[C] Die Amusements hatten einen Vorläufer in ~Mich. Caspar

Lundorf~s Wißbadischem Wiesen-Brünnlein von 1610, das weiter

nichts als „schlechte Histörgen“ enthielt, die den Kurgästen zum

Zeitvertreib dienen sollten[433]. Dem „unschuldigen“ Zeitvertreib im

Karlsbad dienten angeblich als Quellen ~Abraham a Santa Clara~ und

französische, italienische und holländische Literatur[463].

[D] Die hier folgenden Angaben fußen auf Schilderungen

der verschiedenen „Amusements“, den Zeitungen und den

Brunnentaschenbüchern der Zeit; namentlich kommt das Journal des

Luxus und der Moden[165] in Betracht.

[E] Die Bedeutung eines an- oder abwesenden Hofes für die

Mineralbäder zeigt am besten das Schicksal der Quelle von Imnau im

Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen. 1822 schreibt ~Wetzler~ darüber:

„Vor etlichen und zwanzig Jahren ließ der damalige Fürst Anton ein

großes und schönes Badehaus aufführen und kam alle Jahr im Sommer

dahin. Der Hof, das Spiel zog viele Gäste herbei. Der Hof blieb weg,

und die Gäste, die derselbe, sowie das Spiel angezogen, blieben auch

weg, so daß der Brunnen die letzten Jahre sehr wenig besucht ward,

und das Bad, das an oder gar über die hunderttausend Gulden gekostet

haben soll, vor einem Jahre, dem Vernehmen nach, mit 15000 fl.

verkauft wurde“[370].

[F] Das Entweichen der Kohlensäure beim Kochen der Säuerlinge war

schon ~Bolmann~, einem Arzte in Hameln, aufgefallen, der 1682 ein

Werk über Pyrmont verfaßte. In jungen Jahren hatte er 1628 den im

Dreißigjährigen Kriege berühmt gewordenen Grafen von Pappenheim

nach Lüdge begleitet. Dieser gebrauchte dort den heiligen Brunnen

von Pyrmont zum Baden, und ~Bolmann~ machte die Erfahrung, daß beim

Erwärmen des Wassers im Kessel „alle Spiritus, darin die Kräffte

stecken evanesciren, sich verlieren und ausrauchen“. Er schlug

einen Modus — wie er glaubte einen neuen, den er erfunden — vor

und „practicirte“ ihn auch, nämlich bei zugedeckter Badewanne

glühend gemachte große Kieselsteine, Kugeln oder Schmiedeschlacken

vermittelst eiserner Kellen durch ein Loch des Deckels in das Wasser

zu werfen und dies dadurch zu erwärmen[392].

[G] Es ist demnach die Angabe, ein englischer Arzt ~Abernetzy~ habe

1793 das Luftbad zuerst zur Sprache gebracht[662], falsch.

[H] ~Döbereiner~ glaubte auf Grund dieser Ausführungen, daß die

natürlich schwarzen Menschen von der Sonne mehr +Wärme+ als Licht

erhielten und sie vielleicht daher mit weniger Geisteskräften begabt

seien als die Weißen, bei denen die Sonne mehr als +Licht+ wirke.

Es wäre nicht uninteressant, einen eventuellen Unterschied in der

Wirkung unserer modernen Lichttherapie bei verschiedenfarbigen

Menschen festzustellen. Aus ~Döbereiner~s Schrift hebe ich noch

hervor, daß von der künstlichen Wärme die am freien flammenden Feuer,

die strahlende, die beste ist, die man durch metallene Hohlspiegel

nach jeder Richtung bequem und besonders leicht an die kranken Teile

des im Bett liegenden Patienten leiten kann.

[I] Ähnliche Preisausschreiben erließen die Akademien zu Dijon und

Bordeaux im Jahre 1756 bezw. 1765[416].

