Das sechßte heisset deß Bischoffs vnd etwann deß Marggrauen bad. Es

wirt sonderbaren personen verliehen, vnd bekompt sein wasser, von

der ersten brunnquell, wie das Herren bad. Dises ist 10 schuh lang

vnd 8 breit, wie die zwey volgende. In disem ist der Durchleuchtige,

Hochgeboren Jörg Friederich Marggraue zu Brandenburg auff einem

Pferde sitzende gemalet, so daselbst im 1575 jar in eigner

person gebadet. Wann ich an dises Bad gedenck, muß ich warlich

eines wunderbaren bossen lachen so darinnen fürgangen vnd würdig

zubeschreiben.

In gemeltem Jare hatten Burgermeister vnd ein Ersamer raht der

loblichen weitberümpten Statt Zürych dem Hochgebornen Fürsten von

Brandenburg ein ehrliche Badenschencke von Wein vnd Habern zu

gesendet, vnd Herrn Heinrich Lochman dem Panerherren von Zürych

beuohlen dise zu presentieren vnd zu vberantworten. Wie nun diser zu

Baden mit der schencke erschienen, begab sich dz der fromme Fürst

durch das Bad zimlich erhitziget, vnd schwach worden, also das er

etliche tag nicht zu der tafeln gangen, sonder sich in seinem gemach

oder in dem Bad still gehalten. Hiezwischen beuahle er Hertzog

Johansen von der Lignitz vnnd seinen Rähten die frembden Gest zu

entpfahen, vnd jnen gut geschirr zu machen. Als man nun guter

dingen gewesen, vnd der Panerherr gern den Fürsten gesehen, ward

jm angezeigt, der Fürst lasse jetz niemand für sich kommen, sonder

enthalte sich in dem gemach oder im bad. Da schwure der Panerherr

vnnd gelobt bey seinen ehren, er wolte morgen ehe er verritte

wann es anders nicht möchte sein, mit Stiffel vnd Sporen zu dem

Fürsten in das Bad tretten vnd jme die hand bieten, damit er seiner

Oberkeit könte anzeigen er habe den Fürsten gesehen. Weil ich nun

auch ob derselbigen tafel gesessen, vnd zu morgen von dem Fürsten

erfordert mit jm allein zu baden, hab ich dem Fürsten züchtiglich

angezeigt, wz sich ob dem nachtessen für reden zugetragen, vnd wz

der Panerherr versprochen. Hiemit zeigt ich auch dem Fürsten deß

Panerherren hoch alter, vnd auffrecht dapffer gemüt an[F], bittende

wann solches beschehen, jr Fürstliche Gnad wölte jm nicht zu vngnaden

auffnemmen: Wie wir also zwo stund bey einander gesessen, vnd vns

mancherley sachen ersprachet, so kompt der gute alte Lochman wie ein

alter einfeltiger Eydgnoß daher, wünschet dem Fürsten einen guten

tag, wattet mit Stiffel vnd Sporen durch das Bad, vnd beutet dem

Fürsten die hand. Ich vermercket damalen das sich der Fürst etwas

entferbet. In solchem trate der Panerherr hindersich, vnd bate den

Fürsten vmb Gottes willen jme zu verzeihen, dann es were auß guter

meinung beschehen, damit er seiner Oberkeit deß Fürsten miltigkeit

vnd freundtligkeit erzellen mögen. Da hat der Fürst, als ein weiser

wolberedter Herr, erstlich seiner Oberkeit, vnd auch jhme von

wegen der presentierung gedancket, vnnd sich allergnaden gegen den

Zürychern erbotten. Hiemit hat er jm auch dise that so auß frommem

einfaltigem gemüt beschehen, verzigen, vnd jm auch hiemit ein grossen

stauff mit Wein zu einer freundtschafft außgebracht. Disen hab ich

von dem Fürsten entpfangen vnd dem Panerherren dargereicht, welcher

dem Fürsten bescheyd gethon, vnd jn mir auß gebracht. Er ist auch

hernach gantz demütig vnnd frölich von dem Fürsten gescheiden. Weil

solches in disem Bad beschehen, so jetz deß Marggrauen Bad genennet,

hab ich es hie müssen anzeigen, vorab weil der fromme Lochman in

volgendem jare in hohem alter auß diser zeit seliglichen verscheiden.

