Die Belagerung war vollständig; an vierzehntausend Mann umschlossen
die Stadt, von denen drei- bis viertausend unter Gordons Befehl
standen. Außerdem waren noch etwa fünfundzwanzigtausend Mann
kaiserliche Truppen in der Nähe; Fusan war ihr Zentrum. Die Taipings
zählten vierzigtausend in der belagerten Stadt, zwanzigtausend in
Wusieh und weitere achtzehntausend zu Matantschiao, wo Tschung Wang,
der Getreue, den großen Kanal beherrschte.
Gordon wußte all dies, aber er wußte auch, daß der Getreue nur auf die
Gefahr hin näher rücken konnte, Nanking bloßzustellen und Hangtschau
preiszugeben. Tschung selbst war sich darüber klar, daß Nanking hart
bedrängt war und daß der Fall der Hauptstadt dem »großen Frieden«
den Todesstoß versetzen würde. Die Außenwerke von Nanking waren zum
Teil schon in Feindeshand. Gordon wußte dies, denn die Kaiserlichen
hatten eine Staffette abgefangen; und er beschloß, Sutschau auf der
Nordseite zu stürmen. Der Angriff geschah nachts, mißlang aber, denn
die innere Reihe der Außenwerke war stark befestigt und wohl bemannt.
Die Angreifenden trugen weiße Turbane, um sich nächtlicherweile
untereinander zu erkennen. Es schien zuerst, als ob der Überfall
gelingen sollte. Gordon an der Spitze seiner Vorlinien hatte den
Wall schon erstiegen, aber ein mächtiges Feuer der plötzlich in
Masse erscheinenden Taipings hinderte seine Unterstützungskolonnen
am Vordringen, und so mußte auch er wieder zurückweichen. Ein Kampf
bei Nacht mochte den Rebellen übrigens nicht behagen; wirklichen Mut
schien nur noch der Moh Wang zu haben, der sich wie ein Löwe in den
vordersten Reihen wehrte, ohne Schuhe und ohne Strümpfe mitten unter
den Gemeinen kämpfend. Zwanzig Europäer hielten sich zu ihm.
Am andern Morgen hatte General Tsching eine Unterredung mit dem
Taiping Kong Wang und erfuhr von diesem, daß unter den Wangs
in Sutschau große Uneinigkeit herrsche; außer dem Moh Wang und
fünfunddreißig zu ihm haltenden Unterbefehlshabern wären die Anführer
bereit, mit dreißigtausend Mann zu kapitulieren. Denn trotz des
zurückgeschlagenen nächtlichen Angriffs wüßten die Wangs nur zu
gut, daß Sutschau fallen müsse; sie schlügen daher vor, daß Gordon,
um ihnen einen gewissen Schein zu retten, einen zweiten Angriff
aufs Ostthor mache, wobei sie dem Moh Wang den Rückweg in die
Stadt abzuschneiden gedächten, um dann ihrerseits mit dem Feind zu
unterhandeln.
Am 29. November schoß Gordons Artillerie die Palissadenverschanzung
zusammen und der Angriff erfolgte. Es war eine heiße Arbeit. Gräben
voll Wasser mußten durchschwommen und Wälle erstiegen werden. Der
Getreue selbst war von Wusieh her zu Hilfe gekommen und verteidigte
die Stadt. Da ereignete es sich, daß Gordon, der mit einer Handvoll
Leute ungestüm vordrang, plötzlich einen Haufen Taipings im Rücken
hatte und so von den Seinen abgeschnitten war. Zurück konnte er
nicht, wollte es auch nicht, also vorwärts! Er eroberte eine Redoute
und hielt sich, bis Verstärkung sich zu ihm durchschlagen konnte.
Die errungene Position, die er fast allein gewonnen, kam einem
vollständigen Siege gleich, aber er war teuer erkauft. Neun Offiziere,
meist Engländer, waren gefallen, dazu fünfzig Gemeine und es gab viele
Verwundete. Aber am folgenden Tag konnte er eine Proklamation an seine
Leute erlassen des Inhaltes, daß Sutschau faktisch erobert sei.
