ANTIKE KERAMIK.

Die keramischen Erzeugnisse der alten Griechen wurden schon zu Zeiten

Homers, also um das Jahr 1000, auf der Drehscheibe hergestellt.

Sie sind uns zu Tausenden erhalten geblieben, da die Gräber der

Verstorbenen nach antiker Sitte mit typischen Objekten aus dem Hausrate

der Lebenden ausgestattet wurden. Ihre rote Farbe verdanken diese

Erzeugnisse einem künstlichen oder bereits von Natur aus vorhandenen

Zusatz von Eisenoxyd. Die meisten der Gefäße zeigen entweder schwarze

Malerei auf rotem Grunde oder rot ausgesparte Darstellungen auf

schwarzem Grunde. Die Malerei erfolgte auf dem noch ungebrannten

Gefäße mittels einer schwarzen Farbe, die vermutlich aus Eisenoxyd und

Mangan bestand. Gelegentlich wurde die Einförmigkeit dieser Malweise

durch stellenweise aufgesetztes Weiß, Rot, Blau, Gold und so weiter

unterbrochen. Das fertig gemalte Gefäß wurde sodann einem Brande

ausgesetzt, der ihm entsprechende Härte und Glanz verlieh.

Die Sammlung antiker Vasen und Terrakotten im Österreichischen

Museum umfaßt zwar bloß gegen tausend Nummern, übertrifft aber

nicht nur in bezug auf Formenreichtum, Repräsentation verschiedener

Entwicklungsperioden und Fabrikationsgebiete zahlreiche weit größere

und ältere Kollektionen, sondern enthält auch einzelne Objekte, die

vermöge ihrer Schönheit und Seltenheit in der Gesamtgeschichte der

antiken Keramik einen hervorragenden Platz einnehmen.

Die Objekte sind nach historisch-geographischen Gesichtspunkten

systematisch geordnet und aufgestellt. Nur in der Aufstellung der

Sammlung Blum-Blankenegg mußte, den Schenkungsbedingungen zufolge, von

der systematischen Aufstellung abgegangen werden, so daß sie ein von

dem übrigen Bestande getrenntes Ganze bildet.

Im ersten Wandschrank rechts repräsentieren die Reihen 1 und 2 die

ersten Entwicklungsstadien griechischer Keramik, aus freier Hand

ohne Benützung der Drehscheibe geformte Gefäße der vorphönizischen

Nekropolen von Cypern. Diese Arbeiten zeichnen sich nicht allein

durch primitive Einfachheit der Technik aus, sondern zeigen auch,

wie die Bildsamkeit des Tones die schöpferische Phantasie bereits in

den Anfangsstadien der Entwicklung einer keramischen Industrie zu

überraschendem Formenreichtum verlockte. Die späteren Arbeiten dieser

Gattung sind bereits unter Anwendung der Drehscheibe entstanden.

Arbeiten der zweiten Periode der griechischen Keramik, des mykenischen

Stiles, sind in der Sammlung nicht vertreten. Der folgende Stil,

der nach dem Tore von Athen, in dessen Nähe die bedeutendsten Funde

gemacht wurden, Dipylonstil heißt, ist dagegen in mehreren Beispielen

repräsentiert. Die Arbeiten dieser Gattung setzen die geometrische

Verzierungsweise der ersten Periode fort, ohne die Errungenschaften

mykenischer Kunst, namentlich nach technischer Richtung zu ignorieren.

Die Formen sind weniger willkürlich, in der Dekoration herrschen

geradlinige Kombinationen vor: Mäander, Hakenkreuz, Zickzack,

Schachbrett- und Rautenmuster, durch Tangenten verbundene Kreise etc.

Daneben tritt die Sternrosette als Füllungsornament auf. An die Stelle

der maritimen Tiermotive des mykenischen Stiles treten rohe, dem Geiste

der Linienornamentik sich nähernde Tier- und Menschenfiguren. Unter

diesen Typen ist namentlich der große Krug Nr. 30 charakteristisch, in

dessen Dekor sich liebevolle Sorgfalt mit schematischer Trockenheit

gepaart zeigen. Als gut erhaltene altapulische Arbeiten verdienen hier

auch die zwei buntbemalten Lampenständer, „Thymiaterien“, Nr. 40 und 41

hervorgehoben zu werden.