Das siebende heißet der H. drey König bad oder das schellenbedlin,

ist in gleicher grösse, vnd wirt auch von disem wasser erwermet.

Das achte heisset das Meyenbedlin geht hinauß auff die Limmat ist

mit schönen fenstern bezieret, welche man auff vnd zuthun mag,

vnd fürnemlich in dem Meyen einen großen lust vnd nutz darinnen

entpfahen. Es ist auch in vorgehnder grösse, vnnd wirt mit vorgehndem

heilsammen wasser zubereitet. Dise drey letsten Beder werden von

sonderbaren Personen etwann ein Monat zuuor bestellet, damit wann

sie kommen, dise ledig seyen, vnnd vorgehnde Ehrenleut jhr badenfart

vollendet haben.

Es hat auch Herr Hans Jakob Vberlinger der jetzige Wirt im Stadhof

im 1576 jar ein newen Brunnenquell in seinem Hof etwann zehen schrit

von der Limmat erfunden, vnnd mit grossem kosten lassen einfassen,

wie ich dann dises selbs besichtiget, vnnd sein werme erfahren,

so obenher bey vier spannen zu ring vmb sich haltet, vnd lustige

bläterlin auffwirffet. Wann man auch disen etwas höher vbersich

bringen, vnd dann hinab in Kenel durch die kammern richten, möchte es

an der behausung eck zwey oder drey lustige Beder geben, auß welchen

man zu beyden ecken die Limmat hinauff vnnd hinab sehen köndte.

In disem Hof ist auch ein lustiger dantzplatz mit schönen beumen

bezieret, deßgleichen ein schöne Sommerlauben darbey, so 28 schuh

lang vnd 25 breit ist, also das bey zehen tisch darinnen stehn mögen.

Er ist mit schönen Fenstern, vnnd vil ehrlichen Wappen bezieret.

Daselbst kommen die Badergest offt zusammen, thund ein abendtrunck,

oder begehn die malzeit mit einandern, damit jr kurtzweil gemehret,

vnd jr gemüt erfrewt werde, welches dann zu einer nutzlichen

badenfart höchlichen von nöthen.

VON DEM HINDEREN HOF

Der hindere Hof ist vnder dem vorgemelten auch an der Limmat gelegen,

mit einem großen Hof, darzu mit vil Stuben, Sälen vnd Gemachen

bezieret, also das mancherley Weib vnd Mannspersonen von Adel vnd

Burgern, Geistlichen vnnd Weltlichen stadt daselbst kommlich wonen,

jr speiß entpfahen, vnd jrer badenfart wol mögen außwarten: dann es

seind auch zwo Kuchen darinnen vorhanden, für dise so selbs Kochen,

oder bey dem Wirt wöllen essen, wie im Stadhof. Dises Hofs warm

heilsam wasser kompt von einem sonderbaren Brunnenquel herfür, so

der vierdte mag genennet werden, vnd vor dem Hof vnder einem runden

gemewr von quadersteinen erbawen, herauß tringet. Es hat Herr Caspar

Falck ein frölicher Mann vnd jetziger Wirt desselbigen Hof erst vor

zweyen jaren disen vrsprung geöffnet vnd geseubert, welches vorhin

bey menschen gedechtnuß nicht beschehen. Dises wasser wirt in acht

Beder außgetheilet, so in demselbigen Hof vorhanden.

Das erste ist das Herren Bad, in welches man von dem Hof etliche

staffel hinab geht. Es ist sehr lustig vnd die steinine sitz mit

täfelwerck eingefasset. Dises ist 18 schuh lang vnd 9 breit, also das

bey dreissig mann darinnen baden mögen, vnd ist fast in der mitte der

andern bedern gelegen. Es kommen allerley stadt ehrliche Menner in

dises zusammen. Geben nach einander die morgensuppen, vnnd besetzen

das Gericht aller dingen wie im Stadhof beschicht. Es hat sich

auch etwann zugetragen, wann der Personen wenig vorhanden, vnd jr

Gericht nit wol besetzen mögen, das man auß beiden Höfen ein morgen

vmb den andern zusammen gangen, die suppen entpfangen, vnnd das

Gericht gehalten, auff das jhr kurtzweil gemehret, viel kundtschafft

gemachet, vnnd einigkeit erhalten wurde.

