indem sie aus ihren Mitteln Priesterinnen gaben, die, außer
ihren gottesdienstlichen Verrichtungen, einen großen Einfluß in
Staatsverhandlungen behaupteten, ihre Berathschlagungen lenkten und
ihren Kriegern in Schlachten Verachtung der Gefahr, Liebe für das
Vaterland, und Muth gegen ihre Feinde einhauchten. Weiber waren ihren
Männern nicht, wie große Staatsdiener ihren noch größeren Fürsten,
_rechte_ oder _linke Hand_, sondern Herz und Seele. Die Geschichte
hat uns noch einen berühmten Namen, _Vellede_, aufbehalten. Ob sie
übrigens als aktive Bürgerinnen an den Volksversammlungen Theil
nahmen; ob sie mit den Männern überall gleiche Rechte genossen: das
ist eine Frage, welche die Geschichte unbeantwortet läßt; indeß ist zu
vermuthen, daß auch bei unsern Vätern die Weiber jene Rollen mehr aus
Connivenz, als kraft einer förmlichen Berechtigung spielten, indem ein
so wichtiger Umstand, der bei allen übrigen damals bekannten Völkern
so sehr außer der Regel war, gewiß der Nachwelt wäre überliefert
worden. Die Eheunlust, worüber Gesetzgeber und Politiker von je her so
manchen Stab Wehe brachen -- entstand sie nicht aus der Verachtung,
welcher das andere Geschlecht ausgesetzt war? Scheint es nicht eine
Art von Degradation seiner selbst, ein Frauenzimmer zu ehelichen, das
im Grunde so ohne alle Bedeutung ist? besonders wenn man überlästige
Schwiegermütter und Basen als Beilagen _sub Ecce_ und _Vide_ erhält!
Man lasse das Mädchen seyn wie unser Einer, und gewiß wird ein
ehelustiger Jüngling weniger Bedenken finden, mit ihr zu ziehen; und
werden Basen und Schwiegermütter bei der Geschlechtsverbesserung noch
Zeit behalten, sich als _Beilagen sub Ecce und Vide_ brauchen zu
lassen? --
Wenn es wahr ist, daß durch den Müßiggang eines Bürgers im Staate ein
anderer doppelt arbeiten muß, um die Faulheit von jenem zu übertragen
und Alles ins Gleichgewicht zu bringen; so bestätiget sich diese
Bemerkung noch weit mehr durch die Vielweiberei, die Quelle, wodurch
zwar das _andere_ Geschlecht außerordentlich von seiner Würde verloren,
die indeß auch dem _männlichen_, und sonach dem _ganzen_ menschlichen
Geschlechte, einen unglaublichen Nachtheil zugezogen hat. Nicht bloß
Vater und Mutter, sondern auch die Kinder sind verdorben; der Vater
kommt mit seiner Liebe zu den Kinden ins Gedränge: er liebt sie nicht
als seine Kinder, sondern in so weit dieses oder jenes das Kind dieser
oder jener Mutter ist! -- Der Mißbrauch ist eine ansteckende Krankheit,
die Alles angreift und vergiftet, was ihr zu nahe kommt -- Es ist eine
so feine als richtige Bemerkung: daß die Vielweiberei geradehin zu
einer unnatürlichen Liebe führt, so wie Aberglaube zur Atheisterey,
Verschwendung zum Geitze. -- Doch, diese Abschweifung sollte bloß den
Weg zu der Bemerkung bahnen, daß, so wie dem andern Geschlechte von den
Männern begegnet wird, die Männer sich von den Regenten begegnen lassen
-- Die Sklaverei, wenn sie auch nur im Kleinen, in einer einzigen
Beziehung, geduldet und geübt wird, macht über kurz oder lang alles zu
Sklaven. Bei einer gelinden, gemäßigten, eingeschränkten Regierung galt
das Frauenzimmer von jeher mehr, als in despotischen Staaten, wo die
Sklaverei der Weiber politisch nothwendig ist. Den Weibern ist ohne
Zweifel jene Gelindigkeit, Mäßigung und Einschränkung in der Regierung
zu danken -- Wo sie zum Worte kommen, stimmt sich Alles zur erlaubten
bürgerlichen Freiheit; zur erlaubten, sag' ich, und füge hinzu, daß die
Weiber zur despotischen Herrschaft von Seelen- und Körperswegen nicht
aufgelegt sind -- Zeigen sie Spuren vom Gegentheil, so waren Männer
ihre Verführer. Der fromme _Haller_ sagt:
_was Böses ist geschehn, das nicht ein Priester that?_
und ist Priester nicht ein Erzmann? ein Mann aus höherem Chor? Man
sagt, im Orient mache das Klima es nothwendig, daß die Weiber in
Festungen eingeschlossen werden, und der Zwang der Harems verbessere
ihre Sitten. Lieber! kann der Zwang Sitten verbessern, wenn du ihn dir
nicht selbst durch Grundsätze anlegst? oder ist die Tugend, die nicht
nur einer Schildwache, sondern einer ganzen Festung bedarf, so vieler
Umstände werth? Was muntert mehr zur Ehe auf: -- Hagestolzenstrafen --
Vaterprivilegien? oder eine tugendhafte Frau, die bischöflich nur Eines
Mannes Weib ist, und dies ihr Licht leuchten läßt vor den Leuten, daß
sie ihre guten Werke sehen? --
Welch ein Umgang ist reitzender, als unter Freunden und Freundinnen!