[J] Der alte ~Hahn~ war der erste, der ~Luther~s Worte: „Wasser

thut’s freilich nicht“ in „Wasser thut’s freilich! Nicht?“

umwandelte[671], was später von Laienwasserärzten, ~Rausse~ und

Pfarrer ~Kneipp~, wiederholt wurde.

[K] ~Hirschel~ gibt folgende Auflagen an, die erste von 1738, die

zweite von 1743, die dritte von 1754 (ist wohl Druckfehler für

1745), die vierte von 1754, die 1770 mit neuem Titelblatt, also als

unveränderter Abdruck, erschien[622]. Ich kenne die „2.“ Auflage

von 1745, die von ~Hirschel~ nicht erwähnte „3.“ von 1749 und

die „4.“ von 1754. Da nun ~Hahn~ in der Vorrede zur sogenannten

zweiten Auflage von 1745 selbst angibt, das Buch sei 1738 zum

ersten Male herausgegeben, 1743 abermals und durch Zusätze vermehrt

worden, und nun wage sein Verleger die dritte Auflage, so ist die

Bezeichnuug zweite Auflage auf dem Titelblatte falsch. Das Buch

erschien also 1738, 1743, 1745, 1749, 1754 und 1770, hatte demnach

eine ungemeine Verbreitung gefunden. Die Züricher Bibliotheken

enthalten fünf Exemplare, von denen drei die medizinisch-chirurgische

Bibliothekgesellschaft besitzt. 1833 gab ~Örtel~ eine unveränderte

„5.“ und 1834 eine von ihm völlig umgearbeitete Auflage heraus[622].

In neuester Zeit ließ ~Winternitz~ das Buch wieder erscheinen.