Das ander ist das Frawen bad, so vngefahr 12 schuh lang vnd breit

ist, vnd auch bey 24 Frawen setzen mag. In disem kommen auch vil

schöner ehrlicher jung vnd alte Weibspersonen zusammen, seind

freundtlich mit einander, geben ordenlich jr suppen, vnd halten es

auch aller dingen, wie man im Frawen bad deß Stadhofs zuthun pfleget.

Das dritte ist der Kessel, so auch ein quell von vndenher, vnnd doch

auch von der großen Brunnquell etliche wasser entpfahen muß. Dises

ist bey 20 schuh lang vnd 12 schuh breit, in welchem bey den 40

personen von weib vnnd mannen kommlich baden mögen.

Das vierdte ist zwischen dem Kessel vnnd Frawen bad gelegen, vnd bey

12 schuh fast geuierdt, in welchem auch allerley personen wie in dem

Kessel zusammen kommen. Die volgenden viere seind nicht gemein sonder

werden sonderbaren personen verliehen, welche dise gemeinlich auff

ein bestimpte zeit von wochen zu wochen entpfahen.

Also ist das König bad das fünffte so zu oberst gelegen, vnd das

erste wasser von der großen Brunnquell entpfahet. Es ist vngefahr

12 schuh lang vnd 8 breit, ist gar lustig bezieret, vnd muß man ein

Stegen hinab zu dem eingang gehn.

Das sechßte heißet der Königin bad, ist fast geuierdt 12 schuh lang

vnd breit, vnnd zu nechst an dem vorgehnde in der tieffe gelegen, inn

welchem mehrtheil der Adel sein Badenfart vollbringet.

Das siebende ist deß Jungbrunnen bad, so vnden an der Limmat zu

niderst an den andern Bedern gelegen. Es ist fast rund vnd sehr

lustig mit Fenstern beziert, in welchem mehrtheil ein sonderbare

freundtschafft badet, vnnd vil kurtzweil hat, ist auch bey 12 schuhen

lang vnd breit.

Das achte ist zu niderst in dem Hof bey einem Fürstlichen saal vnd

lauben gelegen, bey 10 schuh lang vnnd breit, darzu lustig getäfelt,

also das groß Herren vnd Prelaten daselbst baden vnd jr kurtzweil

haben mögen. Man spacieret gemeinlich durch disen hindern Hof, wann

man auff der Matten etwas kurtzweil vollbringen will.

VON DEM RAPPEN

Der Rappen ist ein lustige Herberig bey dem Freyen bad an dem Stadhof

gelegen, in welchem vil lustiger gemach vorhanden, also das der Adel

vnd vil ehrlicher leut gern daselbst einkehren. Es hat sechs Beder,

welche alle jr wasser von dem ersten grossen quel haben, so vnder dem

grossen stein bey dem Freyen bad entspringet.

Das erste ist das Gewelb, inn welchem allerley Personen Weib vnd Mann

bey 30 zusammen kommen. Es ist vngefahr 16 schuh lang vnd 10 breit.

Demnach seind in einem lustigen gemach vier Beder ordentlich mit

gattern vnd täfelwerck creutzweiß vnderscheiden, jedes bey 10 schuh

lang vnd breit, welche sonderbaren personen verlihen werden. Das

sechßte ligt an einem besondern orth mit lustigen gemachen bezieret.

Es hat lustige Fenster gegen der Limmat welche man beschliessen

oder gar offen mag lassen. Dises Bedlin ist auch bey zehen schuhen

geuierdt, vnd gantz kommlich für contracte oder lame personen,

welche jhr Bett begeren nahe bey dem Bade zu haben. Es ist auch für

sonderbare personen zubereitet.

Ähnlich beschreibt ~Pantaleon~ die Herbergen zur Blume, zum Ochsen, zum

Bären. Dann folgt das letzte Badehaus in den großen Bädern.

