auf, unverzüglich fährt der erste Schuß hinüber. Die Fischer wissen
sofort Bescheid. Kaum zehn Minuten später sitzen sie im Boot und rudern
ab. Auch die beiden anderen Schiffe haben sofort gehorsam gestoppt. Sie
liegen etwa tausend Meter ab, und anscheinend werden auch dort bereits
die Boote zu Wasser gelassen. In den ersten verlassenen Dampfer fegen die
Granaten hinein. Nach drei Schüssen sackt er tiefer und beginnt zu sinken.
Da ... mit äußerster Fahrt prescht der in der Mitte stehende Fischer
plötzlich heran. Die Kerle müssen das hindernde Netz gekappt haben ....
auf siebenhundert Meter ist er heran .... die Reeling unter der Back
schlägt herunter ... ein Feuerstrahl spritzt hervor .... wieder und
wieder, in schneller Folge .... schmetternd kracht es auf den Turm, reißt
den Rudergänger über Bord und wirft Kommandant und Wachoffizier zu Boden.
»Rein ins Boot! Schnelltauchen!« Voran läßt sich der Kommandant in
den Turm gleiten, an ihm vorbei stürzen die Leute in die Zentrale
hinunter .... Die Hälfte des Turms noch ragt aus dem Wasser ... wenige
Sekunden nur, und die See nimmt »U 187« schützend auf .... ein harter
Schlag auf den Turm, der das ganze Boot erzittern macht .... eine grelle
Flamme leuchtet auf .... beißender Pulverqualm dringt heran, legt sich
schwer auf Auge und Lunge ... Das Licht erlischt. Durch die Seitenfenster
nur noch dringt grünlichfahler Schein .... Wasser rieselt in die Zentrale
hinab ... in hellem Strahl schießt es nach ... immer mehr ....
»Turm abschließen!« Die Reservebeleuchtung flammt auf. In der Zentrale
sieht es wüst aus. Sprengstücke der im Turm platzenden Granaten haben
ihren Weg nach unten gefunden. Ruderleitungen, Kommando-Elemente sind
zerrissen, das Heckruder klemmt, der Kreiselkompaß steht. Nach Steuerbord
überliegend, sackt das Boot unheimlich schnell, zwanzig Meter ...
dreißig ... fünfundvierzig ... und fünfzig Meter überschreitet
eben der Tiefenmesser, als es endlich gelingt, das Boot aufzufangen. Die
Tiefenruder und die Motoren sind intakt geblieben.
Drei Minuten sind verstrichen, seit »U 187« getaucht ist. Der Turm steht
voll Wasser. In ihm ist der Kommandant geblieben. Die Hoffnung, ihn noch
lebend bergen zu können, ist verschwindend gering, versucht aber muß es
werden. Oben lauert der Feind. Es heißt ihn durch plötzliches Auftauchen
zu überraschen und sogleich unter Feuer zu nehmen.
Die Geschützmannschaften halten sich klar, um sofort an Deck springen zu
können ....
»Ausblasen!« Kaum dreihundert Meter hinter dem Heck der Falle schießt
»U 187« an die Oberfläche ... die Luks schlagen auf, hageldicht sausen
die Granaten in den überraschten Engländer hinein, der sein Opfer an
anderer Stelle sucht .... Krachend geht das Ruderhaus in Trümmer ....
mitten in die Geschützmannschaft unter der Back fegen die deutschen
Geschosse .... reißen das Geschützrohr aus seiner Wiege, schmettern die
zerfetzte Bedienung über Bord .... Dann schließen sich die Wellen
des Atlantik über der Falle. Die wird nie wieder deutsche Seeleute
meucheln ....
In wenigen Sekunden ist der Turm entwässert. Hier hat die englische
Granate weit mehr Schaden angerichtet als unten. Rohrleitungen,
Kommando-Elemente und sonstige Einrichtungen hängen verbogen und zerrissen
an den Wänden, die dicken Glasscheiben sind zertrümmert. An Deck
des Turms liegt der Kommandant. Ein gnädiges Geschick hat ihn vor dem
qualvollen Tode des Ertrinkens bewahrt, das Ende muß durch eine schwere
Brustverletzung eingetreten sein, bevor das Boot tauchte.
