diogenes_ war frei -- _Alexander!_ dem ein Seeräuber
in die Augen zu sagen den Alexander-Muth hatte: kleine Diebe hängt man
-- _Diogenes!_ der, als _Alexander_ ihm Gelegenheit gab, sich eine
Pension zu erbitten, (und eine größere, als alle zusammen genommen, die
FRIEDRICH II seinen Leib-Philosophen und Dichtern gab) nur verlangte,
daß Se. Alexandrische Majestät geruhen möchte, ihm, der werth sei, von
der Sonne beschienen zu werden, diesen Vorzug nicht länger zu rauben.
-- _Diogenes_ beurlaubte _Alexandern_: der reiche Bettler den armen
ihm die Cour machenden Weltbesitzer. -- Gründet sich fortschreitende
Vervollkommnung des menschlichen Geschlechtes, und wahre, nicht
Schein-Aufklärung, auf eine unpartheiische Kenntniß der Natur, und auf
die Einsicht, ihre Gaben recht zu gebrauchen; so kann kein politischer
Zwang Menschen behindern, an ihrem Glücke zu arbeiten, und die Würde
der Gerechtigkeit und ihre wahren Verhältnisse zu Allem, außer sich,
einzusehen. -- Selten wird ein Mann leugnen oder nur bezweifeln, was
allgemein angenommen ist; ein Weib aber rechnet es sich zum Vorzuge,
täglich dergleichen Ausnahmen zu machen. Oft thut ein Weib es früher,
als es die Umstände beprüft hat; und wenn es dann aus der Noth eine
Tugend zu machen sich gedrungen sieht, so ist es angenehm zu bemerken,
wie es Gründe sucht und findet, wodurch es bei seinem Wagestück von
_Nein_ sich bei Ehren erhält, und sich, wenn nichts mehr, so doch den
Vorzug erwirbt, sonderbar zu scheinen. Ein Glück, das dem Verstande in
Nothfällen übrig bleibt, um zu zeigen, wie viel man zu thun im Stande
gewesen wäre, wenn man nicht zu vielen Hindernissen unterliegen müssen.
Wir sind mehr für die Gewohnheit, Weiber mehr für die Neuheit -- Beide
Neigungen lassen sich aus der Lage beider Geschlechter ziemlich richtig
erklären. Was geht dem andern Geschlechte ab, um würdig zu seyn, in
den vorigen Stand zurückgesetzt (_in integrum_ restituirn) zu werden?
Die Thränen der Weiber sind nicht bloß Beweise der Schwäche, sondern
auch Beweise der in ihnen wohnenden Kraft. Sind Thränen nicht schon im
gemeinen Leben öfter Anzeigen des Entschlusses, als der Reue? und haben
nicht Schuld und Unschuld ihre Thränen? Daß übrigens nicht bloß Weiber
und Kinder greinen, (wenn von Verstellung der Geberde bei Thränen die
Rede ist) sondern auch Männer, wird selbst dem gemeinsten Beobachter
nicht entgangen seyn. Die Launen der Weiber werden in der That zu wenig
von uns beobachtet; wir würden hier oft auch bei kleineren Gewässern
tiefe Gründe finden, da hingegen jetzt diese Launen auf Flügeln der
Morgenröthe uns entfliehen, auch selbst wenn wir sie zurück zu halten
bemühet sind. -- Die Weiber wissen die wenigste Zeit, wie sie mit sich
selbst daran sind, und sie sollten mir danken, daß ich ihnen hier
eine nicht kleine Entdeckung mache -- sie sollten manches, was zu
ihrem Frieden, zum wahren, zum Frieden Gottes gehört, in ihrem Herzen
bewegen, um eine Stärke recht beurtheilen zu lernen, die sich bloß --
auf ihre angebliche Schwachheit gründet. Von Liebenden sind uns alle
Ergebenheits-Bezeugungen verhaßt, wenn _wir_ nicht der eigentliche
Gegenstand der Neigung sind. Männer! habt ihr von euren Weibern mehr
als den Schein der Liebe? und verdient ihr mehr? -- Verdient ihr nicht,
daß sie euch nur in dem Grade lieben, wie Sklaven Tyrannen bedienen?
Es giebt Augenliebe, wie Augendienst. -- Hätte man die Weiber bloß
von einigen, augenscheinlich _origetenus_ und von Haus aus männlichen
Dingen ausgeschlossen; wer unter diesem sanften Volke hätte gemurret
--? Es hätte sein _Marlbrough s'en va t'en guerre_ geleiert, und damit
wäre Alles vergeben und vergessen gewesen. --
Die Macht kann überall weniger ausrichten, als die Weisheit. Wer sich
Gott als den _Mächtigsten_ denkt, ist sein _Knecht_; wer ihn sich aber
als den _Weisesten_ vorstellt, verdient den Namen seines _Kindes_. --
--
V.
VERBESSERUNGS-VORSCHLÄGE.