[L] Darum sagt ~Hahn~ auch: „Das Baden der Krancken geschieht

entweder in hitzigen oder langwierigen Kranckheiten. In hitzigen zwar

läst es sich, wenn die Patienten allzu schwach werden, daß sie in

der Wanne nicht ausdauren können, nicht allemahl thun, und man kan

auch dabey schon mit dem bloßen Waschen zurechte kommen; doch wenn

dergleichen Leute das Baden vertragen können, so läßt man sie nicht

eben so lange darinnen, aber man kan es desto öffters wiederholen,

doch nicht länger, als bis man aus dem Pulß und der Empfindung des

Patienten selbst gewahr wird, daß die größte Hitze gedämpft sey,

und dabey beobachtet man eben keine Zeit auch sonst keine besondere

Diät.“ Bei chronischen Krankheiten war ~Hahn~ weniger ängstlich, so

riet er sogar einmal einer mit „gemeiner Krätze“ „durch den gantzen

Leib schändlich damit behaffteten“ Frau, etliche Tage in einer Wanne

zuzubringen und gar darinnen zu essen und zu schlafen. „Da ihr aber

solches allzu beschwerlich und ihre Profession ihr daran hinderlich

war, so wusch sie sich nur oft den Tag über, und des Nachts wickelte

sie sich gantz bloß in nasse Tücher, und in kurtzem wurde sie

gantz rein.“ Diese schroffe Verordnung ~Hahn~s gehört aber zu den

Ausnahmen. Ich möchte das deswegen hervorheben, weil man hin und

wieder liest, ~Hahn~ habe Menschen mit wahren Pferdekuren behandelt,

und deswegen soll durch ihn die Kaltwasserbehandlung nicht populär

geworden sein. Im Gegenteil, ~Hahn~ individualisierte schon, wie

wir bei der Behandlung von Infektionskrankheiten sahen. Fälle, bei

denen Bekannte von ihm bei rauher Luft anfangs Herbst unter freiem

Himmel ellenhoch kaltes Wasser Armsdick auf sich schießen ließen,

sich bei heftigem Leibschneiden nackend aufs freie Feld legten, als

die Erde schon gefroren war, und den Leib mit Eis bedeckten oder in

einer großen Badewanne mit eiskaltem Brunnenwasser, bis sie „ziemlich

gefrohren und verblaut“ zubrachten, rechnet ~Hahn~ zu den „Excessen

mit gantz kaltem Baden“. Obwohl er hinzufügt, daß die Betreffenden

keinen Schaden genommen hätten, sagt er doch: „Ich mag eben nicht

allen und jeden rathen es nach zu thun.“

[M] Den Ausdruck Beschwörungen halte ich nicht für richtig, es

handelt sich um das sog. Segnen. In schweizerischen Verboten findet

sich der Ausdruck Lachsnen. Man besprach wohl Krankheiten als etwas

vom Bösen Zugefügtes. Es ist aber sinnwidrig, ein Heilmittel zu

besprechen, bezw. zu beschwören.

[N] Diese Auffassung finden wir bei ~Priessnitz~ wieder.

„~Priessnitz~ erkannte oder ahnte in einem gewissen hydriatischen

Instinct, daß, wenn die chronischen Krankheiten in der Wasserkur sich

zur acuten Form gestalten, eben dadurch die Heilung vom Organismus

erstrebt wird, und in den meisten Fällen nur dadurch erreicht werden

kann“, schreibt ~Rausse~[637].

[O] Es ist noch anzuführen, daß das sogenannte ableitende Verfahren

den Ärzten nicht unbekannt war. ~Floyer~ erwähnt, es sei eine

mehrmals versuchte Erfahrung der Weiber, daß sie bei Blutstürzen der

Gebärmutter ihre Füße in kaltes Wasser setzen[96]. ~Dauter~ spricht

von einer Anwendung des kalten Wassers auf andere entfernte Teile,

damit es „vermöge der Mitleidenschaft“ auf den Krankheitssitz selbst

wirke, beim Nasenbluten z.❆B. leiste es, nicht nur auf die Nase

selbst, sondern auch auf den Hodensack geschlagen, gute Dienste[658].

[P] Eine etwas andere Schilderung gibt 1845 ein Anonymus: „Durch

einen Handelsmann aus der Nachbarschaft (Ludwigsthal), welcher in

~Priessnitz~ens elterlichem Hause einkehrte und, wenn er sich bei

seinem Hantieren mit Eisen- und Drahtwaren an Händen und Füßen oft

verwundet hatte, nur dadurch, daß er die Verletzung mit kaltem

Wasser abwusch und dann mit einem in frisches Wasser getauchten

Lappen umwickelte, bald völlig heilte, war die Aufmerksamkeit

von Gräfenberger und anderen Landleuten, die sich verwundet oder

gequetscht hatten, auf ihn gelenkt worden, und so natürlicherweise

auch die immer rege Aufmerksamkeit des jungen ~Priessnitz~,

welcher, als Altersschwäche den unter den Landleuten berühmten

Wunder-Wasserdoktor ferner zu curiren hinderte, nun selbst, nach

vollbrachter Feldarbeit, bei sich an ihn wendenden Leidenden dessen

Kunst glücklich ausübte. Sie beschränkte sich damals nur darauf,

daß er die leidenden Teile mit einem runden Schwamme, welchen er

stets bei sich trug, wusch, weswegen ihm von diesen Leuten der Name

„Schwammeldoctor“ beigelegt wurde[636].

