alle Handlungen, die mit den Personen und dem Vermögen des andern
Geschlechtes in Beziehung stehen, ohne einen gesetzlichen Beistand
ungültig sind und ohne allen bürgerlichen Effekt bleiben, deine armen
Unmündigen durch alle sittliche und bürgerliche Gesetze in eben dem
Maße wie die Männer verbunden werden! Selbst nicht bei Gesetzen wider
die Contrebande ist nach dem Curator die Frage, und ob in dessen
Assistenz dem Kaiser nicht gegeben ward, was des Kaisers ist -- und
doch ist ein Weib dem Staate nur durch den Mann verwandt und zugethan:
Nur _er_ huldigte ihm und seinen Gesetzen. Ist es Wunder, wenn Weiber
die Gesetze befolgen, wie die Nonne den Psalter singt? wenn sie den
ernsthaften Anordnungen des Staates eine Folie des Lächerlichen
unterlegen, und sich da noch Auslegungen derselben erlauben, wo blinder
Gehorsam erfordert wird? War je eine ärgere Löwengesellschaft? und
trift es irgendwo klärer ein, daß man größere Diebe laufen läßt, und
kleinere zu hängen sich nicht entbricht? Staaten, die zum Schutze der
Menschenrechte entstanden, entziehen ihn der Hälfte ihrer bürgerfähigen
Einwohner! -- Es ist natürlich, wenn der Wille sich da sträubt, wo
die Vernunft so viele Steine des Anstoßes und Felsen des Ärgernisses
findet -- -- Leiden einzelner Menschen (besonders wenn diese nicht
die verdammlichen Urheber davon sind) vollenden, und nichts was groß
war, kam ohne sie je zur Reife; Leiden aber, die einem ganzen Volke
nicht von der Natur und vom Schicksal, sondern bloß willkührlich
zugefügt werden, hemmen allen Muth: sie erschlaffen und entseelen die
edelsten Völker, so daß man ihre Stätte nicht mehr findet. -- Ewig
Schade um alle die Fortschritte, die durch jene männliche Grausamkeit
gehemmet werden! Welch ein Stoff muß im andern Geschlechte liegen, da
er allen diesen Hindernissen noch bis jetzt so stattlichen Widerstand
leistete! -- Doch, unmöglich könnten die Weiber noch seyn, was sie
sind, und die Lage behaupten, in der sie sich befinden, wenn nicht
Geschlechterneigung und Reitze ihnen Subsidien geleistet hätten. So hat
bis jetzt die Natur den Menschen noch nie ganz verlassen, wenn er ihr
auch unerkenntlich den Rücken kehrte! Ein gewisser glücklicher Zustand,
nach welchem den Menschen wenig zu wünschen, allein eben darum viel
zu befürchten übrig bleibt, macht sie unglücklich: -- sie erstreben
nichts; ihre Seele verliert den Schwung, ihr Geist das Geistige; und
so wie dieser glücklich-unglückliche Zustand das Schicksal vieler
regierenden Herren ist, die ihren Beruf nur von der Seite der Hoheit
und der Macht kennen, auf Kleinigkeiten fallen, und Nebendinge der
Regierung, oder gar solche die ihres Amtes nicht sind, zu Hauptsachen
erheben: so scheint er auch überhaupt auf dem königlichen Geschlechte
der Männer zu ruhen. Dieses sucht mehr durch Ausflüchte, als durch Muth
und Weisheit, den Gefahren zu begegnen; es spielt mehr den Herrn und
Meister, als daß es beides wäre; an Willkühr gewöhnt, verlernt es, auf
Mittel zu sinnen; zur Herrschaft geboren und erzogen, denkt es nicht
darauf sie zu verdienen; es vernachlässigt sich, da es keinen Anreitz
hat und zu keinem edlen Wettlaufe sich in seinem Hause anstrengen
darf; es fällt zusammen, da es sich nicht die Mühe giebt, sich gerade
zu halten. Man sage nicht, daß die Männer bei andern Männern Licht
anschlagen können; Tyrannen sind verzagt, und kriechen überall, wo sie
nicht befehlen dürfen. Wahrlich! nicht nur Weiber, sondern auch wir,
haben durch jene Herabwürdigung des andern Geschlechtes verloren --
wer am meisten? Ist es zum Beispiel ein Wunder, wenn das fräuliche
Geschlecht falsche Münze gegen falsche Münze wechselt, und die Tyrannei
des Herrn Gemahls mit Augendienst erwiedert? -- Ist es ein Wunder,
wenn alle beide sich das Leben verbittern, und bei dem wohlseligen
Hintritt des Herrn Gemahls -- Gott tröste ihn! -- die am pompreichen
Leichengerüste wohlangebrachten Genien die einzigen sind, die ohne
End' und Ziel, Thränen vergießen, womit sie den letzten Funken der
umgekehrten Fackeln auslöschen, während die trostvolle Frau Wittwe,
unter einer ehrwürdigen Decke, ihre Rolle meisterlich spielt und
fröhlich und guter Dinge ist? -- Von Anbeginn ist es nicht so gewesen.