VON DER SONNEN

In diser Herberig so auch auff dem platz bey S. Verena Bad gelegen,

kommet mancherley Volck zusammen, vnnd werden vmb jr Gelt wol

gehalten. Es seind sechs Beder darinnen vorhanden, so durch deß

sechßten quell heilsame wasser (wie auch zu dem Beren) zubereitet.

Die ersten zwey seind mit gattern vnderscheiden vnd jedes bey zwölff

schuh lang vnnd zehen breit, in welchen allerley personen Weib vnd

Mann zusammen kommen. Die vberigen vier seind fast von 8 schuhen

geuierdt, vnnd werden sonderbaren personen verliehen, sich nach jrem

gefallen darinnen zu ergetzen. Dergestalt seind die heilsamen wasser

zu den grossen Bedern in 41 orth abgesündert.

VON DEN KLEINEN BEDERN

Jenseith der Limmat ist der siebende Brunnenquell gleich zwischen den

Bedern vorhanden, welcher in vier Beder durch Kessel außgetheilet.

Das erste ist 22 schuh lang vnd 19 breit, also das bey 50 personen

darinnen baden mögen. Es lauffet sonst auch ein rörlin darein von

einem anderen kleinen quell. In disem bade seind gemeinlich Weib

vnd Mann so von dem Land zusammen kommen, vnd begeren jr badenfart

etwas ringer zu verrichten. Das ander ist 15 schuh lang vnd 19 breit,

so mit gatteren von dem ersten vnderscheiden, auch mit dergleichen

personen erfüllet. Wann aber deß Volcks weniger, machet man dises Bad

nicht an, sonder lasset dem ersten desto mehr wasser.

Das drit vnd vierte seind dargegen vber vnder einem andern tach an

einandern gelegen, vnd werden auch durch ein gattern vnderscheiden.

Das dritt ist 8 schuh, vnd das viert 7 schuh breit, vnd ein jedes

17 schuh lang, in welchem auch allerley Volck zusammen kompt. Weil

aber etwann sonderbare reiche Personen sich in dise kleine Beder

thun, damit sie destermehr ruh mögen haben, wirt es denselbigen auch

insonderheit verliehen, damit sie mit jrem Haußgesind daselbst jhr

badenfart nutzlich vollbringen mögen. Es seind vier Wirtsheusser

daselbst vorhanden. Zu dem Hirtzen, Sternen, Engel vnd Löwen,

welchen die Beder zugehörig: deßhalben mag ein jeder gast einkehren

wo jm gefallet, sich zu dem Wirt verdingen, auch das maal oder

pfennwert vmb ein zimlichen pfennig bey jnen essen, doch wirt niemand

zugelassen für sich selber zukochen. Es haben die Landtleut ein guten

mut daselbsten, führen mancherley gesang, vnd muß Trommen, Pfeiffen,

Geigen, vnd Sackpfeiffen offt bey jnen leyden, daß man etwann jnen

gern gelt gebe, das sie auffhörten: doch begerten sie es nit besser

zu haben ..... (Vgl. Abb. 138.)

[Illustration: Abb. 138. Männerbad im Anfang des 16. Jahrhunderts. Aus

einem Holzschnitt von ~A. Dürer~[G].]