[Q] ~Munde~ schreibt von ~Schrott~, dem Begründer der ~Schrott~schen

Kur, der in Lindewiese bei Gräfenberg praktizierte: „Er erzählte uns,

daß er auf seine Methode durch einen reisenden Handwerksburschen

gekommen sei, den er einst auf seinem Wagen eine Strecke mitgenommen

und der ihm geraten habe, seine gichtisch geschwollenen Kniegelenke

mit frischem Wasser täglich einige Mal zu waschen und zwar mit einem

Läppchen, in welches er ein mit seinem Blute beflecktes Hölzchen

zu wickeln hätte. Das Waschen half, der Lappen verfaulte, und

~Schrott~ nahm nun einen andern Lappen ohne Hölzchen, was bei ihm

und anderen dieselben Dienste that. Durch das Anraten seines Mittels

hatte er einen gewissen Ruf bekommen und, so wie ~Priessnitz~, eine

oberflächliche Idee von verschiedenen Krankheiten sich angeeignet,

welche ihm bei seinen Verordnungen von Nutzen war. Ein guter Kopf

und praktische Lebensklugheit hatten ihm gelehrt, daß die Leute

sich besser halten und eine Kur besser brauchen, wenn sie sie

nicht verstehen und etwas Ungewöhnliches, ihnen Unbegreifliches

dabei vorkommt. Er magnetisierte also das Wasser, welches er zu

seinen Waschungen und zum Trinken benutzen ließ, fügte späterhin

das Schwitzen in nassen Tüchern hinzu ..., setzte jedoch, und zwar

mit Recht, einen vorzüglichen Wert auf eine strenge Diät.“ Das

Magnetisieren des Wassers durch ~Schrott~ war natürlich weiter nichts

als das alte Segnen unter einem zur Zeit besser ziehenden Namen.

~Schrott~ stillte auch Blutungen durch Magnetisieren, nach alter

Weise ausgedrückt, er besprach oder segnete das Blut. Die Wundsegen

reichen bis in heidnische Vorzeit zurück.

[R] Ganz frei von Aberglauben war aber ~Priessnitz~ auch in späterer

Zeit nicht. Als bei einer polnischen Gräfin trotz (wie ~Munde~ sagt,

wegen) seiner Behandlungsweise ein Krebs aufbrach und ihre Familie

untröstlich wurde, der Mann der Kranken ~Priessnitz~ Vorwürfe machte,

daß die Krankheit unter seiner Behandlung einen so üblen Ausgang

genommen, entschuldigte sich dieser damit, „es sei ein Hexenschuß,

dafür könne er nicht“. ~Munde~ bemerkt, daß Hexenschuß in Schlesien

zur Zeit ein Behextsein der Kühe bedeute.

[S] ~Selinger~ sagt in seinem nach ~Priessnitz~’ Angaben verfertigten

Werke: „Um jene Zeit lebten im schlesischen Gesenke mehrere Männer

unter dem Volke, die wegen glücklich bewirkter Kuren häufig genannt

wurden. Einer derselben heilte verschiedene Krankheiten mit Kräutern,

ein anderer kurierte Beinbrüche, ein dritter Rippenbrüche. Gebrochene

Rippen wieder einzurichten verstand mit besonderer Geschicklichkeit

der Müllermeister im Dorfe Sandhübel, der daher auch weit und

breit bekannt und häufig gesucht war.“ Als ~Priessnitz~ (im 17.

Lebensjahre) von einem Wagen überfahren worden war, da „erinnerte er

sich (nach Fehlschlagen der Kur des Freiwaldauer Wundarztes) der Art

und Weise, wie der bereits verstorbene Müller in Sandhübel gebrochene

Rippen einzurichten pflegte. Er nahm nun einen eichenen Sessel, legte

den Unterleib auf die Ecke desselben, hielt den Atem an und drückte

den Bauch so lange in die Höhe, bis die eingedrückten und gebrochenen

Rippen in ihre natürliche Lage hervorgehoben waren. Nachdem er dies

glücklich zu Stande gebracht, fiel ihm ein, daß sich das kalte Wasser

an ihm selbst und an Andern bei verschiedenen Gelegenheiten sehr

wohltätig erwiesen habe, und er beschloß daher, das kalte Wasser

auch in diesem Falle als Heilmittel zu versuchen. Er machte sich nun

kalte Umschläge um den Leib, worauf die wütenden Schmerzen nachließen

und er in einen langen, ruhigen Schlaf verfiel“. Die Umschläge

wurden fortgesetzt, dabei fleißig kaltes Wasser getrunken, und kein

Wundfieber trat ein. ~Priessnitz~ trug noch ein Jahr lang Umschläge

um den Leib und fühlte sich dann hergestellt[634].