III.
WOHER DIE ÜBERLEGENHEIT DES MANNES ÜBER DIE FRAU ENTSTANDEN?
RÜCKBLICKE AUF DIE ÄLTESTE ZEIT.
Wenn die Weiber mit den Männern von der Natur zu gleichen Rechten
berufen sind; wenn sie sich im Besitz von gleichen Körper- und
Geistesanlagen befanden und zum Theil noch befinden: _wo_, _wann_
und _wie_ entstand denn die Überlegenheit des Mannes über das Weib?
was gab dem Manne das Schwert in die Hand? und was verwies das Weib
an die Spindel? Diese Fragen, die jeder sich aufwerfen muß, der zu
fragen versteht, wenn gleich die größere Kunst zu antworten ihm nicht
gegeben seyn sollte, haben allerdings nicht wenig von der Natur
jenes weltberühmten Knotens, der, da er geschürzet war, auch wieder
hätte aufgelöset werden sollen, den aber _Alexander_, nach der Weise
vieler unserer Dichter, zu zerhauen die unästhetische Dreistigkeit
hatte. Ständen wir dem _Wann_ und _Wo_, der Zeit und dem Raume nach,
näher; so würde es wahrscheinlich keines _Oedips_ bedürfen, um bei
dieser Meisterfrage eine akademische Prämie von dreißig Silberlingen
zu gewinnen, und das _Wie_ obendrein zur allgemeinen Befriedigung zu
beantworten. Allein da über das _Wann_ und _Wo_ in keiner Chronik
und keiner Topographie ein todtes, geschweige denn ein lebendiges,
Wort zu finden ist; so müssen, bis die Hieroglyphen an den Pyramiden
enthüllt seyn werden, oder bis uns ein bisher verborgenes Denkmahl
darüber seine Aufschlüsse nicht länger vorenthält, das _Irgendwo_ und
das _Irgendwann_ bei dieser großen Katastrophe zur Unterlage dienen,
und das _Wie_, in Ermangelung der Geschichte, durch eine Conjektur
der Vernunft aufgelöset oder -- zerhauen werden. Alles, wobei es auf
Thatsachen ankommt, kann nur bis auf einen gewissen Zeitpunkt hin
verfolgt werden. Da wo die Sonne der Geschichte untergeht und sogar der
Mond der Fabel sein entlehntes Licht entzieht, bleibt der Vernunft
nichts übrig, um sich zu orientiren, und sie irret in dem unbegrenzten
Meere der Möglichkeit, ohne zu wissen, woher und wohin? Was hier über
Geschichte und Fabel hinausgeht, ist (da die ersten Sagen der Völker
davon, als von einer Sache, die vor ihnen war, sprechen) derjenige
Zustand des Menschen, wo jedes einzelne Individuum, ohne einige
Verbindung mit andern seiner Art, in der vollkommensten Unabhängigkeit,
bloß von den Früchten des Bodens den es durchstrich, lebte, ohne durch
eine andere Zubereitung, als die man von der Natur selbst erhielt,
ihr zu Hülfe zu kommen. Die Menschen hingen vom Boden und sonst von
nichts weiter ab -- Ob es einen dergleichen Zustand wirklich gegeben?