Im nächsten Schranke sehen wir Vasen des VII. Jahrhunderts, bei denen

der linearen Ornamentik im Dipylonstil das Auftreten phantastischer und

exotischer Tiergestalten im korinthischen Stile folgt. Derselbe steht

unter dem Einflusse der Euphratländer und Ägyptens. Die Vasenmalerei

ergeht sich in der Darstellung von Greifen, Sphinxen, Sirenen,

fischleibigen Dämonen, Löwen, Panthern etc., oft in Streifen eintönig

nebeneinander gereiht, während das vegetabilische Ornament Lotosknospen

und -blüten sowie die ebenfalls aus Ägypten stammende Palmette

verwendet. Daneben tritt der Mensch auf. Typisch sind Kampfszenen,

Frauenreigen, später auch tanzende Männer in absichtlich grotesker

Zeichnung. Der Tongrund ist bei den älteren Stücken hellgelblich bis

ins Grünliche, bei den späteren rötlich. Hierher gehören die kleinen

kugelförmigen Ölgefäße der obersten Reihe, die schlauchförmigen

Tropfgefäße der dritten Reihe, verschiedene Formen der Deckelbüchse,

Reihe 4, Nr. 114 bis 120, die Trinknäpfe, Reihe 2, Nr. 89 bis 91,

und die für die korinthische Kunstweise dieser Periode überaus

charakteristischen Krüge, mit umlaufenden Tierfriesen, unterste Reihe,

Nr. 125 und 128.

Im folgenden Schranke sind hauptsächlich schwarztonige Gefäße

etruskischer Herkunft (Bucchero, Vasen) ausgestellt, Näpfe, Becher,

Kannen und Amphoren, die durch Dämpfung eine schwarze Färbung

erhielten, in der folgenden Reihe Amphoren mit in Relief verzierten

Bandhenkeln, rechts Nr. 206 das interessanteste Stück, ein mit

sieben Sphinxen in Relief verzierter Krug der voll entwickelten

Bucchero-Technik. In der Mitte der dritten Reihe eine kyrenäische

Schale (Nr. 140), das einzige Stück dieser Art in der Sammlung. Unter

dem Schranke, freistehend, etruskische Aschenurnen mit liegenden

Figuren auf den Deckeln.

Die nun in chronologischer Folge anschließenden schwarzfigurigen

Gattungen sind in verschiedenen Schränken untergebracht. Zum Eingang

zurückkehrend finden wir im linken Schranke in der Mitte der

oberen Etage einen jonischen Deinos auf hohem Untersatz Nr. 215,

zu beiden Seiten die nach ihrem Fundorte, dem etruskischen Caere

benannten Caeretaner Vasen. Ihr Fabrikationsort dürfte in einer der

jonischen Kolonien Ägyptens zu suchen sein, wo diese in Sammlungen

nur selten vertretene Klasse im VI. Jahrhundert den Abschluß der

jonisch-kleinasiatischen Vasenmalerei bildet. Die zwei Hydrien

unserer Sammlung zählen zu den bedeutendsten existierenden Stücken

dieser Gattung; ein besonders bemerkenswertes Objekt ist überdies der

danebenstehende vorzüglich erhaltene Dreifuß altattischen Stiles aus

Theben. In der darunter befindlichen Reihe finden wir Vasen (Nr. 220

und 221), die gleichsam ein Resumé der verschiedenen vorangegangenen

Kunstweisen bilden.

Zum vierten Wandschrank zurückkehrend, finden wir kleinere attische

schwarzfigurige Lekythen (Salbgefäße mit langem, engem Hals und

trichterförmiger Mündung (Nr. 241-271), worunter namentlich Nr. 264

hervorzuheben ist) mit der ältesten Kopie der berühmten Statuengruppe

des Antenor, die Tyrannenmörder Harmodios und Aristogeiton. Die

größeren und bedeutenderen attischen Vasen dieser Periode sind in den

beiden gegenüberliegenden freistehenden Schränken ausgestellt.

Die altattische Freude an reichem figuralen Schmuck, der alle Teile

des Gefäßes bedeckt, erfährt bereits merkliche Einschränkungen, denn

in der Keramik Athens machen sich im Laufe des VI. Jahrhunderts zwei

Richtungen geltend: eine, die auf ausgiebige Verwendung der schwarzen

Firnisdecke hinzielt und die auf die spätere Keramik Korinths

zurückzuführen ist, und eine andere, die zugunsten eines ausgiebigen

figuralen und ornamentalen Schmuckes auf die Firnisdecke verzichtet und

als das kleinasiatische Dekorationsprinzip bezeichnet werden kann.