[T] ~Örtel~s allerneueste Wasserkuren begannen schon 1829 zu

erscheinen[622].

[U] Ich muß hier jedoch an zwei Stellen aus ~Munde~s Memoiren

erinnern: „Die Frau Doctor Rupprecht und die Gräfin Potocka

starben beide am Schlage nach dem Bade. Bei ersterer sollte nach

~Priessnitz~ens Urteil ein Aderlaß am Fuße Schuld sein, welchen

ihr der schnell herbeigeholte Arzt gemacht hatte. Der zweiten

+verordnete+ ~Priessnitz~ +selbst eine Blutentlassung+, ohne daß er

sie zu retten vermochte.“ Eine ältere Dame starb in Gräfenberg an

einem eingeklemmten Bruch. ~Munde~ nennt sie das Opfer des ärztlichen

Egoismus, weil ein anwesender Arzt als Ausländer keine Operation

wagen wollte, deren Ausgang zweifelhaft war, und ~Priessnitz~? Der

wollte sich mit dem eingeklemmten Bruche nicht befassen. So ließ man

die Dame sterben[647].

[V] ~Rüsch~ rechnet 1825 (als ~Priessnitz~ noch keine kalten Bäder

verabreichte[668]) Untätigkeit, Sprödigkeit, Dichtigkeit, Risse der

Haut zu den „Umständen, welche zu einem unglücklichen Erfolg des

kalten Bades geneigt machen“[88]. ~Hufeland~ sagt 1804: „Die Haut ist

der Sitz der beständigen Ausdünstung, des größten Reinigungsmittels

unsrer Säfte.“ „Keine Krankheit kann ohne Mitwirkung der Haut kuriert

werden, und ihre Beschaffenheit bestimmt am sichersten unsre Hoffnung

und die Gefahr“[667].

[W] ~Priessnitz~ selbst mußte später von seiten seines Schülers

~Rausse~ über sich den Vorwurf ergehen lassen, er habe durch falsche

Wasseranwendung bei akuten Erkrankungen nicht nur Todesfälle, sondern

auch chronische Übel verschuldet. ~Priessnitz~’ eigene Tochter

leide seit einer Lungenentzündung an Herzklopfen, er habe durch

verkehrte Wasseranwendung die Lungenentzündung nicht geheilt, sondern

unterdrückt. Bei ~Rausse~s „richtiger“ Behandlung darf nämlich kein

Todesfall oder eine Nachkrankheit vorkommen[637].

[X] Ich muß allerdings bemerken, daß in dem in bezug auf Diät

heute noch mustergültigen Karlsbad schon 1795 eine ausdrückliche

Küchenvorschrift für die Speisewirte vorhanden war[370], und

~Justinus Kerner~ schreibt 1832, daß zu Karlsbad und auch zu

Marienbad schon längst den Speisewirten eine Küchenvorschrift erteilt

sei, von der sie trotz allen Geschreies leckerer Mäuler bei Verlust

ihrer Privilegien nicht abgehen dürften[325].

[Illustration: Abb. 159. Leiste aus: De Balneis Venetiis (Venedig) apud

Juntas. 1553.]

NACHTRAG

[Sidenote: _Baden im 8. Jahrhundert_]

Für die Häufigkeit des Badens in Deutschland im 8. Jahrhundert spricht

vielleicht ein Vermerk in zwei +altdeutsch+ geschriebenen Rezepten der

Baseler Universitätsbibliothek, die aus jener Zeit stammen. Während

des Gebrauchs der dort aufgeführten Gewürze soll nicht gewaschen und

gebadet werden: „ni in demo ni duuahe: ni in demo ni pado“[695].

[Sidenote: _Johannisbäder_]

Die Johannisbäder wurden im Württembergischen nicht nur 1591 und 1602

(S. 20) verboten, sondern auch am 19. August 1639 und nochmals am 14.

