Die italienischen Fayencen sind Töpfererzeugnisse mit deckender
Zinnglasur, welche noch vor dem Brande mit Scharffeuerfarben bemalt
wurden. Im Brande verschmolzen die Farben mit der Glasur und erhielten
dadurch Glanz und Leuchtkraft. Um die Mitte des XV. Jahrhunderts
erreichte die italienische Majolikamalerei eine künstlerische Höhe, von
der sie gegen Ende des XVI. Jahrhunderts durch das erwachende Interesse
für chinesisches Porzellan allmählich herabsank. Nur in Castelli, wo
man sich zu Beginn des XVIII. Jahrhunderts dem Porzellangeschmacke
anzunähern suchte, trat eine kurze Nachblüte ein.
In der ersten Blüteperiode (1490-1530) dominiert Faenza (daher
Fayencen), in der zweiten (1530-1560) Urbino. Wegen der Ähnlichkeit der
älteren Fayencen mit Produkten, die von der im Mittelalter Majolika
benannten balearischen Insel Majorca kamen, nannten die Italiener
diese Stücke Majolika. Unsere Zeit übertrug diese Bezeichnung auf die
italienischen Fayencen der Renaissance überhaupt.
Zwischen dem vorher beschriebenen und dem folgenden Schranke befindet
sich eine von milchweißer Zinnglasur in dünner Schicht überzogene
Reliefplastik, Madonna mit dem Kinde, eine Arbeit aus den Werkstätten
der Della Robia. Luca della Robia, der berühmte Florentiner Bildhauer
(1399-1482), gilt nach Vasari fälschlich für den Erfinder der
Zinnglasur in Italien. Der übliche blaue Hintergrund und die bunten
Fruchtkränze der Umrahmung sind bei diesem Werke weggeblieben, dagegen
finden sich Spuren von Goldornamenten am Saume des Kleides der Madonna.
Modellierung der Arme und Hände, Ausdruck und Gesamthaltung verweisen
das Werk in die Zeit um 1450.
Im folgenden Schranke sind Erzeugnisse verschiedener italienischer
Fabriken des XVI. Jahrhunderts ausgestellt. In der obersten Reihe
besonders bemerkenswert die Schüsseln aus Caffagiolo, Gubbio (mit
Rubinlüster), Pavia (mit Sgraffitodekoration), Castel Durante und
Urbino, dem Hauptorte der italienischen Fayenceindustrie, von dem
zwischen 1530 und 1620 jene ungeheure Menge von Majoliken ausgegangen
ist, die den Weltruhm dieser Industrie begründet hat. Bildmäßige
Darstellungen pflegen hier ohne Rücksicht auf die Form die ganze
Fläche des Gefäßes zu bedecken. Szenen aus dem Alten Testamente,
geschichtliche oder der Sage angehörende Vorgänge nach Livius oder
Virgil und die Liebschaften der olympischen Götter nach Ovids
Metamorphosen bilden die Hauptgegenstände der Darstellung. In der
nächsten Reihe finden wir nebst Stücken aus Ravenna und Castelli
in der Mitte eine hervorragend schöne Schüssel aus Siena mit dem
Violine spielenden Apollo in der Mitte. Die unterste Reihe enthält
durchwegs Arbeiten aus Castelli. Ebenso der folgende Schrank. In
dieser zum Königreich Neapel gehörenden Stadt der Abruzzen und in
zahlreichen Ortschaften ihrer Umgebung erfuhr die Fayenceindustrie im
XVII. Jahrhundert eine späte Nachblüte. Ein Streben, dem Porzellan
nahezukommen, ist dabei unverkennbar und kommt in der feinen Masse der
gleichmäßigen Glasur sowie in den kalten, zarteren, nur in gebrochenen
Tönen zur Verwendung kommenden Farben zum Ausdruck.
Zur duftigen Malweise gesellt sich bei feineren Stücken reichlich
verwendete Aufhöhung mit Gold. Die Motive sind der bolognesischen
Schule entlehnt, Tierstück, Landschaft, bäuerliches Genre, Bilder
religiösen Inhalts, später auch Blumen. Die Ränder der Teller erhalten
einen von der Fläche getrennten, oft äußerst reizvoll komponierten
Dekor mit Putten und Blumengewinden. An Stelle der Schüsseln
treten häufig viereckige oder kreisrunde ebene Platten, manche
mit Malersignaturen von Mitgliedern der mit der neapolitanischen
Fayencemalerei durch anderthalb Jahrhunderte eng verknüpften Familie
Grue. Der hier vorkommende Dr. F. A. Grue lebte von 1686 bis 1746.
Zwischen beiden Schränken: Bacchusknabe der Fabrik Talavera in Spanien
(XVIII. Jahrhundert). Im großen Mittelschranke sind besonders die
prächtigen Urbino-Fayencen hervorzuheben, an der Stirnseite eine große
Schüssel mit dem Sturze der Giganten und darüber eine kleinere mit
Venus in der Schmiede des Vulkan, die in Gubbio, wo sich die durch
ihren Lüsterdekor berühmte Werkstätte des Maestro Gurgio Andreoli
befand, mit Rubinlüster versehen wurde. Zu beiden Seiten und auf der
obersten Stufe schöne sogenannte Pilgerflaschen. Die beiden Deckelvasen
zu Seiten der Gigantenschüssel sind charakteristische Stücke aus
Castel Durante.
An beiden Langseiten sind hauptsächlich Venedig, ferner Urbino
und Castel Durante in Schüsseln, verschiedenen Apothekergefäßen
und Vasen vertreten, unter welchen zwei muschelförmige Becken mit
Schlangengewinden besonders hervorragen. An der Schmalseite am Fenster
eine vorzügliche Faentiner Schüssel mit der Anbetung der drei Könige.
Die meisten dieser Majoliken sind Eigentum des Stiftes Neukloster in
Wiener-Neustadt.
Im folgenden Schranke an der Fensterseite sind in der obersten
Reihe die durch ihr geringes Gewicht auffallenden venezianischen
Relieffayencen des XVIII. Jahrhunderts aus der Fabrik Bertolini
aufgestellt, dann folgen venezianische Fayencen mit bläulich getönten
Glasuren (a berettino), in der dritten Reihe in der Mitte zwei blaue
Schüsseln mit Golddekor, eine davon mit dem Wappen des Kardinals
Ghislieri (Pius V.), links eine graublau bemalte Schüssel aus Castel
Durante, im Fond Herkules im Kampfe mit der lernäischen Schlange,
auf dem Rande von Hunden gehetzte Stiere, in der untersten Reihe
oberitalienische Fayencen des XVIII. Jahrhunderts, hauptsächlich aus
Nove.
Im links folgenden Schranke finden wir in den oberen Reihen Majoliken
minderer Qualität aus bereits genannten Fabriken, in der unteren
Reihe dagegen prächtige Sieneser Fußbodenfliesen aus dem Palazzo del
Magnifico (Pandulfo Petrucci), um 1513, und solche aus dem Hause
der heil. Katharina, um 1520. An der Pfeilerwand zwei Schüsseln aus
Candiana bei Padua, Nachahmungen der sogenannten Rhodos-Schüsseln, mit
Hinweglassung des charakteristischen Rot.
Am Pfeiler gegenüber dem großen Schweizer Ofen sind noch mehrere
toskanische Majoliken des XVII. Jahrhunderts aus Montelupo ausgestellt.