Noch fehlt der Rudergänger, der vom ersten Treffer über Bord gerissen
wurde. Während im Boot hilfreiche Hände um den verletzten Wachoffizier
bemüht sind, wird die See nach dem Vermißten abgesucht. Umsonst. Nur
Schiffstrümmer und Rettungsringe der beiden versenkten Engländer treiben
herum, in weiter Ferne verschwindet eben der dritte Fischdampfer. Eine
Stunde spähen besorgte Augen umsonst nach dem Kameraden aus. Nichts ....
Deutscher Seemannstod .....
Alles, was nicht an Maschinen und Rudern zu tun hat, wird angestellt,
die Störungen zu beseitigen. Hoffentlich gelingt es, das Boot wenigstens
einigermaßen tauchklar zu machen und Rudereinrichtung und Kreiselkompaß
wiederherzustellen. Bis nach Hause muß es langen. Noch mehrere Sperren
sind zu durchbrechen, ohne Glück ist der Versuch, mit dem beschädigten
Boot in den Hafen zu kommen, ausgeschlossen.
Am späten Abend sind die gröbsten Störungen notdürftig beseitigt,
und mit nordöstlichem Kurs steuert »U 187« auf Fair Island zwischen
Shetland- und Orkneyinseln zu.
Die Maschinen stehen, das Geräusch der Dieselmotoren verstummt. Die
Besatzung tritt auf dem Achterdeck an. Eine kurze Ansprache des ältesten
Wachoffiziers, der die Führung übernommen hat. Wenige Worte nur,
schlicht, aber tief empfunden, dem Kameraden vom Kameraden nachgerufen,
dem Kommandanten, dessen Leiche soeben in die Tiefe gleitet, und dem
Rudergänger, der ihm im Tode voranging. »Vater unser, der du bist« ....
Kaum ist das Amen verklungen, als alles auf Station eilt. Zur Trauer und
zum Gedenken der Toten ist später Zeit. Die Waffe fordert ihre Rechte.
Sie muß dem Vaterlande erhalten bleiben. Und wieder rattern die Motoren,
rauscht das Wasser an den Bordwänden längs.
Drei Tage und zwei Nächte voll gespannter Aufmerksamkeit, voll aufregender
Augenblicke mit dem nur bedingt manövrierfähigen Boote folgen, Stunden,
in denen kein Auge sich schließen darf, in denen nur der bis zum
äußersten angespannte eiserne Wille, das Boot nach Hause zu bringen,
den völlig erschöpften Körper aufrecht erhält. Dann tauchen voraus die
roten Felsen Helgolands auf.
Eine halbe Stunde später, Meldung von »U 187« an Flotte:
»Habe fünfundvierzigtausend Tonnen versenkt. Kommandant und ein
Mann im Gefecht mit U-Bootsfalle getötet, ein Offizier, ein Mann
verletzt.«
Abends in der Messe des U-Boot-Wohnschiffes. Harte, energische Züge
scheinen für einen Augenblick noch entschlossener, schärfer zu werden.
Ein kurzes Gedenken der gefallenen Kameraden, die geblieben sind. Und
gleichzeitig ein stilles Gelöbnis: Den Kampf durchzukämpfen bis zum
Siege.
Der deutsche Reservist
Srrrr ... sr ... srrrrr .... knistert es in der Antenne. Bald kurz, bald
lang, eine ganze Weile schon. Dann verstummt das Sirren, und nach wenigen
Minuten taucht der F. T.-Gast mit seiner Funkspruchkladde in dem Turm
hoch, um das soeben abgehörte Gespräch dem Kommandanten vorzulegen:
»Herr Kapitänleutnant, Funkspruch von »U 103«: »Stehe fünfzig
Seemeilen südlich Kap Clear, haben Sie Appetit auf frischen
Schweinebraten? Kommen Sie bald, Filet für Sie aufgehoben.«
»Donnerwetter!« entfährt es dem Kommandanten, »Nu aber fix, Steuermann
zeigen Sie mal die Karte her. Wie weit stehen wir ab?« Schnell ist mit dem
Zirkel die Entfernung abgegriffen. In zwei Stunden kann »U 145« an
der angedeuteten Stelle sein. Drei Wochen schon ist das Boot draußen im
Sperrgebiet an der französischen Westküste zwischen Spanien und Irland
tätig, über dreißigtausend Tonnen sind ihm bereits zum Opfer gefallen.