Mai 1666 zusammen mit dem Johannifeuer[291].

[Sidenote: _Wiener Badeverhältnisse_]

Weswegen die Ankündigung der ~Ferro~schen Badeanstalt in Wien von

den kaiserlichen Leibärzten ~van Swieten~ und ~Störk~ angegriffen

wurde (S. 47), ist nicht recht klar; denn ~Ferro~ selbst schreibt,

die medizinische Fakultät habe über die Errichtung seiner Anstalt

den vorteilhaftesten Bericht abgegeben. „Es ist“, schrieb sie unter

anderem, „durch Erfahrungen bestätigt, daß in sehr vielen kränklichen

Umständen die kalten Bäder großen Nutzen schaffen und oft solche Kranke

vollkommen herstellen, die lange Zeit andere Mittel fruchtlos gebraucht

haben“[135].

[Sidenote: _Agnes Bernauerin_]

Die S. 52 angeführte, seit 1839 bestehende militärische Schwimmschule

in Graz war nicht die erste derartige Anstalt in Österreich, sondern

die 1812 errichtete k. k. Militär-Schwimmschule im Fahnenstangenwasser

im Prater zu Wien, wo auch Zivilpersonen auf Wunsch gegen mäßige

Vergütung Unterricht im Schwimmen erhielten und nach dem Erlernen

baden durften. Unmittelbar daran errichtete 1838 der Schwimmeister

das „Fahnenstangenbad“, abgesondert für Geschlechter, als eigene

Unternehmung, mit den nötigen Bequemlichkeiten. Im Kaiserwasser, links

von der kleinen Taborbrücke, bestand seit 1830 die „Damenschwimmschule“

mit Abteilungen auch für Männer unter dem Namen „Ferdinand- und

Maria-Annabad“. Bemerkt sei noch, daß 1810 die Freibäder in der Donau

an Plätzen entstanden, die der Sicherheit wegen durch Pfähle mit

Stricklinien abgesteckt wurden[636].

Die S. 67 erwähnte Baderstochter von Augsburg, die Herzog Albrecht III.

von Bayern 1432 heiratete, ist die bekannte Agnes Bernauer, die auf

Betreiben von Albrechts Vater, Herzog Ernst, 1432 zum Tode verurteilt

und zu Straubing in der Donau ertränkt wurde.

[Sidenote: _Züricher Kalender_]

Der S. 76 angeführte Züricher Kalender von 1585 ist der durch Kaspar

Wolff gestellte und von Froschauer gedruckte[696].

[Sidenote: _Schröpfen im Bad_]

Im Gegensatz zu anderen Schriftstellern (S. 81) sagt ~Pyrmontanus~

1597: „Aderlassen oder Schrepffen soll man bey höchster gefahr

vermeiden, die jnsonderheit baden wollen“[56]. Gemeint ist das

Baden im Wasser von Pyrmont. Von ~Marius~ erfahren wir 1601, daß

eine alte Gewohnheit beim Schröpfen war, am Ende mit kaltem Wasser

abzukühlen[485].

Die Rolle der „Badstover“ zu Lübeck, die der Handschrift nach

Mitte des 14. Jahrhunderts aufgeschrieben wurde, enthält neben

Zunftangelegenheiten folgende das Badeleben betreffende Stellen: „Ok

so en mach nyn sulves here mannes baden laten des avendes na des dat

de vrouwen gebadet hebben by dren marken sulvers na vnser heren gnade,

yd en weren vnse heren edder junckheren van der stad vnde erlike

borgere ane vrowen to badende (siehe S. 86 u. 87). Ok so en schal nyn

knecht de ene mit deme andern in den stoven spelen, de wile dar lude

baden, by eneme halven punde.“ Das Amt der Bader bestand 1806 noch

aus vier Personen und wurde im gleichen Jahre mit dem der Barbiere

vereinigt[689].