VON DEM SCHLÜSSEL VND ANDERN HERBERGEN

Die Herberig zu dem Schlüssel hat keine Beder, gehört der Statt zu,

vnd ist einem sonderbaren Wirt vmb ein Zinß verliehen. In diser

kehren erstlich die frembden Gest zu Rossz vnd Fuß ein, welche vorhin

kein kundtschafft zu den Bedern haben, biß daß sie ein komliches

gemach mit sampt dem Bad in anderen Herberigen bestellet. Wann aber

jemand begeret in dem Freyen bad zu verharren, der mag daselbsten

bleiben. Etwann vor hundert jaren, was es ein groß wesen vnd gastung

zu dem Schlüssel. Dann die Wirt im Vorderen vnd Hinderen Hof kocheten

nit für jhre Gest, sondern waren groß Junckherrn, vnd verlihend

frembden leuten allein die Gemach vnd sonderbare Beder, von einer

wochen, oder einem Monat zu dem andern, vmb ein gewissen zimlichen

zinß. Deßhalben der Adel vnd andere Herren, so in den Höfen gebadet,

mehrtheil die malzeit, zu dem Schlüssel entpfangen. Dann es ist ein

lustiger Sommersaal daselbst vorhanden, so bey 44 schuh lang vnnd 35

schuh breit also das bey 12 Tisch darinnen stehn mögen. Weil sich

aber diser brauch verendert, vnd die Wirt in Höfen, jre Gest so

nit selber kochen, auß jrer Kuchen speisen, hat der Schlüssel sehr

abgenommen, vnnd muß sich allein diser personen, so erst ankommen,

oder der Bauren behelffen, so im Freyen bad etliche stund bleiben,

vnnd ein abendtrunck thun wöllen. Doch bestellen auch etwann die

Gest auß beiden Höfen ein malzeit daselbsten, ergetzen sich mit

einandern, vnd ist Weib vnd Mann frölich. Also lassen sie auch etwann

auß diser Herberig wein in jr gemach bringen.

Sonst seind noch andere Herberig, als zu dem Gälenhorn, Löwen, vnnd

halben Mon vmb Sanct Verena Bad, deßgleichen in der oberen straß,

zu dem Hirtzen vnnd Krebs in welchen offt die Landtleut, so sich

inn dem freyen Bad erweschen oder schräpffen wöllen, essen oder

ein abendtrunck thun: deßgleichen seind die armen leut daselbst zu

Herberig, vnnd mögen sich vmb ein klein gelt ring enthalten. Dann

man lasset niemand inn S. Verena bad sitzen, er habe dann vorhin ein

Herberig bestellet. Wann man auch daselbst deß weins befindet, ist

man gleich so frölich wie an andern orten.

VON DES BADS FREYHEIT

Es seind dise Beder mit mancherley Freiheiten von alten zeiten her,

durch König vnd Keyser, vnnd auch letstlich durch die lobliche

Eydgnoschafft, deßgleichen durch die Statt Baden begabet. Dann

welcher in dem Bad sitzet ist seines leibs vnd lebens auch haab

vnd gut versichert, vnd darff gar niemand einerley waaffen oder

seitenwehr zu dem Bad tragen. Wo sich auch jemand hie vbersehe,

vnd vngefahr ein wehr mit jm zu dem Bad bringen, hat er das wehr

verwircket, vnnd muß es der Oberkeit durch den Wechter zuhanden

stellen. Es mag auch jederman in disen Bedern sich ergetzen vnd sein

Badenfart vmbsonst vollbringen. Dann er ist niemand nicht daruon

schuldig weder dem Badwescher ein wochen ein creutzer, welcher das

Bad seuberen soll, oder dem Bader den schrepfferlon, so er jhm ab

verdienet hat. Hiemit solle auch dises Bad bey schwerer straff sauber

vnd rein gehalten werden, vnd darff niemand einerley vnuernünfftig

thier, als Sew, Hünd, Katzen, oder dergleichen darauß wäschen, oder

darein werffen. Wann aber jemand solches vbersehen, der ist neun

pfund zu straff der Oberkeit verfallen. Wann sich auch etwann vnzucht

in dem Bad begeben, es were mit worten oder wercken, dises mag durch

die Badergesellen gestraffet, vnd durch jhren Schultheissen vnd

gericht verbessert werden. So aber jemand nicht gehorsamen, oder zu

vil grosse vnzucht begangen oder ohne nidercleid in das Bad kommen,

also das hiedurch etliche andere fromme Weib vnd Manns personen

verletzet oder geergert, die werden von der Statt Schultheissen

gestraffet vnd dahin gehalten, das sie von mutwillen abstehn, vnnd

meniglich müssen vnbekümmert, vnd in dem Bad rüwig lassen. Wo aber

jemand etwas an den andern zusprechen, der mage darumb bey der Statt

Schultheissen vmb Recht ansuchen. Es solle auch dises Bad vil andere

Freyheit haben, welche mir bisher doch vnbekannt gewesen.“

Die Badegäste fanden, außer in den Bädern selbst, auch noch in der

Stadt Baden Gelegenheit zu Vergnügungen.