Zwar herrscht kein Proviantmangel an Bord, der Schmutje stellt sogar als
früherer Küchenchef eines Reichspostdampfers ganz leckere Gerichte in
reicher Abwechslung auf den Tisch. Was aber will das besagen gegen den
zauberhaften Klang: frisches Schweinefleisch! Wie ein Lauffeuer verbreitet
sich die frohe Nachricht durch das ganze Boot, welch leckerer Bissen in
nächster Nähe winkt. Nach dem erfolgreichen Wirken der letzten Tage ist
die Schiffahrt in dieser Gegend ohnedies für eine Zeitlang vergrämt. Es
wird nichts versäumt, wenn »U 145« der freundlichen Einladung folgt.
Die Dieselmotoren arbeiten so glatt und ruhig, als wüßten sie, daß in
der Nähe frischer Braten wartet. Kaum zwei Stunden später taucht
voraus der graue Turm eines U-Bootes auf, an dessen vorderem Sehrohr das
Erkennungssignal flattert. Weit und breit ist sonst nichts Auffälliges auf
dem Wasser zu sehen. Die See ist durch die Westbrise, die kaum wahrnehmbar
schon seit einigen Tagen stetig weht, nur ganz leicht bewegt. Eine
Viertelstunde darauf liegen die beiden Boote nebeneinander. Vorn am Bug
von »U 145« steht der Matrose Beckmann aus Vegesack mit der Wurfleine.
Geschickt schleudert er sie zum Kameraden hinüber, der sie ebenso
auffängt und die dünne Stahlleine nachholt, Gleichzeitig mit der
Stahlleine geht aber auch die bescheidene Anfrage hinüber: »Hebt ji die
Wust all ferdich?« Der Angerufene grinst bloß vielversprechend und deutet
nach dem Achterdeck, wo eben großes Schlachtefest stattfindet. Ein
Schwein ist bereits gänzlich zerlegt, während das zweite, für »U 145«
bestimmte, sauber und sachkundig geteilt an Deck liegt.
Der Kommandant und einige Leute klettern hinüber. Die Begrüßung ist so
herzlich, wie sie unter Kameraden, die draußen in See allein am Feinde
stehen, nur sein kann. Die letzten Erfahrungen werden ausgetauscht, jeder
berichtet, was es in der letzten Zeit an Interessantem gab. Der Kommandant
von »U 103« ist erst vor drei Tagen hier angekommen. Außer zwei kleinen
Seglern hat er heute morgen einen Dampfer versenkt, der Hafer für die
englische Armee geladen hatte und von Rosario in Argentinien nach Le Havre
bestimmt war. Kurz vor dem Anschlagen der Sprengpatronen entdeckte die
Sprenggruppe auf dem von der Besatzung bereits verlassenen Fahrzeuge die
beiden fröhlich grunzenden Borstentiere, die keinen Sinn für den Ernst
der Lage zu haben schienen; und da es zu schade war, die armen Tiere
ungegessen in die Tiefe gehen zu lassen, wurden sie an Bord genommen.
Bedeutend mehr weiß der Kommandant von »U 145« zu berichten. Mit
einer stummen Bewegung nach drei Leuten, die ruhig und vergnügt auf dem
Achterdeck seines Bootes stehen und behaglich ihre Pfeife schmauchen,
deutend, sagt er: »Sehen Sie sich mal diese harmlosen drei Burschen dort
an, die hätten uns um ein Haar das Lebenslicht ausgeblasen. Vor fünf
Tagen stand ich zwanzig Seemeilen östlich Quessant, als ich einen großen
Schlepper -- der alte Bursche dort, der sich eben die Pfeife anzündet,
führte ihn -- durch einen Schuß anhielt. Der Kasten sah gänzlich harmlos
aus, Geschütze hatte er nicht, und auch sonst war nichts Verdächtiges an
ihm zu bemerken. Bis auf fünfzig Meter waren wir herangegangen, als der
Kerl plötzlich mit Hartruder auf uns zudreht. Wir mit A. K. rückwärts,
auf Strohhalmbreite schrammte er an uns längs. Dann wollte er auskneifen.