Soll es denn aber immer mit dem andern Geschlechte so bleiben, wie es
war und ist? sollen ihm die Menschenrechte, die man ihm so schnöde
entrissen hat, sollen ihm die Bürgerrechte, die ihm so ungebührlich
vorenthalten werden -- auf ewig verloren seyn? soll es _im_ Staat
und _für_ den Staat nie einen absoluten Werth erhalten, und immerdar
beim relativen bleiben? soll es nie an der Staatsgründung und
Erhaltung einen unmittelbaren Antheil behaupten? soll es nie _für_
sich und _durch_ sich denken und handeln? ohne End' und Ziel nur
als Scheidemünze gelten? Werden wir uns bei diesen Fragen mit einer
wohlweisen Römischen Rechtsfiktion oder einem wohlhergebrachten
Verjährungs- und Besitzrechte aushelfen können, um sie ab- und zur
unangenehmen Ruhe zu verweisen? Werden wir selbst unser männliches
Gewissen mit Bedenklichkeiten über die möglichen Folgen, mit
Mißbräuchen und was dergleichen Popanze mehr sind, wodurch man Kinder
schreckt, beruhigen und diese Angelegenheit der Menschheit auf die
lange, ja lange Bank schieben können --? Dann ist freilich der schöne
Morgen der Erlösung noch nicht nahe. -- Werden wir uns aber hierbei
entbrechen können, uns selbst noch _Gothen_ und _Vandalen_ zu heißen,
was weiland unsere Väter waren, wenn wir nicht dieses Unrecht je eher
je lieber zu vergüten suchen? Mißbrauch des Rechtes verwirkt nicht
das Recht. Menschenrechte können niemals, Bürgerrechte nur durch
Felonie verloren werden; und was ist Felonie? Dies aus dem Lehnsrecht
entlehnte Wort (keine sonderliche Abkunft!) bezeichnet Alles, was man
der Lehnsverbindlichkeit zuwider thut oder unterläßt, und wird aus dem
Lehns-Contrakte beurtheilt. Da es sowohl für den Lehnsherrn als für den
Vasallen Rechte und Pflichten giebt, die sie einander schuldig sind;
so kann nicht nur der Vasall, sondern auch der Lehnsherr der Felonie
schuldig werden. Und wie? geht denn wegen einer jeden Handlung oder
Unterlassung, die dem Lehns-Contrakte zuwider ist, schon das Lehn
verloren? Ist der Lehnsherr, da er nichts mehr und nichts weniger als
ein Mensch ist, nicht vielmehr verbunden, den Vasallen zur Leistung
der contraktgemäßen That, und zur Vermeidung der contraktswidrigen
Unthat von Rechtswegen anzuhalten und auf Schadenersetzung anzutragen?
Werden Contrakte durch zugefügte Contraventions-Strafen geschwächt,
oder vielmehr verstärkt? Können die Handlungen eines Andern Jemanden
zugerechnet werden? und wenn der Vasall wegen Felonie das Lehn
verliert, ist der Lehnsherr nicht verpflichtet, es nach dessen Tode
demjenigen wieder zu geben, dem es nach dem Ableben des der Felonie
schuldig und des Lehnsbesitzes unwürdig befundenen Vasallen zufällt?
Kann je durch Felonie das Lehn aufhören? -- und wer machte denn den
Mann zum Lehnsherrn, und das Weib zur Vasallin --? sind sie nicht
beide göttliche Lehnsträger? -- Die Erde könnte vielleicht eher ein
Weib-, als ein Mannlehn heißen, und ist ohne Zweifel ein vermischtes
_Feudum_. -- Man lasse doch die Weiber-Felonie an seinen Ort gestellt
seyn, wovon Natur und Geschichte kein lebendiges Wort wissen, und
vergesse nicht, daß Gott dem Menschenpaar, welches ^ER^ (o, der
Menschenwürde!) abschattete, dieses Erden-Lehn anvertrauete, und daß
zwischen seinem Lehnrecht und der Stümperei des menschlichen keine
Vergleichung denkbar ist. -- So weit von bürgerlichen Rechten! -- über
Menschenrechte kann nur Gott richten; und in seine Hände zu fallen --
wie wohl thut das, wenn wir die gehegten und ungehegten Banken der
Menschen dagegen halten! --
Ist es etwa Furcht, oder ist es bloß eine Grimasse derselben, die wir
vorgeben, um jener gegründeten und rechtmäßigen Forderung mit Anstand
ausweichen zu können? _Werdet wie die Kinder_, ist ein wohlgemeinter
Rath; denn nur die kindliche Furcht ist nicht unmännlich: sie besteht
in der Sorgfalt, dem auszuweichen, was den ewigen Gesetzen des Wahren
und Guten entgegen ist. Jene knechtische, wenn man aus Furcht vor der
Strafe thut, was die Gesetze wollen, oder unterläßt, was sie nicht
wollen, ist unmännlich, so wie ihre Verwandtin, die Befürchtung,
vermittelst deren wir den Gelegenheiten zuvorkommen wollen, wodurch wir
dergleichen Strafen und Strafgerichten unterworfen werden können.
Wir wollen ein Geschlecht fürchten, das zur Liebe geschaffen ist, und,
wenn es zürnt, selten die Sonne über seinen Zorn untergehen läßt? das
bis auf Einen Punkt (und dieser ist eine Sünde wider den heiligen Geist
des Geschlechtes) dem Beleidiger zwei Drittheile des Weges entgegen
kommt, um ihm Versöhnung anzubieten! Wie viel mehr Ursache haben wir,
uns selbst zu fürchten, als ein Geschlecht, das, wenn man es in seine
Rechte einsetzte, uns, wo nicht Erkenntlichkeit, so doch Wohlwollen
schuldig wäre, und diese Schuld kraft seines Wesens und Seyns so gern
abtragen würde!