Es dauerte nicht lange, so hatten Gordon und der kaiserliche General
Tsching eine Zusammenkunft mit den Wangs. Immer noch besorgt, sich
den Schein zu wahren, schlugen diese jetzt vor, daß ein Angriff auf
die Stadt selbst geschähe, wobei sie versprachen, sich nicht bei der
Abwehr zu beteiligen, vorausgesetzt, daß die Kaiserlichen ihnen bei
der Einnahme die persönliche Sicherheit garantierten. Selbst unter
solchen Umständen war der Angriff mit Schwierigkeiten verbunden; die
Stürmenden konnten nicht viel über fünftausend Mann beibringen, ein
breiter Graben umgab die Stadt und vom Ostthore hin zog sich eine
unabsehbare Reihe von Schanzen. Als der Na Wang Gordon vorschlug,
die Stadt im Sturm zu nehmen, erklärte dieser daher rundweg, daß es
dann unmöglich sein würde, den Soldaten das Plündern und Brennen zu
verbieten, und fügte hinzu, wenn es den Wangs wirklich ernst sei mit
ihren Vorschlägen, sie ihre Aufrichtigkeit damit bekunden sollten, daß
sie dem Feinde ein Thor überließen; wollten sie das nicht, so sollten
sie die Stadt entweder räumen oder um den Besitz fortkämpfen, so lange
sie sich würden halten können. Daraufhin erklärten sie sich bereit,
die Übergabe der Stadt durch Überlassen eines der Thore ins Werk
zu setzen; und während General Tsching die Unterhandlungen zu Ende
führte, machte Gordon sich alsbald auf den Weg, um beim Gouverneur die
Sicherheit der Besatzung zu beantragen.
Übrigens war die Übergabe noch nicht vollzogen. Als der tapfere
Moh Wang erfuhr, was seine Mit-Wangs im Schild führten, erfaßte
ihn ein gewaltiger Ingrimm, und er versammelte sie alsbald um sich
zum Kriegsrat. Er war der Oberbefehlshaber der Stadt. Es mag eine
seltsame Szene gewesen sein, als nach der festlichen Mahlzeit und dem
obligatorischen Gottesdienst diese Würdenträger mit ihren Kronen und
Königsgewändern sich im Halbkreis um den Moh Wang scharten. Sofort kam
es zu einem Wortwechsel. »Übergabe!« schrien die Wangs durcheinander.
»Wir halten Sutschau bis zum letzten Mann!« entschied der Moh Wang. Da
fuhr der Kong Wang auf, den Königsmantel von sich werfend, und stieß
seinen Dolch dem Moh Wang neunmal in den Rücken. Miteinander trugen
sie den Gemordeten hinaus und zerstückten seinen Leichnam. Gordon
erfuhr diese Mordthat, als er eben von seinem Liebesritt zurückkehrte
und das Versprechen von Li mitbrachte, dem Moh Wang und seinen
Gefährten solle kein Leids geschehen. Er hatte den Moh Wang um seiner
mannhaften Tapferkeit willen hochgeschätzt.
In jener Nacht ergab sich Sutschau.
Um, wenigstens so viel an ihm lag, die Plünderung zu verhüten,
zog Gordon sein Korps auf einige Entfernung von der Stadt zurück,
verlangte aber in Anerkennung ihrer Leistungen doppelte Löhnung
für die Truppen auf zwei Monate. Allein Li handelte die Belohnung
auf einen Monat herunter, was die Soldaten so verdroß, daß ihr
unzufriedenes Gemurre fast in offene Meuterei überging. Ein paar
Stunden Plünderung wäre ihnen lieber gewesen als alle Löhnung. Gordon
konnte sich nur damit helfen, daß er seine Siegreichen nach Kuinsan
zurück marschieren ließ.
Was die nun folgenden Ereignisse betrifft, so mochte Gordon füglich
erwarten, daß er eine Stimme im Rat habe, besonders rücksichtlich des
Schicksals der Wangs. Ohne ihn und seine Leute hätten dieselben noch
lange stand gehalten; und er, der sein eignes Leben nie der Gefahr
entzog, dessen Todesverachtung die Armee mit Siegesmut erfüllte,
mochte wohl denken, daß er vor allen das Recht habe, dem überwundenen
Feind das Leben zu schenken. Li und Tsching wußten auch recht wohl,
daß eine menschliche Behandlung der Überwundenen nach europäischen,
bezw. nach christlichen Grundsätzen beobachtet werden müsse, wo Gordon
mitzureden hatte. Li hatte es diesem bestimmt zugesagt, daß Gnade
vor Recht ergehen solle, hatte ihm sozusagen das Leben der Wangs
geschenkt. Wie wurde aber dieses Versprechen gehalten!
Von Kuinsan zurückkehrend, betrat Gordon, nichts ahnend, die gefallene
Stadt, von seinem jungen Dolmetscher begleitet. Er begab sich nach des
Na Wang Wohnung. Dort fand er sämtliche Wangs im Begriff aufzusitzen.