Na, er kam nicht weit, wie Sie sich denken können. Gleich beim ersten
Schuß flog ihm der Schornstein über Bord, der nächste riß ihm ein
ganzes Stück aus dem Heck, und der dritte gab ihm den Rest. Zwei von
seinen Kerls waren bei der Geschichte draufgegangen. Heizer und Maschinist,
die mächtig herumwinselten und über ihren Kapitän mordsmäßig fluchten,
habe ich an Land geschickt, den Burschen selbst werde ich zu Hause
abliefern.
Die beiden Tommys haben mir auch ordentlich zu schaffen gemacht. Die sind
schon seit vierzehn Tagen bei mir und haben sich ganz gut eingelebt. Sie
müßten mal sehen, wie die Kerls springen, wenn getaucht werden soll, wie
die Wiesel. Nächstens kann ich sie rollenmäßig anstellen. Sie waren auf
einem dicken Elder Demster Dampfer, der mit voller Ladung vom Kap kam, und
schossen aus ihrem Geschütz, bevor wir noch überhaupt recht aufgetaucht
waren. Eine Stunde haben wir uns mit dem Kasten, der natürlich, sobald
er einsah, daß er uns unterlegen war, haste was kannste ausbüxte,
herumgeschlagen, dann endlich gab er klein bei. Schön sah es beim ihm an
Deck ja nicht aus. Den Kapitän wollte ich auch mitnehmen, der hatte aber
einen schweren Granattreffer abbekommen. Seine Leute haben ihn mit an Land
genommen. In diesem Kriege fährt er sicher nicht mehr zur See. Sonst
aber haben wir bis heute Glück gehabt. Na, und jetzt der unverhoffte
Schweinebraten!«
Der Koch, der bereits einige Male den Versuch gemacht hat, mit dem
F. T. Filet an Deck zu erscheinen, hat wohl nur auf dieses Wort gewartet.
Eine Stunde später trennen sich die beiden Boote unter fröhlichem »Auf
Wiedersehen!« --
Zwei Tage später steht »U 145« südlich von Belle Ile, um die
Loiremündung nach ein- und auslaufenden Schiffen zu beaufsichtigen. Gegen
zehn Uhr vormittags tauchen am östlichen Horizont zwei Segler auf, die
aber nicht weiter kommen. Sie kreuzen in kurzen Schlägen auf und ab und
warten anscheinend auf irgend etwas. U-Bootsfallen? »Na, die können ja
lange warten, bis wir ihnen den Gefallen tun«, murmelt der Wachoffizier,
der die Fahrzeuge, die sich so eigentümlich benehmen, beobachtet, vor sich
hin. Nach einer Weile gleiten aus der Loiremündung zwei weitere Segler
heraus. Dicht hinter ihnen taucht eine Rauchwolke auf, die sich den vier
dicht beieinander stehenden Schiffen nähert. Als hätten die nur darauf
gewartet, so setzen sie sich jetzt unverzüglich mit Westkurs in Bewegung.
Das Rätsel ist gelöst: ein Konvoi! Der Dampfer, ein ehemaliger Trawler,
hält zuerst weit voraus die Spitze, während die vier Segler, in
ungefähr hundert Meter Abstand, voneinander folgen. Es sind die
typischen französischen Raschoner, die zu normalen Zeiten bei Island oder
Neufundland fischten. Fahrzeuge von drei- bis vierhundert Tonnen, die jetzt
bei dem großen Mangel an Schiffsraum dem Frachtverkehr zwischen England
und Frankreich dienen müssen. Dem Geleitschiff erscheint die See voraus
unverdächtig. Es stoppt, läßt die Segler aufkommen und hält sich an
ihrer Leeseite. Der Zug kommt näher heran. Deutlich ist auf der Back des
Fischdampfers ein Schnellfeuergeschütz zu sehen, zwei Revolverkanonen
stehen am Heck.
Dreitausend Meter vor ihm taucht »U 145« auf und überschüttet ihn
mit einem Hagel von Granaten. Bevor die Segler noch begriffen haben, was
anliegt und die Franzosen auf dem Trawler die geringsten Anstalten zur
Gegenwehr machen können, sinkt ihr Fahrzeug weg. Wie eine Herde von
Schafen, in deren Hürde der Wolf einbricht, versuchen jetzt die Segler
davonzulaufen. Mit ihnen hat das U-Boot leichtes Spiel. Dem ersten saust
eine Granate in die Takelage, daß die Segel des Vordermastes brennend
über das Deck hinstürzen, der zweite teilt sein Schicksal. Ihm geht mit
einem Stück des Vorschiffes der Klüverbaum davon. Nun ergeben sich auch
die beiden anderen in ihr Schicksal und werfen die Segel herunter. Eine
Viertelstunde später rudern in drei heilgebliebenen Booten die
Besatzungen der vier versenkten Raschoner mit den beiden Überlebenden des
Geleitschiffes nach der französischen Küste.