-- _Freundschaft_ kann freilich unter Einem Geschlecht existiren;
allein _Umgang_ nicht. -- Freundschaft, ächte Freundschaft ist eine
Schaumünze, die man nur im höchsten Nothfall angreift; Umgang ist
Ausgabegeld, für das wir tägliches Brot kaufen: und was wären wir ohne
ihn? Wie viele Menschen, die zu jener hohen Stimmung der Freundschaft
keinen Beruf empfingen, würden ohne Umgang lebendig todt seyn! Die
Freundschaft bittet nicht, sie fordert; sie borgt nicht, auch wenn ihr
Antrag noch so mächtig wäre, sie kassirt nur Schulden ein -- Freunde
befinden sich in Gemeinschaft der Güter des Lebens; ihr Sinnbild ist,
nach dem Ausspruche des _Aristoteles_: Eine Seele in zwei Körpern.
Zu historischen Belägen mögen _Damon_ und _Pythias_, _Orestes_ und
_Pylades_ dienen, deren Freundschaft stärker als Leben und Tod war.
-- Ein Alter hielt _den_ schon für äußerst glücklich, der nur _einen
Schatten_ von einem Freunde angetroffen hätte. Der Umgang, wenn
beide Geschlechter daran Theil nehmen, ist ein dergleichen Reich der
Schatten, ein Elysium diesseits des Grabes -- und an dem Eingange
stehen die Worte: hasse, als stände dir eine Zeit bevor, worin du die,
welche du jetzt hassest, lieben wirst; liebe die Menschen, als wenn
du dich nicht würdest entbrechen können, sie einmal zu hassen -- Ein
Fingerzeig, der ein Hochverrath am Tempel der Freundschaft seyn würde;
doch Freundschaft hat keinen Tempel, selbst nicht eine Kapelle von
Menschenhänden gemacht: das Herz ist ihr Heiligthum. Noch oft wird mich
das selige Wort _Freundschaft_ entzücken. -- Verzeihe, lieber _**s_,
daß ich hier abbreche; bald sehen wir uns wieder. -- -- --
Die Herren Alten hatten den Weibern die Schnecke zum Sinnbilde
ausersehen; allein durch sklavische Eingezogenheit verliert die
Ehe von beiden Seiten, und die Männer ohne Zweifel am meisten. --
Die Egyptischen Damen mußten mit bloßen Füßen ausgehen, damit sie
einheimisch blieben; und wer erinnert sich nicht an die Geschichte
jenes Weibes, das ein öffentliches, den Männern geheiligtes Haus
vorbeigegangen war? -- Dieser unbeträchtliche Umstand veranlaßte
eine Wallfahrt nach _Delphi_, um in heiliger Kürze und Einfalt zu
erfahren, was dieser Vorgang bedeute? Wer wollte nicht lieber an der
_Wirthstafel_, als bei _Lucullus_ vorlieb nehmen, wenn bei letzterem
die Menge der Leckerbissen das Vergnügen des Umganges und einer
gemischten Gesellschaft ersetzen sollte? -- Die Römische Sprache
scheint zum Umgange mit Frauenzimmern, und zum Umgange überhaupt,
wenig zu taugen, weil die Römer jenes Salz der Erde nicht kannten.