In dem Bestreben, beide Prinzipien zu vereinigen, liegt der Anfang

des rotfigurigen Stiles. Den Übergang vom schwarzfigurigen zum

rotfigurigen Stile bilden jene Vasen, welche die Malerei auf einzelne

rechtwinkelige abgegrenzte Felder beschränken und im übrigen den

schwarzen Firnisüberzug aufweisen. Beispiele solcher Art in den beiden

gegenüberliegenden freistehenden Schränken. So die prächtige Hydria

Nr. 222 und die Amphoren (Vorratsgefäße für Öl oder Wein) Nr. 223 bis

225. Der daneben befindliche Deinos Nr. 235 mit einer figurenreichen

Darstellung auf dem oberen Rande gehört einer jüngeren Stilrichtung an.

Unter den attischen Vasen des späteren schwarzfigurigen Stils mit

Meisternamen, von welchen die Sammlung mehrere besitzt, sind namentlich

die Amphoren des Nikosthenes (Nr. 231 und 232) hervorzuheben. Sie

lehnen sich mit Rücksicht auf ihr Hauptabsatzgebiet an etruskische

Formen an, haben breite, wie aus Metallblech geschnittene Henkel und

wie aus Streifen zusammengesetzte Körper. Bevor die rotfigurige Technik

den Sieg davontrug, gab es eine Übergangszeit, in der beide Techniken

verquickt erscheinen, wie dies bei der Amphora Nr. 319 im dritten

der freistehenden Schränke der Fall ist, einem Stücke, das in mehr

als einer Hinsicht zu den bedeutendsten der Sammlung zählt und drei

Entwicklungsperioden an sich vereinigt: Am unteren Teile des Gefäßes

Ornamente des älteren Stiles, am oberen rotfigurige Darstellungen,

am Halse Dionysische Gruppen in schwarzfiguriger Technik. Der

Übergang von der schwarzfigurigen zur rotfigurigen Technik geschah

an den sogenannten „Augenschalen“, Schalen mit großen menschlichen

Augenpaaren zum Schutze vor dem „bösen Blick“, wie zum Beispiel Nr.

285. Hier ist das Innere der Schale bis auf ein Mittelrund, in dem

das Gorgonenhaupt erscheint, gefirnißt. Wahre Prachtstücke aus der

Blütezeit der Schalenmalerei sind im vierten freistehenden Schranke Nr.

323, 324 und 3235, eine von Hieron, zwei von Duris bemalt; namentlich

muß Nr. 325 mit Szenen aus dem troischen Sagenkreis als eine typische

Musterleistung des letztgenannten Malers bezeichnet werden.

Die Krone der ganzen Sammlung ist aber das im danebenstehenden Schranke

befindliche große napfförmige Mischgefäß Nr. 328 mit Szenen aus der

Ilias. Ihre Ergänzung finden diese Stücke zum Teil in der darunter

befindlichen Reihe. Hier ist die Schale Nr. 321 „Hermes als Schelm“

besonders interessant. Auch die Vasen der unteren Reihe in dem vor dem

Fenster stehenden Schranke Nr. 340 ff. gehören hierher.

Wurden im strengen Stile die für das Symposion bestimmten Vasenformen

von den Malern bevorzugt, so begünstigt der schöne Stil die Gefäße

für den Putztisch der Frauen. Als Beispiel hierfür mögen die kleinen

Salbgefäße, Fensterschrank obere Reihe, Nr. 354 ff., dienen, Stücke,

bei welchen überdies in der Anwendung aufgehöhten Goldes und

polychromer Malerei eine weitere technische Wandlung zu verzeichnen ist.

Eine eigenartige Gruppe attischer Keramik bilden die Salbgefäße für

den Totenkult, die Grab-Lekythoi. Bei der feierlichen Aufbahrung

des Leichnams wurden sie, mit Wohlgerüchen gefüllt, neben demselben

aufgestellt, bei seiner Bestattung folgten sie ihm als Liebesgabe in

das Grab. Diese Gefäße sind häufig mit einer weißen Engobe versehen,

und die Konturen der Figuren sind mit Deckfarben ausgefüllt. Die

Darstellungen stehen in naher Beziehung zu ihrer Bestimmung. Unter

den Lekythen unserer Sammlung ist Nr. 351 mit der Darstellung

einer Totenklage ein Stück von seltener Schönheit. In demselben

Schranke verdienen ferner zwei Becher, ein „Kantharos“ in Form eines

Mohrenkopfes, untere Reihe, Nr. 347, eine treffliche, sorgfältige

Arbeit, und ein „Rhyton“ (Trinkbecher) in Form eines Fuchskopfes, Nr.