Am Nachmittag und im Laufe des nächsten Tages zeigt sich in dieser Gegend
nichts mehr. Die Versenkung der fünf Schiffe ist von Belle Ile aus wohl
beobachtet, die Schiffahrt ist gewarnt worden. So geht »U 145« wieder
nach dem Westeingang des Kanals. Dort soll versucht werden, feindliche
Schiffe, die glauben, ungestraft das Sperrgebiet passieren zu können,
eines Besseren zu belehren.
Hundertfünfzig Seemeilen östlich der Scillyinseln kommt ein großer,
schwarzer Dampfer, dessen Schornstein kein Reedereiabzeichen trägt, mit
hoher Fahrt über die Kimm herauf. Den Umrissen nach kann es sich nur um
einen Dampfer der P. u. O. Linie handeln, der dem Verkehr mit Ostasien
dient. Er ist schwer geladen und sicher bewaffnet. Ein Artilleriegefecht
mit dem schnellaufenden Schiff ist eine zu gewagte Sache. Selbst wenn
er einige gutsitzende Treffer abbekommt, kann er noch immer mit seiner
überlegenen Geschwindigkeit glatt davonlaufen. Das große Schiff mit
seiner wertvollen Ladung, die sicher in die Millionen geht, verlohnt
überdies schon einen Torpedo.
Der Engländer scheint sich ziemlich sicher zu fühlen, da er seinen Kurs
durchhält und nicht, wie es sonst in dieser Gegend doch üblich ist, Zeit
mit Zickzackfahren verlieren will.
Auf Sekunden stößt das Sehrohr des an die Fahrtrichtung anlaufenden
Bootes über die Oberfläche, Dann wiederholt sich das wohlbekannte
Schauspiel: die hohe Sprengwolke, die einströmende See, das Überlegen
des riesigen Kastens, der sicherlich über zehntausend Tonnen hat, und
schließlich das Versinken. In kaum einer halben Stunde ist alles vorüber.
Die Besatzung ist in ihre Boote geklettert und liegt in der Nähe gestoppt,
um die schwerfälligen eisernen Tröge vorerst zum Segeln klarzumachen.
Keine leichte Arbeit bei dem unglaublichen Zustande, in dem sich das
Inventar der Boote befindet. »U 145« umkreist die Engländer und läßt
das Boot, in dem sich der Kapitän mit den Schiffspapieren befindet,
herankommen. Ein fetter Bissen! Stückgut, Reis aus Rangoon, Tee aus
Colombo, Häute -- zweihundertfünfzig chinesische Kulis zur Bestellung
der englischen Felder, die seit der plötzlichen Sperrgebietserklärung
Deutschlands eine recht wichtige Rolle spielen. Ob die armen gelben Kerle,
die wie ein Häufchen Unglück fröstelnd in ihrem Nankingzeug auf den
Duchten hocken und allmählich einzusehen scheinen, daß es mit
dem glänzenden Angebot doch ein böser Reinfall war, die englische
Landwirtschaft auf die Beine bringen werden? Es sieht nicht gerade danach
aus.
Während der Kommandant noch in den Schiffspapieren blättert, segelt
das erste Boot, ohne um Erlaubnis zu fragen, bereits ab. Ein Schreien und
Schimpfen erhebt sich drüben, ein kurzes Handgemenge, dann springt ein
Mann der Besatzung über Bord. Die Engländer suchen ihn mit Bootshaken
und Riemen heranzuziehen, er will aber nicht. Während das Boot in den Wind
schießt, stößt der Schwimmer gewaltig aus, um die Entfernung zwischen
sich und dem Fahrzeuge noch zu vergrößern. Ab und zu hebt er sich aus
dem Wasser und ruft; was er will, ist nicht zu verstehen, da der Wind den
Schall verweht. Jedenfalls aber muß mit dem Kerl dort etwas Besonderes los
sein.