Zwar hat jede Nation in ihre Sprache Spuren ihrer Lieblingstugenden
und Lieblingssünden gedruckt: so kommen die technischen Benennungen
des Seewesens aus dem Holländischen; die Soldatenworte aus dem
Französischen, die Baukunst, die Mahlerei und Bildhauerkunst beweisen
durch ihre Ausdrücke, daß Italien ihr Vaterland ist, und das Jagdwesen
erkennet Deutschland für sein Revier: indeß scheinen alle neuere
Sprachen, die Deutsche selbst nicht ausgenommen, durch den Umgang mit
dem andern Geschlecht etwas Eigenthümliches erhalten zu haben, das der
alten Welt gebrach. -- Wenn das ewige Feuer, welches die Vestalinnen
unterhielten, dazu diente, Licht anzuzünden, wie ein allgemeiner
Brunnen, Wasser zu schöpfen; so ist es ein schönes Bild von dem
Dienste, den das schöne Geschlecht durch die Verfeinerung des Umganges
der Welt erwiesen hat: Wir alle haben bei ihm Licht angezündet; -- und
die Regel: »beherzige deinen Körper in der Einsamkeit, bilde deinen
Geist in der Welt, deinen Willen durch das Gesetz, deinen Verstand
durch Freiheit,« ist so richtig, wie irgend eine Regel es nur seyn
kann. -- Weiber sind berufen, angegriffen zu werden und sich zu
vertheidigen, und in beides eine so _feine Lebensart_ zu mischen, daß,
wenn sie nicht die Ehre verdient _Schamhaftigkeit_ zu heißen, diese
doch nicht ohne jene bestehen kann. Körperlicher Genuß, er sei von
welcher Art er wolle, ist kurz, und dämpft jenes beglückende sanfte
Feuer des Umganges eher, als daß er es dauerhaft machen sollte. -- --
Auch das Recht, das die Männer sich bloß anmaßten, die Weiber verstoßen
zu können, ohne es den letztern gleichfalls zuzubilligen, hat das
andere Geschlecht entwürdiget. Warum ward dieses Verstoßungsrecht nicht
wechselsweise und beiden Theilen verstattet? Das Weib würde sicher
von diesem Rechte nur selten Gebrauch gemacht haben, da der größte
Theil seiner Reitze, gleich Rosen, sehr bald dahin welkt, und da es,
nach wenigen in den Armen eines _Adams_ verlebten Wochen, so unendlich
viel minder gilt, wogegen sein _Adam_ unverwelklich bleibt. -- So
bald Mann und Frau die Trennung nicht gemeinschaftlich wollten, (in
welchem Fall' es Ehescheidung gewesen wäre) so hätte die Verstoßung
als eine bloße Gewaltausübung eine unerhörte Sache seyn müssen. Aller
dieser wunderbaren, das andere Geschlecht erniedrigenden Gesetze und
Gewohnheiten ungeachtet, wußten sich doch wenigstens Einige desselben
so auszuzeichnen, daß das ganze Geschlecht durch sie gewann; und es
ist -- zum unsterblichen Lobe des schönen Geschlechtes sei es gesagt!
-- in Hinsicht seiner der Fall am öftesten gewesen, daß man nicht
allgemein ein Recht ausübte, welches ein unnatürliches, ein hartes
Gesetz einräumte. Von dieser Seite sind Gewohnheiten (_consuetudines_)
das ehrwürdigste, das ich kenne; sie beweisen da, wo ihrer eine
ungewöhnliche Anzahl vorhanden ist, nicht unrichtig jenen großen, edlen
Menschendrang nach Recht, Billigkeit und Freiheit, und daß über die
bürgerliche Einrichtung der Mensch nicht verloren ging -- Was hülf' es
auch dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme Schaden an
seiner Seele!
Wie wär' es, wenn ich nach diesen Bemerkungen im Allgemeinen noch
einmal dem Römischen Rechte ein Rauchopfer anzündete und den Grund
der gesetzlichen Härte gegen das Frauenzimmer zu entwickeln suchte?