380 (obere Reihe), besonders hervorgehoben zu werden.

Attische Gefäße aus der Zeit des rotfigurigen Stiles ohne Bemalung

finden wir im folgenden Wandschrank, obere Reihe, Nr. 401 ff.

Hierher gehört auch der einzeln aufgestellte große prächtige Krater

(Mischgefäß) mit vergoldeten Weinranken aus Capua.

Im vorher beschriebenen Wandschrank sowie in dem zweitfolgenden

befinden sich hauptsächlich etruskische, zum Teil unter attischem

Einflusse entstandene, ferner apulische und unteritalische Arbeiten.

Unter den erstgenannten ragt die Kanne in der obersten Reihe links, Nr.

452, durch reiche sorgfältige Bemalung mit dionysischer Szene besonders

hervor. Ferner verdienen die einer späteren Periode angehörenden

apulischen Kopfvasen, Nr. 489 bis 491, und die mit weißer, gelber

und roter Farbe bemalten sogenannten Vasi di Gnathia, Nr. 508 ff.,

hervorgehoben zu werden.

Zwischen diesen beiden Vitrinen befindet sich die mit der Sammlung

griechischer Terrakotten aus Lokris, Cypern, Kleinasien, Syrakus,

Tarent und aus unbestimmten griechischen und italischen Fundorten.

Unter diesen Arbeiten sind einige Tanagrafiguren von hervorragender

Schönheit besonders bemerkenswert. So die weibliche Figur, Reihe 3,

Nr. 794, eine der besten Schöpfungen der tanagräischen Tonplastik, und

Nr. 795, eine sorgfältige, schöne Arbeit von unzweifelhafter Echtheit,

der Hermaphrodit aus Myrina der alexandrinischen Zeit angehörend, die

Appliken mit Spuren von Vergoldung aus Tarent und die drei Puppen mit

beweglichen Gliedern Nr. 891 ff. Überdies ist hier die große Anzahl

von Repliken aus der Niobidengruppe (Reihe 1 und 2, Nr. 860 ff.)

hervorzuheben.

Im letzten Schranke dieser Reihe sind verschiedene Typen italischer

Lampen ausgestellt: Nr. 638 und 639 in Figurenform, 641 und 642

maskenförmig, 673 bis 696 mit figuraler Reliefpressung usw. Überdies

sind hier die Calener Schale, Nr. 573, die Stempelform zu einer

solchen Schale, Nr. 574, die sogenannten megarischen oder samischen

Reliefschalen, Nr. 580 und 581, ein in der Masse krebsrot gefärbtes

sogenanntes Terrasigillata-Gefäß, Nr. 587, und der römische Trinkbecher

mit Reliefs und grüngelber Bleiglasur hervorzuheben.

In dem Schranke an der Eingangsseite rechts befindet sich die

Sammlung Blum-Blankenegg. Hier sind in der untersten Reihe besonders

bemerkenswert die zu den ältesten Vasengattungen gehörende ringförmige

böotische Kanne Nr. 36, die Amphora späten korinthischen Stiles mit

dem laufenden geflügelten Gorgonen Nr. 136, der altattische Teller

mit Herakles, den kretischen Stier einfangend, Mitte Nr. 240, und der

Aryballos mit dem Brustbilde der Artemis Nr. 363.

Frei aufgestellt finden wir ferner kolossale rottonige Vasen und große

Schüsseln mit Reliefs sogenannte „Rotware“, in prächtigen Exemplaren.

Die Dekoration ist mit Stempeln hergestellt, statt der Malerei sehen

wir fries- oder streifenartig angeordnete Reliefverzierungen. Die

Vorratsgefäße (Pithoi) zeigen überdies Riefelungen, die zugleich als

Verstärkungsrippen dienen, und aufgelegte einfache Dekorationsmotive,

wie Bogen, Zickzacklinien, Augen u. dgl.

Sodann haben, ebenfalls in freier Aufstellung, große spätantike

Spitzamphoren, provinzielle Erzeugnisse aus Tharros in Sardinien, Platz

gefunden. Überdies befinden sich an der Wand oberhalb der Schränke

griechische und italische Architekturdetails dekorativer Art, zum Teil

Spuren von Bemalung aufweisend.