Eben will der Kommandant den Befehl geben, dem Schwimmer entgegen zu
fahren, als vom Vorschiff gerufen wird: »Der Mann schreit Hilfe!«
Hilfe? Ein deutscher Ruf? Einige Minuten später wird der ziemlich
Erschöpfte an Bord des U-Bootes, das ihm entgegengefahren ist, gezogen
und zum Kommandanten geführt. Trotz der triefenden Kleider, aus denen das
Wasser unaufhörlich an Deck leckt, nimmt er militärische Haltung ein
und meldet: »Obermatrose d. R. Ahlers meldet sich an Bord«. Schallendes
Gelächter. Die Geschichte ist wirklich komisch. Eine Weile dauert es, bis
der Kommandant sich gefaßt hat.
»Nanu, Mensch, wo kommen Sie denn her?«
»Aus dem Gefangenenlager von Singapore, Herr Kapitänleutnant!«
»Na, das scheint ja eine lange Geschichte zu sein. Nu mal erst unter
Deck und anderes Zeug anziehen. Gebt ihm 'n ordentlichen Schluck aus der
Buddel.«
Verständnisinnig nimmt der Bursche des Kommandanten den
»Überetatsmäßigen« mit hinunter, um ihn mit allem Nötigen zu
versehen.
Die Engländer werden bis auf den Kapitän und die Geschützbedienung
freigelassen. Der Obermatrose Ahlers, der sich in seinem trockenen Zeug
rasch von der kurzen Schwimmpartie erholt hat, muß auf den Turm kommen und
dort erzählen. Er war Zweiter Offizier auf einem kleinen Lloyddampfer, der
als Küstenfahrer zwischen Singapore und den Sundainseln verkehrte. Kurz
nach Ausbruch des Krieges lief sein Schiff, dessen Besatzung keine Ahnung
von den inzwischen eingetretenen Ereignissen hatte, in Singapore ein.
Sofort nachdem es festgemacht hatte, kam die Mannschaft eines englischen
Kreuzers an Bord und holte die deutschen Offiziere herunter, um sie nach
einem in der Nähe der Stadt gelegenen Gefangenenlager zu bringen. Lange
Monate hatte Ahlers mit zahlreichen Leidensgenossen dort zugebracht, bis es
ihm und einem Freunde glückte, eines Nachts die Wachsamkeit der Engländer
zu täuschen und zu fliehen. In einem kleinen, am Strande gelegenen
Eingeborenendorf bemächtigten sie sich eines Fischerbootes, um die
Malakkastraße zu überqueren und sich nach Sumatra auf holländisches
Gebiet in Sicherheit zu bringen. Anfangs ging auch alles ganz gut.
Mitten in der Straße aber schlief der Wind gänzlich ein, und die starke
Strömung vereitelte jeden Versuch, durch Rudern weiterzukommen. Drei Tage
und drei Nächte trieben sie in dem offenen Boot umher. Wasser hatten
sie nur einen kleinen Blechtinn mitnehmen können. Die Sonne schien mit
mörderlicher Glut senkrecht von oben herab. Gegen Mittag des dritten Tages
starb sein Freund an einem Sonnenstich. Wie der nächste Tag vergangen,
wußte er selbst nicht mehr, er war völlig teilnahmlos geworden. Zwanzig
Stunden später kam der P. u. O. Dampfer heran und nahm ihn auf. Er war
bald erkannt, da einer der englischen Passagiere aus Singapore stammte und
öfters mit ihm gefahren war. So wurde er also eingeschlossen und sollte
als Gefangener in England abgeliefert werden. Im Augenblick des Unterganges
war er ruhig mit ins Boot gegangen; eine Gelegenheit mußte sich bieten,
die Aufmerksamkeit der Deutschen auf sich zu ziehen. Er erzählt ganz
schlicht und einfach, tut mit wenigen Worten die ganze Geschichte ab.