Jede Sache hat innere Data, die, wenn man sie mit Einsicht und
Bescheidenheit nutzt, die äußeren oft überwiegen; indeß hat es dem
Römischen Rechte nie an Helfershelfern, Commentaroren, Epitomatoren
und Auslegern gefehlt, und einem dieser gelehrten Herren gehört ohne
Zweifel die Behauptung, daß die _Eifersucht_ der Ursprung der meisten
weiblichen Rechte gewesen sei. Diese Behauptung indeß ist für mich
so wenig überzeugend, wie der Glaube lebendig ist, daß _schuldige
Verehrung_ und _Achtung_ hierzu den Grund gelegt haben. So entfernt
ich bin, den zweizüngigen _Prokop_, der den _Upravda_ in seinen acht
Geschichtsbüchern erhöhet und in seinen Anekdoten erniedrigt (recht als
wenn Jemanden das im Testament mit Lob und Dank zugebilligte Legat,
im Codicill mit Verachtung und Bitterkeit entzogen wird) nachzubeten,
und überhaupt auf die Rechnung eines Gesetzsammlers und Gesetzgebers
alle Fehler und Vorzüge eines zusammengebrachten Gesetzbuches zu
schreiben; so ist doch _Justinian's_ Schwäche gegen seine Gemahlin
_Theodora_ unleugbar, die weiland eine Komödiantin war, und der er
nicht wenig Einfluß in die Regierungsgeschäfte ja, wenn man will, in
das Allerheiligste derselben, die Gesetzgebung, einräumte. Warum gab
_Justinian_ seinen Liebesgrillen nicht eine andere Richtung? Wie sehr
übertraf ihn _Franz der Erste_, glorwürdigen Andenkens, der zuerst die
Sitte begann, daß Damen an den Hof kamen, als wodurch das, was man
_Hof_ nennt, eigentlich erschaffen ward! Ihnen zu Ehren wurden Bälle,
Komödien und Turniere angestellt, und _Franz des Ersten_ herzbrechendes
Sinnbild war ein Salamander in den Flammen, als ob er nicht anders
als in der Liebesgluth leben könnte. Bei seinen Hofleuten warf er
sich zum Werber und Ehebeförderer auf, und gern war er ein allezeit
fertiger Fürsprecher bei ihren Schönen. Traf er ein verliebtes Paar, so
verlangte er zu wissen, was es sich sagte, und mit Vergnügen, legte er
ihrer Zunge von seinem Salamanderfeuer Geist und Flamme bei. Freilich
war auch sein Gang kein Richtsteig; doch -- kam er der Sache nicht
näher, als der gesetzgalante _Justinian_, der das größte Sibyllinische
Buch, _die Welt_, dem schönen Geschlechte noch mehr verriegelte,
wogegen _Franz I._ es ihm öffnete? -- Wie konnte man überhaupt von der
damaligen Zeit, wo alle Gelehrsamkeit auf so schwachen Füßen stand oder
ging, Helden- und Meisterzüge der Gesetzgebung erwarten?
Es giebt, sagt man, nach der Verschiedenheit der weiblichen Rechte,
auch verschiedene Beweggründe zu ihrer Bewilligung -- und in jedem
Gesetz ist der Grund, weshalb es gegeben ward, am sichersten
aufzusuchen. Zwar ist es nicht immer der, welchen die gesetzgebende
Majestät anführt; indeß wird man über die Floskeln des angegebenen
Grundes sich eben so leicht wegsetzen, als wir heut zu Tage wissen,
wie wir uns mit dem _allgemeinen Besten_ und der _angestammten Huld
und Gnade_ einzuverstehen haben. Schwäche des Geschlechtes ist zum
Beispiel die Ursache, warum es keine Bürgschaft gültig übernehmen kann;
und da diese Schwäche selbst nach den _eigenen Worten des Gesetzes_,
nicht den Mangel an Überlegung andeutet: so scheint sie eher in
jener Gutmüthigkeit zu bestehen, die zu Menschen-Wort und Verheißung
nicht den Glauben verloren hat; und ist dieser _Glaube an Menschen_
Schwäche? Ist er es, so kann es von ihm in That und Wahrheit heißen:
wenn ich schwach bin, bin ich stark. Eine wohlgewählte Strafe für den
Betrüger würde vielleicht weit wirksamer seyn, als der _Vellejanische
Rathschluß_, da sie auch gutmüthige Männer aus der Verlegenheit zu
ziehen im Stande wäre; und wenn Lügen, als die Wurzel alles Übels, mit
der gehörigen Härte bestraft, oder auf eine sonst gute Manier aus der
Welt verbannt würden -- welch ein Gewinnst! Das Kindergebären, das
gemeiniglich zu den Hauptbeweisen der Schwäche gezählt wird, welche
die Gesetze dem schönen Geschlecht außerordentlich hoch anzurechnen
geruhen, legt geradezu ein Naturzeugniß seiner Stärke ab. Ich wünschte
nicht, daß dieses Geschäft an unser Geschlecht käme. Wie sehr würde
unser Heer von Stutzern, diese hybriden Geschöpfe, und wie noch mehr
der Staat zu bedauern seyn! Welch ein _Minus_ würde sich schon im
ersten Jahre an gebornen Kindern, und welch ein _Plus_ an gestorbenen
Kindbettern finden --! Zählt die Tage beider Geschlechter, welche
Krankheit zu heiligen erniedrigt; und ich wette, es wird in der Balanz
_Credit_ und _Debet_ beider Geschlechter sich heben. --
Auch die _Schamhaftigkeit_ wird als ein authentischer Grund der
weiblichen Rechtsunterdrückung -- wohl zu merken, von den Gesetzen
selbst! -- angeführt. Ein Grund, worüber sich die Schriftgelehrten
schämen würden, wenn sie das könnten! Wegen der Schamhaftigkeit soll
das schöne Geschlecht nicht Theil an gerichtlichen Handlungen nehmen?