Auf dem Eckschranke, frei aufgestellt, befindet sich eine

Frauengestalt, eine Klagefrau mit erhobenen Händen und mit Spuren von

Bemalung. Daneben eine große Grabvase, mit Gorgonenrelief und frei

abstehenden Figuren, beide Stücke aus Apulien.

Unterhalb des Schrankes mit den römischen Lampen haben, obwohl sie

das Gebiet der Keramik nicht berühren, Mumienmasken und Büsten der

griechisch-römischen Periode aus Oberägypten Aufstellung gefunden.

Die Sammlung keramischer Objekte vom Ausgange der Antike bis in

die Gegenwart umfaßt über 6000 Objekte, von welchen jedoch wegen

Raummangels ein Teil in der ostasiatischen Sammlung im zweiten Stock

und ein anderer ausgeschieden und im Depot untergebracht ist. Die

Objekte sind nach historisch-topographischen Gesichtspunkten in der

Weise systematisch aufgestellt, daß man an der Eingangsseite zunächst

die orientalischen Erzeugnisse vor sich hat.

PERSISCHE UND TÜRKISCHE FLIESEN, WANDBEKLEIDUNGSPLATTEN AUS MOSCHEEN,

GRABBAUTEN ETC.

Die echte Fayence, das heißt die keramischen Erzeugnisse mit

undurchsichtiger Zinnglasur, reicht im Orient in sehr frühe Zeit

zurück. Die ältesten auf uns gekommenen Stücke, in den Trümmern von

Susa entdeckte, in Relief geformte Wandbekleidungsziegel mit bunten

Zinnglasuren, stammen vom Palaste Darius I. (um 500 v. Chr.), sind

aber ohne Zweifel späte Produkte einer aus älteren Kulturen Babylons

oder Ninivehs stammenden Technik. Neben der Anwendung von Zinnglasuren

ging unausgesetzt die Erzeugung von Fliesen mit durchsichtigen

Bleiglasuren einher. Die einen wie die andern bestehen aus einer

sandigen mit wenig Ton gemengten Masse, die mittels einer alkalischen

Fritte zusammengebacken ist. Die ältesten Stücke unserer Sammlung

reichen in das XIII. Jahrhundert zurück, das ist die Zeit, aus welcher

die ältesten Fliesen mit Metallüster bekannt sind. Hierher gehören

die mit braunrotem Kupferlüster verzierten Stern- und Kreuzfliesen

aus der Imamzade Jahya (Heiligengrab des Johannes) zu Veramim bei

Teheran. Zu dieser Gattung zählen auch die kleinen lüstrierten

Sternfliesen mit Tierfiguren und blauen Rändern, deren Erzeugung vom

XIII. bis zum XV. Jahrhundert reicht. Aus dem XIV. Jahrhundert stammen

die in Relief geformten Fliesen mit blauen Koraninschriften auf

ornamentiertem Lüstergrunde. Ebenfalls noch dem Mittelalter gehören die

lasurblauen und türkisblauen Fliesen mit Vergoldung in Blattgold an.

Die dunkelblauen Stücke zeigen überdies eine ungemein zarte Musterung

mit kleinen weiß aufgemalten Ornamenten. In der Art der berühmten

Fliesen von den Bauten des Osmanensultans Muhamed I. in Brussa (XV.

Jahrhundert) sind die Stücke mit weiß ausgesparten Inschriften oder

Ornamenten auf kobaltblauem Grunde, wobei in die weißen Ornamente

bunte Pflanzenmotive hineingemalt sind. Derselben Periode gehören

die geschnittenen Mosaikfliesen mit Inschriften und Ornamenten an.