ob je der Mensch (das geselligste unter allen bekannten Thieren, trotz
jenen frommen Orang-Utangs in der Thebaischen Wüste, und ihren jüngeren
Brüdern, die es doch behaglicher gefunden haben, sich aus Eremiten
zu Cönobiten umzuformen) in einem solchen Zustande war -- mag _Hans
Jakob_ verantworten, an dessen Grabe es heißt: _Ici_ _reposé l'homme
de la nature et de la vérité_ -- Dergleichen Hans Jakobsche Kinder
der Natur hat weder _Colombo_, noch sein Märtyrer von Nachfolger,
_Cook_, gesehen -- Allenthalben wo diese hinkamen, waren schon die
ersten Umrisse der Gesellschaft gezeichnet, Familienverhältnisse
(wenn gleich unvollkommen) gegründet und Spuren (wiewohl freilich oft
nur sehr schwache) von Cultur und Kunstprodukten vorhanden. Bei den
allerrohesten Völkern fanden sie schon Hütten, eine Art von Zubereitung
der Nahrungsmittel, und bei den meisten auch die ersten Anfänge zu
einer Bekleidung des Körpers. Wo sie sich lange genug aufhielten, und
wo es ihnen glückte, sich durch Zeichen zu verständigen, überzeugten
sie sich, daß diese dem Naturstande anscheinend so nahe angränzenden
Menschen schon lange, und weit über ihre Überlieferungen hinaus,
immer an dieser Stelle und diesem Orte gestanden hatten. Auch nicht
die mindeste Ahndung ging unter ihnen im Schwange, daß es außer dem
Punkte, wo sie sich befanden, noch andere ober- oder unterwärts geben
könne. So einfach und in so geringer Zahl ihre Familien-, Haus- und
Nahrungsgeschäfte auch immer seyn mochten, da ihre Bedürfnisse noch
wenig über die der thierischen Natur hinausgingen; so leicht ihre
Nothdürftigkeiten gestellt werden konnten, da die Kunst sie nicht
verwöhnt hatte: so waren unter den beiden Geschlechtern doch schon
_Casten_ errichtet, und eine Scheidung vorgefallen in dem, was Gott
zusammen gefügt hat. Je unvollkommener auf der Einen Seite hier die
gesellschaftliche Verfassung war; je schwerer es fiel, das thierische
Bedürfniß zu befriedigen, weil die Natur den Boden, oder die Wälder
(die königlichen Residenzen dieser Menschen) oder die Flüsse und Meere
nur karg mit den Mitteln dazu ausgestattet hatte: um desto härter
war das Loos, welches dem weiblichen Theile dieser halbgezähmten
Menschenklasse fiel. Das Leben des Mannes war vorzüglich zwischen
Genuß und Ruhe getheilt, wenn ihn nicht dringendes Bedürfniß zur Jagd
oder zum Fischfang aufforderte. Das Weib begleitete ihn nur selten
als Gehülfin, weil ihm die Pflicht die Speisen zu bereiten oblag,
während das Mannthier seine Glieder in der Sonne dehnte. Freilich nur
schwache, unbefriedigende Data zur Auflösung der aufgeworfenen Frage;
indeß doch etwas, um uns auf _Mehr_ zu bringen -- wie jene Übermacht
entstand, welche auf die eine Hälfte des menschlichen Geschlechtes
alles _Lästige_ wälzte, und sich dagegen allen _Vortheil_ weislich
vorbehielt. -- Scheint nicht die Natur durch Schwangerschaft und
Geburt den ersten Fingerzeig _zu diesem Verlust über die Hälfte_, bei
der Theilung des menschlichen Werthes, gegeben zu haben? Wenn dieses
Antheil, das den Weibern zufiel, auch noch so sehr erleichtert wird;
wenn es auch noch so köstlich ist: -- kann es auf eine andere Rubrik
als auf Mühe und Noth gerechten Anspruch machen --? Der Mann scheint
zum Vergnügen berufen zu seyn, das Weib dagegen zu Kummer und Elend --
Wenigstens liegen in dem Familienverhältniß, in der Art und Weise wie
die Keime der Geselligkeit sich zuerst bei den Menschen entwickelten
und worauf ihn vielleicht das Zeugungs-Geschäft brachte, entfernte
Winke und Hieroglyphen, wodurch der gesellschaftliche Zustand, welcher
dem menschlichen Geschlecht einen so erstaunlichen Schwung gab, der
Einen Hälfte des Geschlechtes so nachtheilig ward -- Wiederholung der
nämlichen Umstände pflegt die Dürftigkeit derselben zu bedecken, als ob
Ermüdung Ergänzung wäre; und selbst unsere Philosophen sind oft in dem
Falle jenes Kranken, dem der Arzt erlaubte, täglich einen Löffel voll
Wein zu nehmen, und der sich einen Löffel von vier Quart machen ließ
-- sie sind da am beredtsten, wo sie am kürzesten seyn könnten, weil
sie hier am wenigsten wissen. -- Es sei mir erlaubt, jene Data durch
Rückblicke auf die Geschichte, das Noth- und Hülfsbüchlein in allen
Lebensfällen, zu verstärken oder zu schwächen -- meine Leser mögen den
eigentlichen Ausdruck suchen; doch, wenn ich bitten darf, nicht auf
meine Kosten, sondern mir zum Besten.