„Es ist auch gleich an der Statt bey dem nideren Thor ein schöner

Saal vnd Garten, so der Herren Garten genennet, in welchem zu Sommer

zeit gemeiner Eydgnossen Legaten, fremde Bader Gest, oder Statt Räht

vnd Burger alle tag zusammenkommen, offt jhr Malzeit entpfahen oder

ein abendtrunck thun, darzu vil freud vnnd kurtzweil bey einander

haben, also das keiner den andern verachtet, was Religion Catholisch

oder Euangelisch er sein möchte. Diser saal ist 82 schuh lang vnd 32

breit, also das bey 40 Tischen vnd 400 Mann wol daselbsten zu Tisch

sitzen mögen. In der mitte lauffet ein schöner Brunnen mit dreyen

rören, also das sich das wasser in die erden verleuret, vnd stehet

der gekrönet Bachus mit zweyen angesichten auff dem Brunnen, welchen

etliche Janum die andern Noe genennet, so die Weinreben zu pflantzen

erfunden, auch die Welt vor vnd nach dem Sündfluß gesehen. In disen

werden die Bächer gekület, vnd mag also mancher hitziger Badergesell

mit wein oder wasser seinen durst löschen. Doch ist der Statt beste

wasser in dem grossen Brunnen bey dem Löwen vorhanden. Hinder disem

Saal ist ein schöner Garten mit wolschmeckenden Linden, vnd Reben

gehelden bezieret: auff der Linden sind auch Tisch bereitet, bey

welchen man mag guter dingen sein, also das diser platz den Burgeren

vnd frembden nit ein kleiner lust ist.“

Diese Gartenzunft oder -gesellschaft, zu der nur die Honoratioren von

Baden Zutritt hatten, gab auf den 1. Mai ein großes Jahresfest. Sie

löste sich erst 1798 während der Revolution auf, aus Besorgnis, ihres

reichen Fonds beraubt zu werden, den sie unter die lebenden Mitglieder

verteilte[315].

~Pantaleon~ berichtet auch, daß die Stadt ein reiches Spital besaß,

das 1310 Königin Agnes, Andreas von Ungarn Gemahlin und des ermordeten

Kaisers Albrecht Tochter, gestiftet hatte. „In disem werden vil

einheimischer vnnd frembder armer leuten erhalten, welche kranck bey

den Bedern vorhanden, vnd sich nicht selbs versehen mögen.“

[Sidenote: _Montaignes Bericht über Baden im Aargau von 1580_]

1580, also zwei Jahre später, berichtet ~Michel de Montaigne~ über

seinen Aufenthalt in Baden: Es ist „eine kleine Stadt, mit einem

Flecken daneben, wo sich die Bäder befinden. Diese Stadt ist katholisch

und steht unter dem Schutze der 8 Schweizer Kantone. Es wurden hier

auch mehrmals große fürstliche Zusammenkünfte gehalten. Wir nahmen

aber nicht in der Stadt, sondern in dem Flecken unsere Herberge, der

unten an der Tiefe ganz an einem Flusse oder vielmehr Waldstrome liegt,

welcher Limmag heißt und aus dem Zürichsee fließt. Hier finden sich 2

bis 3 öffentliche und unbedeckte Bäder, derer sich deswegen nur die

armen Leute bedienen. Die übrigen sind in sehr großer Anzahl inner

der Häuser, wo sie in mehrere kleine, offene sowohl als beschlossene

Gemächer abgeteilt und geleitet werden, die man zugleich mit den

Wohnzimmern zur Miete nimmt. Diese Badegemächer sind sehr niedlich und

bequem eingerichtet, so daß zu jedem Bad eine Ader Wasser fließt. Diese

Häuser sind gar prächtig. Da, wo wir wohnten, fanden sich eines Tags an

die 300 Menschen zum Essen ein. Die Badegesellschaft war bei unserer

Anwesenheit noch so stark, daß die Gäste wohl 170 Betten brauchten. Es

sind siebenzehn Stuben und elf Küchen da und in einem anderen nahen

Wirtshause fünfzig möbelierte Zimmer. Die Mauern der Häuser sind ganz

mit den Wappenschilden der Edelleute bekleidet, welche hier wohnten ....