Ihre Entstehung ist auf das Einlassen von Koransprüchen u. dgl.,

die aus glasierten Fliesen geschnitten waren, in die Rohziegelwand

hervorragender Gebäude zurückzuführen. Im weiteren Verlauf entwickelte

sich aus dieser Bauverzierung eine der schwierigsten keramischen

Techniken, die des vollständigen, ganze Flächen mit Ornamenten und

Inschriften überziehenden Fliesenmosaiks aus eigens geschnittenen

farbigen Platten verschiedenster Form. Zu höchster Prachtentfaltung

hat sich diese Technik in der gegenwärtig dem Verfall entgegengehenden

sogenannten Blauen Moschee in Täbris aufgeschwungen. Eine Gattung, die

namentlich im XVI. und XVII. Jahrhundert zur Zeit der Sefevidendynastie

eifrig gepflegt wurde, repräsentieren die Fliesen mit prächtigen

Blumen und Rankenverzierungen in Dunkel- oder Türkisblau, Grün und

Manganviolett auf weißem Grunde. In der neupersischen Kunst, das heißt

seit dem XVI. Jahrhundert, nähern sich diese Pflanzenformen immer mehr

der natürlichen Erscheinung der Pflanze. Ein besonders prächtiges

Beispiel ist die in der Mitte der Wand angebrachte und über diese

emporragende Kielbogenfüllung, aus 16 Fliesen bestehend, mit persischem

Rankenwerk, von großem, rotem chinesischen Wolkenband durchzogen, ein

Wandschmuck aus der Moschee Piali Pascha in Konstantinopel, 1565 bis

1570.

Eine Ergänzung findet diese Fliesenkeramik in den Gefäßen und

Moscheekugeln, welche in den beiden Schränken an den gegenüberliegenden

Wandpfeilern ausgestellt sind. Besonders bemerkenswert ein dunkelblaues

vasenartiges Gießgefäß des XIII. Jahrhunderts aus Rhages, mit

Überglasurdekor in Weiß, Rot und Gold, eine hellgrüne Flasche mit

weißen Blumenstauden (Untersatz einer Wasserpfeife), XVII. Jahrhundert,

eine ebensolche Moscheekugel und eine besonders große derartige

Kugel des XVI. Jahrhunderts, im Rhodos-Stil verziert. Überdies

zahlreiche sogenannte Rhodos-Teller und persische Nachahmungen

des chinesischen Porzellans. Die sogenannten Rhodos-Fayencen sind

keramische Arbeiten, die an den Ufern des Bosporus, in Kleinasien,

Syrien und Ägypten angefertigt wurden. Die Masse ist ähnlich der der

persischen Fayencen. Der vorwiegend weiß gelassene Grund ist auf eine

Angusschicht zurückzuführen, über welcher die farblose Glasur liegt.

Die zur Bemalung verwendeten Farben sind dieselben wie in Persien,

bereichert durch ein feuriges Rot, eine Farbe, die aus verriebenem

Bolus besteht, der dick aufliegend, eine etwas erhöhte Schichte bildet

und unter dem Schutze der Glasur vor dem Abreiben bewahrt wird. Die

Ornamentik setzt sich der Hauptsache nach aus Blumen (Tulpe, Nelke,

Rose, Hyazinthe), aus den federartigen Blättern und blütenartigen

Palmetten des persischen Rankenwerkes und sonstigen Elementen, wie

Zypresse, Wolkenband etc., zusammen. Einige vorzügliche Schüsseln

mit dem charakteristischen schwarzen Schnörkelwerk aus kleinen

Spiralen, ein Blumentopf mit eckigem Henkel und Spuren von Vergoldung,

Krüge und sonstige Gefäße veranschaulichen diese eigenartige und zu

den mustergültigsten Schöpfungen der Keramik gehörende Gruppe in

mannigfacher Art. Eine Zuweisung der einzelnen Objekte an bestimmte

Fabrikationsorte ist der Forschung bisher nicht gelungen, nur eine

Gruppe von Erzeugnissen, für welche der Krug mit Zinndeckel (Reihe 3)

charakteristisch ist, wird als damaszenisch angesehen.

An der über Eck gestellten Wand, anschließend an die persischen

Fliesen, sind spanische Azulejos ausgestellt. An Stelle der

ursprünglichen kleinen Mosaikfliesen in geometrischen Formen hat man

im XV. Jahrhundert auf orientalische Anregung hin der einfacheren

Herstellung wegen größere quadratische Wandverkleidungsplatten

angefertigt, auf welchen die Umrisse des Musters durch Formpressung

in erhabenen Linien erscheinen, zwischen denen die farbigen Glasuren

eingebettet waren, wodurch man eine mosaikartige Wirkung erreichte.

Im XV. Jahrhundert trat an Stelle des alten geometrischen Musters und

der geradlinigen Bandverschlingungen das Renaissanceornament. Hauptort

dieser Industrie war Sevilla.

Führer durch das k. k. österreichische Museum für Kunst und Industrie · 第 66 / 89 题