Schon in den ältesten urkundlichen Nachrichten über den
gesellschaftlichen Ursprung der Menschen, finden sich Spuren von einer
Ungleichheit der beiden Geschlechter, und von Zurücksetzungen des
weiblichen -- wohin auffallend die Vielweiberei gehört.
Wie despotisch ist der Gedanke, daß ein Mann sich befugt halten
konnte, mehr als Ein Weib zu besitzen, indem bei einer Berechnung an
den Fingern sich herausbringen läßt, daß er durch diese Verschwendung
Andere zum Darben bringt! Wahrlich, die Vielweiberei ist ein Umstand,
der sich weder mit Seele noch mit Körper verträgt, und nicht nur
der Vernunft, sondern selbst einer Leidenschaft widerspricht, die
(wie die Kinder reicher und vornehmer Leute) durch die Schule der
Vernunft gelaufen ist. Wo ein Mann mehr als Ein Weib hat, wird jener
Tyrannenrath erfüllt: Theile und regiere (_divide et impera_). Die
Weiber mußten auf diesem Wege des ihnen so nachtheiligen männlichen
Luxus ihre Abhängigkeit im höchsten Grade fühlen; und wenn gleich die
Sultanin des Tages sich einen Vorzug vor ihren Colleginnen anmaßte: so
währte dieses Ansehen, das sie sich gab, doch nicht lange, und bald
überzeugte sie sich, daß unter Sklavinnen keine Rangordnung Statt
finde.
Die Geschichte der _Sara_ und _Hagar_ scheinet zu beweisen, daß die
Kebsweiberschaft nicht gleich anfänglich bloß in dem eignen Belieben
des Mannes gestanden, und daß er anfänglich verpflichtet gewesen, die
Genehmigung seiner Frau einzuholen, eh' er sich ein Kebsweib beilegen
konnte. Auch scheinet sich aus dieser Kebs-Geschichte zu ergeben, daß
dergleichen Contrakte nicht auf die ganze Lebensdauer gegangen, und daß
oft noch vor Ablauf der contraktmäßigen Zeit der Engel des Gewissens,
und der Schutzgeist warnender Umstände dem Manne zugerufen:
_stoß die Magd hinaus mit ihrem Sohne!_
Schon hab' ich mein Herz ausgeschüttet, daß der erste Grund zu der
männlichen Anmaßung eines Vorzuges vor dem Weibe, in dem Gange
aufzusuchen sei, den die Bildung des gesellschaftlichen Zustandes
nahm. Ob die Art, wie die geselligen Keime sich bei den Menschen
entwickelten, die einzig mögliche; oder ob unter mehreren möglichen
_die_, auf welche die Menschen von der Natur geleitet wurden, der
schmale Weg sei, der zum Leben führet: das sind Nebenfragen, die,
so wie ihre Stammmutter, vielleicht noch lange, vielleicht immer,
unentschieden bleiben werden.