Das Badwasser in Baden riecht nach Schwefel, gleich dem zu

Aigues-Chaudes und andern. Die Wärme desselben ist gemäßigt wie dort

und zu Barbotan, und die Bäder sind daher sehr sanft und angenehm.

Wer Damen zu begleiten hätte, welche recht züchtig und bequem baden

wollten, mag sie nur hierher bringen; denn da können sie ganz allein

in einem Bade sitzen, das einem geschmückten Cabinet ähnlich ist,

durchaus hell, mit Glasfenstern, bemalten Wänden und reinlichen

Fußböden; überdas findet man Stühle und kleine Tische, so daß man nach

Belieben im Bade sogar lesen und spielen kann. Der Badende hiernächst

kann sich selbst so viel Wasser zugießen oder wieder ablaufen lassen,

als er will, und nahe am Bade hat man sein Zimmer, schöne Spaziergänge

am Fluß und daneben die künstlichen auf etlichen Galerien .... Die

Landeinwohner brauchen es aber vielmehr als Bad (als zum Trinken) und

lassen sich da so stark schröpfen und Ader schlagen, daß ich die beiden

öffentlichen Bäder bisweilen so gerötet sah, als ob sie ganz von Blut

wären. Wer übrigens das Wasser trinkt, nimmt gewöhnlich nicht mehr als

1 oder 2 Gläser zu sich. Insgemein hält man sich 5 bis 6 Wochen hier

auf, und die dortigen Gasthöfe sind den ganzen Sommer über besucht,

selten zwar von einer anderen Nation als von Deutschen; diese aber

kommen in großer Menge her.“

Wir erfahren ferner von ~Montaigne~, daß er das Wasser vornehmlich zum

Trinken benutzte, daneben schweißbadete, daß er im Hinterhofe wohnte,

die Bezahlung etwas stark fand und zudem noch gegen die sonstige Sitte

des Landes mehrfach geprellt wurde.

In seinen Versuchen (Bd. II, Kap. 37) kommt ~Montaigne~ noch einmal

auf die Bäder von Baden zu sprechen, welche er mit denen von Bagnères,

Plombières, Lucca und della Villa hauptsächlich der angenehmen Gegend,

mancherlei Bequemlichkeit für die Badegäste, der Gelegenheit zu

Leibesübungen und der guten Gesellschaft wegen in eine Linie setzt und

dabei glaubt, daß, wer bei dem Besuche solcher Bäder die obenerzählten

Eigenschaften derselben, wo sie sich finden, nicht mit Freuden benutze,

törichterweise sich selbst ihrer besten Wirkungen beraube[326].

[Sidenote: _Die Badschenken_]

Aus ~Pantaleon~s Beschreibung ersehen wir, daß die Stadt Zürich

dem Markgrafen Georg Friedrich von Brandenburg Wein und Hafer als

Badschenke zusandte. Derartige Geschenke waren nicht ungewöhnlich. Als

der Landgraf Moritz von Hessen am 8. August 1603 mit seiner Gemahlin

Juliane nach Wolfshagen kam, verehrte ihm der Rat einen halben Ohm

Wein und ein halbes Fuder Bier und der Landgräfin zwei Rinder[413].

Besonders suchte man aber dadurch fremde hohe Personen in Bädern zu

ehren. Die Art der Geschenke, anfangs meist Nahrungsmittel, in dem

erwähnten Fall auch Hafer, läßt darauf schließen, daß man ursprünglich

den Gast in den meist vom Verkehr abgeschlossenen Badeorten mit

Lebensmitteln versorgte. In Pfäfers konnte der Wirt noch im 17.

Jahrhundert den Gästen nur Brot und Wein bieten. Fleisch, Fische und

Wildbret sandte der Abt ohne Entgelt Standespersonen ins Bad hinab[22].

Deutsches Badewesen in vergangenen Tagen · 第 35 / 53 段