Li erwarte sie außerhalb der Stadt, um die Schlüssel der Thore von
ihnen entgegenzunehmen. Es sei alles in Ordnung, versicherte Na Wang,
und daraufhin sah Gordon sie ruhig ziehen, um so mehr, als Tsching ihn
erst kürzlich versichert hatte, der Gouverneur habe eine allgemeine
Amnestie erlassen. In aller Gemütsruhe schlenderte Gordon durch sie
Stadt, sorgte für des Moh Wang Begräbnis und erreichte nach einiger
Zeit das Ostthor, wo ein Haufe Kaiserlicher ihm lärmend entgegen kam.
Er blieb stehen und forderte die Soldaten zu ruhigerem Benehmen auf,
damit sie die Einwohner nicht unnötig alarmierten. Während er noch
redete, betrat der General Tsching selbst die Stadt und erblaßte, als
er Gordon sah. Dieser erkundigte sich alsbald nach den Wangs, die der
Zeit nach längst von ihrer Audienz zurück sein mußten, worauf Tsching
etwas hervorstotterte und sich in Ausreden verwirrte. Da schöpfte
Gordon Verdacht und kehrte eiligst nach des Na Wang Hause zurück.
Er fand es zerstört; die Plünderung hatte begonnen. Ein Oheim des
Na Wang, der ratlos umherlief, bat ihn inständig, mit ihm in seine
Wohnung zu gehen, um ihm behilflich zu sein, die Frauen des Na Wang
in Sicherheit zu bringen. Er zögerte einen Augenblick, waffenlos wie
er war, allein das Weibervolk erbarmte ihn; er beschloß, der Bitte
Folge zu leisten und alsdann mit Hilfe seiner Leute dem Plündern der
Kaiserlichen wo möglich zu steuern.
Man sollte denken, daß Li den heldenmütigen Gordon, dem er so viel
verdankte, wenigstens vor dem Betreten der Stadt hätte warnen
lassen; aber davon war keine Rede. So hatte sich Gordon in der That
unwissentlich als Geisel gestellt, während der treubrüchige Futai
die Wangs draußen enthaupten ließ. Die lärmenden Kaiserlichen, denen
er begegnete, kamen gerade von der Hinrichtung, der Tsching selbst
beigewohnt hatte. Gordons Lage war um so bedenklicher, als er sich
in völliger Unwissenheit befand. Hätten die Taipings, die alsbald
zu Tausenden das Haus umstellten, mehr gewußt als er, er wäre nicht
lebendig aus ihren Händen gekommen. So aber betrachteten sie ihn
als Geisel, bis sie ihre Anführer wieder sähen. Bis zum folgenden
Morgen befand er sich völlig hilflos unter den Taipings, die von der
vertragswidrigen Plünderung wohl auf Schlimmeres schließen mochten;
aber es geschah ihm kein Leid. Wer weiß, ob die Leute nicht halb
unbewußt in ihm den festen Mann erkannten, der ihnen Treue halten
würde, wenn alle anderen sie brächen. Jedenfalls hat wohl selten ein
Heerführer inmitten seiner geschlagenen Feinde dem Tod näher ins Auge
geschaut als er; allein über Gordon wachte ein Höherer, dem er diente
und der ihn zu noch Größerem brauchen wollte.
Am nächsten Morgen hatte er die Taipings soweit gebracht, daß
sie ihm gestatteten, seinen Dolmetscher mit einem Brief an sein
Boot zu entsenden, das vor dem Südthor vor Anker lag. Nichts kann
bezeichnender für unsern Helden sein, als die Thatsache, daß das
Schreiben auch nicht ein Wort über seine eigene Lage enthielt, wohl
aber den Befehl an den Kapitän seiner Flottille, den Gouverneur
Li gefangen zu nehmen und ihn festzuhalten, bis die Wangs in
Sicherheit wären, ein prächtiger Plan, der aber leider mißlang.
Der Taipingführer, der den Dolmetscher begleitete, kam allein mit
der Nachricht zurück, die Kaiserlichen hätten dem Jungen den
Brief abgenommen und denselben zerrissen. Darauf hin gestatteten
die Taipings ihrem Gefangenen, sich selbst auf den Weg zu machen.
Unterwegs wurde auch er von Kaiserlichen überfallen, die ihn wohl
nicht kannten, aber es gelang ihm von ihnen loszukommen und das
Ostthor zu erreichen, wo seine Leibwache lag. Diese entsandte er nun
sofort zum Schutze der Taipings, die ihn die Nacht durch festgehalten
hatten.
