Ew. Exzellenzen gehorsamer Diener

~C. G. Gordon~,

Major-Kommandant.«

Burgevine, der diese Teilnahme an seinem Schicksal durchaus nicht

verdient hatte, wurde freigegeben und verschwand für immer. In einem

Brief an die Seinen beschreibt Gordon die Sache und fährt fort:

»Moh Wang fragte den Boten genau aus, u. a. ob es möglich wäre, mich

zu bestechen, und mußte sich mit einem Nein begnügen. »Wird Gordon

die Stadt einnehmen?« »Jedenfalls«, lautete die Antwort, und er

schwieg nachdenklich. Ich höre, daß die Stadt in großer Verwirrung

ist; es ist nicht sowohl die Flucht der Europäer, was die Taipings

beunruhigt, als vielmehr das Bewußtsein, daß die Europäer die Sache

für verloren halten. Burgevine soll gut behandelt werden; ich werde

thun, was ich kann, ihn loszubringen, und dann, sobald sich einer

findet, der meine Stelle einzunehmen imstande ist, werde ich mich

zurückziehen ... an Ruhm und Ehren ist mir nicht gelegen ... Ich

hoffe, daß die chinesische Regierung sich hinlänglich davon überzeugt

hat, daß ich ehrlich an ihr gehandelt habe und daß nicht alle

Engländer von Geldgier beseelt sind. Daß sie diese Überzeugung in der

That gewonnen haben, das glaube ich; wenigstens kommen sie mir mit

vollem Vertrauen entgegen.«

Die Tage von Sutschau waren gezählt. Die Kaiserlichen hatten

südwestlich um die Stadt her feste Stellungen inne, während Gordon

mit seinem Belagerungstrain und vor allem mit dem Dampfer Hyson die

nördliche und östliche Seite gesperrt hielt. Der Hyson erwies sich

stets als vorzügliches Kampfmittel; bei einer Gelegenheit wurden

dreizehnhundert Taipings gefangen genommen, und ebensoviel ertranken

bei einem Fluchtversuch. Aber die kaiserlichen Verbündeten unter

ihrem Anführer Tsching waren es, die durch ungeschickte Taktik Gordon

immer wieder an der Ausführung eines umfassenden Planes hinderten. In

Schanghai und anderwärts wurden Stimmen laut, daß, wenn Gordon nicht

den Gesammtoberbefehl erhalte, man den Fall von Sutschau nie erleben

würde. Aber nicht nur hat er diesen Oberbefehl nie erhalten, sondern

sein eigenes Korps geriet wieder an den Rand der Meuterei und war

außerdem von Krankheit heimgesucht. Aber Gordon hatte in sich die

Kraft eines Kriegsheeres.

Zwar wurden die Siegreichen nun mehrmals zurückgeworfen, einmal

lediglich infolge einer zur unrechten Zeit geleisteten Hilfe. Bald

aber kann Gordon wieder ein Gegenteil berichten.

»Wir mußten die Rebellen aufs neue aus Wokong verjagen, sie hatten

trotz ihrer neulichen gründlichen Niederlage daselbst die Kühnheit,

diesen Ort abermals zu besetzen. Ich schickte einen Dampfer hin, und

der Erfolg war ein glänzender Sieg, fast wie der bei Kuinsan und auch

aus ähnlicher Ursache. Die Rebellen waren nämlich genötigt, ihren

Rückzug auf einer engen Straße zwischen dem großen Kanal und anderen

Gewässern zu nehmen ...«

Es war ein Weg, der oft lange Strecken nur drei bis vier Fuß breit

war und dann und wann kamen enge Brücken, die nur ein bis zwei Mann

auf einmal durchließen. Auf der ganzen Strecke des Rückzugs, fünfzehn

Kilometer weit, waren die Flüchtlinge unter dem Feuer der Dampfer und

hatten die verfolgenden Truppen hinter sich. Der Verlust der Taipings

war entsprechend.

Am 1. November wurde Fort Liku erstürmt, etwa acht Kilometer nördlich

von Sutschau. Dabei ereignete sich folgendes: Einige Tage zuvor hatte

Gordon zufällig einen beschriebenen Zettel gefunden. Er erkannte

die Handschrift als die eines seiner Offiziere, Namens Perry, der

offenbar einem Rebellenfreund in Schanghai über das Korps berichtete.

Perry leugnete auch gar nicht, entschuldigte sich aber damit, daß

seine Mitteilungen nicht aus böswilliger Absicht stammten, sondern

nur vertraulicherweise einem Bekannten gelten sollten. »Gut«, sagte

Gordon, »ich nehme Sie für diesmal bei Ihrem Wort und erwarte von

Ihnen, daß Sie beim nächsten ›hoffnungslosen‹ Gefecht vorne dran

sind.« Er selbst vergaß den Fall alsbald wieder, aber nach wenigen

Tagen waren beide nebeneinander vorne dran beim Erstürmen einer

Verschanzung. Eine Kugel traf Perry in den Mund, Gordon fing ihn in

seinen Armen auf -- er war tot.

»Wir eroberten Liku im Sturmlauf«, berichtet Gordon. »Leutnant

Perry ist leider gefallen, er war ein guter Offizier. Sonst nur

drei Verwundete. Die Rebellen hielten tapfer Stand, hatten vierzig

bis sechzig Tote; wir machten sechzig Gefangene, eroberten drei

Kanonenboote und etwa vierzig andere Boote.«

Zehn Tage später wurde ein anderer Ort Namens Wanti angegriffen,

der so mit Erdwällen verschanzt war, daß das Beschießen kaum einen

Eindruck machte; als Gordon aber den Ort eingeschlossen hatte,

stürzten die Taipings wie toll daraus hervor, es gab ein hitziges

Handgemenge, und nach einer Stunde war Wanti erobert. Gordon hatte

zwanzig Tote, darunter einen Offizier; die Rebellen dreihundertfünfzig

-- sie waren nämlich unter das Feuer der Artillerie geraten -- und

außerdem gab's sechshundert Gefangene.

So wurde ein immer engerer Kreis um Sutschau gezogen. Die Wangs fingen

an, mutlos zu werden.

»Uneinigkeit unter den Belagerten kann die Übergabe herbeiführen«,

schreibt Gordon; »sie haben nichts mehr als für zwei Monate Reis

... Mauding am großen Kanal beabsichtigte ich zunächst durch zwei

Dampfer angreifen zu lassen; es ist nur eine Stunde von hier und

die Rebellen dort haben gar keine andere Wahl als sich zu ergeben.

Die Kaiserlichen reden davon, ihnen Garantie anzubieten, daß ihnen

das Leben geschenkt werde; die meisten wären ohne weiteres damit

einverstanden!«

Wir werden bald sehen, was es mit solchen Versprechungen

kaiserlicherseits auf sich hatte, und daß auch in China ein Treubruch

Böses nach sich zieht.

Gordon, der Held von Khartum · 第 5 / 22 题