So viel scheint ausgemacht, daß diese Keime sich überall durch ähnliche
Veranlassung entwickelt haben müssen, indem sie (ein Beweis, dessen ich
gern entübriget wäre) für das weibliche Geschlecht einerlei nachteilige
Folgen hervorgebracht haben. Die Gesellschaft ist die Quelle alles
Glücks und alles Unglücks, das je dem menschlichen Geschlechte zufiel;
und noch ist nicht erschienen, was die Menschen durch sie werden
können und durch sie -- seyn werden. Wir wissen aber, daß, wenn es
erscheinen wird, wenn wir das heilige Gesetz beobachten, und dasselbe,
so wie Gott, nicht fürchten sondern lieben, wir Gott ähnlicher seyn
und die Krone des Lebens tragen werden. Eine Hoffnung, die _Plato_
nicht den _Traum des wachenden Menschen_ nennen muß, und bei welcher
Glaube an das menschliche Geschlecht zum Grunde liegt. Könnt' ich doch
hinzufügen: _wahrer und lebendiger Glaube!_ aber noch ist solcher in
Israël nicht gefunden -- Dieser Glaube ist _Welt-Patriotismus_.
Darf ich mir ein- für allemal die Erlaubniß auswirken, rückblicken zu
dürfen, ohne von irgend einer kritischen Feder das Schicksal von _Loths
Weibe_ zu befürchten zu haben?
Zum Fischefangen und Vogelstellen hat jeder Mensch noch immer einen so
besonderen Hang, daß gereimte und ungereimte Warnungstafeln aushängen
müssen, um den Menschen von diesen Urbeschäftigungen abzuleiten, und
ihn, bei den erweiterten und verzärtelten Bedürfnissen, zu andern
nothwendig gewordenen künstlichern Nahrungsquellen zu gewöhnen.
Der bekannte _St. Evremont_ war bis an sein Ende wohlbestallter
Entenhüter zu St. James; jener Schweizer in Frankreich erbat sich die
Anwartschaft auf die Hofstelle des Rhinoceros -- jener Gelehrter bei
dem Hofe FRIEDRICHS II den vacant gewordenen Atheistenplatz; und zu
wie vielen Rhinoceros- und Atheisten-Posten müssen sich Menschen nicht
herablassen, um ihr tägliches Brot nach der heutigen Auslegung zu
erreichen, wovon der Vogelsteller und Fischfänger kein lebendiges Wort
wußte, keinen Traum oder todten Gedanken kannte!
Ob Jäger _Esau_ auch ein Fischfänger gewesen, ist nicht bemerkt, und
die Herren Juristen würden ohne allen Zweifel einen artigen Fang
machen, wenn es _ausgemittelt_ wäre, (ein Lieblingswort dieser Herren,
die doch so oft _zweckreich_ und _mittelarm_ zu seyn pflegen) daß der
Fischfang schon in den ältesten Zeiten unter der Jagd begriffen gewesen
sei.
Warum das weibliche Geschlecht sich nicht die blutarme Fischerei
zugeeignet habe, um dem nach Blut dürstenden Manne das Wild zu
überlassen? ist eine Frage, die sich bei dieser Gelegenheit von selbst
aufwirft. Vielleicht nahm das Weib an allem Theil -- vielleicht stand
es dem Manne nirgends nach; vielleicht hinderten es nur die letzten
Stunden der Schwangerschaft, und sechs Stunden nach der Niederkunft,
an den Geschäften des Oberjägermeisters, seines Mannes, unmittelbaren
Antheil zu nehmen -- Die Gottheit der Jagd, _Diana_, war bei den
jüngeren Alten _generis foeminini_ --
Dieser Stillstand, den Schwangerschaft und Niederkunft verursachten,
war, von so kurzer Dauer er auch immer seyn mochte, ohne Zweifel der
Grund des weiblichen Falles. In diesen Zwischenzeiten der Muße war
es vielleicht, wo das Weib, durch einen dem Geschlecht eigenen und
mit seiner Bestimmung vielleicht genau zusammenhangenden Instinkt
zu sparen, sich sein Sklavenschicksal bereitete. Warum folgte es
nicht der göttlichen Lehre: »sorget nicht für den andern Morgen; es