Es war immer noch sein Vorsatz, den Li gefangen zu nehmen. Während er
zu diesem Zweck auf seinen Dampfer wartete, stellte Tsching sich zu
einer Unterredung ein; aber Gordon weigerte ihm das Wort. Da schickte
der General einen seiner Offiziere, aber diesem fehlte der Mut, dem
entrüsteten Briten die Wahrheit zu sagen. Auf Gordons Frage nach den
Wangs entgegnete er, er wisse nichts, doch sei des Na Wang junger Sohn
in der Nähe, der werde wohl Bescheid geben können. Und von dem Sohne
eines der Gemordeten erfuhr denn Gordon endlich, daß bei Gelegenheit
der Audienz die Hinrichtung stattgefunden hatte. Er ließ sich sofort
übers Wasser rudern und fand die kopflosen Leichname der Wangs
zerhackt und zerstückt.
»Ich fand sechs Leichen«, schrieb er, »und erkannte des Na Wang
Kopf.«
Wohl selten in seinem Leben ist ihm etwas so nahe gegangen. Er
vergoß Thränen vor Leid und Entrüstung, vor Scham und Zorn. Überdies
erachtete er seine Ehre angegriffen durch die unmenschliche That.
Er hatte den Wangs zwar nicht sein Wort gegeben -- das konnte er
nicht -- aber er hatte von vornherein mit ihnen in der Voraussetzung
verhandelt, daß der Gouverneur sie anständig behandeln werde. Und
die Plünderung der Stadt gegen seinen Willen und Wissen war eine
weitere Kränkung. Seinem Mut und Kriegsgeschick war's in erster
Linie zu verdanken, daß Sutschau gefallen, und nun hatte man ihn
einfach beiseite gesetzt, ja ihn selbst in nicht geringe Lebensgefahr
gebracht. Diese perfide Handlungsweise der Chinesen, für die er sich
aufgeopfert, ergrimmte ihn so sehr, daß sein Zorn keine Grenzen
kannte, und wohl zum erstenmal in der ganzen blutigen Kriegszeit
nahm er eine Waffe zur Hand. Er steckte seinen Revolver zu sich,
entschlossen, an des Gouverneurs eignem Leben Gericht zu üben, mochten
die Folgen für ihn selbst sein, welche sie wollten. Tsching aber war
ihm zuvorgekommen und hatte Li wissen lassen, daß er wohl daran thun
werde, dem zornmütigen Engländer aus dem Weg zu gehen. Als Gordon
das Boot des Li bestieg, fand er daher, daß dieser sich in die Stadt
geflüchtet hatte. Gordon verfolgte ihn dort und versuchte während
mehrerer Tage vergeblich, zuerst allein und dann mit Hilfe seiner
Garde, des flüchtigen Gouverneurs habhaft zu werden. In bitterm Mißmut
kehrte er nach Kuinsan zurück. Dort verlas er seinem versammelten
Korps einen Bericht über das Geschehene mit dem Anfügen, daß ein
britischer Offizier unter dem Gouverneur Li nicht länger dienen könne,
es sei denn, daß dieser vom Kaiser zur verdienten Strafe gezogen werde.
Gordon schrieb an seine Angehörigen:
»Ihr werdet froh sein zu erfahren, daß wir wieder zu Kuinsan im
Quartier sind und es wohl so bald nicht wieder verlassen werden.