[Sidenote: _Sittlichkeit_]

Die in den Badestuben (S. 91) und Mineralbädern bestehenden Mißbräuche

gingen auch auf die Flußbadeanstalten über. ~Zwierlein~ schreibt 1803:

„Pfiffige Wirte waren hierbei nicht müßig und machten Speculation auf

die Beutel der Badegäste; sie veranstalteten Bälle, halten anlockende,

reizende Mädchen, haben Erfrischungen aller Art, Getränke und Speisen

in Bereitschaft, um ihre Badegäste zu laben und zu ermuntern und

solchen immer mehr Lust zu dem angenehmen Badegeschäft zu machen, zumal

jungen Personen; es wird geschmauset, gespielt, gelärmt, geschwärmt und

getanzt bis tief in die Nacht, und so endigt sich in vielen Städten

bei den Badeanstalten auf den Flüssen fast jeder Tag .... Andere

bleiben dann abends, durch Gesellschaft beredet, im Badehause oder auf

dem Badschiffe beim Souppee, schwärmen, spielen, tanzen und schaden

sich mehr, als sie durch das Bad gut gemacht haben, in welchen Fehler

Jünglinge und andere lustige Brüder gern verfallen. In einer Stadt

wurden die Ausschweifungen unter den Badgästen so auffallend, daß

sich die Geistlichkeit darein mischte und es dahin brachte, daß die

Badeanstalt aufgehoben wurde“[157]. Ähnliche unangenehme Verhältnisse

traf ~Munde~ zu Anfang der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts in

einer der ersten Wasserheilanstalten, der zu Elgersburg, an und kämpfte

gegen sie ohne jeden Erfolg[647].

Nicht nur in Deutschland (S. 111), sondern auch in Rußland wurde die

Badestube als Wohnraum benutzt. So berichtet ~Petri~ in den Pitoresken

aus dem Norden, daß man in Rußland die Badestube Leuten zur Wohnung

unter der Bedingung überlasse, daß sie im Sommer täglich frische

Birkenzweige holen, im Winter aber nackte Zweige in der Badestube zum

Ausschlagen bringen[644].

[Sidenote: _Baderuf_]

Ein Baderuf (S. 145) sei hier noch angeführt, der aus einem

Fastnachtsspiele des 15. Jahrhunderts genommen ist, das die Rufe

verschiedener Handwerker parodiert.

„Wol auf gen pad!

Ir herrn, mit lecken, paden und krauen

Kan ich versehen wol die frauen“[12].

Wurde in Zürich 1636 und 1650 das Badrufen am Weihnachtsheiligabend

verboten (S. 144), so findet es 1748 in den hundertsechsundfünfzig

Züricher Ausrufbildern von ~Herrliberger~ keine Erwähnung mehr. Obwohl

es zur Zeit keinen Weinrufer mehr gab, bringt ~Herrliberger~ aus

geschichtlichem Interesse sein Bild und seinen Ruf. Den Badrufer kennt

er aber nicht einmal vom Hörensagen[697].

[Sidenote: _Regimen sanitatis_]

Die Mainauer Naturlehre (S. 173) diente zur Grundlage einem Regimen

sanitatis, das ein Arzt im 15. Jahrhundert für den Großmeister des

deutschen Ordens zu Marienburg bearbeitete. Im Auszug ist es in

~Raumer~s Taschenbuch (1844)[698], vollständig aber in ~Gruner~s

Almanach (1784)[699] mitgeteilt. Das Manuskript befindet sich auf der

Königsberger Bibliothek. Die das Baden betreffende Stelle lautet: „Ouch

genediger herre moget ir vnderczeithen baden noch euwer gewonheit des

morgens nuchtern vnd noch dem bade haltdet euch warm besunder das houpt

noch dem waschen.“

[Sidenote: _Wichelhausens falsche Schilderung des Badewesens_]

Deutsches Badewesen in vergangenen Tagen · 第 45 / 53 段