ist genug, daß ein jeder Tag seine eigene Plage habe!« So lange die
Nahrungsquellen ergiebig waren, fiel dem Manne nie der Gedanke an das
Aufbewahren ein; sein Jagdrevier war seine Speisekammer, zu der alles,
was Leben und Odem hatte, gehörte -- eine lebendige Speisekammer,
bei der er vor dem verdorbenen Geschmack an faul gewordenem Wildbret
sehr sicher war! einem Geschmack, der bei allem -- das leidige Geld
nicht ausgenommen -- Statt findet, was man in Scheuren sammelt, denen
ohnedies das Motto angeschrieben ist: _du N_ -- _heute wird man deine
Seele von dir fordern; und was wird seyn das du gesammelt hast?_
-- Doch auch dem Geitzhals, dem Teufel, muß man einen Vertheidiger
beiordnen --; und in der That ist die Sorge für den andern Morgen, wenn
sie rechter Art ist und in ihren Schranken bleibt, eine nicht gemeine
Vernunftäußerung. Der Gedanke: »heute ohne Hunger zu jagen, um morgen
nicht aus Mangel an Wildbret fasten zu dürfen,« enthält -- ungeachtet
jener göttlichen Lehre, für den andern Morgen nicht zu sorgen -- so
viel Überlegung in sich, wie in den Köpfen einer ganzen Heerde von
Wilden nicht Platz hatte. Auch hier mußte das Weib dem Manne aushelfen,
und wo es auf Vernunftgebrauch ankam, scheint immer das Weib die Bahn
gebrochen zu haben. Jene Verlegenheit, in die es die letzten Stunden
der Schwangerschaft und die ersten nach der Geburt verwickelten,
leitete es, kraft des instinktartigen Gefühls, zur Selbsterhaltung,
die ihm wegen der Erhaltung des Säuglinges noch dringender ward, an
der Hand der Vernunft, weise und mächtig auf Vorrath zu denken, sich
heute etwas zu entziehen, um morgen nicht ganz entbehren zu müssen.
Diese Aufbewahrung von Vorräthen, welche anfänglich bloß gelegentlich
und nur so lange geschah, als es die Umstände verlangten, ward nach
und nach, je nachdem die Menschen sich mehrten und die Nahrungsquellen
ärmer wurden, wiederholt, und mit der Zeit beständig. Wenn es wahr
ist, daß in vielen Fällen Thiere die Lehrer der Menschen gewesen sind;
so wird das Vorrathsammeln ohne Zweifel zu dem Lektionskatalogus
dieses Unterrichtes gehören. Der Instinkt (der sich zur Vernunft, wie
der Tanzbärleiter zum Hodogeten, verhält) hat seine Kinder schneller
und sicherer an Ort und Stelle gebracht, als die sich Zeit nehmende
kalte Vernunft die werthen Ihrigen. Gewiß sammelten die Biene und die
Ameise früher als der Mensch; vielleicht versteckte das Alterthum
diese Wahrheit unter der Fabel von den Myrmidonen. -- Nicht etwa bloß
Neugierde, wie einige wollen, sondern Beobachtungsanlage lenkte
ohne Zweifel zuerst das Weib auf diese Experimental-Unterweisung.
Vorräthe erforderten beständige Aufsicht, nähere Einrichtung und
Bearbeitung; und so entstand Hausrath. Irgend ein Zufall, und ohne
Zweifel die Anhänglichkeit mancher Thiere an den Menschen, lehrte ihn
(wahrscheinlich zuerst das Weib), einige Gattungen von Thieren zu
seinem beständigen Brauch und Dienste zu zähmen; und so vermehrte sich
durch diese Dienstboten, die man im Falle der Noth auch zur Nahrung
nahm, der Haushalt. Jetzt mußten die Geschäfte getheilt werden; und
da wählte denn der Mann die Jagd, das Weib den Haushalt. So ward das
Weib allmählich die Befehlshaberin der Hausthiere, und eh' es sich's
versah, das erste Hausthier selbst. Das arme Weib! Doch was kann weiter
befremden? ward es doch durch jene Revolution, wodurch es die Freiheit
an's Licht brachte, eine Sklavin!