Und ist doch ein ganzer Roman von glühender Heimatliebe und deutschem
Wagemute. Schnell findet er sich in das Leben an Bord des U-Bootes, am
nächsten Tage geht er schon seine Wache. --
Der Konvoi
Aus den Erzgruben Nordspaniens rollen Tag und Nacht die schwerbeladenen
Züge nach Bilbao. Auf den Ladebrücken direkt vor den Dampfern halten
sie. Die Waggons werden abgekuppelt und einzelne gehoben. Im nächsten
Augenblick poltert ihr gewichtiger Inhalt durch die Ladeluks in das
Schiffsinnere. Mehr als dreißig Züge, bis an die tausend Waggons
verschluckt ein einziger der großen Dampfer, von denen seit Ausbruch des
Krieges ein immer mehr steigendes Kommen und Gehen ist. Kaum haben sie
ihre Kohlenladung gelöscht, als auch schon das Erz den Platz einnimmt.
Hunderttausende von Tonnen jeden Monat. Ein gewaltiges Geschäft für die
Besitzer der spanischen Gruben, die ihren Betrieb vervielfachen mußten,
um den britischen Anforderungen genügen zu können. Der Krieg hat den
Verbrauch von Stahl ins Ungeheure gesteigert. Wo immer Eisenerze zu haben
waren, trat England als Käufer auf. Die eigenen Erze sind zu arm, die
Tausende von Munitionsfabriken verschlingen immer mehr Rohmaterial. Bleibt
die Zufuhr aus, dann ist auch der Krieg für England verloren; kein Wunder,
wenn die britische Admiralität mit allen ihr zur Verfügung stehenden
Mitteln trachtet, diese so wichtigen Transporte sicher von Hafen zu Hafen
zu geleiten.
Fünf der großen Trampdampfer liegen bereits vor der Einfahrt unter Dampf,
als der sechste seine Ladeluken schließt, vom Kai ablegt und den Hafen
verläßt. Hintereinander setzen sich die Schiffe in Bewegung. Außerhalb
der Dreimeilengrenze warten bereits zwei kleine englische Hilfskreuzer,
ehemalige schnellaufende Kanaldampfer, auf ihre Schutzbefohlenen. Der
Geleitzug wird gebildet. Unendlich schwierig ist es, auf hundert Dinge muß
Rücksicht genommen werden. Die Geschwindigkeit des ganzen Konvoi muß sich
nach der des langsamsten Fahrzeuges richten, nicht zu dicht dürfen die
Schiffe hintereinander folgen, um Rammen zu vermeiden. Der Zwischenraum
darf aber auch nicht zu groß werden, damit die Geleitschiffe sie wirksam
zu schützen vermögen. Geht schon durch die Verschiedenheit der Fahrzeuge
geraume Zeit verloren, bis sie fahrbereit sind, dann steigert der Marsch
selbst die Schwierigkeiten. Die Anhäufung so vieler Schiffe erregt
durch die große Zahl der Rauchwolken schon auf weite Entfernung die
Aufmerksamkeit der U-Boote. Es gibt aber keine Wahl. England verfügt nicht
über die genügende Anzahl von Geschützen, um alle Dampfer bewaffnen zu
können, selbst wenn das mit Hilfe Amerikas durchzuführen wäre, fehlen
doch die Leute zur Bedienung.
Die Nacht bricht herein, tiefe Dunkelheit senkt sich über die See,
schwarze Wolken verhüllen den Himmel. Ein Licht glimmt auf, ein zweites,
drei, sechs. Die Gefahr des Rammens wächst in der dunklen Nacht. Die
Abstände zwischen den Schiffen müssen vergrößert werden, sie dürfen
sich aber nicht verlieren. Das einzige Mittel ist ein Licht am Heck, um dem
Hintermann den Standort anzuzeigen. So schwach der Schein der Laternen auch
ist, er dringt weit über See und verrät dem spähenden U-Bootsmann das
Nahen des Gegners.
Seit einer Stunde hat »U 145« die Lichter des Konvois, der, von Bilbao
kommend, kostbare Erzladung an Bord haben muß, in Sicht. Vorläufig
ist nichts zu machen. Die Geleitschiffe sausen völlig abgeblendet in
unregelmäßigen Kursen um die ihnen anvertrauten Dampfer herum, bereit,
den nahenden Feind mit ihrem Schnellfeuer zu überschütten. In sicherem
Abstande gleitet das Tauchboot voraus. Erst der grauende Morgen soll den
Angriff bringen. Deutlich ist die Zahl der einzelnen Schiffe zu erkennen:
Sechs Erzdampfer, dazu mehrere abgeblendete Geleitkreuzer.