Wie gütig die Gesetze sind! als ob in den Gerichten die Schamhaftigkeit
Gefahr liefe, oder gar aufgegeben würde! Was könnte denn hier zu
unerlaubten Begierden verleiten und ein von diesen entferntes Herz
dazu entflammen? Ehe _beide_ Geschlechter sich zu dieser Tugend
entschließen, und sich von jedem verführerischen Worte Rechenschaft
abfordern -- giebt es Schamhaftigkeit? -- und was gilt sie einseitig?
-- Die Schamhaftigkeit ist eine Tugend, die, wenn ich so sagen darf,
_in der Ehe lebt_; wenn sie nicht von Männern und Weibern zugleich
geübt wird, so artet sie in Ziererei und weibliche Taschenspielerkünste
aus -- Und wie? ist den Reinen nicht alles rein? Eine Ehefrau kleidet
eine edle Freimüthigkeit, ein unverstelltes Wesen, unendlich besser,
als jene klösterliche Heuchelei. Mit ungewaschenen Händen essen,
verunreinigt den Menschen nicht; und der Tugend sich mit seinem Munde
nahen, sie mit seinen Lippen ehren und das Herz von ihr entfernen --
ist das nicht ein Greuel?
Macht man indeß mehr auf einen reinen Mund Anspruch, als auf ein reines
Herz, so hat die Gesetzstelle gewonnen Spiel, welche (_L. I. § 5. D.
de postulando_) behauptet, daß man die weibliche Schamhaftigkeit in
Labyrinthe der Versuchung führen würde, wenn es dem schönen Geschlecht
erlaubt werden sollte, sich in Rechtsangelegenheiten zu mischen. O,
der überfeinen Besorgniß! Ist das Reich Gottes nicht in uns? Tugenden,
die nie das Glück gehabt haben, in Versuchung zu kommen, sind, wie die
Scheidemünze, von sehr verdächtigem Schrot und Korn, ob sie gleich
gemeiniglich den Vorzug haben in Cours zu bleiben. -- Jenes Recht der
Gegenwehr, kraft dessen wir allem widerstehen, was uns zu nahe zu
treten versuchen will -- wenn es nie in Anwendung gebracht wird, setzt
es nicht die Menschen über kurz oder lang aus aller Disciplin, so daß
sie zuletzt von ihren eigenen Schatten in die Flucht geschlagen werden?
Sind die schrecklichsten Schandthaten in der großen Welt oder in der
Einsamkeit empfangen und geboren? oder will man dem schönen Geschlecht
die Fähigkeit und das moralische Vermögen etwas zu thun oder zu lassen,
zu Deutsch _das Recht_ genannt, in bester Form Rechtens aberkennen?
Haben wir nicht bedacht, daß Recht aus der leidenden Verbindlichkeit
entsteht, und daß kein Recht seyn würde, wenn keine Verbindlichkeit
wäre? daß, wenn die Natur zu einem Zwecke durch ihr heiliges Gesetz
verbindet, sie auch den Schlüssel und das Recht zu den Mitteln
verliehen hat? Oder kann man ohne Mittel zum Zwecke gelangen? Stehet es
nicht jedem frei, das zu thun, ohne was er seiner Verbindlichkeit nicht
nachkommen oder sie nicht erfüllen könnte?