Ich habe weder Zeit noch Lust, Euch von dem Kampf am Ostthor zu
berichten, noch von dem kaiserlichen Verrat in Sutschau -- die
Zeitungen werden genug darüber melden. Des Na Wang Sohn habe ich
bei mir. Er ist ein gescheiter junger Mensch und sehr lebhaft, etwa
achtzehnjährig. Sein armer Vater war ein recht guter Wang, besser als
die meisten Kaiserlichen, mit denen ich noch zu thun hatte. Ich kann
Euch nicht sagen, wie tief ich die neuesten Ereignisse beklage und
zwar um verschiedener Ursachen willen. Hätte man dem Feind, der sich
ergeben, Treue gehalten, so wäre es mit dem Aufstand wohl zu Ende,
und die anderen Städte, die noch aushalten, wären ohne Zweifel dem
Beispiel Sutschaus gefolgt. Wir hätten uns dann rühmen können, den
Aufruhr mit geringem, nicht zu umgehendem Blutvergießen unterdrückt
zu haben. Wenn ~ich~ nicht mit dem Na Wang unterhandelt hätte,
wäre die Übergabe wohl so bald nicht erfolgt, und ich halte jetzt
all meine Mühe für verloren. Ich kann mich nur damit trösten, daß
~alles~ zum besten dienen muß! Unverständlich ist und bleibt mir
die Handlungsweise des Li; er kennt mich hinreichend um zu wissen,
daß ein solches Verfahren mich aufbringen muß, und er handelte mit
nicht geringem persönlichem Risiko, denn meine Truppen waren in der
Nähe ....«
Während von Regierungs wegen eine Untersuchung eingeleitet wurde,
verhielt sich Gordon völlig unthätig in seinem Quartier, -- keine
leichte Sache bei der Stimmung seines Korps. Li aber hatte sich weiß
zu brennen gewußt; überhaupt wähnte man in Peking, das Hauptlob bei
der Einnahme von Sutschau gebühre ihm. Gordon hatte allerdings eine
Position nach der andern, die er mit seinen Siegreichen eroberte,
mit Kaiserlichen besetzt. In Anerkennung dieser Thatsache erhielt Li
mit der »gelben Jacke« die höchste militärische Auszeichnung. Doch
erinnerte man sich auch des englischen Anführers. Ein kaiserlicher
Erlaß bestimmte eine Medaille für den tapfern Tsung-Ping und außerdem
ein Geschenk von siebzigtausend Mark.
Diese Summe mit vielen andern Geschenken und der Versicherung der
kaiserlichen Anerkennung wurde Gordon von Li übersandt, außerdem eine
erhebliche Extra-Löhnung für seine Truppen und eine besondere Summe
für die Verwundeten. Diese beiden letzten Beträge nahm Gordon an;
die für ihn bestimmte Summe aber wies er mit Entrüstung zurück. Ja,
als die buchstäblich mit Gold beladenen Schatzträger vor ihn traten,
kommandierte er: rechts umkehrt mit seinem spanischen Röhrchen.
Wahrlich keine schönere That läßt sich von dem »Zauberstab« berichten.
Die Chinesen wußten sich nicht zu fassen vor Verwunderung. Wo war's
erhört, daß einer solche Schätze von sich wies, und wer durfte es
wagen, den kaiserlichen Gesandten mit dem Kommandostab zu begegnen!
Der mit der Sendung betraute Mandarin brachte ihm außerdem vier
seidene Fähnchen als Ehrengabe, zwei von Li und zwei von Wang-tetai,
einem die Kanonenboote der Provinz befehligenden Mandarin. Li's
Ehrengabe schickte Gordon zurück, die Fähnchen des Wang-tetai nahm
er an, da derselbe nicht bei jenem Treubruch beteiligt war. Der
kaiserliche Erlaß wurde auf gelbem Atlas feierlich auf einen mit zwei
brennenden Kerzen versehenen Tisch gelegt und so zu Gordons Kenntnis
gebracht. Eine Übersetzung war dem Schriftstück beigegeben. Auf die
Rückseite derselben schrieb der uneigennützige Held stehenden Fußes
folgende Antwort:
»Major Gordon nimmt Sr. Majestät des Kaisers huldvolle Billigung
mit Befriedigung entgegen, aber er kann es nur aufrichtig bedauern,
daß nach dem, was seit der Einnahme von Sutschau vorgefallen
ist, es nicht in seiner Macht steht, irgend welche Geschenke
kaiserlicher Gnade anzunehmen. Er entbietet kaiserlicher Majestät
seinen unterthänigsten Dank für die ihm zugedachte Belohnung, welche
abzulehnen man ihm gnädigst verstatten wolle.«
In einem Brief an die Seinen spricht er sich so aus:
»Um die Wahrheit zu sagen, begehre ich weder Lohn noch Ehre, weder
von den Chinesen, noch von unserer Regierung. Auszeichnung habe ich
nie gesucht. Ich habe das Bewußtsein, ein gutes Werk zu vollbringen,
und fürs übrige gewährt mir mein Beruf an sich Befriedigung ...
Ich würde das kaiserliche Geschenk auch dann zurückgewiesen haben,
wenn es mit Sutschau anders gegangen wäre ... Ich weiß, daß ihr
Verständnis habt für meine Lage, die keine leichte ist, und daß
meine Erfolge Euch freuen. Die Rebellen sind ein grausames Volk. Der
Tschung Wang hat zweitausend hilflose Menschen umbringen lassen,
die nach der Ermordung der Wangs zu ihm flüchteten. Dem Li habe ich
übrigens einen Denkzettel angehängt, den er so bald nicht vergessen
wird.«